Ausgabe 
18.3.1925
 
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An atfaeünlnen »iti Der ^ejsubltf obgeTuttden. Der Stuntf gehe nur noch darum, ob sich bie Demo- trotie oder eine dem alten Obrigkeitsstaat ähn­liche Republik durchsegelt werde. Sief :t Kampf Lnne sehr lange Dauern. Der Redner setzte sich sehr energisch für den grotzdeutschen Gebauten ein und legte dar. datz auf dem Wege über den .Völkerbund unsere politischen Ziele erreicht wer­den fönnten.

Deutscher Reichstag.

Berlin, 17. Mürz. Am Regierung-tische: Iuftizminister Sr- Freuten. Vor Eintritt in die Tagesordnung erhebt Abg. Könen (Komm.) Einspruch gegen die Vorgänge in Halle lunb Oleutälln, wo Arbeiterblut geflossen fei. Das sei eine ungeheuerliche Einleitung zum Pra- Hidentschaftstoahlkampf. Ser Redner fordert so­fortige Behandlung eines Antrages, der die Wahlfreiheii sichert und die Regierung aufsor- Dcrt, die schuldigen Beamten ihres Dienstes zu entheben. Gegen die sofortige Behandlung dieses Antrages wird Widerspruch erhoben.

Sie Genehmigung zur Straf Verfol­gung der Aogg. Strasser (Rat.-Soz.). Duchmann (Komm.) und Henning (Rat.-Soz.) wird nicht erteilt t Ä c

Es folgt die zweite Beratung des Geseh- entwurses über

Zvsahstelgecung der Reuten der Angestellten­dersicherung.

Abg. Lambach (StL) lehnt die sozialdemo- ^kratischen Wünsche auf Beseitigung dieser Sonder­versicherung ab. Sie Airgestelltenversicherung müsse ausrechterhalten werden. 3m April sei nadj den Erklärungen der Regierung eine Vor­lage zur Revision des Angestelltenversicherunas- gesehes zu erwarten. Ser Reichstag soll daher zurückhaltend sein und die Onitiative der Regierung über l ässe n.

Abg. Hoch (Soz.) will durch eine Ver­schmelzung der Angestellten- und 3nva- llLenversrcherung d e Qeiflungen 0erbeff m

Abg. Schneider- Berlin (Sem.) stellt fest, Äah dre Rot der Rentner gebieterisch eine Er- höhuna der Renten verlange. Man könne ihnen schon jetzt helfen, ohne Inanspruchnahme von Reichsmitteln, wenn man den demokrati­schen Anträgen folge und u. a. auch die Ver­sicherungsgrenze auf 6000 Mark er­höhen wird.

Unter Anlehnung an die Abanderungs- anträge werden die Ausschußbeschlüsse in zweller und dritter Lllung bestätigt. Die Reichsregierung wird aufgefordert, dem Reichstag unverzüglich einen Gesetzentwurf vorzulegen, der neben einer Erhöhung der Versicherungs­pflichtgrenze in der Angestelltenvers chrrung eine entsprechende Erhöhung der Leistun­gen vvrsieht.

Das Haus seht nunmehr die zweite Beratung des Reichshaushaltspla-es beim

Reichsjustizministerium fort.

Abg Brodaus (Sem.) verweist aus die Vergiftung der politischen Atmo­sphäre. Das zeige sich besonders in der unge­heuren Zahl von Beleidigungsprozessen. Geradezu erschütternd sei es gewesen, als im Rvthardtprozeh in Magdeburg ein Beamter des verstorbenen Reick s p sidentert m-tteilen muhte, daß dieser Prozeß der 143. Beleidigungsprozeh fei, D-m der Reichspräsident führen mußte.

. Sie Aufhebung des Republikschutzaesetzes und des Staatsgerichtshofes sei noch nicht möglich. Sie Behauptung eines deutschnationalen Red­ners. der Eintritt in den republikanischen Richt er- Sünfc sei Gesinnungslumperei fei typisch für die Vergiftung der politischen Atmosphäre. Eine Reform des Ehescheidungsrechtes sei Unbedingt erforderlich.

Abg. Sr. Pfleger (Bayr. Vp ) bittet, den deutschen Juristen die Möglichkeit zu bieten, durch Studienreisen im Auslande sich über ausländisches Recht zu unterrichten. Er bedauert die politische Verhetzung, durch die das deutsche Volk auseinandergerissen werde. Die Emmir.gersche Iustizverordnung war notwendig, um unsere Rechtspflege vor dem drohenden Zu' sammenbruch zu bewahren. Ser Redner warnt ferner vor einer Erleichterung der Ehefcheidungs- gesetze. Lebhaft zu begrüßen sei die gemein- same Arbeit beim Strafgesetzbuch mit Oester­reich. Dadurch werde eine Drücke zwischen den beiden Ländern g schlagen. Sie Aufwertung dürfe kein Almosen werden.

Abg. Sr. Frick- München (Rat.-Soz.) führt Beschwerde über die Unterdrückung der deutsch-völkischen Bewegung durch den preußischen Minister Sevcring und die bayerische Regierung.

Abg. Lohmann-Altona (Dtschntl.) bringt Gehallswünsche der Iustizbeamten vor. Erfreut ch fei die Zusammenarbeit mit Oesterreich beim Strafgesetzbuch. Hoffentlich führe das zu einem inneren Zusammenschluß Der beiden Staaten.

Abg. Lucke (Wirtsch. Vgg.) bemängelt die äleberzahl der Gesetze unD Verordnungen, unter Denen sich niemand mehr zurechtfände.

Der R o t e t a 1 wird dem Hausbaltsausfchrß itbertoiefen. Dos Haus vertagt sich auf Mitt­woch mit der Tagesordnung: Kleine Vorlagen, Einzelberatung zum Zustizetat, kommunistische Anträge über Die Vorgänge in Halle.

Der Nothardtprozetz.

Magdeburg. 17. 2Narz. (Sil.) Zu Beginn des heutigen 7. Verhandlungstages im Rothardt- prozeß wird Freiherr v. Forstner, jetziger Ge­schäftsführer der Deutschnationalen in Hessen- Darmstadt, als Zeuge vernommen. Von Forstner 'bekundet, daß nach seiner Schätzung durch den 3anuarstreik die ünterfecbootfüb» rung um rund zwei Monate zurück- geworfen worden sei. Ihm sei damals mit­geteilt worden, daß Kieler Werftarbeiter auf Weisung der Berliner Sozialdemokratischen Par­teileitung zur Beteiligung am Streik veranlaßt worden feien. Sie verstärkte Tätigkeit der Eng­länder, die durch den Streik hervorgerufen wurde, habe zu größeren Verlusten bei deutschen Minen­suchbooten geführt

Kapitän Mersmann, der seinerzeit Chef Der Zentralabteilung auf der Kriegswerft in Kiel 'war. bekundet: Der Streik in den Kieler Wersten ifei schon am 26. Januar ausgebrochen. Er ist iber Meinung, daß nach Dem 29. Hanuar die Streifbeteiligung s chnell abgenommen habe Bei einer Besprechung mit den Führer «im 26. Januar hallen diese gesagt, die Gewerk- ,schäften wären nicht für den Streik. Es lei aber ,1ehr fraglich, ob sie den Streik hindern könnten.

5)et ehemalige Lerstoderinspektor Richnow bekundete, die Arbeiter, denen et Vorhaltungen gemacht habe, Hütten ihm geantwortet, die Wei­sungen für den Streik seien aus Berlin gekommen.

Regierungsrat Oberländer, der 1918 Marinebaumeister in Wilhelmshaven war, macht die Mitteilung, daß dort der Streik in­folge der scharfen Rede Stegerwalds schnell zusammengebrochen fei. Der Zeuge macht ferner Angaben über eine Reihe von Sabotageakten, die besonders auch in der Flugzeugwerkstatt vorgenommen wurden. An die Sozialdemokratische Partei seien Tätigketts- berichte geschickt worden, um zu zeigen, wann der geeignete Moment da sei. Ob die Berichte an die Sozialdemokratische Partei oder Llnab- hängige Sozialdemokratische Partei gegangen seien, weiß Der Zeuge nicht.

3n Der Rachmittagssitzung wurde Der Reichs­kanzler a. D. Dauer vernommen, Der im Jahre 1913 Vorsitzender der freien G to e 11 schäften war. Liebet Die Stellungnahme Der Sozial emolratie zur 2anDe3bertei.ig.ing machte er Die gleichen Angaben wie die vor iym vernom­menen sozialdemoktat,scheu Führer. D.t entschi- denste Vertreter Der LandesverteiDioung sei Ebert gewesen. Er habe mit Ebert sehr oft über Das Thema ^Strafgestellungs- befehle" gespr chen. Ebert habe immer den Standpunkt vertreten, Daß es töricht und ver­brecherisch sei. diesen Befehlen nicht zu folgen. Auf eine Frage des Gener llstaa-anwalts ent­gegnete Der Zeuge, daß Frau Ebert ganz ge­brochen gewesen sei, als zwei ihrer Söhne kurz nacheinander gefallen waten. Sie 1 wat besorgt um das Schicksal ihres Dritten Sohnes, der an Der Front war. unD machte ihrem Mann Den Vorschlag, von Der militäri­schen Bestimmung Gebrauch zu machen, daß in solchen Füllen Der dritte Sohn von Der Front zutückzu nehmen sei. @ -ert habe Den Vor­schlag abgelehnt. CB uer fei dann ohne Eberts Wissen zum General v. Braun gegangen, Der ver­fügte, Daß Der Dritte Sohn zunäch l von Der Front zurückgenommen werde. Er kam später noch einmal an Die Front, Die Verhandlung wurde Dann auf Mittwoch vertagt.

Der preußische Varmat- ausschuß.

D'e Vernehmung Roberts Schmidts.

Berlin , 17. März. (TA.) Ser Preu­ßische Llntersuchungsausschuß für Die Darmat- Kutisker-Affäre trat heute in Die Vernehmung des früheren ReichSwirtschaf!sministersR ob e r t Schmidt ein, Der bereits am Samstag im Reichstagsausschuß eingchonde D EunDungm ge­macht hat. Der Zeuge soll aussagen, ob Di- Gebrüder Barmat innerhalb der Sozialdemokratie bei einer Gesch äftsverbindung von Reichsstellen besonders bevorzugt worden seien. Der Minister wiederholt seine Darlegungen im Reichs- tagsausschuh und bestreitet eine solche Bevor­zugung. Et habe niemals an Barmats lukulli­schen Mahlen im Hotel Bristol teilgenommen. Er könne unter Eid aussagen, daß et niemals mit CBarmat irgendwo ober irgend-- wie zusammengetroffen sei außer dreimal in seinem Bureau im Reichswirtschafts- mmifterium. Eine Untersuchung über Die Zu­verlässigkeit Darmats habe Der Zeuge, auch nachdem Die Oesfentlichkeit sich mit Der An­gelegenheit beschäftigte, nicht angestellt. Gr habe keinerlei offizielle Anweisungen an irgendwelche Stellen wegen Barmat erlassen. Ser Zeuge be­streitet die Aussagen des 3 ugm Staudinger, daß er ungeordnet habe, daß Barmat nicht von vorn­herein die Tür verschlossen finden sollte und daß er nicht besser und nicht schlechter behandelt werden solle als jeder anbere Bewerber. Gr wurde von keinem Der im Revisionsaussckuh sitzenDen Leiter der Reichsstelle jemals ausgef or­dert, sich mit Der Sache Barmat zu befaßen. Er könne im einzelnen nicht sagen, ob ihm ein' Vortrag über Die Beschwerden gehalten wurde, er könne nicht unter seinem Eid aussagen, ob H e i l m a n n wegen Barmat zu ihm gekommen sei. Wegen B e r s ch i e b u n g e n , Die in Der Angelegenheit Der Altlederverwectungsstelle vor­gekommen sind, habe er eine Untersuchung an* geordnet. Der ausführliche Bericht Darüber sei vorhanDen.

Zu Der Frage der Großhandelser- l a u b n i s an Barmat erklärte Schmidt, es könne möglich sein. Daß er damals angeordnet habe, die polizeiliche Genehmigung sei in Diesem Falle nicht notwendig. Er glaube, daß nicht er, sondern Ministerialbeamte Die Ausfuhrgenehmi­gung für Die Papierlieferung angewiesen haben. Er könne sich nicht entsinnen, ob er je vor Bar­mat gewarnt worden fei. Direktor Pritschow, der früher Vorsitzender Der Devisenbeschatfungs- stelle und Mitglied des Devisenbeirates war, er­klärte, daß es sich bei den Kreditgeschäften mit Barmat um etwa 30 Mill. GolDmarl gehandelt habe. Weder freundschaftliche Beziehungen, noch materielle Möglichkcilen oder AbhängigkÄt hatten ihn gezwungen, Barmat anders zu behandeln als irgend einen anderen Kaufmann. Durch Der- milllung Darmats habe das Reich keine Va­lutakredite erhalten. Die Frage des Dor- ftheirden, ob die Geschäftsverbindung mit Barmat fortgesetzt worden fei, als es sich herausstellte, daß von den 2800 Kisten Speck nur 800 und da­von 600 in verdorbenem Zustande geliefert wor­den waren, bejaht Der Zeuge, doch sei dies unter Minister Hermes geschehen. Sie Verhandlun­gen wurden Dann abgebrochen. Der Termin für die nächste Sitzung soll noch bekanntgegeben werden.

Der Tschekaprozetz.

Leipzig. 17. März. (Sil.) Der heutige Derhandlungstag im Tschekaprozeß brachte Die Vernehmung Der ilntersuchungs- richter. Gleich bei Der Vernehmung Des Land­gerichts rates Sr. Bühner tarn es zu einem Zwischenfall. Sie Angeklagten Margis und Po ege führten lebhafte Beschwerde über die Behandlung in Der Untersuchungshaft. Der Zeuge wies diese Beschwerden zurück. Er hüll besonders Margis für einen gefährlichen Verbrecher. Aus Anlaß Der Beantwortung einer Frage über Die Bewegungsfreiheit Der Angeklagten springt Der Angeklagte Hallop erregt auf und schlägt mit den Fäusten auf Den Tisch bzto Den Rand Der Barriere und schreit: .Hoch Der Staatsgerichtshof! Da lammt einem ja das Kotzen anI 3m DerhanD- lunqslnal rief Dieser Zwischenfall große Unruhe hervor, hinter weiteren erregten Rufen:Das ist >a ein Skandal! Zum Donnerwetter! Anerhört!" läßt Der Vorsitzende Den Angeklagten auS

Dem Saal fuhren. Hievauf wurde ein Ge­richtsbeschluß verkündet, wonach Der Angeklagte Hallop wegen Ungebühr vor Gericht während Der Vernehmung Des Zeugen Bühner nicht zu- gelafsen wird. Daran schlossen sich längere Er­örterungen und noch eine Anzahl von Anträgen Der DerteiDigung und Gerichtsbeschlüsse. Der An­trag der DerteiDigung verfiel aber Der Ableh­nung. Dem Rechtsanwalt Sr. ©ainter tourDe das Wort entzogen, als er Darauf Hinweisen wollte, daß Der Zweck der Verhandlung Der fei, einer Partei, hinter Der Millionen stehen, etwas anzuhängen. Regierungsrat Lupf er, der Vor­steher des Gerichtsgefängnisses in Stuttgart, äußert sich insbesondere zu Der von Der Verteidi­gung angefochtenen Unterbringung Der An­geklagten Siehrn und König in einer Zelle. 3m weiteren Verlauf Der Verhandlung mußte Der Vorsitzende Der Verteidigung wiederholt das Wort entziehen, was zu scharfen Zusammen­stößen führt. Der Vorsitzende sah sich ver­anlaßt, scharfe Maßnahmen anzudrohen, falls die Der Handlungen auch weiterhin durch der- tatige Obstruktion Der Verteidigung gestört werden sollten. Gr wies die Aufsichts­beamten an, Störungen im Zuschauerraum sofort durch Hinausweisen zu bestrafen. Rach Derneh- mung weiterer Zeugen wird die Derhandlung auf 'Mittwoch vertatst.

Aus aller Welt.

Zu Wassermanns Tod.

Der Stellvertreter des Reichspräsi­denten richtete an Die Witwe des Professors Geh.-Rat v. Wassermann nachstehendes Schreiben:

Sehr verehrte gnädige Frau! An D?m schmerzlichen Verluste, der Sie durch den Tod 3hres Herrn ®em il)B betroffen hat, nehme ich au'richtig Anteil. Deutschland betrauert in Dem Dahingelchie''enen einen erfolg- ichen Forsch:r. der sich um die medizinische Wisse ischaft unD die leidende Menschheit große Verdiente erworben hat. Das Reich und Preußen verlieren in Der Fürsorge für die VolksgesunDheit durch seinen Tod einen verständnisvollen Mitarbeiter und tatkräftigen Förderer. Sein Andenken wird in hohen Ehren weiterlebm. Mit Der Versicherung meiner vorzüglichsten Wertschätzung g^z. Sr. Simons, St Übertreter Des R ichspräsidenten.

Tausend Jahre Rheinland.

Sie Stadt Duisburg hat am Montag als erste Stadt des Rheinlandes dir 3ahr- taufen Dfeier mit einer Ausstellung Niederrheinischer Kunst e ö'fret. Rc ch einer Ansprache des Museumsleiters, drr auf Die Bedeutung Der rheinischen Kunst und Baudenk­mäler hinwies, hielt der Ober mr g r meist er eine längere Rede. 3n der Ausst rllung wird die niederrheinische Malern und Plastik bis in Das 19. Jahrhundert gezeigt.

Bestrafte Eisenbahndiebe

Vor dem Großen Schöffengericht Kaisers­lautern fand Die Verhandlung gegen eine sechzehnköpfige Diebesbande, die es in Der Hauptsache auf plombierte Eisenbahnwa­gen abgesehen Halle und Deren Beraubung sich auf Die Zell vom Herbst 1923 bis Spätjahr 1924 erstreckte, statt. Sie Drei Rädelsführer dieser Bande sind Der 3igarrenfabritänt und Wirt Friedrich Schuster, Der 30jährige Arbeiter Karl Höhn und Der ehemalige Eisenbahnschaffner Johannes Walther, sämtlich in Kaiserslautern wohnhaft. Schuster wurde wegen zweier Ver­gehen des einfachen Diebstahls und sieben Ver­brechen des schweren Diebstahls zu fünf Jahren, Höhn toegen sechs Verbrechen des schweren Dieb­stahls zu fünf Jahren Zuchthaus und Walther wegen Hehlerei und zwei Verbrechen des schweren Diebstahls zu einer Zuchthausstrafe von Drei 3ahren. ferner Drei weitere Angeklagte zu zwei, drei unD vier Jahren Zuchthaus, sowie drei An- geflagte zu zwei, einem und einem 3ahr drei Monaten Gefängnis verurteilt. Den vorgenannten neun Angell.g.en tour en Die bürgerlichen Ehren­rechte auf je Drei 3ahre aberkannt. Die übrigen sechs Angeklagten Der Bande tourDen mit Ge­fängnisstrafen von einer Woche bis zu einem 3ahr belegt. Ein Angeklagter wurde freigesprocheir,

Dom Zuge getötet.

Beim Aeberschrellen des Bahngeleises auf Der Strecke AebecachOberroden wurde ein Mädchen von Dem Frankfurter Abcndzuge er­faßt unD getötet.

Bergroerfßunglütf in Amerika.

Neuyork, 18 März. (WTB. Funkspruch.) Aus F a i r m o u n t (Virgina) wird gemeldet, daß durch eine Explosion in einem Kohlenberg­werk der Bethlehem-Mines-Eorporation etwa 50 Bergleute verschüttet worden sind. In einem Umkreise von 3 Meilen wurden Die Gebäude erschüttert.

Aus Stadt und Land.

Gießen. Den 18. März 1925.

Das Kanapee.

Einer meiner Freunde behauptet immer, im Kriege und an der Front habe es vielen nur des­halb nicht gefallen, well dort die Kanapees gefehlt hätten. Wenn diese Behauptung richtig fein sollte, was ich leider nicht weiß, so wäre es in der Tat ein wenig kurzsichtig gewesen, das Kanapee für jeden Krieger in Den Bersorgungsplan für die Truppen nicht mit einzustellen und zu übersehen, daß die braven Reservisten, Landwehrmänner und Landslürmer mitten aus Dem behaglichen Frie­densleben heraus, sozusagen vom Kanapee weg, zu den Waffen geeilt waren.

In meiner Jugend gab es ein Lied vom Ka­napee: es hatte einen hübschen Kehrreim und wurde gern gesunaen. Unsere Mütter haben mit Wonne darnach getanzt, wenn ich nicht irre, Polka. Das Lied ist vergessen, die Vorliebe für das Ka­napee aber ist geblieben.

In manchen Familien wird cs Den ganzen Tag nicht leer. Wenn einer Platz gemacht hat, schwigt sich behende ein anderer Drauf und tut, als ob er vor Behaglichkeit den Geist aufgeben wolle, gähnt und streckt sich und ist für Die Mit­welt im Augenblick verloren.

Wer Denkt nicht mit Freuden der schönen Stun­den in der Sofaecke, wenn er an stillen Sonntag- Nachmittagen, wo Die anderen ins Grüne ausge­flogen waren, sich in Die Märchenwell von Tau­send und eine Nacht vertiefte und weit, weit mit seinen Gedanken fort war, während er in Den Kis­sen Des alten Familienkanapees ruhte.

Biele Familien sind o'ne. Kanapee gar nicht zu Denken. Da sitzt Der Besuch, Da machen Die Kin­der ihre ersten Schritte, dorthin werden bie leich­teren Kranken gebettet, wenn Die Krankheit nicht

gerade zum Tode ist, im Krankenzimmer wolle« kranke Kinder bei Erkällung nicht liegen, es ist ihnen zu einsam, so packt man sie aufs Kanapee und gibt ihnen Fliedertee ufro. usw.

Man kann die Gemütlichkeit eines Heimes mitunter beinahe an Der Größe des Kanapees abnicffen. Diese zwei bis Drei Meter langen Un­getüme, auf dis zur Not die ganze Familte flüch­ten kann, wenn einmal eine Maus im Zimmer ist, müssen jedem Mann gefallen. Er denkt Da nitl Genugtuung an die herrlichen Mittagsschläfchen und achtet auch nicht der ausgefeffenen Stellen, we die Sprungfedern knacken: dafür hat man Kissen. Im Kanapee verkörpert sich ein Stück trauten Fa­milienlebens und stiller behaglicher Ruhe.

Ich mag die modernen Dinger non heute nhfy leiden, auf denen man nur sitzen und nicht liegen kann. Männer, die eine Frau mit solchem Kana­pee heiraten, werden es sicherlich bereuen: man sollte im Reichstag beschließen, daß diesen ,,Ru'estühlen" der ehrliche NameKanapee" abgesprochen wird. Glücklicherweise wollen sie ja gar keine Kanapees sein.

Mögeni manche lachen, ich tobe mir mein gutes, altes Kanapee! M. M.

Glefnner Woiii,enm"rktft^eise

am 17. März (Händlerpreise).

Es kosteten auf Dem heutigen Wochenmarkt: Buller 220. Matte 40, Käse (10 ©Hid) 70, Wirsing 20, Weißkraut. 20, Rotkraut 25, gelbe Rüben 10, rote Rüben 10, Spinat 55, Sinter-Kohlrabi 8, Grünkohl 25, Rosenkohl 50. Feldsalat 100. En­divien 100, Zwiebeln 25, Meerrettich 40 bis 100. Schwarzwurzeln 70, Kartoffeln 5, Aepfel 15 bis 20, Birnen 12, Dörrobst 40, Honig 40, jungs Hahnen 100, Suppenhühner 120 Pf. das Pfuno: Eier 12, Blumenkohl 120 bis 160, Salat 33. Lauch 10 bis 20, Sellerie 20 bis 70 Pf. das Stück.

Bornotizen.

Tageskalender für Mittwoch. Stadllheater: 7.30 älhr ..Kater Lampe". SchneiDer-Ztoangsinnung: 8.15 Ahr bei Hopfew Monatsversammlung.

Der Dauersche Gesangverein veranstaltet am Sonntag, 22. Marz, nachmittags 4 Hbr (nicht 4.30 llhr wie früher angegeben), in der Aula Der Universität ein Konzert. Man schreibt uns hierzu: Der Vortragssolge liegt als Leitgedanke Gott Heimat Vaterland zu­grunde. Zur Mitwirkung ist die durch ihr frühe­res Auftreten in bester Erinnerung stehende ju­gendliche Geigerin Sri. Anni Delp aus Darm­stadt gewonnen. Sie hat sich inztoischeii noch in ihrer Kunst vervollkommnet, so daß wir einen hohen künstlerischen Genuß erwarten Dürfen. Außerdem wird Mitglied Kurt Richter Lieder für Tenor zu Gehör bringen.

Wechselnd bewölkt, Winde vielfach aus öst­licher Richtung, kalt, noch vereinzelt Riederschläge.

Rach Vorübergang des nördlichen Tiefdruck­ausläufers nach Süden hat sich heute das Hoch in breitester Front über Den Kontinent ergossen, während es von ücorDen und Süden her von zwei Gebieten niedrigeren Druckes flankiert wird. Das südliche Fallgebiet Dürfte zunächst für unsere Witterung ausschlaggebend fern. Mit östlichen Winden strömt Kälte in unser Gebiet ein, wäh­rend Bedeckung und Riederschläge nrehr und mehr schwinden toeroen. Heber die Sauer dieser Kälte- Periode läßt sich bei unserem start schwankenden! Witterungscharakter nichts näheres angeben.

*i: Die Wählerlisten zur Reichs» Präsidentenwahl liegen vom Freitag bis einschließlich Montag, 23. März, im Stadthause, Bergstraße. Zimmer 14, zur Einsicht offen. Rähe° res in der heutigen Bekanntmachung

- Einschränkung Der Desuchsz ei- ten auf dem Kreisamt. Wie das Kreis­amt Gießen im neuesten Amtsverkündigungsblatt bekanntgibt, hat die Anzahl Der Besucher des Kreisamtes. Die täglich durch mündliches Vor­sprechen ihre Angelegelcheiten glauben fördern zu können, in letzter Zeit eine Derartige Höhe erreicht, daß die Beamten des Kreisamts für die ordnungsmäßige und rechtzeitige Srledigmrg ihrer sonstigen Arbeiten nicht mehr genügen# Zeit haben, ilm diesem unerwünschten Zustand abzuhelfen, ersucht das Kreisamt Die Bevölke­rung dringlichst, sich für Besuche in erster Linie nur Der Amtstage zu bedienen. Äas Streläamt hat, um dies zu erntöglichen, neben Dem D i e n s- tag-Vormittag jeder Woche, noch Den Freitag-Vormittag jeder Woche als A m t s t a g bestimmt. 3m übrigen ersucht es. nur in solchen Fallen auf Dem Amt porzuspre- chen, die so dringend sind, daß Der nächste Amtstag nicht abgewartet werden tann. An Den Dienstag- und Freitag-Rachmittagen, sowie an Den übrigen Wochentagen wird von jetzt ab das Amt. soweit nicht Fälle DringenDftcr Ratur vorliegen, für das Publikum geschlossen sein, so daß Personen, Die außerhalb Der Amtstage vorsprechen, auf Abfertigung nicht rechnen können.

" Vorsicht gegenüber unbekann­ten Adrehbuchwerbringen! 3n Stadt und Land wird wiederum für Adreßbücher ge­worben, deren Ausstattung und Auflage un­bekannt sind. 3n einem Fall wird überhaupt keinerlei Eintragung kostenlos zugestanden, son­dern jegliche 3nanspruchnahme Des Buches kostet 2,50 bis 600 Mk. Es lieg'' auf der Hand, Daß ein solches Adreßbuch in seinem Wert schon Da­durch stark herabgemindert wird, weil erfahrene Geschäftsleute sich mit keinerlei Eintrag beteili­gen. Derartige Unternehmungen und es sink zweifellos die besten enthält also dieses Rach> schlagewerk Werhaupt nicht.

Für Den angestrebten Festhalle­bau sind 25 Bauentwürfe eingereicht worden, Die nun vom Preisgericht einer eingehenDen Prü­fung zu unterziehen sind. Der Wettbewerb er­streckte sich bekanntlich nur auf Gießener Archi­tekten.

' Zur Zahlung auf getoc cteter Hypotheken vor 1932. 3m Gegensatz zum Oberlandesgericht Hamm und anderen Ober- landesgerichten hat das Preuß Kammergericht Berlin Entscheidung vom 13. 2. 25 ent­schieden, Daß Der Hyvothekengläubiger zur An­nahme der aufgetoerteten Hypothekensumme vor 1932 nicht verpflichtet ist.

RDV. älebertragbarkeitderEisen- bahnfahrkarten. Eine auf Den Rainen einer bestimmten Person lautende Fahrkarte Darf nur von dieser Person benutzt werden. Eine Fahr­karte, mit der eine Fahrpreisermäßigung oder sonstige Vergünstigimg verbunDen ist, hat nur für Die Person Gültigkeit, die Damit die Reise begonnen hat. Daraus folgt, daß beispielsweise Sonntagsfahrkarten nicht übertrag­bar sind. Daß dagegen gewöhnliche Fahrkarten! übertragen werden können, soycv- noch nach