Ausgabe 
19.12.1925
 
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denen zu hinterlassen, die unsere Nachkommen werden, Kalten wir für unsere Pflicht.

Für die übrigen deutschen Parteien gab Pro­fessor Sr. Spina eine Erklärung ab, in der auf die Erklärung vom Iahre 1920 hingewiesen wurde, der Protest aber auf Hultschin und die später annektierten Gebiete Nieoerö ster-reich 5 arrsgedehnt wurde. Die Erklärung kündigte den Kamps gegen da- nationalstaatliche System an, aus dem die Tsthechoslowakei ausgebaut fei und das zu schwer­sten Benachteiligungen der nationalen Minder­heiten auf dem Gebiete des Schulwesens, der Wirtschaft und der Kultur geführt habe.

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Hessischer Landtag.

Darmstadt. 18. Dez. Präsident Adelung er­öffnet die Sitzung um 9.45 Uhr. Abg. H a u rt (Nat.-foz.) fragt wegen des Verbotes einer nationalsozialistischen Versammlung an, in der Abg. Strasser sprechen sollte. Ministe­rialrat S p a m e r erwidert, daß das Verbot aus Gründen der öffentlichen Sicherheit erfolgt fei. Mit diesem Verbot sei kein allgemeines Dersammlungsoerbot für nationalsozialistische Ver­sammlungen ausgesprochen.

Abg. D i n g e l d e y (D. 23p.) fragt an, ob die Regierung bereit sei, eine Verlängerung der Frist des § 16 des Aufwertungs. gefetzes bei der Reichsregierung zu befürworten. Ministerialrat Dr. Schwartz erwidert, daß die hessische Regierung bereits im November einen ent­sprechenden Antrag gestellt. Zur Fristverlänge- rung sei aber ein Reichsgesetz notwendig, da jedoch der Reichstag in die Ferien gegangen sei, bestände feine Aussicht, daß bis zum 1.Januar eine Fristverlängerung eintreten könne: auch ständen ihr eine Reihe von Bedenken entgegen.

Abg. Angermeier fragt nach den Einkünf- ten aus den fiskalischen I a g d p o ch t e n. Landforstmeister Hesse bemerkt dazu, daß im Jahre 1914 die Einkünfte 79000 Mark betrugen; für 1929 stände der Ertrag noch nicht fest.

Das Haus tritt hierauf in die Tagesordnung ein, und es werden olle Anträge, die sich mit der Polizei und Gendarmerie befaffen, zusammen beraten. Von den vielen An­trägen, etwa zehn, die hierzu vorliegen, beziehen sich die meisten auf eine Neuregelung der Vefoldungsoerhältnisse dieser Beamten- fategorien. Weitere Anträge beziehen sich auf die Neuorganisation des Polizei- und Gendar­meriewesens. (Sie Anträge sind seinerzeit in den Ausschußberichten mitgeteilt worden.)

Abg. Seid (623.) erstattet einen ausführ­lichen Bericht über die verschiedenen Anträge und Vorstellungen und teilt die Ausschußberichte hier­zu mit (H(ese sind ebenfalls bereits veröffent­licht worden.) 3m wesentlichen wird den For- Leinmgen der Polizeibeamten nicht ftattgegeben, weil die Legierung daS Reichssperrgesetz dagegen geltend macht, sowie eine zu starke Belastung der Staatsausgaben. Wohl hat sich die Legierung bereit erklärt in be- ftmteren Notfällen helfend einzugreifen. Die Re­gierung hat es abgelehnt, eine Winterbeihilfa für Polizei, Staatsbeamte und Staatsarbeiter zu zahlen, doch empfiehlt der Ausschuß einen ent­sprechenden Antrag anzunehmen. Die meisten der Dorstelllmgen der Polizei und Gendarmeriebe­amten tottb vom Ausschuß durch die Legierungs­antwort «erledigt erklärt. Es ist also von (allen Besoldungsanträgen nur der Antrag Delp . (Soz.) übrig geblieben, der eine einmalige Beihilfe an Beamte und Staatsarbeiler vor- t sieht. Abg. Heinstadt (Z.) erstattet Bericht über einen Antrag über Äntrrkunstsabzüge für F die Schutzpolizei. Der Ausschuß hat Annahme dieses Antrages beschlossen.

Abg. Kindt (Dn.) erklärt, eine Notlage der Polizei, Gendarmerie und Strafanftaltsbeamten sei unbedingt anzurrkennen. Der Staat müsse sich der Pollzeibeamten besonders annehmen. Der Staat Hobe die Pflicht, fo für die Polizeibeamten zu sor­gen, daß sie nicht notleiben, namentlich für die unteren Gehaltsgrunnen. Wenn die Regierungs- - Parteien hätten helfen wollen, Halle dies geschehen können. Aber alle Anträge, die eine wirkliche Hilfe wollten, waren im Ausst'-"*' von der Mehr- heil der Koalttionsparieien niedergestimmt worden. Der fozialdemokrallsche Antrag Leuschner- Stork fei nur eine große Geste gewesen. Auch die anderen sozialdemokratischen Anträge wären nur agitatorischer Natur. Auch der Antrag Delp zeige in feinen ersten Positionen auch nur das Bestreben, den Anschein zu erwecken, als wenn etwas geschehe, in Wirklichkeit werde aber den Beamten nichts gegeben. Die hessische Regierung sollte nur die Polizeibeamten nach dem badischen Beispiel höher einftufen.

Abg. Hetnstadt (Z.) weist auf die reichsgesetz- lichen Bestimmungen hin, die eine Veränderung des gegenwärtigen Zustandes nicht zuließen. Das badische Beispiel könne nicht ohne weiteres von Hessen nachaeahmt werden. Wegen der reichsge­setzlichen Bestimmungen sei nicht möglich, den An­trägen der Oppositionsparteien zuzustimmen, weil das Sverrgefetz dagegen spreche. Der Redner wen­det sich u. a. gegen eine Herausnahme der Polizei- beamten aus der allgemeinen Besoldungsordnung. Der Antrag Dingeldey über die Strafanteile möchte nochmals an den Gesetzgedungsausfchuß zurückver- wiesen werden, .s sich hier wahrscheinlich um wohleNuorbene Rechte handelt. Der Redner empfiehlt den Zusatzantrag über die Hinterblie­benenversorgung der Staatsbeamten.

Abg. G a l m (Komm.) empfiehlt den Antrag feiner Partei über eine Wirtschaftshilfe an Ange- stellte, Staatsarbeiter und Beamte zur Annahme.

Abg. Dingeldey (D. V.) spricht zunächst über den früheren Verlaus der Polizeidebatten im Landtag. Die Polizeibeamten hätten damals schon die Auffassung gehabt, daß die Anträge ein Be - gräbnis erster Klasse erhalten würden.

gäbe für die Regierung und die Regie­rungsparteien nichts Bequemeres als das Sverrgeftf); Im gegebenen Moment könnten sie alle Versprechungen und (Erflärungen wie Pa­pier zerreißen und brauchten nur auf das Sperraefeh hinzuweisen.

Man streitet sich in Hessen um Widerstände, die in anderen Ländern nicht vorhanden sind, nickst In Baden und in Preußen, denn dort be­steht der positive Wille, etwas für die Polizei­beamten durchzusetzen. Unter allen Umständen muffe die hesillche Regierung veranlaßt werden, diesen Streitfall über die Besoldungsordnung bis zur letzten Instanz bis zum Deichsschiedsgericht auszutragen. Die platonische Beteuerung, das Sperrgesetz verhindere die Erfüllung der Be- anttenwÜnfche, habe in Kreisen der Polizei­beamten Erbitterung erregt. Es gehe doch in erster Linie um die Erhaltung der Dienstfreudigkeit der Polizei: diese müsse durch ein HerauSheben der Beamten auS der

allgemeinen Besoldungsordnung geschehen, denn für die Polizei wären die ^fahren für Leib und Leben so groß und es tou-^e so viel Dienst­eifer und Pflichtgefühl von den Beamten ge­fordert, daß sich dieses Berlangen rechtfertige. Cs liege in der Anerkennung dieses Tatbestandes durchaus keine Zurücksetzung der anderen Be- amtenkatcgorien vor. Der von der Linken des Hauses vorgeschlagene Weg der Devision der allgemeinen Besoldungsordnung könnte doch erst nach Zähren Erfolg haben. Der Dedner spricht dann für Annahme seines Antrages, der mo- n a t l i ch e n B e i h i l f e n für die Pelizcibeamten nach bestimmten Grundsätzen (Dienstalter, Ver- heiratung usw.) vorsieht. Auch hier müßte, wenn sich Widerstände ergeben, die Angr'egenheit bis zur letzten Instanz, dem ReicbssÄiedsgericht, durchgefochten werden. Der ursprüngliche Antrag Leuschner habe ähnliches gewollt, aber die Sozial­demokratie habe einen Dückzug angetreten und ihn zugunsten des allgemeinen Antrages Delp fallen gelassen. Dieser Antrag spreche in feinen ersten Absätzen nur allgemeine Wünsche aus, gehe aber nicht auf die besonderen Wünsche der Po­lizei ein.

Dach einer Pause wird der Mißtrauen s- antrap^des Abgeordneten Galm auf die Tagesordnung gesetzt.

Abg. Galm (Komm.) begründet seinen An­trag durch einen Hinweis auf die gestrigen Vor­gänge im ßantHag.

Abg. Glaser (Hess. Landbimd) gibt fol­gende Erklärung ab: Angesichts der Haltung, die die hessische Regierung wiederholt gegen­über Mehrheitsbeschlüßen des Landtags, zuletzt zu dem Antrag auf Drucksache Dr. 322 einge­nommen hat, obgleich diese Beschlüsse nur durch die Stimmen einer Koalillonspartei ermöglicht wurden,

mißbilligen die Fraktionen des Bauernbundes, der Deutschen Volkspartei und der Deutsch- nationalen Volksparlei diese Stellung der Re­gierung und sprechen der Regierung ihr

Mißtrauen aus.

Bei der Abstimmung über den Antrag der Kom­munisten werden sich die drei genannten Frak­tionen der Stimme enthalten, weil sie trotz ihrer grundsätzlichen Einstellung zur gegc loärtlgcn Re­gierung die überradikale kommunistische Auffas­sung in staatsrechtlichen Fragen nicht zu teilen vermögen.

Der Antrag Galm wird abgelehnt.

Es wird hieraus ei ie 31 ä ibe.unj zum Volks- schulgesetz in zwei Lesungen angenommen. Fer­ner wird der Tierärzteordnung in zwei Lesun­gen ohne Debatte zugestimmt. Auch zu der Re­gierungsvorlage über die baulich rn Derän- derungen am KurhauS in Bad-D an­heim wird der Ausschußantrag (der etwa die Hälfte der geforderten Kosten bewilligt) ange­nommen.

Dach Erledigung einiger weiterer Punkte der Tagesordnung werden die Verhandlungen über die Polizeifrage wieder aufgenommen.

Abg. Leuschner (Soz.) wendet sich gegen die Anträge der Rechtsparteien, deren Durch­führung .wegen der Finanznot deS Landes nicht möglich sei. Er empfiehlt dafür die Anträge feiner Partei. Der Redner verlangt in längeren Aus­führungen eine DeuorganisationderPo- lizei, vor allem einen Abbau der Offizierstellen.

Abg. Reiber (Dem.) meint, jetzt sei eine höhere Einstufung der Polizeibeamten nicht durch­zuführen, aber in Zukunft, bei Beratung eines neuen Besoldungsgesetzes könnte man wohl den Wünschen der Polizeibeamten nähertreten.

Oberregierungsrat Dr. S i e g e r t gibt im Damen des Innenministers eine Erklärung ab, worin er die Dotlage der Polizeibeamten an­erkennt, auch das Verlangen der höheren Ein­stufung der Polizeibeamten sei anzuerkennen. Alle Wünsche müßten jedoch an der allgemeinen Fi­nanzlage des Landes, an der Desoldungsord- nung und am Sperrgesetz scheitern. Dach wei­teren Reden der Abgeordneten Heinstadt (Z.) Kindt (Dntl.) und Widmann (Soz.) wird die Abstimmung auf die Samstagsitzung vertagt.

Bankzinsen und Wirtschaftslage.

Berlin, 18. Dez. Der Volkswirt­schaftliche Ausschuß des Reichstages setzte in seiner heutigen Sitzung die Erörterung der Einwirkung der hohen Dankzinsen auf die Wirtschaft fort.

Abg. Dr. Hilferding (Soz.) forderte eine umfassende Wirtzchaftsenqurie. Die gegenwärtige Wirtschaftskrise sei immer mehr eine allgemeine Wirtschaftskrise geworden, die nicht mehr nur als Reinigungskrise anzusehrn fei. Die Ursache liege darin, daß schon seit 1914 eine falsche Steuerung der Wirtschaft zu burbach- ten sei, ermöglicht durch den Ausschluß der aus­ländischen Konkurrenz. So fei eine falsche Verteilung des Kapitals als Produk- tionsmittcl für die einzelnen Produktionszweige eingetreten. Die Kriegs- uno Inflationswirt­schaft habe die Wirkung einer technischen Rück­ständigkeit der deutschen Industrie gehabt. Die schematische Kreditkontingentierung der Reichs­bank könne keine volkswirtschaftlich nützliche Wir­kung haben, weil dabei kein Ülnterschied gemacht werde zwischen vollswirtschaftlich nützlichen und anderen Betrieben. Die Situation unserer Wäh­rung fei sehr günstig. Ieht haben die Groß­banken infolge der Kontingentierung ein voll­ständiges Kreditmonopol. Fällt dieses, dann wird auch der Zinssatz sinken.

Von Reichsbankdirektor Hasse wurde er­widert, es sei zunächst unvermeidlich gewesen, bei der Kreditkontingentierung mit einer gewissen Schematisierung vorzugehen. Jetzt könne man nicht mehr von einer reinen schematischen Rege­lung sprechen. Auch die Leitung der Reichsbank verfolgt das Ziel, die Kontingentierung allmäh­lich a u f z u h e b e n. Begründete Anträge wür­den heute nicht mehr zurückgewiesen. Reichs- finanzministerium, Reicks, ahn und RelchLvcr'iche- rungßanftalt für Angestellte haben eine Verein­barung getroffen, daß sie bei der Ausleihung ihrer verfügbaren Gelder nicht einen höheren Zinssatz als 7,5 Prozent verlangen. Dur der Post und der Reichsversicherungsanstalt wurden für langfristige Gelder 8 Prozent zugestanden. Die mit der Weitergabe betrauten Beamten haben sich verpflichtet, ihren Zinssatz für ihre Gelder nur einen Prozent höher zu bemessen.

Im weiteren Verlaus ber Aussprach: wurde betont, daß die Gefahr des.inkens der deut­schen Wechselkurse nunmehr überstand:n fei Be­sorgnisse in Währungsfragen sche i- den ganz aus. Der Status der Reichsbank ist ausgezeichnet. Das Gerede von einer neuen In­flation ist aus dunflen Motiven oder aus grund­loser Sensatlonsfucht in die Welt gesetzt worden.

Von verschiedenen Seiten wurde noch mit Nach­druck gefordert, daß wir endlich ooa der Zwangs­bewirtschaftung loskommen. Dicht nur Lockerung, sondern die völlige Beseitigung der Kontingentierung des Kredites sei das Erfordernis des Tages. Ebenso nötig sei natürlich auch die Senkung der produktionsver­teuernden Bankzinsen und des Diskontsatzes der Reichsbank. Dicht minder wichtig fei auch die Behebung der Absatzstockung durch ausgiebige Stärkung des Binnenmarktes auf dem Wege der Preissenkung. Der Ausschuß ersucht die Regie­rung, den Beschluß des Reichstags auf Abhaltung einer Wirtschastsenquete möglichst bald auszuführen.

Kleine politische Nachrichten.

Der Hauptausfchuß des preußischen Land­tags hat sich mit einem Gesetzentwurf befaßt, der die Ausnahme einer Anleihe von 1 50 Millionen Mark für werbende Zwecke des preußischen Staates vorsieht. Die Anleihe soll nicht d.'.zu dienen, neue Unternehmungen zu erwerben, sondern die vorhandenen werbenden Betriebe der Elekirizitäts-, Bergbau- und Hafen­verwaltung auszubauen und Mittel für die innere Kolonisation (Ordlandkulturen, Melio­ration, Siedlung) zu beschaffen.

Oberreichsanwalt Dr. Ebermayer hat In Sachen des geplanten Mordanschlages auf Reichsauhenminister Dr. Dtresemann beim Staatsgerichtshof zum Schuhe der Republik die Gestellung eines Untersuchungsrichters beantragt. Man glaubt, daß die Wahl auf Landgerichtsrat Graske (Berlin) fallen wird.

Die deutsche und die französische Regierung haben Abmachungen über die Durchführung des deutschen Gesetzes über die Behandlung dec Markanleihen der elsaß-lothringi­schen Gemeinden sowie über die nach dem Vortrag von Versailles sequestrierten deutschen Anleihen getroffen. Die fran- zösifchon Staatsangeh rigen werden für ihre deut­schen Anleihen dieselbe Vorteile erhalten wie die Angehörigen einer jeden anderen Nation. Die sequestrierten deutschen Anleihen werden zum Teil freigegeben.

Die holländis ch-deutschen Verhandlungen über die Abschaffung des Pahvisums haben zu einem befriedigenden Ergebnis geführt. Die Pahvisen im deutsch-n lederländ:f chn Frem­denverkehr sollen abgeschafft werden, auch soll eine Erleichteurng im kleinen Grenzverkehr zum 1. Februar 1926 in Kraft treten.

In Königstein i. T. sind hier bisher von den Franzosen beschlagnahmte Hotels von der neuen Besatzung freigegeben worden.

«

Der Regent von Abessinien will Ende Februar eine zweite Reise nach Eu­ropa unternehmen. RaS Safari beabsichtigt diesmal auch in Berlin längeren Aufenthalt zu nehmen.

Auf Beschluß des Kriegs- uni> Revolutions­tribunals wurde der General Dogdanitzki, seine Frau und sein Adjutant in Taschkent standrechtlich erschossen. D gdanihki war deS Verrates beschuldigt, sowie bezichtigt worden, Beziehungen zu den Generälen der Weißen Armee und den russischen Emigranten im Auslande unterhalten zu haben. General Dogdanitzki war biS zuletzt Chef des Militärkreises Turkestan.

Kunst und Wissenschaft.

Cine deutsche arktische Flugzeug- cxpcdition.

Der in Frankfurt a. M. lebende Nordpol- ßorscher Theodor Lerner wird mit Unter­stützung deutscher und amerikanischer Interessenten und Mäzene im Mai nächsten Iahres eine deutsche arktische Flugzeugexpedition unternehmen. 2llö Expeditionsslugzeug dient ein mit den neuesten Verbesserungen ausgestattetes Dornier- Wal-Flugbovt, das bekanntlich auch von Amundsen benutzt wurde. Zum Startplatz auf der Amsterdam-Insel Nordfpitzbergens sollen die Flugzeuge in mehreren Etappen fliegen. Die Expeditionsflugzeuge erhalten Funkstationen von ca. 1200 Kilometer Reichweite, photographische Aufnahmeapparate, sowie ein modernes In­strumentarium für Ortsbestimmungen, geogra­phische, ozeanographische und aerolog.sche Unter­suchungen. Die Hilfskräfte bestehen aus erfahre­nen Meteorologen, Funkern, Reservepiloten, Monteuren u. a.

An Bord der Flugzeuge befinden sich je ein Führer (zugleich Beobachter), ein Funker und zwei Piloten. Technischer Mitarbeiter ist Dr. v. LangSdorff, bisher Dozent für Luftschiff­fahrt an der älnioerfltät Riga. Die Forfchungü- flüge sollen mit einem Flugzeug ausgeführt wer­den, während das zweite in Reserve bleibt, aber die dauernde Verbindung mit dem ersten aufrecht hält. Von dem Startplatz auf Nord- spitzbergen aus sind Flüge über Nordostland nach Franzjofephslanv und darüber hinaus, anderer­seits nach Grönland geplant, die außer anderen Aufgaben durch Lotungen über die vermuteten früheren, jetzt versunkenen Landbrücken Klarheit zu schaffen versuchen werden. Der Aktionsradius der Flugzeuge beträgt über 2030 Kilometer. Die Ausreise der Expedition erfolgt im Mai nächsten Iahres von Frankfurt a. M. aus- Für die Rück­kehr ist der Qlugujt in Aussicht genommen..

Aus aller Welt.

Lawinensturz in Thüringen.

Zwischen Spechtsbrunn und Puchbach bei Grä­fenthal ist kurz nach 10 Uhr Freitag vormittags eine größere Schneelawine mit ae- wattigem Getöse 3 u T a l gegangen. Aus dem Schiefergriffelbruch arbeiteten im Tagbau fünf Ausräumer. Sie wurden sämtlich von der Lawine verschüttet. Aus den Nachbardörfern hcrbeieilenden Einwohnern gelang es, um 2 Uhr nachmittags die ersten Verschütteten aus dem fast haushoch liegenden Schncemassen zu bergen. 3n halbstündigen Etappen wurden weitere Verschüt­tete zutage gefördert. Zwei von ihnen sind tot, drei konnte man lebend bergen.

Verkehrsstörungen in Pommer«.

In Pommern find so starke Schneefälle zu verzeichnen, daß der Verkehr auf den Staats­bahnen nur mit größeren Verspätungen aufrecht erhalten werden tonnte. Die Kleinbahnen haben

den Verkehr fast überall eingestellt. Beson­ders stark waren die Schneefälle in Oft- Pommern, wo verschiedene Züge der Staats­bahn ebenfalls im Schnee stecken blieben. Heute sind zahlreiche Schneepflüge zur Beseiti­gung von Verkehrshindernis, en entsandt worden.

Wolssplage in Iugvs'awien.

Aus allen Teilen Iugoslawiens laufen Mel­dungen über Schnee stürme ein. Der Eisen­bahnverkehr wurde eingestellt und die Fern­sprechverbindung vielfach unterbrochen. Nach­richten aus ^leskueb besagen, daß Wölfe sich mehreren Ortschaften genähert haben. Eine Gendarmeriepatrouille wurde von Wölfen angegriffen und wird seither vermißt. Die Gendarmen wurden wahrscheinlich zer­fleischt. Auch mehrere Kinder sind den Wölfen zum Opfer gefallen.

Gemäldeschwindel in Düsseldorf.

Die Düsseldorfer Kriminalpolizei ist einem großen Gemäldeschwindel auf dir Spur gekom­men. Der Gemäldehändler Iohawr Fertzki, ein früherer Friseurgehilfe, wurde sestqenommen, weil er überführt worden ist, eine große Anzahl von Gemälden, die er mit den Namen berühm­tem Maler versehen hat, in den Handel gebracht zu haben. Die Gemälde wurden in Elberfeld, Homburg v. d. Höhe, Ruhrort und Essen umgesetzt. Bei einer Haussuchung bet Fertzki fand man noch 85 Gemälde, die gefälschte Namen tru­gen. Die Polizei nimmt an, daß noch mehrere Personen in diese Angelegenheit verwickelt sind.

Wettervoraussage.

Nachts kalter bei schwächerer Bewölkung, später wieder südwestliche Winde und trüber.

Die Entwickelung eines Randwirbels im Rük- fen der nach Finnland abziehenden skandina­vischen Störungen über der Nordsee hat das Zuströmen kalter Lust in unser Gebiet, das in Schweden wieder ein Fallen der Temperaturen bis zu Minus 20 Grad Celsius verursacht hat, bisher verzögert. Nach dem Writerziehen deS RandtiefS In Richtung des Hauptwirb<llS dürfte, auch nur vorübergehend, Temperaturfall ein­treten, da weitere Tiefdruckstörungen vom atlan­tischen Ozean heranzirhen und für die nächsten Tage ein wechselndes Zuströmen von falter west­licher Luft zu erwarten ist.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 3,6 Grad Celsius, Minimum 0,7 Grad Celsius. Nie­derschläge 2,1 Millimeter. Heutige Morgentem­peratur 1,4 Grad CelsluS.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 19. Dezember 1925.

Weihnachten und Mode.

Was und wie soll mau schenken!

Weihnachten und Mode! Klingt die Zusammen ziehung dieser beiden Begriffe nicht ein wenig bis. harmonisch? Bei Weihnachten denkt man an den Reiz der schlafenden winterlichen Landschaft und Ehristbaumleuchten, man denkt an Stunden, die in ihrer stimmungsvollen Heimlichkeit und Freude los­gelöst find von den Strömungen der Zeit und ihren Forderungen, die Mode hingegen scheint als wan- delbares Produkt der Zeiten zu äußerlich und zu sehr im Wirbel der Tage zu stehen, als daß sie mit dem Weihnachtsgedanken zur Gemeinschaft ver­schmölze. Aber es s ch e i n t nur so, denn in Wirklich- kett spielt die Mode auf dem Weihnachtstisch eine sehr bedeutende Rolle. Wie viele modische Dinge gibt es, die Mädchen- und Frauenherzen entzücken! Die Zeit ist da, wo der Gatte und Vater und schließ­lich auch der Bräutigam mit leichtem Kopfzerbrechen an die Erfüllung weihnachtlicher Verpflichtungen denken müssen, und da gitt es, sich mit der sonst fernliegenden Modefrage zu beschäftigen.

3n einer Gesellschaft wurde die Frage erörtert, ob Männer sich auf Weihnachtsein­käufe verstünden. Zur Schande des stärkeren Geschlechts muß gesagt werden, daß die -meisten Frauen sich abfällig äußerten. Nur wenige er­zählten von dem Geschmack des Gatten, der stets auch in den Weihnachtsgeschenken das richtige treffe .und unter dem Baume lege, derart, daß fast nichts umgetauscht zu werden brauchte. Manche Frauen schwiegen still, weil sie sich rich­tig sagten: Vorkritik verdirbt die Freude am Schenken, und letzten Endes kann man ja doch Um­tauschen.

Don dem großen Umtausch nach den Feiertagen wissen die Geschäftsleute ein Lied zu fingen; man kann nicht behaupten, daß es eine Freudenhymne sei. Aber es gibt auch Regeln, welche die Ausnahme bestätigen, nämlich die Tatsache, daß Herren mit feinem Verständnis und sicherem Ge­schmack und Gefühl gerade das treffen, was eine Frau sich wünscht und was sienötig braucht".

Zn Wirklichkeit ist es gar nicht schwer, das rich­tige, ihr zusagende Geschenk unter den Christbaum zu legen und damit echte Weihnachtsfreude und Stim­mung zu bereiten. Viel schwerer ist es heut? zutage, das Schenken finanziell zu bestreiten. Aber auch hier sollte sich jeder sagen, daß Weihnach­ten für die unter schwersten Sorgen und Lasten seuf­zende Geschäftswelt von größter volkswirtschaftlicher Bedeutung ist. Bei vielen Dingen ergibt sich die Wahl des richtigen Geschenkes aus der inneren Gemein­schaft, bei Modedingen ist in erster Linie etwas Ge­schmack vonnöten; man muß eben die Kunst verstehen, sich auf den Geschmack eines Wesens einzustellen, dem man Weihnachtsfreude bereiten will. Da gibt es heutzutge z. B. gar entzückende Kleider. Praktisch und schön ist auch ein bunter Pullover, jeder sporttreiben­den Dame ober jungen Mädchen willkommen. Pelze schenkt man viel und nimmt man noch viel lieber; mich bunte seidene Tücher, bemalt, bestickt, spanisch mit langen Seidenfranzen oder nur mit bunter Kante ober exotischen Ornamenten sind immer schöne und brauchbare Geschenkartikel. Wer etwas besonders Kostbares schenken will und heute dazu imstande iftl wähle entweder Schmuck ober eine Pelzjacke. Aber es gibt noch eine ganze Reihe anderer sehr schöner, wirklich preiswerter Dinge für Evastöchter. Wie ist es mit dem großen Gebiet der Wäsche? Von den einfachsten bis zu der feinsten Ausführung, von Leinen bis Cröpe de Chine kann man wählen ;es muß ja nicht gerade Leibwäsche fein, auch eine Er­gänzung der Tisch- und Bettwäsche macht der Haus­frau immer Freude. Strümpfe, Handschuhe, Taschen­tücher, elegante Schuhe, Pantöffelchen es gibt so vieles gerade auf dem Gebiet der allumfassenden Mode, daß man mit Sorgfalt und ohne übermäßig große Ausgaben Mutter, Gattin, Schwester, Braut eine wirklich große Weihnachtsfreude bereiten kann.

Und wenn Dir gar nichts mehr einfallen sollte, , Dielgeplagter, dann gib in Gottes Namen die Er­laubnis zum Bubikopfschneiden! Das

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