Ausgabe 
19.9.1925
 
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Samstag, 19. September 1925

Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Nr. 220 Zweiter Blatt

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Die Erntenot im hohen Vogelsberg

der eigenen

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1925er Ernte ist in der in den tieferen Lagen der hohe Vogelsberg

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in den ifcet >chr. 7621 Inz.

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) SieheGieß. Anz." Nr. 208 vom 5. Sept, und Rr. 214 vom 12. Sept.

lUr. Wie bereits eingehend berichtet, ist durch die lange Regenzeit der letzten Wochen i m h o -

: lsberg erneut eine Mißernte

Durch die Mißernte des vorigen der Durchschnittsbauer des Hohen

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Vortrag des Herrn Stadl«? orbrteten A.Mar. biet:

Eintritt frei! willkommenÄtu schwang! '

in seiner wirtschaftlichen *21 o t g e »olfen werden. Co geht der Appell darum an die zuständigen Behörden:

Doppelt hilft, wer rasch HilstI

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3m Lande desGoldenen Löwen"

Don unserem K. H.-Btrid)terflatter.

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sich viele Persien vorzustellen pflegen, erhält einen bitteren Beigeschmack, sobald man nur das Land etwa bei der Ankunft im S)afen von Pahleoi, | früher Enseli, betritt. Wenig Märchenhaftes bietet schon das äußere Bild des Ortes. Meist niedrige, strohbedeckte Hütten, enge Gassen, das Ganze von ; drückend schwüler, staubdurchtränkter Lust erfüllt, llnd dann kommt die Umstellung vom Sowjetrubel auf Tomane und Krane. Mit derdeutschen Reichs­mark" ist man rettungslos verloren, die nimmt kein Wechselbureau, keine Bank und keiner der hier an- süssigen Deutschen, es muß schon jemand sein, der nach Deutschland selbst fährt. Also, für einen Tscher- wonetz (zehn Rubel) bekommt man ungefähr 42 Krane, d. s. 4,2 Tomanen (10 Kr. = 1 Toman). Einen solchen Toman wird man binnen kurzem schon an den vielenAmbals" (Lastträger) los, die jedem bei der Ankunft alles abnehmen, selbst Hand- lösche, ehe man sich's versieht. Man braucht aller- dings nicht die mindeste Sorge zu haben, daß einem etwas abhanden kommt: denn Diebstahl und der­gleichen ist in Persien schlechtweg undenkbar. Eine drakonische, echt asiatische Gesetzgebung, die den Dieb mit Abhacken der tianb bestraft und für ver- schiedene Vergehen empfindliche Prügelstrafen vor­sieht, hat die Achtung vor dem fremden Eigentum im Volke tief cinzupflanzen vermocht. Aber seine Tomanen wird man doch rasch los: denn so un- Äein Dutzend Ambvls muß man bei seiner

ist entlohnen. Ein jeder aber trägt nur ein Gepäckstück, denn sie alle wollen doch davon etwas haben, wenn wieder mal ein Europäer sich sehen läßt. Diese Ambals tragen nun die Gepäckstücke bei- leibe nicht bis zum Hotel, vielmehr jeder nur eine bestimmte Etappe. Der eine vom Schiff bis zur Zollkontrolle, dann folgt der nächste Ambal bi? zum Boot, das einen nach dem gegenüberliegenden K a - fian, wo sich die für Europäer wohnbaren Hotels befinden, bringt, dann ein anderer vom Boot bis vor die Tür, wo man von dem Ambal des Hotels empfangen wird. Zwei Krane sind aber das Min­deste, das man iedem Ambal opfern muß.

Daß die so teuer erkauften Tomane wie ein Nichts zwischen den Fingern zerrinnen, wird einem allzu sehr auf Schritt und Tritt fühlbar. Der bei der unerträglichen Hitze im Durchschnitt find es an der Küste 35 Grad Celsius im Schatten, in Te­heran, Zspahan usw. noch etwas mehr ewig vom Durst geplagte Europäervertrinkt", da Wasser nicht zu empfehlen ist, ein Vermögen, selbst wenn er sich nur auf Selterwasser beschränkt. Denn eine kleine Flasche davon meist ist esNarsan", d. i. Mineralwasser aus den Kaukasusbädern wie Mine- ralnya-Wody u. a. kostet zwei Krane, eine Flasche Bier 6 Krane 3 Mark, in Teheran sogar 10 Kran, und eine FlascheKwaß", ein aus gegore-

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Die Tatsache, daß die zuständigen Behörden sich nicht früher regten, wird denn auch von ge­wisser Seite agitatorisch ausgenuht: wir können Dersuche in dieser Richtung nur bedauern, weil die Rot, um die es sich handelt, eine rein wirtschaftliche ist, und weil wir einen Ver­such, wirtschaftliche Fragen mit politischen zu ver­quicken, nur für der Sache schädlich halten können.

Andererseits erscheint es auch uns not­wendig, den amtlichen Saaten st ands- bericht für Hessen vom Anfang Septem­ber kritisch zu betrachten: er hat gemeldet, die Getreide- und Haferernte sei beende! und im all­gemeinen zufriedenstellend. Durch diesen amt­lichen Bericht entsteht In der Oeffentlichkeft ein durchaus unzutreffendes Bild. Wir möchten demgegenüber eine Mitteilung des sta­tistischen Landesamtes für Preußen hervorheben, die vom amtlichen preußischen Pressedienst ver­breitet wird. Danach haben die häufigen Rieder- schlägc im August die Ernte erschwert und auf­gehalten: in den höheren Lagen aber, so wird klar betont, ist noch ein größerer Teil Hafen zu ernten und vereinzelt liegt auch noch Gerste, auf dem Felde. Die Frucht beginnt auszuwachsen und erleidet durch häufiges Wenden Körner­verluste. Dieser Bericht schildert wenigstens die Wirklichkeit, während der amtliche hessischeDericht einen doch recht gro­ßen Bezirk des hohen Vogelsbergs völlig außer Acht läßt.

Die wichtigste Hilfe, die im Augenblick not­endig wäre, ist die in der Frage der Rück­zahlung der staatlichen Aotstands- kredite von 1 92 4: die Rückzahlung sollte zum 1. Oktober d. 3. erfolgen, doch hat am 27. August das Ministerium für Arbeit und Wirtschaft der Landwirtschaftskammer fol­gendes mitgeteilt:Durch das Entgegenkommen derjenigen Stellen, die im Vorjahre die hessische Regierung in den Stand setzten, der Landwirt­schaft die Kreditmittel zukommen zu lassen, sind wir in der Lage, für einen Teil der seinerzeit gewährten Darlehen über den 1. Oktober hinaus, der zunächst als Rückzahlungstermin bestimmt war, Zahlungsfristen zu gewähren. Da diese Zahlungsfristen nach den jetzt zum Abschluß ^ge­kommenen Verhandlungen nur für einen Teil der Kreditmittel gewährt werden können, müssen wir verlangen, daß bis zum 1. Oktober zurückgezahlt werden: 1. von denjenigen Landwirten, die den Rotstandskredit nur bis zu einem Betrag von insgesamt 100 Reichsmark in Anspruch genommen haben, der volle Be­trag: 2. von den Landwirten, deren Gesamt­schuld 100 Reichsmark übersteigt, ein Drittel der Darlehnsschuld, mindestens jedoch 100 Reichsmark. Das zweite Drittel dieser Dar- lehnsschulden muß bis zum 1. Dezember 1925 zurückgezahlt werden. Diese Fristgewährungen werden wir davon abhängig machen, daß die­jenigen Stellen (Kassen, Gemeinden, Einzel­personen usw.), die für die Darlehnssumme die Bürgschaft übernommen haben, auch für die Zeit nach dem 1. Oktober 1925 für die Schuld in ihrem jeweiligen Bestand forthaften. Wird diese

Bürgschaftsleistung abgelehnt, so kann eine Frist­erstreckung für die Rückzahlung des Darlehens nicht bewilligt werden. Weiter bitten w r, da­von Vormerkung nehmen zu wollen, daß nach den Beschlüssen des Landtags der verbilligte Zinssatz für die Darlehen nur bis zum 30. September 1925 gewährt werden kann: für die Zeit nach dem 1. Oktober 1925 muß für die Dar­lehen ein höherer Sah berechnet werden, der erst festgesetzt werden kann, wenn wir wissen, welchen Satz die Stellen berechnen, die den Kredit zur Verfügung gestellt haben. Wahrscheinlich liegt dieser Sah 1 Prozent über Reichsbankdiskont, zur Zeit also 10 Prozent....."

Ölte* kann es nur bedauern, daß das Mini­sterium für Arbeit und Wirtschaft geglaubt hat, in dieser dekretierenden Art vorgehen zu müssen. Der hohe Vogelsberg jedenfalls muh sich mit aller Kraft dagegen zur Wehr setzen und bitten, doch erst einmal die örtlichen Verhältnisse sorgfältig zu prüfen, und dann die Rückzahlungstermine anzuletzen.

Dem hohen Vogelsberg, der land­schaftlich so außerordentlich reizvoll ist, muß

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Kriegszustand verhängt, eine willkommene Einnahmequelle für die Behörde, denn jeder, der von einem Ort in den anderen reisen will, muß einen besonderen Ausweis haben, den er natür­lich bezahlen muß. Und in den Straßen pa­trouillieren feldmarschmäßig ausgerüstete Soldaten. Mehr Glück als mit den Turkmenen hatten die Perser mit den in Südpersien wohnenden Suren, nach deren Niederwerfung vor einigen Wochen die persischen Truppen in Ispahan und Teheran unter dem Jubel der Bevölkerung eingezogen sind. Gar keine Schwierigkeiten macht gegenwärtig der dritte in Persien wohnende Dolksstamm, die Kurden in Perfisch'Kurdistan, die mit den beiden anderen genannten Völkerschaften etwa 20 Prozent der (Ein­wohner Persiens, die auf etwa 15 bis 18 Mil­lionen geschätzt werden, ausmachen.

Persisches Leben und persisches Wesen in all seinen Eigenarten kann man schon in Pahlevi (Enseli), das mit dem jenseits der Bucht liegenden Kafian etwa 10 000 Einwohner zählt, gründlich kennen lernen. Wohl sind der russische Ein­fluß und Einschlag allenthalben unverkennbar, wie denn überhaupt ganz Nordpersien als russisches 9n- tereffengebiet sowohl von früher her wie auch jetzt, freilich unter anderen Gesichtspunkten, anzusehen ist. Schon äußerlich zeigt sich das in allen Aufschriften der Geschäfte und öffentlichen Einrichtungen, indem außer der persischen auch die russische Sprache Anwendung findet. Die Bevölkerung spricht persisch und russisch, und allerorts haben sich seit jeher Russen niedergelassen. Trotzdem aber hat der Perser seine Eigenschaften unacfälscht bewahtt. Und wenn man in den engen Gassen zwischen den in rein orientalischer Art aufgebauten niedrigen, in ununterbrochenen zusammenhängenden Reihen folgenden Bazars wandelt, dann kann man in jedem anderen Ort auch keinen besseren Einblick in die Art und den Charakter des persischen Lebens gewinnen. Die stoische lässige Art des Orientalen, der, wenn ihn keine Arbeit drängt, auf feiner Stroh- matte mit gekreuzten Beinen stundenlang aus­harren kann, erfährt eine Wandlung, wenn es zum Geschäft geht. Dann wird cs in den niedrigen, halb- dunklen Bazars lebhaft, und das. Feilschen nimmt kein Ende. (Fortsetzung folgt.)

HL I nem Brot in Rußland hergestelltes, sehr erfrischen-

des Getränk, zwei Krane. Das einfachste Hotel- van Baku nach Persien h zimmer kostet 1 Toman, Mittagessen etwa ebensoviel,

R e s ch t (Persien), Anfang September. (n Teheran, Ispahan ujw. noch mehr, und die vielen QmBriftan'7 (Hasen) Nr. 18 in Baku ist leb- Nebenkosten! Den Eindruck wird man nicht los, hoster Arbeitsbetrieb Der SowjetdampferBoje- daß der Europäer als willkommenes Ausbeutungs- woj" ein älteres Frachtschiff, wird für feine Küsten- objekt betrachtet wird und allenthalben einen ge- runbfabrt auf dem Kaspischen Meerklar-gemacht. radezu raffinierten Nepp vorzusinden glaubt. Bon Baku soll es nachmittags um 4 Uhr nach dem Das also wären die ersten Eindrücke schon nach russisch-persischen Grenzort Aftara, dann nach der Landung im Hasen von Enseli-Sahleo. Per- den persischen Küsten stäbten Enseli, neuerdings ficns bedeutendstem Umschlaghafen am Kaspischen nach dem persischen Diktator Pahlevi Rizachan Meere. Bon hier fuhren die Wege nach den wich- Pahlevi genannt, gehen. Tatarische Lastträger (Am- tigften unb größten Städten wie Teheran Äspa- dal) schleppen zu zwei Mann, über den Kopf ge- Han, Schiras bis Buschir am Persischen Golf, drei- leate Bretter 'an Bord. Gewaltige Lasten, so daß lich ist Persiens Stellung in diesem feinem Haupt- man diese Leute nicht mit Unrecht als die stärksten Hafen wie überhaupt am Kaspischen Meere passiv, Menschen der Welk bezeichnet. Einer von ihnen lädt denn das ganze Land Hal dort lein einziges ben Riesenkoffer eines Passagiers im Gewicht von nennenswertes Kaufsahriei-Schiff. Rußland ist Q fRfunh b h 9mal 16 Kilogramm, also fast drei nach wie vor der Alleinherrscher auch in ' i bezug auf den Handel auf dem Kaspischen Meere, i und auch nach dem zwischen der Sowjciregierung bei- und Persien abgeschlossenen Handelsverträge darf den Persien Kauffahrteischiffe nur von einem be- " ' Ä nicht haben.

Aus Stadl und Land.

Dießen, den 19. September 1925.

Flaggen heraus!

Mitbürger, begrüßt die Besucher der Gustao- Adols-Iagung durch festlichen Schmuck der h ä a 1e1!

Die Ratenzahlung.

Allzuviel ist ungesund!

Wo» sind wir doch für beneidenswerte Menschen, daß wir in dem Zeitalter der Raten- zaHlung leben dürfen! Du brauchst einen Hut, einen Kinderwagen, ein Rad oder einen Klub­sessel, ganz egal. was. und hast, wie sich daS heutzutage gehört, natürlich keinen Pfennig Geld. Aber das ist nebensächlich, ja sogar überflüssig: Du gehst In das betreffende Geschäft, zeigst einen Ausweis vor. daß du bei der Firma Pulverfaß, Lunte und Co. angestellt bist, und schon kannst du wählen, was dein Her; begehrt! Die Ware wird dir sofort auSgehändigt oder geschickt, ganz nach deinem Wunsch, und du kannst in bequemen Raten die unbequeme Summe in noch unbeque­meren Monaten im unbequemsten Augenblick ab» zahlen . . ., herrlich finde ich daS!

Die Ratenzahlung war schon längst geboren und hatte sich bereits krästig ausgewachlen, als ich auf sie aufmerksam wurde. Das war vor etwa Jahresfrist, als m-r mein Schulkamerad Vorteil­haft begegnete. Eigentlich hieß er ja anders, da er aber alles vorteilhaft einkaufte, wie er sand und behauptete, war seine Einlaufsweise durch einen Witzbold zu seinem Spottnamen gestempelt wor- den. Vorteilhaft kam mir in einem schäbigen Anzug entgegen und grinste wie ein Schulbub, Der bei einem infamen Streich nicht erwischt touroc. Sag mal, Gustav, hast du etwa grolle Los gewonnen," fragte ich ihn.Olein, daS nicht, aber ich habe eben eine famose Einrichtung kennen gelernt!" Unb er weiht- mich triumphie­rend in die Geheimnisse der Ratenzahlung ein. Kann ich mir als Familienoberhaupt mit <yrau unb zwei Kindern bei meinem bescheidenen Ein­kommen einen Anzug machen lassen!? Ausge­schlossen!! Aber bei langfristiger Ratenzahlung kann ich es bequem. Die paar Mark im Monat merkst du einfach nicht!"

Ich hatte diese Begegnung längst vergessen, alS ich kürzlich an einer Straßenecke mit einem elegant gekleideten Herrn leicht zusammenprallte, in. dem ich zu meinem Erstaunen Freund Vorteil­haft erkannte. Er hatte meinen verwunderten Blick aufgefangen:Richt wahr, so kann man sich sehen lassen! Und des Rätsel« Löftrng die Ratenzahlung!" Mir wollte das nicht so glatt einleuchten, wieso eurer, dem es erst nirgends langte, infolge Ratenzahlung so rasch vorwärts kam.Komm mit mir nach Hause, dort wird dir alles klar werden I"

Natürlich ging ich mit, wenn man auf solche Weise reich werden konnte, lohnte eS sich, sie zu studieren. Als ich die Wohnung sah. war ich verblüfft. Run erkläre mir aber mal, wie es möglich ist. daß du bei deinem Gehalt in so kurzer 'Zeit derartige Anschaffungen machen konntest," Tagte ich kopfschüttelnd,das kann man doch schwerlich alteS mit Raten abhmlAber gewiß," sprach er stolz und selbstbewußt,doch nur, wenn man es so klug unb vorteilhaft anfängt wie ich! Ich kaufe nur noch auf Ratenzahlung und lasse mir die denkbar kleinste Rate festsehen. Infolgedessen fällt keine ins Gewicht. Hier sieh, mein Anzug, monatlich 6 Mark, die Schuhe 2 Mark, diese entzückende Korbsesselgarnitur 12 Mark, der Teppich, schwere Ware. 15 Mark, der wundervolle seidene Lampenschirm . . ." Aber. Mensch." versuchte ich ihn zu unter­brechen,diese Summen . . .Kein Aber, die Summen sind wahrheitsgetreu und du spürst nicht eine einzige! Nächste Woche kaufen wir uns ein elegantes Herrenzimmer!"

Seit biefem Tage interessiere ich mich für die Annoncen unb lese eifrig, was man alles auf Ratenzahlung bekommen kann unb was sich Tyreunb Vorteilhaft sicher inzwischen anaeschasst hat. Wenn ich doch auch eine feste Stellung hätte. . . Reidilch wurde ich erst dann ein wenig, als ich die Ankündigung einer Auto­mobil- Firma las. die kleine Waqen für 1800 Mk. anbot. die man in 36 Monatsraten kaufen konnte. ..Wenn du Vorteilhaft W eber begegnest, ist er Autobesiher unb sieht mitleidig lächelnd auf dich herab." dachte ich bei mir und hielt nach Vorteil­haft in Kleinautos Umschau.

Gestern holte ich auf dem Heimweg einen schlecht gekleideten Mann ein. der mir merk­würdig bekannt vorkam. Ein Seitenblick - es war Freund Vorteilhaft.Wie siehst du denn aus, Mensch, es gibt doch überall noch Raten­zahlungen!"Hör' mir damit auf, stieß Gustav wehmütig hervor,die wunderbaren, so vorteil­haft eingekauften Dachen sind alle dahin!" Tiber wie ist denn das möglich?"Die lächer­lich kleinen Raten . . " -Weih ich. die fielen nicht ins Gewicht!" -Rein doch, sie waren zusammen größer als mein Gehalt, ich hatte zu viel getan und da kam der Gerichts­vollzieher!" Tacho.

9 Pfund, b. h. tonal 16 Kilogramm, also s<.

Zentner, auf seinen Rücken unb bringt ihn ohne befonbere Umstande an Ort unb Stelle. Indessen kontrollieren Beamte berAztscheka" (Azerbe,. dschansche Tscheka) Pässe unb Gepäck ber in L. ,

erften Rachinittagsstunben ankominenben Passagiere flimmten Bolumen, Kriegsschiffe gar nicht haben, in Plotter unb burchaus einwandfreier Form. Einige Das ersteKriegsschiff" durfte allerdings mit Er- Kabinenpassagiere und eine größere Menge Perser laubnis Sowjetrußlands vor kurzem gebaut wer- mit ihren tief verschleierten Frauen haben nach und den. Es ist ein altes Minensuchboot, das von nach an Bord Platz genommen, letztere auf dem einem deutschen Ingenieur umgebaut, mit einem Hinterdeck in typischer orientalischer Art nieder- neuen Motor versehen und mit Maschinengewehren gekauert mit stoischer Ruhe der Dinge harrend, die und Kanonen kleinsten Kalibers ausgestattet an die ba kommen sollen. Meist Arbeiter, die in der nordostpersische Küste gegen die Turkmenen, mit Naphthaindustrie Bakus tätig waren und jetzt nach denen Persien Krieg fuhrt, ausgelaufen ist. ihrer Heimat zurückkehren. Der Krieg mit den T ur kme nen ist seit dem

Mit etwas Berspätung seht sichBojewoj" in Frühjahr im Gange, ohne daß die Perser mit dem Bewegung. Bald ist die alte Naphthastadt mit den wilden kriegerischen Nomadenoolke, das noch ms- zahlreichen Bohrtürmen auf Bibi Ebat, Suruchaui, mals an die persische Obrigkeit Steuern und Zolle Bomane und den anderen Bororten etwa 2400 entrichtet und neuerdings an den Küsten Hab unb Bohrtürme in Betrieb nur noch in ihren Um- Gut und Frauen geraubt hat, bis jetzt fertig werden

rifkn erkennbar. Nicht aKäufern von der Küste zieht konnten. Sobald Truppenteile anrucken, ziehen sich

unser Schiss seine Bahn einsam dahin: nirgends die Turkmenen in die unwegsamen Berge zurück, sonst ein Dampfer denn die Schiffahrt auf dem Damit aber die Perser von diesem sogenannten

Meere ist auf ein Minimum zurückgegangen, und Kriege etwas merken, ist über da.- ganze Land

die zahlreichen, im Hafen von Baku liegenden Kauf---- 1

fahrteischisse rosten untätig. Nur wenige von ihnen erfüllen ihren Zweck. Die drückende Schwule des Tages ist einer milden Abendlust, die das Meer unb ein sanfter West angenehm machen, gewichen unb hat uns alle aufs Deck gelockt, wo wir uns voll ____________

,anz bem Genüsse einer ruhigen Meerfahrt fjcn Boge

Krematorien

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Hingaben. , eingetreten.

Nach einer klaren Sternennacht ist am frühen Jahres War -----

Morgen 21 ft a r a erreicht. Die eine Seite bes Ortes BogelsbergS um das Brot aus ist russisch, die andere persisch. Beide Telle verbindet Ernte gekommen: er war genötigt, ein Erntejahr eine lange Brücke, hier die rote Sowjetsahne, dort iang das ganze Mehl, dec der Unterhalt seines die grünweihrote persische Fahne mit dem goldenen Haushaltes erforderte, zu kaufen. Dazu kam, Löwen im Winde flatternd. Aller Augen verweilen daß Darlehen aufgenommen werden mußten, um auf dieser Brücke, die zwei Weltteile, Europa mit Saatgut und Düngemittel für das neue Ernte- Asien, verbindet. Anmutig In der Küstenebene liegt jahr zu beschaffen. Dadurch geriet der Durch- ber Ort, während im Hintergründe gewaltige Ge- schnittsbauer, dem, da er aus der eigenen Pro- blrgefetten als Ausläufer der Berge von Kurdistan duktion lebt, bares Geld ohnehin mangelt, unter bahinziehen. starken wirtschaftlichen Druck: durch äußerste Ein-

Den ganzen Tag über bleibtBojewoj" vor schränkung mußte er suchen, bis zur neuen Ernte Astara. Sämtliche Waren werben ausgeladen, neue durchzukommen, und mit ihrer Hilfe sich Sr- Ladung, persische Butter in Säcken, ausgenommen, leichterung zu verschaffen, um nach den anderen Küstenorten befördert zu Die Hoffnung auf die werden. Wetterau und überhaupt

Nachts geht es weiter, in der Morgenfrühe des I nicht enttäuscht worden: olgenben Tages lanbcn wir Im Hafen von En- aber steht in der Zeit einer neuen Mißernte eil-Pahlevi. Sengende Hitze liegt über ber Land- und ist außerstande, sich selbst Erleichterung von chaft, auf Asiens Boden. Amdulis (Lastträger) ben vom Vorjahre her ihm anhängenden Lasten türmen in Tiengen heran, um das Gepäck ab- schaffen: vielmehr werden hier iunehmen. Zoll- unb Paßkontrolle in konzilianter neue Aotstandskrebite

Form.Bous 6tes allemanb? bemerkte ber per- .. . . um Me Aussaat für das nächste

r'einemfur?e° Unte^1mltuna mit Erntejahr siche'rzustellen. Bei der Versammlung, reunblichen Worten, eme k^ze Unterhaltung। m t Qm Wcn Sonntag auf dem Hoherodskopf hm hinterlaßt" mir ben Eindruck, d ß d stattfand, um über Hilfernaßnahmen zu be-

che hier wohl willkommen ist. . raten, waren aus dem Kreise Schotten

Der Traum von einem Märchenlands als das | |o[gcnfcc Gemeinden vertreten: Altenhain, Betzen­rod, Bobenhausen II, Breungeshain, Burkhards, Busenborn, Eschenrod, Feldkrücken. Götzen, Hart- mannshain, Helpershain, Herchenhain, Höckers- dors, Kaulstoß, Köddingen, Kölzenhain, Meiches, Michelbach, Mittelseemen, Oberseemen, Ober- seemer-Hof (Waldgemarkung Laubach), Ober­seibertenrod, Rebgeshaln, Rudingshain, Sichen­hausen. Schotten. Stumpertenrod, Ulrichstein, Volkardshain, Wingershausen: vom Kreis Lauterbach: Bermutshain, Dirlammen,Engel» rod. Dabei ist als sicher anzunehmen, daß aus irgendwelchen Gründen eine ganze Anzahl von Gemeinden nicht vertreten War. Der Schaden, den das lang anhaltende Regenwetter der Grummeternte zugefügt hat, ist vielleicht noch am leichtesten zu verwinden, da die Heuernte gut und reichlich War; die Schädigungen aber, die die Getreide- und besonders wieder die Korn­ernte betroffen haben, bedeuten für die in Frage kommenden Gemeinden, die noch unter den Röten des Vorjahres leiden, eine geradezu kata­strophale Rot. Davon find allerdings nur die höheren Lagen des hohen Vogelsberges be­troffen: in Ulrichstein z.B. war bei Beginn der Regenzeit das Kom schon reif und geborgen. 2m Bereich dieses Ortes ist die Gerste zu 20, der Weizen zu 55 und der Hafer zu 90 Prozent geschädigt 2n noch höheren Lagen dagegen betrifft die Mißernte Sommerroggen, Weizen, Gerste unb fast sämtlichen Hafer. In manchen Orten ist die Frucht, aus Angst, daß sie weiter verderben könnte, halb naß in die Scheunen verbracht worden, wo das Stroh nun grau wird und die Frucht doch verdirbt. Der Hafer,_ der in Breiten auf dem Felde lag, hatte längst auszuwachsen begonnen; er schlug im Boden Wurzel und trieb Keime, die mehrere Zenti­meter lang waren. Wo der Hafer noch auf dem Halm stand, begann er auch auf dem Halm: auszuwachsen. Kein Wunder, baß die wenigen günstigen Tage in der ersten Hälfte dieser Woche aufs äußerste ausgenuht wurden. Am Mittwoch­abend wurde bis in die dunkle Rächt hinein eingefahren, am Donnerstagmorgen schon in aller Frühe, wegen des voraussichtlichen Witterungs­umschlages.

In ben höheren Lagen des hohen Vogels­bergs macht sich also erneut schwere Rot geltend.

DerGießener Anzeiger" darf für sich das Verdienst in Anspruch nehmen, in lokalen Ro- tizen. vom 3. und 10. L. Mts. bereits auf die im Kreis Schotten in Bezug auf die Ernte sich mehr und mehr bemerkbar machende Rot hin­gewiesen zu haben. Ueberhaupt erscheint es ver­wunderlich, ba* bie Initiative zur Abhilfe in ber ©rnlenot von privater Seite so­zusagen von ben beteiligten Gemeinden ausging.