Ausgabe 
19.6.1925
 
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Sn dem Wunsche, allen beteiligten Staaten i m "Rahmen des Vertrages von Ver­sailles ergänzende Sicherheitsbürg­schaften £u geben, haben sie die deutschen Sicherhcitsbürgschaften mit aller ihnen aebühren- den Aufmerksamkeit geprüft, um sich em Urteil darüber zu bilden, inwiefern sie zur Festigung des Friedens beitragen können. Indes stellte sich a!S zweckmäßig heraus, vor Eintritt in die sach­liche Prüfung der deutschen Rote die Fragen in volles Licht zu setzen, die diese Rote auswirft oder auiwerfen kann.

Es ist wichtig, die Ansicht der deutschen Regierung übe.' die^e Fragen kennen zu lernen, da ein vorheriges Einvernehmen hierüber als Grundlage für jede weitere Verhandlung er­forderlich erscheint:

i. DaS Memorandum erwähnt den Völker­bund nur beiläufig. Run sind aber die alliierten Staaten Mitglieder des Völkerbundes und durch die Völkerbundssatzung gebunden, die für sie genau bestimmte Rechte und Pflichten zum Zwecke der Erhaltung des Völkerfriedens enthält.

Die deutschen Vorschl ge sind zve ellos aus das gleiche Iveal g richtet. Aber em A. kommen liehe sich nicht verwirklichen, ohne das) Deutsch­land seinerseits Verpflichtungen übernimmt und Rechte genießt, die in dec Völkerbundssatzung vorg sehen sind. Dieses Abkommen ist also nur denkbar, wenn Deutschland selb st dem Völkerbunde unter den in dem Schreiben des Dölkerbundsrates vom 13. März 1925 ange­gebenen Bedingungen Beitritt.

Das Streben, die Sicherhe tsbürgschasten zu schaffen, welche die Welt verlangt, darf keine Aenderung der Friedensverträge mit sich bringen.

II. Das Memorandum vom 9. Februar saht zunächst den Abschluß eines Paktes zwischen denamRhein interessiertenMächten ins Auge, der von folgenden Grundsätzen aus- gehen könnte:

1. Ablehnung jedes Gedankens an einen Krieg zwischen d:n v .rtagschliehenden Staaten.

2. Strenge Achtung des gegenwärtigen Be­sitzstandes in den rheinischen Gebieten mit gemeinsamer, gesonderter Garantie der vertragschließenden Staaten.

3. Garantie der vertragschließenden Staaten für die Erfüllung der Verpflichtungen zur Ent­militarisierung der rheinisch en Gebiete, die sich für Deutschland aus den Artikeln 42 und 43 des Vertrages von Versailles ergeben. III. Die französische Regierung verkennt nicht, welchen Wert die feierliche Ablehnung jedes Ge­dankens an einen Krieg zwischen den vertrag­schließenden Staaten und die Verpflichtung, die übrigens zeitlich nicht beschränkt sein dürste, neben der erneuten Bestätigung der in den Vertrag auf- genommenen Grundsätze für die Sache des Frie­dens haben würde.

Zu den vertragschließenden Staaten muß offenbar Belgien gehören, das in dem deut­schen Memorandum nicht ausdrücklich erwähnt wird, das aber als unmittelbar interessierter Staat an dem Pakte teilnehmen müßte.

Ebenso versteht sich von selbst und geht auch auS dem Schweigen des deutschen Memorandums über diesen Punkt hervor, daß der aus diesen Grundlagen zu schließende Pakt weder die Bestimmungen des Vertrages über die Besetzung der rheinischen Ge­biete noch die Erfüllung der in dieser HinsichtimRheinlandabkommenfest- gesetzten Bedingungen berühren darf.

IV. Die deutsche Regierung erklärt sich ferner l geneigt, mit Frankreich und den übrigen am Rheinpakt beteiligten Staaten Schiedsver- f träge abzuschließen, die eine friedliche Austra­gung rechtlicher und politischer Konflikte sicher- stellen. Frankreich ist der Ansicht, daß Schieds­verträge derart, wie Deutschland sie vorschlägt, eine natürliche Ergänzung des Rheinpaktes bilden würden. Es muß dabei aber als selbstverständlich gelten, daß ein solcher Vertrag zwischen Frank­reich und Deutschland auf alle Konflikte Anwen­dung finden müßte und nur bann Raum für ein zwangsweises Vorgehen lassen dürfte, wenn ein solches Vorgehen gemäß den Bestimmungen der zwischen den Parteien bestehenden Verträge oder des Rheinpaktes oder auf Grund der Garantie erfolgen würde, die von den Parteien oder einer von ihnen für den Schiedsvertrag geleistet wird.

Ein Schiedsvertrag gleicher Art zwischen Belgien und Deutschland wäre nicht minder erforderlich, tim diesen beiden Verträgen volle Wirksamkeit zu geben, müßte ihre Innehaltung sichergestellt werden durch eine gemeinsame und ges änderte Garantie derjenigen Mächte, die andererseits an der in den D beinhalt aufgenommenen Gebietsgarantie teilnehmen.

Falls einer der Vertragschließenden, ohne zu feindlichen Handlungen zu schreiten, seinen Verpflichtungen nicht nachkommt, soll der Völker­bund die Maßnahmen Vorschlägen, die zu er­greifen sind, um den Verträgen Wirksamkeit zu verleihen.

V. Die deutsche Regierung fügt in ihrem Me­morandum hinzu, sie sei bereit, mit allen Staaten, die hierzu geneigt seien, derartige Schiedsverträge abzuschließen. Sie alliier­ten Regierungen nehmen mit Genugtuung von dieser Zusicherung Kenntnis. Sie sind sogar der Ansicht, daß ohne solche Abkommen zwischen Deusichland und denjenigen seiner Rachbarn, die zwar nicht Parteien des geplanten Rhein­paktes sind, aber den Vertrag von Ver­sailles unterzeichneten, der europäische Friede, dessen Befestigung der Rheinpakt anstrebt und für den er eine wesentliche Grundlage bilden soll, nicht völlig gewährleistet werden könnte.

Die alliierten Staaten haben nämlich aus der Völkerbundssatzung und den Frie­de n s v e r t r ä g e n Rechte, auf die sie nicht verzichten. und Verpflichtungen, von denen sie sich nicht freimachen können. Diese so abgefaßten Schiedsverträge würden die gleiche Tragweite haben, wie die im Abschnitt IV vor­gesehenen. Jede Macht, die den Vertrag von Versailles und den geplanten Rheinpakt unter­zeichnete, würde, wenn sie es wünscht, die Be­fugnis haben, sich zu ihrem Garanten zu machen.

VI. Richts von den in dieser Rote ins Auge gefaßten Verträgen darf die Rechte und Ver­pflichtungen berühren, die den Mitgliedern des Völkerbunds aus den Völkerbundssahun- g e n erwachsen.

VII. Die für die Erhaltung des Friedens unerläßliche allgemeine Garantie der Sicherheit wäre nur bann vollständig, wenn alle in dieser Rote ins Auge gefaßten Abkommen gleich­zeitig in Kraft treten. Diese Abkommen muß- ten, der Satzung entsprechend, vom Döllerbunde eingetragen und unter dessen Obhut gestellt werden.

Amundsen zuruekgekehrt.

Neuyork, 18. Juni. (Funkspruch) Amuudsen ist mit seinen Begleitern in Spitzbergen eingetroffen. Er und seine Begleiter sind wohlauf.

Am sie dam, 19. Juni. (TU.) Rach dem Sonderbericht.c,ratter derZentral Rews" er» Härte Amundsen nach seiner Ankunft in K i n g s b a y, die um 1 Uhr vormittags erfolgte. olgendeS:

Am 15. Juni machten wir, ohne den Versuch gemacht zu haben, die Abfahrtsfläche zu erwei­tern, mit sehr verminderter Last Startver- u ch c. Fast die gesamte Ausrüstung wurde ab- geworfen und ein Mindestquantum von Breun- Ioffen wurde behalten, um den Rückweg zu er­möglichen.

Rach einem aufregenden Flug, teilweise durch Revel,

erreichten wir das Rordkap Rordostland nach einem Fluge von 8 Stunden 35 Minuten. Dort landeten wir, erwarteten günstigen Wind zur Fortsetzung des Fluges mit den restlichen 120 Litern Benzin, um nach einem Punkt innerhalb von Hobby beobachteten Gebietes zu gelangen. Infolge Rebels schätzten wir das auf der Rückfahrt überflogene Gebiet nur auf 60 Qua­dratkilometer.

Sofort nach Landung

passierte uns der norwegische Robbenfänger Sjoeliv"

aus Harresfjord in westlicher Richtung. Wir be­gaben uns sofort dorthin und tourben an Bord röhlich empfangen. Unfere Flugzeuge wurden in Schlepptau genommen. Gegen abend nahm der Wind an Stärke zu. Wir waren genötigt, Schuh an Land zu suchen, und zwar an der westlichen Seite der Lady-Franklin-Bay. wo wir während der Rächt blieben. Als sich das Wetter am 16. Juni nicht gebessert hatte, wurden die Flugzeuge auf dem Lande etwas über der Bucht gesichert und die Mitglieder der Expedition fuhren nach Kingsbay, um Benzin zu holen. Ein anderes Flugzeug, außer den unsrigen, hatte die Beanspruchung nicht überdauert.

Ihre besondere Konstruktion machte sie für unsere Zwecke brauchbar. Die Rolls-Roys-Ma- chinen erwarben sich schon in den er- ten Stunden unser Vertrauen. Sie haben uns während des ganzen Fluges, auch ohne die Möglichkeit zu landen, keine Sorgen gemacht.

Bei der

Ankunft Amundsens

in Kings-Bay spielte sich eine dramatische Szene ab. Es hatte sich eine großen Menschenmenge auf dem Quai versammelt, die eigentlich die Abfahrt der Heimdal" beobachten wollten, als plötzlich durch den Nebel der norwegische RobbenfängerSjoe- liv" in den Hafen einfuhr. An Deck wurden viele Menschen beobachtet. Plötzlich rief jemand an Bord der Heimdal

Das ist Amundsen!

Der Forscher wurde mitlebhaftenHurra- Rufen von Bord des Schiffes begrüßt. Amundsen erzählte, daß die Besatzung der beiden Flugzeuge lange Zeit voneinander getrennt waren. Während dieser Zeit hat Elle sw o rth Dietrich, sen und Ommal vom Tode des Ertrinkens gerettet, während Amundsen und seine Beglei­ter auf der anderen Seite der Straße im Eise lagen.

zwar die Hilferufe vernahmen, jedoch mit dem Faltboot nicht hinübersetzen konnten.

Amundsens Bericht.

Berlin, 19. Juni. (TA.) Der erste Bericht Amun'.sns van B rd betHeimdal" aus Spitzen­bergen über dm Flug lautet:

Rach unsere: Fahrt am 2,1. Mai verließen wir mit den beiden Flugmaschinen Kingsbay um 5 Uhr nachmittags. Aus dem Wege nach den Amsterdam-Inseln erprobten wir die Festigkeit der beiden Flugzeuge und die Probe v.rlies befriedigend. Daher setzten wir planmäßig unsere Fahrt fort.

Bei Sydgat kamen wir in einen Rebel, über den wir hinwegflogen, wobei wir auf 3100 Fuß empörstiegen und während der Rächt_ 2 Stunden nur mit Hilfe von Sonnen-Kompassen den Weg nehmen konnten.

W'r flogen beständig oberhalb des Nebels, aus dem wir erst um 8 Ußr herauskamen. Wäh­rend des übrigen Teiles der Flugreise war die Sicht ausgezeichnet. Hm 10 Uhr abends ergaben unsere Beobachtungen, daß wir übermäßig west­lichen Kurs gmrmmen hatten. Wir nahmen nun unseren Kurs mchr nach Osten, bis wir um 1 Ußr früh am 22. Mai feststellten, daß wir die

Halste unseres Benzinborrates verbraucht hatten. Daher entschlossen wir uns, den Versuch zur Landung zu machen, um endgültig unsere Lage festzustellen und die Aussichten für den weiteren Flug zu klären. Wir befanden uns gerade oberhalb einer großen Wasserrinne, der ersten von freier Größe, der wir begegneten. Wir ließen uns auf das Wasser herab. Unsere Befürchtungen wegen der Landung erwiesen sich nicht als unbegründet. Unmittelbar nach Landung wurde

das Flugzeug Ellesworths zwischen den Eis­massen eingeschlossen und während wir ver­suchten, den Apparat wieder frei zu be­kommen, fror die Cisrlnne wieder zu.

Ebenso erging es meinem Flugzeug. Unsere Beobachtungen während der Rächt stellten nun unsere Position mit 77° 44' nördlicher Breite und 10° 20' westlicher Länge fest, so daß die Entfer­nung, die wir während der 8 Stunden erreicht hatten, genau 1000 Kilometer betrug, unsere Durchschnittsgeschwindigkeit. war also 150 Stundenkilometer. Der Gegen­wind hatte uns demnach um 200 Kilometer zurück- gebracht.

Wir nahmen zwei Lotungen vor, die ergaben, baß das Meer unter uns eine Tiefe von 3750 Meter hatte. An den folgenden Tagen studierten wir nun die Einzelheiten der Strömung, beob­achteten magnetische Abweichungen und stellten metereologische Untersuchungen an.

Während des Fluges hatten wir nach Ror- ben hin ein Gebiet von 100 000 Quadratkilo­metern überschauen können, bas sich bis un­gefähr 88°, 50 nörblicher Breite erstreckt, ohne baß auch nur geringe Anzeichen für Land Vor­gelegen hätten. In Anbetracht bet durch unsere Lotungen festgestellten Tiefe halten wir es für höchstwahrscheinlich, baß auf biefer europäischen Seite ' des arktischen Meeres auch weiter nördlichFich kein Land befinbet

Es versteht sich endlich von selbst, baß Frank­reich, wenn die Bereinigten Staaten von Amerika einem so verwirklichten Abkommen bei­treten zu können glauben, die Beteiligung des großen amerikanischen Volkes an diesem Werke des allgemeinen Friedens und der Sicherheit nur begrüßen könnte.

Das sind Hauptpunkte, hinsichtlich deren es notwendig schien, die Ansicht der deutschen Regie­rung genau kennen zu lernen. Die französische Regierung würde es begrüßen, hierauf eine Ant­wort zu erhalten, die es gestattet, in eine Verhandlung einzutreten, deren Ziel der Abschluß von Abkommen ist, die eine neue wirk­same Friedensgarantie bilden.

Ein französisches Blaubuch.

Paris, 18. Juni. (WTD.) Die französische Regierung veröffentlicht heute abend ein Blau­buch, in dem sie neun Roten wiedergibt, fre seit dem 9. Februar zwischen der französi­schen und der deutschen Regierung einerseits und der französischen und der englischen Regie­rung andererseits ausgetauscht worden sind.

Das erste Dokument ist das am 9. Februar von Botschafter v. Hvesch Ministerpräsident H e r r i o t überreichte Memorandum, in dem der deutsche Paktvorschlag erläutert wird. Das zweite ist die Empfangsbestätigung, die der damalige Minister für auswärtige Angelegenheiten am 20. Februar dem deutschen Botschafter in Paris zugestellt hat. Don da ab bis zum 12. Mai haben infolge der französischen Ministerkrise keine Ver­handlungen mit der englischen Regierung statt- gefunden. Erst an diesem Tage hat Driand durch den französischen Botschafter in London ein Memorandum überreichen lassen, das den Entwurf einer Antwortnote auf das deutsche Memorandum darftellt.

Keine Verhältniswahlen.

Paris, 18. Juni. (WTD.) Die Kammer hat in ihrer heutigen Sitzung sich mit der Frage der Umgestaltung des Wahlrechtes beschäf­tigt. Nach einem Berichte des Abg. R e n a u d e l über den Beschluß des Gesetzgebungsausschusses hat die Kammer den Antrag, welcher lautet:um ein System, begründet auf der Verhältniswahl, durch­zuführen", mit 296 gegen 265 Stimmen abge­lehnt. Damit dürfte dem radikalen Antrag auf Wiedereinführung der Arrondissementswahlen der Weg geebnet sein.

Die Krise im ftanzösischen Linksblock.

Paris, 18. Juni. (WTB.) Die sozialistische Kammerfraktion, die bereits gestern vormittag über ihre Stellungnahme zum Kabinett Painleve ver­handelte, ist gestern abend um 9 Uhr wiederum zu einer Beratung zusammengetreten, an der auch 17 Mitglieder des Derwaltungsrates der Partei teil- nahmen. Einige Redner erklärten, man müsse einer Politik, die die Partei kompromittiere, ein Ende setzen, die, wenn fte aufrechterhalten wurde, unter den gegenwärtigen Umständen selbst die Existenz der ' Partei in Frage stellen werde. Andere Redner wieder

erklärten, bevor man eine so ernste Entscheidung treffe, sei es notwendig, eine Vollsitzung der Mitglieder des Kartells der Linken einzuberufen, in deren Verlauf jede Partei ihre Ansichten kund- geben könne.

Da noch 11 Redner zum Wort gemeldet waren, wurde Vertagung beschloßen. Nach demMattn" scheint sich aus der Aussprache von heute zu er- geben, daß die Mehrheit der Fraktion nicht die Verantwortung für einen Bruch mit dem Kartell übernehmen will.

Die Marokkokonferenz.

Paris, 18. Ium. (WTB.) Wie Havas aus Madrid meldet, hat eine Sitzung der franzö­sisch-spanischen Marokkokonferenz gestern nachmittag stattgefunden. Nach dem ausge­gebenen offiziellen CommuniquL hat General 3 o r= dana auf Vorschlag der französischen Delegation den V o r s i tz der Konferenz übernommen. Die erste Frage, die auf die Tagesordnung gesetzt wurde, ist die Ueberwachuna und Unterdrückung des Waf­fenschmuggels von der Seeseite her.

Die chinesische Sphinx.

Schanghai, 18. Juni. (Wolff.) Reuter. Der Pekinger Berichterstatter der halbamtlichen japani­schen Nachrichtenagentur meldet, daß 16 Vertreter der führenden Organisationen heute im Kriegsmini- fterium folgende Forderungen vorgelegt haben:

1. Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit Großbritannien,

2. Entsendung von chinesischen Truppen nach allen Handelshäfen zum Schutze der chinesischen Einwohner,

3. Kriegserklärung an Großbritannien.

Der Minister erwiderte, die beste Politik würde fein, wenn man sich aus friedliche patriotische Be­tätigung beschränke und abwarte, bis die Ausländer zur Besinnung kommen würden. Aber wenn es zum schlimmsten komme, so werde die Regierung nicht gegen die Erwartungen des chinesischen Volkes handeln.

Tschangtsolin auf dem Marsch nach Peking.

Paris, 18. Juni. (WTB.) Eine imMa- tin" veröffentlichte Meldung aus Peking besagt, daß Tschangtsolin an der Spitze einer Armee von 13 000 Mann nach Peking marschiere, um die Stadt zu befreien. Seine Vortrupen seien gestern östlich von Feng-Tschao angefommen. Tschangtsolin Hobe angekündigt, fein Ziel sei, die Truppen Feng Ju-shiangs durch seine Truppe zu ersetzen, um die Ausländer, wie die Regierung es fordere, zu beschützen.

Es sind Anzeichen vorhanden, daß die Derhand- lungen einen befriedigenden Verlauf nehmen, der selbst in der Beseitigung bedeutungsloser und an­züglicher Forderungen zum Ausdruck komme. Offen­bar besteht nicht die Absicht, eine endgültige Verein­barung zu erreichen, aber eine befriedigende Lösung scheine möglich, die der Zustimmung der chinesischen Regierung und der auswärtigen Mächte bedürfen würde.

Verlobung im italienischen Königshaus?.

Rom, 19. Juni. (TU.) DieTribuna" berichtet in einer Sonderausgabe, daß bei dem gestrigen Gartenfest in der königlichen Villa Savoya die Ver» lobung der Prinzessin M a l f a d a , der zweiten Tochter des Königs, mit dem Landgrafen Phi, lipp von Hessen bekanntgegeben wurde.

Deutscher Reichstag.

Berlin, 18. Juni. Das Haus fährt in der Beratung des Haushalts des Reichsmini- fteriums des Innern fort mit den Kapiteln Reichskommissariat für die öffentliche Ordnung, Polizei und Technische Nothilse. Mit der Beratung wird ein Antrag Müller-Franken verbunden, der sich mit dem bayerischen Ausnahmezustand be­schäftigt.

Abg Vogel (Soz.) wendet sich stark gegen d^n bayerischen Ausnahmezustand, der in überaus par­teilicher Weise gehandhabt werde.

Abg. Dr. v. D r y a n d e r (Dntl.) betont zu dem Etatkapttel Polizei, daß das Reich, abgesehen von dem Reichswssserschutz, keine eigene Exekutive habe. Man müsse fordern, daß die Reichsgewalt Einfluß auf die Handhabung der Polizeigewalt der Länder habe, schon um die erforderliche Einheitlichkeit auf diesem Gebiete herzustellen.

Abg. Eichhorn (Komm.) fordert u. a. Ent­waffnung der Schutzpolizei, Aufhebung der Kaser­nierung und Beseitigung des Schutzpolizeigesetzes.

Abg. Berndt (Dntl.) erklärt unter lebhaften Zwischenrufen, daß die Ausführungen des kommu­nistischen Sprechers der Entente für ihre Entwaff­nungsforderungen neue Anhaltspunkte gegeben hätten. Eine Beseitigung der Technischen Not­hilfe könne nicht in Frage kommen, weil die Not­hilfe keine Streikbrechergarde sei, als die sie oft be­zeichnet würde. Die Technische Nochilse fei eine wirtschaftliche und politisch neutrale Einrichtung, die in großer Gefahr in nicht we­niger als 4054 Fällen in lebenswichtigen Betrieben eingesetzt worden sei, wofür ihr der Dank der Nation gebühre.

Staatssekretär Zweigert dankt dem Vor­redner für seine warmen Worte für die Technische Not Hilfe und bittet, die im Reichshaushaltsausschuß vorgenommene Streichung eines Teils der Mittel für die Technische Nothilse nicht zu genehmigen. Zu dem sozialdemokratischen Antrag wegen des baye­rischen Ausnahmezustandes erklärt der Redner, daß die Regierung noch nicht in der Lage gewesen sei, sich deswegen mit der bayerischen Regierung zu oerftänbigen. Die Regierung behalte sich daher ihre Stellungnahme zu dem Antrag noch vor.

2lbg. Kroß (Z.): Die Länderhoheit in den Fragen der Polizei dürfe nicht geschmälert werden Das Recht der Organisation sei den Polizeibeamten nicht zu nehmen. Die Bildung politischer Sonder- gruppen müsse aber unterbunden werden, damit die Neutralität der Polizei gewahrt werde.

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Hessischer Landtag.

Darmstadt, 18. Juni. (Eig. Bericht.) Zu Beginn der Sitzung ist das Haus schwach besucht. Am Regierungstische die Minister Henrich und Raab. Präsident Adelung eröffnet die Sitzung um 9£ Uhr.

Zunächst stellt Abg. W e ck l e r eine Kleine An­frage, in der Beschwerden gegen die Oberwefer A. G., die in Oberhessen eine Hochspann­leitung legt, Dorgebradjt werden. Die Oberweser A. G. zwinge die Bewoyner verschiedener Gegen­den zu Geländeabtretungen. Ein Regie­rungsoertreter erwidert, daß die Hochspannleitung gelegt wird, um eine Verbindung des Wer­kes von Wölfe rs heim mit dem preußi­schen Stromnetz der Oberweser A G herzu- stellen Diese habe kein Enteignungsrecht. Im Be- darfsfall könne jedoch zur Enteignung geschritten werden. Die Regierung wäre bereit, um Betei­ligte vor Ueberoorteilung zu schützen.

Das Haus tritt hierauf in die Beratung des Staatsvoranschlags ein.

Abg. Blank (Z.) pflichtet in seiner Schilde­rung der wirtschafllichen Lage den vorgestrigen Aus­führungen des Abg. Scholz bei. Die ßanbroirt- schaftskammer stehe vollständig unter dem Einfluß des Bauernbundes. Hierauf werden verschiedene Fragen des Weinbaus erörtert. Bei Besprechung des Fortbildungswesens auf dem Land erklärte der Redner, daß dies viel Mißstimmung er­zeuge.

Abg. Glaser (Bbd.) beschwert sich, daß Abg. Dr. Leuchtgens fortwährend von Ministern und Mitgliedern des Hauses.angegrifefn werde. Er er­hebt ferner Einspruch gegen Zwischenrufe im Hause, daß die Bauernbundfraktion keine Bauern in ihren Reihen habe. Richtig sei, daß die Fraktton sechs praktische Landwirte zähle (Un­ruhe bei der Linken). Sagen Sie (zu den Sozial- demokraten gewendet), wieviele Arbeiter Sie in Ihren Reihen haben, wahrscheinlich nicht einmal zwei. (Verlegenes Schweigen.) Die weiteren Aus­führungen des Redners werden durch lärmende Zwi- kchenru^e umerbrochen. Die weiteren Darlegungen des Redners beziehen sich auf die Ersparungsantrage des Bauernbundes.

Um 11 Uhr tritt eine aPuse ein.

Rach Wiederaufnahme der Verhandlungen fordert Abg. Frl. Virnbaum in einer Kleinen Anfrage, daß höhere Iustizbeamte zum 6tub" der polizeitechnischen Ausstellung nach Karlsruhe gesandt würden. Don der Regierung wird erwidert, daß neun Staats­anwälte zu diesem Zweck Urlaub erhielten. Wei­tere Mittel ständen aber nicht zur Verfügung.

In der Dann fortgesetzten Beratung des Staatshaushalts erklärt Abg. Schott (D. Dpt.), die Aussprache habe ergeben, daß sich die Par­teien der Rechten und Linken bis jetzt noch nicht näher getreten sind . Der Minister habe, trotz früheren Ersuckens, den Voranschlag nicht recht- izeitig fertiggefteHt. Der hessische Landgemeinde­tag habe bereits erklärt, daß die Gemeinden nicht in der Lage seien, weitere Beiträge zum Staats­haushalt beizusteuern. Der Städtetag habe eben­falls erklärt, Daß er zur MinDerung Des Desizits von acht Millionen nichts beitragen könne. Wenn wir jetzt gegen Den Etat stimmen, so tun wir es, um einem späteren Ruin vorzubeugen.

Wettervoraussage.

Bedeckt, kühl, vereinzelt Riederschläge, nörd­liche Winde.

Die Lage ist auch heute wenig verändert. Das Tief ist im Abziehen begriffen. Bei nörd­lichen Winden hält die kalte Witterung vor­läufig noch an.