lanbcr worden. Sic Abt«! urig en toctben für oie Aufrechterhaltung der Ordnung in den Aus- larrdSniederlassungen sorgen. Die Lage in den Niederlassungen ist normal. Doch werden in den Eingeborenenvierteln jeden Tag Plünderungen ausgeübt.
Das Ergebnis der baltischen Konferenz.
HelsingforS, 18. San. (WTB.) Die Konferenz der Außenrninist« von Finnland. Polen, Estland und Lettland beendete die Beratungen innerhalb des von der finnischen Regierung vorgesehenen Zeitraumes. Sn allen Fragen und ^nterhandlungspunkten ist eine älebereinstimmung erzielt worden. Hinsichtlich der Bemühungen des Völkerbundes um Durchführung des Schiedsgerichtssystems und der Abrüstung war die Konferenz in dem Wunsche zur Erziäung einer endgültigen und für alle Staaten ausreichenden Garantie einig und stimmte dem vom Völkerbund gemachten Vorschlag der Einberufung einer allgemeinen Konferenz zur Besprechung der Abrüstungsfrage bei. Die Konferenz beschloß ferner, die Aufmerksanlleit ihrer Regierungen darauf zu lenken, wie wünschenswert die Durchführung der auf der Warschauer Konferenz vom 14. Suli 1924 angeregten Bestimmungen über die kulturellen Veziehungen ihrer Länder wäre und chnen die Durchführung verschiedener Maßnahmen zur Entwicklung des Verkehrs, darunter Erleichterungen bet der Zollabferttgung und im Pahwesen, zu empfehlen. Die Konferenz unterzeichnete schließlich den von der Sachverständigenkonferenz vom 9. Dezember ausgearbeiteten Entwurf d«8 Schiedsgerichtsvertrages. Die nächste Konferenz findet in Reval statt.
Die Koalitionskrise in Hessen.
Darmstadt, 19. San. C£iL) Die demokratische Fraktion hat sich erneut f ü r di e kleine Koalition ausgesprochen. Sie fahle in ihrer gestrigen Sitzung folgenden De- fchluh: „Ster Landesvorstand der Deutschdemvkra- tischen Partei Hessens hat in feiner Sitzung vom 3. Sanuar im Einverständnis mit der Landtags- frattion sich zur Fortsetzung der lleinen Koalition in Hessen bekannt. Inzwischen hat die sozialdemokratische Fraktion beschlossen, keinesfalls ein« Erweit«ung der seitherigen Regie- rungskoalitivn zuzustimmen. Für die Landtagsfraktion der Deulschdemokratischen Partei besteht daher keine Veranlassung, sich von neuem mit der Frage zu befassen.
Steuerermäßigung in Vaden.
Karlsruhe, 18. Ian. (TU.) Dom badischen Staatsministerium ist bem badischen Landtage ein Gesetzentwurf über die Regelung des Staatshaushaltes für das Rechnungsjahr 1924 25 zugegangen. Der Gesetz-Entwurf bestimmt, daß für das Rechnungsjahr 24-25 auf die Grund - und Gewerbe st euer nur 7/s erhoben werden soll. 3n der DeMÜnbung heißt es, daß auf Ende März 1925 die Rechnung mit einem Restbeträge von 6 284 546 Mk. ab- schließen dürfte. Dieser Lieberschuß wird sich allerdings noch um den nach dem Finanzgeseh «vom 8. August 1924 verbleibenden ungedeckten Fehlbetrag von 4422896 Mk. vermindern. Sn diesem Sinne scheint eine Herabsetzung der Landes steuer möglich und vertretbar. 3n Betracht kommen nach Lage der Verhältnisse nur die Grund- und Gewerbesteuer. Dine Senkung der Gebüu besonder st euer fifrtne aus vebchiedenen Gründen n i ch t in Frage Zwirnen.
Als erster Bundesstaat ist damit Baden Mran gegangen, eine Herabsetzung der Landes» stxuer ins Auge zu fassen. Da der badische Staatshaushall erhebliche äleberschüsse aufweist, darf wohl damit gerechnet werden, daß der Landtag der Steuersenkung seine Zustimmung erteilen wird. Es wäre zu begrüßen, wenn auch in den übrigen Bundesstaaten in der gleichen Weise vorgegangen und im Reich endlich das Lastenausgleichsgesetz Wirklichkeit würde, um die Finanzwirtschaft von Reich und Ländern, die bisher darin gipfelte, möglichst große Lleberschüsse zu erzielen, auf eine neue Basis zu stellen. Besonders im Hinblick auf unsere Wirtschaft, die sich in ein« starken Kreditnot befind«, erscheint nicht nur eine Steuerreform, sondern auch eine planmä ßige Spars am keit in den Staatshaushalten angebracht.
Reichsgründungsseier in Wien.
Wien, 18. Son. (WTB.) Die deutsche Studentenschaft in Wien beging in Verbindung rn.it ein« Heldengedenkfeier in b« Llniversität die Fei« d« Gründ ung des Deutschen Reiches, an der als Ehrengäste u. a. der deutsche Gesandte Pfeiffer und in
Vertretung des Heeresministers d« Stadtkommandant von Wien teilnahmen. Vertreter verschiedener Studentenv«einigungen, darunter auch die der in Wien studierenden Reichsdeutschen, richteten unt« Hinweis auf die schwere Rot des deutschen Volkes Worte d« Mahnung an ihre Kameraden, wobei sie auch der Weiterbesetzung des Kölner und des Ruhrgebiets und der abgetretenen deutschen Landesteile gedachten. Rach der Feier zogen die Mit- glieder der deutschen Studentenschaft vor das Bundesministerium für Heerwesen, wo eine in nationalem Sinne gehaltene Entschließung verlesen wurde, welche den Mitgliedern der Re- gierung überreicht werden soll. Eine Abordnung b« deutschen Studentenschaft wurde in der deutschen Gesandtschaft vom Gesandten Pfeiffer empfangen.
Sechster Frontsoldatentag in Magdeburg.
Magdeburg, 18. San. (WB.) Der vom Stahlhelmbund veranstaltete 6. Frontsoldatenlag, b« zugleich als Reichsgründungsfei« gedacht war, hatte seinen Höhepunkt in Gedächtn is-> feiern. die nach dem Llmzug der Tellneh- m« anschließend an einen Gottesdienst in den vier größten Sälen der Stadt abgehalten wurden. Unter den Ehrengästen waren Admiral v. Scheer, General Sixt v. Arnim, Forstrat E s ch e r i ch , viele Offiziere des alten Heeres und zahlreiche Vertret« der Frontverbänbe. Die Festrede hielt der Bundesführer und Gründer des Stahlbundes S e l d t e, der die Ziele des „Stahlhelms" darlegte und wiederholt erklärte, daß d« „Stahlhelm" nicht daran denke, an d« Verfassung zu rütteln, sich vielmehr dem Staate und der Regierung zur Verfügung stelle. Lebhaften Beifall fand eine Ansprache des als Ehrengast erschienenen schwedischen Majors Alft r v e m , der des längeren ausführte, daß Europa ohne die deutsche Tatkraft nicht auskommen könne.
Nordmarkseier in Berlin.
Berlin. 18. San. (WTB.) Der Schleswig- Holsteiner Bund (B«lin) veranstaltete um x/?12 Uhr vormittags im großen Schauspielhaus «ne Rordmarkfeier. Rach dem Einzug ber Fahnen bet bem Schleswig-Holsteiner Bund in Berlin angeschlossenen Vereine ergriff ber außerordentliche Professor für schleswig-holsteinische Larrdesgeschichte an der Universität Kiel. Scheel, das Wort zu einer Begrüßungsansprache. Hierauf sprach unter lebhaftem Beifall der Versammlung Dr. Eckener-Friedrichshafen, Ehrenbürger ber Stabt Flensburg. Hierauf ergriff Professor SuliuS Petersen von ber Berlin« philosophischen Fakultät bas Wort, um Dr. Ecken«, ber am Samstag zum Ehrenmitglied ber Berliner technischen Hochschule ernannt worden war. unter stürmischem Beifall des vollbesetzten Hauses das Diplom eines Doktor tcrum poljticarum h. c. der Berliner Universität zu überreichen. Zahlreiche Vertret« b« Behörden waren zu ber Kundgebung erschienen, u. a. Reichsinnenminister Schiele mit dem Staatssekr«är Z w e i g e r t und Reichskommissar Kuenzer. Der Ertrag der Veranstaltung dient zur Unterstützung bedürftiger Deteranen von 1848/50, 1864/66 und 1870/71.
Der Kreuzer „Berlin" in Mexiko.
Ueber den Empfang ber Offiziere, Kadetten und Mannschaften des Kreuzers „Berlin" in der Hauptstadt Mexiko' b«ichtet die Agencia Duerrs:
Eine ^ach vielen Lausenden zählende Volksmenge Halle sich am Bahnhof versammelt und bereitete den deutschen Seeleuten eine geradezu
stürmische Begrüßung.
Bei dem feierlichen Empfang im Rationalpalast richtete Präsident Calles, umgeben von den Mitgliedern der Regierung und den Spitzen der Militärs ’,nb Marine, an den Kommandanten des Kreuzers „B«lin" eine herzliche Begrüßungsansprache und drückte seine auftich- tige Bewunderung für das deutsche Volk und seine Kriegsmarine aus, die die Traditionen seiner ruhmvollen V«gangenheit mit Stolz und Zuversicht wahre. Der Besuch des deutschen Kreuzers sei ein weithin sichtbar« Ausdruck ber herzlichen Freundschaft, die beide Völk« in dem gleichen Streben nach den hohen Aufgaben des Friedens und der Völkerwohlfahrt verbinde. Am Rachmittage unternahm eine Abordnung des Kreuzers eine Rundfahrt durch die Stadt. Am Abend fand ein
festlicher Empfang in der deutschen Gesandtschaft stall, an dem hohe mexikanische Regierungsbeamte als Vertreter des Präsidenten und zahlreiche Mitglieder der deutschen Kolonie teilnahmen.
Zur Feier des Tages b« Reichs grün- buitg und anläßlich des Besuches des Kreuz«s „B«lin" v«anstaltete die deutsche Schule
in Mexiko eine Fei«, d« der deutsche Gesandte Dr. Will und ber Kommanbant beS Kreuzers „Berlin" mit seinen Offizieren und Vertreter ber deutschen Kolonie beiwohnten. Direktor Dr. Traugott B o e h m e gedachte der Bedeutung des Tages und brachte ein Hoch auf das deutsche Vaterland aus.
Auf dem Tochimileosee fand eine deutsche Ruderregatta statt, an der die Mannschaften des Kreuzers Berlin, des Rud«vereins der deutschen Schule und des Deutschen Ruder- v«eins teilnahmen. Der mexikanische Präsident wohnte mit Vertretern seiner Regierung der Regatta bei. Die hauptstädtische Bevölkerung nahm an den Wettkämpfen lebhaften Anteil und brachte den siegreichen deutschen Farben herzliche Ovationen dar.
Kleine politische Nachrichten.
Rach ein« Meldung aus Detinold hallen die lippifchen Landtagswahlen folgendes Ergebnis: Es erhielten: Sozialdemokraten 8 Mandate, Deutsch-Rationale 6, Deutsche Vollspartei und Zentrum je drei, Christ!. Gewerkverein, Kommunisten. Demokraten und Wirtschaftliche D«einigung je ein Mandat.
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Der Ort Münchweiler, wo der Separatistenführer Helfrich am Donnerstag gelegentlich eines Wortwechsels den Schmied Wable erschoß.und durch einen Weiteren Schutz den Schreinermeister Klein verletzt hat, erhiell eine Strafbesahung von 39 Mann. Außerdem wurde über den Ort eine Verkehrssperre verhängt. Der Bevölkerung hat sich angesichts dies« Sanktionsmatznahmen eine große Empörung bemächtigt.
Die interalliierte Rheinlandkommission hat angeorbnet, bah vom 1. Februar 1925 ab die mitteleuropäische Eisenbahnzeit für das rheinische Eisenbahnnetz in Kraft tritt.
Don d« Desatzungsbehörde in Duisburg ist die Aufführung von „Wilhelm Teil" verboten worden.
Sn Verbindung mit dem Mord an dem Deutschen Hinzpeter wurden in Mexiko sieben Banditen von verfolgend« Kavallerie gefangengenommen und summarisch erschossen.
Aus aller Welt.
Abschluß der Untersuchung gegen Garmat.
Wie wir erfahren, dürfte in der kommenden Woche in ber Uittersuchung b« Barmatangelegenheit die Vernehmung des Geheimrats Ruehe und des Geheimrats Hellwig abgeschlossen werden. Beide bestreiten, für die dem Barmatkonzern gewährten Kredite persönliche Vorteile erhalten zu haben. Cs wird infolgedessen erneut die Frage geprüft, ob der Haftbefehl noch weiter aufrechterhallen werden kann. Snzwischen ist die Untersuchung gegen Kutisker ebenfalls weiter gefördert worden. Das Landesfinanzamt Prüft zur Zeit die Steuerkonten Kutiskers und zog zu diesem Zweck auch Beamte des Zollkommissariats hinzu. Ueber die Geschäftspraktiken der Stein-Dank werden umfangreiche Zeugenvernehmungen vorgenommen. Kutisker wird sich nicht nur wegen Kreditbetrugs, sondern auch wegen Wuchers zu verantworten haben.
Großfeuer in Oppau.
3m Oppauer Werk ber Badischen Anilin- und Sodafabrik, und zwar in dem Werk O 33, in dem sich die Oelreinigung befindet und in welchem auch große Oelvorräte unt«ge= bracht sind, ist Großfeuer ausgebrochen. Ueber die Entstehungsursache wie auch über die Höhe des Schadens konnten bis jetzt noch keine näheren Angaben gemacht werden. Rach Annahme der Fabrikfeuerwehr, die sofort tatkräftig einsetzte, besteht keine Gefahr, dah das Feuer weiter um sich greift.
Diebstähle in den Staatsarchiven.
Der Privatgelehrte Dr. phll. Hauck in Berlin ist wegen umfangreicher Diebstähle in Staatsarchiven von d« Kriminalpolizei verhaftet worden. Er hat bereite! ein Geständnis abgelegt. Mit ihm zusammen wurde ein 33 3ahve alt« früherer Zuschneider Karl Maria von Hohenlocher festgenommen. Die beiden wohnten zusammen und bei einer Durchsuchung ihrer Wohnung fand man eine große Menge von Autogrammen, Driesen usw., die aus den verschiedensten Archiv«! stammen.
Feuersbrunst in Osaka.
London, 19. San. (WTB. Funkspruch.) „Times" meldet aus Tokio, daß durch eine Feuersbrunst in Osaka 1200 Personen obdachlos geworden sind. Es sollen nur 50 Personen Verletzungen erlitten haben.
Gießener Stadttheater.
Schiller : „Wilhelm Tell".
Unter ber Spielleitung des Sntcnbantcn 6tein g o c tter gelangte gestern abend Schillers „Tell" zur Aufführung. Sn dreizehn Dil- öern rollte sich bai Spiel mit dankenswerter Schnelligkeit ab und lieh so keinen Augenblick das Sntereffe erlahmen. Ein feinempfundener Ruhepunkt in d« Kette des Geschehens erstand in d« Szene vor Teils Hause, wo die Spiel- lellung verständnisvoll öon Karl Suhnke und Freya Sturmfels unterstützt wurde. Auf dem Rütli allerdings konnte weder die Zahl noch die ganze Stimmung der Verschworenen glaubhaft machen, daß hier Männer standen, die mit bem Letzten für die geliebte Heimat«de einzutreten bereit waren. Daß am Schluß des Stückes Schiller ein Hurra loder war es ein „Hoch"?) privatim auszurufen vorgeschrieben hätte, kann ich mich nicht entsinnen.
Karl Suhnkes Tell war kraftvoll und schlicht, vermied jede pathetische Ueoersteigung (lediglich in der hohlen Gasse würde weniger Bewegung mehr sein) und wußte den bescheiden- stolzen ‘Befreier des Landes mit menschlich« Wärme zu durchbringen. Als sympatische Leistung neben ihm. vielleicht noch über ihm stand Freya Sturmfels als Hedwig. Die Wie- dersehnsszenen mit dem geretteten Kind und mehr noch mit dem geliebten Gallen waren echt mütter- liu) und fraulich; sie wurden zu Höhepunkt« des Abends. Sn diesem Zusammenhang muß als dritter Kurt 3vachim Daum genannt werden, dessen M e lchlhal in Fürsts Hause selbst bem
gefürchteten „O, eine schöne Himmelsgabe ist das Licht des Auges" Leben einhauchen konnte, dessen Klage stark ergriff und ber auch in der Apfel- schuhszene seine Eidgenossen lebendig mitriß. Adolf Telekys G e ß l e r war nicht eigentlich ein Bösewicht, es fehlte der sonst durchaus auf einer einheitlichen Linie stehenden Leistung die Glaswand, hinter der sich der Tyrann von seiner Umgebung abschließt. Aeußere Hemmungen schienen nicht vorzuliegen; vielleicht fehlt ein inneres Verhältnis zu der Figur.
Felix R o r f o l k gab dem Sohann Parricida eigene Züge. Karl Volck (A t - tinghausen) war ehrfurchtgebietender, alter Aristokrat mit patriarchalischen Zügen, Paul Schuberts Stauffacher schwächte den guten Eindruck seiner Anfangsszene im Rütli durch eine gewisse direktionslose Mattigkeit ab. Gerda Vachfelb (Bertha von Druneck), der der Theaterzettel reiche Mitgift, der Zuschauer gutes Aussehen bescheinigt (ehrlich in ber Aufwallung gegen den pflichtvergessenen Geliebten, etwas zu spröde seinen Werbungen gegenüber) hatte einen schweren Stand durch ihren schönen Partner Max Hoffmann (Rudenz), der sehr viel Fleiß auf feine Maske, sehr wenig auf seine Rolle verwandt hatte.
Das Publikum war sehr beifallsfreudig, e—s.
Line pirandello- Uraufführung in Frankfurt.
„ 3m Reuen Theater kamen zwei neue Stücke des italienischen Dramatikers zu «folg
reicher Uraufführung. Pirandello hat, man kann lagen, mit einem Schlage die Thsat« Europas erobert. Mit doppelter Spannung sieht man überall seinen Werken entgegen, denn er ist nicht nur ein geistvoll« Meister des Dialogs und der Szenenführung, fonbern gleichzellig auch ein ungemein tiefschürfender Dramatiker. „Die Wo llust der Ehrlichkeit" ist eine Komödie, wie sie Leben und Schicksal zu liefern pflegen, die Geschichte eines Wahrheitssanatllers, der von ber Gesellschaft als dunkler Ehrenmann verworfen wird, in moralischer Deziehung aber hoch über den Moralischen steht. Die andere Komödie „Der Musikant" schildert die Enttäuschung des Edelgesinnten, der fein letztes aus idealen Motiven hergibt, über die Wirklichkeit seiner Sdeale. 3n beiden Stücken besticht neben der ausgezeichneten Charakterisierung wieder das geistige Raffinement und ber philosophische Einschlag der Handlungen, die durch das kluge Spiel des Reuen Theaters und die geschickte 3n- szenierung durch Robin Robert zu wirksamer Geltung kamen, L. W.
Für den deutschen Wald.
Die im Mai 1923 in Dresden gegründete Gesellschaft zur Förderung Zter forstlichen Forschung und des forstlichen Hochschulunterrichts in Mitteldeutschland gibt in allernächster Zeit eine Kunstmappe „Für den deutschen Wald" h«aus, für die Max Slevogt das Widmungsblatt gezeichnet hat und die nachgenannten Künstler Beiträge geliefert haben: Karl Dantzer, Ludwig Dettmann, Richard Dreh«, Otto Fischer, Erich Grün«. Olaf Gulbranson,
Chinesische Piratenfrechhett.
Sn Singapore gingen 30 Piraten als Passagiere an Bord eines großen Dampfers namens „Hongs", der zwar einem Chinesen Cgehörte, ab« unter b ritis cher Flagge fuhr und mit mehreren hundert chinesischen Passagieren nach Hongkong bestimmt war. Am 13. Sanuar, fünf Tage nach der Abfahrt aus Singapore, üb«raschten die Piraten mit bem Revolver in ber Hand den Kapitän und die Offiziere beim Frühstück, zerstörten die drahtlose Funkanlage und zwangen die Offiziere, in einer Ducht bei Hongkong zu landen, wo sie mit einer beträchtlichen Deute flüchteten.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 19. Sanuar 1925.
Gießener Wochenmarktpreise
am 17. Sanuar (Händlerpreise).
Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Dutt« 170, Matte 35, Käse 70, Wirsing 15, Weißkraut 10, Rotkraut 20, gelbe JRübcn 10, rote Rüben 10, Spinat 50. ^lillerEhlrabi 8, Grünkohl 20, Rosenkohl 60. Feldsalat 100, Zwiebeln 15. Meerrettich 40 bis 100, Schwarzwurzeln 50. Kartoffeln 5, Aepfel 10 bis 20. Dirnen 12. Dörrobst 40. junge Hahnen 100. Gänse 100 bis 120. Endivien 120 Pf. das Pfund. Ei« 17 bis 18. Dlumenkohl 120 bis 180. Lauch 5 bis 20, Sellerie 10 bis 50 Pf. das Stück.
Bornotizen.
— Tages kalender f ü r Montag: Verein für das Deutschtum im Ausland: 8 Uhr im „Augustiner" Hauptversammlung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: Harald Lloyd-Licht- spielwoche. — Astoria-Lichtspiele: „Das Mädel von Capri".
— Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Da die Aufführungen von älngers „Mutterlegenbe“ hi« stark«Teilnahme begegnet sind, sei darauf aufmerksam gemacht, dah am 21. Sanuar die letzte Aufführung des Werkes im Mittwoch-Abonnement oe- geben wird.
N<
Ein interessanter Rechtsstreit um die Aufkaufpreise ber Milch Händler beschäftigte das Amtsgericht Dieburg. Reun Milchhänbl« hatten, um mehr Milch zu «hatten, statt den durch die Verbrauch« in Verbindung mll den Dauernorganisallonen vereinbarten Preisen von 21 bzw. 23 Pf. solche von 25, 27 unb 30 Pf. bezahlt, D« Staatsanwalt sah darin eine Preistreiberei, denn bas Verfahren werbe schliehlich zu einer Verteuerung ber Milch führen, auch für die Verbrauch«. Das Gericht stellle sich j^och auf den Standpunkt, daß es sich um eine Angelegenhell b« Milchhändler handle, man könne erst bann von ein« Preistreiberei reden, wenn der Verkaufspreis für die Verbraucher erhöht worb« wäre. Die Angellagten wurden freigesprochen.
Der Karneval 1925. Die Hessisch Regierung hat sich veranlaßt gesehen, eine Milderung des seitherigen Karnevalverbvts ein® treten zu lassen. Während im Vorjahr öffentliche karnevalistische Veranstaltungen jeder Art untersagt waren, sind jetzt öffentliche Maskenbälle. Kappenabende usw. toieöer zugelassen und unterliegen nur den Beschränkungen, die für öffentliche Lustbarkeiten überhaupt gelten. Auch die Strafbestimmungen, die sich gegen die An- fünbigungen derartig« Veranstaltungen richteten, sind damit gefallen. D«bvten ist dagegen, wie bish«, bas karnevalistische Treiben (wie z. D. Maskierung, Konfetti- unb Luftschlangen-- werfen) auf öffentlichen Straßen unb Plätzen.
fpd„ Schon wieder neues Falschgeld. Seit Donnerstag tauchen im Frankfurt« Verkehr gefälschte Rentenmarkscheine üb« 50 Mark auf, die recht gut nachgeahmt sind. Auch falsche Hundert-Billionen-Roten wurden feftge» stellt. Es handelt sich um echte Hundert-Milllo- ncnfdyeinc, bei Denen das Wort „Millionen" in „Billionen" abgeändert worden ist.
** Diebstahl am Güterbahnhof Einer hiesigen Firma wurden in tret Rächt zum Freitag aus einem Waggon am Güterbahnhof mehrere Säcke Stricklumpen im Werte von 30 Mark gestohlen. Dor Ankauf wird gewarnt. Sachdienliche Mitteilungen nimmt die Äriminafc Polizei entgegen.
** Austrieb auf dem heutigen Frankfurter Schlachtviehmarkt: Och* sen 386. Dullen 68. Färsen und Kühe 983, Kalber 346, Schafe 177, Schweine 2039.
** Aus dem Gießener Standes« amtsregister. Es starben in d« Zeit vom 1. bis 15. Sanuar: 1. San.: Emilie Möll, geb. Heyer, 36 Jahre alt, Steinstraße 86. 4. San.: Wilhelmine Weisel, geb. Westphalen, Witwe, 80 Sahre alt, Goethestrahe 57. 5. San.: Sohanna Mellinger, 1 Sahr alt, Steinstraße 73. 8. San: Elsa Katharine Schmidt, 3 Wochen alt, Frank-
Albert Haueisen, Franz Hein, Ülllrich Hübner. Arthur Kampf. Eugen Kirchner, Walter Klenun. Max Liebermann, Fritz Mackensen, Käthe OlS- hausen-Schönberger, Emll Orlik. Bernhard Bankok, Hans Thoma, Walter Tiemann und Hans von Volkmann. Den kommissionsweisen D«lag der Mappe hat Fritz Gurlitt in Qterlin W, Potsdam« Straße 113, übernommen. Der Reinertrag der Mappe wirb ungekürzt ber Gesellschaft für ihre Zwecke zufliehen.
Shaw als Uebersetzer eines deutschen Dramas.
George Bernard Shaw hat seinem rührigen deutschen tteberseher Otegfrieb Trebllsch txxÄ für ihn geleistete W^rk vergolten, indem er seinerseits ein Stück von Trebitsch „Frau Gittgs Sühne" ins Englische übertragen hat. Die Tragikomödie. die ihre Erstaufführung im Februar 1920 am Durgtheat« in Wien «lebte, wird unt« dem Xitel „Sillas Atonement" am ®ranb Theatre in Fulham aufgeführt werden. Die Hauptrolle gibt die englische Schauspielerin Violet Vanbruah. Shaws Ueberfehung, die demnächst in Buchform erscheint, wird von ein« „Vorbemerkung des riebersetzers" eingeleitet, in ber Shaw feine Beziehungen zu Trebitsch schildert und in sehr eigenartiger Weise seine Anschauungen über riebersehungen unb seine eigene Methode des Ülebersetzens beb anbell.
Zur Erhaltung
des Salzburger Festspielhauses.
Ster zuständige Landtag har für das Salz* bürg« Festspielhaus eine Subvention von vier Millionen Kronen für öa£ Sahr 1925 l-eS-illigs


