Ausgabe 
20.3.1925
 
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Sietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberyesten)

Ur. öl Swett« Blatt

Zrettag, 2 . März 1925

.ndein

tzu erreichen. Wenn Hagen äi Nibelungenlied sagte, der Wein

war

der

und Män-

>u Siegfried im lei irrtümlich nad>

Mittag- und Abendessen Fürstenberg-Bräu öut gepflegte Weine

-erkoren tiM-babendo-o» labHbeoter M« z-L'ioria.

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Madrider Eindrücke.

Don G. von Ungern-Sternberg.

Madrid, Anfang Mär- 1925.

Die spanische Hauptstadt liegt hinter den noch schneebedeckten (b igen des Guadarrama verstellt. Der Schnellzug ist kaum eine Viertelstunde von chr entfernt, und immer noch türmen 'ich Felsen

ebenso interessante als lehrreiche Vorführung leider nur madig besucht.

Vor und nach dem Theater kalte und warme Platten

ÖuaUtm, to« ?»»«. WtiS.

J P. Sack «tntnBäut 17

nach Darmstadt in daS Unters uchungsg es ängnt- gebracht.

fpd. Offenbach, 19 März. 3n der Zel - luloidwarenfabrikDismarck st raste 1( entstand Mittwochnachmittag Großfeuer. das sich sofort über den gesamten Bau verbreitete Die Löscharbeiten gestalteten sich außerordentlich schwierig, da die brennenden Zelluloidwaren durch die Wassermafsen nicht gelöscht werden konnten Die Feuerwehr konnte sich lediglich auf die Er­haltung der schwer gefährdeten Rachbarfabriken beschränken. Das Feuer entstand infolge einer Explosion in den Kellerräumen. Menschen­leben kamen nicht in Gefahr.

Hessen-Nassau.

bl. Dillenburg, 19. März. Wie im Dor-« fahre, so werden auch in diesem Jahre von der Krelsverwaltung wieder Transporte von

N

3n Olympia gekrönt, strahlend herniederstei«. «end aus den Gefilden des RuhmeS und des Ge­sanges, getragen von der Bewunderung und Verehrung ihres Volkes, kehrt die strahlende Dichterin in ihr Haus zurück. Ihr heimliches Sehnen nach .des Lebens Heilern Dlumentälerm',

Giestener Stadttheater.

Grillparzer:Sappho".

Sin Sechsund^wanzigjähriger. dessen Erst- vngswerk etwa em Jahr vorher einen star­ken Erfolg gehabt hatte, ging am Ufer der Donau spazieren mit dem Willen zu einem neuen Stück. 6er seit dem Frühjahr und Sommer in ihm lebte. Sin Bekannter trat an ihn heran und warf das Schicksal der Sappho in seinen DlickkreiS. Das War am 30. Juni 1817 gewesen. Am 25. Juli, »ach kaum drei Wochen, war die Arbeit vollendet.

Die rasche Aufeinanderfolge von Konzeption Und Ausführung, das Hinwerfen in einem Gust kdaS unverständige Gesterlinge manchem unserer Modernen gern zum Dorwurf .machen möchten), ist dem Werk als Ganzem nur zum Vorteil ge­wesen. Laube schrieb damals über das Stück: _E« ist aus einem Gusse und gehört zu dem Vollendetsten, waS der Dichter geschaffen".

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Uti| grast«

dem Speisart gesandt worden, so sei hierbei nicht an das beamntc Gebirge, sondern an einen Wald zu denken, der dreiviertel Stunden vom Hagenwert entfernt lag. der den Damen Spessart führte und der noch im Flurnamen erhalten sei. Aus diesen und anderen Angaben schließt Dr. Dietrich, daß der Derfasser des Nibelungenliedes die Ermordung Siegfrieds an einen Brunnen ver­legt hat. der in der Gemarkung Heppenheim etwa 3 Kilometer von Lorsch entfernt ist. Bisher hatte die Tradition die Ermordung Siegfrieds nach Gras-Ellenbach im Odenwald verlegt.

* Da rmstadt. 19. März. In den letzten Monaten wurden in den Bekletdungs-

Aidda, 19. März. Zum Besten___

hiesigen Kieinkinderschule und des K i n-

.das Leben aus der Künste Taumelkelch die Kunst zu schlürfen aus der Hand des Lebens", glaubt sie erfüllungsnah bevor: Phaon, der lebenSfrische, froh begeisterte Jüngling soll ihr der fein, der ihr des Lebens Glück, dem sie der Künste Rausch erschliehen soll. Doch bricht die Rogenbogenbrücke, noch ehe sie vollendet ist. Richt Liebe, Bewunderung führte Phaon zu Sappho. Denn als Melitta, die schöne, junge Sllavin zu den beiden tritt, neigt sich Menisch zu Mensch: ein Raturgesetz spricht, und die erhabene Frau steht allein Fortgerissen von ihrer Leidenschaft, verstrickt fte sich in Schuld und Anrecht, reiht noch tiefer die Kluft auf, die zwischen sich und Phaon klafft, und findet, nach vorausgegangener Läuterung, den selbstgewählten Tod im freien Meer.

Ihr Schicksal, der Konflikt zwischen Kunst und Leben, hat so allgemein menschlichen Wert. And doch: (Wenn es wir Jüngsten nicht tun, wer tuts sonst?) Ehrlich: Packt uns dies Erleben heute noch unmittelbar? Wer schreibt die Kritik der Klassiker?

Klassisch wie der Stoff ist auch seine Form. Rach jeder Richtung herrscht Klarheit, Einfach­heit, Abrundung, Ruhe. Die Handlung bedarf nicht mehr als fünf Personen. Aus ihrem Cha- rafter heraus entspringt mit ihrer Entwickelung ber dramatische Quell des Stückes:

.Wen Götter sich zum Eigentum erlesen, Geselle sich zu Erdenbürgern nichts"

im ^L|r i'Ntt" WH B

derheims zu Bingenheim findet am näch­sten Sonntag im Kasino ein Wohltätig- kettSkonzert statt. Derschiedene Damen und Herren von hier und der Umgebung haben sich in den Dienst der guten Sache gestellt.

?" Kohden, 19. März. Zu dem bereits gemeldeten Eisenbahnunfall innerhalb un­serer Ortsstraße, bei dem ein Lastauto der Schupo Friedberg schwer beschädigt und die Wand einer Scheune eingedrückt wurde, erfahren wir noch, daß die Luftdruck­bremse eines Güterzugs eine Minute braucht, um den Zug zum Stehen zu bringen. Fuhr also der von Schotten kommende Güterzug mit der vorgefchriebenen Geschwindigkeit von 10 Kilo­meter, so konnte er erst nach Zurücklegung wei­terer 160 Meter zum Stehen gebracht werden. Da aber die Sichtstrecke von der Ortseinfahrt bis zur Anfallstrecke nur etwa 120 Meter be­trug, muhte der Zusammen st oh unver­meidlich werden. Auch dieser Vorfall, bei

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Aus der Provinz.

Kreis Friedberg.

Sf. Friedberg. 19. März. In dem Rah­men der vom hietigen DolkSbildungS- verein veranstalteten Vorträge sprach ge­stern Abend im Höcsaale des Polytechnikums Dr. Köper- Wiesbaden überDie Deutsche Dlasftk im 19 Jahrhundert '. Der Redner schil­derte an der Hand zahlreicher ausgezeichneter Lichtbilder den Werdegang und den Aufstieg des Raturalismus vom Jahre 1870 bis zur Gegen­wart, Sie_grtf)cn deutschen Meister und ihre ge­waltigen Schöpfungen wurden vor unlevm Auge lebendig, zuerst die bescheidenen Ansänge des Raturalismus unter Thorwaldsen. dann dessen geniale Schüler Schadow und Rethel. Sie kom­men dem Ziele schon etwas näher, die späteren Geschlechter bringen dann den wahren Raturalis­mus am besten zum Ausdruck. Eine besondere Beachtung schenkte der Redner der Ausdrucks- Weise und dem Stile Mar Xlingers. und ebenso in einer Reihe vergleichender Lichtbilder den Gegensatz zwischen dem groben deutschen Maler und Dildhauec Hlldebrand und dem Franzosen Rodin. Am Schlüsse des Vortrags behandelte er die plastische Kunst der Jetztzeit, besonders den Kubismus und kam zu dein Schlüsse, dah sich über die Entwicklung dieser Kunstrichtung jetzt ein endgültiges Urteil nicht bilden lasse. Der äuherst interessante Vortrag, der einen besseren Desuch verdient hätte, wurde mit lebhaftem Bei­fall ausgenommen. Am Dienstag und Donners­tag besuchte eine Kommission, bestehend aus dem Bürgermeister, dem Stadtbaumeister, dem Vorsitzenden des Bauausschusses, Morfchel, dem Direktor des Polytechnikums, Schäfer. Oberbau« rat Haag und einigen Stadtverordneten die Städte Offenbach und Worms, um die dor- tigen Schulanstalten zu besichtigen und so- mtt Anhaltspunkte für die hier zu erbauenden Schulen zu getobmen. Friedberg steht in diesem Jahre, wie wir schon früher berichteten, vor dem Reubau einer höheren Mädchen­schule (Schillerschule) und eines Poly­technikums. später soll sich noch der Dau einer Dezirksvolksschule anschliehen. Die Aus­schreiben werden demnächst erfolgen, doch soll das Ausschreiben nicht, wie ursprungl.ch geplant, auf ganz Deutschland ausgedehnt werden, sondern nur aus einen kleinen Kreis, da sonst der Wett- bewerb zu groh werden würde. Das Gebäude der Schtllerschute soll auf das durch Edelspfad und Hlndenburgstraße begrenzte Gelände zu stehen kommen^ über den Bauplatz für das Polytech­nikum ist noch nichts näheres bestimmt.

Kreis Büdingen.

nd. R i d d a , 19. März. Studienrat Dr. B e t- t e r aus Darmstadt führte gestern abeird hier im Gambrinus" den LehrfilmDie B e st e i g u n g des Mount Everest" vor. Die austerordent­lich groben Schwierigkeiten der englischen Expe­dition zur Erreichung ihres Zieles, die wechsel- vollen Landschaften, die Mönche und Rönnen in dem am höchsten gelegenen Kloster der Welt ent­rollten sich vor den Augen der Zuschauer. Die

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Saal und Räume für private und gesellschaftliche Veranstaltungen

werken in DenSheim umfangreich« Diebstähle von Stoffen, Anzügen teln feftgeffellt. Jetzt ist es der Krii

auf Felsen, graues, kahles Gestein, das i. unsinniger Gegnnt planlos über die Flächen ge­streut unö sie unfruchtbar gemacht zu haben

. . . .. .. riminalpolizri

gelungen, den Dieb in der Person des Zuschnei­ders Emil Kipper zu ermitteln. Er wurde

Anfang, als er die Schar der Sklavinnen in den Palast jagt, dann (IV. 5 folg ) im Streit mit Phaon. der ihn an der Ausführung des Befehles der Herrin hindert, am besten wohl in dem großen Dialog (V, 4) mit Phaon, den er, nicht ein greinenber Alter, schilt, sondern den er, an Jahren, Wissen und Güte überragend in seine Schranken weist. Auguste M a r ck s a!s?uch»ris stützte die Schlußszene drrch einen erschütternden Schrei beim Tode der Sappho. Gerda Dach­se l d s Melitta, sonst durchaus auf einer L nie gespielt, ermangelte im ersten Akt einer gewissen Frische. Doch schon im zweiten fand sie sich und das schlichte, triebhafte Sllavenmädchen und half das Spiel mit Phaon mit Wärme tragen. Äurt Joachim Daum in klassischen Rollen hat stets Aeberraschungen. Er ist so stark eigentoegig, daß feine Mitspieler davon abb kommen. (Keines­wegs zum Schaden des Zusammenspiels.) So ent­stehen neue Mittelpunkte, verborgen liegende Schürzungen von Knoten werden auf gedeckt und das Gesicht der Handlung, ohne feinen Grund­charakter zu verlieren, gewinnt neue, bisher kaum beachtete Züge. Auch gestern als Phaon füllte er die ©jene, trotz starker stimmlicher Reserve wäh­rend fast des ganzen Stückes. So kam ein Aus­bruch. der einzige .Willst du mich rasend machen T* mit großer Eindringlichkeit heraus, einen tiefen Dlick in das Innere des Jünglings öffnend. Seine Verse waren im Rhythmus des Blutes gelöst und ließen den Pulslchlaq der Dtchtung fühlen. Die Titelrolle spielte Freya Sturm- sels. Ihre Sappho. eine wahrhaft Ding­liche Erscheinung, blieb bei aller Würde noch immer genug Weib, das. allerd ngs auf einem ungangbaren Wege, die Verbindung zwischen .Kunst und Geben fud>t. Am besten war auch sie

Die Aufführung hinterlieh einen starken Ein­druck. Rach dem etwas farblosen 1. Akt wurde im zweiten sofort der Gipfel des Abends erreicht, und auch im vierten und gegen Ende des fünften stand die Darstellung auf beachtlicher Höhe.

Wenn die Premiere so sich selbst das beste Zeugnis gibt, darf die Kritik stets im besten Bestreben auch ihrerseits ein strengeres Maß anlegen. So geht's miteinander aufwärts! Karl Do Icks Rhamnes war. wenngleich keineswegs stark in die Handlung etngrefarö. kwch in feinen Szenen von eindringlicher Lebend gleit. So im

scheint, Tunnel folgt auf Tunnel. In den Tälern sieht man vereinzelte Gehöfte in baumlosen Gär­ten. biS dann plötzlich lonnenübeigolfen, giob und mächtig daS Häusermeer Madrids vor uns liegt

Oben ragt das Königsschloh. Hin Zug von Gendarmen im Dreimaster mit hellen roten Auf­schlägen reitet vorüber. Eine Abteilung der KönigSgarde in weihen, fliegenden Mänteln sam­melt sich. Equipagen mit gallonierten Lakaien fahren an. Ueberall grünt die Monarchie. Man scheint in Spanien trotz der Diktatur ebrnso frei wie vor dem Krieg.1 zu leben. Auch beim Heber» schreiten der Grenze hat niemand nach Pässen und Visa gefragt, man muß sie zwar für den gegebenen Fall besitzen, aber der Fremde ist von ihnen lange nicht so abhängig wie in all den neuen Demokratien.

Eine hügelige Straße führt vom Bahnhof zur modernen Großstadt Madrid hinauf, die heute zu den schönsten dec Welt gehört. Ueberall wer­den Häuserkolofse gebaut und neue Strahenzüge, wie *. B. die .gran via" eröffnet, die vornehm und breit, aber leider wieder ohne Baumschmuck, allmählich Madrid durchziehen soll. In der Feine läuten Kirchenglocken. Sie haben einen fröhlichen Klang. Auf der Plaza de Santo Domingo, die auf dem Wege zum Zentrum liegt, spielen eine Menge Kinder, die lustig zum Glockengeläut tan­zen. Der Mittelpunkt Madrids ist die Puerta del Sol, das Sonnentor. das aber fein Tor, sondern ein weiter Platz ist. von dem die P rächt - straßen der Hauptstadt strahlenföimig auslaufen. <Jn der Mitte befindet sich die Hauptstativn der Alnlergrunbbabn. auf der sich die Züge kreuzen, und die zwei Stockwerk tief ins Erdinnere führt. Die Salle Alcala läuft bergab zum Prado und zum schönen Park des Retirv. in dessen Schatten auch in den heißen Hochsommertagen, wenn der Glutwind über die Hochebene Kastiliens streicht, und die Stadt verschmachtet Kühlung weht. Der Calle Alcala gegenüber, auf der anderen Seite der Puerto del Sol. führt die Calle Mayor zum Königslchloß, links blribt die Plaza Mayor mit ihren altertümlichen Bogengängen. Hier wurden die feierlichen Auto de f£ veranstaltet. Roch sieht man die ©teinfliefen. auf denen die Scheiterhaufen loderten und über die daS Blut der Keyer sickerte, während der König, der Hof und die Geistlichkeit betend in ihren Sesseln faßen und dem Auto de fe zuschauten. Die Zeiten haben sich geändert. aber für den Durchschnittsspanier ist der Richtkatholik auch heute noch ein Ketzer, der *t»ar auf der Erde nicht mehr verfolgt wird, dem aber der Himmel verschlossen bleiben Dürfte. Das Volk betritt Die schönen Kirchen wie fein eigenes Heim. eS ist dort au Hause. Man kniet vor Der Monstranz, läßt Den Rosenkranz durch die Finger gleiten, betet inbrünstig, bewegt sich aber Dann ungezwungen hin unö her. plauDert und flirtet. W«nn Die Truppen zum Hochamt antreten und sich vor Dem Altar aufstellen. so blasen sie auf ihren Hörnern Den KönigSfalut und präsentieren daS Gewehr, wenn der Priester die Hostie erhebt, als ob die göttliche Majestät vor ihnen in Wirklichkeit erschienen fei und die ihr ge­bührenden Ehrenbezeugungen erheische. Die Kirche ist dem Spanier kein außerhalb des Lebens­stromes stehendes Gebäude, man kann sich das spanische Leben nicht ohne Die katholische Kirche vorstellen. Goll und die Heilige Jungfrau lieben Spanien, man wäre hier verwundert, wenn jemand dieses besondere Privilegium vor Den anderen Rationen bezweifeln wollte. Selbst die Antillerikalen könnest sich von dieser Vorstellung nicht befteien. Als z. D. der einstige Präsident bet kurzlebigen spanischen Republik, C a st e l a r , der alS Freigeist galt, eine antillerikale Rede ballen wollte, da ertappten ihn feine Freunde dabei, wie er vorher vor dem Muttergottesbilde

im zweiten Akt:Melitta! Phaon!" (und so fort.) Unter den schwarzen Brauen brennt ein starkes Feuer, das in den weichen Bewegungen der Arme dunkel verhaltene Macht ahnen läßt, die ganz kurz ausbricht, aber sofort wieder im Zügel gebt. (Es wäre ein Versuch, die Explosio­nen, die die Sappho erlebt, nach Innen ausbrcchen und wie unterirdisches Grollen hören zu lassen. Eruptionen, die nach außen gehen, mißlingen Freya Sturmfels meist. Lind das ist schade, zu­mal wenn sie sich, wie auch gestern wieder, so ehrliche Mühe gibt. Die Lieder des ersten und fünften Alles und die Szenen des zweiten scheinen diese Ansicht zu stützen.)

Adolf Telekhs Spielleitung hatte die Statisterie gut im Zug, beim Solopersonal hatte er wohl allseitig Verständnis und Unterstühunp gefunden.

Don Kleinigkeften (u. a. Bühnenbild) abgesehen» war der Abend selten genußreich und fein aus- geschliffen, wert deS reichen und immer sich stei­gernden Beifalls, Den das Haus spendete es.

Eine internationale Driefmarkenansstellung.

Die diesjährige internationale Briefmarken- ausftellung wird vom 2. bis zum 12. Mai in dem prächtigen Pavillon de Marfan des Louvre in Paris stattfinden. In der Ausstellung, deren Patronat der französische Ministerpräsident und das Postminifterium übernommen haben, werden einige der bedeutendsten Sammlungen der Welt geschlossen gezeigt werden. Außerdem sind Brief­markensammler aus allen Teilen der Erde ver­treten. Es werden Preise, die in zahlreichen Medaillen, einem Großen Preis und dem Weisterschastsbecher" bestehen, für Wettbewerb« in 29 verschiedenen Klassen verteilt.

dem Aum Glück kein Menschenleben zu beklagen war, sollte die daran beteiligten Gemeinden ver­anlassen, kein Mitte! unversucht zu laßen, die Visenbahnbehördc zur Verlegung des Schienenwegs zu bestimmen, bevor größe­res Unheil hereingebrochen.

<6,tarlcnuurn uno wßc in Hessen.

Darmstadt, 19. März Gestern sand aus dem alten Friedhof die Deisen u ng deS verstorbenen Superintendenten von Rheinhessen. Geh. Oberfonfiftorialrati D. Ferd Euler, statt. Der neue Superintendent von Oberhesfen. Wag­ner. nahm die Einsegnung in der Friedhofs­kapelle vor und versah auch den Trauerdienst am Grabe. Die Deteiliaung an der Beisetzung war außerordentlich stark, es wurden zahlreiche Kranze am Grabe niedergelegt, u. a. von Prälat D Dr. Diehl im Rainen der hessischen Kirchenregie­rung. Freiherrn Dr. C. von H e y l für Den Landes kirchentag. Dekan 3 a u D t für Die Geist­lichen und die Dekane Rheinhessens. Pfarrer Schuster für die Mitglieder des Kirchentages aus Rheinhessen. Der Oberregiffeur des H.ss. Landestheaters. Moor, wurde vom Covent Garden Theater in London für Die Sommer­monate verpflichtet, um Dort eine Reihe von Wagneropern und DenRosenlavalier" von Rich. Strauß zu inszenieren. Ein arbeitsloser Drechs­ler suchte sich mit Leuchtgas zu vergif­ten. als Die Polizei in seine Wohnung ein- drang und Die Türe erbrach, brachte er sich einen Stich in Den Hals bei Er mußte Dem städtischen Krankenhaus zugeführt tnerDen. Hier wurde ein Holzhändler aus Bayern unter dem Verdachte, Kokainschiebungen zu betreiben, verhaftet 3m Historischen Verein in Darmstadt hielt Archivdirektor Dietrich. Der vor etwa Jahres­frist mit einer neuen Theorie über die Ent­stehung des Ribelungenliedes he:vor­getreten ist. einen Vortrag über Die Frag- wo Siegfried erschlagen wurde? Dr. Dietrich nimmt an, daß das QlibclungenheD um das Jahr 1150 von Dem Abt Siegehart von Lorsch versaßt worden ist: thrn hätten dabei Oertlichkeiten feiner Umgebung bei Der Schilderung der Begebenheilen vorgeschwebt. Das Ribelungenlied nenne als Schauplatz Der Jagd. Die der ErrnorDung Sieg­frieds voranging, DenWaschenwald". der auf einem Wert (Insel) gelegen habe Dieses Wert sei heute noch in der Weschnitz, einem Flüßchen, vorhanden und führe jetzt den Ramen Hagen- toert; es sei in etwa 4 Stunden von Worms au6

um Vergebung für feinen Vorwitz bat ES gibt aud) Antiklerikale. Die am Karfreitag vor Die Kirche treten, um im Angesicht Gottes Schinken zu essen. Sie kommen sich in ihrer Torheit sehr tapfer vor.

Vor dem Königspalast. auf der Plaza De armaS. haben sich recht viele Menschen ver- fammelt. Don Alfonso steht auf Dem Balkon, giübt und lächelt. Er ist wenige Monate nach dem Tode seines Baters geboren und innig mit Dem Volke verwachs em Sie hämischen Angriffe DeS Poeten Dlasko 3 ba n n e z aus Paris haben ihm in Der Liebe Der Ration nicht geschadet. Aus allen Kreisen unD Parteien wurDen ihm HulDigungen zuteil. Rach wie vor ist eS Sitte, daß die Zeitungen, wenn sie vom König schreiben. Dem Wort el iet) in Klammern die Buchstaben q. D. g.. Das heißt quien Dios guarde. Den Gott behüten möge, hinzufügen So streng bei ge­wissen offiziellen Gricgmheiten Die altspanische Hofetikette gewahrt toiiD, so bewegt sich das Königspaar doch frei in der Gesellschaft, meidet keinen privaten Verkehr, viel weniger, als es an den früheren europäischen Höfen Sitte war, und ist jedem ohne Zeremonien zugänglich.

Auf Der Puerta Del Sol unD in Den Haupt­straßen herrscht ein unübersehbares Gedränge. Alles spricht und schreit durcheinander, jeder tut es, so laut er kann, so daß man anfangs versucht ist zu meinen, daß ein jeder mit Den? anDeren zankt. Lange Reihen von Autos, Cqui- fragen und elektrischen Bahnen jagen dahin, so daß viel Gewandtheit Dazu gehört. Die anDere Straßenseite zu gewinnen, Doch scheinen lln- glücksfälle nicht allzu häufig zu sein. Die vielen Cafös sinD überfüllt, man fitzt Dort nicht be­sonders bequem, verzehrt auch möglichst wenig, kann sich aber an Den eigenen Worten berauschen. Man jceDet viel über Politik unD über Frauen, auch über Stierkämpfe, Theater und Literatur. Man ist in feinem Urteil leidenschaftlich unD absolut, selten gerecht, Denn Das Temperament ist größer als Die Uebetlegung. Das Treiben Dauert bis in Die späte Rächt, denn Madrid kennt keine Polizeistunde. Die Varietes beginnen erst um halb elf Uhr abends unö füllen sich erst nach Mitternacht, die Theater öffnen um halb zehn, so daß die Straßen noch um zwei Uhr nachts in einem Lichtmeer schwimmen unö frohe Menschen Darin auf unö ab wogen.

Der Spanier ist freunDlich unD höflich, er erweist auch Dem Deutschen eine ganz besonDere herzliche GastfreunDschaft. In einem Volkscafe tn der Talle Aduna, nahe an der Puerta del Sol, wird ein deutscher Soldat aus der spanischen Fremdenlegion, Der in Tetuan verwundet wurde, mit warmer Herzlichkeit begrüßt. Die Männer und Mädchen ruen ihm viva Alemania zu, und alles ist der Meimirg, Daß Deutschland bald wieder Öen ihm gebührenden Platz unter Der Sonne einnehmen wird. Die göttliche Gerech­tigkeit verlange es, und Deutschland habe genug fielitten. Aus Der Szene wird getanzt und ge­lingen, Jotas, Sevillanas unö Malagennas. Es ist ein Aberglaube, Daß alle Spanierinnen schön sind, aber sie haben alle brennende Augen und hübsche (Hamen: Sol, Luz, Encarnacion, ö. h. Lonne, Licht, Fleischwerdung. Sie tanzen mit Feuer unö Grazie, und Oierufe begleiten sie auf der Bühne. Die Kastanietten llappern lustig, unö das Treiben wird immer fröhlicher. Draußen ist Der Mond langsam am sternklaren Himmel emporaeschwommen, er leuchtet wie eine riesige blau-silberne Kugel unö tötet mit seinem Glanz Das künstliche Licht Der Lampen. Es herrscht ein wenig Wärchenstimmung m Den Straßen. Die engen, alten Gassen, Die in Die Hauptverkehrsadern münden, liegen in geheim­nisvolles Schweigen gehüllt, nur Die oberen Stockwerke leuchten im Mondenschein. Dunkle Ge­stalten flüstern in den Torwegen, aus den billigen Weinstuben klingt Stimmengewirr, vor den Tanz- fälcn und nächtlichen Klubs reihen stzch die Autos, und Die unvernünftigen Klänge einer 3azzband stören Den Zauber Der Mondnacht. Vor Öen Haustüren warten Die Serenos. Die Rachtwächter, mit ihrem Schlüsselbunde, da kein Spanier Öen Hausschlüssel mit sich führt, sie sehen auch höf­lich Öen Lift in Gang, unö wer sich durch Das Lärmen Der Straße nicht stören läßt, kann nun dem Morgen entgegenträumen und ruhen.

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