Ausgabe 
20.3.1925
 
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tuberkulösen imb sonst schwachen Miw» dern zu einem 4 biS 6wöchentlichen Erho­lungsaufenthalt gesandt werden. Man wird hierbei die Aord-, resp. Ostseebäder wieder an erster Stelle berücksichtigen, da man nach den dortigen Kuren die günstigsten Ergebnisse fest­stellen konnte.

fpd. Friedrichsseld, 19. Marz. Bor einiger Zeit lieh sich hier ein®r. Hilde­brand" als Spezialarzt nieder und fand reichlichen Zuspruch. Sein Benehmen erregte bald Anstoß. Die Behöbe zog Erkundigungen ein und stellte fest, dah der Herr Dr. ein B ä ck e r - geselle aus Leckinghausen war, der sich seine ärztlichen Kenntnisse in einem Krankenhause des Ryeinlandes als Krankenwärter angeeig- net hatte. Als man den Mann verhaften wollte, hatte er mit seinem Motorrad bereits das Weite gesucht.

Das Urteil im Wetzlarer Plünderungsprozeß.

Große Strafkammer Wetzlar.

Q Wetzlar, den 19. März 1925.

Bet Beginn der heutigen Verhandlung er­teilt der Vorsitzende den beiden Vertretern der Staatsanwaltschaft das Wort. Staatsanwalt- schaftsrat Dr. Schmidt behandelt zunächst in längeren Erörterungen den Fall G o l l w i tz e r. Er erklärt, dah nach der stattgehabten Beweis­aufnahme kein Zweifel darüber bestehen kann, dah Gollwiher derjenige war, der bei seiner Verhaftung auf die Polizeibeamten geschossen hat: nur einem Glücksfall sei es zu verdanken, dah bei dieser Schieherei die betreffenden Po­lizeibeamten mit dem Leben davongekommen sind. Solchen Auswüchsen der Strahe sei nur mit den strengsten Strafen zu begegnen. Er bean­tragte die Verurteilung des Gollwiher wegen schweren Landfriedensbruchs zu einer Zuchthaus­strafe von vier Zähren und wegen verbotenen Waffenbesitzes zu einer Gefängnisstrafe von drei Monaten, diese Strafen zu einer Gesamriucht- hausstrafe von vier Zähren und einen Monat zusammenzuztehen, auherdem Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von zehn Zähren und Zulässigkeit von Polizeiaufsicht.

Bezüglich der Angeklagten Meßn-r, Becker, Frau Graulich, Krüger, Hch Mootz, Frau Mootz. Marscheck. FrauGollwitzer, Klas, F auDaniel.Frau Devghäuser, Frau Klein, Frau Rehm, PaulRehm Max Kaufmann. Wilh. Hofmann, ilfencr, Rickli und Frau Steffers beantragen die Vertreter der Staatsanwaltschaft, die von diesen Angellagten eingelegte Berufung zu verwerfen. Der Erlaß eines Haftbefehls wegen Fluchtverdacht wird bei folgenden Angeklagten beantragte Decker, Heinr. Mootz, Frau Mootz, Frau Gollwiher und Klas. Gegen den Angeklagten Werther, der in erster Instanz freigefprochen worden ist, beantragt die Staatsanwaltschaft aus eine Gefängnisstrafe von drei Monaten zu ertennen. Sie schildert den An­geklagten als eine Person, die in der Oeftentlich- leit gerne eine Rolle spiele. Auch in diesem Falle sei als erwiesen anzusehen, daß bei Angeklagte zunächst mit den WortenSchieber, Wucherer, Hungerlöhne usw." in die um ihn versammelte Menge Erregung hineinbrachte und dann, als sich diese Erregung in Plünderungen usw. Luft verschaffte, die Rolle des die Menge Beruhigen­den spielte. Gegen den Angeklagten Dreher, Cer in erster Znstanz ebenfalls freigesprochen worden ist, t beantragt die Staatsanwaltschaft auf neun Monate zu erkennen. Sie sieht als erwiesen an, dah ®retyer, der mit dem Kaufmann Spory in großer Feindschaft lebt, jetzt einmal die Gelegen- Wrt ausnützen wollte, seinem Feinde eins aus-

Die Oberwälder.

Roman von AlfredDock.

26. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)

Zch stelle vor allen Dingen fest," antwortete der Schulinspektor in seiner milden, gewinnenden Weife,Sie stehen makellos dal Sollte /bie Kasse wirklich fallit fein, wäre das sehr zu beklagen. Allein es wird niemand, der bei klaren Siünen ist, einfallen, Zhnen etwas zur Last zu legen. Sie hatten den guten Willen unb hatten den guten Glauben. Zch kann es wohl verstehen, dah Sie der älndank und die ilnbermmft der Bauerfchaft hier in innerster Seele empören, dah Sie nieder­gedrückt und mißmutig sind. Aber ich meine, gerade wir Lehrer, die wir in unserm Beruf so viel Gleichmut und Selbstverleugnung beweisen müssen, wir sollten mehr als andre Menschen gegen beriet schmerzliche Erfahrungen gewappnet setw Herr Weilandt, ich gebe Ihnen bcu wohl­gemeinten Rat, tun Sie keinen Schritt, den Sie hinterher bereuen. Schullehrerbrot, heißt's, ist saures Brot. Aber es ist doch Brot. Das Leben stellt uits vor Aufgaben, vor größere und vor kleinere. Die Sie übernommen»en, ist wahrlich nicht bie geringste. Sie sind der gehör ne Schul­mann. Was Sie lehren, lebt in Zhnen. Davon hab ich nvd) oft überzeugt. Zch will nicht sagen, dah Sie fertig sind wer darf das von sich be­haupten? aber Sie werden weiter tommen. Dah wir Lehrer so in der Stille schaffen, gibt unferm Beruf eine besondere Weihe. Früher oder später geht uns allen einmal die Erkenntnis auf: wir müssen die Kraft nicht bei andern, wir müssen sie in uns selber suchen!"

Der alte Herr war warm geworden. Er zog das Schnupftuch hervor, führ damit über die Stirn und endete:Zch habe mit dem Herrn Pfarrer alles überlegt. Sie bleiben keinen Tag länger hier. Zch schicke Ersatz für Sie herauf. Packen Sie Ihre Sachen. Der Herr Pfarrer wacht darüber, ^> sie Ihnen nachgesandt werden. Rehmen Sw acht, auch vierzehn Lage Urlaub. Dann erwarte ich Sie in Lauterbach. Daß Sie eine passende Stelle bekommen, lassen Sie meine Sorge sein."

zuwifchen, und Die unwahren Gerüche verbreitet hat, Spoich habe Waren beiseite geschafft usw. Die Angeklagten Göbel und Weitkamp sind nach den Ausführungen der Staatsanwaltschaft eben­falls als überführt anzusehen, sie beantragt daher, gegen beide auf eine Gefängnisstrafe von je sechs Monaten zu erkennen: in erster Instanz waren diese Angeklagten ebenfalls freigefprochen worden.

Von den Verteidigern plädierte zuerst R.-A. Dr. Hecker als Verteidiger des Angeklagten Weitramp für Freisprechung seines Mandanten, dasselbe beantragte R.-A Dr. Engelmann in längeren Ausführungen für die Angeklagte Frau Steffens. Rachdem R.-A. Dr. Rosenthal für seine Mandanten gesprochen hatte, wurde dem R.-A. Dr. Aaron aus Gießen zu seinen Ausführungen das Wort erteilt Dieser führte u. a. aus, dah es keineswegs zweifelsfrei er­wiesen sei, dah Gollwiher auf die Beamten ge­schossen habe. Es sei die Möglichkeit nicht aus­geschlossen. dah der Schuß, sei er aus dem ge­plünderten Laden von Schade und Füllgrade, fei er aus einer anderen Richtung von einer anderen Personen abgegeben worden, zumal man auch weder am Tatorte noch bei einer Durch­suchung per Kleidung des Gollwiher eine Waffe gefunden habe. Er beantragte daher, nach dieser Richtung hin keine Feststellungen zu treffen und Gollwiher wegen der zugestandenen Plünderung mit einer Strafe zju belegen, die etwa durch die bisher erlittene 1>-jährige Untersuchungshaft als verbüßt gelten kann. Bezüglich der übrigen von ihm vertretenen Angeklagten beantragte er deren Freisprechung und. soweit diese nur Berufung wegen des Strafmaßes eingelegt haben, auf die geringft zulässige Strafe zu erkennen und diese Angeklagten bedingt zu beanabigen. Die An­geklagten erhielten ihr Schlußwort, um 1 Uhr nachmittags wurde bie Verhandlung unterbrochen. Rach mehrstündiger Beratung wurde 5.15 Uhr unter ungeheurem Andrang des Publikums fol­gendes Urteil verkündet:

Die eingelegten Berufungen werden hin­sichtlich folgender Angeklagten verworfen: Friedrich Klah, Louis Marscheck, Peter Rickli. Hugo Ufener, Wilhelm Hofmann, Heinrich Mootz, Max Kaufmann, Paul Rehm, Paul Krüger, Ehe­frau Paul Rehm, Ehefrau Graulich. Ehefrau Klein, Ehefrau Berghäuser. Ehefrau Daniel, Wil­helm Dreher, Karl Weitkamp. August Göbel.

Das angefochtene Urteil wird aufgeho­ben hinsichtlich folgender Angeklagten: Johann Gollwiher, Ehefrau Johann Gollwiher, Ludwig Weither, Ehefrau Steffens, Heinrich Decker und Heinrich Mehner.

Es werden verurteilt: Der Angeklagte Jo­hann Gollwiher wegen schweren Landfrie­densbruchs und unerlaubten Waffenbesitzes zu einer Gesamtstrafe von vier Zähren 1 Mo­nat Zuchthaus, 10 Zähren Ehrverlust und Zulässigkeit der Polizeiaufsicht: ein Jahr der erkannten Zuchthausstrafe ist durch die erlittene Untersuchungshaft verbüßt: der Angeklagte Lud­wig Weither wegen einfachen Landfriedens­bruchs zu drei Monaten Gefängnis: die Angeklagte Ehefrau Johann Gollwiher wegen einfachen Landfriedensbruchs zu sechs Monaten Gefängnis unter voller Anrech­nung der erlittenen Untersuchungshaft: die Ange­llagten Heinrich Decker und Heinrich Meßner wegen Erpressung unter Freispre­chung im übrigen zu j e fünf Monaten Ge­fängnis. Die Angellagten Ehefrau Mootz und Ehefrau Steffens werden f r e i ge­sprochen. Die Kosten des Verfahrens gegen die Ehefrau Mootz und Ehefrau SteffenS fallen der Staatskasse zur Last. Die Kosten ihres Rechtsmittels und desjenig-m der Staatsanwall­schaft haben zu tragen bie Eheleute Gollwiher, Decker und Mehner. Die Kosten des Ver-

Weilandt ergriff seines Vorgesetzten Hand und preßte sie.

Herr Schulrat, es ist zuviel, was Sie für mich tun. Halten Sie's nicht für Störrigkeit ober gar für bösen Willen, wenn ich Sie wegen meiner Zukunft um Bedenkzeit bitte. Ich muß erst sehen, ob ich bie Herzensfreudigkeit Wied er­finde, ohne bie ich mir mein Lehramt nicht denken kann."

Sie werden sie finden," sagte der Schul- inspektor nachdrucksvoll.Sie werden zu mir kommen und werden nach wie vor mit voller Hingabe Ihre Derufspflicht erfüllen!"

Weilandt begleitete seinen Vorgesetzten an den Wagen und machte sich darauf ans Werk, seine Sachen in Ordnung zu bringen. So gering seine Habe war, hatte er doch bis in den späten Rachmittag hinein zu tun.

Gegen Abend erschien der Pfarrer. Sie be­redeten alles. Dann nahm Weilandt sein Ränz­lein und verließ mit dem geistlichen Herrn bie Stätte seines Wirkens. Ohne daß sie jemand bemerkte, gingen sie um den Schulgarten herum und 'wandten sich der Staatsstraße zu. Als sie diese erreicht hatten, blieb der Pfarrer stehen und sprach.Es tut mir sehr leid. Herr Weilandt, daß wir uns trennen müssen. Wie man auch heuer darüber denken mag. ich glaube, wir zwei hätten das alle Wort wahr gemacht: Pfarrer und Schullehrer gehören zusammen. Sie haben das Gute gewollt und haben Schlimmes erfahren. Das Gute trägt seinen Lohn in sich Die Gott gefallen, werden durchs Feuer der Trübsal be­währt. Leben Sie recht wohl!"

Er trat den Rückweg an. Weilandt schaute ihm nach, bis-er hinter den Bäumen des Raben- Wäldchens verschwuirden war.

Drunten zu beiden Seiten des Daches zogen sich bie Gassen und Gäßchen des Dorfes hin. Aus den Schornsteinen träufelte der Rauch empor, älnweit der alten FachwerÜirche grüßte das neue Schulhaus heraus. Da lag derRitter", ein paar Häuser weiter das Gehöft Peter Mar- golfs.

Weilandt übermannte der Schmerz, aber er raffte sich auf und schritt bergab der Kreis­stadt zu.

fahrens gegen Werther hat dieser zu tragen, im übrigen fallen die Kosten der Derufungsinstanz denjenigen zur Last, von denen die 'Berufung eingelegt ist.

Bedingte Strafauss etzung wird be­willigt bei einer Bewährungsfrist von drei Zäh­ren den Verurteilten: Friedrich Klah, gegen Zahlung einer Buhe von 1000 Reichsmark inner­halb drei Monaten nach Rechtskraft: Ehefrau Graulich gegen Zahlung einer Buße von 50 Reichsmark, zahlbar in monatlichen Raten von je 10 Reichsmark nach Rechtskraft: Ludwig Werther gegen Zahlung einer Buhe von 50 Reichsmark innerhalb drei Monaten nach Rechts­kraft. Hinsichtlich der übrigen Verurteilten wird eine bedingte Strafaussetzung abgelehnt.

Wirtschaft.

Die fiskalische Finanzpolitik.

Im Reichshaushaltsplan für das Rechnungs­jahr 1924/25 ist für das erste Halbjahr vom 1. April bis 30. September 1924 als Solleinnahme vorgesehen ein Betrag von 2.622 Milliarden: an tatsächlichen Einnahmen sind dagegen erzielt wor­den nicht weniger als 3,299 Milliarden, so dah sich allein in diesem halben Jahre ein lleberschuh von 677 Millionen ergeben hat. Zm zweiten Gtatshalbjahr haben sich diese Zustände weiter fortgesetzt. So z. D betrugen im Dezember 1924 die Einnahmen des Reichs an Ste-tern, Zöllen und Abg ben 635,055 Millionen Mark: im Januar ergaben sich Einnahmen von 768,844 Millionen Mark. Diese Ziffer bedeutet gegenüber dem De­zember eine Mehreinnahme von 133,07 Millionen Mark und gegenüber dem Oktober, der mit einer Einnahme von 683,7 Millionen Mark schon ein außerordentlich günstiges Ergebnis hatte, eine solche von 82,1 Millionen Mark. In den bis­herigen Monaten des zweiten Gtatshalbjahres ist also der Monatsdurchschnitt des Haushal­tungsvoranschlags von 450 Millionen Mark ganz erheblich teilweise sogar um 70 Proz. überschritten worden. Insgesamt betragen die Einnahmen vom April 1924 b s Jan rar 1925 6260,204 Millionen Mark. Schon in den ersten zehn Monaten des Etats:ahres ergibt sich dem­nach ein Aeberschuß gegenüber dem Doransch'ag der Einnahmen des ganzen Jahres von über 20 Proz. Da damit zu rechnen ist, daß bis zum 1. April die Dinge eine ähnliche Entwicklung nehmen, kann man schätzen, dah für das ganze, Etats'ahr die tatsächlichen Einnahmen des Reiches den Voranschlag mindestens um 50 bis 63 Proz. übersteigen werden.

Für Preußen ergibt sich ein ähnliches Bild. Im Jahre 1914 betrugen in Preußen die steuer­lichen Einnahmen 538 Millionen, für 1924 werden dagegen 990 Millionen Mark erwartet, so daß sich eine Zunahme von ungefähr 85 Proz. ergibt. Auf den Kopf der Devölkerrmg um gelegt, be­deutet diese Zunahme infolge des Rückganges der Devölkerungszifscr wegen der Gebietsabtren­nungen sogar ungefähr eine Verdoppelung der steuerlichen Eingänge von 13,43 auf 26 67 Ma L

Für die Höhe der Gemeindesteuern einen Durchschnittssatz anzugeben, ist unnröglich, da die Verhältnisse in den einzelnen Kommunen zu ver­schieden liegen. Aus Grund verfchedener An­haltspunkte kann man jedoch annehmen, dr>ß die Belastung an kommunalen Steuern mindestens so groß ist wie die Land es steuern.

Insgesamt kann man demnach die gesamte jährliche Steuerleistung Deutschlands zur Zeit aus ca. 10 Goldmilliarden veranschlagen Da das jährliche DolkS-inkommen auf 25 Gold:nilliarden berechnet werden kann, ergibt sich bei enter De- völkerungszahl von 63,5 Millionen eine steuer­liche Gesamtbelastung von über 150 Goldrwark

jährlich je Kopf bei einem Einkommen von Mapp 400 Mark je Kops, so daß nur ein freies Ein­kommen von 250 Mark verbleibt, das natürlich bei den Lohn- und Gehaltsempfängern wegen der auf ihnen ruhenden relativ niedrigere» Be­steuerung sich erhöht.

Vergleicht man innerhalb deS Etats bie etm feinen Positionen miteinander, so kommt man zu interessanten Ergebnissen. In Preußen z. D. wird für die Finanzverwaltung ein Betrag von 88 Millionen ausgegeben gegen 62 Millionen Mark im Jahre 1913, obwohl die Fi non-verwal­tung fast ganz auf das Reich ü6 er gegangen ist, das dafür unter Ausgaben 363 Millionen Mark bucht gegen 7 Millionen Mark in der Friedens» zeit. Das Landwirtschaftsministerium verursacht eine Ausgabe von 52 Millionen gegen 38 Mil­lionen früher. Die Ausgaben des Justizmini­steriums sind von 63 auf 83 Millionen gestiegen, die des älnterrichtsministeriums haben sich mit einer Steigerung von 236 auf 413 Millionen beinahe verdoppelt usw- Bei den Gemeinden genügt, darauf hinzuweifen, daß die Gemeinde­kasfen vielfach zur Zeit außerordenllich flüssig sind, daß viele Gemeinden Baulichkeiten, Grund- stücke und Efsektenbesih erworben haben, daß der Beamtenapparat vieler Kommunen um durch­schnittlich 60 bis 100 Proz. sich vermehrt hctt, während die Gesamtgehaltsaufwendungen sogar eine Steigerung auf (teilweise) 250 bis 300 Pro- erfahren haben usw.

Alles in allem scheinen die Reserven der öffentlichen Kassen derartig reich auSgestattst zu fein, daß eine weitere ThesaurierungSpolitik überflüssig ist. Die Etatspolitik hat daher auf strengste Anpassung der Ausgaben an die Ein­nahmen zu sehen unter bewußter Ab lehr von dem bisher üblichen umgekehrten Prinzip.

* Commerz- und Privatbank, A.-G. in Homburg und Berlin. 8 Prozent Dividende. Der Abschluß für 1924 ergab einen Reingewinn von 59 271 547 Mk., hieran such Zinsen. Provisionen, Wechsel, Sorten und Zinsscheine mit 58 457 900 Rm., Wertpapiere und Konsortialbetei- ligung mit 813 646 Rm. beteiligt. Aus der anderen Seite erforderten Handlungsunkoften 49 701 108 Rm., Steuern und Abgaben 4 505 975 Rm., so daß ein Reingewinn von 5 064 464 Rm. verbleibt, dessen Verteilung wie folgt vorgeschlagen wird: 8 Proz. Dividende gleich 3 360 000 Rm., Rücklage 1 Mill. Rm., Gewinnanteil des Aufsichtsrates 239 829 Rm. und Dortrag 464 635 Rm. Die außerordentlich hohen Ziffern des Unkostenkontos werden in Ge- schästsbericht z. T. dadurch erklärt, daß die durch die Deflation und die Vereinfachung der Deoisen- gesetzgebung ermöglichte Ermäßigung des Personals erst allmählich im Lause des Jahres erfolgen konnte Am Iahresschluß wurden insgesamt 10 260 kauf- manische und technische Angestellte beschäftigt. Fer­ner sei zu berückstchtiaen, daß sich nicht nur eine Einschränkung der Umsätze im allgemeinen, sondern eine Verkleinerung der einzelnen Geschäfte bemerk­bar mache, wodurch sich der Unkvstenkoeffizieni gegen früher erhöht har. In Verbindung gier« mit wird betont, daß eine baldige Beseitigung der Kleinaktien unter 100 Mk. zu erstreben sei. Hier' durch sowohl als auch durch technische Verbessern« gen des Betriebes sei ein Rückgang der Unkosten zu erwarten. Der Gesamtumsatz Betrug 51 225 172 163 Reichsmark. Die Liquidität der Bank errechnet sich etwa mit 60 Proz. An Filialen und Depositenkossen sind ca. 7080 eingegangen, doch ist die Bank immer noch an 219 Platzen vertreten. Seit dem l.Za- nuar hat sich das Geschäft weiterhin gut angelasien. die fremden Gelder haben sich um weitere runi 40 Millionen Mark erhöht.

y Deuts che Der ei nsbank, Frank­furt a. M. Die vom Aufsichtsrat der Deutschen

XII.

Auf das dringliche Schreiben des Zöckels- Heinrich hin hatte der Verband der hessischen Ge­nossenschaften in Darmstadt einen Revisor ge­schickt. einen erprobtenBeamten, der rn Aus­übung feines Berufs schon manchmal bessernd und ordnungschaffend ein gegriffen hatte. Im Hause desBürgermeifterd, wohin der Geld- fchrank und die Dücher der Spar- und Darlehns- faffe verbracht worden waren, begab er sich an die Arbeit. Er nahm zunächst den baren Kasfenvvrrat auf und verglich ihn mit dem Saldo des Ein­nahme- und Ausgabejournals. Darauf ging er bie einzelnen Konti durch, schloß sie ab und prüfte die älrkundensammlung, wobei ihm der Beigeordnete gute Dienste leistete. Endlich stellte er die Vermögens st ücke und Schulden einander gegenüber und gewann so die 'Bikm3.

Als ein gewissenhafter Wann rechnete er alles doppelt und dreifach narb- Dann erst ließ er die Kassenmitglieder durch den Ortsdiener zu einerBerfammlung laden.

Schon vor der festgesetzten Stunde war die Oberstube imRitter" so voll, daß keine Steck­nadel mehr zur Erde konnte. Auch Vorstand und Aufsichtsrat waren erschienen. Rur der Peter Maraols fehlte.

Als bet Revisor eintrat, herrschte tiefe Stille. Die einen stellten sich gleichgültig, die andern blickten bänglich drein, wie wenn's ihnen an den Kragen ginge.

Der Beamte, ein großer, schlanker Herr in den vierziger Jahren, legte seine Papiere zu recht, räusperte sich und sprach:Zch habe den Auftrag erhalten, die Spar- und Darlehnskasse zu revi­dieren. Das ist geschehen. Zch teile Zhnen das Ergebnis mit. Was an barem Geld vorhanden ist, stimmt mit dem Ueberschuß des Einnahme- und AuSgabejoumals überein. Die Dücher sind durchweg tadellos geführt. Wegen der Schuld­scheine muh ich mich auf die Aussage des Herrn Deigeordneten berufen, well ich die Verhältnisse der Kassemnitglieder nicht kenne. Der Rechner hat mehrfach Leuten Geld gegeben, die nicht kreditwürdig sind. Auch die Bürgen sollen tief in Schulden stecken. Hier drohen der Kaffe Ver­luste. Rach meiner Schätzung nicht mehr als dreitausend Mari. Zch komme zu der unglück­

seligen Geschichte mit der Hypothek. Ich kann Ihnen da nichts Reues erzählen. Sie wissen's bereits: die fünfzigtausend Mark werden, wenn nicht ganz, so doch zum größten Teil verloren gehen. Es fragt sich nur, wer für den Schaden aufzukommen hat. Vorstand und Aufsichtsrat haben ihre Prüfungspflicht gröblich Derlei#. Wie ich höre, sind es Herren, die als wohlhabend gelten. Sie werden in den säuern Apfel beißen muffen, werden ersetzen, was sie verplempert haben. Weigern sie sich, kommt es auf eine ge­richtliche Entscheidung an. Derlei Fälle habe ich öfter erlebt. Der Prozeß fiel jedeSmal zuungunsten der Dellagten aus. Die Gerichtskosten waren beträchtlich. Ich kann den Herren nur raten, die Sache auf gütlichem Wege zu orimen. Run zur Bilanz. Zch beschränke mich darauf, Ihnen die wichtigsten Ziffern zu nennen."

Er setzte seinen Zwicker auf. nahm ferne Belege zur Hand und laS die einzelne« Posten vor.

Darauf fuhr er fort:Sie sehen, daß die Spar- und DarlehnsLisse. auch wenn man die Dortmunder Hypothek auf das Verlustkonto fetzt, noch immer ein schönes Vermögen besitzt. Es ist mir unerllärlich, wie das Gerücht entstehen toimte, die Genossenschaft wäre bankrott. So etwas m die Welt zu schreien, ohne daß man's beweisen kann, ist gewissenlos, ja straswürdig! Heberblirft man den Geschäftsgang ber Spar- und Darlehns- lasse, muh man der Wahrheit gemäß sagen, sie hat rn der kurzen Zeit ihres Bestehens schon recht viel Gutes gewirkt. Ich will hier keine Ramen nennen. Die Kasse hat Leuten in die Höhe geholfen, die vor dem Ruin gestanden haben. Das ist sehr erfreulich. Hoffentlich wer­den Sie nicht die Torheit begehen und die Auf­lösung der Genossenschaft beschließen. (M muß eine Ehrensache für Sie sein, die Wohltat ber Kasse dem Dorf zu erhalten. Wenn Sie zur Reuwahl deS Vorstands schreiten, seien Sie aus der Hut, suchen Sie sich Männer auS, die ihrer Aufgabe gewachsen sind. Ist die Ernte schlecht ge­wesen, streut der Sämann doch wieder seinen Samen aus. Also frisch ans Weri! Unb halten Sie unfern Wahlfpruch hoch: Wir Ginnen viel, wenn wir zusammenstehen!"

(Fortsetzung folgt)

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Solvotith ist in einschlägigen Geschäften zu haben.

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