Ausgabe 
18.4.1925
 
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angeben Iaht. Sofort nach dec Explosion wurde eine Hilfsaktion cingdeilet. Die Straften in Sofia sind menschenleer. Jeder Wagenv ec- kehr ist Der Eroten. Zahlreiche mit Soldaten besetzte Kraftwagen fahren hin und her. Die Volksmiliz ist mobllisiert. 3n allen Städten Bulgariens werden Verhaftungen vorgenommen. Die Fühvar der verschiedenen ausgehobenen Verschwörer» gesellschaften sollen nach Sofia gebracht und vor ein Kriegsgericht gestellt werden. 3n Rowosagora allein touren 150 Personen verhaftet. Die g a nze bulgarische Grenze ist abgesperrt, nur einzelne ausländische Reisende werden durch­gelassen. Auch die Telegraphen- und Zugverbindungen mit dem Ausland sind teilweise unterbrochen. Ganz Sofia ist vom Militär abgesperrt, um der Attentäter habhaft zu werden.

Die Panik, die nach der Explosion in der Kirche entstand, läftt sich schwer beschreiben. 3m Gedränge wurden insbesondere Frauen und Kin­der niebergetreien. Dec größte Teil der Ver­letzten besteht aus ihnen. Zweifellos hatten die Attentäter geglaubt, da ft auch der König an der Einsegnung des ermordeten Deputierten teil­nehmen werde. Sämtliche Zeitungen verdammen das Attentat als einen besonders fluchwürdigen Anschlag und weisen darauf hin, das) seit dem Attentat der Kommunisten auf eine Prozession in Madrid kein ähnliches Verbrechen begangen wurde. Alle öffentlichen und privaten Kranten- häuser sind mit Verwundeten überfüllt. Unter Len Toten befinden sich eine ganze Reihe führen­der Politiker und militärische Persönlichkeiten.

(Ein Schritt der Mächte.

London, 18. Avril. Die Attentate in Bul­garien haben in hiesigen diplomatischen Kreisen größte Beunruhigung hervorgerufen. Man ist überzeugt, daß es sich hier um die Ar­beit lokaler bolschewistischer Komi­tees handelt, die von ihrer Zentrale in Wien dirigiert werden. ES sind bereits zwischen ver­schiedenen Regierungen Verhandlungen ange­knüpft worden, um gemeinschaftlich auf freund­schaftliche Art in Wien Dor ft eilig zu wer­den. Oesterreich soll gebeten werden, gegen d i e bolschewistische Terrorzentrale in Wien mit aller Kraft vorzu gehen.

Aus dem Haushaltungs­ausschutz des Reichstags.

Berlin, 17. April. (WTB.) 3m Haus­haltsausschuß des Reichstags erklärte R:ichSwirtschastsminister R e u h a u s u a.. d..ß er eine allgemeine Senkung des Lohn­niveaus weder für durchführbar noch für wün­schenswert halte. Andrerseits müsse er sich da­gegen wenden, daß das Lohnniveau an einzelnen Stellen in unüberlegter Weise in die Höhe ge­trieben würde. Dem Anträge, die P r e i s t r e i - bereigesetzgebung Mifzuheben, stimmte der Minister grundsätzlich zu. Die von allen Parteien ausgesprochene Verurteilung der Luxus st euer werde er dem Reichsfinanzminister mitteilen und sich um deren Beseitigung bemühen. Die Vorlage der Zolltarifnovelle werde alsbald er­folgen. Zur Frage des sPanischen Handels- vertrages bemerkte der Minister, daß er nicht verkenne, daß daS Abkommen mancherlei Män­gel habe. Trotzdem sei die Regierung der Mei­nung. daß wir ein endgültiges Abkommen mit Spanien, das dann den 3ntereffen der Ausfuhr und den Schutzinteressen des Weinbaus genügend Rechnung tragen würde, am besten durch Rati- f iz i e r u n g des vorläufigen Abkommens und baldige erneute Verhandlungen er» rÄchen würden.

Dann gab Reichskohlenkvmmissac Dr. Stutz efhe Aebersicht übet

die Kohlenlage.

3n der Dtaunkohlew>3ndusttie sei noch keine Krise vorhanden, wenn auch die Verhältnisse sich im Sommer durch Ausfall des Hausbrandes ver­schlechtern würden. Weit schlimmer sei die Lage in der S t e i n k o h l e n i n d u st r i c. 3m Ruhr­revier lägen etwa 7,5 Millionen Tonnen auf drn Halden, 1,5 Millionen Tonnen im Handel und auf Ben Schiffen, also etwa eine Monatsproduk­tion. 3m deutsch-oberschlesischen Revier und im Waldenburger Revier läge die Produktion etwa eines halben Monats auf den Halden 3n Sachsen seien wegen der geringen Förderung wenig Haldenbeftände vorhanden. Ausschlag­gebend für die schlechte Lage der Kohle sei der Minderverbrauch in der 3nbuftrie. Einschließlich der Reparationskohle sei jetzt wieder eine Ausfuhr von 30 Millionen Tonnen im 3ahre erreicht gegen 46 000 000 im Jahre 1913. Die Konkurrenz gegenüber der englischen Kohle werde jedoch durch die hohen Frachtkosten er­schwert. Für die .Unterbringung der durch die Zechenstillegungen beschaftigunaslos gewordene Arbeiter würde nach Möglichkeit gesorgt.

Bei Behandlung des Giatskap'taöSta­tistisches Reichsamt" frante Abg. Hergt lDntl.) den Reichswirtschaftsminister, ob die Rach- richt zutrefse, daß

amerikanische Kreditderhandlungen

infolge der innerpolitischen Verhältnisse in Deutschland, die mit der Präsidentenwahl zusammenhängen, geschädigt bzw. abgebrochen worden sind Reichswirtschaftsminister Reu» Haus erwiderte, daß er in seiner Etatsrede sehr eingehend die Gründe des Rückganges der Kredit­gewährung durch das Ausland' barfegte, der seiner Meinung nach wesentlich Durd) die Er­höhung des Diskontsatzes in Ame­rika und England verursacht worden sei. Es sei ihm amtlich nicht bekannt, daß die poli­tischen Verhältnisse in Deutschland einen ungün­stigen Einfluß auf die Gestaltung des Kreditmark, tes ausgeübt hätten. Die Vertreter der Weimarer Koalition protestierten, daß diese hochpoli­tische Frage im Zusammenhang mit der Etatver­handlung über das Statistische Reichsamt gestellt und bcanttoortet wurde. Da nun einmal Die Be­antwortung durch den Reichswirtschaftsminister erfolgt sei, müßte die politische Debatte über die Gründe der Stockung des ausländischen Kreditzuschusses morgen fortgesetzt werden, um Einseitigkeit in Der politischen Dis- kussion des Ausschusses zu vermeiden. Diesen Wünschen entsprechend, ordnete der Vorsitzende die Fortsetzung der Aussprache für Samstag vor­mittag an.

Das Grandschulgeketz.

Berlin. 17. April (WTB) Der Rei chs- v a t beschäftigte sich heute mit Dem vom Reichs­tag angenommenen Gesetzentwurf über den Lehr­gang der Giunülchule. nach dem besonders

leislungssähige Schüler schon nach dreijährigem Besuch der Grund­schule in die höhere oder mittlere Schule auf» genommen werden können. Rach längerer Be­ratung wird der Antrag Preußens, ge­gen den Reichstagsbeschluß Einspruch zu er­heben, mit 43 gegen 22 Stimmen abgcleftnt

Barmat vor dem Untersuchungsausschuß.

Berlin. 17. April. (WTB.) 3m großen Echwurgerichtssaale des Moob.ter 3ustizpalastes begann heute vor Dem Reichstagsunterfuchungs» ausschuß für die Kreditaffären die Verneh­mung des aus der Untersuchungshaft vorge­führten Hauptbeteiligten Julius Darmat. Der Vorsitzende macht diesen darauf aufmecif.im, daß er hier nicht als Angellagter, sondern als Zeuge vernommen werde. Barmat gibt Darauf eine Schilderung s.ines Lebenslaufes. 1913 fei er zum erstenmal nach Deutschland gekommen, und zwar auf Einladung von Hermann Müller und Wels. Das Paftvisum habe er von der Gesandtschaft bekommen. Darmat gibt Darauf eine Schild.rang der Abwicklung der Lebens­mitt el g e s cd ä s t e, u. a. mit der Reichsfett­stelle, torbei ihm keine Bevorzugung zuteil ge­worden sei. Auf eine diesbezügliche Frage des Vorsitzerrden des Ausschusses erklärte Darmat weiter, daß er vertraulich amtliche Aus­künfte von amtlichen Stellen nie er­halten habe.

Darauf bestätigte der Zeuge R o m m e l, daß Darmat ihm wiederholt versprach, ihm einen Gesondtenpoften zu verschaffen. Dar­mat hätte ihm gesagt, er werde ihn bei Mül - ler und Wels einführen, Damit er einen GesanDtenposten erhalte. Darmat gibt diese Aeußerung zu, eimte Posten jedoch hätte er ihm nie angeboten.

Darmat wird dann über die Erlangung seiner Einreiseerlaubnis gefragt. Seine Einreiseerlaubnis nach Deutschland betam er ohne Vermittlung deutscher Poli.iler durch Freiherrn v. Malhan auf der deutschen Gesandschaft im Haag ziemlich schnell. Auf die Vorhaltung, daß Malhan sich gegen die Erteilung dec Ein­reiseerlaubnis gewehrt hatte, erklärte Darmat, er könne nicht glauben, daß Maltzan eine solche Aussage machte. Roch im Mai 1923 empfahl Malhan ihn als einen zuverlässigen und tüch­tigen Kaufmann. Schwierigkeiten wurden ihm nicht von Maltzan gemacht, sondern vom Ge­neralkonsulat. Auf Die Frage nach der Art der Beziehungen zum Reichskanzler und Minister Bauer antwortete Barmat, daß er mit Dauer erst geschäftliche Beziehungen an­knüpfte, als dieser nicht mehr Minister war. Der Brief an Dauer wurde nicht von ihn?, sondern von seinen Angestellten ge­schrieben. Es handelte sich damals um Diffe­renzen wegen Der Provision. Er hätte über­haupt Wintstern oder politischen Persönlichkeiten, die der Sozialdemokratischen Partei angehörten, keine Dortctle verschafft, um daraus irgendwelche Erleichterungen für seine Geschäfte zu erreichen. H e i l m a n n und Richter waren allerdings seine Freunde. Mit den übrigen Herren hätte er nur auf dem Doden der Parteifreund» schaft verkehrt, Lieberhaupt hätten oiefe Freund­schaften seinen geschäftlichen Beziehungen eher geschadet als genützt, denn die Minister selbst hatten die Geschäfte nicht persönlich abgewickelt, sondern fie sofort an Reichsstellen weitergegeben: bei denen aber hätte eine Abneigung gegen So­zialdemokraten bestanden, so baß chm dort Schwierigkeiten gemacht wurden, wo es nur an» ging. Auf verschiedene Fragen, wie er seine Ge­schäfte habe finanzieren können, bekundete Barmat, daß er auf seine Verträge h i n stets genügend Gelder zur Abwicklung seiner Geschäfte erhielt. Genaue Angaben könne er nicht machen. Da man ihm sein ganzes Akten­material vorenthalte. Darauf wird Die Verhand­lung auf morgen vormittag vertagt.

Das Verfahren geZen Dr. Hoffe.

Berlin, 18. April. (XU.) Die Staats­anwaltschaft hat einem erneuten Antrag von Dr. Höf le auf nochmalige ärztliche Un­ter f u dj u n g über seine Haftfähigkeit zuge­stimmt. Heute Samstag soll der ehemalige Reichs- postminister durch Geheimrat Krauß, Medi-- zinalrat Dr. Stürmer und Mcdisinalrat Dr. Thiele untersucht werden. Dr. Höfle klagt über sehr starke Herzbeschwerden, Die nach Ansicht der Aerzte durch die begrenzte Bewegungsfreiheit Dr. Höfles verstärkt worden sind. Die Straf­kammer wird sich am Montag mit dem ärzt­lichen Gutachten beschäftigen und Beschluß fassen, ob Dr. Höfle aus freien Fuß gesetzt wird oder nicht.

Deutschenverfolgun^ in Ost-Oberschlesten.

Breslau, 17. April. (Wolff.) Am Kar­freitag ist der Deutsche Schwenker in Piel-- s ch o w i ft in Ost-Oberschlesien von ehemali­gen polnischen 3nf urgent en erschos- sen worden, weil er seine Kinder die deutsche Schule in Hindenburg besuchen lieft. Am gleichen Tage wurde ein Rangierer aus Hindenburg in der Rähe von Pieschlowih von Bewaffneten überfallen und aufs schwerste mift- handelt. Es wird angenommen, daft es sich in beiden Fällen um dieselben Täter handelt. Am Ostersamstag zogen mit Knüppeln ausgerüstete ehemalige polnische 3nfurgenten durch Pielscho- tvitz und schlugen an 20 Häusern, in denen deutsche Familien^wohnen, die Fenster ein. Ein pol­nischer Hausbesitzer, Der irrtümlich für einen Deutschen gehalten tourDe. wurde von einem Mitglied des polnischen Ostmarkenvereins er­schossen.

N 33" in England gelandet.

Köln, 17. April. (TU.) Wie wir von unter- rlchteier Seite erfahren, ist das englische Luftschiff R 33", das seit gestern morgen vor dem Sturme trieb, an der Südostküste Englands in Lowestoff bei Norfolk g e l a n d e t. Die Besatzung ist u n o e r - letzt, das Luftschiff stark beschädigt.

Das LuftschiffR 33" befand sich um 9 Uhr ungefähr auf der Höhe von K a t w i j k und trieb in südlicher Richtung. Der Kommandant suchte, nachdem der Wind nachgelassen hatte, Co. lnls zu erreichen. Noch um Ul Uhr ist das Luft­schiff über Holland signalisiert worden. Es teilte mit. daß es nicht in Holland landen würde, son­dern versuchen wolle, nach England z u - «-ückzukehren Auf keinen Fall fei eine Lan­

dung vor Morgenanbruch notwendig. Um 1 Uhr nachts meldete Reuter, daß das Luftfahrtministe­rium folgendes Telegramm empfangen hätte: Luftschiff 10 Meilen südlich Pmuiben. Wer­den trachten, nach England zurückzufahren, wenn Wind abnimmt."

Im Verlauf des Morgens setzte das Luftschiff seine Rückfahrt nach England fort.

Scheik Said zum Tode verurteilt.

London, 18. April. (TU.)Daily Tele­graph" melbet aus Konstantinopel, daß der F ü h- rer der aufständischen Kurden. Scheik Said, gestern vom Distriktgericht zum Tode ver­urteilt wurde. Die Hinrichtung werde in den nächsten Tagen in Angora erfolgen.

Aus aller Welt.

Zweiter deutscher Akademikertag.

(Von unfetem Sonder bericht er st aller.)

Elberfeld. 15. Ap.il. Der zweite deutsche Akademikertag wurde heute mit einem se.er­lichen Degiühungsabenh im g roßen Saale der GesellschaftKasino" zu Elberfeld eröffnet. Große Erwartungen knüpfen sich an diese für Den Zusammenschluß der deutschen Akademiker aus allen Tellen dos deutschen Sprachgebiets so überaus wichtige Tagung, die eine beson­dere Weihe dadurch erhält, daß sie gleichsam einen Auftakt zur deutschen Jahrtausend» feier bildet. Der Gedanke des Zusammen­schlusses über alle Doructelle der Konfession Der politischen und Der Weltanschauung hinweg hat 3ung- und Altakademiker im April des vergan- genen 3ahreS nach Potsdam zusammengeiührt. um hier im Sinne des grvßdeutschen nationalen Gedankens die ^Arbeitsgemeinschaft der völki­schen Alademikerverbände des deutschen Sprach­gebietes" zu schaffen.

3n den fünf Potsdamer Zielfor- mcln wurde das Glaubensbekenntnis dieser Ar­beitsgemeinschaft feftgelegt Inzwischen hat Der Zusammenfchluftgedanke besonders in den deut­schen Sprachgebieten außerhalb der Reichsgrenzen beDeutenDe Fortschritte gemacht. 3n R u m ä n i en und den Daltenländern und jüngst in der Tschechoslowakei sind 3ung- und Altaka­demiker umfassende Gesamtorganisationen ent­standen. 3n Elberfeld sollen nun unter Zu­grundelegung ter von den einzelnen Verbänden gemachten praktischen Erfahrungen die Wege ge­funden werden, auf Denen die Alädemikertewo- gung ihrer Aufgabe, der Mitarbeit am Ausbau des großdeutschen Reiches, am erfolgreichsten ge­recht werden kann.

Bei Eröffnung Der Verhandlung«! des zwei­ten Deutschen AlaDeinikertages, Der in Elberfeld zusammengetreten ist, betonte Der Vorsitzende Der Vaterländischen Vereinigung alter Akademiker Des Wuppertales, Dr. Hoppmann, in Dessen Händen die Vorbereitung Der Tagung gelegen hatte. Den überparteilichen Charakter Des Ala- Demikertages. Die Hauptarbeit Der Tagung wird sich in Dem zur Behandlung Der Einzels ragen ein­gesetzten Ausschüssen abspielen. Der Deutsche Hochschulring uixD die einzelnen Verbände haben bereits In besonderen Sitzungen zu verschiedenen Fragen Stellung genommen.

Den Gegenstand Der ersten Besprechungen bildeten Referate des Hofrats Dr. P o t h über Verbände und Zweier deutscher Aiatemikertc-g", des Diplomingenieurs G e r l o f f überDie hoch- schulpvlltische Lage und die Verbände", und end­lich deö Professors Martin Spahn über ..Hoch­schulring und Verbände". Auf dem offiziellen Begrüßungsabend, der sich einer außerordentlich großen Beteiligung erfreute, waren als Gäste u. a. erschienen der Oberbürgermeister von Elber­feld, Dr. K i r s ch b a u m , sowie Vertreter der Stadt Barmen und Die Rektoren der Universitäten Gießen und Münster. Die Grundlage der weiteren Verhandlungen der Ausschüsse bildete ein Vortrag von Professor Spahn überDie historisch-genetische Darstel­lung des deutschen Gedankens". Die Besprechun­gen zeichneten sich allgemein durch das Streben nach wirllicher und volllommener Einigkeit aus.

Von der Prager deutschrn Uniberfifät.

Die Hörerzahl Der Prager deut­schen Universität beläuft sich nach Been­digung Der Inskriptionen für das Sommersemester 1925 auf 3209 gegenüber 3356 im Sornm-rsemester 1924 und 3527 im Wintersemester 1924/25.

Das Baden-Badener Schachturnier.

Baden-Baden, 17. April. (WTB.) In Der heute gespielten Runde des internatio­nalen Schachturniers siegte der nachziehende Irre» Mexiko über Te Kolste-Holland in 27 Zü­gen. Reti-Oesterreich gewann mit Weiß ein schwie. riges Endspiel gegen Grünseld - Oesterreich.- misch-Deuschland gewann unerwartet mit Weiß gegen Bogoljubow-Ukraine. Rabinowiisch-Rußland siegte als Anziehender über Marchese Roselli-Jta- lien. Carl-Deutschland gewann mit Schwarz gegen Mises-Deutschland. Remis wurden die Partien Niemzowitsch-Dänemark gegen Tarrasch-Deutsch- land, nach 27 Zügen, Treybal-Tschcchoslowokei gegen Tartakower-Oesterreich nach 31 Zügen und Spielmann-Oesterrcich gegen Marshall-Amerika nach 18 Zügen. Es schweben noch die Partien Alechin- Frankreich gegen Colle-Belgien und Thomas-Eng­land gegen Rubinstein-Polen.

Raubüberfall französischer Soldaten.

Wie aus Neustadt In Der Pfalz verlautet, wurde ein Müllerbursche, der sich auf dem Heim- weg nach der Frohmühle bei Haßloch befand, ^egen 9 Uhr abends von drei französischen Sol­daten. Die später als Angehörige der franzö­sischen Fliegertruppe ermittelt werden, überfal - lo und seiner Barschaft in Höhe von 17 Mark sowie seiner Taschenuhr mit Kette und sogar seiner Tabakspfeife beraubt

Eine LlnglückSzech«.

Auf der Kokerei der Zeche Friedrich Heinrich in Lintfort verunglückte beim Verladen von Koks ein Arbeiter dadurch tödlich, daß er von einer 12 Zentner schweren Reseroeture erfaßt und tot gequetscht wurde. Ein weiterer töd­licher Unfall ereignete sich in derselben Kokerei dadurch, daß einem Koksmeister beim Verladen von Koks der Greifer eines Dampfkranes ins Ge­nick traf, wodurch der Kopf des Mannes zer­drückt und der Tod sofort herbeigeführt wurde.

BootSunfall

Aus Wiesbaden wird gemeldet: Am Schierstci- ner Hafen schlug ein Paddelboot mit drei Insassen u in. Die zwei Herren retteten sich, wäh- renb die Dame c r t r a u t .

Eine amerckanftche Diplomotm in Vern.

Nach einer Meldung derMorning Post" aus Washington ist Miß Lucille Atcherson der Posten des dritten Sekretärs der amerikanischen Gesandtschaft in Bern übertragen worden. Dies ist dem Blatt zufolge der erste Fall in der Geschichte der amerikanischen Diplomatie, daß eine Frau einen offiziellen Posten in einer auswärtigen Mission erhält.

Blutige Rache-

Rom. 18. April. (WTB. Funkspruch.) 3n einem Dorfe auf Sizilien wurde etn bc^ kannter Dieb, Der, uni Die Besitzer zu schädigen, Die Bäume in Den Gärten mit einer Axt nicocr» schlug, von einem Besitzer Dabei ertappt. Dn Desitzer schlug ihm mit Hilfe eines Knechtes mit dem Beile die linke HanD ab und schickte sich an. Der rechten Hand Dasselbe Schicksal zu bereiten. Der Dieb konnte sich aber frei machen und flüchtete blutüberströmt in feine Woh­nung, wo er lebensgefährlich verletzt DarnicDer» liegt. Die Polizei verhaftete Den Besitzer

Zechenftillegung

3n den Verhandlungen vor dem Denrobtt- machungskvmmissar über die Stillegung Der Magerzechen Schürbank. Charlollenburg und Iohannisscgen tourDc fest gestellt, daß Die wirt­schaftliche Lage unhaltbar geworden und Die Stillegung Der Betriebe nicht zu um­gehen sei. Von Den Magerkohlenzechen bean­tragte auch nunmehr Die Gewerkschaft Herbster Die Still gung Des Betriebes wegen Dauernder älnwiitschafllichkeit. Die Zeche will Die Auf­rechterhaltung einer geringen Förderung ver­suchen. Zur Entlassung werden etwa 500 Arbeiter und Angestellte kommen. Während bisher von Betriebsstillegungen mit größeren Betriebseinschränkungen nur die unter schwierigen Absatzverhältnissen besonders stark! leidenden Magertvhlenzechen betroffen wurden, werden jetzt auch die Fettkohlen zechen von der Stillegung bedroht. Die Schachlanlagen West ende 1 und 2 in Du isburg-MeiDer ich und Schleswig in Brake bei Dortmund werden ge­zwungen, ebenfalls wegen starken Absahmanglls und Unwirtschaftttchteit Der Betriebe die Ge­nehmigung zur Still.gung einzuholen. 100 Wann von Westente 1 und 2 sollen auf einer unteren Anlage untergebracht werden. Unter Berück­sichtigung Der bei Den Llnterhaltungsarbeiten über Tage und unter Tage weiter Beschäftigten würden auf Den beiten Zechen zusammen etwa 1450 Arbeiter und Angestellte entlassen werten.

Wettervoraussage,

Zunächst vielfach heiter und wärmer, später zu-- nehmende Trübung und Regenneigung.

Das Einströmen nordwestlicher Winde, verbun­den mit nächtlicher Aufheiterung, verursachte in der letzten Nacht beträchtlichen Temperaturfall, so daß die Minima vielerorts nahe Null lagen. Inzwischen ströml in unser Gebiet wieder südliche wärmere Luft ein, die durch das öslliche Ausweichen des gestern noch über Frankreich liegenden Hochdrucks bedingt wird, der sich gleichzeitig nbgeschwächt hat. Bei südlichen bis östlichen Winden werden die Tem­peraturen zunächst steigen und Aufheiterung cin- freten: später dürfte mehr westliche Luftströmung einsetzen.

Aus Stadt und Land.

Gießen, Den 18. April 1925.

Zur Beigeordnetenwahl in Gießen.

In unseren Betrachtungen über Gießener Zu» tupftsfragen (Teil I in Nr. 68, Teil ll in Nr. 74, Teil III in dieser Nummer) haben wir u. a. betont, Daft außerordentlich wichtige, aus einem Jahrzehnt Nückstant» erwachsene und nunmehr für Jahr- zehnte entscheidende fragen unseres Sladtbauwesens und unserer Grund- und Bodenpolitik in der nahen Zukunft eine groß­zügige, durchgreifende Lösung erfahren muffen, wenn den lebenswichtigen Belangen unserer Stadt mit der gebührenden Sorgfalt Rechnung getrogen werden soll. Zahlreiche mündliche und schrifttrche Erklärungen aus allen Kreisen Der Bürgerschaft haben uns gezeigt, daft sehr viele Mitbürger un­serer Ansicht vollksmmen beipflichten.

Den ersten Schritt zur Lösung dieser großen, aber auch sehr dankbaren Aufgaben darf man in der bevorstehenden Wahl eines neuen tcch Nischen Beigeordneten erblicken, denn hier soll eine Führerpersönlichkeit für diese Gestattung unserer kommunalen Zukunft gewonnen werden. Eine Schar von 171 Bewerbern steht hierfür zur Verfügung. Die Auslese, die in diesem Falle von unseren Stadtverordneten geleistet wird, ist mit einer ungeheuren Verantwortung belastet. Ange­sichts der außerordentlichen Größe der Probleme und im Hinblick auf die schwierigen Zeitverhättnisse, mit denen wir noch auf Jahre hinaus zu rechnen haben, Dürfte es wohl auch für die Stadtverordneten eine glatte Selbstverständlichkett sein, haft für diesen sehr wichtigen Posten nur eine nach allen Rich­tungen hin durchaus geeignete Persönlich­keit gewählt wird, ein Mann, der nicht nur ein gewissenhafter, vielseitiger Verwattungsbeamter tft sondern her darüber hinaus auf Dem Gebiete des neuzeitlichen Städkebauwefens ganz großes fachmännisches Können aufweist. Für Die geDeihliche Aufwärtsentwicklung unseres Gemeinwesens ist es DrtnqcnD notwenDig, einen sehr ersaherenen (zachmann zu ge­winnen, Der am neuzeillichen Städtebau und an einer modernen, großzügigen Bodenpolitik mög­lichst in Großstädten oder in Orten mit aufstreben der Industrie lange Zeit praktisch mttgearbeitet hat, dem es Gewohnheit ist, auch unter den neuzeitlichen Einschränkungen und Erschwernissen auf dem Ge biete der kommunalen Finanzwirkschaft baulich und bodenpolitisch Hervorragendes möglich zu machen, den eine nie erlahmende energievolle Tattroft be­seelt und Der aus seinem Schatz von neuzeitlichen Erfahrungen neue, großzügige Ideen und künstlerischen Auftrieb in bas Gießener BeigeorDneienamt mitbringt. Don einem derart auf größtes fachliches Format geschulten tech­nischen Beigeordneten könnte man erhoffen, daß er unserer Stadt in ihrem Wettbewerb mit den Nachbarstädten ein kühner, tatkräftiger Wegbe- reifer und guter Berater sein wird.

In Der Bürgerschaft, die mit Recht Die Ansicht vertritt, daß für diesen Beigeorbnetenposten die oNerbestc Kraft gerade gut genug ist, steht man der Entscheidung der Stadtverordneten