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Nr. 245 Erster Blatt <d
175. Jahrgang
Montag, 19. Gttober (925
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Das Ergebnis von Locarno.
Der erste deutsche Reichskriegertag.
Leipzig, 19. Ott. (T. U.) Am Samstag und Sonntag fand der erste deutsche Reichstriegertag in Leipzig statt. Der bereits am Samstagmorgen einsetzenve Zustrom der Teilnehmer aus de.m ganzen Reich erreichte am Sonntagvormittag seinen Höhepunkt. Am Samstagnachmittag bewegte sich eine große Menschenmenge nach dem Völkerschlacht- denkmal, wo die Aufführung des Weihespiels .Heldenehr^ng" den Auftakt der Feierlichkeiten bildete. Der Deutsche Abend, den der Sächsische Militärvereinsbund (Bezirk Leipzig) im großen Saale des Zoologischen Gartens veranstaltete, war gleichzeitig offizieller Empfangsabend zum Reichstrregerlag. Nach dem Einmarsch der Fahnenabord- nungen, von denen die des Innsbrucker Krieger- oereins mit der alten Andreas-Hofer-Fahne mit stürmischem Jubel begrüßt wurde, ergriff der erste Vorsitzende des Reichskriegerbundes „Kyffhäuser", Generaloberst v. H e e r i n g e n , das Wort. Er betonte, daß der Reichskriegertag dem Geiste der Zusammengehörigkeit und der Kameradschaftlichkeit dienen solle. Er sprach die Hoffnung aus, daß das deutsche Bolk in diesem Geiste wieder aufersiehen möge.
Fern von aller Parieipolitik wolle der Reichs- 'rlegerbund ein nationaler Block sein, der nur dem Vaterlande diene.
Oberbürgermeister Dr. Rothe begrüßte die Gäste im 'Hamen der Stadt Leipzig. Der Empfang auf den Straßen zeige, sagte Rothe, daß Die Stadt an dem ersten deutschen Reichskriegertag den wärmsten Anteil nehme. Leipzig grüße die alten Soldaten als Z»uge der ruhmvollen vergangenen Zeit. Der Reichskriegertag sei ein neues großes Bekenntnis der Treue zum deut- 'chen Batcrlande. Die Festrede hielt General Kaden, welcher ausführle, die deutsche Geschichte lehre, daß auf Zeiten des Riederganges stets der Aufstieg gefolgt sei. Wenn wir treu sind, wird Deutschland auch einmal wieder auferstehen. Richt in einem Kriege. Wir können gar keinen Krieg führen, aber in der Schlacht der Geister, um in dieser Schlacht siegreich zu bestehen, müssen wir uns sittlich, religiös und national erneuern. Der Redner schloß mit einem Hoch auf den Reichspräsidenten.
Der Reichskriegertag erreichte mit dem großen Festzug seinen Höhepunkt.
3n zwei Zügen begaben sich die Teilnehmer Ourch die von dichten Menschenmauern eingefaßten Straßen der Stadt nach dem Völlerschlachtdent- mal und dem Ausstellungsgebäude. Die im Kyffhäuserbund vereinigten Militär- und Kriegervereine bildeten den Kyffhäuserzug mit zahlreichen historischen künstlerischen Gruppen, während der andere Zug von Angehörigen des Stahllhelms und anderer Wehrverdände gestellt wurde. Beide Züge vereinigten sich an der Deutschen Bücherei, wo der Präsident des Aeichs- Iriegerbundes, Generaloberst v. H e e r i n g e n, den vier Stunden dauernden Dorbeimarsch entgegennahm. Im Anschluß an den Festzug fand nachmittags auf dem Ausstellungsgelände eine Gedächtni sfeier für die Gefallenen statt, verbunden mit einer vaterländischen Kundgebung. Rach den Gedächtnisreden des .rangelischen und des katholischen Militärpsar- rers hielt der Präsident des Reichskriegerbundes, Generaloberst v. geringen, eine Ansprache.
Bei Eintritt der Dunkelheit wurden zahlreiche Häuser der Stadt illuminiert. Abschieds- f eiern in einer großen Reihe von Sälen beschlossen den Tag.
DegrüßungStelegramme cacen cingegangen vom Reichspräsidenten und »cm Reichsinnenminister Schiele.
Der Reichspräsident schrieb: Den zum elften allgemeinen Deutschen Reichskriegertag ver- lEmelren deutschen und österreichischen Krieger- iritb Militärvereinen sende ich in dankbarer Erinnerung an die heldenmütigen Leistungen unserer Krieger in dem gemeinsamen großen Abwehr- kompfe herzliche kameradschaftliche Grüße. Drauf ist folgendes Antworttelegramm bei dem Reichs- vräsidenten eingegangen: Hunderttausend zum Deutschen Reichskriegertag in Leipzig versammelten Kameraden des Deutschen Deichskrieger- bundes Kyffhäuser und der Oesterreichischen Krieger- und Militärvereine danken Eurer Exzellenz, ihrem großen Heerführer, ehrerbietigst für öde übermittelten Grüße und erwidern sie aus vollem Herzen. Angesichts des gewaltigen Völkerschlechtdenkmals geloben alle vom ersten bis zum letzten erneut unverbrüchliche Treu e zu Volk und Vaterland, v Heer'mgen, Generaloberst, Präsident
Reichsinnenminister Schiele schrieb: Durch dringende Inanspruchnahme an der Teilnahme verhindert, spreche ich Ew. Exzellenz und dem Deutschen Reichskriegerbund Kyffhäuser meine wärmsten Wünsche für den ersten allgemeinen Deutschen Reichskriegertag aus. Die Einigung aller deutschen Kameraden im nationalen Freiheits- und Wehrgedanlen findet in der mächtigen Kundgebung vor dem Völkerschlachts- benfmal ihren lebhaften Ausdruck. Gemeinsam und durch keine Schranken getrennt, sichen die sämtlichen deutschen Kriegervereine in ehrfurchtsvollem Gedenken an die Helden die chr Leben für ihr Volk und ihr Land gaben. Das Opfer der gefallenen Kameraden muß uns immer an die Pflicht mahnen, deren restlose Erfüllung unser geknechtetes und zerrissenes Bolk von uns allen verlangen muß.
Anfang ober Ende?
Weshalb das Tempo in Locarno in den letzten zwölf Stunden derartig übersteigert wurde, daß auf)er den Rächstbeteiligten selbst kein Mensch sich zu unterrichten vermag über das, was abgemacht wurde und nicht einmal die Regierungen bisher informiert sind — das ist ein Rätsel, dessen Lösung uns noch bevorsteht. Man hat sich sicherlich nicht beeilt, nur um Herrn Chamberlain, der am Freitag 62 Jahre wurde, eine Geburtstagsfreude zu machen, da müssen andere Gründe Maßgebend gewesen sein. Die Gegenseite drängte allerdings sehr auf einen Abschluß, aber die deutsche Delegation hatte an sich keinerlei Veranlassung, eine solche Heber* stürzung mitzumachen, wenn sie nicht vielleicht glaubte, den günstigen psychologischen Augenblick zu verpassen, sobald sie länger als bis zum Freitagabend wartete. Das alles wird sich erst übersehen lassen, wenn die Delegierten dem Kabinettsrat in Berlin Bericht erstattet haben und die paraphierten Entwürfe selbst in ihrer Gesamtheit veröffentlicht sind. Bis dahin ist es selbstverständlich, daß eine vorsichtige Beurteilung von allen Parteien beobachtet wird. Rach den traurigen Erfahrungen, die wir in den letzten Jahren gemacht haben, wird uns niemand verdenken können, wenn wir kritisch und mißtrauisch sind.
Immerhin scheint es, als ob die deutschen Delegierten es verstanden haben, das Programm, mit dem sie Berlin verließen, in allen Hauptpunkten durchzusetzen. Der Artikel 16 des Völkerbundsstatuts wird durch eine Kollektiv-Rote der Alliierten kommentiert, die uns das Recht gib., militärisch und wirtschaftlich Dölkerbundsaktionen nur insoweit mitzumachen, als es unsere Kräfte gestatten. Hier ist allerdings noch nicht ganz geklärt, ob nicht auf diesem Amwege vielleicht ein moralischer Zwang auf uns ausgeübt werden kann, denn ganz umsonst wird das Berliner Rumpfkabinett Wohl nicht der deutschen Delegation seine Bedenken geltend gentacht haben. Dagegen ist ein wesentlicher Erfolg, daß die französische Garantie aus dem Rheinpatt und auch aus den östlichen Schiedsverträgen verschwunden ist. Sie bleibt zwar wahrscheinlich einer unmittelbaren Vereinbarung zwischen Frankreich, den Polen und den Tschechen Vorbehalten, jedenfalls ist es wohl so aufzufafsen, wenn Frankreich diese Verträge mit seinen Verbündeten geschlossen hat. Das aber konnten wir niemals verhindern, denn Frankreich würde jede Zumutung mit Entrüstung ab gelehnt haben, nach der es sich etwa verpflichten sollte, seinen Verbündeten gegenüber unmittelbar keine Garantie zu übernehmen. Was Frankreich den Polen und Tschechen versprochen hat, ist seine Privatangelegenheit, das Entscheidende für uns ist, daß Frankreich uns künftig gegenüber steht wie jeder Völkerbundsstaat, daß also unsere Grenzen im Rahmen des Westpaktes gegen jede militärische Invasion gesperrt sind.
Wir haben weiter erreicht, daß ein grundlegender älnterschied zwischen dem Charakter der ö st l i ch e n und der westlichen Verträge bleibt. 3m Westen haben wir die Grenze von Versailles anerfaimt; die östlichen Schiedsverträge enthalten zwar eine friedenssichernde Klausel, wir haben es aber ausdrücklich abgelehnt, öie gegenwärtige unhaltbare Grenzziehung anzu- er kennen und werden, wenn wir in den Völkerbund eintreten, das Recht auf Revision des Artikels 19 zu benutzen wissen.
Wenn wir in den Völkerbund eintreten: denn vorläufig liegen die Dinge doch so, daß es schwer ist, zu sagen, ob die Abmachungen von Locarno einen Anfang oder ein Ende bedeuten. Sie können beides fein. Die Franzosen haben es ab- gelehnt, bindende Abmachungen über eine Aende- rimg der bisherigen Regierungsmethoden im besetzten Gebiet zu treffen, sie haben sich zum Tell damit hinter Formalien verschanzt, weil das Anc^l^enheit der Dotschafterlonferenz sei, der ausschl ggebende Gcund aber für Herrn Driand dürfte gewesen sein, daß er geglaubt hat, vor der französischen Kammer wohl ein freiwilliges Entgegenkommen, nicht aber eine vertragliche Bindung Deutschland gegenüber durchsetzen zu können.
So bleibt also das ganze Werk von Locarno in der Schwebe, bis sich in der kurzen Frist von sechs Wochen — der 1. Dezember ist der Stichtag, an dem der Wechsel eingelöst werden soll — gezeigt hat, inwieweit Frankreich wirklich bereit ist, dem Geiste des neuen Europa Rechnung zu tragen. Ist dann die Kölner Zone geräumt, find die Truppen im besetzten Gebiet vermindert, leben die Deutschen im besetzten Ge- biet wieder unter Bedingungen, die einem Kulturstaat mitten in Europa entsprechen, befreit bon der Willkür eines militärischen Eroberers, dann werden auch die Skeptiker in Deutschland an3uerfennen bereit sein, daß Frankreich wirklich Ernst machen will, indem eS unter öie Vergangenheit einen Strich macht und sich darauf einstellt, friedlich neben Deutschland zu leben. Haben wir hierfür greifbare Be - wei s e. dann wird auch niemand mehr über juristische Spitzfindigkeiten und Bedenken stolpern, die vielleicht in dem Vertragswert enthalten sind. Zwischen gleichberechtigten Staaten läßt sich über alles diskutieren, eine feindliche Dik ° tatur aber kann kein Vertrauen schaffen. Die französische Politik hat es also allein in der Hand, ob 'Locarno das Ende eines Dersöhnungsver- suches oder der Anfang des neuen Europa
gewesen ist. Wir können abwarten, an uns hat es nicht gefehlt, wir waren die ersten, die den Versuch machten, aus der Gedankenenge der Versailler Irrungen herauszukommen.
Rückrkehr
der deutschen Delegation.
Locarno, 18. Oll. (TU.) Gestern nachmittag um 5.10 Tlhr reifte die deutsche Delegation von Locarno ab. Ein Sonderzug nahm ihre zahlreichen Mitglieder und das nicht minder zahlreiche Hilfspersonal aur. Reichskanzler D r. Luther fuhr im ersten Salonwagen mit Staatssekretär Kempner und Reichspressechef Dr. Kip, Dr. Stresemann im zweiten Salonwagen mit Staatssekretär von Schubert und dem Berner Gesandten Dr. Müller. Eine große Menschenmenge hatte sich eine halbe Stunde vor Abfahrt des Zuges auf dem Bahn- Hof cingefunöen. Als der Sonderzug in die Halle einlief, umdrängten die Reugierigen die beiden Wagen, in denen öie Führer der Delegation Platz nehmen sollten. Dr. Luther stand längere Zeit inmitten eines Menschenknäuels und setzte feine älnterschrist auf zahlreiche Postkarten und Bilder, die ihm aus 0cm Publikum gereicht wurden. Als der Zug sich in Bewegung setzte, brachte die Menschenmenge den abreisenden Staatsmännern eine lebhafte Ovation dar. Der Kanzler winkte noch lange mit einem weihen Taschentuch zum Fenster hinaus. In Basel traf der deutsche Botschafter in Paris, v. Hösch. mit der deutschen Delegation zusammen. Beim Verlassen des schweizerischen Gebiets richtete der Reichskanzler an den Bundespräsidenten der Schweiz, Dr. M u s y in Bern, ein Telegramm, in dem er ihm namens der deutschen Delegation aufrichtigen Dank für die glänzende Vorbereitung der Konferenz, für die ausgezeichnete Aufnahme und die aufopfernde Mitwirkung aller in Betracht kommenden Behörden ausspricht.
Die Delegation ist dann heute nachmittag wieder in Berlin elngetroffen.
Dä sowohl bte Zeit wie der Bahnhof sorglich geheimgehalten waren, vollzog sich die Ankunft von der großen Oeffentlichkeit völlig unbemerkt. Zum Empfang waren erschienen Reichsminister Dr. Brauns, die Botschafter Großbritanniens, Frankreichs und Italiens, der belgische Gesandte, der tschechoslowakische Geschäftsträger, und andere Mitglieder des diplomatischen Korps. Ferner Vertreter der Reichskanzlei, des Auswärtigen Amts, Staatssekretär Dr. Weißmann, sowie Frau Stresemann mit ihren Söhnen. Der englische Botschafter Lord d'Abernon richtete im Auftrage Chamberlains einige Begrüß ungsworte an Dr. Luther und Dr. Stresemann. Die Ansprache hatte folgenden Wortlaut: Ich bin ausdrücklich von Herrn Chamberlain beauftragt, Sie zum Erfolg der Konferenz in Locarno zu beglückwünschen und zum Ausdruck zu bringen, daß Herr Chamberlain ihrer mit Freude an dem erstmaligen Zusammen, treffen in Locarno und an den Geist der Aufrichtigkeit und Offenheit zurückdenken wird, Öen öie öeutschen Delegierten den Erörterungen ausgeprägt haben. Der Öeutschen Regierung wirö immer öie Ehre bleiben, öie Initiative ergriffen zu hoben, welche zum Vertrag von Locarno geführt hat. LorÖ ö'Abernon fügte hinzu, öaß Chamberlain überzeugt sei, daß die in Locarno paraphierten Abmachungen einen Wendepunkt in Öen europäischen Geschichten bilden werden. Er gab der Zuversicht Ausdruck, daß die persönlichen freundschaftlichen Beziehungen, öie entstanden sind, das sichere Zeichen neuer De - zwischen der britischen und deutschen Delegation entstanden sind, das sichere Z ichen neuer Beziehungen zwischen beiden Rationen seien. Der Reichskanzler und der Außenminister sprachen dem Botschafter ihren Dank für die freundlichen Worte der Begrüßung aus und baten ihn, diesen Dank auch Chamberlain zu übermitteln.
Dr. Luther
beim Reichspräsidenten.
Berlin, 19. Off. (T. U.) Gestern nachmittag erstattete Reichekanzler Dr. Luther dem Herrn Reichspräsidenten einen vorläufigen Bericht über das Ergebnis der Konferenz von Locarno. Ls handelte sich dabei nur um eine furje Information. Am heutigen Montag wird Dr. Luther eingehend Dortrag halten. Am Rachmittag beabsichtigt der Reichskanzler, vor den Vertretern der Presse über Locarno zu sprechen. 3m heutigen 6a- binettsrat wird es zu irgendwelchen Beschlüssen nicht kommen, da die vorgesehenen ausführlichen Referate des Reichskanzlers und des Außenministers das Kabinett hinreichend beschäftigen werden. Reichskagsprästdent Löbe hat nach Bekanntwerden des Abschlusses der Konferenz von Locarno milgeteilk. daß er in den letzten Tagen des Oktober Amerika verlassen und in den er st en Rovembertagen in Berlin eintreffen werde. Dann dürfte auch die Frage der etwaigen früheren Einberufung des Reichstages. der nach der jetzigen Bestimmung am 15. November wieder zusammen treten soll, akut werden.
stresemann zur Bheinlcmdsraae.
Köln, 17. Oft. (WTB.) Der Reichsministor dos Aeußern gab dem Berichterstatter der „Kölnischen Zeitung" in Locarno folgende Erklärung über die Rheinlandsrage: Unter den behandelten Fragen hat für die deutsche Regierung die Rheinland- fjage an er ft er Stelle gestanden. Diese Frage war der Gegenstand langandauernder Aussprachen zwischen den Staatsmännern der Besatzungsmächte und den deutschen Vertretern. Sie hat auch den Mittelpunkt der Rede gebildet, die am Schluß der Konferenz gehalten worden ist. Wenn der Vertrag von Locarno ongenomemn ist, so bedeutet das eine große praktische Gr« Icidjterung für das besetzte Gebier. Ein Wunsch, der dahin ging, das Rheinland- abkoinmen unter den Gedanken des Schiedsgerichts zu stellen, ist verwirklicht worden. Der französische Minister des Aeußern bezeichnete es als selbstverständlich, daß der Vertrag von Locarno sich auswirken müsse in einer wesentlichen Aende- rung und Erleichterung in dem Verhältnis zu dem besetzten Gebiet. Es ist notwendig, die Ruhe zu wahren und abz uwarten, welche Folgen die Besprechungen von Locarno haben werden. Ich habe ausgesührt, daß die tiefe Bedeutung der Abmachungen von Locarno darin liegt, daß sie nicht das Ende, sondern der Anfang einer neuen Entwicklung fein müssen. Ich bin überzeugt, daß dies auch der Wille der Staatsmänner ist, die mit uns verhandelt haben.
Auf die Frage über die Räumung der Kölner Zone erwiderte der Minister: Wir glauben, ein Recht auf d i e Räumung zu haben, und haben es deshalb abgelehnt, sie zu irgendeiner Art Tauschgeschäft zu machen. Aber ich glaube, daß die Festlegung eines bestimmten nahen Termins für die Räumung der nördlichen Rheinlandzone nicht mehr lange auf sich warten lassen wird.
Glückwünsche an die Reichsregierung.
Berlin, 17. Oft. (Wolff.) Der britische und französische Botschafter haben der Reichsregierung anläßlich des Abschlusses der Konferenz von Locarno ihre Glückwünsche ausgesprochen. Der Gesandte von Rorwegen ist beauftragt worden, der Reichsregierung die wärmsten Glückwünsche der königlichen Regierung von Rorwegen zu überbringen. Die nvrweg. Regierung hege die innige Hoffnung, daß die durch die Konferenz gewiesenen Wege grundlegende Bedeutung für den Weltfrieden haben werden.
Auch der amerikanische Botschafter stattete dem Reichsaußenminister Dr. S t r e s e - mann einen Besuch ab und sprach ihm die besten Glückwünsche für das Ergebnis der Konferenz von Locarno aus.
Chamberlain über Locarno.
Paris, 18. Ott. (Wolff.) Dem Sonderberichterstatter des „Petit Journal" erklärte Chamberlain gestern in einer Unterredung u. a., es habe am Verlaufe der Verhandlungen schwierige Stunden gegeben, aber keine einzige Minute voll Bitterkeit und Schärfe. Wenn irgendein aus einem fernen Lande oder vom Marsch gekommener Beobachter unseren Beratungen beigewvhnt hätte, würde er nur schwer habe glauben können, vor sich die Vertreter von Rationen zu haben, die sich vor wenigen Jahren unerbittlich bekrieg t haben. Er würde vielmehr gedacht haben, daß Geschäftsleute ein wenig heikle Fragen erörterten in voller Offenheit und mit dem Wunsche, sich zu verständigen. Er würde geglaubt haben, daß, zwischen diesen Männern eine Interessengemeinschaft nicht erst geschaffen, sondern fortgesetzt würde. Diese gewaltige Aende- rung der politischen Atmosphäre sei durch den realistischen und zugleich versöhnlichen Geist sämtlicher Verhandlungsteilnehmer möglich gemacht worden. In allen Ländern gibt es noch viele Leute, öie skeptisch sind und zögern, an öas beachtenswerte Ergebnis der Verhandlungen von Locarno zu glauben. Auch sie werden allmählich die Macht der Logik verspüren. Es hat nicht Öen Anschein, da ßman jemals in der zeitgenössischen Geschichte eine Konferenz verlassen hat, von der sämtliche Mitglieder sich befriedigt fühlten, indem ein jeder das Gefühl Halle, irgendetwas gewonnen zu haben. Es ist sicher nicht eine Konferenz des ewigen Friedens gewesen, und niemand dankt daran, sich einschläfern zu lassen. Aber es ist eine Konferenz, die einen Krieg schwierig gestalten wird, und das ist schon viel.
Der Rheinpakt und Frankreichs Ostverträge. Neue Abmachungen Frankreichs mit
Polen und der Tschechoslowake.
Berlin, 18. Oft. (TU.) In der vergangenen Rächt sind in Locarno verschiedentlich Bedenken gegen die französisch-polnischtschechischen Verträge aufgetaucht, die Im Laufe der Schlußsitzung den anderen Delegationen von französischer Seite mitgeteilt wurden. Trotzdem erschienen diese Befürchtungen bei tiefgehender Betrachtung nicht begründet. Driand hat gestern abend der französischen Presse gegenüber erklärt, daß diese Verträge keinen sensatio- n elfen Charakter trügen und im Grunde genommen nichts anderes seien, als eine selbstverständ-


