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danken an ein lebendiges Denkmal für den edlen Schwedenkbmg. der für landeSfremde Glau- bensbrüder sein Leben geopfert hatte, erweckt. Gr selbst hatte an jenem Hnglückstage von 1806 in seinem Thüringer Heimatdörfchen die Hand des Feindes schwer genug gefühlt. Sein Ruf fand sogleich begeisterten Widerhall der Gustav-Adost-Verein war gegründet. Aus dem kleinsten Keim breitete er sich wie ein mäch­tiger Baum immer weiter auS. Abertausende von evangelischen Glaubensbrüdern in fremden Ländern haben ihm die Erhaltung ihres Glau­bens und Hilfe in tausendfacher Rot zu ver­danken.Vater Großmann" ward berühmt und hochverehrt nicht nur im kleinen Heimatdorfe und in Leipzig, sondern weit und breit in aller Welt, wo gute Protestanten wohnten. --

Im Jahre 1856 sah ein alter, pensionierter achtzigjähriger französischer Oberst im Kaffee­houseZur Perle" in Lyon und las. wie er zu tun pflegte, die ..Augsburger Allgemeine Zeitung". Da fällt ihm der RamePrießnitz" ins Auge, und eine undeutliche alte Erinnerung taucht in ihm auf. Da steht ein langer Bericht über eine seltene Feier in einem kleinen Thü­ringer Dörfchen. Bor fünfzig Jahren ist das Dorf verbrannt, die Einwohner aber durch die Fürbitten eines Studenten und die edle Gesin­nung des französischen Hauptmanns Govean ge­rettet worden. Zur fünfzigsten Jubelfeier ist der ehemalige Student, jetzige Prof. Großmann aus Leipzig selbst herübergekommen. Den Ortspsarrer zur Rechtm. seinen Sohn zur Linken, von allen seinen Angehörigen und der ganzen Gemeinde gefolgt, ist der ehrwürdige, durch den Gustav» Adolf-Berein berühmte Greis zum Denkmal auf dem Angstplah hinausgezogen. Dort stehen zwei Greise neben ihm. es sind die letzten von jenen sieben dem Tode geweihten Iüngnlingen von 1806! Die Tränen strömen bei beiden alten Bauern über die gefurchten Wangen, als der verehrte Iugendgenosse mit herzerschütternden Worten jenes Tages, des französischen Haupt- manns und des neuerblühten göttlichen Segens gedenkt. Zum Schluß sinkt er an, Denkmal nieder und saht alle Herzenswünsche für die gerettete Heimat in ein lautes, feierliches Vaterunser zusammen. Hebet die ganze Gemeinde senkt sich ein tiefer Schauer heiliger Ergriffenheit.

Der alte Oberst liest es und eine Träne rollt auch ihm in den eisgrauen Soldatenbart hinab. Den Studenten von damals sieht er wie leibhaftig vor seinem Geiste, das brennende Dorf, die sieben Unglücklichen. ein tiefes reines Glücksgefühl bewegt sein Herz für feine edle Tat von damals. Sinnend stützt er sein Haupt, da klingen an dem Rebentische deutsche Laute. Er schaut sich um, da sitzt ein fremder Herr von deutschem Aussehen. Der alte Oberst bittet ihn mit deutschen Worten zu sich: Bankier Dehrmch aus Leipzig!Kennen Sie den Professor Großmann in Leipzig?"Und ob wer sollte in Leipzig den Vater Großmann nicht kennen, den bedeutendsten Lehrer an der Universität, den allbeliebten Prediger an der ThomaSkirche, den Mann, der stets mit an der Spitze steht, wenn es sich um ein öffentliches Werk edler Mensch­lichkeit und opferwilliger Wohltätigkeit han­delt?"

Ueberglücklich schüttelte der alte französische Haudegen dem Leipziger Banller die Hande: Den Mann grüßen Sie mir von ganzem Her­zen, der Hauptmann Govean von Anno 1806 lebe noch und würde sich über nichts mehr freuen in seinen allerletzten Lebensjahren, als wenn er noch ein paar Zeilen von dem mutigen Stu­denten von Prießnitz lesen konnte, dem er in so furchtbaren Augenbllcken nur einmal tm Leben ins Auge sah."

Die unverhoffte Verbindung mit Govean war Großmanns letztes Glück auf Erden. Am Ostermontag 1857 schlug ihn der Tod ins Herz. Seine kraftvolle, gesunde Ratur rang noch elf Wochen mit dem Sensemann, sein Geist blteb leuchtend klar, milde und voll tiefsten Dankes gegen Gott und die Menschen bis zum letzten Augenblick. Täglich mußte der Rat der Stadt Leipzig Berichte über sein Befinden heraus­geben, denn Abertausende in Leipzig wollten wissen, ob noch ein Fünkchen Hoffnung sei, daß Vater Großmann bei ihnen bliebe. Seine Leiche ward vor der Gemeinde ausgestellt, von den Studenten bewacht, der Andrang der Men­schen war so ungeheuerlich, daß Unzählige toiebcc abziehen muhten, ohne noch einmal sein gütiges Antlitz gesehen zu haben. Kein Fürst war herr­licher bestattet, keinem Hangen so viel Worte tiefempfundenen Dankes nach. Einen der innig­sten Briefe herzlicher Anteilnahme schrieb der alte Oberst Govean aus Lyon, derehemalige Hauptmann der Grenadiere des dritten Linien­regiments". Dr. W. Greiner.

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Die evangelische Kirche und dieMinderheitenfrage

Von D. Bruno Geißler-Leipzig.

Hm die so überaus heikle Minderheiten­frage ist man auf dem Stockholmer Kirchenkonzil vorsichtig herumgegangen. Das ist sehr schade, da offenbar die Kenntnis der wirllichen Lage in Der weiten Welt reichlich unbekannt ist. Der polnische Generalsuperintendent Bursche konnte es wagen, in einer schwedischen Zeitung öffentlich zu erllären, bte Deutschen und Evan­gelischen in Polen genössen volle Toleranz. Der Konsistorialpräsident von Straßburg, der mit seiner Entdeutschungstendenzim schroffen Gegensatz gegen die evangelische Kirche des Elsaß stecht, galt als deren vertrauenswürdiger Ver­treter. Daß aus der Tschechei neben den Iüngern der hussitischen Tradition auch ein deut­scher Kirchenführer da war und ein sorgenschweres Herz hatte, kam wohlmeinenden Amerikanern als eine verwirrende Komplikation der ohnehin schon so undurchsichtigen Verhältnisse jener Gegend vor. Gut ließ sich mit den Männern aus dem Orient über die Tatsache des Vorhandenseins deutscher, magyarischer und anderer Minderheiten in Iugo- slawien, Rumänien usw. reden. Man darf glau­ben: was sich in Siebenbürgen, in Kroatien an Schmerzlichem, ja Tätlichem für alte und schöne Deutsche Kultur abspielt, würde nicht sein, wenn Dort die Kirche den alten Einfluß hätte.

Daß es nicht angeht, dem Völkerbünde die Minderheitenfrage zu überlassen, wurde in Stock­holm offen anerkannt.Die Gemeinschaft der christlichen Kirchen muß das Gewissen des Völker­bundes sein." So wird es gelten, die Minder­heitenfrage vom Standpunkt der ch r i st - lichen Ethik anzupacken. Das ist keine leichte Sache. Ein paar Fragen nur, um die Schwierig­keiten zu beleuchten: Darf ein Staat seine anders­

sprachigen Hntertanen zur Erlernung der Staats­sprache durch wirtschaftliche Vorteile nötige n oder auch geradezu zwingen (Oesterreich, Amerika, SüÄirol)? Haben die Rationalitäten­staaten Recht, wenn sie durch energische Ein­schmelzung der Minderheiten und deren Verdrän­gung von Grund und Boden zlu einheitlichen Rational st aalen zu werden trachten, oder müssen sie sich mit dem mehrsprachigen Tatbe­stand abfinden und das Vorbild der Schweiz oder Rußlands (!) an nationaler Duldsamkeit noch- ahmen (Tschechoslowakei, Polen)? Ist ein beson­deres Recht auf Anwendung strenger Maßnah­men dort anzuerkennen, wo an der Landesgrenze eine Irreden t a wohnt (Magyaren in Ru­mänien und der Slowakei. Deutsche imKorri­dor", in Rordschleswig, in Südtirol) ? Macht es einen Hnterschied aus. ob die Aufsaugung der anderen nach hundertjähriger geschichtlicher Ge­meinschaft betrieben wird (Polenpolitik Preußens, Magharisierung im alten Hngarn), ober ob sie

sofort nach Verschiebung der Grenze mit Hngcbulö und Schroffheit beginnt (Posen. Elsaß. Tirol)? Entlastet die Zustimmung eines Stammes zu seiner Entnationalisierung einen Staat von der Verant­wortung für das dadurch verloren gehende Kul­turgut (Masuren, Wenden. Amerika)?

Diese Fragenreihe läßt sich noch lange fort- setzen und durch Beispiele belegen. Hier liegt sorgenvollste Arbeit für das christliche Gewissen. Sollte nicht gerade uns Deutschen bei unserer überlegenen Sachkenntnis auf diesem Gebiet und unserer anerkannten Leidenschaftslosigkeit die Hauptlast dieser Arbeit zufallen?

Eine Antwort auf die Minderheitenfrage steht außer Debatte: Das Recht und die Pflicht der Glieder eines Volkes, über alle Staatsgrenzen hinweg sich als Einheit zu fühlen und aus diesem innerlichen Zusammenschluß Lebenskraft und Ar­beitsfreude. Geduld, Treue und Tapferkeit zu schöpfen. Morgen wird die evangelische Kirche Deutschlands in der ihr für die Betonung dieser

Volkseinheit über die Erdteile hin eigentüm­lichen Form, nämlich in der Form des Gustav- Adolf-Vereins zusammentreten. Ein öku­menischer Kongreß im Ausschnitt wird da bei­sammen fein. Das Festprogramm nennt als Haupt- träger der geplanten Darbietungen kirchliche Füh­rer aus Danzig und Böhmen, Italien, Bulgarien und Palästina. Auch aus Rumänien und Iugo- slawien, aus Polen und Litauen, aus Südafrika. Brasilien, Argentinien sind Berichterstatter über die überall so unendlich schwierige Lage der deut­schen Diaspora zu erwarten. Minderheiten­frage wird eine große Rolle bei allen Erörterun­gen spielen. Man wird sie aber nicht mit thw- retischen Heberlegungen, sondern mit praktischer Tat behandeln. Opfer für die Brüder in Rot, Handreichung für ihren Mangel, Zuspruch für ihren Kampf, das ist die zur Zeit wichtigste und wirkungsvollste Antwort der evangelischen Kirche auf die Minderheitenfrage.

Hmdenburgtage am Rhein.

Des Reichspräsidentenbesuch in Essen, Duisburg und Düsseldorf.

Es war ein guter Gedanke des Reichs­präsidenten, daß er eine seiner ersten Reisen in das ehemals besetzte Gebiet lenkte, um dadurch nicht nur vor dem deutschen Volke, sondern vor der ganzen Welt das Siegel unter die Einigkeit Deutschlands zu sehen und den Schlußstrich zu ziehen unter das traurige Ka­pitel, das im Ianuar 1923 begann, um im August 1925 einen für densiegreichen Eroberer" wenig rühmlichen Ausgang zu nehmen. Die Londoner Politik, die Dr. Strese mann zusammen mit dem damaligen Reichskanzler Marx und dem jetzigen Kanzler Dr. Luther eingeleitet hat, erwies sich, darüber ist jetzt kein Zweifel mehr, als richtig. Welche Lebensdauer das Dawesgutachten «selbst haben wird, darüber wird man sich in Iahr und Tag unterhalten, den Gegenwartswert hat es jedenfalls gehabt, daß es uns unsere wertvollste Ittdustrieprovinz zu­rückgab und die Wirtschaftsgrenze beseitigte, die mitten durch Deutschland gelegt war. Man mag sagen, daß die Franzosen sich nicht länger an der Ruhr halten konnten; das ist zum min­desten schwer zu beweisen. Sie sahen schließlich Doch wohl am längeren Arm des Hebels, und wenn es nicht durch diplomatische Manöver gelang, so hätten wir sie vielleicht nie hinaus- bekommcn. Iebenfalls dürfen wir den Ab­marsch der Franzosen von der Ruhr als den ersten außenpolitischen Er­folg buchen, den wir seit dem Zusammenbruch erlebt haben; einen Erfolg allerdings, der nur möglich wurde, well trotz aller inneren Zerrissen­heit ber Wille zum Zusam menhalten innerhalb des deutschen Volkes sich als stärker erwies, als alle Lockrufe hochbezahlter feind­licher Agenten.

Auf diesen Ton des Einheitsgedankens ist denn auch die ganze Reise des Reichspräsidenten gestimmt. Sie gleicht einem Triumphzug, Hundert­tarsende drängen sich an seinen Weg, um in ihm zu grüßen nicht nur den Repräsentanten des deut­schen Volkes, sondern auch den Kristallisations- punkt alles dessen, was uns an Lebenswillen noch geblieben ist. Eines Blutes Brüder und eines Volkes Söhne in Opfermut und Treue, so hat der Reichspräsident den wesent­lichen Inhalt der Freiheitstage auf eine einheitliche Formel gebracht. Mit Stolz dürfen die Millionen wehrloser Deutscher, die weiter nichts als ihren Willen zum Volkstum den modernen Kriegsmitteln der Franzosen entgegenzusetzen hat­ten, den Dank des Reichspräsidenten und des ge­samten Volkes entgegenzunehmen für ihr stilles Heldentum, das ihnen durch Arsharren das Ziel er­reichen half. Wir Deutsche sind seit 1918 bescheiden geworden, kaum eine Demütigung ist uns erspart geblieben. Aber gerade deshalb haben wir allen Anlaß, nicht in rauschenden Siegesfesten, aber in stolzem Selbstbewußtsein auf die Kraft der Treue zum Volke hinzuweisen, die an der Ruhr ebenso wie in Ostpreußen, in Schleswig-Holstein und in Oberschlesien ihren Sieg errang. Und das wollen wir aus der Fahrt des Reichspräsidenten als blei­bendes Gut in eine bessere Zukunft mit hinüber- nehmen: daß wir uns den Luxus parteipolitischer Zersplitterungen und vergifteten Haders nicht leisten können, daß wir unsere Stärke nur indem Bekenntnis zum einheitlichen Volks- t u m besitzen, und nur in diesem Zeichen auch die Niederlage überwinden können, die uns um ein Jahrhundert zurückwarf, aber auf die Dauer den Weg zum großen, glücklichen Deutschland nicht verbauen kann.

Die Vefreiungsfeier in Essen.

Essen, 18. Sept. (TH.) Bis tief in die Rächt hinein durchzogen gestern begeisterte Massen die Straßen der Stadt. Fanfaren erklangen und immer wieder ertönten das Deutschlandlied und dieWacht am Rhein". .Mit derWacht am Rhein" hatte gestern abend ein vieltausend­stimmiger Volkschvr den Reichspräsidenten zu seinem Hause begleitet Dom frühen Mor­gen an, drei Stunden vor der um 11 Hhr be­ginnenden offiziellen Befreiungsfeier im ©&tl* schen Saalbau. zeigt das Essener Strahenbild ein sonntäglich bewegtes Aussehen Zu Zehn­tausenden steht die Bevölkerung in froher Er­wartung vor der Wohnung des Reichs­präsidenten und auf Zufahrtsstraßen Kurz vor der Abfahrt zum Saalbau um 11 Hhr be­grüßte ein 4000ftiminiger Kinderchor den Reichs­präsidenten an der Waldhausenschen Villa mit Weihgesängen. Die kleinen Sänger marschierten unter der Führung ihrer Lehrer auf. Sie ver­mögen ihre Begeisterung nicht zu zügeln Schon vorzeitig bringen sie spontane Hochrufe aus.

Hm 9 Hhr zeigte sich die hohe Gestalt des Reichspräsidenten auf dem Balkon. Ein Sturm der Begeisterung brach bei seinem Anblick los. Der Reichspräsident dankte erfreut. Runmehr erklangen die frischen, Hellen Stimmen der Kin­der. die mehrere patriotische Lieder sangen. Zum Schluß wurde das Deutschlandlied, das jahrelang unter der Fremdherrschaft nicht ge­sungen werden durfte, von allen Anwesenden begeistert gesungen. Stürmische Hochrufe ertönten immer wieder. Der Reichspräsident zog sich dann zurück, um sich etwa 60 Bergknappen in der Hniform von Rettungsmannschaften vor­stellen zu lassen, die bei den letzten Gruben- I katastrophen bei den Rettungsarbeiten beteiligt

waren. Im Anschluß daran begab sich dann der Reichspräsident um 10 Hhr auf den Ehren- friedhof, wo er am Grabe der dreizehn Kruppschen Arbeiter einen Kranz niederlegte. Auf seinem ganzen Wege wurde er jubelnd begrüßt. Auch an den Gräbern der bei den Hnruhen im Iahre 1920 gefallenen Sch uhpolizeibeamten legte er einen Kranz mit Schleifen in den Reichs­farben nieder

Der preußische Mini st erpr äsident Braun und der preußische Minister des Innern Severing haben ebenfalls die Gräber besucht. Der Ministerpräsident legte einen Kranz nieder mit Schleifen in schwarzrotgoldener und schwarz­weißer Farbe mit der Inschrift:Den Toten vom 31. März 1923 die preußische Staatsregie­rung".

Zu der Vaterländischen Kundgebung in dem einfach und würdig ausgeschmückten Offener städti­schen Saalbau hatten sich neben zirka 3000 Gästen der Reichskanzler <S)t. Luther-, der Oberpräsident der Rheinprvvinz Dr. Bracht und der Minister des Innern Fuchs, der Oberbürgermeister von Essen Severing eingefunden. Von den Anwesenden stürmisch begrüßt, betrat der Reichspräsident pünktlich um 11 Hhr den Saal. Rach zwei ein­leitenden Musikstücken des Essener Städtischen Orchesters ergriff als erster Redner

Oberpräsident Dr. Fuchs

das Wort. Der heutige Tag ist für das Rhein­land ein Festtag. Zum ersten Male betreten Sie, Herr Reichspräsident, als verfassungsmäßi­ges Oberhaupt des Deutschen Reiches, den Boden unserer schönen Provinz. Als Oberpräsident habe ich die Ehre, Ihnen sowie der mit ihnen er­schienenen Reichsregierung und der preußischen Staatsregierung ein herzliches und ehrerbietiges Willkommen zuzurufen. Diese Begrüßung er­folgt inmitten der Bevölkerung, die r h e in i - schen Lebensmut und rheinischen Le­benswillen mit nieders ächsischer Zähigkeit verbindet. Die Tatsache, daß wir Sie, Herr Reichspräsident, in diesen Tagen in dem befreiten Ruhrgebiet begrüßen dürfen, kann in erster Linie als Erfolg der großen Opfer verzeichnet werden, welche die gesamte Bevölkerung des b^etzten Gebietes in allen ihren Schichten freiwillig übernommen und so würdig und standhaft getragen hat. Wir danken Ihnen, Herr Reichspräsident, daß Sie sobald wie möglich, hierher gekommen sind, um uns den Ausdruck der wannen Anteilnahme des deutschen Volkes an unserem Geschicke zu über­bringen. Die Tage des Duldens und der unend­lichen Rot, nicht weniger als die wahrhaft er­hebenden Stunden, die das Iubeljahr 1925 uns gebracht haben, haben gezeigt, wie eng und willig wir uns als deutsche Stammesbrüder im innersten Herzen verbunden fühlen. Wir hoffen, daß das Zusammengehörigkeitsgefühl in Zukunft noch wei­ter erstarkt. Eine gewisse Belastungsprobe bildet freilich

die große wirtschaftliche Rot

iunb da bitten wir Sie, Herr Reichspräsident, eingedenk zu sein, daß zu den allgemeinen Mr- sachen für die ungünsttge Lag^ noch hinzukommen die gewaltsamen Störungen, die gerade wir im Westen durchgemacht haben, die sich noch lange geltend machen werden. Wir können Sie, Herr Reichspräsident, heute leider nur tn einem Telle der Provinz begrüßen, das Willkommen klingt jedoch nicht minder herzlich auch aus dem noch besetzten Gebiet herüber. In die Grüße des besetzten Gebietes mischt sich die Hoffnung, daß der Tag nicht mehr fern sein möge, an dem Sie aus dem gleichen Anlaß wie heute hier dort erscheinen möchten. Mögen Sie recht bald den Ausgleich der noch bestehenden Gegensätze wahren Friedens und frohe Zeiten für unser Vaterland herbeiführen. W^r werden hinter ihnen stehen! Im Hin­blick auf Ihre von höchstem Pflichtgefühl er­füllte ehrfurchtsvolle Persönlichkeit wollen auch wir weiter unsere Pflicht tun. Wir wollen stets treue Hüter des heiligen deutschen Strome s fein!

Rach weiteren Begrühungsworten des Essener Oberbürgermeisters Dr. Bracht sprach unter lebhafter Zustimmung der Anwesenden

der preußische Innenminister Severing.

Minister Severing sprach von der Treue und Zähigkeit der rheinisch-westfälischen Bevölkerung, die den Sieg über eine Zwangswirtschaft davon­getragen hätte. Alle Treue und Opfer der Ein­zelnen, so führte der Minister aus, verschwinden vor dem namenlosen Heldentuin der großen Masse, die die Trägerin des Ab­wehrkampfes war. Mit der Hneinigfeit dieser Masse hatten die Besatzungsmächte gerechnet. Doll und Staat haben aber in diesem Kampfe die Probe ihrer Verbundenheit glänzend bestanden. Wir wollen den heutigen Tag nicht vorübergehen lassen, ohne daraus Hoffnung für künf­tige Zeiten zu schöpfen. Gewiss werden die politischen und wirtschaftlichen Kämpfe im Inneren ihren Fortgang nehmen, aber sie sollten doch in einer Form geführt werden, daß sie den ehrlichen Volksgenossen, der auf seinem Posten das beste im Abwehrkampf geleistet hat, nichtverlehen. Aber auch nachaußen h i n sollte der heutige Tag sein Echo ftnden. Die

Welt hat erfahren, daß die brutale Machtpolitik der Desatzungszeit es nicht vermocht hat, das Gefüge des deutschen Dollsstaates zu zerbrechen. Wir würden glücklich fein, wenn wir den Abzug der Desatzungstruppen als ein Zeichen be­ginnender Einsicht, als den ersten Schritt auf dem Wege der Verständigung ansehen dürfen. Der Wiederaufbau unserer eigenen Wirtschaft und der Wiederaufbau Europas seht voraus, den Abbau des Hasses und der Hnwahr- Hastigkeit. Möge es recht bald gelingen, diese noch viel gefährlicheren Besatzungsmächte in allen Andern zum Abzug zu bringen.

Rach der Vollendung des vierten Satzes aus einer Symphonie von BrahmS ergriff

der Reichspräsident

von lebhaftem Beifall gefolgt, das Wort zu folgenden Ausführungen:

Für den Willkommensgruh, den Sie. Herr Oberbürgermeister, mir und den Herren bet Reichs- und der preußischen Staatsregierung darbrachten, und für den herzlichem Empfang durch die Bevölkerung der Stadt danke ich Ihnen herzlichst. Es ist mir eine freudige (Genug­tuung, hier in Essen, in diesem Mittelpunkt deutscher Arbeit und deutschen Schaffens, in bet Stadt, deren Ehrenbürger ich bin, Rhein und Ruhr zu grüßen und mich mit Ihnen allen dessen zu erfreuen, daß dem Land zwischen Rhein und Ruhr die Freiheit wiedergekehrt ist. Von Herzen gedenke ich in dieser Stunde in tiefer Dankbarkeit und mit größter Anerkennung aller derer, die in den Iahren der Prüfung ihr Deutschtum und ihre Liebe zur Heimat mit schweren Opfern an Leben und Freiheit, mit Verlust von Haus. Hof und Gut bezahlt und um des deutschen Ramens willen harte Rot gelitten haben. Mit stolzer Befrie­digung dürfen wir feststellen, daß alle Schichten der Bevölkerung in gleichem Maße dem Vater­lande die Treue gehalten und in selbstloser Hin­gebung Opfer gebracht haben: der Mann ber Arbeit wie ber Arbeitgeber, der Beamte in Reich, Staat und Gemeinde, wie die in freien Berufen Tätigen, die Männer ber Presse wie die vom Flügelrad. Ihnen allen gebührt in gleichem Maße unser Dank.

Sie haben uns allen ein Beispiel bafu< gegeben, daß ein Voll, mag es auch sonst durch Verschiedenheit der politischen Anschauungen, durch Interessenwiderstreit und abweichende Mei­nungen in sich getrennt sein, sich doch zu­sammen finden kann und muh, wenn es um seine Freiheit, wenn es um seine Ehre und um. seine großen nationalen Güter geht. Hub für» dieses Beispiel, das uns und kommenden Ge­schlechtern eine große und bedeutsame Mahnung ist und bleiben wird, wollen wir Ihnen besonders dankbar fein. Die Zukunft wirb uns nur dann gehören, wenn alle Deutschen, so wie un­sere Brüder an Rhein und Ruhr es getan, sich in den großen Fragen der Ration als eines Blutes Brüder und eines Volkes Söhne in Opfermut und Treue be­kennen. In diesem Geiste wollen wir uns auch heute dem Vaterlande geloben, indem wir rufen: Deutschland, unser geliebtes Vaterland, es lebe hoch!

Den Schluß der Feier bildete nach den markigen Worten Hindenburgs der gemeinsame wuchtige Gesang des Deutschlandliedes und ein dreifaches donnerndes Hurrah auf das deutsche Vaterland. Von dichten Massen begeistert ge­folgt, verlieh der Reichspräsident den Ort bet Feier, um sich auf den Weg nach der Krupp­schen VillaHügel" bet Essen zu begeben. Während der halbstündigen Fahrt bis zur Villa Hügel" wurden dem Reichspräsidenten lebhaf­teste Ovationen dargebracht.

In Duisburg.

Don der DillaHügel" aus traf Reichs­präsident v. Hindenburg heute nachmittag 3.50 Hhr zu einem kurzen Besuch in Duisburg ein. In feiner Begleitung befanden sich u. a. Reichs­kanzler Dr. Luther, preußischer Minister­präsident Braun und preußischer Innenminister Severing. Die Fahrt des Reichspräsidenten bis zu der in der Rähe des Bahnhofes gelegenen Wohnung von Oberbürgermeister Dr. I ar res gestaltete sich zu einer Triumphfahrt. Der Reichs­präsident konnte nur immer wieder für die zahl­losen Huldigungen danken. Rach einem furzen Imbiß machte der Reichspräsident mit Gefolgt eine Autorundfahrt durch die Duisburger Hafenanlagen, den größten Dinnenhafen Europas. Zu einer besonderen Kundgebung ge­staltete sich sein kurzer Aufenthalt an der Hornberger Rhe indrücke. Kaum war dai Auto des Reichspräsidenten in Sicht, da be­gannen alle Sirenen der Dampfer ihren Schiffs« grüß zu entbieten. Der Reichspräsident betrat den Brückenkopf und betrachtete einige Minuten schweigend und sichtlich ergriffen den deutsche« Rhein. Auf der Rampe vor der HombergerBrücke, mit dem Blick auf den reich beflaggten Hafen, nahm der Reichspräsident den

Gruß bet Rheinschiffahrt entgegen. In Begleitung des Oberbürgermeisters empfing er etwa hundert Abgeordnete der Kapitäne und des Schiffspersonals. Die Ma­trosen und Angestellten der Mitgliederfirme» des Vereins zur Wahrung der Rheinschiffahrts-

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