Ausgabe 
21.1.1925
 
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und lebhafter Gehässigkeit zu empfangen, wie bas Dreitscheid getan habe. Ion der Regierung er­warte man eine gesunde nationale Realpolitik. Der Redner wendet sich gegen das so oft mih- brauchte Wort vom Dürgerblock und erklärt: Wir kennen keinen Gegensatz zwischen Bürger­schaft und Ardeitertum, wir kennen nur Deutsche. (Lebhafter Beifall.)

Abg. Frau Gohlke (Ruth Fischer) (Komm.) wirft den Sozialdemokraten vor, sie seien die Ursache dieser jetzigen Regierung und Herr Breit- scheid mit seiner langen Gestalt werde jederzeit bereit kein, dem Reichskanzler Luther als Da- lanzieriiange zu dienert. (Heiterkeit.) An den .Sozialdemokraten werde das Kabinett willige Helfershelfer finden, werm es gelte, die Arbeiter niederzuknüppeln. Als die Rednerin von einer deutschen Zuchthaus-Republik spricht, wird sie zur Ordnung gerufen.

Daraus vertagt daS Haus die weitere poli­tische Aussprache auf Mittwoch. Fortsetzung der politischen Debatte.

Preußischer Landtag.

Kortsetzunq der politische« Aussprache.

Die große politische Aussprache zur Regierungserklärung wird fortge­setzt.

Als erster Redner nimmt das Wort Abg. Da ecke r -Berlin (Dn.): Die These des Mi­nisterpräsidenten Braun, er brauche auch im -Preußischen Landtag nur einem förmlichen Mih- trauensvoturn nach Artikel 57 der Verfassung zu weichen, droht den Landtag und das Land in einen schweren Äonflift zu stürzen. Wir werden das System Braun-Devering dahin bringen, wo­hin eS gehört.

Wahrend der Ausführungen des Redners waren die meisten Minister auf ihren Plätzen erschienen.

Abg. Schreiber-Halle (Dem.) tritt den Ausführungen des Vorredners entgegen und be­merkt, daß Ministerpräsident Braun seine Pflicht aufs gröblichste verletzt hätte, wenn er in der Frage des Protestes gegen die Richträumung der Kölner Zone es unterlassen hätte, vor dem Landtag den Protest der StacttSresierung zum Ausdruck zu bringen.

Abg. Dörr (Komm.) wendet sich gegen die große Koalition und beschuldigt befmtt>ers die Sozialdeml^raten an der Verelendung des deut­schen Volkes mitgewirkt und die Geschäfte der VolkSauSsauger besorgt zu haben. Inzwischen ist dem Hause ein in die Form eines Vertrauens- antrageS gekleideter gemeinsamer Miß- Irauensantrag der Deutschnationalen und der Deutschvölkischen eingegangen.

Abg. Wulle (Datsoz): Das Ministerium Braun vermeide eS peinlich, die Vertrauens­frage zu stellen, deshalb hatten sich eine Anzahl Abgeordneter der Rechten erlaubt, der Regie­rung einen Vertrauensantrag einzubringen. (Stür­mische Heiterkeit.)

Gin deutschnationaler MißtrauenSantrag lautet: Der Landtag wolle beschließen: Der Mi­nisterpräsident und Minister der Finanzen und für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung Braun, der Minister des Innern Severing und der Minister für Handel und Gewerbe S i e r i n g besitzen nicht daS Vertrauen des preußi­schen Landtags.

Das HauS vertagt sich auf Mittwoch.

Die hessische Regierungsbildung.

Ein neuer Daruistäbter Pressedienst, die Süd­deutsche Republikanische Korrespondenz Ausgabe Rr. 7 meldet, daß die Abhandlungen über die Regierungsbildung auch am Dienstag fortgesetzt wurden. Die Fraktionen das Bauernbundes und bet Deutschen DolkSpartei traten zu Sitzungen zusammen, die sich von 10 Uhr vormittags bis in die Abendstunden Hinzvgen. Während dieser Sitzungen fanden längere Besprechungen zwischen den Wg. Hofmann (Ztr.) Dingeldey (D. BP.) und Dr. von Helmholl (Dbd.) statt. 3m Anschluß hieran traten die beiden Fraktionen zu einer gemeinsamen Sitzung zusammen, in der Abg. Dingeldey über die Lage berichtete. Die neue Regierung dürfte sich auf diese drei Grup­pen beschränken, jedoch ist ihnen die Reutralität der äußersten Rechte sicher. Die Korrespondenz will, wissen, daß der Posten des Staaitsprasiden- ten in Zukunft mit Herrn von Brentano be­seht werden dürfte.

Politische Schulungswoche in Darmstadt.

Tie vom 27. bis 30. Januar 1925 in Darm­stadt vom Frauenausschuß zur Be­kämpfung der Schuld lüge veranstaltete Schulungswvche bringt folgendes Programm: 1. Tag, vorm. 10 Uhr: Bedeutung und Behand- luna der KriegSschuldfrage: Prof. C o ß m a n n; nachm.: Ter Friedensvertrag von Versailles: Dr. Emmy VoigNänder; Bisherige wrischaft- ltche Verluste und V"lastunqen Deutschlands nach dem Versailler Diktat: Dr. Raab: abends, öffentlich: Tre Frau in der Kriegs- und Rach- kriegszcr': Clara Men de, M. t. R. 2 Tag, vorm.: Die geraubten Kolonie»: Dr. G. Wolff, München: Tie Folgen des FriedenSvertrages auf die Volksgesundheit: Freiin Dr. v. Wal­ter, M. d. L-: nachm.: Der Kampf, um den deut­schen Rhein: Dr. Dose Kempf, Freiin Dr. v. Hertling: Französische Separatistenpolitik von einem Augenzeugen: abends, öffentlich: Die Frauen im Ruhrkampf: Frau M. Dönhoff, M. d. L-: Der Rechisbruch vom 10. 3an. 1925. 3. Tag, Vorm.: Versailles und Deutschlands Stellung in der Weltpolitik: Dr. K r i e g f ; nachrn.: Debatte; abends, öffentlich: Der Kampf um das Deutschtum im Osten: Frau K a l l ä h n e, Danzig. 4. Tag, vorm.: Das Sachverständigen­gutachten und das Abkommen von London: Dr, Kuhlenkampf, M. d. R: nachm.: Debatte; Deutschland und der Völkerbund?

Nuntius Pacelll kommt nach Berlm.

Rom, 21. 3an. (TU.) 3n Kreisen des Vatikans wird mitgeteilt, bah auf Grund der Unterzeichnung des Konkordates zwischen dem Heiligen Stuhl und Bayern der päpst­liche RuntiuS Pacelli sich demnächst nach Berlin begeben wirb, um mit der Reichs - regierung wegen der Unterzeichnung eines Konkordates mit dem Heiligen Stuhl Verhandlungen anzuknüvfen. Das neue Kon'or- dat solle an die Stelle deS zwischen dem Hei­ligen Stuhl und Preußen abgeschlossenen treten

Der Barmatskandal.

Abg. Hofmann und Barmat. Eine Gläubigerkonferenz.

Ludwigshafen, 21. 3an> (LH.) 3n den letzten Tagen wurde bekannt, daß auch der Reichstagsabg. Hofmann-LudwigShafen (Zentr.) in Beziehungen zu den BarmatS ge­standen hat. Der Abg. Hofmann stellt nun fest, er sei im August des vergangenen 3ahres auf Veranlassung seines FraktionSkol- legen Lange-Hegermann, der damals Vorsitzender des Auffichtsrats bei Schneider L Co. in Heidelberg-Kirchheim und bei den Kreiswerken in Reckarau war, in den Auf- fichtsrat der beiden Keinen Betriebe em- getreten. Er habe jedoch keine Aktien dieser beiden Werke behalten, habe überhaupt aus sei­nen Aufsichtsratsposten keinen materiellen Ruhen gezogen. Einer Aufsichtsratssitzung habe er nicht beigewohnt. Als er vom Berliner Barmat-Skandal erfahren habe, sei er von den beiden Aufsichtsratsposten zurückgetreten. Die Gebrüder Darmat seien ihm zwar persön­lich vorgestellt worden, in ein näheres persön­liches Verhältnis sei er aber nie mit ihnen getreten.

3n der Barmat-Affäre fand im neuen Ber­liner Kriminalgericht eine Konferenz der Gläubiger statt. Vertreten waren dasReichs- postministerium, die anderen Gläubiger, sowie die drei verhafteten Drüber Barmat und der Unter­suchungsrichter. 3n einem notariellen Vertrag erklärten sich die Gebrüder Barmat bereit, ihr gesamtes im 3n- und Ausland befindliches Der- mögen der zu gründenden Treuhandgesell­schaft zu überlassen. ES soll eine gleich­mäßige Befriedigung sämtlicher Gläubiger versucht werden, und zu diesem Zweck ist beabsichtigt, gewisse unrentable Be­triebe des Darmat-Kmizerns abzustoßen, andere dagegen neu zu organisieren und unbedingt weiterzuführen. 2In die Svihe des Dettval- tungsrats der Treuhandgesellschaft wird Rechcks- anwalt Dr. Kohler, der Rechtsbeistand deS ReichspostministermmS, treten.

Oesterreichischer Besuch in Berlin.

Dr. Dirrghofer über den Zweck seiner Berliner Reife.

Wien, 21.3an. (LU.) DieReue Freie Presse" veröffentlicht eine Unterredung ihres Berliner Korrespondenten mit dem in Beglei­tung des Vizekanzlers Dr. Frank nach Berlin gereiften Präsidenten des österreichischen Ratio- nalratS, Dr. Dinghofer, über den Zweck ihres Deriiner Besuchs.

Der Zweck unserer Reise ist in erster Linie die Erörterung politischer und wirtschaftlicher Fragen. Oesterreich hat ein neues Genfer Protokoll geschlossen. Aber auch der Rah­men, in den es durch dieses Abkommen hineinge- zwängt ' vrbe, dürfte sich als zu eng für Oester­reich erweisen. Es ist möglich, daß wir bald wieder nach Genf gehen müssen, um dort ernste Entscheidungen zu treffen. Vielleicht werden diese Entscheidungen auf Grund der Erkenntnis getroffen, daß die Angliederung Oester­reichs an ein größeres Wirtschafts­gebiet nötig ist. Ratürlich kann es uns nicht gleichgültig sein, in welcher Weise sich eine solche Angliederung vollzie^n würde.

Wir wollen wissen, wie man sich in Berlin zu der Frage stellt, was gescheben wird, wenn das deutsch-österreichische Handels­abkommen abgelausen ist, das nur ein Provi­sorium ist. Wir wollen wissen, ob dann vielleicht eine größere wirtschaftliche Annähe­rung Deutschösterreichs an Deutschland ins Auge gefaßt werden kann und ob man in Berlin dar­über unterrichtet ist, wie sich die Entente zu einer solchen wirtschaftlichen Annäherung stellen würde.

Der Reparationsagent zum Vertragsbruch.

London, 21. 3an. (WTD. Funkspruch.) Rach derChicago Tridune" soll der General­agent für die Reparationszahlungen Parker Gilbert in dem gestrigen Expose über den Stand der Ausführungen deS DaweSplaneS fol­gendes erklärt haben: Deutschland habe an die Alliierten seit Inkrafttreten des DaweSplaneS seit Oktober v. 3. 22 Millionen Goldmark be­zahlt. Er stellte fest, daß der neue Reichs­kanzler bereit sei, den DaweSplan durch-- zuführen. Wenn auch der Generalagent nicht auf politische Frage» einging, schreibt das Blatt weiter, so hat er doch nrcht unterlassen, darauf hinzuweifen, daß die RichtrSumung der Kölner Zone die Ausführung deS DaweSplaneS in Mitleidenschaft zu ziehen drohe, besonders wenn die Alliierten nicht ihre Absichten hinsichtlich der Aufrecht­erhaltung der Besetzung nach Erhalt des Be­richtes der Kontrollrommlssion in Berlin kund­gäbe. Die deutschen Rationalisten hätten aus der Aufrechterhaltung der De ehung der Kölner Zone Kapital geschlagen, aber man glaube, daß eine freunbscha'tliche Lösung gefunden werde, und baß diese Zone gleichzeitig mit der Duhrränmun g durch die Franzose» und Belgier im April ober Mai diese« Jahres ge­räumt werden würde.

Frankreich, Rußland und der Vatikan.

Aus brr französischen Kammer.

Paris, 21. 3an. (T. U.) Der Bericht­erstatter der Finanzlommifsion Simon hat gestern nachmittag in der Kammer feinen Bericht über die Wiederaufnahme der Be­ziehungen zu Rußland und die Auf­hebung der Gesandtschaft am Vati­kan verlesen. Für die Anerkennung Sowjet­rußlands, betonte der Redner, seien drei Gründe maßgebend:

1. die Rotwendigkeit eines politischen Zusammengehens mit den östlichen Verbündeten Frankreichs.

2. Regelung des llnlertanenverhältnisses der zahlreichen russischen Flüchtlinge,

3. Wiederaufnahme von 130 Millionen Men­schen in den europäisch?» W -t'chaf:s^e band.

I Der Anspruch ber Sowjetrrg e.ung, auch die I Mongolei und China zu oertreten, wurde zu­

rückgewiesen. Bei der Gelegenheit sei festgestellt, daß die Bolschewisten imperialistische Tendenzen verfolgen. Die französische Regie­rung halte sich wegen der Sowjetpropaganda zurück, für die 200 Millionen Rubel jährlich verausgabt werden. Der Berichterstatter verhehlt nicht, daß mit der Rückerstattung der russischen Privatfchulden kaum zu rechnen sei. Die Anerkennung der Rechte Franiceichs und der Franzo en bildet die Voraussetzung für die Wiederaufnahme der Beziehurrgen ßu Rußland. Rußland könne nicht mit der finanziellen llnter- stühung Frankreichs rechnen.

Darauf wendet sich Simon der Frage der Vertretung im Vatikan zu. Er tritt für die Aushebung der Gesandtschaft ein. Die Behauptung, daß Frankreich von sämtlichen zivili- Herten Ländern keine Vertretung im Vatikan haben werde, entspreche nicht den Tatsachen. Die Schweiz habe leinen Gesandten, England sei nur durch einen außerordentlichen Bevoll­mächtigten vertreten, Rußland, die Vereinigten Staaten, Japan. Mexiko, China, Dänemark, Schweden und Rorwegen, insgesamt 30 andere Rationen, seien nicht im Vatikan vertreten. Zudem brauche Frankreich in dieser Frage nicht dem Beispiel der anderen zu folgen.

Die französisch-russischen Besprechungen.

Paris, 20. 3an. (TU.) DerMatin" weist der Begegnung Krassins mit Herriot und dem Präsidenten der Republik außer­ordentliche Bedeutung bei. Bei der Unterredung stand Herriot unter dem ungünstigen Einfluß ; eines soeben aus Moskau eingetragenen Tele- grarnmes, in dem der fr anzösische Dot-i schäft er über den Verlauf seiner Unterredung J mit Litwinow berichtete. 3n der Frage der ; russischen Vorkriegsschulden erklärte der Volks- i kommifsar, daß es R y k o w als Regierungschef unbenommen bleibe, die Rotwendigkeit der Rück- < erstattung der Schulden prinzipiell zu verneinen. Herriot hat dem Sowjetgesandten zu verstehen gegeben, daß die frankv-russischen Verhandlungen bei einer solchen Tat einen schwierigenVer- i lauf nehmen werden. Die Regelung verschie- j bener Streitfragen ist, so fügt derWatin" hinzu, bei der ebenfv ungeschickten wie unermüdlichen Propaganda der Sowjets schon jetzt äußerst problematisch und auch die Aufrechterhal­tung der politischen Beziehungen wird zweck- unb gegenstandslos.

Krassin reift morgen bestimmt nach Mos­kau ab. Er wird über die Stimmung in Frank­reich eingehend berichten. Die Blätter hoffen, daß es Krassin in Gemeinschaft mit Rakowski gelingen wird, die Sowjetregierung zu einem i größeren Entgegenkommen zu ver- cmlafsen,

Das russisch-japanische Abkommen über China.

Peking, 20. Jan. (Reuter). Die rufsisch- japanischen Verhandlungen sind abgeschlossen und das Abkommen unterzeichnet worden. Das j chinesische Ministerium des Aeuhern hat eine Rote an die japanische Gesandtschaft , und den russischen Botschafter gesandt, in der j eS heißt, die chinesische Regierung habe von dem : bevorstehenden Abschluß deS russisch-japanischen Abkommens erfahren und sie mache Rußland und Japan daraus aufmerHam, daß, wenn das Abkommen chinesische Interessen berühre, j es nicht anerkannt werben würde, bevor es die Billigung der chinesischen Regierung ge­sunden habe.

Die Kämpfe vor Schanghai.

Schanghai, 20. Januar. (WB) Weitere I Kämpfe wurden heute nicht gemeldet. Die Streit- - fräfte Schi-Tsi-Vuans werden in einer Linie J Wusch-Kianghin, 60 Meilen von Schanghai, zu­sammengezogen. Beiderseits von Wuseh sind Eisenbahnzüge zum Entgleisen ge­bracht worden, die 13 Lokomotiven und Hunderte von Wagen stillegen. Die Truppen von Schi-Tsi- Duans leiden bereits unter Nahrungsmangel und plündern in der Gegend von Wuseh. Die Ausländer in Schanghai haben zwar leine Be­sorgnisse über ihre Lage, doch macht sich das De- tdürfnis nach Vermehrung der Truppen zum Schutze der Riederlassungen fühlbar.

Gestern hat hier eine Konferenz zwischen Vertretern des Stadtrates und der Ma­rinebehörde statt gefunden. Man hatte Maß­nahmen ins Auge gefaßt, um die Verteidigung des internationalen Konzessionsgebietes und einen neuerlichen Einfall in dieses Gebiet durch die geschlagenen Truppen, wie dies in der ver­gangenen Woche geschehen ist, zu verhindern. 3n einem solchen Falle sollen alle Anstrengungen gemacht werden, um die Truppen in ein anderes Stadtviertel zurückzulenken. Rötigenfalls soll Gewalt angewendet werden.

Havas meldet aus Schanghai: Zwei eng­lische Dampfer find dem Feuer chinesi­scher Artillerie ausgesetzt gewesen, und zwar der eine etwa 10 Km. von Tfchekiang am 16. Januar und der andere bei den Wosung- Forts am 19. Januar. Keiner von den Dampfern sei zu Schaden gekommen.

Auch (Englanb gegen den französischen Minimaltarif.

London, 20. Jan. (£113 Das neue fran­zösische Zollgeseh, das seyr erhebliche Er­höhungen des französischen Mindesttcnifes bei gewissen Gütern vorsieht, hat in britischen industriellen Kreisen lebhafte Beunruhi­gung hervorgerufen. Man hatte ursprünglich an= genommmen, daß sich das Gesetz gegen gewisse deutsche Industrien richten würde. Man er­wägt nun die Möglichkeit eines neuen Han­delsvertrages mit F aakreich. Der britische Exporthandel nach Frankreich sei gegenwärtig weit weniger befriedigend aI6 der französische Exporthandel nach England.

Kleine politische Nachrichten.

Sicherenr Vernehmen nach steht die Auf­hebung des Verbots der Rational- sozialistischen Partei in Bayern bevor.

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Wie die Presseabteilung der Rativnalsozia- listischen Freiheit bewegung mitteilt, ist der srühere DeichstagSadg. Ha pimann a.D von Heydebreck heute vormittag auf Veranlassung deS StaatSgerichtShoseS zum Schulze der Acpu- -

bllk wegen Beteiligung an den anläßlich bet Hitlerputsches im Rvvember 1923 in Oberschlesier entstandenen Unruhen verhaftet worden.

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3m Reichstage war ein Antrag Bernd* (Dntl.) eingegangen, nach dem der 18. Ja­nuar zum Rativnalfeierrag deS deut­schen Volkes bestimmt werden soll.

Wie Daily Expreß" meldet hat Bte brittschr Admiralität ein erweitertes Schifsbau-- Prograrnm entworfen, daL von der Regie­rung geprüft werden wird. Reu gebeut Werder sollen 4 Kreuzer, 3 H-Doote und ehre Reihr von Hilssfahrzeugen.

Rach einer Radiomeldung aus Bukarest hat die Sowjetregierung in der bessara­bischen Frage neue Schritte bei bet rumä­nischen Regierung unternommen. Sie hat vor- geschlagen, die beti)en bessarabischrn Provinzen Ismail und Kagel Rumänien zu überlassen und in den anderen Provinzen Volksabstimmungen vorzunehmen.

Aus aller Wett.

Hamburg im Rebel.

Die Blätter melden aus Hamburg, daß die Elbemündung und die Hnterelbe bis zum Ham-. bürget Hafen hinaus seit Sonntag in dichtem Rebel liegen. Seit Montag abend ist im Ham­burger Hafen kein von See kommendes Schiff mehr eingelaufen.

Das größte A-Boot der 2Selt.

Rach erfolgreichen Probefahrten ist bas 11- Doot 1 in Portsmouth eingetroffen. Es ist bas größte 11-Dvot der Welt mit einer ilebettoaffer^ Verdrängung von 2780 Tonnen und Unterwasser- Verdrängung von 3600 Tonnen.

Der Fremdenstrom in Italien.

Rach demRuovo Päse" sind tm Jahre 1923 etwa 700 000 Fremde nach Italien gekommen, davon seien 113 000 Engländer, 97 000 Fran­zosen, 88 000 Amerikaner, 69 000 Deutsche und 112 000 Bürger aus den Donaustaaten gewesen.

Ungetreuer Diener.

In der herzoglich mecklenburgischen Villa Gustava" in Ludwigslust hat der herzog­liche Diener Hermann Tilse in Abwesenheit) seiner Herrschaft den gesamten Brillant-j schmuck, darunter den mit Brillanten besetzten, Hausorden der wendischen Krone, 5 Brillant- braschen, Armbänder mit Brillanten usw., in einen Koffer verpackt und ist damit verschwun­den. Er konnte zusammen mit einem Elektro­techniker, der ihm wertvolle Mokkatassen und Wäsche für seine Braut abgebauft hatte, Der- haftet werden. Ein Teil der Wertsachen ist gefunden.

Großfener l» Drooklh».

In einer großen Äartonnagcnfabril In Brooklyn brach in der vergangenen Rächt ein Feuer aus, das in kürzester Zett eine große Ausdehnung annahm. Die umliegenden Häuser mußten so eilig geräumt werden, daß die Ein­wohner teilweise imRachtgewanbbie Woh» nungen verließen.

Brand eines OellagerS in Ehikago.

3n Ehikago brach auf dem OeHagCi des Warenhauses Iayrnish ein Brand aus Die Explosion der Benzin- imb Oelbehälter rie' eine ungeheure Panik hervor. Angestellte unt Besucher des Warenhauses kämpften um die Ausgänge. Das brennende Oel floh auf die Straße. Rettungskommandos und Löschmann­schaften eilten zur Brandstelle und bemühten sich, die Verwirrung zu lösen.

Wettervoraussage.

Rachts Temperaturen um Rrrll, meist bedeckt, 8um Teil nebelig, trocken.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 21.3anuar 1925.

Eine schöne Feier bei der 2. Komp unseres Regiments.

Der Chef der 2. Kompagnie unseres Ins.- RgtS. Dr. 15. Hauptmann Hvhfeld, hat aus den aufreibenden Tagen der Unruhezett in Thü­ringen einen fernen Entschluß für feine Kom­pagnie in die He'matgarnison Gießen mitgebracht. In I e n a. wo die Kompagnie in jenen bewegten Tagen stand, hatte der damalige Kompagniechef vor einem Jahre anläUich der Feier des Reichs- gründungstagee em Kompagniefest herge­richtet, bas bei den Angehörigen der Kompagnie und bei der dortigen Zivilbevölkerung großen Anklang sand. Angevtzgt durch den vollen Erfolg dieser Feier faßte Hauptmann Hoßfelb den Entschluß, in jedem Jahre für ferne Kompagnie ein solches Fest zu veranstalten.

Die erste Verwirklichung dieses Entschlusses brachte die Kompagniefeier der 2. (Hess.) Kompagnie unseres Irrf.-Agts. Rr. 15, bk am Montag abend im Kath. DereinshauS statt­fand und um es vorweg zu sagen einen ausgezeichneten Verlaus nahm. Mit der Kom­pagnie hatten sich viele Bürger unserer Stadt (ehern. 116er, Vertreter des Offiziervereins, der Regimentsvereine, des Marinevereins, 116er Abordnung aus Bad--Rauhrim und sonstige ge­ladene Gäste) zusarnmengefunden, um durch ifyrc Anwesenheit zu bekunden, daß Truppe und weiteste Kreise des ZivckS ein inniges Band des vertrauensvollen Verstehens vertnüpst. DaS Re­giment war vertreten durch den Kommandeur Oberst Fett, an dessen Sette sich Oberstleutnant Deyhle und Oberstleutnant Fritz befanden; ferner waren Offiziere der übrigen Kompagnien zugegen. Vom anwesenden Zivil wären vor allem General a. D. Mohr und der Vorsitzende deS Verbandes ehern. 116er, Major a. D. Lin­de n a u zu nennen. Ein reicher Damenflor gab dem Abend einen besonders festlichen Anstrich. Daß tie Kompagnie, die die Tradition unseres ruhmreichen alten Gießener Inf.-Regiments Rr. 116 wett erführt, bei dieser Gelegenheit von einem Mann die Uniform des alten Regi­ments tragen ließ und damit manche liebe Erinnerungen bei den alten Soldaten wachrief, gab vielen einen be'onderen ideellen Gewinn des Abends. Die Feier wurde natürlich mit dem schneidigen llöer-Marsch einge'eitet. Rach einem markigen Vorspruch, den ein Unteroffizier der Komvagnie zu Gehör brachte, entbot der Korn- pagniechef, Hauptmann Hoß seid den Gästen und feiner Kompagnie den Willkomm en sgruß. Er erwähnte dann in seiner Ansprache die oben-