zech« „Minister Stein" sei als Antrei!
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. Das wettere Verfahren foIUc möglichst vereinfacht werden. Das beste wäre es, wenn die alliierten Regierungen Deutschland ihre berechtigten Forderungen so schnell wie möglich mitteilen würden, damit die deutsche Regierung diese sofort erfüllen könne, und damit für den Aufschub der Räumung keine weiteren juristischen Enischuldigungen übrig blieben. Ein weiterer Aufschub würde nur zu übertriebenen Ansprüchen und zu einer Erhitzung der Leidenschaften führen. Dies könne die Frage unendlich komplizieren, die doch im Grunde ganz einfach sei.
Das Dortmunder Unglück im Reichstag.
Berlin, 19. Febr. Zur Beratung kommen die Interpellationen über die Kontrolle der Sicherheit der Gruben, die anläßlich der jüngsten Gcubenkatastrophe von verschiedenen Parteien eingebracht worden sind.
Abg. Schwan (Korn.) begründet eine Interpellation der Kommunisten, in der die letzte Grubenkatastrophe als ein neues Zeichen für die grenzenlose Unsicherheit in den Gruben bezeichnet wird. Diese Unsicherheit werde noch verschärft durch die rücksichtslose Ausbeutungs- Politik der G ru b en kap i t a li sten , die die Kontrolle der Betriebssicherheit in den Gruben und die Betriebsräte sabotierten. Abg. 3m- busch (Ztr.) schildert den Verlauf der Gruben- katastrvphe. 3m Gegensatz zu dem Dorredner betont er, die Zechenverwaltung habe der Untersuchung der Ursache des Unglücks durch die Kommuni ft en keine Schwierigkeiten in den Weg gelegt.
Staatsrekretär Geib vom Reichsarbeitsministerium gibt zunächst im Ramm des erkrankten Reichsarbeitsministers dem tiefsten Mitgefühl Ausdruck für die Hinterbliebenen der Opfer sowie den Dank für die Tätigkeit der Hilfsmannschaften. Die aus öffentlichen und privaten in- und ausländischen Quellen geflossenen Gelder für die Hinterbliebenen hätten den Betrag von 1V? Millionen Mark schon überschritten. An der Ueberwachung der Sicherungseinrichtungen seien tiv Betriebsräte beteiligt. Ein besonderer Vorschlag d s Preuftilchen Handelsministeriums sicherte die ungestörte Tätigkeit der Betriebsräte auf diesem Gebiete zu.
Schon am letzten Freitag sei den Hinterbliebenen das Sterbegeld und am Samstag die Hinterbliebenenrente ausgezablt worden. Die Beerdigungskosten hätte in großherziger Weise die Stadt Dortmund übernommen. Die Regierung werde alle- tun, um einer Wiederholung ähnlicher Katastrophen vorzubeugen.
Ministerialrat Hatzfeld vom Preußischen Handelsministerium gibt dem tiefen Beileid der Preußischen Staatsregierung Ausdruck. Der Redner war selbst am Anglücksort und gibt eine Schilderung der örtlichen Verhältnisse. Die Wetterführung sei in Ordnung gewesen. Auch die Berieselung habe funktioniert. Aber sie sei nach Ansicht von Fachleuten nicht als ein geeignetes Mittel zur Verhütung von Kohlenstaubexplosionen anzusehen.
Die Verwaltung der Anglückszeche sei eine der ersten, die gerade jetzt dabei war. das moderne
Stcinstaubverfahren einzuführen.
Ein endgültiges Urteil laste sich über die letzte Arsache noch nicht abgeben. Gewisse, im Untersuchungsausschuß geäußerte Vermutungen darüber hätten sich noch nicht bestätigt.
Abg. H u s e m a n n (Soz.) b gründet einen Antrag auf Bereitstellung von Mitteln für Einrichtungen zur Untersuchung und Verhütung von Unfällen im Bergbau. Sine große Katastrophe wie die jetzige lenke die öffentliche Aufmerksamkeit auf die großen Gefahren des Derg- mannsberufes. Dabei werde aber auch zu wenig derer gedacht, die als einzelne verunglücken. 3m deutschen Bergbau g^be estäglichzweiTote und 280 Verletzte. 3m Auhrbergbau sei die Zahl sogar noch höher. Abg. Winnefeld (Dt. Vpt.) verliest eine gemeinsame Erklärung der beiden Rechtsparteien, der Bayerischen Volks- vartei und der Wirtschaftlichen Vereinigung, in der den Opfern der Katastrophe und den Hinterbliebenen die Anteilnahme der Parteien ausgesprochen wird. Die Erklärung lehnt es ab, vor der genauen Ermittlung der Ursache der letzten Katastrophe ein Urteil darüber zu fällen, oder Schlüsse daraus zu ziehen. Rotwendig sei es, den Sicherheitsvorkehrungen die ganze Aufmerksamkeit zuzuwenden und die Betriebsvertretungen in verstärktem Maße heranzuziehen.
Abg. Ziegler (Dem.) ist der Meinung, daß alle schönen Sicherheitsvvrschriften keinen Schutz gegen Grubenkatastrophen gewähren, solange es die Arbeitsverhältnisse bÄ den Zechen den Bergleuten unmöglich machten, alle diese Vorschriften zu beachten. Gerade die Unalücks-
kannt. Sie habe im Dezember 1924 die Förderung auf das Anderthalbfache der Vorkriegszeit gesteigert. Das starke Beladen der Kohlenwagen habe die Staubexplosionsgefahr gesteigert. Das jetzige Gedinge und Prämiensystem steigerten weiter die Unfallgefahr.
Damit schließt die Aussprache. Der sozialdemokratische Antrag wird dem Haushalts- ausschuh übertragen.
Der Geschäftssührungsausschuß beantragt weiter die Ablehnung der kommunistischen Anträge,
Einstellung der gerichtllchen Verfolgung und Hastentlastung der kommunistischen Abg. Heckert und Pfeifer, die als Mitglieder der kommunistischen Zrnt ale wegen tz chverratS verfolgt werden. Der Auslchußberichterstatler Abg. Dr. Rie» s e r (D. Vp.) schildert ausführlich das Ergebnis der Voruntersuchung gegen die Zentrale der K. P. D., der vorgeworfen wird, Terrorgruppen eingerichtet zu haben, die mit allen, auch gesetzwidrigen Mitteln, mit Was- fen, Gift und Spreng st offen gegen die Gegner der Kommunisten vorgehen sollten. Abg. Dr. Dell (Ztr.) gibt für die Fraktionen der Deutschnationalen Volkspartei, der Zentrums- Partei. der Deutschen und Bayerischen Dolks- parteien und der Wirtschaftlichen Vereinigung eine Erklärung ab des Inhalts, die beiden Abg. Heckert und Pfeiffer würden derart schwerer Verbrechen bezichtigt, daß die Wahrung ihrer Immunität in unlösbarem Widerspruch stehen würde zu der gebotenen Sicherheit von Staat und Gesellschaft, zur Aufrechterhaltung der Rechtsordnung und zum Schuhe LeS Lebens der Staatsbürger. Darum mußten &te genannten Parteien die Anträge auf Haft
entlassung und Einstellung des Verfahrens ab- lehnen. Abg. B r o d a u f (Dem.) erklärt, auch die demokratische Fraktion werde für die Genehmigung zur Strafverfolgung stimmen.
Abg. Henning (Rat.-Soz.) erllärt unter Entrüstungslundgebungen der Kommunisten auch die Rationalsozialisten würden dem Geschäfts- ordnungsausschuhantrag zustimmen. Abg Münzenberg (Kom.) bekämpft den Antrag. Es handelt sich hier um einen politischen Ten- denzprozeh zur Vernichtung der kornrnu istischen Partei. Der Ausschuß Hit die unbewiesene Behauptungen des Oberreichsanwalls einfach als wahr übernommen, obwohl sich diese Behauptungen nur auf Spitz tm.it rial stüzea. Was jetzt Heckert und Pfeiffer als Hochverrat vorgewor-sen werde, seien die Abwehem.ßnahmen vom He bst 1923 gegen den bewaffneten Aufmarsch der Faschisten, die mit Zustimmung der legalen Landesregierungen Sachsens und Thüringens gemeinsam mit den Sozialdemokraten unternommen wurden.
Abg. Dittmann (Soz.) lehnt es ab, auf die Angriffe des Vorredners zu antworten, die Delirien eines Anzurechnungsfähigen gewesen wären. (Lärm bei den Kommunisten.) Vic Kommunisten bekämpften keine Partei so fanatisch wie die sozialdemokrati che Partei. Dennoch müssen wir im Interesse der Gerechtigkeit den Antrag des Ausschusses auf Aufhebung der Immunität der Abg. Heckert und Pfeiffer a b l e h n e n.
Die Anträge auf Haftentlassung der Abg. Heckert und Pfeiffer werden unter Lärm der Kommunisten gegen die Stimmen der Sozicü- demokraten unb Kommunisten abgelehnt.
Eine Volkszählung.
Berlin, 19. Febr. (WD) 3m Reichs- rat widmete der Vorsitzende Reichsinnenminster Schiele den Opfern des Grubenunglücks einen Rachruf, den die Mitglieder des Reichsrats stehend anhörten. Der Gesetzentwurf, durch den der Reichswirtschaftsminister zur Vornahme der Volkszählung im 3ahre 192 5 ermächtigt wird, wird angenommen. Der Tag der Zählung ist noch festzusehen. Das Saargebiet bleibt von der Zählung ausgeschlossen. Bei der Zählung soll jedes Eindringen in die Vermögensund Einkommenverhältnisse ausgeschlossen bleiben. Die Ergebnisse dürfen nur zu statistischen Arbeiten benutzt werden. Der Reichsrat ermächtigte ferner den Reichsfinanzminister zur Ausprägung von Münzen im Rennwert von unter einer Reichsmark je nach den wirtschaftlichen Bedürfnissen.
Preußen und der Finanzausgleich.
Berlin, 19. Febr. (WTB.) 3m preußischen Staatsrat äußerte bei der Behandlung des Haushalts 1925 der Berichterstatter des Hauptausschusses, Kaiser (Z.), Zwei.el, ob sich die Einnahmen und Ausgaben auf den im Etat angenommenen Grundlagen ausgleichen werden, da bei den Einnahmen voraussichtlich d i e Steuereingänge den Doranschlag nicht erreichen werden. Finanzminister Hoepker-Aschoff bemerkte, in der Einschätzung des Reiches befänden sich erhebliche 3rrtümer, dir besonders die Finanz n der Gemeinden betreffen. Das Reich glaube, die Grundvermögens steuer könne 530 Millionen aufbringen. Tatsächlich könne sie nur 425 Millionen ergeben. Roch schlimmer sei es bei der G e w e r b e st e u e r. Sie sollte für Preußen 500 Millionen ergeben. Rach den Schätzungen kämen aber nur 250 in Frage. Die Pläne des Reiches sind also außerordentlich bedrohlich. Preußen müsse in stärkerem Maße an dem Ertrag der wichtigsten Reichssteuern beteiligt werden.
Gewerkschaften und Steuerreform.
Berlin, 19. Febr. (WB.) Die gewerkschaftlichen Spitzenverbäni'e erl ssen einen Ausruf, in dem sie gegen dte Steuerreform protestieren unter Hinweis aus die starken Eingänge autz der Lohn - undAmsahsteuer und aus den Zolleinnahmen. Die Gewerkschaften verlangen von der Reichsregierung eine Steuerpolitik, die nicht zuerst den Bedürfnissen der 3n- dustriekönige und der Agrarier, sondern den Lebensnotwendigkeiten der breiten Masse des Dolles entspricht.
Zentrum und hessische Regierungskrisis.
Darmstadt, 19. Febr. (Priv -Tel.) Die Antwort des Zentrums an die demokratische Fraktion ist, wie wir hören, gestern ergangen. Das Zentrum stellt in der Zuschrift mit Bedauern fest, daß die wohlgemeinten Versuche, die Sozialdemokraten als stärkste Fraktion des Landtages in der Regierung zu halten, nach der letzten oftiz. Erllärung der sozialdemokratischen Fraktion als gescheitert zu betrachten seien. Das Zentrum hält aber auch nach Scheitern dieses letzten Versuches die Möglichkeit zur Bildung einer wenigste ns einigermaßen tragfähigen Regierung noch nicht für erschöpft.
Wie wir hören, ist der A e l t e st e n r a t des Landtages auf nächsten Dienstag einaeladen. Zur Besprechung steht der Antrag des Abgeordneten D i n g e l d e h und Fraktion wegen sofortiger Einberufung des Landtages mit der Tagesordnung: Initiativantrag der Deutschen Volkspartei und des Bauerrckundes auf Abänderung des Artikels 24 der Hess. Verfassung.
Mandalswechsel
im Hessischen Landtag.
Darmstadt. 19. Febr. (Eig. Der.) Die bereits vor einiger Zeit angekündigten Mandats- nicdcrlegungen durch den Abgeordneten Dr. Strecker (Soz.) und Knoll (Zentrum) sind jetzt erfolgt. Für Dr. Strecker, der bekanntlich nach Berlin übersiedelt tritt der frühere Abge- «ordnete Lang-Arberach und für Knoll der frühere 2lbgeordnete F e l d n e r-Mainz in den Landtag ein.
Elektrisierung der badischen Bahnen.
Finanzmüiister Köhler gab im Badischen Landtag eine Erklärung über die Elektrisierung der badischen Bahnen und sagte u. a.: In den nächsten Tagen beginnen die Ver- handlungen mit der Dauverwaltung der Reichsbahn. um in der Frage der Elektrisierung der
badischen Bahnen einen Anfang zu machen. Dis zum 15.11. hofft man mit der Erstellung der 100 000 Voltleitung des Badenwerks fertig zu sein. Damit wäre die große Verbindung zwischen den Wa)serkräften des Oberrheins und jenen der Dinnenflüsse hergestellt. Der Minister betonte, daß der baldige AusbaudesRheinszwi- schen Basel und dem Bodensee zu den wichtigsten Aufgaben gehöre, die je eine badische Regierung zu vollbringen gehabt habe. Hier handele es sich nicht nur um die Gewinnung wertvoller Kratt, sondern auch um die Wetterführung der Schijfahrt bis zum Bodensee. Gemeinsam mit der Schweiz erfolge der Ausbau der Stauufer am Oberrhein.
Schwere Mißhandlung eines Deutschen.
Landau, 20. Febr. Am 6. Februar, abends 7 Ahr, wurde, wie erst jetzt bekannt wird, ein junger Mann aus der Umgebung Landaus, als er nach Geschäftsschluh auf dem Wege zum Bahnhof war, von einem französischen Offizier ohne i de Der nl sfu g fest genommen und unter Bedrohung mit dem. Revolver in das frühere, jetzt von den Franzosen besetzte Bezirkskommando gebracht. Dort wurde er von dem Offizier eine Diertelstunde lang in der fürchterlichsten Weise mißhandelt, so daß ihm das Blut aus Mund, Rase und Ohren strömte und seinen Rock tief durchtränkte. Beschwerden über den Dorfall hat der Bczirksdelegierte von Landau, Major P r u d» Homme, bisher keiner Antwort gewürdigt. Belgische Krieysgerichlsurteile.
Ramur, 19. Febr. (WD.) Dom Kriegsgericht sind wegen angeblicher 1914 begangener Derbrechen folgende deutsche Osfiziere verurteilt worden: General von Laffert wegen Ermordung eines gewissen Dubois in Duissonville zum Tode und Rittmeister H e l h e r und Zahlmeister Scheffler wegen D.andstiftung zu 20 Jahren Zwangsarbeit.
740 000 Dollar
Lufitania-Entschädigungen.
Berlin, 20. Febr. Der Obmann der deutsch-amerikanischen Kommission gab als Entscheid dieser Kommission bekannt. Deutschland sei verpflichtet, die Schäden zu ersehen, die in Amerika lebende Angehörige englischer, bei der Bei senken" der „L u s i t a n i a" ums Leben g k mmener Untertanen erlitten haben. Die Kommission gab evenfalls bekannt, daß die verschiedenen schiedsrichterlich erkannten Forderungen amerikanischer Bürger die Summe von 704 000 Dollar ausmachen.
Die Frankeninflation.
Herriots Fitianzpolitik. — Keine Auslandhilfe.
London, 20. Febr. (WTB. Funkspruch.) Die „Times" befaßt sich in einem Leitartikel mit dem Sinken des Frankenkurses. Das Blatt sagt, die französischen Minister schienen ?ar nicht die eigentliche Wurzel des lebels zu erkennen. Seit dem Kriege habe der Hauptfehler der französischen Politik darin gelegen, daß zuviel ausgegeben worden sei und die dadurch entstandenen Lücken in den Einnahmen nicht durch Steuererhöhungen, sondern durch Aufnahme von Anleihen in verschiedenen Formen aufgefüllt wurden. Frankreich sei jetzt dahin gelangt, daß es sich entscheiden müsse, ob es mit der Dorgwirtschaft fortfahren wolle, die zu einer finanziellen Katastrophe führen müsse, oder ob es die Politik einer energischen Sparsamkeit betreiben wolle, die die Finanzen stabilisiere und eine allmähliche Derminderung der Schull>2N ermöglichen würde. Der von Clementel geäußerte Gedanke, Anleihen im Auslande aufzunehmen, werde bei den auswärtigen Kapitalisten keine Gegenliebe finden, es fei denn, daß de französische Regierung sehr wirksame Schritte unternehme, um ihre Finanzen gründlich in Ordnung zu bringen, e
Straßburg, 20. Febr. (TA) In letzter Zeit wird Elsaß-Lothringen von Polen und Tschechoslowaken, die alle mög.ichen Spekulationsgeschäfte betreiben, derartig überschwemmt, daß die heimische Geschäftswelt sich beschwerdeführend an Behörden und Presse wendet. Da es sich aber um Angehörige von mit Frankreich verbündtten Rationen handelt, hat man wenig Hoffnung, mit den Beschwerden durchzudringen.
Aus aller Welt.
134 Opfer auf „Minister Stein" geborgen.
Wie die „Telegraphen-Anion" erfährt, sind jetzt 134 Opfer der Katastrophe auf „Minister Stein" geborgen. Es fehlen jetzt nochzwei Leute, deren Bergung infolge der schweren Bruchschäden der Grube noch nicht möglich war.
Motorenunglück.
In einer Kupferschmiede in Rauen bei Berlin explodierte der Kompressen eines Dieselmotors. Der in der Rähe stehende 17jährige Lehrling Richard Dechmann wurde von den herumfliegeaden Metallstücken so schwer verlebt, daß er nach wenigen Minuten starb.
Der Spinnerstreik in Schanghai.
Die Eingeborenenpolizei von Schanghai sprengte heute mit der Kolonialpolizei an der Gebietsgrenze eine Versammlung von Streikenden, wobei 16 Leute verhaftet wurden. D i e Menge stürmte hierauf eine chinesische Polizeistation, wurde jedoch durch einheimische Polizei auseinandergetrieben. — Rach den amtlichen Angaben befinden sich 30 800 Spinnereiarbeiter im Ausstand, wodurch 22 japanilche Handelsniederlassungen in Mttleidenscha t gezogen worden sind.
VettefvornuHsf-ae.
Rachts Temperaturen um den Gefrierpunkt, morgens Rebel, tagsüber heiter bis wolkig, trocken.
Das Rordseetief hat sich aufgefüllt. Von Mittelskandinavien bis zu den Pyrenäen erstreckt sich heute morgen ein langgestreckter schmaler Hochdruckrücken, während zwischen Island und Irland sich eine neue Tiefdruckstörung zeigt. Zunächst ist bei zeitweise heiterem Himmel Anhalten der trockenen ruhigen Witterung zu erwarten. Die Rachttemperaturen werden nahe Rull, jedoch nicht viel darunter liegen.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 20. Februar 1925.
(5'ittsvännrr.
Man kennt sie, diese Raturen, die am liebsten mit sich allein sind und ihr Einsamkeitsbedürfnis so weit treiben, daß der bedächtige Bürger den Kopf schüttelt.
Manche bemühen sich, etwas für den Mann zu tun, der' ein Einsiedler geworden ist. Aber was? Wenn man ihn einladet, findet er einen Grund, sich zu entschuldigen: wenn man mit ihm gemeinsam ein Stück Weges gehen will, ist er so einsilbig, daß es wirllich keinen Spaß macht.' seine Gesellschaft zu teilen. Wenn man ihm jemanden vorstellt, kehrt er die ganze Anwirt- lichkeit seines Wesens heraus, um dem andern auf den .ersten Blick zu zeigen, daß er ein Einspänner ist.
„Diese armen Einsamen", denkt die liebe Hausfrau, deren ganzes Glück es ist, eine Schar von Kindern um sich zu haben und für sie zu sorgen. Tiefes Mitgefühl steigt aus ihrem Herzen auf; sie möchte auch hier so gern bemuttern, wenn sie nur bemuttern dürfte, aber alle Versuche werden zurückgewiesen. Die Einspänner sind, wie es scheint, unbelehrbar.
Solange der Einspänner jung ist, geht es. Da bildet er immer wie dec., das Angriffsobjekt von töchterreichen Müttern, die so gern entschuldigen, wo nur irgend ent- schuldigt werden kann. Gewiß, seine Rockärmel zeigen gelegentlich ausgefranste Stellen, und bei Kragen ist oft nicht immer gerade sauber, er könnte auch öfter einmal feine Hose auf bügeln lassen, und es würde nichts schaden, wenn er sein Haar mehr pflegte und sich öfter rasierte; aber das sind alles Fehler, die sich leicht beseitigen lassen, eben durch die liebevolle Hand, die man ihm zugedacht hat.
Ob der Einspänner von all diesen Mühen wirklich nichts merkt, oder ob seine g mze Klugheit darin besteht, daß er sich nicht merken läßt, daß er etwas merkt? Einsam zieht er seines Weges, beschäftigt mit sich, versunken in seine Arbeit oder in seine Liebhaberei; einer der nicht gerade viel dazu beitragt, daß die menschliche Gesellschaft sich miteinander gut unterhält, aber doch .einer der getragen werden kann, weil et noch lange nicht der Schlechteste ist. And mag er ruhig seine Pfade ziehen, wir wollen nicht einmal lächeln über ihn. Er hat das Recht, sein Leben zu leben, wie er will. Wer weiß denn, ob er nicht wirllich glücklich ist in seiner Act!
•• Das Preisgericht für das Festhalle-Projekt. In der gestrigen Sitzung des Dau-Ausschusses für die Fest halle wurde das Preisgericht für die einzureichenden Entwürfe wie folgt gebildet: Bürgermeister Ären- dien, Stadtbaudirektor Braubach, Regie- rungdbaurat Kuhlmann, Gewerbeschulrat Du n nings , Stadtv. W i n n und Prof, von Löhr- Frankfurt a. M. Zur Auszeichnung der Entwürfe sind Preise von 1200, 800 und 500 Mark vorgesehen, außerdem noch 500 Mark für den weiteren Ankauf von Entwürfen. Zu dem Wettbewerb werden nur Gießener Architekten zugelassen.
" Karnevalstreiben auf der Straße i st verboten! Das Polizeiamt weist erneut darauf hin, daß nach einer Der Ordnung des Hessischen Ministeriums deS Innern jede Maskerade und jedes karnevalistische Treiben (dazu gehört auch daS Wersen von Konfetti und Luftschlangen) auf der Straße verboten ist. Dagegen unterliegen alle larnevalistischen Veranstaltungen, die in Lokalen abgehalten werden, nur den Beschränkungen, die für öffentliche Lustbarkeiten überhaupt gelten. Diesbezügliche Gesuche sind schriftlich bei dem Pollze'amt einzureichen.
*’ Sine öffentliche Sitzung deS Kreisausschusses findet morgen, Samstag, vormittags 8’•> Ahr beginnend, im Schungsfaale des Regierungsgebäudes babier statt. Aus der Tagesordnung stehen: 1. Gesuch des Städtischen Elektrizitätswerks Gießen um Erlaubnis zur Errichtung eines Wasserkraftwerks an der Lahn, 2. Reneau des Heinr. Schmidt XI. zu Lich; hier: Beschwerde des P. Hch. Zimmer zu Lich wegen Anlage eine- Sägewerks mU Gatterbetrieb.
*' Am denWohnwagen plahander Lahn. Gegen das Urteil deS ProvinzialauS- schuffes vom 29. Rovbr. 1924, durch welches die Klage des Lorenz Krätzner in Gießen gegen den die Räumung des Platzes an der L ihn an« ordnenden Polizeibefehl als unbegründet zurückgewiesen wurde, ist durch den Vertreter deS Klägers Berufung verfolgt worden. Run- mehr wird sich der Derwaltungsgerichtshof in Darmstadt mit der Sache zu beschäftigen Haden.
*• Ei n Revisionsverfahren. In der Sacke „Festsetzung der Gemeindebeamtenbesoldung in Ober-Seibertenrod" ist gegen Öa8 Urteil des Provinzialausschufses vom 13 Dezember 1924, durch welches die Berufung der Gemeindebeamten gegen das die Besoldung reaelnde Arteil des Kreisausschusses des Kreises Schotten als unbegründet abgewiesen Worten war, Revi- s i o n beim Verwaltungsgerichtshof in Darmstadt eingelegt worden.
** Keine Anmeldepflicht fÜ r sportliche Veranstaltungen. _ Das Oberste Landgericht in München f)at kürzlich eine für Sportkreise wichtige Entscheidung gefällt. Der Vorsitzende des Südbayerischen Landesverbandes für Leichtathletik hatte eine leichtathletische Ver» anstallung in München nicht polizeilich angemerct und war dafür angezeigt worden. Das Landgericht München sprach ihn frei und legte die Kosten der Staatskasse auf. Das von der Staatsanwaltschaft a1 gerufene Oberste Landgericht verwarf die Revision und legte die Kosten des Verfahrens abermals auf1 die Staatskasse.
" „K r e i d e k r ei s". (Druckfehlerbe» r i ch t i g u n g.) In unserer gestrigen Desorechung der Aufführung muß es bei dem Kapitel Dekorationen im dritten Absatz heißen: „daß eine Farbigkeit herrschte, die das märchenhafte Kunterbunt . . , und im sechsten Absatz: „Paul Schubert war nicht so. Er c •fiyien ein Sklave der Regie, unfrei in nicht passendem Gewände."
•• Aniversitäts - Gottesdienst. Am nächsten Sonntag findet in der neuen Aula der Aniversität der letzte Aniversitäts-Gottes- dienst in diesem Winter-Semester st tt, zu dem ie'c-m nn eingeladen ist. Prediger: Priv.ttdrzenl Lic. Dr. Adolph.
fpd. Freifahrt für Kirchenglocken. Auf ein an den Reichsverkehrsminister gerichtetes Schreiben hat die Reichsbahngesellschaft mitgeteilt, daß das vorläufig bis zum 31. Dezember 1924 befristete Zugeständnis frachtfreier Deför»
Silber v-läng« auSerb entlaß vegung feil. ®a tzcnbutg $arur WJ Pfarrer qiebigei Pertrei vollem nach ? schaff feien iier nicht b Partei« als Fv helfen, ihrer k hie kat? Stellun gar ni Kirche zeigt u- mit Zen geliW tung te Klosters ücber „ Jeiö" M Mi ohne Ael Gesetze v Eine reg dah ein' auch in qtünbun sich nad erwartet
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