Ausgabe 
18.2.1925
 
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Nr. 41 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhcffen)Mittwoch, (8. Zedruar 1925

Das Programm der deutschen Landwirtschaft.

Die Landwirtschaftliche Woche in 'Berlin wurde am Montag mit der großen Heer- schau im früheren Zirkus «Schumann «heute ®ro- r cS Schauspielhaus» eröffnet. 3n dem großen, . .chtgefüllten Raum formulierten führende Männer des ReichslandbunDes die Wünsche der deutschen Landwirtschaft und gaben darüber hin» aus ihre Meinung über Ereignisse und Zustände kund. Heben einem Vertreter dcS Groß­grundbesitzes sprach ein Vertreter der .Bauernschaft und ein solcher der natio­nalen L a n d a r b e i t e r b e w e g u n g. Die auf­merksame und beifallsfreudige Zuhörerschaft unterstrich verschiedene Stellen deS vom Grafen Ä a I d r e u t f) erstatteten Hauptre'era'.es, dessen Kernstück ein politischer und wirtschaftlicher Wunschzettel der deutschen Landwirtschaft war.

Der erst feit einigen Monaten an Stelle des verstorbenen Dr. Rösicke an die Spitze des ReichS- landbnrideS Letufcne Graf Kalckreuth sprach ohne eigentliche zündende Veredfomleit, aber ruhig und klar, (fcr kündigte dem neuen Kabinett im Deiche Dr. Luther und dem in Bildung be- :iriifcnen preußischen Kabinett Marx in großen Zügen das Programm an, welches der Rcichs- landbund und die ihm nahestehenden politischen Parteien in den deutschen Parlamenten verfechten werben.

Das abgelaufene Jahr 1924 charakterisierte der Hauptreserent der großen Versammlung als ein dreifaches Notjahr. Zu gleicher Zeit habe eine Steuer-, eine Preis- und eine K r e b i t n o t bestanden. Dom Jahre 1925 fürchtet Graf Kalckreuth, daß es manchen landwirtschaft­lichen Besitzer zwingen könnte, die väterliche Scholle zu verlassen. Bei der Sanierungskrise hätten Reichsbank und Staat die Sanierung, die Landwirtschaft die Krise gehabt. Diese etwas zu rhetorische Redewendung ergänzte der Referent Ipäter dahin, daß er sich von der Notwendigkeit, auch aus der Landwirtschaft große Steuerbeträge herauSzuholen, voll durchdrungen fühle. Eine besondere Aktivität in der Sozialpolitik sei mir zu rechtfertigen, wenn die Wirt- schaftserträge entsprechend gestei- g c r t werden könnten. Sehr eingehend sprach dann Graf Kalckreuth über das Verhältnis von Pflicht zu Recht. Er ermahnte seine Derufs- genofsen, nicht fahnenflüchtig zu werden, indem sie in ihrer Arbeit irgendetwas versäumten, was Die materielle Kraft des Vaterlandes zu steigern geeignet fei. Es versteht sich von selbst, daß dem Thema Schutzzoll oder Frei­handel gleichfalls eine eingehende Betrachtung zuteil wurde. Die Verhandlungen des Reichs- wirtschaftSrats werden fo führte Der Redner aus beweisen, daß die deutsche Landwirtschaft weitere Fortschritte i n der wirt­schaftlichen Betriebsführung gemacht habe. Alle wissenschaftlichen und technischen Fort­schritte aber seien vergeblich, wenn wie in den letzten Jahren für wichtige Industrie» erzeugnisse Schutzzölle, für die landwirtschaftliche Produktion dagegen Freihandel bestünde. Graf Kalckreuth ist ein Gegner der grundsätzlichen Ge­währung der Meistbegünstigung in den Handels­verträgen mit anderen Böllern.

Zur Frage der Kreditbeschaffung verlangte Graf Kalckreuth, daß der Landwirt­schaft die R e n t e n b a n k zur Aufsaugung und Verteilung landwirtschaftlichen Kredits zur Ver­fügung gestellt werde, und daß sich die Behörde in die Verwaltung dieses Instituts nicht cin- mische. Zur Aufwertungsfrage prägte der Redner den Sah, daß der Landwirt seinem Gläubiger nicht mehr zu zahlen brauche, als der Staat seinen früheren Geldgebern zuwende. Er unterstrich den Gedanken, den bereits die Ver­treter zahlreicher Wirtschaftsorganisationen am 28. Ianuar dem Reichswirtschastsminister Dr. Neuhaus gegenüber vertreten hatten, daß nämlich bei der Lösung des Aufwertungs­problems über Lebensinteressen der Wirtschaft nicht hinweggegangen werden dürfe. Seine wirt­schaftlichen Ausführungen schloß der Redner dann mit einer Mahnung an Die öffentlichen Or­gane, die durch Steuern einkassierten Beträge s o sparsam wie möglich zu verwenden. Es sei nicht gcrcdjtfertiflt, wenn heute der öffent­liche Aufwand von Reich. Ländern und Gemein­den um zwei Milliarden Mark größer sei als vor dem Kriege.

In einem kürzeren politischen Teil setzte sich dann Graf Kalckreuth mit einigen wichtigen innen- und außenpolitischen Fragen auseinander. Unter Variierung eines bekannten Wortes charakterisierte er die schwebende Berliner Finanzaffäre mit Dem Sah, daß hierdie

Politik eine Fortsetzung der privaten Wirtschaft mit anderen Mitteln" geworden sei. Sein hartes Urteil, daß manche in dieser Affäre verstrickten Persönlichkeiten nicht zwilchen Portemonnaie, Partei und Staat unterschieDen haben, enthüll leider einen lehr berechtigten Kern. Auch feine Feststellung, daß eine Staatsformnicht über­trieben glücklich" fei, bei der wegen Neuwahlen und Regierungskrisen ein ganzes Iahr lang nicht hätte regiert werden können, ist berechtigt. Man habe sich ja auch durch Ermächtigungsgesetze und durch großzügige Anwendung des Artikels 48 der Reichsversalsung pralti ch außerhalb der Derfassung bewegt. In Der Außenpolitik fordert der Redner des LandbundeS eine Aktivität, die die Mitte hält zwischen Krieg und Unterwerfung. Aus den Reden weiterer Landbund-Mit- glicDer ging hervor, daß hier wirklich die ein­mütige Auffassung Der großen Mehrheit unserer Landbewohnerschast zum Ausdruck kam.

Herr Richter.

Endlich ist geschehen, was längst hätte ge­schehen mühen: Der Minister des Innern. Se- vering. der ja bis zur Neubildung Der Re­gierung die Geschäfte weiterführt, hat Den Ber­liner Polizeipräsidenten Richter zu sich kommen lassen und ihn bei einer längeren Unterredung bis auf weiteres beurlaubt. Auch diesmal wieder muß man mit Bedauern fest­stellen. daß die preußische Regierung diese not­wendige Entscheidung fo lange herausgezögert hat, bis sie nicht mehr zu umgehen war. Herr Severing hat als unmittelbarer Vorgesetzter des Polizeipräsidenten alle Warnungen, Die feit Mo­naten einliefen, überhört, obwohl doch längst kein Zweifel mehr daran fein tonnte, daß sich aus dem engen Verkehr zwischen Polizeipräsidenten und den Darmats handgreifliche Beweise da­für ergaben, wie wenig Herr Richter die mora­lischen Voraussetzungen erfüllte. Die Der Leiter der Berliner Poli-zei nun einmal erfüllen muß. Auch Die eigenartige Rolle, die Herr Richter vor Dem1 Untersuchungsausscha-ß des Preußischen Landtags spielte, war anscheinend für feinen Vorgesetzten und Genossen Severing kein Grund zum Einschreiten. Für jeden anderen hätte sie genügt. Daß ein Mann. Der doch nicht gewerbs­mäßig spekuliert, zugeben muh. er habe v o n d e n Darmats Aktien bekommen, aber sich nicht mehr erinnern kann, was er Dafür bezahlt hat. daß er einem Schieber Empfeh­lungsbriefe gibt, der dann an der Grenze wegen Zollschmuggels festgehalten wird, das wäre in jedem anderen Fall mehr als hinreichend gewesen, um Die Abberufung von fo einem exponierten Posten zu rechtfertigen.

Aber Severing wollte nicht. Wes­halb? Ganz sicher nicht Deshalb, weil er der Ueberzeugung gewesen wäre. Herr Richter sei unersetzlich, im Gegenteil, ein so recht-denkender Mann wie Severing hat gewiß ein Gefühl für das Schiefe der Lage gehabt, ausschlaggebend für seine Haltung ist indessen gewesen, daß der Parteimann in ihm stärker war als der Minister. Er ist der Ueberzeugung gewesen, daß er zum Polizeipräsidenten von Berlin nur einen Sozialdemokraten machen könne, Daß also nicht Die persönliche Eignung, sondern das Mit­gliedsbuch der Partei entscheide, und weil er keinen anderen fand, glaubte er Herrn Richter halten zu können. Das ist für die geistige Einstellung Severings kennzeichnend, doppelt kennzeichnend in dem Augenblick, wo man den Versuch macht, ihn als F a ch m i n i st e r " in ein Minderheits kabinett von Zen­trum und Demokraten einzuschmug- g e l n. Vielleicht sind aber jetzt Die Dinge doch soweit gediehen, daß auch die sozialdemokratische Partei und Deren Untersuchungsausschuß sich mit Dem Fall beschäftigt. Damit der Fall Richter nicht in allen Einzelheiten eine Neuauf­lage Des Falles Dauer wird.

Der Ausbau unseres Außendienstes.

Neichsaäßemnmister Dc. Stre se mann hielt dem Haushaltsausschuß des Reichs­tages einen sehr eingehenden Vortrag über die technische Seile unseres viplo- matischenÄußendienstes und gab Da­bei eine Uebersicht über die Ausgaben, Die er zu erfüllen hat, und die Hilfsmittel, Die ihm dabei zur Verfügung stehen. Strese- mannS Ausführungen, dift darin gipfelten: Nicht Abbau, sondern Ausbau unseres diplomatischen Dienstes!" können gut und

Ti> Ernährungsgrenzen Der Menschheit.

Der Berliner Geograph P e n ck hat vor kurzem vom geographischen Standpunkt aus das Problem behandelt, welche Zahl von Menschen Der Erdball ernähren kann. und kommt zu dem Resultat, daß die größte Zahl der Erdbevölkerung 16 Milliarden wäre, die wahrscheinlichste Höchst- menge* aber nur 89 Milliarden. Die gegen- trärtige Bevölkerung Dürfte 1.8 Milliarden be­tragen. so Dato nur ein Fünftel Der Erdoberfläche bisher ausgenützt erscheint. Wenn aber Die Be­völkerung in Dem Maße weiterwächst wie in Den letzten 50 obren, so würde Der Lebensraum Der Erde in 300 Iapren. Der Der gemäßigten Zone in 150 Iahren ausgefüllt sein

Zu demselben Problenr nimmt nun der Schöpfer der modernen Ernährungswissenschaft. Geh.-Rat Mar Rubner. 'n einem Lluffatz der ..Deutschen Medizinischen Wochenschrift" Stel­lung. in Dem erD i e Begrenzung der Ernährungsmöglichkeit Der Mensch- b c i t" behandelt. So unendlich verschieden Der Speisezettel bei den einzelnen Völkern und in ein­zelnen Landcsteilen ist. so unzählige Speisen und Gerichte den besonderen Geschmack des einzelnen befriedigen, fo überraschend einfach sind doch Die Grundgesetze Der Ernährung, wie sie sich Dem weltumspannenden Dlick des Forschers dar- stellen. Alle Die vielgestaltigen Nährstoffe, Die Die Menschen in Den einzelnen Weltteilen oder in bestimmten Standesgruvpen bevorzugen, lassen sich in ein einheitliches Maß Der Wärmeeinheiten zusammenfafsen. Die

Speisezusammenstellungen mögen noch so wandel­bar fein, immer müssen sie Dem Organismus etwas Eiweiß zuführen und Die notwendige Summe Der Wärmeeinheiten muß gedeckt werden.

So läßt sich der Nahrungsverbrauch einer ganzen Nation berechnen, indem der durchschnittliche Verbrauch pro Kopf der Bevölkerung festgestellt wird. Wurde bei uns die Berechnung des nationalen Bedarfs durch der K icg notwendig, so haben sich später auch die anderen Nallonen mit diesem Problem be­soffen müssen, und es gibt heute ziemlich sichere Statistiken für Die Nahrungsmengen, die die einzelnen Völker verzehren. Dabei ergibt sich die überraschende Tatsache, daß die verbrauchte Nahrungsmenge überall fast die gleiche ist. Die von Rubner angeführten Sta­tistiken beziehen sich auf Iapan, Italien. Ruß- land, Deutschland. Oesterreich, Frankreich. Eng­land, Nordamerika und Mittelamerika, umfassen etwa 550 Millionen, also fast die Hälfte aller lebenden Menschen, und doch stimmen die Stoff­wechsel- und Kalorienwerte überein. Der einzige Nahrungsstoff mit größeren Unterschieden ist das Fett. Eiweiß und Kohlenhydrate werden ziem­lich gleichförmig verbraucht, und da die letzteren ein Ausdruck der Pflarrzenkost sind, so erkennt man aus den weitaus größten Werten. Die Dafür angegeben werben, daß die Pflanzenkost bei allen Völkern Den Hauptteil Der Nahrung aus macht. Aber ebenso verzehren alle Nationen fast gleichviel Eiweiß, so daß EnglänDer unb Amerikaner, die man als Hauptvertreter Der eiweißreichen Kost an- fieht. tatsächlich gar keinen Anspruch auf diese Eigenart baben-

gern in jeder Beziehung unterstrichen werden. Tie Einschränkungen DeS Auswärtigen Amtes- auf personellem Gebiet, Die Abstriche an seinem Etat, die eS sich in dem letzten Iahr hat gefallen lassen müssen, Haden sich gerade jetzt während der Handels ver- tragsverhandlungen. Die unser Diplo­matisches Personal in alle Winde zerstreute, unangenehm bemerkbar gemacht, ja, bisweilen zu einer Ueberlastung der vorhandenen Be­amten geführt. DÖS kann natürlich in Zukunft nicht mehr so weiter gehen, zumal das Aus­wärtige Amt auch stark unter Nach­wuchs leidet und es immer schwieriger wird, für die Besetzung der nach und nach wieder einzurichtenden diplomatischen Ver­tretungen im Auslande und deren Ausbau Die geeigneten Kräfte zu finden. Aber auch in wirtschaftlicher Hinsicht ist eS ein Gebot der Stunde, den auswärtigen Dienst wieder auf den alten Stand zu bringen, um unseren Außenhandel und auch dem Auslanddeutschtum einen festen Rück­halt zu geben. ES versteht sich allerdings von selbst. Daß Der Ausbau unseres diploma­tischen Dienstes nicht in Mafseneinstellungen ausarten darf, sondern nach scharf markierten Richtlinien vor sich zu gehen hat.

Das deutsche (Eigentum im Ausland.

Die Rcparationskommisfton und Die Deutsche Regierung haben vor kurzem ein ilebereintommen getroffen, wonach die Durchführung Des Schieds­spruches über Art. 260 Des Versailler Vertrages aufgehoben wird.

Diese Nachricht ist von größter Bedeutung. Bekanntlich verpflichtete Art. 260 Deutschland, alle Beteiligungen deutscher Reichsan­gehöriger an Unternehmungen öffentlichen/ Nutzens ober an Konzessionen vor allem in Ruß­land, China, Oesterreich, Ungarn, Bulgarien und in Der Türkei an Die Reparationskom- missionzuübertragen. Der wirtschaftliche Einfluß Deutschlands in diesen Ländern sollte hiernach ebenso wie in Den alliierten und assoziierten Staaten vernichtet werden. Seit 1921 wurde mit wechselndem Erfolg über die Aus­legung dieses Artikels zwischen der Reparations­kommission und Deutschland gestritten. Man einigte sich schließlich auf ein Schiedsver­fahren. das am 3. Iuli 1924 mit einer Ent­scheidung. Die in wesentlichen Punkten der deut­schen Auffassung zustimmte, zu Ende kam. Der Schiedsrichter urteilte, daß Art. 260 auf Die an Polen abgetretenen oberschlesi­schen Gebietsteile keine Anwendung finde, daß Bergwerke und Petroleumgesellschasten feine Unternehmungenöffentlichen Nutzens" seien, wohl aber alle öffentlichen Verkehrsanstalten (Dahnen. Post, Telegraph), regelmäßig auch Gas-, Clektrizitäts- und Wasserwerke. Deutschland war demnach verpslichtet. Die Aktien, Obligationen und Shares solcher in Den genannten Gebieten befindlichen ilntcrnebmen zu erwerben, soweit sie in deutschem Besitze waren. Diese Verpflich­tung ist nunmehr beseitigt: emo weitere Abliefe, rung dieser Aktien, Obligationen und Shares findet nunmehr nicht statt. Das neue ilcberein- fonmicn bedeutet demnach einen großen Erfolg für Deutschlands Welthandelsstellung. K.

(Ein seltsamer Falk.

Vor wenigen Monaten wurden in Ruß­land drei deutsche Studenten ver­haftet, Die sich auf einer wissenschaftlichen Reise Durch Die Sowjetunion befanDen. Die deutsche Öffentlichkeit hat sich kaum mit dem Fall beschäftigt, desto mehr allerdings das Aus­wärtige Amt, das iich sofort für die Ver­hafteten, übrigens pvlftisch linksgerichte t e und Dem Kommunismus zuneigenDe junge Leute, ins Mittel legte. Monatelang haben Die Sow- jetbehörbeu bie ilrfadjen ihrer Maßnahme ver- schwiegen, nur soviel ist bekannt geworden, daß einer Der Verhafteten einen Empfehlungs­brief an Die russische Kommunistische Partei gefälscht hatte, immerhin ein Ver­brechen, Das die Festsetzung der Reisenden nicht berechtigt. Nun veröffentlicht jetzt dieIswestija" einen langen Artikel, in Dem sie Die drei Stu­denten als Beauftragte der Organisa­tion Consul abmalt, die Den Auftrag hatten, russische Parteiführer zu ermorden und Handelsspionage zu treiben. Das

Der Gesamtverbrauch an Wärmeeinheiten wird im praktischen Geben hauptsächlich von den Bewegungen und der Arbeitsmenge bestimmt. Auch Darin ftnD in Der gemäßigten Zone keine besonderen Unterschiebe vorhanden, und man sieht daraus, daß es weder übermäßig arbeitende, noch faulenzende Nationen gibt. Trotz dieser Gleichartigkeit des Nahrungsverbrauches beziehen aber die einzelnen Nationen ihre Spei­sen aus völlig verschiedenen Quellen. So ist Die Art Der Ernährung bei Italienern. Fran­zosen, Deutschen und Engländern vollständig ver­schieden. In Italien werden nur 11,67 aller Wärmeeinheiten durch tierische Nahrung auf» gebracht, in England 38,13. Der Franzose ißt zweimal so viel Fleisch als Der Italiener und Der Deutsche vor dem Krieg. Der EnglänDer Drei­mal so viel als Der Italiener. In Der javanischen Kost werden nur 5 Prozent Durch Fleisch. 95 Prozent durch Pflanzennahrung gedeckt. Von Dieser höheren Warte Des internationalen Ver­gleichs betrachtet, schrumpfen alle Diese Nuan­cierungen in nichts zusammen.

» Höchstwahrscheinlich haben die Kulturvölker Jahrtausende hindurch nach denselben Ernäh- rungsformen gelebt," sagt Rubner, »weil diese eben Naturnotwendigkeiten Darstellen und ohne Schaden für die Allgemeinheft nicht verlassen wer- Den können. Der Verbrauch wird uns instinktiv von Den Zellen aus diktiert, die Art der Be­friedigung dieses Zellhungers hängt von der möglichen Gewinnung bestimmter Arten von Nahrungsmitteln ab, ist also etwas Variables und Anerzogenes. Der Mensch hat, wie wir aus diesen Maffenbeftimmungen ableiten können, einen bestimmten Bedarf an Nabrun" Den er rnfjaUen

eine ist ebenso blühender Unsinn wie das andere. Die ganze Behandlung dieses Falls durch Die russischen Behörden zeigt aber, daß man in Moskau politisches Kapital Darau# schlagen will vielleicht sogar auf Deutschland einen Druck auS- üben will, um evtl. Die jetzt vor dem Staats- gerichtShos stebenden Tfchcka-Derbrecher im Austausch gegen Die drei Gefangenen tret zu bekommen. Das eine steht jedenfalls fest, Dafl eS bester ist. ruf fischen Boden $u meiden, um nicht durch irgendwelche unglücklichen Um­stände monatelange Dekannstchast mit russischen Gefängnissen machen zu müssen

(Ein russisch-japanisches Militärbündnis?

Daß die künftigen ruffifch-japanifchen Be­ziehungen chre Regelung nicht allein im Pe­lin g e r Vertrag vom 22. Januar d. I. finden würden, war aus gleichzeitig auitauchenden An­deutungen in Der russischen Presse zu erkennen. Allerdings schwieg man sich über Weiteres aue. ilnb nun bringt DerBerliner L.'kalanzeiger" unter gewissen Vorbehalten eine Mitteilung, wo­nach Iapan für Rußland vier kleine Kreu­zer. ein Großkampstchist. dreißig ll-Boote und sieden Zerstörer gegen Die Abtretung des reichen Nord-Sachalins baut. Für Ehina sott Ruß­land ein Truppenaufgebot von 200 000 Mann bereitstellen für Den ,SaU cineS Angriffes von feiten Amerikas. Englands oder Frankreichs. Durchaus in der Diplomatischen Natur liegt es, wenn die japanische Botschaft in Berlin diese Mitteilung schon nach wenigen Stunden Dementiert. Doch kann heute kein über die asiatischen Verhältnisse einigermaßen orien­tierter Europäer verkennen, daß die Entente auch gegenüber ihren früheren asiatischen Verbündeten eine Politik führt. Die über kurz oder lang notwendigerweise zur militärischen Ab­wehr veranlassen muß. lieber Einzelheiten eines Militärbündnisses in Östasien braucht gewiß nicht fieftritten zu werden, doch genügt in diesem Zu- ammenbang der Hinweis auf einen Punkt des von russischer Seite amtlich bekanntgegebenen Vertrages mit Iapan, nach dem Rußland sich von Der japanischen Oelausbeuteunter Umständen" bis zu 40 Proz. sichert. Da ce gleichzeitig selbst auf Sachalin nach Ocl bohrt, seine Flotte im Stillen Ozean aber ganz un­bedeutend ist und auch der Bedarf Der ostfibiri- schen Industrie an Naphta leicht zu decken ist, fragt sich doch, wozu 40 Proz. der japanischen Ausbeute und unter welchen Umständen sie not­wendig fein können?

England und das Genfer Protokoll

London, li Febr. (TU.) Eanada hat Der britischen Regierung auf ihre Anfrage wegen des Genfer Protokolls geantwortet, daß eS das Genfer Protokoll auf keinen Fall an neh­men könne Besonders Der japanische Zusahan- trag über Die Regelung Der Einwanderung und die Einschränkung Der farbigen Rasse, der eine fremde Einmischung in Die inne­ren Angelegenheiten Canadas gestatte, sei völlig unannehmbar. Desgleichen könne E-anada das Protokoll nicht als Richtschnur für die Sanktionen betrachten. Die Stellung­nahme Eanadas macht zur Gewißheit, daß die britische Regierung, Australien, Neuseeland und Südafrika die Annahme des Protokolls, wenig­stens in seiner jetzigen Form, verweigern werden. Nur Irland dürfte mit Frankreich zu­sammen auf Der Dölkerbundstagung gegen Groß- britannien stimmen. Die von der RerchsverteiDi- gungskommifsion ausgearbeiteten Zusahanträge fordern, daß keine Sanktionen verhängt werden dürfen, bevor nicht die Beschlüsse der Parlamente der beteiligten Staaten vorliegen Innere Angelegenheiten sollen grundsätzlich ausgeschaltet werden. Daher sei Der japanisch? Zusahantrag abzuweifen. Kein Staat Dürfe Schiffe außerhalb Der Dreimeilenzone beliefern oder aus rüsten Der VölkerbunDsrat oder sonstige internationale Einrichtungen haben kein Recht, in irgendwelcher Weife über Truppen ober Schiffe der beteilig­ten Staaten z u verfügen. In amtlichen Kreisen verlautet, daß die britische Abordnung auf der Völkerbundstagung am 9. März be­antragen wird, die Beratung über baü Genfer Protokoll auf den September zu ver schieben, widrigenfalls sich Großbritannien von den Be­ratungen zurückziehen toertte

muß, Den er aber auch nach anderer Richtung hin nicht überschreitet."

Die Menge Der Nahrung. Die Die Menschheit braucht, ist also etwas Feststehendes und läßt sich nicht verringern. Mag man auch noch fo viele technische Fortschritte erreichen und neue (Energiequellen erschließen, fo steht doch nach Rubners Anschauung fest,daß uns von dem wahrhaft krassen Endkampf der Menschen um das Dasein nicht mehr ungemcffcnc Zeiträume trennen".

Edward (EucueL

Ausstellung im Kunstsalvn Hirz.

Edward Eucuel hat fich von Fritz von Oftint eine Monographie schreiben lassen unb hat ihm dazu 81 einfarbige unb 8 mehrfarbige Abbildun­gen gegeben. Die Monographie ließe sich ver­zeihen- es wird über fo viele unbedeutende. Deute geschrieben.... Aber die Bilder: Es ist eine alte Erfahrung, daß Frauen die künstlerische Produktivität des Mannes günstig zu beeinflussen imstande sind, bei Eucuel erscheint das Gegenteil Der Fall.

Im Kunstsalon Hirz auf Dem Seltersweg ist eine Kollektion Cucuels ausgestellt. Die Aus­wahl ist mit Geschmack erfolgt. Es liegt viel Licht und Sonne über diesen Biloern. Dazu eine frohe Leichtigkeit, die fich keine Gedanken macht, weder mit Stofflichem, noch mit Formalem je in Konflftt kommt, eine Leichtigkeit, die aus ge­nießerischer Fröhlichkeit entspringt. Seine Bilder finD auch im Ausland, besonders in England und Amerika (allerdings in Kunstdingen keine be­rufenen Richter)" bekannt und berühmt ES ist verdienstlich, daß eine Probe davon auch einmal in Gießen gezeigt wird. cS.