Aus der Provinz.
Landkreis (Hießen.
* Klein-Linden, 17. Febr. In zwei Gemeinde-Abenden wurde von Mitgliedern des Kirchengesangvereins eine „Schulstunde aus alter Zeit" und das „Gleichnis von den zehn Jungfrauen" dargestellt. Ansprachen von Pfarrer Ackermann, Chöre des gemischten Chors und des Posaunenchors umrahmten die Abende.
* Garbe nteich. 17. Febr. Der der am Sonntag hier stattgehabten Bürgermeifter- w a h l stimmten von 614 Wahlberechtigten 585 ab. Es erhielten der Kandidat der Bürgervereinigung Landwirt Karl Burk L 345, der Kandidat des sozialdemokratischen Wahlvereins Beigeordneter Heinrich Mohr l. 237 Stimmen. 3 Stimmen waren ungültig. Landwirt Karl Burk I. ist mithin zumBürgermeistergewählt. Am Abend brachte der Gesangverein Viktoria dem neuen Ortsoberhaupt ein Ständchen. In einer kurzen, kernigen Ansprache dankte der Gewählte seinen Wählern und den Sängern.
" L i ch, 17. Febr. Am Montag, 23. Febr, sindet hier der sogenannte Fa st n a ch t s m a r kl > Schaf-. Schweine- und Krämermaickt) statt. Da die hiesigen Märkte in den letzten Jahren sich eines zunehmenden Besuches erfreuten, ist auch jetzt wieder mit einer starken Beteiligung zu rechnen. Für den Schafmarkt sind bereits ca. 65 Schafe zum Verkauf angemeldet. Auf die Bekanntmachung im heutigen Anzeigenteil wird besonders hingewiesen.
df. Langsdorf, 16. Febr. In unserem schönen, altehrwürdigen Rathaussaal sprach vor einer großen Zuhörerschaft Schmiedemeister Rehfeld t von hier über seine Erlebnisse während des Krieges im Orient. Er war Mitkämpfer in einer deutschen Maschinengewehr- Abteilung, welche das Vordringen der Engländer am Euphrat-Tipris verhindern sollte. Rach ergebnislosem Kampfe wurden unsere Expeditionstruppen der türkischen Armee eingegliedert. Mit seiner Abteilung kam Herr Rehfeldt durch Kleinasien, Mesopotamien und Persien bis an die Grenze von Persien. Später stand er in Palästina, kam von da wieder nach Konstantinopel und wurde nach dem Zusammenbruch der türkischen Armee interniert. 3m Frühjahr 1919 kehrte er dann auf dem Seeweg in seine Heimat zurück.
" Beuern, 16. Febr. 3m hiesigen Volks- bildungsverein (Vorsitzender Lehrer Rau) sprach am Samstagabend im Saale des Holländischen Hofes Oberstudiendirektor Philipps von Friedberg über das Thema „Aus meiner Werkstatt". Die große Versammlung lauschte aufmerksam den zu Herzen gehenden Worten unseres oberhessischen Dichters. Besonders packend warm seine Gedichte, die er aus seinem im letzten Jahr erschienenen Bändchen „Aus stillen Stunden" verlas. Es war ein echtes Stück Volks- billnnrgsarbeit, deren sich Direktor Philipps in treftlicher Weise erledigte. Den Dank aller Anwesenden brachte der Vorsitzende des Vereins zum Ausdruck. Möge Direktor Philipps auch weiterhin unsere Volksbildungsvereine, namentlich in abgelegenen Orten, mit Rat und Tat unterstützen. Der Dank unseres Volkes ist ihm gewiß.
k. Allendorf a. d. Lda., 16. Febr. Gestern abend veranstaltete der hiesige Männergesangverein einen älnterhaltungs- abend. Der sehr zahlreiche Besuch bewies, wie beliebt die Konzerte dieses Vereins bei der Bevölkerung sind. Die vortrefflich vorgetragenen Chöre fanden denn auch reichen Beifall und zeigten, daß der Gesangverein, der unter der Leitung des Musiklehrers K a r st e n aus Gießen tzeht, vollständig auf der Höhe ist. — Heute fand hier die erste Drennholzversteigerung ty- diesem Winter statt. Es waren auswärtige Bieter zugelassen, die auch in großer Anzahl erschienen waren. Zwei Meter Duchenscheiter kosten durchschnittlich 22 bis 25 Mark. Buchen- knüppe'. firnen im Durchschnitt auf 16 bis 18 M rf
k. Climbach, 16. Febr. Unser Gesangverein. der unter Führung des Lehrers Schöne fteht, veranstaltete am Samstag einen gut besuchten Linker Haltungsabend. Rach den' Vorträgen des Vereins hielt ein Tänzchen die Teilnehmer noch lange beisammen.
, Aus dem Kirchspiel Wir berg, 17. Febr. Der Missionsreiseprediger der Brüder-
1 gemeinde Cyr. Wremer aus Reudietendorf, von den Polen aus einem Pfarramt im Korridor ausgewiesen, hielt am Mittwoch, Donnerstag, Freitag der vergangenen Woche Lichtbildervorträge in Reinhordshain (Schulsaal), Del- tersheim (Kirche) und Göbelnrod im Saale Schultheiß. Er behandelte das M i s s i o n s - werk der Brüdergemeinde in Mittelamerika an den 3ndianern und in Grigana. Die Vorträge waren in den drei Gemeinden gut besucht, als Missionsopfer ohne verkaufte Missionsschriften gingen ein 40 Mk.
" Ettingshausen, 16. Febr. Bei der am Samstag hier vvrgenommenen Holzsubmission wurden folgende Preise pro Festmeter bezahlte Kiefernstämme 2. Klasse 42 Mk. (Käufer: Schäfer-Hungen), 3. Klasse 36,50 Mk. (Käufer: Rinker-Ronnenroth), 4. Klasse 28,60 Mk. (Käufer: Schäfer-Hungen), Kiefernbauholz 25,16 Mk., Kieferngrubenholz 20 M^. (Käufer: Rinker-Ron- nenroth), Fichten 2. Klasse 38,50 Mk. (Käufer: 3ung-Villingen), 3. Klasse 36,16 Mk. (Käufer: Rinker-Ronnenroth), 4. Klasse 32,87 Mk., 5a. 31. 30,60 Mk., 5b. Klasse 28,60 Mk., Derbstangen 1. Klasse 23,87 Mk. (Käufer: 3ung-Villingen), 2. Klasse 16,60 Mk. (Käufer: Sägewerk Müller- Hungen).
Kreis Sckwtken.
Zj Laubach, 16. Febr. 3m Jahre 1920 pachtete Herr Paul Schumann, ein gebürtiger Thüringer, der längere Zeit im Elsaß gelebt hat, die hiesige städtische Ziegelei am Larden- bacher Weg auf dreißig 3ahre. Unter ihm hat sich das Geschäft gedeihlich entwickelt. Bis dahin hatte die Stadt die Verwaltung in eigener Regie mit Handbetrieb. Herr Schumann nahm einen S au ggas-Motor mit Verwendung von Steinkohle. 3m verflossenen 3ahr wurden 200000 Backsteine und Ziegeln angefertigt. 3n diesem Frühjahr wird ein Rohöl-Motor, eine Art Diesel, angeschafst werden, von dem man eine wesentliche 'Hebung des Geschäfts erwartet. Wenn die Bautätigkeit kräftig einseht, besteht Aussicht, in dem Betrieb einen Ringofen zu errichten. — Demnächst wird hier zu einem wohltätigen Zweck ein historisches Schauspiel, verfaßt von einem hiesigen Dichter (Th. R.), aufgeführt werden. Man darf der Aufführung mit Spannung entgegensehen. — Auf der heutigen gräflichen Holzversteige- rung, die im Gasthof „Zur Traube" abgehalten wurde, kam der Raummeter Buchenscheiter im Durchschnitt auf 14 Mk., Duchenknüppel auf 8 Mk., Buchenstöcke auf 7 Mk., Reiserknüppel auf 4,50 Mk., Astreiser auf 1,50 bis 2 Mk., Stammreiser auf 1 bis 1,20 Mk. Das Holz sitzt im Revier Tiergarten.
Kreis Büdingen«
)( Ortenberg, 16. Februar. Ihr 4 0. Dienstjubiläum konnte am Samstag unsere Hebamme. Frau Suhl, feiern. Am Rachmittag versammelte sich in der Wohnung der Jubilarin eine Abordnung der Behörden und Vereine, um deren Glückwünsche zu überbringen. Für das Kreisgesundheitsarnt und das Ministerium sprach Medizinalrat Dr. Wagner- Büdingen und überreichte eine Anerkennungsurkunde, im Ra- men des Hebammevereins zeichnete Frau Rau- mann- Düdelsheim die Jubilarin mit der goldenen Dereinsbrosche aus, als Anerkennung der Gemeinde Übergaben Bürgermeister Pfeiffer und Gemeinderat M e u e r einen schönen Sessel, für die Kirchengemeinde waren Pfarrer Kahn und Kaufmann Lenz erschienen und überbrachten ein Gesangbuch: auch der Frauenverein, für den Frau Sanitätsrat Dr. Hahn und Frau Pfarrer Kahn gekommen waren, lieh es sich nicht nehmen, ein praktisches Geschenk zu stiften. Von allen Seiten wurde die Jubilarin im Laufe des Tages mit Glückwünschen und Geschenken bedacht. In den 40 Jahren ihrer Tätigkeit verhalf Frau Suhl fast 900 Kindern zum Leben. Von der Tätigkeit und Gewissenhaftigkeit, mit der die Jubilarin ihr schweres Amt in Ortenberg. Selters, Wippenbach und vertretungsweise noch in anderen Gemeinden ausübte, legt die Tatsache beredtes Zeugnis ab, daß keine einzige der fast 900 Wöchnerinnen an Wochenbettfieber starb. — Ein wohlgelungener Familienabend vereinigte gestern die Mitglieder des Kirchengesangvereins im Hirzelschen Saal. Der Abend wurde mit der Ouvertüre zur Oper „Freischütz" durch das Ackerrnannsche Quartett eröffnet. Den von Geheimrat R ö m h e l d , Ridda für den Abend gedichteten Vorspruch trug in
Dis OberwAdsr-
Roman von Alfred B o ck.
1. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)
Des Dutternickels Faust fiel schwer auf den Tisch.
..Lauskrämer, du seist besoffen!"
Der Hannjust sprang auf, tat ein paar Schritte vorwärts und schrie: ,,Glüh sollst du gehn! Sag's noch emal. Du hast schon mehr Schläg heimgebracht!"
Der Dutternickel erhob sich. Sein Gesicht war öunfelroL Die zwei, so schien's, gerieten aneinander. In diesem Augenblick öffnete sich 'die Tür, und der Ortsdiener trat mit dem Polenschmied ein.
Der Volizeimann hatte sofort die Situation ersaßt und herrschte den Hannjust an: ,.Protokollmacher, gelle, du seist wteder im Dampf?"
..Ich will mich mit keinem verkrämern," versetzte der Hannjust. sich zur Ruhe zwingend. ..Ich kann nur das Geprahl davorn net hören."
Der OrtSdiencr klopfte ihm unsanft aus die Schulter. „Freunöche. pah emal acht, wie ich dir die Rägel schneid'. Eins, zwei, drei, und du sitzst im Loch!"
Der Hannjust toinftc feinem Genossen, dem kleinen Kumpf. „Komm!"
Beide zahlten ihre Zeche und gingen.
..Geschirr wie Gezeug!" schickte der Dutternickel ihnen nach.
Rachdem d'.' Ankömmlinge erfahren hatten, wie der Streit entftanben war. wobei gegen die ..LaPPanier" Schmähreden aufffogen wie Raketen, rief der Waltmäller: .Schorfch, ich geb' was aus. Rundighernm ein DiPPche Bier!"
Der W'rl beeilte sich die Gläser zu fällen.
.Habt ihr's dann schon gehört," sagte der Polenschmied, neben dem Peter Maryolf Platz nehmend, ..der Kappes am Hirscheck is wieder in der Reih."
Darüber wunderte man sich baß. denn man hatte für das Leben des Kranken, der seit Wochen bettlägerig war und stark an Atemnot litt, keinen Pfifferling mehr gegeben.
„Gest' vo'- acht Tag' wollt ich ihn besw- chei'.", belichtete der Polenschmied, „ba schlief
he. Ich tat mich ein wink fetzen. Auf einmal würd' he wach, aber he sah mich net. .Ammiche', spricht er wider seine Frau, ,wie wird's dann mit unferm Werk gehn, wann ich net mehr da bin? Ich mein' als. du könntst der Sach' allein net Vorstehn. Wie wär's, wann du dem Rach- bar fein* Konrad nähmst? Der is schon bei Jahren und is ein verständiger Mannskerl." „3a", heult die Frau, „an den hab' ich auch schon gedacht". 3ch war murremausstill und dacht' für mich, da wird's bald ein' Handschlag geben. Wie he wieder eingedusselt war, drückt' ich mich Diesen Morgen geh' ich am Hirscheck vorbei. Was seh' ich? Mein' Kappes, älnd spaziert.
weih Gott, im Hof erurn. „Ei. Kappes", sag' ich, „seist du's oder seist du's net?" „3a", spricht er, „ich sein's". Ro verzählt er mir, der Doktor könnt' ihm net helfen, 's is aber ein Mann bei ihm gewest, aus Dvauerfchwend. Der nahm ein’ Stuhl und wickelt Kordel drum. Ein ganzes Gebund. Dernachert macht er ein Gesahn*) herunter. Don der Stund' an hat der Kappes Luft gehabt, älnd frag auch wieder Appetit."
Der Polenschmied hielt inne, nahm einen kräftigen Schluck und schloß:
„He is nu durch, und ich fein um eine Hochzeit kommen."
„Was net all passiert in der Welt!" brummelte der Walkmüller behaglich vor sich hin.
Allerlei Krankheiten wurden besprochen. Die Meinung herrschte vor, man sollte sich's dreimal überlegen, ehe man fein Geld zum Doktor und Apotheker trug. Die Hauptsache war. gründlich schwitzen und die Heilung der Ratur überlassen. Freilich, ein „Gesahn" zur rechten Zeit hatte oft schon Wunder getoitlt.
Damit war der Gesprächsstoff erschöpft. Der Peter Margolf rief: „Allo!"
Der Wirt, in der Absicht, die Gäste noch sestzuhalten, gab eine Geschichte zum besten, die ihm heut brühwarm erzählt worden war.
Der Dürrhannes am Hegweg hatte im „Stern" über die Gebühr lang Solo gespielt und hatte gar noch einen Rausch mit nach Hause gebracht. Seine Frau nahm das krumm und bestrafte ihn gegen ihre Gewohnheit mit
’) Zauberspruch
wirkungsvoller Weise Frl. Gretel Emrich vor. der Vorsitzende Pfarrer Kahn sprach das Begrüßungswort. Chöre des Vereins, wunderbare Musik — besonders erwähnt seien die beiden prachtvoll vorgetragenen Violin- und Cellosoli der Herren Ackermann — verschiedene Gesangsduette von Frl. Marie Göllner und der Herren Vogel und Meyer wechselten in bunter Reihenfolge miteinander ab, eine hübsche Gavotte „Meißener Porzellan", von Frl. Göllner gesungen, fand solch stürmischen Beifall, daß sie wiederholt werden mußte. 3m Mittelpunkt des Abends standen zwei kleine Theaterstücke. die von allen Darstellern so gut gespielt wurden, daß die Lachmuskeln der Zuschauer in ständiger Bewegung waren. Der Saal war bis auf den letzten Platz besetzt.
Kreis Lauterbach.
hml. Lauterbach, 16. Febr. Den Beweis, daß man trotz allem und allem auch in unserer Zeit noch den Menschen gute und gesunde Kost vorsetzen und sie mit Echtem und Gediegenem unterhalten und erfreuen kann, hat am Samstag die hiesige Stadtschule mit ihrem Elternabend gebracht. Die unendliche Mühe und Sorgfalt, die dazu verwendet wurde, diesen Abend vcrzubereiten, wurde auch belohnt. Was hier von Lehrern rmd Schülern geboten wurde, konnte das Herz aller erfreuen und sie für ein paar Stunden die Schwere der Zeit vergessen lassen. Rektor Heller begrüßte nach einem Schüler-; chor die zahlreich erschienenen Eltern und F eunde der Schule. Es waren schöne und beherzigenswerte Worte, die er sprach, und die gewiß auch fruchtbaren Boden finden. Sie waren aus seiner reichen Erfahrung geschöpft. Er wies auf die durch den Krieg und die Rachkriegszeit geschaffenen schweren Schäden und Mängel in unserem Volksleben hin, unter denen auch die 3ugend und die Schule zu leiden hat. Sie können nur durch Gehorsam, Fleiß und Ordnung, durch Ehrfurcht im Sinne Goethes bei dem Heranwachsenden Geschlechte wieder behoben werdsn. Die Fehler des Elternhauses bei der Erziehung der Jugend, von denen er in ernsten Worten ausführlich sprach, müssen schwinden, wenn ein Handinhand- arbeiten von Eltern und Schule die Rede sein soll zum Wohle der Schüler. Es wechselten nun Gedichte und Chöre, die Lehrer Schmier mit feinen Schülern in vollendeter Weise zum Vortrag brachte, mit Theaterstücken ab. Reicher Beifall folgte den wohlgelungenen Darbietungen. Um das gute Gelingen hatten sich u. a. besonders die Lehrer Sommer und Schmidt verdient gemacht. Der ausgesprochene Wunsch, daß jeder der Anwesenden etwas von dem Ernsten oder Heiteren mit nach Hause nehmen möge, ist sicher in Erfüllung gegangen. Da der Zudrang zu dem Elternabend so groß war. daß viele in die große Spieß-Turnhalle keinen Einlaß finden konnten, soll noch ein zweiter Elternabend ftattfinben.
Kreis Wetzlar.
T Von der Bahnstrecke Wetzlar- Lollar, 17. Febr. Sonntags ruht bekanntlich der Verkehr auf der ganzen Strecke. Doch Totenstille herrscht hier nicht. An der Eis e n - bahnbrücke zwischen Garbenheim und Dorlar ist dann ein Treiben, das man im wahrsten Sinne des Wortes Kleinkrieg nennen kann. Die männliche Jugend, teils der Schule noch angehörig, teils entlassen, von Waldgirmes und Dorlar einerseits und Garbenheim anderseits, führt hier schon seit Wochen regelmäßig Sonntagnachmittag einen „Kamp f“, worunter der ganze Bahnkörper schwer leidet. Zwischen 80—100 Personen sausen auf den hohen Dämmen stundenlang hin und her, mit Steinwürfen, Schleudern, Stangen und selbst Schießwaffen sich bekämpfend. Der Besitz des jenseitigen Ufers der Brücke 'gilt als Sieg, der solange behauptet wird, solange der Führer im Steinregen aushalten kann. Seine Flucht reißt seine Hintermänner mit, die jetzt von der Gegenseite mit einem Hagel von Steinen überschüttet werden. Dabei klirrt die Eisenbrücke von den getroffenen Steinmassen, und der im vorigen Jahre erneuerte Anstrich hat durch seine tausende Wunden ein übles Aussehen. Roch schlimmer sieht es aus mit dem direkt auf der Drücke auf Garbenheimer- eisigem Schweigen. Am andern Morgen ging der Hannes auf eine Holzversteigerung. Wie er heimkam. fragte er seine Hausehre treuherzig:
„Hast du das Vieh gefüttert?"
Keine Antwort.
„Wie weit seist du bann mit deiner Arbeit?" Wieder keine Antwort.
Da gab es der Hannes auf. der Grollenden den Mund zu öffnen. Als sie aber abends in der Falle lag. steckte er ein Fettlicht an und leuchtete unter das Bett. Auf einmal schmetterte es ihm entgegen:
„Was suchst du bann da. du alt' Kamel? Du steckst mir, weiß Gott, das Bett noch an!" „Alleweil hab' ich's", rief der Hannes kreuzfidel.
„Was hast du?"
„Dein Maul!"
Sprach's und blies das Fettlicht aus.
Alle lachten aus vollem Halse.
Die Frau, das war im Dors bekannt, hatte einen bitterbösen Mund. Der Dürrhannes. der am meisten darunter zu leiden hatte, mochte ihn offenbar nicht entbehren.
Es schlug acht. Der Peter Margolf und der Walkmüller brachen auf, die übrigen folgten. Als der Letzte entfernte sich der Krämerskarl. Ec hatte sich an der Unterhaltung nur wenig beteiligt. 3hm, dem Geschäftsmann, in dessen Laden Grundreiche und arme Schlucker verkehrten. war Zurückhaltung auferlegt. Freilich war die Parteilosigkeit, die er zur Schau trug, nur Maske. 3n tiefster Seele ward er von einem glühenden Ehrgeiz verzehrt, in der Gemeinde Einfluß und Macht zu gewinnen. So bescheiden seine Verhältnisse waren, überließ er sich den seltsamsten Vorstellungen und fuhr in einer stolzen Kutsche, auf der die Hoffnung als Postillon faß. Ein bewegtes Leben lag hinter ihm. In jungen Jahren war er abgewandert, hatte in Barmen, in Hanen, zuletzt in Dortmund bei einem Kolonialwarenhändler Arbeit gefunden. Mit der Aussicht über das Lager betraut, hatte er die verschiedensten Waren kennen gelernt. Er war auch mit den Herren vom Kontor in Berührung gekommen und spitzte die Ohren, wenn sie von Spekulationen des Prinzipals erzählten. Die Wirtshäuser mied er. Abends schloß
Sette rurz nach dem Kriege mit vielen Koste« errichteten Stellwerk „Würzberg", das feit zwei Jahren unbenutzt ist. Hier ist fast kein Quadratzentimeter Glas mehr in den vielen Fenstern, die nachträglich zvm Teil mit Brettern verschalt worden find. Die untere Türe ist erbrochen. Die Schottersteine am Bahngeleise der „Kampfstätte" verschwinden, die nicht zum Werfen oder.Schleudern Benutzten rollen durch die vielen Fußtritte die hohe Böschung hinunter, und selbst die schweren Bruchsteine, die im letzten Jahre zur Befestigung des Brückenpfeilers auf Dor-- larler Seite wieder hergestellt wurden, sind zum Teil ausgebrochen und in die Tiefe gesaust. Zur Zeit des „Kampfes" können Erwachsene sich nicht in die Rähe wagen, und ein Steuern von ferne wird mit Gebrüll und einem Steinhagel erwidert. Ein Wunder ist es nur, daß es unter den Kämpfenden noch kein größeres älnglück gegeben hat. Den Scha- den davon hat aber unstreitig die Bahnver-- waltung, der ohne Frage nicht wäre, wenn am Sonntag Verkehr stattfinden würde. Vielleicht zieht die Eisenbo hnverwal - lang die Lehren daraus, vielleicht interessieren sich aber auch noch andere Behörden für dieses Treiben!
Hessen-Nassau.
" Rodheim a. b. D. 17. Febr. Der Kreis- verband für Handwerk und Gewerbe des Kreises Biedenkopf ließ dieser Tage durch seinen Geschäftsführer in Gegenwart der hiesigen Schreiner- meister den drei ältesten Handwerksmeistern unseres Ortes den Ehren- meifterbrief der Handwerkskammer überreichen. Die Ausgezeichneten sind der Drechslermeister Georg Bender I.. der auf eine 55jährige Geschäftstätigkeit zurückblickt, der Schreinermeister Ludwig Schneider IV., der eine 45jährige Geschäftstätigkeit hinter sich hat, und der Schreinermeister Karl Schlierbach IV.. der auf eine 44jährige ununterbrochene Geschäftstätigkeit als selbständiger Meister zurückblicken kann.
fpd. Frankfurt a.M. 17. Febr. Die Untersuchung in der Kakaoschieberan- gelegenheit nimmt immer größeren Umfang an. Bei der Studenten Hilfe handelt es sich um deren früheren Geschäftsführer, einen Dr. Wurm, der in seiner Eigenschaft als Geschäftsführer eine Doppeltätigkeit ausübte, von der der Vorstand der Hilfe nichts wußte, am allerwenigsten von den Kalavschiebungen. Als der Stu- dentenhilfe bekannt wurde, daß Dr. Wurm für eine Dresdener Warenvermittelungsstelle tätig war, wurde er sofort entlassen. Die Studentenhilfe ist also unmittelbar in keiner Form mit den Schiebereien beteiligt.— Der Händler Simon Vergölst, ein Bruder des berüchttgten Münzverbrechers Friedrich Vergölst, wurde wegen Herstellung und Verbreitung von gefälschten Zeyn- Billionenscheinen mit noch drei Helfershelfern ermittelt und fe st g eno mnie n. Die Werkstätte konnte noch nicht festgestellt werden.
Wirtschaft.
* Mitteldeutsche Crebitbank in Frankfurt a. M. Der Abschluß für 1924 ergibt einen Rohgewinn von 10 246 629 Rm. gegenüber einem solchen von 8 881 874 Mk. im Jahre 1913. Hierzu trugen bei: Zinsen unb Gebühren rund 9,5 Millionen (7,5 Millionen), Wertpapiere unb Konsortialbeteiligungen rund Vs Million (1 Million). Für Gehälter unb Geschäftsunkosten würben 7,5 (3,5) Mil!. Rrn., für Steuern 1,3 (0,44) verwanbt. Es verbleibt ein Reingewinn von 1 426 207 Rrn. (4 739 254 Mk.) Es wirb vorgeschlagen, hieraus eine Dividend« von 8°o = 1 304 000 Rrn. (6’ _>”o = 3 900 000 Rrn.) zu verteilen. Die Gewinnanteile des Aufsichtsrates betragen 72 444 Mk. Es verbleibt ein Vortrag von 49 213 Rrn. Aus der Vermögensübersicht ist hervorzuheben, daß in den Vermögenswerten fremde Gelbsorten usw. mit 10,7 (9,04).
er sich in feine Kammer ein und ergötzte sich am Anblick seiner Ersparnisse.
Sobald biefe eine gewisse Summe erreicht hatten, war er entschlossen, einen Spezereiladen aufzumachen. Er hatte einen förmlichen Schlachtplan entworfen. Er gedachte billig zu verkaufen. Das zog die Kundschaft heran. Ein Kaufmann, der nichts wagte, konnte auch nichts gewinnen. Daß er einen Pfennig für einen Taler und einen Taler für einen Pfennig ansah, sollte das A und O seiner Handelsschaft sein. Run geschah's. daß ihm ein- Mädchen aus Iserlohn, das in Dortmund bei einer vornehmen Herrschaft biente, die Sinne verwirrte. Sie war von einer blühenden Schönheit unb verstand es. die Augen spielen zu lassen. 3n der Furcht, daß sie ihm weggeschnappt werde, rückte er gleich mit einem Heiratsanlrag heraus unb war im siebenten Himmel, als er ihr Jawort erhielt. Bald nach der Hochzeit zeigte sich, daß die junge Frau verschwenderisch war. Er gab ihren gelüsten nach. Sein Kapitälchen schmolz bedenklich zusammen. Endlich raffte er sich aus. las der Iserlohnerin die ßebiten unb kam dabei tief in den Text. Sie kehrte einen wilden Trotz hervor. Eines Taas war sie verschwunden. Rie- manb wußte, wohin. Er setzte alle Hebel in Bewegung, ihren Aufenthalt zu erkunden. Vergebens. Da ging er auf die Wanderschaft, immer von der Hoffnung beflügelt, daß er der Flüchtigen Spur entdeckte. Rach Jahresfrist war feine Barschaft aufgezehrt. In Siegen brachte er sich als Taglöhner durch. Dort traf ihn die Rachricht, daß seine Mutter gestorben sei. Alsbald kehrte er in die Heimat zurück, verkaufte die wenigen Aecker, die ihm als Erbteil zugefallen waren, unb richtete ein Kramläochen ein. Er führte die Artikel, wie sie die Bauern gebrauchten: Kaffee. Zucker. Reis, Sod.i. Petroleum. Kleie. Oelkuchen und anderes mehr. Seine Einnahmen unb Ausgaben trug er sauber in ein großes Buch. Hatte er am Ende des Jahres seine Schulden bezahlt, nahm er seine Vorräte auf unb stellte sein Vermögen fest. Er war ein manierlicher Mensch, der sich nach seinem Stand zu halten wußte.
(Fortsetzung solgt.-
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