Ausgabe 
18.4.1925
 
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Rr. 90 Erstes blatt

U5. Jahrgang

8aimtag, 18. April 1925

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhefsen

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pokschecktonto:

ZranNvN a. M. 11686.

Ausland und

Präsidentschaftswahl.

ötne der widerwärtigsten Erscheinungen im Wahlkampf um die Präsidentenwürde ist die Art und Weise, wie gewisse Prehvrgane der Wer- marer Koalition ausländische Prcssestimrnen zur Stimmungsmache im Wahlkamps auswerten. Mit einem Eifer, der einer besseren Sache würdig wäre, wird täglich da- Stimmungsbarometer in Pari- und London registriert, um dem deutschen Bürger dann in mehr oder minder deutlichen Kommentaren plausibel zu machen, daß er sich mit der Wahl Hindenburgs den letzten Rest von Wohlwollen im Lager unserer früheren Feindr verscherze, und daß allein Wilhelm Marx dem Ausland als Reichspräsident genehm sei. Es ist schon an sich eine Arroganz, wenn gewisse Pariser und Londoner Blätter glauben, dem deut­schen Staatsbürger für den Gang an die Wahl­urne ihren Rat erteilen zu müssen, eine 2In- matzung, die in Deutschland um so peinlicher cmpfuiwen wird, als man sie nur uns gegenüber sich herausnehmen zu können glaubt, in Parns und London selbst aber äußerst empfindlich ist, wenn man aus der Prelle des verbündeten Lan­des unerbetene Ratschläge zu hören bekommt.

Auch auf der Linken fehlt nicht überall daS Gefühl für das Angehörige eines solchen Gebarens So schrieb dieKölnische Bolksztg", daS rheinische Zentrumsblatt:ES ist uns immer peinlich, wenn Stimmen des Auslandes sich gegen unS und unsere politischen Maßnahmen erhebrn, und wenn in Deutschland Lieberängstliche mehr noch draußen als nach drinnen lauschen. Auf die Dauer ist diese Schul­meisterei des Auslandes, namentlich unterer westlichen Rachbarn, auch dem Friedfer­tigsten unerträglich, um so unerträglicher. alS dieses selbe Ausland ja auch verwünscht wenig getan hat. um die Gewalten nrorolisch zu stützen, von denen es immer wieder behauptet, bau es sie gerne sehe." Leider hat diese Stimme der Einsicht, je näher der Wahltag beranrüdt, um so weniger bei der besreuirdeten Presse Be­achtung gefunden. Die Meinung des Auslandes ist vieunehr eines der vornehmsten Kanrpsnrittel gegen die Kandidatur Hindenburg geworden 3cfco mitzfällige Aeußerung irgendeines Pariser oder Londoner Organs, mag es auch als chauvinisti­sches Hetzblatt noch so bekannt sein, wird sorg« sältig registriert, und in angstschlotternden Kom­mentaren werden dem deutschen Wähler die furchtbaren außenpolitischen Gefahren und inter­nationalen Derwidlungen vor Augen geführt, die angeblich eine Präsidentschaft des Feldmarscholls im Gefolge haben soll. Um den Parteikuhhandel zwischen Sozialdemokraten und Zentrum durch eine Präsidentschaft Marx unter Dach und Fach zu bringen, ist jedes Mittel recht, mag cs auch alle nationale Würde außer acht lassen. Cs nimmt kein Wunder, daß die besonnene, sonst so zurüdhaltende Presse der uns freundlich ge­sinnten neutralen Staaten sich mit Abscheu von einem Gebaren wendet, das geeignet ist, das deutsche Ansehen in der Well auf das schwerste bloßzustetten. So findet es dasSvenska Dag- bladet". eine führende Zeitung Stockholms, schwir verständlich, daß die Kritik des Auslandes von einem großen Teil Deutscher als Waffe im Wahl­kampf willkommen geheißen werde. Dieser Zustand sei betrübend für jeden Menschen mit elementarem, nationalem Anstand. Die Wahrung der Selbständigkeit auf dem Gebiet innenpolitischer Willensäußerung müsse im zwi- fchenstaatlichen Berkehr schon aus egoistischen Gründen peinlich beachtet werden Wenn dann noch jeder ausmerllame Zeitnngsleser täglich be­obachten kann, wie bürgerlich: Blätter der Lin­ken die sozialdemokratische Presse in krankhafter Selbstbeschmutzung dadurch zu übertrumpfen suchen, daß sie durch völlig haltlose Berdächti- gungen, durch hartnäckig wiederaufgetischte, längst widerlegte Berleumdungen der feindlichen Aus­landpresse die Stichworte zu ihrem Feldzug gegen die Kandidatur Hindenburg liefern, dann versteht man die hämische Schadenfreude dieser selben Presse a.r der unrettbaren Selbstzerflei­schung des deutschen Volkes und das besorgte Staunen unserer wenigen Freunde im Ausland ob dieses Mangels an nationalem Stolz und nationaler Selbstachtung.

Rrit diesen törichten und niederträchtigen Versuchen, die Kandidatur Hindenburg als außen- politische Gefahr hinzustellen, um daraus für ben eigenen Kandidaten Kapital zu schlagen, hat es nichts zu schaffen, wenn wir uns ein möglichst objektives Bild von dem Eindruck zu verschaffen suchen, den die Wahl Hindenburgs zum Reichs- ^äs^denten auf das Ausland machen würde. Das Ist selbstverständliche Pflicht verantwortungsbe­wußter Staatsmänner, die vor dem Kriege nur £u oft außer acht gelallen wurde. Deutschland steht in bedeutsamen Verhandlungen über das , e r ? r 0 $ m über einen gegen­seitigen Garantievertrog mit den Wcstmäch'sn. Wird es nicht jedem nüchtern wägenden Politiker des Auslandes ehr weit gewichtigeres Pfand dünken, wenn Hindenburgs älnterschrift unter dem geplanten Sicherheitsabkommen steht, als wenn die nationale Rechne einem von der Wci- marerer Koalition abgeschlossenen Vertrag ihre Zustimmung versagte? Hinter einem Abkommen, das em Mann wie Hindenburg mit den ehe­maligen Feinden tr fft, wird dagegen das ganze deutsche Voll stehen, well es gewiß ist, daß seine nationalen Interessen in den äußersten Grenzen des Möglichen gewahrt sind. Ein Ga­rantiepall, der Hindenburgs ilntcr*d)rift trägt wurde also für Frankreich die größtmögliche Sccherhelt bieten, toerat es deren überhaupt unserer Selle bedurfte. Denn auch das

Bon Herriot zu Painleve.

Herrn Painleve ist es also tatsächlich ge­lungen, ein Kabinett zu bilden, wobei er sich auf dieselben Parteien stützt, die hinter dem Ministerium Herriot standen. Der Szenenwech­sel in der französischen Politik ist deshalb nicht gleichzeitig ein Systemwechsel geworden, er ist nur ein Beweis dafür, daß Herriot alsPer- s o n abgewirtschaftet hatte, weil die Hoff­nungen, die auf ihn gesetzt waren, sich nicht er­füllt hatten und seiner ganzen Ratur nach auch nicht erfüllen konnten. Deshalb war schon, ehe die Krise akut wurde, einmal die Rede davon, daß Herriot mit Painleve tauschen soll.e.

Herr Painleve selbst hat dazu keine große Reigung gehabt, er hat sich auch gegen die Be­trauung mit der Kabinettsbildung heftig gewehrt, so daß zunächst das kurze, aber ergcllmislose Zwischenspiel Briand eingeschoben lverden mußte. Herr Driand aber ist ein schlauer 5ud>S; er wollte sich als Träger der Regierung nur Herausstellen, wenn er die Sozialisten in unmittelbarer Verantwortlichkeit mit in sein Ka­binett hineinbekam, die ihm indessen diesen Liebes­dienst verweigerten. Inwieweit Briand das vor­aussah und die Anfrage an die Sozialisten daher nur eine Kulisse war, hinter der er seine Ab­lehnung verbergen konnte, mag dahingestellt blei­ben. jedenfalls beweist die Haltung der franzö­sischen Sozialisten nicht gerade hervorragenden Mut zur Verantwortlichkeit. Sie haben das Ka­binett Herriot unterstützt, sie werden das Kabi­nett Painleve unterstützen, wollen aber dabei passiv bleiben, weil sie die Opposition im eigenen Lager scheuen und sich nicht regierungsfähig machen wollen. Das ist die Me­thode, daß man die Rosinen aus einem Kuchen herausholt, sich bei der Besetzung der Aemtcr in Erinnerung bringt und durch die Drohung mit dem Abmarsch die Regierung unter Druck hält, aber doch immer der älnpopulari- tät der unmittelbaren MllverWallung entgeht.

Herr Painleve kennt sich inzwischen wohl selbst genug, um zu wissen, daß er der eigentliche Kopf eines lebensfähigen Kabinetts nicht fein farm. Er ist eigentlich aus Versehen in. die Po­litik hineingeraten. Man nennt ihn einen Ge­lehrten von Wellruf, der sich von seiner Willen­schaft losriß. als er in das politische Getriebe nach der Dreyfuß-Affäre hineinaezerrt wurde, und den barm später auch einmal der politische Ehrgeiz padte. So wurde ec Kriegsmini - st e r, verschwand aber sehr schnell, weil er der Aufgabe nicht gewachsen war. so wurde er später auch einmal Ministerpräsident, versagte indessen auch hier und verschwand wieder in der Versenkung, um erst im vergangenen Mai wieder aufzutauchen, als die Parteien der Linke auf der Suche nach einem Kammerpräsidenten waren. Die Opposition torft ihm vor, daß er dieses Amt einseitig ausgefüllt hätte, sie hat des­halb auch verhindert, daß er zum Präsidenten der Republik nach dem Rücktritt Millerands gewählt wurde, obwohl er der eigentliche Kandidat der Anken toai. Da aber sein Mitbewerber Do u -- mergue die Stimmen aller Anhänger Poin- carös erhielt, fiel Painlevä wohl zu seiner eige­nen Hebet rafd>ung durch und muhte sich auch weiterhin mit dem Kammerpräsidium begnügen, das allerdings eine der angenehmsten Stellungen ist, die Frankreich zu vergeben hat.

Was Wunder, daß es ihm nicht ganz leicht fiel, diesen Ruheposten mit der Llnsicherheit des Ministerpräsidenten zu vertauschen- indessen, er konnte sich wohl dem Drud nicht länger entziehen, der von allen Seiten auf ihn ausgeübt wurde. Das Kabinett, das er jetzt gebildet hat. trägt jedoch nur der Form halber seinen Ranren. tat­sächlich wird es ein Kabinett Driand- Caillaux-Monzie sein. älnd in diesen drei Persönlichkeiten liegt die eigentliche Be­deutung der neuen Regierung. Sie sind mit die stärksten Talente, die Frankreich auf der Linken besitzt, und wenn sie sich zur Ver­fügung stellen, nachdem sie sich untereinander verständigt haben, ist das vielleicht der beste Beweis, daß sie an die Lebensdauer dieser neuen Regierung glauben Der Interessanteste von den Dreien ist wohl C a i l l a u x , den Poincars zum Landesverräter stempeln und ächten ließ, der aber jetzt zurückgerufen wird, weil er vielleicht der einzige ist. der das finanzielle Dilemma Frankreichs überwinden kann. Außenpolitisch ist er immer antienglisch orientiert gewesen und war ein Vertreter der Kontinentalpoli­tik auf der Grundlage des wirtschaftlichen Ge­dankens, daß Kohle und Eisen zusammengehören.

Auch Briand fügt sich in diesen Rahmen hinein. Er tourbe von Pomcnre als Minister­präsident gestürzt in dem Augenblick, wo er in

lächerliche Gespenst eines Rcvanchekrieges, mll dem französische Hetzblätter und deutsche Pazifisten den Wähler gruseln machen tooQen, finft vor Hindenburg in ein Rrchts zusammen. Wohl niemand weiß bester als der größte Feld­herr seiner Zeit, daß ein abgerüfletä Volk nicht gegen eine Welt in Waffen kämpfen kann.

Richt besser steht es mit dem Einwand, daß Hindenburgs Wahl die Rückkehr zur Mo­narchie, di- Rückkehr zum Kaisertum oer Hohenzollern bedeute. Zu Beginn des Wahl­kampfes erklärten Politiker der Linken mit er­freulicher Offenheit, daß es bei der Wahl des Reichspräsidenten nicht um die Frage Monar­chie oder Republik gehe, daß die Frage der Staatssorn'. völlig ausschalte. 3e mehr nun im Laufe des Wahlkampfes alle anderen Argumente flogen die Kandidatur Hindenburg sich ersthöpfen,

Cannes den Versuch machte, in Derblndung mit England das deutsche Reparationsproblcm zu lösen. Driand sowohl wie Eaillaur finden sich In dem Haß gegen Poincarö. der also keine älrsache hat. sich über den Sturz Herriots zu freuen. Ob der Wechse» auch für uns erfreulich ist, bleibt abzuwart en Mit Herriot ist die Per- sönlichkell geichwunden, die sich mit ihrer Ehre für den Abmarsch aus dem Ruhrgebiet spätestens am 15. August engagiert hatte. Diese persönliche Garantie fällt also weg, sic kann uns aber erseht werden durch bic sachliche Garan­tie. die auch England übernommen hat. Da­für ist an die Stelle des Ideologen Herriot der nüchterne Driand getreten, mit dem vielleicht eine sachliche Diskussion über die künftige Ge­staltung der deutsch-französischen 'Beziehungen leichter zum Ziele führt. ;1:ibeffen ist bic Frage, ob der ewig wandlungsfähige Driand in ber Zeit, wo er ausgeschaltet war, nicht vielleicht auch seine Ausfällung geändert hat.

Pain!eves Regierungs­programm.

Das Sicherheit^- und ftü»(UHVrobfcm.

Paris, 17. April. (WTB.) Ministerpräsident Painlevä hat heute oormittag dem Präsidenten der Republik die Mitglieder seines Kabinetts vorgeftellt. Es wurde beschlossen, morgen vormittag im Gebäude des Kammerpräsidiums einen M i - n i st c r r a t abzuhalten, i-m sich über die Regie­rungserklärung auszusprechen, deren Text am Mon­tag in einem Ministcrrat festgelegt werden wird. Das Kabinett wird am Dienstag zum ersten Male vor das Parlament treten. Die Regierungserklä­rung, die bei dieser Gelegenheit zur Perlesung ge­langen wird, soll so kurz wie möglich gefaßt werden. Nach demMotin" würde sie lediglich den Inhalt enthalten, daß die Sicherheit und die finan­zielle W i e d e r a u f r i ch t u n g Frankj- r e i ch s die beiden großen Probleme seien, die zur Zeit das ganze öffentliche Interesse beanspruchen. Die Regierung werde dementsprechend um die Gin- rtd^ung eines langfristigen Kredites ein­kommen. Der Finanzplan könne nicht in 24 Stun­den improvisier! werden. Der Finanzminister werde sämtliche Anregungen und Vorschläge, die ihm zu- gehen, eingehend prüfen. Der Schluß der Regie­rungserklärung werde in der Aufforderung gipfeln, jeden Parteihader im Interesse des Landes zurückzu ft eilen, damit die Erfüllung der bei­den Hauptprobleme so schnell wie möglich erreicht wird.

Das außenpolitische Programm bedeutet die Fortsetzung der H c r r i o t - P o 1 i t i k. Briand hält infolgedessen an dem vorbehaltlosen Eintritt Deutschlands "in den Völker­bund fest und erstrebt andererseits eine finan­zielle Regelung mit Rußland. Er ist Anhänger des Garantievertrags-Pro­jektes, das auf fünf Mächte ausgedehnt werden soll. Weiter befürwortete er eine baldige Regelung des K r i e g s s ch u l d e n - P r o b l e m s. In der Frage der Gesandtschaft beim Vatikan besteht Grund zu der Annahme, daß der Präsident auch weiterhin Gegner der Aufhebung der Gesandt­schaft fein wird.

Der republikanisch-demokratische

Verband gegen Caillaux.

Paris, 18. April (511.) Die Kammer­gruppe des demokratisch-republikanischen Der- bandes hat einstimmig beschlossen. den Ein­tritt Caillaux' in bic Regierung, brr vom Obersten Gerichtshof mitten im Kriege wegen verbrecherischen Einvernehmens mit dem Feinde abgeurtcilt würbe, als Herausforderung ber öffentlichen Meinung anzusehen. Eine Entschließung stellt fest, daß bas neue Kabinett entgegen ber Beschlußfassung des Senats vom 11. April 1925 nicht geeignet sei. den inneren Frieden unb die nationale Ein­tracht wieberherzust eilen. Der republikanisch- demokratische Verband hat beschlossen, dem Ka­binett fein Vertrauen vor^uenthalten. Die Gruppe umfaßt 104 Mitglieder und bildet den Kern der Opposition.

Deutscher Tag auf der Mailänder Messe.

Im Rahmen des Deutschen Tages aut der Mailänder Messe fand ein Vortrag des Füh­rers des Zeppelinluftschiffes 3 R 3, Dr. Eckene r, über die Fernluftfahrt statt. Die Veranstaltung, an der außer dem deutschen Botschafter Freihern von Neurath und den zum Besuch der Meße an»

wesenden deutschen Journalisten die Spitzen der italienischen Behörden sowie zahlreiche hervor­ragende Politiker und Militärs teilnahmen, ge- ftaitete sich zu einem großen Erfolg. Der Saal mar überfüllt, obgleich mehr als 7000 Anlräge auf Zu­teilung von Karten abgewiesen worden waren. Dr. Eckener schilderte die Fahrt des Z R 3 nach Ame­rika und verbreitete sich dann über die Möglichkeiten für die Entwicklung der Fernluftschiffahrt in Ita­lien. Zum Schluß betonte Dr. Eckener die Völker- verbindenden Aufgaben und Ziele der Luftschiff- fahrt. Der Vortragende wurde durch spontane Bei- fallsäußerungen häufig unterbrochen und erntete zum Schluß begeisterten Beifall. Im Anschluß an den Vortrag führte Reichskommissar Schwarz deutsche I n d u ft r i c f i I m c vor, die allgemeines Interesse erweckten.

bas Attentat von Sofia.

In wenigen Tagen haben die bulgarischen Bolschewisten rasch hintereinander drei Attenia.e verübt, deren erstes der Abgeordnete und Ge­neral Kosta Georgiew zunr Opfer, deren zweites dem König Boris galt und deren drittes ebenfalls auf seine Beseitigung btn- zielte, zwar ihn nicht traf, weil er der T r a u c r- feier in der Sofioter Kathedrale fcrngcbli b.m war, dafür aber vielen Personen das Leben kostete. Wir haben es bet diesen Vorgängen un­zweifelhaft mit einem sehr ernsthaften Vorstoß der Moskauer zu tun, die anscheinend ihre Zeil für gekommen galten, Bulgarien durch einen Handstreich in ihren Besitz zu bringen und in das feste antibelschewistische Gefüge brr Balkan- ftaaten eine Dresche zu legen Aehnlich begann seinerzeit auch der Versuch, Deutschland in eine bolschewistische Revolution zu stürzen und die Macht den nach Deutschland geschickten russi­schen Beauftragten zu überantworten. Während cs damals gelang, durch rasches Zupacken ber kommunistischen Bewegung Herr zu werden, laßt sich angesichts der höchst unsicheren inner- politischen Derhältniffe Bulgariens nicht Voraus­sagen, ob es der Regierung Zankoff gelingen wird, ebenfalls die Ruhe aufrechtzuerhalten. Der Belagerungszustand ist zwar verhängt worden, auch ist man zu einer Mobil isie - rung der Reserven geschritten, beimod) ist zu befürchten, daß dem Sofioter Signal die mit Geld und Waffen von Moskau reichlich ver­sehenen bulgarischen Kommunisten Folge leisten und zu einem Aufstand übergehen werden.

Die Opfer des Attentats.

Sofia. 17. April. (Bulgarische Telegraphen» Agentur.) Sofoit nach der Explosion in der Ka­thedrale begab sich der König an die Unglücks- stätte. wo er von der versammelten Menge lebhaft begrüßt wurde. Das Werkzeug der Explosion war eine mit einem Uhrwerk versehene Höllenmaschine, die unter dem Dache des südlichen Teiles der Kathedrale versteckt war. Da die offiziellen Per­sönlichkeiten um die Bahre Kostas in der Mitte bei Kiche standen, waren sie der Wirkung bet Explosion viel weniger ausgesetzt als bie, bte sich in ber Aktionssphäre der Maschine befanden. Die Zahl der Toten beträgt etwa 100, die der Verwundeten 200. Der Ministerpräsi ° b cnt, der Kriegsminister unb der Mi­nister des Innern trugen leichte Ver­wundungen davon. Unter den Toten befand sich ber Minister a. D. General von Rai- d e n o f f. Unter den Toten befinden sich außer dem Polizeipräsidenten mehrere hohe Reserve­offiziere unb Abgeordnete. Die Öffentlichkeit ist empört über bas Derbrechen, das in einer Kirche, unb noch dazu, als biefe von einer großen Menge gefüllt war, unter ber sich besonders viele Frauen und Kinder befanden, be­gangen wurde. Unmittelbar nach der Erplollon traten bie Minister zu einer Beratung zusammen. Der Kriegsminister Dalkofs unb ber Plahkom- manbant General Lazaroff machten danach einen LRundgang durch bie Stadt, von der Bevölkerung überall jubelnd begrüßt.

Die Kathedrale ist durch bie Explosion erheblich beschädigt. Eine der drei Kup­peln, in deren Rähe sich die Höllenmaschine be­fand. ist eingestürzt. Das Portal, das auf derselben Seite liegt, liegt ebenfalls in Trümmern. Die mittlere Kuppel ist erschüttert unb brvht jeden Augenblick einzustürzen.

Der größte Teil der Todesopfer ist noch unter den Trümmern deS eivgestürzten Gotteshauses begraben,

so daß sich die genaue Zahl noch immer nicht

um so weniger kann man es sich im Lager der Weimarer Koalition versagen, auf den alten Schlachtruf aus der Aera Wirth zurückzugreifen: Die Republik ist in Gefahr". Dabei bedarf es auch hier kaum des Hinweises, welche Stärkung gerade die Republik und die republikanische Ver­fassung durch die Eidesleistung eines Hindenburg als Reichspräsident und Hüter der Derfallung erfahren wirb. Unb baß ber Feldmarschall zu seinem Eide steht, wird auch fein erbittertster Gegner nicht zu bezweifln wagen. (Sin: ver­fassungsmäßige Aenderung der Staats­form bebarf aber einer Zweidrittelmehrheit im Reichstag Sie ist in ber augenblicklichen Zu­sammensetzung des Reichstags nicht dafür vor­handen unb wird auch kaum in absehbarer Zell zu erwarten sein. Es ist allo eine gewissenlose Irreführung des Auslandes unb ber eigenen

Volksgenossen, wenn man glauben machen will, bic Wahl Hinbenburgs bebeutc Verschlechterung unserer außenpolitischen Lage, Revanchetrieg, Staatsumwälzung.

Der Oft ergrub, den ber greife Felb- marschall an das deutsche Volk richtete, hat allen denen eine schwere Enttäuschung bereitet, die in ihm Material für ihr Zerrbild von dem auf Krieg sinnenden Hindenburg zu finden hofften. In ber graben, schlichten Sprache bes alten Soldaten, mit ber abgeklärten Ruhe des er­fahrenen Greises spricht es der Felbmarschall klar aus, bah kein Krieg und kein Aufftanb Im Innern unsere gefeffette Ration befreien kann, sondern daß es hierzu langer, ruhigerund friedlicher Arbeit bedarf. Dazu möge unS Marschall Hindenburg Führer feiiU