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medikomechanischen ^en.med. Bädern tonsaure) sowie allen Verordnungen in der M'ege empfehlen sich

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iS Kohlen , koks- und hessischen Staatsbehörden, Rechnungsjahr 1925/26 Vreis- und Lieferangeboten Meinen DienMellen und und Mengen /M bi( Beifügung von 50 *Pfq. >n Stelle bis Wiens yi erjagen, wobei an- bezw. Orte die Unterlagen tie mjjen bei dem unter» . spätestens 14, Februar

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Montag, |9. Zaiwar 1925

Erscheint täglich, autz»r Sonn.- und Feiertags.

Beilagen: töiekenerFamilienblälter Heimat im Bild. MonatL.vezr.g,preis. Goldmark u. 20 Gold» cfennig für Trägrrlohn, -luch bei Nichterscheinen oon einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Fern, prech,Anschlüsse: Schriftleitung 112, Ver­lag undGeschäftsstelleSl. Anschrift für Drahtnach­richten: Hnjeigtr thefjen.

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SietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhefsen

Druck und Verlag: Vrühl'sche UnioerfttStr-vuch- und Steinbruderei B. Lange in Stehen, rchnftlettung und Geschäftrftelle: Schnlstrahe 7.

Annahme oon Anzeiger für bi« lageenummet bl» uim Nachmittag vorher ohnejedeDerbindlichüeit

Preis für l mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Drelle örtlid)8,au»roärte 10 (Bolbpfennig; für Ne» klame-An;eigen o.TOitun Breite 35 Goldpfennig. Platzvorschrift 20" . Aus» schlag. - Dcrantworllich für Politik u. Feuilleton: vr.Friedr.Wilh L'ange; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Bietzen.

Die Teilung des Bärenfelles.

AuS der Sntentepresse ertönt ein tautedUff" Her Erleichterung, man hört ihn förmlich poltern, den Stein dec den alliierten Herrschaften vom Herzen gefallen ist. Man hat sich nämlich auf dec Finanzministerkonferenz in Paris geeinigt, und das ist in der Tat ein Grund, erleichtert aufzuseufzen. 3a, wenn es sich tn Paris nur darum gehandelt hätte, ein paar neue Riemen aus dem deutscheii Fell zu schneiden! Tann hätte man sich mit Sorgen nicht weiter zu belasten brauchen, denn das ist ja am Ende immer noch gelungen und das bihchen Brirn- dorium. daS darum gemacht wurde, sollte immer nur dazu dienen, da« Gesicht zu wahren in einer Angelegenheit, über die man im Grunde von norherein einig war.

Aber diesmal handelte es sich nicht barum, den Deutschen das Fell übev die Ohren zu ziehen, sondern es galt, das Fell zu teilen das man ihnen bereits über die Ohren gezogen hatte, und darüber drohte es bei den Alliierten zu argen Differenzen zu kommen, wie so oft. wenn es in den Kumpaneien von Deutemachern an die Tei­lung des Raubes geht. Die Vereinigten Staaten verlangten einen Anteil an den Ein­künften aus dem Dawes-Abkommen. den wollten aber ihre guten Freunde ihnen zunächst nicht mgestchen. einmal, weil Amerika den Frieden von Versailles nicht unterzeichnet hätte, und zudem was wohl die Hauptsache war weil chr eige­ner Anteil an dem Braten hätte verkürzt werden müssen, wenn sich Amerika mit zu Tisch sehen wollte.

Dann aber galt es und das war ein be­sonders heikles Problem die Deute zu teilen, rund eine Milliarde Geldmark, die Frankreich und Belgien bei ihrem Einbruch ins Ruhr­revier gemacht hatten. Don dieser Deute woll­ten die Einbrecher nun schon gar nichts hergeben. England hat ja, so sagten sie. den Einbruch nicht mitgemacht. es hat nicht einmal Schmiere gestanden, sondern hat sich in den Mantel der Tugend gehüllt und den Einbruch für ungesetz­lich erklärt. Und jetzt will e« uns einen Teil von dem abnehmen, was wir im Schweifte unseres Angesichts zusammengeraubt, zusammengeplündert und zusammengcstohlen haben? Aichts da! Aber England hat Den Mantel der Lugend längst auS- gezogen und hat sich, indem es auf Drängen Frankreichs in die Richträumung der 5Y ö l n c r Zone einwilligte. der französis:-bel° gischen Ginbrechergescllschast angeschlossen. 31r habt, sagten die Engländer zu ihren fran­zösisch-belgischen Freunden, eine bare Milliarde aus dem deutschen Hause an Der Ruhr heraus- geholt. Dar Geld lacht und riecht nicht im min­desten. also her mit unserem Anteil!

Das waren die Disserenzen, die es in Paris zu schlichten galt, und da man weih, dah beim Geldbeutel die Gemütlichkeit aushört, so wird man verstehen können, dah das eine recht unbe­hagliche Angelegenheit war, wird auch begreifen, dah Den Alliierten jetzt, nach glücklich erfolgter Einigung in Paris, wie der Zeche lustiger Ge­sellen in Auerbachs Keller ganz kannibalisch wohl ist. Wie die Alliierten die Deute unter sich verteilt Haden, kann uns am Ende gleich­gültig fein. Ob die Anteile Der einzelnen Ge­nossen größer oder kleiner sind das ändert nichts an Der Tatsache, dah wir zahlen m ü f s e n bis zum Weißbluten, und auch dessen können wir sicher sein, dah keiner von Den Ge­nossen an Dem Dissen ersticken wird, den er sich gesichert hat. Was natürlich auherordentlich be­ruhigend ist für unser christliches Empfinden.

Was Den Ententegenossen am meisten Freude verursacht, ist die Tatsache, dah zum erstenmal seit dem Frieden von Versailles Amerika an einer .Konferenz Der Alliierten offiziell teil- genommen hat, und daft man somit wieder, wie in Den schönen Tagen von Versailles, von Dfen ..alliierten und assoziierten Mächten" sprechen iann. Las ist. so heben englische Blätter her­vor. die Rückkehr der Vereinigten Staaten nach Europa, und verglichen da­mit hätten die Ergebnisse der Pariser Konfe­renz im einzelnen gar keine Blutung.Jetzt ist." sagte Der amerikanische Vertreter Kellogg aus Der Konferenz,Amerika tief interessiert an dem Erfolg Des Dawesplanes." Jetzt nachdem es für Amerika Darauf ankommt, dah es feinen Anteil an der Deute bar und richtig ausgezahlt bekommt. Das ist Realpolitik in Dem robusten amerikanischen Stil!Die Tat­sache, dah Amerika wieder zur Politik Der alli­ierten und assoziierten Mächte zurückgelehrt ist." sagt ..Westminster Gazette", ein liberales Blatt, das Deutschland manchmal Gerechtigkeit hat wi­derfahren lassen,bedeutet, dgh kein weiterer Ansporn für Deutschland vorhanden ist. mit sei­nen Zahlungen in Verzug zu geraten, und außerdem wird Deutschland jetzt wissen, dah Die Mächte. Die sich dazu vereinen, ih n c n gegen­über billig zu verfahren, in Zukunft stark genug sein werden, ihren Willen Durch­zusetzen."

Die Mächte, Die sich vereint haben, Deutsch­land gegenüber billig zu verfahren? Wo sind diese Mächte? Wo sind ihre Vereinba­rungen zu einem billigen Verfah­ren gegen Deutschland? Hat nicht dieselbe ..Westminster Gazette" die Politik der Alliierten. Die zu Dem schnöden Vertragsbruch von Köln führte, als ordinär und frivol, als Englands unwürdig bezeichnet? Uns würde ein solcher Gesinnungswechsel nicht in Erstaunen setzen, denn gerade die Beschlüsse der Pariser Finanzkon­ferenz sind ein besonders abschreckendes Bei­spiel für die englische Art, die heute salbungs-

Die erste Tat des neuen Kabinetts. (Ein soz atpolit scher Deschlutz in der Arbeitszeitfrage.

Berlin. 18. 3an. (WTD.) Da« Reichs- tabinett hielt Samstag nachmittag eine Sitzung ab, in der die Frage der Arbeitszeit in den Kokereien und H o ch o f e n w e r k e n behandelt wurde. DaS Kabinett verkannte in keiner Weise die Schwierigkeiten, die der In­dustrie aus der teilweisen Rückkehr zum Drei- chichtshstem gerade in dem gegenwärtigen Zeit­punkt erwachsen. Es hielt jedoch die sozial­politische Bedeutung der Frage für so chwerwiegend, daft es gleichwohl einstimmig dem Anträge des ReichsarbeitSministerS bei­trat, den Schuh des 6 7 der ArbeitSzeitverord- nung auf die Kokereien und Hochofenwerke zu erstrecken. Um den Betrieben für die Umstellung Zeit zu lassen, ist bas Inkrafttreten der Ver­ordnung, das ursprünglich für den 1. Mär- vorgesehen war, auf den 1. April festgesetzt worden, da der größere Teil des Januar schon verstrichen ist und auch ein wesentlicher Teil der Mitglieder des Reichswirtschaftsrates die Einführung des Dreischichtshstems erst für einen erheblich späteren Zeitpunkt vorgeschlagen hat.

Interimistische Besetzung des Finanz- und RheLr Ministeriums

Berlin, 17. Jan. (WTD.) Wie der .Reichsanzeiger" meldet, hat der Reichspräsi­dent Reichskanzler Dr. Luther gleichzeitig mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Reichs­ministers für die besetzten Gebiete und Staatssekretär im Reichsfinanzministerium Fischer bis auf weiteres mit der Wahr, nehmung der Geschäfte des Reichsministers der Finanzen beauftragt.

Die Blätter melden, daft mit der Ernen­nung des Reichsfinanzmini st ers Montag bestimmt zu rechnen sei. In parlamentarischen Kreisen verlautet, daft Reichs­kanzler Dr. Luther vermutlich den früheren preuftischen Finanzminister und jetzigen Vorsitzen­den deS Reichsrechnungshofes S ä m i s ch erneut aussorbern werde, dieses Ressort zu übernehmen. Wie derMontag" meldet, werde eine Besetzung deS ReichsverkehrSministeriumS vor­läufig nicht erfolgen, da von verschiedenen Seiten für eine Zus ammenlegung dieses Ministeriums mit einem anderen Portefeuille, ähnlich wie eS bereits mit dem für die besetzten Gebiete geschehen ist, eingetreten werbe.

Der neue Reichsjustizminister.

Berlin, 17. Ian. (WTD.) Das Reichs- justizmin'sterium hat Oberlandesgerichts- präsident a. D. Stenten in Köln über­nommen. *

Der neue Reichsjuftizminist er ist 1854 in Heinsberg geboren. 1878 wurde er Referendar, 1883 Assessor. 1889 Staatsanwalt beim Land­gericht Köln, 1897 wurde er an die Oberstaats­anwaltschaft Köln verseht und blieb hier seit 1898 Oberstaatsanwaltschaftsrat bis zu seiner Berufung als Hilfsarbeiter im Justizministerium im Jahre 1899. wo er im Juli 1900 Geheimer Iustizrat und Vortragender Rat wurde. 1913 er­folgte seine Ernennung zum Wirklichen Geheimen Oberjustizrat. am 30. April des gleichen Jahres zum Ministerialdirektor. 1914 er Dielt Frenken den Posten eines Unterstaatssekretärs im Mini­sterium für Clsah-Lothringen. In dieser Stellung

erwarb er sich um das Deutschtum im alten Reichsland grofte Verdienste. 1916 übernahm er den Posten eines Oberlandesgerichtspräsidenten in Köln.

Der Reichskanzler vor der Presse.

Berlin, 17. Ian. (W»lff.) Reichskanzler Dr. Luther empfing heute die Vertreter der deutschen Presse, vor denen er im wesentlichen folgendes ausführte: Ich lege das größte Gewicht auf die Zusammenarbeit mit der Presse und werde meinerseits alles utn, um das gegenseitige Verständnis zu fördern. Die Ursache der bisherigen Hinauszögerung der Re­gierungserklärung lag Darin, dah wichtige Ministerposten infolge von Schwierigkeiten in der Personenfrage noch nicht besetzt waren. An den Gerüchten über grobe innere Meinungsverschiedenheiten innerhalb des neuen Kabinetts fei kein wahres Wort. Er bitte die Presse, solchen unbegründeten Krisengerüchten kein Ohr zu leihen. Das Justizministerium habe Oberlandesgerichtspräsident a.D. Frenken in Köln, welcher dein Zentrum nahestehe, übernom­men. Dah sein verehrter Vorgänger Dr. Mar? so lange nicht zum Ziele gekommen sei, liege in der objektiven Tatsache der Zerrissenheit im Reichstag und demgemäh im Volke. Wie wenig gut dies sei. darin seien alle einig; aber Die Gründe dafür sehe jeder wo anders. 3m Dienst unseres Volkes mühten wir Dafür sorgen, Die einigenDen Gesichtspunkte zu sehen. Er lege entscheidendes Gewicht Darauf, Die Regierung zu bilDen, hinter welcher in irgend einer Form Die Mehrheit des Reichs­tags. wenn möglich. Der ganze Reichs­tag. stehe. Jemand. Der wie er keiner Partei angehöre, könne gar keine anDere Regierung bil­den als eine solche. Die mög 1 ich st alle Kräfte zusammenfasse, welche zu positiver Mit­arbeit bereit sinD. Er wolle versuchen, mit feiner Arbeit Diese alle zu gewinnen. Der Reichs­kanzler widmete dem scheidenden Reichspressechei Spieler Worte Des Dankes für dessen Arbeit in schwerer Zeit unD stellte beit neuen Pressechef Ministerialdirektor Klep vor, der. wie er selber, keiner politischen Partei angehöre.

Dr. Brauns und das Zentrum.

Berlin, 18. Ian. (SU.) Der Reichsar- beitsminister Dr. Brauns übersendet Der Germania" unter Hinweis auf eine anders­lautende Mitteilung dieses Blattes eine Klar­stellung. in Der er sagt:Ich habe er vor ver­sammelter Fraktion ausdrücklich abgelehnt, auf "ein bloßes Gestatten hin in Das Kabi­nett einzutreten. Die Fraktion hat Daraufhin in meiner Abwesenheit Durch förmlichen Beschluß einstimmig oDer fast einstimmig Den ausdrücklichen Wunsch ausgesprochen, ich möchte als ihr Verbindungsmann in Das Kabinett ein treten. Dieser Wunsch ist in einer späteren Sitzung am 14. Januar, als sich für mich neue Bedenken gegen Den Eintritt in Das Kabinett ergaben, nochmals ausdrück° lich und in aller Form bestätigt wor­den. Ich würde es nach wie vor ablehnen, mit bloher Duldung Der Fraktion Dem Kabinett anzugehören."

voll Tugend predigt und morgen die Tugend, Die sie eben geprebigt hat, für dveihig Silber­linge verkauft, wenn ihr Der HanDel vorteilhaft erscheint.

Ein Engländer ist es, Der uns das bestätigt. Tatsache sei. so fährt Der Pariser Berichterstatter DesManchester GuarDian" aus. dah Chur ­chill absichtlich Den Standpunkt Englands in der Ruhrfrage preisgegeben habe, um auf der Pariser Konferenz einen Erfolg zu erzielen. Roch vor furjem würde Der britische Vertreter sicherlich Die Frage Der Rechtmäßig­keit in Der ganzen Ruhrangelegenheit aufge­worfen haben, jetzt aber brauche Churchill mit einer so unangenehmen Frage nicht zu rechnen.

Auch mit Schwierigkeiten seitens Deutsch­land brauche Churchill nicht zu rechnen. Denn daft Deutschland die Frage nach Der Recht­mäßigkeit Der Ruhrbesetzung nicht anschneiden werde, sei ziemlich sicher im Hinblick auf ;Dic Tatsache, dah Die Hinterlassung dieser Fragen deutscherseits für England immer ein Anlaß zu Erstaunen war. Warum sollte Berlin, nachdem es solange geschwiegen habe, jetzt dieses Schwei­gen brechen?

Es liegen für uns bittere Wahrheiten in dieser ätzend scharfen Ironie des Engländers. Auch uns scheint, dah Churchill richtig kal­kuliert. wenn er mit unserem Schweigen zu dem Pariser Kuhhandel rechnet. Denn wir haben uns um anderes zu kümmern, als um diesen Kuhhandel. Zum Beispiel um die Frage, ob das neue Kabinett ein formelles Vertrauensvotum vom Reichstag verlangen oder ob es sich mit einer allgemeinen Billigung seines Programms begnügen soll. Auf diese Art haben wir es herrlich weit gebracht und werden es auch noch weiter bringen. Richt zwar bis an die Sterne weit, aber nach der anderen Richtung.

Die Ruhrbilanz.

Paris. 18. Jan. (TU.) Ter Bericht Der Finanzminister über Di? Bilanz des Ruhrunter­nehmens. d. h. über Einnahmen und Ausgaben, die die Ruhrbesetzung vom Jan. 1923 bis 31. Aug.

1924 verursachte, weist folgende Ziffern auf: Die Gesamteinnahmen werden mit 4.5 Mil­liarden Franken. Die Ausgaben für die Ausbeutung selbst mit einer Milliarde Fran­ken beziffert. Das ergibt einen Lieber s chuh von 3.5 Milliarden Franken. Davon müssen jedoch 781 Mill, für Die Desatzungskosten im Rheinland und Die Erhaltung Der Kontroll­kommission in Abzug gebracht werben für Die Zeit nach dem 15. Rovember. wo die fran­zösisch-belgische Eisenbahn regie aufgehört hatte, zu bestehen. unD keine Einnahmen mehr erzielt werden konnten. Der Rettorein- gewinn Der Ruhrbefehung betrug nach dieser Aufstellung 2 Milliarden Franken. Von dieser Summe hat Frankreich während der Zeit Der Operationen bereits 1,2 Milliarden Franken an Sachlieferungen und Belgien etwas mehr als 1 Milliarde an Sachlieferungen vereinnahmt. Frankreich umgeht Den

Dawesvertrag.

Militärisierunq der Eisenbahnregie.

Berlin. 18. Jan. (D. Z.) Mit dem 31. Dezember sollte der restlose Abbau Der Eisenbahnregie nach Dem LonDoner Ab­kommen unD nach den Abmachungen zwischen Reichsbahn und Regieverwaltung beendet sein, und zu diesem Termin nur noch vereinzelte A b - wicklungsst,ellen sich in Tätigkeit befinden. Run hat aber die Desatzungsbehörde die Lon­doner Abmachungen dadurch umgangen oder hintergangen, daß sie aus einem Teil der ehe­maligen Regiebeamten eine militärische Behörde zusammenstellte. Die Section R h e n a n e ist eine militärische Eisenbahner­formation. Die etwa 560 Köpfe stark ist unD in 5 Unterabteilungen zerfällt, von Denen jebe sich aus Angestellten einet bestimmten franzö­sischen Eisenbahngesellschaft rekrutiert. Die frühe­ren Beamten und Angestellten der Regie sind militärisch eingekleidet und unterstehen den mili­tärischen Behörden

Abrüstung.

Äriegdminifter NoUct fordert die militätifrfic Vorbereitung der französischen Jugend.

Paris. 18. Ian (WTD) 3n Anwesenheit des Präsidenten der Republik hat heule nachmittag eine Kundgebung des Verbandes Der Gesellschaften zur körperlichen Er­tüchtigung und zur Vorbereitung für Den Militärdienst stattgefunden, auf Der Kriegsminister Rollet an die Le.ter d.-i Vereinigungen eine Ansprache hielt, tn Der cc unter anderem aus führte. Der Krieg habe end­gültig Den Gedanken der bewaffneten Rationen sich entwickeln lassen. Er habe auch gezeigt, daft eine bestimmte Zeit nötig sei. um einen tüchtigen Soldaten Ixranzubilden. Untier - meidliche ilcberlcgungcn politischer, sozialer unD wirtschaftlicher Art machten jedoch die Unter­haltung einer zu zahlreichen aktiven Armee un­möglich. und eS scheine, daß Der Krieg in Zukunst nicht mehr mit Der aktiven Armee, ocrftärlt durch eine Reserve, sondern Durch die Masse Der Reserven selbst, die Die wahre Armee f ü r Die Schlacht bilden, geführt werde. Der Körper des Schlachtbeeies. seine Mus­kulatur werde von Der gesamten Ration gebildet. Damit das Fleisch dieses Körpers gc^ sund und seine Muskulatur kräftig sei, müsse Die Volksmasse herangebildet werden, Damit die Zeit, die man im Regiment verbringe, nütz­lich angetoentet werde. Durch die Sorge Der Führer Der heute in Paris vertretenen Vereinig güngen müsse Dies oorbereitet werden. Das Werk der Militärvorbereitung sei die Vorbedingung für Die Reorganisation des Heeres, über die die Regierung demnächst einen Gesetz­entwurf vorlegen werde. Diese Reform müsse die Hauptgrundlage Der französischen Sicherheit bilden, eine Grundlage. Die nur von Frankreich allein abhängig fei und die dem Lande keine schwer tragbaren Opfer auferlege.

Schlägerei in Der französischen Kammer.

Es dürfte noch frisch in aller Erinnerung sein, daß ans Anlaß Der durch die Kommuni­sten int vorigen Jahre im Deutschen Reichstag inszenierten Prügelszenen unter Der ausländi­schen Presse besonder- die französische die Rase rümpfte über die zunehmende Verrohung der deutschen parlamentarischen Sitten. Inzwischen hat die französische Kammer verschiedene ähn­liche Tumulte erlebt, die aber doch mit Der letzten allgemeinen Schlägerei zwischen Den Re­gierungsparteien und Der Opposition keinen Ver­gleich zulassen. Schon Die Antrittsrede des neu­gewählten Kammerpräsidenten P a i n l e v 6 löste heftige Zwischenrufe Der Rechten aus, zu einer halbstündigen Lärmszene kam es jedoch erst, als Der sozialistische Aogeordnete Masson das Wort zu einer Interpellation über Den Fischer­streik auf Sardinien nahm. Eine regelrechte Schlägerei fetzte ein, als Die Kommunisten auf Dem Plan erschienen und Der Opposition einige Schmeicheleien zuriefen. Einen pikanten HintergrunD erhielten Die Ausschreitungen Der Rechten Durch Das Vertrauensvotum für die Regierung, Das wohl 230 Stimmen auf sich zu vereinigen vermochte, aber doch sehr schwach ausfiel, Da sich 206 AbgeorDnete der Kammer Dagegen aussprachen. Herrn H er- r i o t s Stern scheint allmählich im Schwinden begriffen zu fein. Schon einmal war feine Si­tuation Der Kammer gegenüber höchst kritisch: sein Kriegsminister General Rollet, gleich­zeitig aber auch Vertrauensmann Der Rechten, verstand es. damals noch im letzten Augenblick Herrn Herriot zu retten, allerdings nur unter der Bedingung. Dah dieser Rollets Vorschläge in Der Deutschland gegenüber in Der Ent­waffnungsfrage anzuwendenden Politik restlos annahm.

Neue belgische Contumazurleile.

Paris, 18. Ian. (Wolff.) Das Kriegs­gericht von Ql am u r hat in Abwesenheit gegen drei deutsche Offiziere verhandelt: gegen Den Major Heyne vom 3. Ulanenrcgimcnt, der beschuldigt wird, einen 18jährigen Bankangestell ten in Temloux angeblich ermordet zu haben: gegen den Hauptmann v. C o 11 a n i, Der an­geblich überführt fei, einen Geistlichen von der Taubstummenanstalt von Douge ermordet und ein als Lazarett bentchtes Schloß in Brand ge­steckt zu haben, wobei Die sich in demselben be­findlichen verwundeten Franzosen und Belgier im Feuer umgekommen feien, und gegen den Obern v. Ompdeta. der in Flavion angeblich vier Häuser in Brand gesteckt haben soll. Das Gericht verurteilte Heyne und Collant zum Tode und Ompteda zu 20 Jahren Zwan gs arbeit. Das Kriegsgericht von Lüttich hat gegen den deutschen Oberst Theftmann und den deutschen Major v. Hedemann in Abwesenheit verhandelt. Beide Offiziere wurden der Tötung von 121 Zivilpersonen aus Der OcgenD von Rossignol im August 1914 beschul- Digt unD zum Tode verurteilt.

Auswärtige Truppen in Schanghai.

Paris. 17. Jan. (TU.) Rach Meldungen aus Schanghai sind gestern unter dem Oberbefehl eines japanischen Admirals in Schanghai Ab­teilungen von 350 Mann französischer, englischer, italienischer und javanischer Mamuttruvven ge-