Samstag, 19. September 1925
Blatt (D
175. Jahrgang
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General-Anzeiger für Oberhessen
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Der Gustav-Adolf-Verein in Gießen
vielfach ein
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gegen, eine Weile ruhen beider Augen ineinander, tiefe Güte und klarer Blick leuchten i~
eine gebildet, bei denen wohl vielfach materielle
Brüdern und Schwestern Los beschieden. In den Versammlungen werden wir darüber aus berufe- • nem Munde eingehenden Auffchluh bekommen, dort werden zweifellosLebenS- fragen des deutsch-evangelischen Volkstums in aller Welt angeschnitten werden. Dabei wird sich ergeben, daß der Gustav- Adolf-Verein jetzt mehr denn je zuvor unser aller Hilfe braucht, dast ohne unsere Mitarbeit an seinen grosten und überaus schwierigen Aufgaben noch weitere Tausende von Stammes» und Glaubensbrüdern in allen deutschfeindlichen Weltgegenden dem Vernichtungswillen ihrer Feinde hoffnungslosausgeliefert werden. Dahin darf es nicht kommen, dem Be- kennermut unserer Beider und Schwestern dort draußen inmitten feindlicher, haßerfüllter An- dersstämmigen, dem Arbeitsmut und der Treue des Gustav-Adolf-Ver- eins zu dem evangelischen Auslanddeutschtum und zu den in kultureller Hot stehenden Brüdern und Schwestern innerhalb der Reichsgrenzen müffen wir unfern Opferwillen,
Gedanken vorherrschen, die aber auch ideellen Zwecken dienen und darum die Hoffnung geben, daß man auch für die religiösen Angelegenheiten etwas übrig haben werde. Den Protestanten wecke der 31. Oktober die dankbare Freude an den Gütern der Reformation. Unzählige Brüder im Glauben entbehren aber der kirchlichen Fürsorge, da sie keiner geordneten evangelischen Gemeinde zugehörten.
Wohl sei es ein Ruhmesblatt des Protest an- tismus, daß er sich nicht engherzig auf sich selbst zurückziehe, um so mehr aber sei es Pflicht, den Brüdern in Rot zu Helfern Die Hilfe, die bisher gerne den einzelnen gewährt wurde, fei nicht ausreichend, verzettle sich, werde ost auchmißbraucht. Darum ruft der hessische HofpredigerProtestanten, Lutheraner, Reformierte, Unierte, Anglikaner und welchen Ramen sie auch führen mögen, welchen Glanbensansichten sie auch sich verfchreiben, zur Begründung eines Vereins für die Unter- protestantischer Gemein»
den auf, fügt auch einen SaLungsentwurf Zimmermann verspricht sich vckn einem solchen
so stand da zu lesen, „um die in den protestantischen Ländern befindlichen armen katholischen Gemeinden zu unterstützen." Was aber die Katholiken für die FHrigen zu tun für eine heilige Pflicht hielten, sollten das die Evangelischen für ihre Glauberisbrüder nicht auch tun? Zimmermann ward von dem Gedanken so sehr erfaßt, daß er am Reformationsfest 1841 in der „Allgemeinen Kirchenzeitung" einen Aufruf an die protestantische Welt erließ, in dem er unter DoransteNung des Aposteswories „Lasset uns Gutes tun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen" auSführte: Zur Pflege der Wissenschaft, zur Förderung aller Lebenszwecke, zur Steigerung aller Lebensgenüsse werden Der»
Geh. Kirchenrat Prof. l). R e n d t o r s f - Leipzig, Vorsitzender des Zentralvorstandes des Evangel.
Vereins der Gustav-Adolf-Stiftung.
Blick des Hauptmanns: „Ruhig — das Schlimmste soll nicht geschehen. — Sieben sind auszufuchen — dankt es dem Kommandanten!" — Ein Kommando — im Dorf schlägt die Flamme empor — niemand darf Hand anlegen — mit markerschütterndem Iammergeheul muß die Gemeinde den Untergang des FHrigen mit ansehen. Plötzlich ein furchtbarer Knall — was ist geschehen? Sieben junge Burschen liegen dort auf den Knien, sie leben, sie ringen die Hände — ein Dankgebei. Väter und Mütter eilen auf sie zu — sie erzählen: sie wurden aus der Menge im Gewühl herausgerissen. Der junge Hauptmann steht mit einer Kompanie ihnen gegenüber. Er befiehlt ihnen niederzuknien, läßt sich selbst auf ein Knie nieder. Dann winkt er mit der Hand: werft euch zur Erde — springt auf: „Geladen!" — Mit dem Degen weist er hoch in die Luft: „Gebt Feuer! — Kehrt, marsch!" — Sie haben in die Luft geschossen, eilends rennen sie davon, dem abziehenden Regimente nach.
Der junge Student hat den Blick des jungen Hauptmanns und das ganze Dorf seine edle, menschliche Tat nicht vergessen. Der Hauptmann hieß Govsan, der Student Leberecht Großmann. Alljährlich versammelte sich am 16. Oktober die Gemeinde auf dem „Angstplah" vor dem neu erstehenden Dorfe, und Großmann sprach zu ihnen zur Erinnerung an das furchtbare Erlebnis.
Der Student wurde ein ausgezeichneter Mann. Vom Dorfpfarrer rückte er zum Professor und Diakonus in Schulpforta, zum ®e- neralsuperintendenten in Altenburg und 1829 »um Professor der Theologie und Superintendenten von St. Thomae in Leipzig auf. Fm Fahre 1832 hatte er als Mitglied des sächsischen Konsistoriums sich an die böhmische Grenze ins Erzgebirge zu begeben, wo die böhmische, bisher in dem sächsischen Brambach eingepfarrte Gemeinde Fleißen auf Befehl der österreichischen Regierung aus dieser Verbindung losgerissen worden war. Er sah mit tiefem Schmerz die Rotlage der böhmischen Glaubensbrüder. Fm Rovember des gleichen Fahres wurde auf dem Schlachtfelde von ßüfcen der 200. Todestag des großen Schwedenkönigs gefeiert, und unter Croß- manns Vorsitz wurde in Leipzig die Errichtung eines würdigen Denkmals über dem alten Stein mit der schlichten Inschrift „G. A. 1632" beschlossen. Allein die Eindrücke an der böhmischen Grenze hatten in Großmanns Herzen den Ge-
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Der Gustav-Adolf-Derein steht nach dem Riederbruch des Vaterlandes einer gewaltigen Hochflut deutsch-evangelischer Rot in aller Welt gegenüber. Am schlimmsten sieht es zur Zeit wohl in Polen aus, wo ein wahrer Vernichtungskrieg der feindlichen G emente gegen alles Deutsche und Evangelische entfesselt ist, gegen viele Tausende von deutschen Volksgenossen, die dort vielfach in jahrzehntelanger Arbeit die großen kulturellen und wirtschaftlichen Werte geschaffen haben, die die polnischen Unterdrücker heute in skrupelloser Weise an sich reihen. Aber auch in anderen Ländern, die zu der Gruppe der Weltkriegsieger gehören, ist den deutsch-evangelischen
Verein nicht eine unprotestantische Vereinheitlichung des Glaubens, ober eine Einheit in der tätigen Liebe, die wiederum dem Wachstum des Glaubens dienen müsse." Leben, reges Leben, Begeisterung, heilige Begeisterung für die evangelische Kirche, das wird, das muß die Segensfrucht eines solchen Vereins fein. Das gemeinsame Liebeswerk werde dem Kampf der Meinungen in Glaubensfragen feine Schärfe nehmen. Richt auf Eroberung, wohl aber auf Verteidigung sei der Verein eingestellt. Fügten, Reiche, Mittelstand und Arme müßten sich beteiligen. „So gehe denn," schließt Zimmermann, „dieser Ausruf, dem Gottes Geist offene Herzen bereiten möge, in alle protestantischen Länder aus und bringe Heil jetzi und für alle kommenden Zeiten der heiligen Kirche, welcher wir anzugehören uns freuen. Protestanten, Fhr setzt dadurch Euch selbst das rühmlichste Denkmal. Den Ausführenden gebührt das Verdienst: dem Anregenden nicht: denn Fdeen kommen von Gott."
Die Worte Zimmermanns haben einen tiefen Eindruck gemacht, machen ihn noch heute auf jeden Leser durch die Wucht ihrer Wahrheit. Sie sanden Widerhall nicht bloß in Hessen, sondern im ganzen evangelischen Deutschland, ja darüber hinaus. Dor allem aber setzten sich die Führer der Leipziger Gustav-Adolf-Stiftung mit Zimmermann m Verbindung. Was diese wollte, deckte sich mit den Absichten des hessischen Hofpredigers. Ein lebhafter Schriftwechsel setzte ein, eine aus allen Gegenden Deutschlands, aus Rorwegen, Ungarn, Siebenbürgen, dem Elsaß und der Schweiz beschickte Versammlung in Leipzig vereinigte die alte Gustav-Adolf-Stistung mit dem geplantenDerein. So heißt bis heute dieser Hilfsbund: Evangelischer Verein der Gustav-Adolf-Stistung. Eine wesentlich breitere Unterlage trägt nun die alte (Stiftung. Zwei Drittel der Einnahmen finden unmittelbare Verwendung für den DereinSzweck, nur noch ein Drittel wird (anfänglich) kapitalisiert. Dr. Zimmermann lieh den Erfolg seines Aufrufs ganz in die Gustav-Adolf -Stif tung einmünben. Er wollte nur der Sache dienen, hat auch Zeit seines Lebens nimmer müde sich mit seiner hinreißenden Beredsamkeit für seinen Gustav-Aboff- Derein eingesetzt. War der von ihm ausgesprochene ®cbanfe auch nicht neu, so hat er ihm doch erst die große Welt erobert, während die Gustav- Adols-Stiftung im ganzen auf Sachsen beschränkt geblieben war.
Sichtbare Zeugen der Gustav-Adolf-Dereins- arbeit stehen heute in der ganzen Welt. Auch unsere engere Heimat ist dem Gustav-Adoll» Berein zu größtem Dank verpflichtet. Wir grüßen darum heute den Verein als einen lieben Gast, als einen guten Freund, als einen vielbewährten
der Provinz Oberhessen und auch in den benachbarten preußischen Gebieten dieser Tagung ent- gegensieht, aus den umfangreichen Vorbereitungen, die man für die Festgottesdienste in unserer Äachbarschaft, für die Aufnahme der vielen evangelischen Sendboten aus dem Reiche und dem Auslande und schließlich für den Massenbesuch des evangellschen Volkes der ganzen Provinz bei den Volksversammlungen in Gießen trifft, kann man die herzliche Sympathie erkennen, die unsere evangelischen Mitbürger überall in Stadt und Land dem Gustav-Adolf-Derein entgegenbringen. Wir glauben der vollen Zustimmung deS evangelischen Kirchenvolkes sicher zu fein, wenn wir an der Spitze unserer heutigen Betrachtungen zu dem großen Ereignis im deutsch- evangelischen Gemeindeleben dem Gustav-Adolf- Derein in dankbarer Anerkennung feiner großen Verdienste um das evangelische Deutschtum den herzlichsten Willkommengruh unserer Stadt und der engeren Heimat entbieten.
Mit besonderem Stolz lenken sich in diesen Tagen gerade die Blicke des Hessenlandes auf den Verein, fcr heute so groß und hochangesehen ilt der evangelischen Welt dasteht. Denn an seiner Wiege hat das Hessenland einen hervorragenden Platz eingenommen, ja, es hat — das bars man wohl sagen, ohne unbescheiden zu sein dem zarten Kindlein erst die rechte Entwicklungs- sähigkeit gegeben. 1832 war zwar in Sachsen, insbesondere in Leipzig und Dresden, der erste Grundstein der Dereinsarbeit gelegt worden, aber diese Organisation blieb auf Sachsen beschränkt. Ohne Kenntnis von dem dortigen Vorgehen erließ der Darmstädter Hofprediger Dr. Karl Zimmermann am 31. Oktober 1841 dnen Ausruf an die protestantische Welt, über den Pfarrer Ernst Wagner, Bensheim, in dem nachstehenden Aussatz „Der Anteil Hessens am Gustav-Adolf-Derein" näheres berichtet. Der Erfolg dieses Aufrufes war die Gründung zahlreicher Dereine zur Arbeit an den Aufgaben, die Zimmermann aufgezeigt hatte. Erst später erfuhr Zimmermann von dem sächsischen, insbesondere Leipziger Werk, und nun kam es im Fahre 1842 zu einer Verschmelzung der beiden Organisationen. Danach wurde das gemeinsame Werk auf breite Auswirkungsmöglichkeiten eingestellt, der Weg zum Aufstieg war gebahnt. In voller Hingabe an die große Sache und mit klug wägender Sorgfalt wurde nun im Laufe der Jahrzehnte an der Organisation auf- und ausgebaut, ein reicher Quell der Hilfsbereitschaft zur Linderung und Beseitigung deutsch-evangelischer Rot wurde immer stärker erschlossen, und heute steht der Gustav-Adolf-Derein, wie er kurzweg überall genannt wird, als ein Werk vor uns, dem wir Bewunderung und dankbare Siebe schuldig sind.
Richt nur in einzelnen Orten ober Bezirken des Reiches, sondern noch weit, weit mehr draußen in den fremden Ländern hat der Gustav- Adolf-Derein seine Wirkungsstätte. Heberatl da, wo evangelische Brüder und Schwestern in Glaubensnot, in Schulsorgen, in sozialen Schwie
rigkeiten. in volksgesundheitlichen Fährnissen, in Bedrängnis ihrer Stammeseigenart usw. stehen — und das ist heute nach dem Dittat von Der- sailles in noch viel höherem Maße der Fall, als früher — sehen wir den Gustav-Adolf-Derein. getreu seinem edlen Wahlspruch „Lasset uns GuteS tun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen!", als Helfer und oft auch als Retter in der Rot wirken. Wer, wie der Schreiber dieser Zeilen, den Glaubens- und Rationalitätenkampf in den national und konfessionell stark gemischten Grenzgebieten, besonders im deutschen Osten, kennengelernt und dort die außerordentlich segensreiche Wirksamkeit des Gustav-Adolf-Dereins für das evangelische Deutschtum an vielen Beispielen beobachtet hat, der kann voll und ganz ermessen, welche deutschevangelische Großtat dieser Derein in stiller und hingebungsvoller Arbeit Fahr um Fahr treu und liebevoll geleistet. Diese vollbringt er heute noch in weit stärkerem Maße. Ünb dabei ist es ein besonderes Ruhmesblatt des Dereins, daß er seine Arbeit nicht entwürdigt und ver-, giftet durch öde Parteipolitik, daß nicht Haß gegen die fremden Dolksstämme die Richtschnur seines Handelns ist, obwohl seine ausländischen Gegner seine Dertreter vielfach mit ihrem ganzen Haß verfolgen, sondern daß er stets nur christlich- fursorgend dem evangelischen und deutschen Bruder Hilfe bringt, damit dieser in seiner Rot erfährt, daß seine Glaubensgemeinschaft, sein Volkstum mit ihm fühlt und denkt, daß man ihm die Last der Rot und Sorge erleichtern will, wie rechte Brüder und Schwestern es immer für einander tun. Diese von höchster Sittlichkeit geleitete Arbeit hat dem Gustav-Adolf« Verein die Wertschätzung aller gerecht denkenden Menschen gesichert, und sie hat ihm auch die Zuneigung aller evangelischen Glaubensgenossen im Reiche und jenseits der Grenzpfähle ohne Unterschied der politischen Ansicht des einzelnen eingetragen.
I " Zum ersten Male in den langen Fahren ( seines segensreichen Wirkens kehrt der Evangelische Verein der Gustav-Adolf- Stiftung zu einer Hauptversammlung, seiner siebzigsten. In unserer Stadt Giehen — und • damit überhaupt zum ersten Mal in eine Mittelstadt — ein. Dieser Besuch ist nicht nur für die cberhessifche Provinzialhauptstadl, sondern für daS ganze Hessenland eine Auszeichnung. Aus dem starken Interesse, mit dem man hier, in
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unsere Bereitschaft zur
Mitarbeit bei der Lösung der großen Ausgaben des Vereins hingebungsvoll mit ganzer Kraft der Seele und des Willens an die Seite stellen. Daß dieser entschlossene, opferfreudige Wille von der 70. Hauptversammlung des Evangelischen Dereins der Gustav-Adolf-Stistung weit hinaus in die evangelische deutsche Brüder- und Schwesternschaft lebendig werden und bleiben möge, daß ein Strom unver iegbarer Begeisterung für das hohe Werk des Gustav-Adolf-Dereins sich auf dieser Tagung ent essele, das ist der Wunsch, den wir unseren herzlichen Grüßen an die Gäste unserer Stadt zugLsellen.
Der Anteil Hessens am Gustav - Adolf-Verein. Don Pfarrer Ernst Wagner- Bensheim.
Die Erinnerungsfeier an der Stätte, da Gustav Adolf einst vor 200 Iahren sein Leben ausgehaucht, hatte im Iahre 1832 den Anlaß zu einer Stiftung gegeben, die, wie der Schwedenkönig dem bedrängten Protestantismus zumRetter geworden war, in ihrem kirchlichen Leben bedrohten evangelischen Gemeinden Hilfe, bringen sollte. Es war die Gustav-Adolf-Stiftung in Leipzig, die durch Superintendent D. Großmann angeregt, aus den Zinsen eines zu sammelnden Kapitals vor allem den im benachbarten Böhmen notleidenden alten evangelischen Gemeinden Unterstützung gewähren wollte. Der mtt Begeisterung auf genommene Gedanke setzte sich nur langsam durch. Zwar hatte man 1841 12 850 Taler Kapital zufammengetragen, ober die Zinsen daraus waren doch nur gering im Verhältnis zu der Aufgabe, die man sich gestellt hatte. Heber die Grenzen des Königreichs Sachsen war der "Freundeskreis dieser Stiftung auch kaum hinaas- gewachsen. Unb doch drängte die ganze Zeitlage auf eine gründliche Durchführung des richttgen Gedankens. „ _
Die im 19. Jahrhundert vor allem durch den Reichsdeputationshauptschluß und verschiedene Friedensverträge wesentlich verschobenen Grenzen der deutschen Länder umschlossen nicht mehr einheitliche Konfessionen. Der große Austausch der bisher voneinander abzegrenzten Kir- chen begann, überall fanden sich in rein katholischen Gegenden etliche Evangelische zusammen. Die geistliche Fürsorge für diese evangelischen Minderheiten wurde zu einer Pfticht der evangelischen Heimat aus der jene ja abgewandert waren. Zu Bewußtsein kam diese Pflicht dem Hofprediger Dr Karl Zimmermann in Darmstadt, als er. der Mitherausgeber' der „Allgemeinen Darmstädter Kirchenzeitung". in dem „^nivers", einer in Paris erscheinenden Zeitschrift, einen Aufsatz über die Begründung einer Stiftung zur Erhaltung des katholischen Glaubens m Europa sand „Die Stiftung ist (1839 zu Paris) gegründet,'
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Helfer, auch als den kirchlichen Verein, dem ein Hesse sein besonderes Gepräge mitaufgebrüdt bat
Vom Gründer des Gustav-Adotf-Vereins.
RapoleonS Hand lag schwer auf dem Thüringer Land. Seine Heere wälzten sich an der Saale gegen Iena und Auerstädt heran. Schon zwei Tage vor der Schlacht hatten die Bewohner des friedlichen Dörfchens Prießnitz bei Raumburg mit einer Schar französischer Chasseurs Bekanntschaft gemacht und manch gutes Stück Vieh und anderes mit ihnen ziehen Iahen müssen. Am Tage nach der Schlacht kam. plötzlich ein ganzes Regiment das Tal herauf, besetzte alle Häuser und jagte Greis und Mann, Weib und Kind mit geladenem Gewehr und aus- gepflanztem Bajonett zum Dorfe hinaus. Unter er entsetzten, verwirrten, ahnungslosen Menschenmasse befand sich auch ein Student, der Sohn des Pfarrers, der einzige, der ein Wort Französisch verstand. Er bat flehentlich um Auskunft über die Gründe des unverständlichen Heberfalleä. „Vier Soldaten, Franzosen, habt ihr ermordet — jetzt hinaus zum Kommandanten!" — Er erkennt sofort: irgendeine grauenhafte Verwechflung! — Er wird zu dem französischen Obersten geführt. Der Mann ist ruhig und kalt. Er hat ein beschriebenes Blatt In der Hand: „Ihr Dorf heißt doch Prießnitz?" — „Iawohl, aber es gibt mehrere Dörfer dieses Ramens in der Gegend — hier ist nicht das Geringste geschehen — untersuchen Sie — strafen Sie streng, wenn Sie etwas finden — aber seien Sie gerecht — es ist ein Irrtum." Mit beredten Worten verteidigt der junge Mann sein Heimatdorf und bittet, dem Marschall Davoust noch einmal Bericht zu erstatten. Er hat befohlen, das Dorf zu verbrennen und alle männlichen Einwohner zu erschießen. In wahnsinniger Angst fallen sich die armen Dorfbewohner in die Arme, stürzen zu Boden, weinen, schluchzen, flehen. Der Student dringt noch immer mit den innigsten Bitten in den Obersten. Es gelingt, sein Herz zu erweichen. Eine Ordonnanz wirst sich aufs Pferd und drescht im Galopp nach Raumburg davon.
Bier Stunden furchtbaren Wartens, entsetzlicher Spannung! Endlich kommt die Ordonnanz zurück, ein Stück Papier in der Hand. Tod oder Leben? Eifrige, sehr bewegte Beratung der Offiziere, die Aufregung läßt nichts Gutes ahnen, man scheint unentschlossen. — Der Oberst erhebt sich, geht mit langen Schritten auf und ab, die Antwort Davousts ist kurz, sie lautet: „Feuert!" — Ein junger Hauptmann tritt auf ihn zu, die beiden Männer sehen sich fest an, wechseln ein paar Worte, schütteln sich die Hand. — Einige Befehle, das Regiment rüstet zum Aufbruch. — Der Student will zum Obersten eilen, der junge Hauptmann tritt ihm ent-


