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Nr. 141 Erft« Blast

115. Jahrgang

Zreitag, 19. Zuni 1925

Erscheint täglich, außer Sonn» und Feiertag».

Beilagen:

ViestenerFom i li en b lätter Heimat im Bild.

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2 Goldmark u. 20 Gold- Pfennig für TrSgerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Fernsprech'Anschlüsse: Schriftleitung 112, Der- lagundDeschästsstelle51. Anschrift für Drahtnach­richten: Anzeiger-letzen.

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SietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

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Iahrtausendfeier am Rhein.

Der Reichskanzler schloß unter lebhaftem Bei­fall mit einem Hoch auf die Rheinlande.

Schon an der Rede des Oberbürgermeisters Dr. Jarres mar die wiederholte Betonung der Serbin-

Düsseldorf, 18. Juni. (WTB.) Unter großer Beteiligung der Reichs», Staats» und Kom­munalbehörden. des Reichstags, des Landtags, der Regierungen der Länder, der Kirchen sowie her­vorragender Vertreter des geistigen Lebens und der Wirtschaft veranstaltete der R y e l n i s ch e Pro- vinziallandtag aus Anlaß der Jahrtausend- feier der Rheinlande einen offiziellen Festakt. Als erster Redner sprach Oberbürgermeister Dr. Jarres.

Er begrüßte die erschienenen Gäste, insbeson­dere die Vertreter der Reichs- und Staatsregierung und der Kirche. Den preußischen Ministerpräsi­denten Braun bat er, überzeugt zu fein, daß mit dem Treubekenntnis der Rheinländer zum Reich auch die Treuverpflichtung zum preußischen Staate verbunden fei. Der Redner ging bann auf den Sinn bet Jahrtaufenbfeier ein. Es wirb mit ihr, so führte er aus, bie Erinnerung an das Jahr 925 wachgerufen, in welchem das un­natürliche Zwischenreich Lotharingien dauernd mit dem deutschen Ostreiche verbunden wurde. Damit begann für die Rheinlands die glückliche Zeit einer ununterbrochenen Verbindung mit dem rechts, rheinischen Deutschland. Was national schon seit langen Zeiten deutsch war, wurde nunmehr auch staatsrechtlich verbunden und damit das Deutsche Reich selbst ermöglicht und für seine weltgeschicht­liche Aufgabe gefestigt. Die alte Idee von dem Weltreich der karolingischen Dy­nastie machte dem klaren Begriffe eines deutschen Volks ft aaies Platz. Hier am Rhein war nun Jahrhunderte hindurch das Kerngebiei Deutschlands. Das Verständnis für diese Vergangenheit und für die unlösliche Verbunden­heit des Rheines mit dem übrigen Deutschland, da- für, daß wir uns selbst aufgeben würden, wenn wir die Verbindung mit dem Reiche oder dem preu­ßischen Staate lockerten, soll auch die Jahrtausen­feier bringen. W i r fordern auch heute in­mitten der Trübsal fremder Besetzung vor aller Welt unser Recht.

Die furchtbaren Bedingungen des Friedens- nertrages müssen und wollen wir für das Vaterland tragen, aber wir verlangen zu den festgelegten Fristen unsere Freiheit. Sie aber, verehrte Gäste, so schloß der Redner, bitte ich, das Bewußtsein mit heimzunehmen, daß hier am Rhein ein starkes Ge- schlecht wohnt. Schwere Leiden liegen noch vor uns, wir wollen sie zwingen. Bitte erheben Sie sich von Ihren Plätzen und rufen Sie mit mir aus:

Unserem Volke, unserem Vaterlanbe rheinische Treue allezeit! Unser geliebtes deutsches Vater­land hoch!"

Darauf ergriff

Reichskanzler Dr. Luther

bas Wort zu folgenben Ausführungen:

Im besonderen Auftrage des Herrn Reichs- Präsidenten habe ich die Ehre, Ihnen folgende volfchafl des Herrn Reichspräsidenten

an die rheinische Bevölkerung zu überbringen:

Den Brüdern und Schwestern am deutschen Rhein entbiete ich den Gruß des Reichs zur Taufcnb- jahrfeier! Der Gedanke, die laufendjähriae Zuge­hörigkeit des Rheinlandes zum Deutschen Reich fest­lich zu begehen, ist im kreise der rheinischen Bevöl­kerung entstanden. In all diesen Erinnerungsfeienl fühlt sich das gegenwärtige Geschlecht als verant­wortlicher Träger einer großen Ver­gangenheit. Die ganze lebendige Kraft, die heute das Rheinland in wirtschaft und Kultur ent­faltet, gründet sich auf die Leistungen der Borfahren während eines Zeitraumes, der länger als ein Iahr- faufenb gewährt hat. In all dieser Zeit Hal das Rheinland als Grenzmark immer wieder die Stürme der Weltgeschichte über sich hinbransen lassen müssen So ist das Volk entstanden, das trotz aller hingal'c an die Güter der Kultur und an eine gesunde Fröh­lichkeit den echten vaterländischen Ernst und die vu!l- tischc Stärke in sich entwickelt hat, die auch die schwe­ren Röte der Gegenwart zu bestehen vermag.

Kraftvoll und treu hat das Rheinland in schwe­ren Tagen an feiner geschichtlich gewordenen Ver­bindung mit Preußen, an feinem

Zusammenhang mit dem großen deutschen Vaterlande

scstgehalten. Das ganze deutsche Volk dankt den Rheinländern für diese Ausdauer und diese Hin­gabe an die große Sache des Vaterlandes. Bleiben olle Deutschen diesen Tugenden getreu, dann wird - dos ist mein unerschütterlicher Glaube die heilige Stunde der Freiheit bald für die Rhei.i- lanbe schlagen. Wir geloben alle, daß mir nicht rasten werden, bis biefes Ziel erreicht ist. Golt der in der Vergangenheit bei schwerster Bedruckung immer wieder geholfen hat, wird auch biefesmal helfen 1

Dieser Kundgebung des Herrn Reichspräsi- denten schließe ich die aufrichtigsten Grüße der gesamten Reichsregierung zur Jahr- tausendfeier der Rheinlande an. 3n eigener Sache bemerke ich dazu, daß ich es auf das lebhafteste bedauere, an der Fahrt stromaufwärts über Köln nach Koblenz nicht teilnehmen zu können. Die innen- und außenpolitischen Arbeiten der Reichs- reglerung haben indessen zur Zeit ein solches Ausmaß erreicht, daß ich mich unter Zustimmung des gesamten Reichskabinetts schweren Herzens entschließen muhte, schon heute abend die Rückkehr in die Hauptstadt anzutreten. Wenn so die Ver­tretung der Reichsregierung in den beiden kom­menden Tagen auch nicht vom Reichskanzler per­sönlich wird ausgeübt werden können, so werden doch meine Gedanken und meine herzlichen

Wünsche an diesen Lagen noch mehr als sonst bei der rheinischen Bevölkerung verweilen.

Die

Rückschau auf die tausend Jahre rheinischer Geschichte,

deren Ablauf heute festlich begangen wird, be­zeigt den bewundernswerten Aufstieg in allen schöpferischen Leistungen von Kultur und Wissen­schaft. Das heutige Ergebnis dieses hingebungs­vollen und reichen Lebens vieler Geschlechter vor uns. verbunden mit dem zähen, starken Drang der mitlebenden Menschen, hat

auf rheinischem Boden den Brennpunkt deut­schen Lebens von größter Leuchtkraft

geschaffen. Jetzt an dieser Jahrtausendwende der rheinischen Geschichte lastet aus dem Rheinlande die ganze Schwere einer fremd enDesatzung. Die Politik der Reichsregierung demgegenüber ist durch die Ratur der Dinge klar vorgezeichnet. Sie zielt dahin,

dem Rheinland die Freiheit

und ganz Deutschland und ganz Europa den wirk­lichen Frieden zu vermitteln. Für die rheinischen Gebiete, die außerhalb des Vertrages von Ver­sailles beseht sind, ist auf der Londoner Konferenz eine klare und endgültige Regelung zustande gekommen. Die Ministerpräsidenten von Frankreich und Belgien haben durch Dries vom 16. August 1924 an den deutschen Reichs­kanzler erklärt:

Wenn die in London zur Inkraftsetzung des Sachverständigenplanes frei vereinbarten Ab­machungen in dem Geiste der Loyalität und Friedfertigkeit ausgeführt werden, der die Ver­handlungen der Konferenz beseelt hat, so wird innerhalb einer Höchstfrist von einem Jahr, vom Tage des Brieses ab gerechnet, die militä­rische Räumung des Ruhrgebietes vorgenommen. Daneben ist mit beiden Minister­präsidenten bindend festgelegt worden, daß auch die Städte Düsseldorf und Duisburg, also das gesamte sogenannte Sanktionsgebiet, mit der abschließenden Räumung des Ruhr- gebietes geräumt wird. Da des weiteren in der Anlage II zur Rote über die Voraussetzungen zur Räumung der nördlichen Rheinlandzone vom 4. Juni 1925, der sogenannten Entwaffnungs­note, die Erklärung der Reparationskommiffion mitteilt, wonach Deutschland feine Verpflichtungen aus dem Londoner Pakt ordnungsgemäß erfüllt hat, so kann keinerlei Zweifel bestehen, daß wenigstens das seit 11. Januar 1923 besetzte

Ruhrgebiet und b?c Städte Düsseldorf und Duisburg spätestens am 16. August 1925 geräumt werden.

Der Standpunkt der Reicksregie- rung, daß diese Zone gemäß den Vorschriften des Versailler Vertrages am 10. Januar 1925 hätte geräumt werden müssen, ist unveränderlich.

Die schon erwähnte

Note,

die nach vielen Verzögerungen endlich am 4. Juni eintraf, beweist meines Erachtens geradezu, daß die Entwaffnung Deutschlands tat­sächlich durchgeführt ist. Tlnbe'a: enc Aeußerungen berufener Ausländer haben dieses Urteil bestätigt. Wenn in der Rote z. B. mit» geteilt wird, daß über 33 000 Kanonen aus- geliefert oder zerstört worden sind, und wenn dann beanstandet wird, daß eine kleine Anzahl der uns belassenen Geschütze nicht auf ortsfesten Lafetten montiert ist, so zeigen solche Vergleiche, die sich beliebig vermehren lasten, auf das deut­lichste, wie geringfügig gewisse Rückstände in der örtlichen Erfüllung einzelner Bestimmun­gen sind.

Eine nur einigermaßen der Billigkeit ent­sprechende Begründung für die fchwereuMah- nahmen der llitträumung der ersten Rhein­landzone kann in solchen Rückständen wirk­lich nicht gefunden werden.

Völlig unbegreiflich und mit jeder objektiven Würdigung der Tatsachen im Widerspruch ist ferner die Behauptung der Rote, daß die Ge­samtheit der Verstöße Deutschlands, falls nicht schnell Abhilfe geschaffen werde, der deutschen Regierung späterhin wieder die Aufstellung eines einheitlichen, den Gedanken eines Volkes in Waffen verwirklichenden Heeres ermöglichen werde. Selbstverständlich würden gleichwohl allen restlichen Ausführungen, die sich als solche erweisen, auf das schleunigste nach- gekommen werden. Andererseits muß aus­gesprochen werden, daß Forderungen, deren Be­gründung im geltenden Recht sich nicht als er­geben erweisen, oder die über den genehmigten Zustand hinausgehen, nicht anerkannt werden können. Manche Forderungen sind uns unver­ständlich oder betreffen nicht den Zustand unserer Entwaffnung, sondern sind geeignet, unsere wirt­schaftliche Leistungsfähigkeit sehr schwer zu schä­digen. Für noch andere Forderungen behält sich die Rote selbst die abschließenden Mittel vor. Rach allen diesen Richtungen wird die Reichs­regierung, sobald die Prüfung der Rote ab­geschlossen ist, ohne jeden Verzug mit den alliier­ten Regierungen in Verbindung treten. Wenn so die Reichsregierung alles tun wird, was in ihrer Kraft steht, um die Räumung der nörd­lichen Rheinlandzone herbeizusühren, so wird ihr darüber hinaus die noch größere Auf­gabe bleiben, den schweren Druck, der auf dem gesamten zu Deutschland gehörenden Rheinlande lastet, soweit als irgend möglich zu lindern. Dies Endziel aller dieser Bestrebungen muß

die Herbeiführung einer Freiheit sein, die eine wirtliche Freiheit ist.

Die Rheinlande müssen überhaupt davon erlöst werden, daß sie immer wieder ,wie es in der Geschichte der Fall gewesen war, als Grenz­mark bedrängt wird. Wird dies erreicht, dieses große Ziel, und ein Weg $ur Lösung gefunden, so würde damit auch zugleich der Weg eröffnet sein, der zur Beseitigung des jetzt auf dem Rhein­lande lastenden Druckes führt.

Die von der französischen Regierung vorgestern der deutschen Regierung überreichte Note über die

Frage des Sicherheilspaktes

wird nach einer Vereinbarung mit den alliierten Re­gierungen erst morgen früh veröffentlicht. Zugleich sollen von Frankreich und England ergänzende U r- künden veröffentlicht werden, deren Kenntnis zum vollen Verständnis der französischen Note von befonderem Wert sein dürste. Die deutsche Regie­rung wird die Note mit dem ganzen Ernst, die ihre Bedeutung erheischt, prüfen. Angesichts unseres bis­herigen Vorgehens in der Sicherheitsfrage brauche ich nicht besonders zu betonen, daß in gleicher Weise, wie es die französische Regierung in den Schluß- warten der Note ausspricht, die deutsche Regierung es begrüßen mürbe,roenn Verhandlungen in Gong kamen, deren Ziel der Abschluß von Verein­barungen ist, die eine wirkliche Friedensge­währ darstellen. Dem Rheinlande würde neben dem gesamten Vaterland in erster Linie der Vorteil einer solchen Regelung zugute kommen. Noch aber leidet Europa tief unter der Tatsache, daß das alte System eines allgemeinen Gleichgewichts der Kräfte zwar beseitigt ist. daß aber das vom Versailler Ver­trag in Aussicht gestellte neue System einer allgemeinen Abrüstung noch nicht durchgeführt ist. Der bestehende Zustand wird von der U n 1 o g i k beherrscht, daß das neue System nur a u f Deutschland und einige andere Staaten in Anwendung gebracht ist, dagegen das alte System einer Ausnutzung der vorhandenen Wehrfähigkeit bet den mächtigsten Staaten weiter­besteht.

Solange das große Problem der Abrüstung nicht allgemein und glcichmtzßig für alle Staaten gelöst ist, wird ein vollständiges, die gesamte kulturwelt umfassendes Friedenssystem nicht möglich sein.

Deutschlands Ziel ist lauter und aufrichtig. Deutschland wird immer das Seine tun, um auf dem Wege gerechter Vereinbarungen einen Zustand in Europa herzustellen, auf dem ein Zusammen­leben der europäischen Völker nach den Grund­sätzen der Vernunft und der Gleich­berechtigung möglich ist. Gelingt eine solche allgemeine Lösung, so wird dies ein glückverheißen­des Vorzeichen für das nächste Jahrtausend deutscher Geschichte auf rheinischem Boden sein

düng des Rheinlandes mit Preußen bemerkenswert gewesen: es war natürlich, daß der preußische

Ministerpräsident Braun diesen Zusammenhang in den Mittelpunkt seiner ge­samten Ausführungen stellte.

Nachdem er den Brüdern aus dem Saar- g c b i e t einen besonderen Gruß und die Mahnung zu unerschütterlicher Standhaftigkeit zugerusen hatte, fprad) er den Rheinländern den Dank der preußischen Regierung aus für bas, was sie für den preußischen Staat geleistet haben. Er hob her­vor, daß das rheinische Volk immer ein freiheit­liebendes Volk gewesen sei, daß hier die Wiege vieler führender deutscher Manner gestanden habe, die von echt sozialem und fortschrittlichem Geist be­seelt waren: als Beispiele nannte er Görres, Engen Richter, Karl Marx, Bebel, Raiffeisen, Kolping und Trimbom. In den letzten Jahren, so führte der Minister weiter aus, habe das rheinische Volk see­lisch und wirtschaftlich unermeßliche Not auf sich genommen; es sei deshalb um so notwendiger ge­wesen den Einfluß des Rheinlandes im politischen Leben Preußens maß- geblich zur Geltung zu bringen und auch im Rheinl mbe selbst einen Wechsel in der Besetzung der letzenden Stellen vorzunehmen.

Heute sei die überwiegende Mehrheit der leiten­den deutschen Beamten der Provinz Rheinländer; in der preußischen Regierung seien heute wichtige Posten. d"ven die Bearbeitung der Angelegenheiten des Westen, obliegt, mit Rheinländern besetzt. Diese Entwicklung bedeute eine bewußte Bejahung der völligen Entfaltungsfreiheit der alten kulturellen Kräfte des Rheinlandes. Der Minister rühmte so- bann die Tatkraft der rheinischen Wirtschaft, her Unternehmer und der Arbeiter; er sprach insbeson­dere den Bergarbeitern Dank für ihre gefahr­volle Arbeit aus und gedachte dabei der furchtbaren Grubenkataftrophen der letzten Zeit. Die preußische Regierung erneuere ihre Erklärung der Bereitschaft, alles zu tun, um diese Unglücksfälle zu vermindern. Mit warmer Anerkennung sprach der Minister von der starken Befruchtung, die das deutsche geistige Leben durch die unvergleichliche Kultur des Rheinlandes erfahren habe. Er schloß mit dem Ruse, in welchem sich die gesamte preußische Bevöl­kerung diesseits und jenseits des Rheins einig wisse:

Möge das rheinische Volk bald wieder ein völlig freies Volk fein'

Es folgte der Vortrag symphonischer Dich­tungen, Präludien von Liszt, worauf der

Landeshauptmann der Provinz Dr. horion die Schlußrede hielt. Er gab noch einmal dem Ge- danken der immerwährenden Einheit von Reich und Rhein Ausdruck, der in dieser Feier auf das eindrucksvollste bekundet worden fei.

Die Sicherheitsnoten.

Briands Antwort.

Gleichzeitig mit dem Wortlaut der Rote Briands an die deutsche Re­gierung wird der Wortlaut des Me­mo r a n d u m s der Relchsr^gicrung vom 9. Februar bekannt. Wir gob.n die Doku­mente der Reihenfolge ihrer Entstehung nach:

Das deutsche Memorandum.

Berlin, 18. Juni. (Wolff.) Das deutsche Memorandum vom 9. Februar hat folgenden Wortlaut:

Bei der Erwägung der verschiedenen Möglich­keiten, die sich gegenwärtig für die Regelung der Sicherheitsfrage bieten, könnte man von einem ähnlichen Gedanken ausgehen, wie er den im Dezember 1922 von dem bamaliaen deutschen Reichs­kanzler Cuno gemachten Vorschlägen zugrunde lag. Deutschland könne sich z. V. mit einem Palte einver­standen erklären, tn dem sich bie am Rhein interessierten Mächte, vor allem England, Frankreich, Italien und Deutschland, feierlich für eine näher zu vereinbarende längere Periode zu treuen Händen der Regierung der Vereinigten Staa­ten von Amerika verpflichten, keinen Krieg gegeneinander zu führen.

Mit einem solchen Pakte könnte ein weitgehen­der Schiedsvertrag zwischen Deutsch­land und Frankreich verbunden werden, wie er in den letzten Jahren zwischen verschiedenen europäischen Mächten abgeschlossen worden ist.

Zum Abschluß derartiger Schiedsoerträge, die die friedliche Anstrengung rechtlicher und politischer Konflikte sicherstellen, ist Deutschland auch gegen­über allen anderen Staaten bereit.

Für Deutschland wäre auch ein Pakt annehm­bar, der ausdrücklich den gegenwärtigen Be­sitzstand am Rhein garantiert Ein sol­cher Pakt könnte etwa dahin lauten, daß die am Rhein interessierten Staaten sich gegenseitig ver­pflichten, die Unversehrtheit des gegenwärtigen Be­sitzstandes am Rhein unverbrüchlich zu achten, daß sie ferner, und zwar sowohl gemeinsam als auch jeder Staat für sich (conjointement säparamment) die Erfüllung dieser Verpflichtung garantieren, und daß sie ferner jede Handlung, die der Verpflichtung zu­widerläuft, als gemeinsame eigene Angelegenheit ansehen würden.

Im gleichen Sinne könnten die Vertragsstaa­ten in diesem Pakt die Erfüllung der 'Ver­pflichtungen zur Entmilitarisierungdes Rheinlandes garantieren, die Deutschland in den Artikeln 42 und 43 des Vertrages von

Versailles übernommen hat. Auch mit einem der­artigen Pakt könnten Schiedsabreden der oben bezeichneten Art zwischen Deutschland und allen dej.nigm Stoatm verbunden werden, di. chrcr- seits zu solchen Abreden bereit sind

Den vorstehend angeführten Beispielen wer­den sich noch andere Lösungsmöglich­keiten anrrihm lassen Auch könnten d e bier n Beispielen gugrunbe liegenden Gedanken in der einen oder anderen Weise kombiniert werden.

Im übrigen wird zu erwägen sein ob es nicht ratsam ist. d n Sich Heils akt so zu ge halten, daß er eine alle Staaten umfassens. Jäclt» konven tion nach Ari des vom Völkerbund aufgestelltenProtoeole pour le rsglment paci- fique des difserends internationaux" vorbereitet und daß er im Falle des Zustandekommens einer solchen Weltkonvention von ihr absorbiert oder in sie hineingearbeitet wird.

Die französische gwischennote.

Berlin, 18. Juni. (WTB.) Auf bas beutsche Memorandum gab bie französische Reaierung un- term 20. Februar 1925 folgende Zwischenant - wort:

Die französische Regierung hat bas ihr am 9. Februar burch S. Exzellenz ben beutschen Bot- schafter überreichte Memorandum mit Interesse und mit dem Willen gelesen, nichts zu verabsäumen, was zum Frieden Europas und der Welt beitragen Fann. Die deutsche Regierung wirb verstehen, daß die Prüfung dieser Anregung nicht wei­tergeführt werden kann, ohne daß Frankreich seine Verbündeten damik befaßt, und sich mit ihnen ins Einvernehmen gesetzt hat, um im Rah­men des Vertrages von Versailles zur Schaffung eines Zustandes der Sicherheit zu gelangen.

Briands Antwort.

Berlin, 18 Juni. »WTB.) Die vorgestern überreichte französische Rote an Deutschland be­sagt:

Wie die französische Regierung die deutsche Regierung durch ihre Rote vom 20. Februar wissen lieh, hat sie gemeinsam mit ihren Alliierten die Anregungen des Memorandums geprüft, das ihr am 9 Februar durch den deutschen Bot­schafter v Hoesch überreicht wurde. Die fran­zösische Regierung und ihre Alliierten haben in dem Schritte der deutschen Regierung den Aus­druck von friedlichen Bestrebungen gesehen, die mit den ihrigen übereinstimmen.