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licho Anpassung der Bündnisver­träge zwischen Frankreich und Polen und der Tschechoslowakei an den Rheinpakt. Frank­reich besitzt tatsächlich nach dem Rheinpatt kein anderes Recht Deutschland oder dessen östlichen Rachbarn gegenüber als jedes andere Völker- bundsmitglied, während es in seinen Bündnis­verträgen mit Polen und der Tschechoslowakei bisher besonder e Rechte für sich in Anspruch genommen hatte. Surd) die Paraphierung des Rheinpaktes war Frankreich gezwungen, diese Bündnisse zu revidieren, was, wie man an­nehmen darf, in seinen neuen Abmachungen mit Polen und der Tschechoslowakei geschehen ist. Andererseits handelt es sich um einen Akt von Loyalität dem schwer bedrängten Polen gegen­über, das an die Locarnoer Verhandlungen nicht mit freundlichsten Gefühlen zurückdenken wird.

Für Deutschland ist der Gesichtspunkt entscheidend, dah Frankreich den Polen und Tschechen nichts geben kann, was gegen den Westpakt verstößt. Bei einem Abschluß des Rhein­paktes zwischen Deutschland und Frankreich hat Frankreich gewissermaßen für Polen und die Tschechoslowakei desinteressiert, was auch im Laufe der Verhandlungen weiter zutage trat. Für Deutschland ist allein der West Pakt maßgebend, der vorsieht, dah Frankreich Deutschland nur dann angreifen darf, wenn Deutschland der Angreifer ist, aber nicht, wenn Polen und die Tschechoslowakei die Angreifer sind.

Frankreichs Auhenpolitik

Eine Rede Painlevvs.

Paris, 18. Oct. (WB.) Auf dem Kongreß der Radikalen Partei in Rizzo Hot Minister­präsident Painlevö eine große politische Rede gehalten, in der er darauf hinwies, daß von allen Problemen, die der Demokratie gestellt seien, es eines gäbe, das allerdings bei den Beratungen in Rizzo keinen Platz gefunden habe, das aber alle anderen überrage: das sei das Problem des europäischen Friedens und der nationalen Sicherheit. Die Serge um den internationalen Frieden, der heiße Wunsch nach einer Reuordnung der Dinge, die solide aufgebaut werden soll auf Gerechtigkeit und Vernunft, habe das Kartell der Linken möglich gemacht. Vier Iahre haben wir die un­dankbare Aufgabe erfüllt, dem Lande Illusionen zu verscheuchen, ihm noch so bittere Wahr­heiten zu sagen und üjm klar zu machen, welche Möglichkeiten vorhanden sind. Weil wir den Frieden wollen, haben wir zu erkennen gegeben, welche Gelegenheiten Frankreich verpaßt hat.

Es wird der historische Ruhm Herriots bleiben, daß er in London eine entscheidende Wendung vollzogen hat. In Genf hat er alsdann erklärt, daß Frankreich die Schiedsgerichtsbarkeit für alle Konflikte annehme, und er hat damit dem Protokoll solide Grundlagen gegeben. Dos Proto­koll ist niäst ratifiziert worden, aber der Geist des Protokolls ist geblieben. Gewiß sind die Pakte von Locarno die Frucht der Politik des Kar­tells der Linken. Es hat das Recht, dafür das Ver­dienst in Anspruch zu nhmen, wie es auch die Ver­antwortung hierfür übernimmt. Es gibt Nörgler, die im voraus mit einer Art perverser Freude die Nichtigkeit internationaler Verträge betonen. Wir wissen, daß unsere Politik Gefahren in sich birgt; aber trägt nicht eine jede zivilisatorische Geste in ihrem Ursprung stets derartige Gefahren in sich? Weil man diesen Gefahren getrotzt hat, ist die Menschheit vorangeschritten. Die größte Gefahr ist eben das mörderische Mißtrauen zwischen den Völkern. In Locarno war die größte Schwierigkeit, jedes der benachbarten Länder davon zu über­zeugen, daß, indem man ihm näherträte, der andere nicht hinter seinem Rücken den Dolch verbor­gen hält. Der Pakt von Locarno bedeutet nicht .das Ende, sondern den Beginn einer neuen Aera, an deren Abschluß die europäischen Nationen durch eine fruchtbringende Zusammenarbeit genötigt wer­den sollen. Die Söhne der Jakobiner, die sich immer in der heißen Liebe zur Menschheit und in der heißen Liebe zum Vaterland vereinigt haben, wer­den nicht vor dem notwendigen Wagemut zurück­schrecken. Der Tradition ihrer Vorfahren entspre­chend haben die Radikalen im Kriege gezeigt, daß die dem Frieden nm leidenschaftlichsten ergebenen Männer in der Schlacht nicht die am wenigsten mutigen sind. Die Radikalen werden im Frieden beweisen, daß die großmütigste Politik eine Politik ohne Schwäche sein kann.

Der Erfolg der Drusen in Syrien.

London, 18. Okt. (TU.) Eine Meldung aus Jerusalem bestätigt, daß es den Drusen gelungen ist- die Eisenbahnlinie Beirut Damas­kus zu unterbrechen. Das französische Truppenkommando hat mehrere Pionierabteilun­gen, Panzerwagen und Flugzeuge entsandt, um die Eisenbahnlinie wieder auszubesiern. Aus Aleppo treffen neue Alarmmeldungen ein. Die Lage ist äußerst kritisch, da die Mehrzahl der ver- fügbaren französischen Truppen durch die Kämpfe In Dschebel Hcmron gebunden sind.

Kongreh der nationalen Minderheiten.

Genf, 18. Okt. (£11.) Der in Genf zu­sammengetretene Kongreß der nationalen OKtn« beizeiten besprach die Frage des kulturel­len Selbstbestimmungsrechtes der na­tionalen Minderheiten. Hierzu wurde folgende Resolution angenommen:In den Staaten Eu­ropas, in deren Grenzen auch andere Volks­gruppen leben, soll jede nationale Minderheit berechtigt sein, in eigenen öffentlich rechtlichen Körperschaften, die den be­sonderen Verhältnissen eines jeden Staates an­gepaßt sibd, ihr Volkstum zu pflegen und zu entwickeln. In diesem Recht der Selbst­verwaltung erblicken die Delegierten einen Weg, um den betreffenden Staaten die loyale Zusam­menarbeit aller Minderheiten und Mehrheiten zu_ sichern und gleichzeitig die Beziehungen der Völker Europas untereinander zu bessern."

Kleine politische Nachrichten.

Das englische Kriegsgericht in Köln verurteilte einen gewissen Friedttch Hosterey, der der Reichswehr angehört, zu 3 Monaten G e- f ä n g n i 0, weil er ohne die für Reichswehr­angehörige notwendige Spezialerlaubnis ins be­setzte Gebiet gekommen war.

Da es nicht gelungen ist, ein neues deutsch- spanisches Handelsabkommen abzu«

schließen, ist somit im Handel zwischen den beiden Ländern ein vertragsloser Zustand eingetreten. Die Besprechungen, um zu einem neuen end­gültigen Handelsabkommen zu gelangen, werden jedoch noch fortgesetzt.

Aus gut informierter Quelle verlautet, daß die in Moskau wegen Spionage verurteilten deutschen Studenten Kinder mann und G enossen begnadigt worden sind. Die Be­gnadigung soll am 18. Oktober, dem Jahrestag der Oktober-Revolution, proklamiert werden. Die Studenten werden nach Deutschland ausgewiesen.

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Die ungarische Regierung beschloß die Guldenwährung cinAufiUjrcn bei einem Umrechnungsschlüssel von 8 Gulden für 100 000 heutige Popierkroneir Bis zum Ende des nächsten Jahres wird dos neue Geld fakultativ vom 1. Ianuar 1927 angefangen obligatorisch ringe- führt werden.

DiepreußischeSchutzpolizei

Preußischer Landtag.

Berlin, 17. Okt. Außerhalb der Tagesord- nung erhAt das Wort Wohlfahrt s- m inifter Hirtsiefer zu folgender Erklä­rung:Rach dem mir vorliegenden Stenogramm hat der voll. Abg. Giesel er in einer zweiten Erklärung behauptet, dah sich nach Bekundungen der zuständigen Polizeistelle in Wien der Vor­gang so abgespielt habe, wie er ihn geschildert habe. Die Wiener Polizei habe aus begreiflichen politischen Gründen bisher die Bekanntgabe in der Presse verhiirdert. Ich stelle hierzu fest:Ein derartiger Bericht kann schon deshalb nicht be­stehen, weil ich nie in meinem Leben in Wien mit einem Polizisten, geschweige mit einer Polizei­behörde in Verbindung gekommen bin. Es kann sich nur um einen elenden Schurkenstreich han­deln. Der geschilderte Vorfall ist nie vvrgekommen. Ich bin am Samstag abend nach Wien gekommen und bin von meinen Freun­den der christlichen Gewerkschaftsbewegung am Bahnhof abgeholt worden. Ich bin zunächst mit ihnen zum Hotel gegangen, habe dann mit ihnen gegessen und bin dann auch wieder von ihnen zum Hotel gebracht worden. Am andern Morgen wurde ich wieder abgeholt, war dann nachmittags mit meinen Freunden im Prater und bin auch wieder zur Dahn gebracht worden. Wenn ein ehrlicher deutscher Mann, der bestrebt ist, im Interesse seines Volkes das 'Beste zu tun, und dessen ehrlicher Rame als Famllienvater ohne Veranlassung in derartiger Weise in den Dreck gezogen werden, so muh ich die Beurteilung eines solchen Dorgehens der Oeffentlichkeit über­lassen." (Beifall links und in der Mitte, Protest­rufe bei den Völkischen. Im ganzen Hause herrscht große Unruhe. Zwischen dem Zentrum und den Völkischen entspinnt sich eine stürmische Aus­einandersetzung.)

Das Haus setzt dann die zweite Beratung des Haushalts des Innenministeriums beim Kapitel

Pvlizeiangelegenhelten" fort.

Abg. Schüler (Ztr.) tritt für Verbesserung der Lage der Schutzpolizeibeamten ein. Erschreckend ist die Zunahme der Sittlichkeitsverbrechen. Ohne Be­achtung der Lehren Christi ist ein Staatswesen nicht zusammenzuhalten. Noch hängt die Entwaffnungs­note drohend über der bisherigen Organisation der Polizei. In den letzten Tagen hat. man in Lo­carno schone Worte gehört von der Dölkerversöh- nung und Völkerfrieden. Eine neue Welt des Frie­dens solle in Europa erstehen. Wir erwarten wenigstens, daß wir die staatlichen Machtmittel im Innern so fordern können, wie es für den Schutz des Staates notwendig ist. (Beifall.)

Abg. Mezenthien (D.Vp.): Wenn der Poli­zeiapparat vermindert werden soll, so darf man das nur allmählich vornehmen. Die Einsicht in die Per­sonalakten muß den Polizeibeamten zustehen. Von der Zentrale dürfe nicht zuviel mit örtlichen Dienst­anweisungen hineinregiert werden. Im November 1923 habe sich gezeigt, daß die Polizei fest auf dem Boden der Verfassung steht. Die Gründung des Reichsbanners sei daher überflüssig gewesen, und wäre sie nicht erfolgt, so hätten sich die Gegensätze in der Bevölkerung schon längst viel .günstiger ausgeglichen. Dem Mi­nister Severing könne die Deutsche Volkspartei kein Vertrauen entgegenbringen, da sie unter dem zwin­genden Eindruck stehe, daß er die Staatsinteressen hinter den Parteiinteresien zurücktreten lasse.

Abg. Eberlein (Komm.): Die Polizei solle zur Bekämpfung des Verbrechertums dienen. Merk­würdigerweise seien aber in der Schupo selbst ver­hältnismäßig mehr Verbrecher als in den anderen Bevölkerungsschichten. Anstatt den sinnlosen Kampf gegen die Kommunisten zu führen, solle man sich lieber um die Fememorde kümmern. Die Kommu­nisten hätten zwar keine Spur von Vertrauen zu dem Innnenminister Severing, die Mißtrauens- aalen der Deutschnationalen und der Deutschen Volkspartei würden sie jedoch nicht unterstützen. Sie wollen den Minister auch stürzen, aber zu­sammen mit den Arbeitern.

Innenminister Eedering:

Solange die Verhältnisse noch nicht genügend konsolidiert seien, sei Sparsamkeit bei der Schutz­polizei' am wenigsten angebracht. An eine wei­tere Verlängerung der Polizeistunde sei bei den jetzigen wirtschaftlichen Derhällnissen nicht zu denken. Solange die Störer der Ordnung Hand­granaten und Schußwaffen haben, müssen wir auch über eine schlagfertige Polizei truppe ver­fügen. Zu dem Ziel des Reichsbanners steh« ist durchaus, wenn ich auch mit manchen Einzelheiten nicht einverstanden bin. Wenn die einzelnen Organisationen, wie Stahlhelm, Reichs­banner usw. übereinkämen, nach Eintritt der Dunkelheit nicht mehr die Straße zu betreten, dann würden sie der Polizei ihre Aufgabe außer­ordentlich erleichtern. Im Ruhrgebiet sollen 2000 Kommunisten in die Schutzpolizei eingereiht worden sein. Das waren 2300 Gewerkschaft­ler. die uns bei Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung im Ruhrgebiet die wertvollsten Dienste geleistet haben.

Abg. Bartelds (Dem.): Die Gründung des überparteilichen Reichsbanners (Lachen und Zurufe rechts) war eine Rotwendigkeit als Gegen­gewicht gegen die liebergriffe der rechtsgerichteten Organisationen. Die Meinung des Ministers über die Polizeistunden teilen wir nicht. Der Rot der Beamtenschaft muh gesteuert werden, zumindesten der unteren Beamtenschaft. Besser als Kredite dürften Beihilfen für Beschaffung von Winter- vorraten fein. Der Redner fordert baldige Vor­legung eines llnfallfürsorgegesetzes für alle Po- uzeibeamtcn. auch für die Landjäger. Unsere

Polizcischulen muffen mit besten Mitteln und hervorragenden Lehrkräften ausgestattet werden. Man dürfe keine Lehrer dulden, die nicht un­bedingt treu zur Republik fteben.

Abg. Prelle (Wirtsch. Ver.): Unsere Po­lizei bedarf noch einer Steigerung ihrer Aus- und Durchbildung, wenn sie ihren so komplizierten, vielfach ein hohes Maß von Selbstbeherrschung und Menschenkenntnis voraussetzenden Funktionen genügen soll. Sie bedarf dazu aber auch einer materiellen Sicherstellung, namentlich die Land­jäger. Die Umzüge und Versammlungen am Sonntag, die so sehr überhand genommen haben, sollten wenigstens während der Kirchzell unter­bleiben.

Rach kurzer Cinzelberatung vertagt sich ba8- Haus auf Montag.

Aus aller Welt.

Der (Senior der deutschen Richter gestorben.

Aus München kommt die Rachricht, dah der Senior der deutschen Richter, Oberlandsgerichts­rat a. D. Ludwig v. (Stubenraud). der Vater des bekannten Chirurgen, im 90. Lebensjahr ge­storben ist.

Schwerer Derkehrsunsall.

Auf der Eisenbahnstvecke M i n d e nD e l t- heim fuhr eine leer fahrende Lokomotive tn eine Ärbeiterkolonne hinein. Fünf Ar­beiter wurden getötet.

Schwere Eisenbahnkatastrophe in Italien.

Auf der Strecke Mailand Genua fuhr ein Güterzug mit voller Geschwindigkeit auf einen in BeressanaMoltarone haltenden Personenzug auf. Mehrere Wagen des Personenzuges wurden zertrümmert . Die übrigen Wagen entgleisten. Dis jetzt sind 12 Tote und 25 Verwundete ge­borgen. Die Rettungsarbeiten werden fieberhaft fortgesetzt.

Schwere Gewitter in Pommern.

In der Rächt zum Samstag gingen über Mittelpommern erneut schwere Gewitter, begleitet von vernichtenden Hagelschauern, nie­der. In Seefeld bei Kolberg traf der Blitz die Scheune des Landwirts Müggenburg. Die Scheune und einige andere ®ebäube brannten nieder. In Kolberg richtete Blitzschlag an den Fernsprechleitungen manchen Schaden an.

Ein Rathaus abgebrannt.

In Malchin in Mecklenburg brach am Freitag­abend im Rathaus, in dem früher der mecklen­burgische Landtag tagte, Feuer aus. Das Gebäude ist im Laufe der Nacht vollständig nieder­gebrannt. Ein Inhaftierter soll mitverbrannt fein.

Rauchvergiftung.

' Auf dem Vorwerk Goerteldorf (Kreis Lan- deshut) sind zwei landwirtschaftliche Arbeite­rinnen aus Ratibor, die kurz vor- dem Schlafen­gehen in ihrer Stube Feuer gemacht und den Ofen zu zeitig zugeschraubt haben, in der letzten Nacht durch die sich entwickelnden Kohlenvxhdgase erstickt. Man fand sie morgens tot vor.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 19. Oktober 1925.

Gehen Sie spazieren?

Es würde vieles besser gehen, wenn man ginge." Roch immer gilt die alte Seumesche Welsh eit. Keine Angst! Auch ich predige keinen neuen Rekordwahnsinn, auch keine Riesenleistung am schönen Sonntag, die aus der Erholung eine Strapaze macht und alles in der Woche Ver­säumte nachholt.

Aber ich liebe jene stillen Spaziergänger, die an allen Tagen der Woche hinausgehen aus der Stadt und sich freuen; freuen an der schönen Landschaft in der engsten Heimat. Cs gibt so viel Schönes auch in der allernächsten Umgebung. Aber Hebung gehört dazu, auch in der grauen Häßlichkeit des Alltags überall Schönheit zu entdecken. Richt nur im Sommer! Rein, zu jeder Iahreszeit, beim ersten Erwachen des Vorfrühlings, in der Reife des Sommers, jetzt im Blätterfall des Herbstes und im Schnee­kleide der Weihnachtszeit gibt es Schönheit überall, die sich dem stillen Spaziergänger offen­bart.

Ich habe keine Zeit." Immer wieder hört man den alten Einwand. Und gerade von Leu­ten, die oft mitLeinen Zerstreuungen" so manche Stunde totschlagen. Ein kleiner Spazier­gang ist zur Erholung notig, und seien es nur wenige Minuten! Man kann es so oft sagen, meist verhallt der Ruf. Aber wirkliche Spazier­gänger, die sich von keinem Wetter abhalten lassen, werden meist nur jene innerlich frohen Menschen, die täglich Einkehr halten: auf einem einsamen Spaziergang.

Innere und äußere Erholung sind wir Kör­per und Geist schuldig. Hast du gelernt, dich wahrhaft zu erholen? Ist deine Erholung nicht btinber Taumel und entnervender Genuß, der dir die Arbeitslust am kommenden Tage raubt?

Gehe spazieren! Ein Spaziergang gibt stets Anregung, gibt deinen Lungen neue Kraft und dir Freude. Die Größten unseres Volkes, die noch viel weniger Zeit hatten als du, waren eifrige Spaziergänger, auch ohne Motorrad und Auto. Gehe durch ein paar ruhige Straßen, durch die Anlagen an deine Berufsarbeit, ober abends nach vollbrachtem Tagewerk! Aller in­nerer Groll wird so niedergeschlagen und erst so wirst du ein ausgeglichener Mensch.

Ein Spaziergang sei des Alltags festlicher Rahmen!.

AusstellungMutlerund Kind".

!*! Im großen Hörsaal der Qanbeäuniberfität sprach gestern abend Geh. Mediznrolrat Prof. Dr. Sommer über das ThemaM utter und Kind vom Standpunkt der Verer­bung". Der Saal war von Zuhörern überfüllt, so daß sich viele mit einem Stehplatz begnügen mußten. Der Redner sprach zuerst üebr die Vererbungsteheorie des Augustinermönchs Men­del aus Brünn, und schilderte in anschaulicher Weise und an Hand von Tafeln und Tabellen die Ergebnisse der Kreuzung von zwei verschieden gearteten Wesen. Aehnlich wie bei den Mendel schen Versuchen mit Bohnen, verhält es sich bei der Ver­erbung der Menschen. Man unterscheidet bezüg­lich der Vererbung bei dem Kinde zwei Dinge, nämlich die Bauart des Körpers als konstante und die Ausdrucksbewegung als variable Ver­erbung. Die Färbung der Haut, Haare und

Augen zeigt die gleiche Fähigkeit der FrttVstvfßl in der Vererbung wie bei den Pflanzen. De« Forscher Eugen Fischer schildert In feinem Buche Ein südwestafrikanisches Doll", wie auS bett Kreuzungsehen zwischen Duren und Hottentotten immer wieder Rückschläge auf den reinen Typ Buren und Hottentotten hervorgingen. Die etb». genen Störungen, welche den kindlichen Organt8* mus schädigen, können durch sozial-hygienische Mittel bekämpft werden. Um den von innen kommenden (angeborenen oder ererbten) Störun­gen wirksam entgegenzutreten, ist es notwendig, eine Auslese von körperlich und geistig völlig gesunden Ehegatten zu hallen. Dies sollte zum Grundprinzip bei allen Eheschließungen gemacht werden. Würde dieser Grundsatz bis in die weitesten Dollskreise durchgeführt, so könnte viel­leicht schon innerhalb drei Generationen ein för«= perlich und geistig . hochstehendes Doll heran- wachsen. Die sehr interessanten Ausführungen wurden von dem Publikum mit großem Beifall ausgenommen.

Wettervoraussage.

Nach kurzer Aufklärung wieder zunehmend be­deckt, Winde aus nördlicher, dann aus füwestlicher Richtung, nachts Frostgefahr bei klarem Himmel, vielfach Nebel oder Dunst.

** Wer kann Auskunft geben? Die tierpsychologische Beobachtungsstelle in Gießnr bittet um nähere Mitteilungen über* folgenden Raturvorgang: Am Donnerstag, 8. Oktober, sind nachmittags um i/26 Uhr Wildgänse, nach einer Beobachtung in drei keilförmigen Scharen, über Gießen, und zwar in der Richtung zwischen Stoppelberg und Wetzlar, also nach Westen, ge­flogen. Vorher wurden sie im Duseckertal, im Rordosten von Gießen, gesehen. Die Angaben über die Zahl der keilförmigen Züge toedjfeln zwischen 3 und 8. Iedenfalls war die Menge der Schneeganse ausfallend groß. Es handell sich darum, die Flugbahn der Tiere, die von Gießen anscheinend nach Westen gegangen ist, durch eine Umfrage festzustellen. Mitteilungen über De- obachtungsort, Tageszeit, Zahl der keilförmigen Züge und Richtung des Fttrges werden erbeten an Geheimrat Sommer in Gießen, Franks futter Straße, ober Karl Rudolf Fischer, Laubach in Oberhessen.

** Falsche Reichsbanknoten über 2 0 Reichsmark. Es sind gefälschte Reichs- banfnoten der Ausgabe vom 11. Oktober 1924 zu 20 Reichsmark aufgetaucht. Die Fälschung ist am sichersten am Kopf des Frauenbildnisses auf der Vorderseite zu erkennen. Das Bild auf der falschen Rote ist verschwommen. Die Augen, die auf der echten Rote am Beschauer vorbei- sehen, sind auf den Beschauer gerichtet. Die Unterlippe, die bei der echten Rote deutlich erkennbar ist, tritt auf der falschen Rote ganz zurück. Die Fasern, die auf der echten Rote in das Papier eingebettet sind, sind auf der falschen Rote aufgeklebt und leicht abzulösen.

** Reuerungen imPostverkehrmit dem Ausland. Don jetzt ab sind im Verkehr mit der Tschechoslowakei dringende Pakete über 5 bis 20 Kilogramm zugelassen. Ferner können im Verkehr mit Oesterreich auf dem Wege über die Tschechoslowakei dringende Pakete über 5 bis 20 Kilogramm ausgetaufcht werden. Im Verkehr mit beiden Ländern fallen die noch be­stehenden Größenbeschränkungen für dringende Pakete fort, so daß für die dringenden Pakete dieselben Ausmaße wie für die sonstigen ge­wöhnlichen Pakete gelten. Die Gewichtsgebühr für dringende Pakete beträgt nach Oesterreich (über die Tschechoslowakei) über 5 bis 10 Kilo­gramm 5,85 Reichsmark, nach der Tschechoslowakei über 5 bis 10 Kilogramm 5,60 Reichsmark, über 10 bis 15 Kilogramm 6,15 Reichsmark, über 15 bis 20 Kilogramm 8,10 Reichsmark. W eder zu­gelassen sind im Verkehr mit Frankreich (ein­schließlich Monaco und Algerien) auch Rach- nahmen auf Postpaketen. Meistbetrag der Rach, nahmen aus Deutschland nach Frankreich 200 Reichsmark. Die persische Postverwaltung läßt geschlossene Briefe mit zollpflichtigem Inhalt nach Persien zu. Von den Empfängern wird jedoch Zuschlagsgebühr erhoben, die der persischen In- landgebühr für die Beförderung von der Grenz­eingangsanstalt bis zum Bestimmungsort ent», spricht. Dieser Zuschlag wird auch bei Wert­briefen mit zollpflichtigem Inhalt erhoben.

** Erdbeeren im Oktober. Heute vor­mittag wurden uns ein Büschel blühender Ananas­erdbeeren auf die Redaktion gebracht. Und auf dem Vogelsberg hat es zum ersten Male geschneit! Vielleicht essen wir bann in vierzehn Tagen Erd­beereis.

° Schwerer Unglücksfall auf einer Baustel le. Heute früh gegen 48 Uhr stürzte der 21jährige Maurer-Volontär Gustav Glatthaar aus Saasen von einem Neubau in der Licher Straße aus dem dritten Stockwerk ab. Der junge Mann sollte eine Richtschnur befestigen und trat dabei auf ein Brett, das zu einem anderen Zweck bestimmt war und keine Tragfähigkeit hatte. Beim Betreten des Brettes brach dieses durch und G. stürzte in die Tiefe, wobei er sich schwere innere Verletzungen zuzog. Die Freiwillige Sanitäts­kolonne brachte den Verunglückten mit dem städtt- schen Krankenkraftwcgen nach der Chirurgischen Klinik.

* Banklehrekursus. Die Leitung der Oesfentlichen Handelslehranstalt bittet uns, dar­auf hinzuweisen, daß im Einvernehmen mit der hiesigen Industrie- und Handelskammer und der Dankenvereinigung im Kausrn. Vereinshause ein Kursus in Kreditwesen, Dank- und Börsenlehre veranstaltet rvird, der von einem im Lehramt stehenden Bankfachmann geleitet werden soll. Dank- und Kassenangestellten, Beamten und Stu­dierenden sei der Kursus besonders empfohlen. Räheres im heutigen Inserat.

** ZurDetämpfungderMaul-und Klauenseuche. Im neuesten Amtsverkündi­gungsblatt veröffentlicht das Kreisamt Gießen die wichtigsten Bestimmungen zur Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche. Interessenten seien auf diese Veröffentlichung besonders aufmerksam gemacht.

** Zur Richtigstellung. In dem in un­serer Donnerstagnumer veröffentlichten Bericht über die Versammlungder hiesigen Ortsgruppe der Deut­schen Volkspartei ist durch Auslassen eines Satzes eine Unklarheit entstanden. Es muß richtig heißen:Diese Aufgabe hat der Reichskanzler Stresemann unter den schwierigsten Verhältnissen und schärfsten Angriffen gelöft. Zum zweiten galt es für Deutschland, die Gleichberechtigung wiederzuer­langen. Die Losung dieser Aufgabe" usw. wie bet richtet.

** Aus d e in Gießener Standes­amt s r e g i ft e r. Es verstorben in der Zeit