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Rundfunk-Programm
des frankfurter Senders.
(Aus der „Radio-Umschau".)
Sonntag, 18. Oktober.
8,30 bis 9,30 111)r Morgenfeier, veranstaltet vom Wartburgverein Frankfurt. 12 bis 1 Uhr: Mittagsständchen, veranstaltet vom Haus- orchester. 4 bis 5 Uhr: Die Stunde der Jugend. 5 bis 6 Ilhr: Die Wachtparade des Frankfurter Linienbataillons in Wort und Musik. 6 bis Z Uhr: „Die Musik der Inder (Ostindien)", Demonstrationsvortrag von Dr. Wilhelm Heinitz- Hamburg. 7 bis 8 Uhr: Stunde des Ahein- Mainischen Verbandes für Volksbildung: „Ponce de Leon", ein romantisches Spiel von Clemens Brentano, vorgetragen von Mitgliedern des Frankfurter Künstlertheaters siir Rhein und Main. 8.30 bis 9,30 Uhr: Konzert des Harmonie- orchestcrs des Frankfurter Orch-sterpereins. 10 bis 11 Uhr Eulenspiegeleien.
Montag, 19. Oktober.
4,30 bis 6 Uhr Vachmiltagskonzert des HauS- orchesters: Konzertwalzer. 6 bis 6.30 Uhr Die Lesestunde. 6,30 bis 7 Ahr Die Dücherstunde. 7 bis 7,30 Ahr Vortrag „Vöhrensendcr ll". 7.30 b. 8 Ahr Funkhochschule: ..Der Sicherheitspakt vom Standpunkt des Geschichtsforschers", Vortrag von Prof. Dr. Künhel. 8 bis 8,30 Ahr Englischer Anterricht. 8,30 bis 9,30 Ahr: DaS Volkslied, ein Zyklus (Die Schweiz). 10 bis 11 Ahr Acbertragung von Kassel, Opernabend.
K^chliche Nachrichten.
Evangelische Gemeinden.
Gießen. Sonntag, 18. Oktober. 19. n. Trinitatis. Stadtkirche. 9*/a: Psi. Mahr. 11: Kinderkirche für die Matthausgemeinde. Psi. Mahr. 6: Pfarraff. Hertel. - IohanneSkirche. 97,: Psi. Bechtols- Heimer. Feierl. Eröffnung des Konstrmandenunter- richts der Lukasgemeinde. 11: Kinderkirche für die Lukasgem. Psi. Dechtolsheimer. 6: Psi. Ausfeld. Feierliche Eröffnung des KonfirmandenunterrichtS der Johannesgemeinde. — Kirchberg. 10: Eröffnung deS Konfirmandenunterrichts. 11: Heiliges Abendmahl für die Alten von Staufenberg. — Lollar. 17.,: Abendmahl für die Alten. - Wieseck. Cvang. Gemeindefaal, Ludwigstr. 11. Aur Abendgottesdienst : 77,; im Anschluß Frauenabend. — Watzenborn-Garbenteich. Watzenborn-Steinberg: 1. Garbenteich: 9: Deichte, anschl. Gottesdienst und heilig. Abendmahl der Verheirateten. (Kollekte.)
Katholische Gemeinden.
Dietzen. Samstag, den 17. Ottbr. 47, u. 7 Deichte. Sonntag, den 18. Ottbr. 20. Sonntag nach Pfingst. 67, Deichte, 7 Messe, Kom. der Jungfrauen, 8 Kom., 9 Hochamt m.Pred., 11 Messe m. Pred., 47, Jung. siauen-Kongregation, 57, Christenlehre und Andacht mit Segen. Dienstag und Freitag abds. 8 Rosen- kranzandacht. — Grünberg. 973 Messe mit Pred. - Hungen. 8 Messe mit Predigt. — Laubach. 10 Messe mit Predigt. — Lich. 10 Hochamt mit Pred.
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fahren. Das freudige Gefühl, in dem vornehmen Weltbad lustwandeln zu können, wenn auch nur wenige Stunden, seine berühmten Heilbäder und -Anlagen und seine prächtigen Gesellschafts- und Erholungsstätten kennen zu lernen, köstliche Schwarzwaldluft zu atmen, den Blick hinaus zu lenken in eine herrliche weite Gotteswelt, all
und im Pacisit spä'er ausülen kann. Ein weiteres sehr wesentliches Moment, das England geradezu zu diesem Schritte zwingt, dürfte übrigens die Rücksichtnahme auf die beiden sich durch Japans Gxpansionsbestrebungcn bedroht fühlenden Dominions sein. Cs ist kein Geheimnis mehr, dass das frühere Abhängigkeitsverhältnis der Dominions im Laufe der letzten Zeit erheblich gelockert und unter ten obwaltenden Verhältnissen ist es für England geradezu eine Aotwendigkeit, hier einen Schritt zu tun, der sein Prestige als Mutter and zweien seiner Dominions gegenüber ganz erheblich festigt. Würde sich England in diesem Punkte schwankend zeigen, so würde die natürliche Folge das enge Anlehnungsbedürfnis der beiden Staaten A u st r a l i e n und Reu - fee land an Amerika sein. Das aber zu verhüten gebietet der Selbsterhaltungstrieb des stolzen Imperiums.
geistigen und künstlerischen Genusses, radiesisch schöne Umgebung, köstliche kurzum ein gesegnetes Stückchen Erde, nur den Kranken, sondern auch den
Starke Dämmerung breitete sich noch über G i e tz e n, als am vorigen Sonntag früh kurz nach 6 Ahr etwa 70 hiesige Reiselustige dem Bahnhof zustrebten, um mit dem von der Reichs- bahndirektion Frankfurt a. M. gestellten S o n n -
Jedenfalls unterliegt es keinem Zweifel, daß England durch den Ausbau des fraglichen Flottenstützpunktes, der den Unterbau für die Verlegung seines maritimen Schwergewichts von Westen nach dem Osten bildet, für die Durchführung einer Weltpolitik einen ganz erheblichen Machtz^wachs erfährt. Singapore ist nicht nur die Handelsstraße, die den gesamten Verkehr von West nach Ost und umgekehrt vermittelt, nein Singapore als Waffen Platz erster Ordnung ist auch das Tor, das jederzeit gegen Ucbergriffc die von Osten, von See her, Indien bedrohen könnten, von England ad- ger i e g e l t werden kann. Des weiteren beherrscht die zentrale Lage unmittelbar Siam, Französisch Jndochina, den holländischen Kolonialbesitz und die Philippinen. Hieraus erhellt wohl ohne weiteres die Tatsache, welch verstärkten maßgeblichen Einfluß auf diese Weise England auf die Kolonialmächte im fernen Osten
Erquickung ist. Wir lösten uns vor allem von dem Strom des Massenbesuchs und statteten zunächst dem im wundervollsten Herbstkleid prangenden Walde und dem Merkur einen Besuch ab. Die Straßenbahn füfjrt aus dem Weichbild der Stadt hinaus, in zahlreichen Windungen ständig höher strebend und dabei den Fahrgast mit immer neuen, sehr reizvollen Blicken auf die Stadt erfreuend, dem Merkurwald zu, in dem sich die Fuhstation der Drahtseilbahn befindet. Auf dieser grandiosen Bergbahn, die als Spitzenleistung der deutschen Technik bezeichnet wird, gehts in 12 Minuten Fahrtdauer hinauf zum Gipfel des rund 700 Meter hohen Merkur, zuerst mit einer Steigung von 28, dann von 40 und auf der Endstrecke sogar mit einer Höchststeigung der Bahn von 54 Prozent! Dabei sind, wie man vom Bahnpersonal hören konnte, die absolutesten Sicherheiten für einen völlig gefahrlosen Betrieb der Bahn gegeben. Auf dem Merkur genießt man einen überwältigend schonen Rundblick. Das herrliche Oos- und Murgtal mit Baden-Baden und vielen lieblichen Dörfchen, inmitten herrlichen Hochwaldes, liegen weit drunten zu Füßen des Beschauers, der Blick kcurn weit über die Schwarzwaldhvhen wandern, nach Westen in die Rheinebene und weiterhin sogar in teures verlorenes Land, nach Elsah-Lothringen hinein bis zu den Kämmen der Vogesen. Die erhabenen Eindrücke einer solchen Am schau sind geradezu ein Erlebnis, das sich nicht in Worte fassen läßt. In der Stadt selbst stehen natürlich die Bäder im Vordergrund des Interesses. Anter sachkundiger Führung wurden die vorsprechenden Sonderzügler gruppenweise durch die Räume des Friedrichsbades und des Augustabades geführt, überall sah man eine sehr gediegene, vornehme und außerordentlich vielseitige Einrichtung der Heilstätten. Die Thermalquellen liegen unmittelbar hinter den Badhäusern in den Dergfelsen, auf dessen Kuppe das Reu« Schloß des früheren Großherzogs erbaut ist. Don besonderem Interesse waren die erst vor einigen Jahren freigelegten Badeanlagen der Römer, die sich den Heilwert dieser Quellen ebenfalls gut zunutze zu machen verstanden. And nun die Erholungsstätten. Gin geschmackvoll auSgestattetes Kurhaus mit ungemein prächtigen Gesellschaftssälen, in denen vieles noch an die glanzvolle Daden-Dadener Spielbankzeit erinnert, aufs vornehmste abgestimmte Theatersäle (einen großen und einen kleinen), außerdem der Konzertsaal, schließlich gemütliche Restaurationsräume und endlich gartenbaukünstlerisch hervorragende Kurhausanlagen, das alles ist so intim wirkend, daß man sich hier wohlfichlen muh. And dann — um nur noch Einiges aus dem: wertvollen Erinnerungsschah eines leider nur allzu schnell verflogenen Rachmittags zu erwähnen — die Trinkhalle mit ihrer idyllischen Umgebung, die Lichtentaler Allee, die herrlichen Gönner-Anlagen mit dem eindrucksvollen Jose- phinenbrunnen (eine zweite große Wasserkunst- an'tage wird zur Zeit von der Friedrichshöhe aus hinab in die Talsenke der Stadt gebaut und verspricht vom nächsten Frühjahr ab ein neuer Glanzpunkt des Bades zu werden), die sorgfältig gepflegten gärtnerischen Anlagen, die breiten und sauberen Straßen und noch vielerlei mehr bereiteten den Besuchern hohe Freude und gaben ihnen eine wertvolle Bereicherung ihres Lebens. In entgegenkommendster Weise hatte die Stadtverwaltung den Sonderzüglern für die Merkurbahn Fahrpreisermäßigung auf die Hälfte gewährt, zu allen übrigen Einrichtungen und Darbietungen hatten sie unentgeltlichen Eintritt. Auf der anderen Seite, das kann nicht verschwiegen werden, waren aber die Preise in den Gaststätten des Weltbades ganz weltbadmähig, und deshalb heißt es für Baden-Baden-Besucher'. „Tu Geld in deinen Deutel", und das noch einmal und immer noch einmal. Aber trotzdem: Baden-Baden hat sich in der großen Sonderzüglerschar zweifellos viele Freunde exworben.
Abends 7.15 Ahr wurde die Rückfahrt airgetreten; sie ging auf demselben Weg vor sich wie die Hinreise. 12.15 Ahr nachts kamen die Gießener hier wieder an, zwar müd, aber doch um ein frohes, unvergeßliches Erlebnis reicher. Zum Schluß der Reichsbahnverwaltung ein Wort der Anerkennung: Durch diese sehr billigen,
mein Wort daraus nehmen, daß dieser Platz bei weitem die wichtigste Station im Osten ist. Vom marine- und handelspolitischen Standpunkt aus betrachtet, ist dieser Platz von viel größerem Wert als ganze Kontinente."
'Stamford Raffels hat mit seinem Scharfsinn und feinen Bemühungen, diesen Seeweg für die Herrschaft Englands, entgegen den damals in London herrschenden Anschauungen, zu sichern, seinem Daterlande einen unschätzbaren Dienst erwiesen. Inzwischen sind über hundert Jahre verflossen, die in alle und jeder Beziehung dem Werturteil Recht gegeben. Die heutige Zeit aber wird in ganz besonderem Maße die hohe Bedeutung Singapores in England begründen, anläßlich etwaiger Auseinandersetzung um die Herrschaft im Pacisik zur Geltung bringen.
In klarer Erkenntnis der Sachlage ist England nunmehr entschlossen, mit allen Kräften den Ausbau Singapores zu einem erstklassigen Flottenstützpunkt ins Werk zu setzen. Dorn unparteiischen Standpunkt aus betrachtet, ist dieser Entschluß Englands nichts anderes als eine unbedingte Aotwendigkeit zur Aufrechterhaltung seines Imperiums für bereits, in greifbarer Rähe liegende zukünftige Zeiten.' Lag ehedem das Schwergewicht der Weltpolitik im Mittelmeer, verschob es sich spater nach Gründung des deutschen Kaiserreichs und Anwachsen desselben zur See- und Weltmacht nach dem Atlantik, so haben mit Ausgang des Weltkrieges die Politischen Fragen jetzt den Pacifik in die vorderste Reihe gedrängt.
Das Problem, das hier mit der Zeit seiner Lösung entgegenreift, kann kurz in dem einen Wort „Iapa n“ zusammengefaßt werden. Die Expansionsbedürfnissi dieses Landes drängen mit unfehlbarer Sicherheit über kurz oder lang zu Konflikten mit den Ländern, die sich durch diese Bedürfnisse in ihrer wirtschaftlichen Weiterentwickelung und Erhaltung ihrer Rasse bedroht siihlen, das sind Amerika, Aeuseeland und Australien. Aus dieser Konstellation ergiebt sich ganz zwangsläufig das Zusammengehen der beiden großen angelsächsischen Staatsgebilde.
Wie immer, wenn etwas Drohendes in der Luft schwebt, ist auch wegen dieses Problems bereits wiederholt zwischen den Interessenten verhandelt worden, um zunächst einem friedlichen Ausgleich die Wege zu ebnen. Als wichtigster Aiederschlag dieser Verhandlungen dürfte der bekannte Fünf-Mächte-Dertrag vom 6.Februar 1922 anzusehen sein, der sich mit den Rüstungseinschränkungen zur See be- faßt, gleichzeitig aber auch, was jedoch meist weniger beachtet wird, den status quo betreffend der Befestigungsanlagen, iimerhalb eines fest- umriffenen Gebietes, zur Zeit der Ratifizierung des Vertrages, vorsiehi. Anter diese einschränkende Bestimmung fällt ebenfalls das für England so äußerst wichtige Hongkong, während Siga- pore bereits außerhalb des Gürtels liegt und somit ganz erheblich an Bedeutung gewinnt.
Abgesehen davon, daß es hier für England gilt, ganz außerordentlich wertvolle wirtschaftliche Interessen zu schützen, die mit diesem wichtigen Seehandelswege untrennbar verbunden sind, ist Singapore als ausgebauter Flottenstützpunkt auch von eminent politischer und seestrategischer Bedeutung. Singapore ist Flankenstellung'gegen jede Rord-Süd-Dewegung der japanischen Flotte und deckt somit in ausgiebigstem Maße etwaige japanische Unternehmungen gegen Australien und Reuseeland. Gleichzeitig aber würde es einen Zugriff Japans auf die Riederländischen Besitzungen unmöglich machen, welch letztere für Japan im Falle eines Krieges mit Amercka ihrer Oelquellen halber von größter Wichtigkeit sind.
Wenn sich nun in Japan Stimmen gegen Durchführung der von England beabsichtigten De- lestigungsmahnahmen erheben, die darauf Hinweisen. daß eine derartige Handlungsweise Eng- - lands dem Sinne des Vertrages von Washington t zuwiderlaufe, so dürfte diese Auswirkung für den Realpolitiker nur den Beweis für die' Richtig- keck der hier betätigten englischen Politik liefern.
An sich liegen ganz gewiß für England die Beweggründe für den Ausbau Singapores nicht auf agressivem Gebiete Japan gegenüber, sondern sind vielmehr als vorausscha'uende Siche- rungsmahnahmen anzusprechen. Andererseits ist natürlich auch das japanische Anbehagen wohl zu verstehen, denn die Chancen Japans werden durch diese Maßnahmen Englands, das mit Sicherheit bei japanisch-amerikanischen Verwickelungen auf des letzteren Seite stehen wird, ganz ungeheuer beeinträchtigt. Trotz alledem wird Japan die Tatsache hinnehmen müssen, denn England bleibt durchaus im Rahmen der ihm durch die Verträge auferlegten Verpflichtungen und bietet somit Japan keinerlei rechtliche Handhabe für irgendwelches Eingreifen, sei es auch nur die Erhebung eines Protestes.
Inzwischen werden die Dinge ihren Lauf nehmen, der wohl zunächst durch das geschlossene Abkommen zwischen den vier Staaten Amerika, England, Frankreich und Japan für einen längeren Zeitraum, äußerlich wenigstens, in friedlichen Bahnen verenden wird. Haben sich die genannten Mächte doch verpflichtet für die Dauer von 10 Jahren, bei Streitfällen untereinander die freundschaftliche Vermittelung der anderen nicht beteiligten Mächte anjurufen. Es liegt durchaus auch im Interesse Japans, das für den Ausbau seiner Wehrmacht zu Lande und zu Wasser manches durchzuführen hat, daß diese erst im Jahre 1932 ablaufende gegenseitige Schpnfrist innegehatten wird: und für die übrigen Machte liegen die Sachen nicht viel anders. Vorerst aber dürfte Japan aus diesen Abmachungen seinen Ruhen gezogen haben, anläßlich der ganz erheblichen finanziellen wie marüimen Schwächung durch die große Grbebenkatastrophe.
das ließ die Beschwernisse des frühen Aufbruchs an einem kühlen, nebligen Sonntagmorgen schnell verschwinden. Die Hoffnung auf schönes, sonniges Herbstwetter erhöhte die reisefrohe Stimmung.
Zuvorkommende Eisenbahnbeamte bemühten sich um die gute .Unterbringung der Sonderzüg- ler. Jeder hatte seinen Sitzplatz in den vortrefflich geheizten Wagen. Ratürlich wurde in Anbetracht des ermäßigten Fahrpreises ^standesgemäß" gefahren': 2mal2erH. Güte. Aber es waren sämtlich Wagen der neuen Bauart, in denen es sich recht bequem sitzt, und die Hauptsache: der Zug fuhr mit Schnellzugsgeschwindigkeit — warum sollte man sich da nicht auch in der 4. Güte wohlfühlen? Pünktlich um 6,31 Uhr setzte sich der Zug in Bewegung. Gießen addio! Dicke Rebelschwaden lagen auf der Landschaft, schwer schlug der Rauch der Lokomotive nieder: Aussicht wo bliebst du? In knapp halbstündiger Fahrt war Butzbach erreicht, verhältnismäßig mehr Ausflugsbegeisterte als in Gießen bestiegen den Zug. Knapp zwei Minuten Aufenthalt, weiter ging's. Bad-Rauheim brachte sehr starken Zudrang, aber alle Fahrtteilnehmer fanden gute Unterkunst, da die Wagen in der Reihen- olge der Stationen besetzt wurden. In Friedberg noch einmal Halt, der letzte Rest aus Oberhessen stieg ein, und nun gings in rascher Fahrt nach der Mainstadt Frankfurt. Die Rebelschwaden begannen zu weichen, Frau Sonne lugte freundlich durch das Wolken- und Rebel- meer, die Hoffnung der AMlügler auf einen guten Tag stiegen immer froher empor. Kurz vor 8 Ubr in Frankfurt: hier wurde der große Zugteil für hie Frankfurter Mitfahrenden an- gehängt, und wenige Minuten nach 8 Uhr gings mit etwa 1000 Ausflugreisenden los. Durch den in herbstlicher Farbenpracht grüßenden Frankfurter Stadtwald, durch die sonnenbestrahlten Felder ging's gen Darmstadt, wo gegen 81/3 Albr die Darmstädter Teilnehmer die letzten freien Plätze im Zuge belegten. Verheißungsvoll lachte die Sonne vom blauen Himmel bei der Abfahrt aus der hessischen Hauptstadt, mit froher Spannung sah man einer genußreichen Fahrt an der Bergstraße entgegen — aber „mit des Geschickes Mächten ..." Etliche Stationen hinter Darmstadt verschwand die Sonne, die Aussicht wurde trüber, und gar schnell war der Zug wieder von einem dicken Rebelmeer umfangen, das die Schönheiten der Bergstraße verhüllte. In Bensheim gab's eine programmwidrige Fahrtunterbrechung, da ein Wagen sich heiß- gelaufen hatte und deshalb aus dem Zug entfernt werden muhte. In militärischer Schnelligkeit ging die „ Umgruppierung" vor sich und wenige Minuten später ging die Fahri durch das Rebelmeer weiter, lieber Fri-e d r ichs s eld ging's nach Schwetzingen, dessen berühmten, im Versailler Stil angelegten Schlosspark man leider keinen Besuch abftatten konnte. Hinter dieser Stadt nahm erfreulicherweise auch das Rebelmeer fein Ende, strahlend lachte die Sonne wieder hernieder, wolkenlos blaute der Himmel. Bald tauchte Karlsruhe vor uns auf, in dessen Straßen sonntäglich gekleidete Menschen ihren frohen Vormittagsspaziergang im Herbstsonnenschein machten, lieber Rastatt und Baden- Oos ging's nun dem Reiseziel Baden-Baden zu, wo die Ankunft gegen i/212 Uhr mittags erfolgte. Herrliches Wetter brachten die Reisenden mit und behielten es auch für den Rest des Tages.
Baden-Baden. Ein Zauber für die Werktags-Menschen. Diese treibt nicht das Verlangen der „großen Welt", die überall „dabei fein muh"; sie wollen nach der Woche Last und Mühen am Sonntag lediglich Erbauliches, Schönes genießen, aus dem sie Kraft schöpfen können zu neuem Schaffern Und dieses Schöne, Stärkende bietet Baden-Baden in seltener Vollkommenheit. Ein prächtiges Städtebild, sieund- liche Bewohner, in gemütlichem Dialett den Fremdling orientierend — z. B. de Driefkaschte isch am Hotel Hirsch — vortreffliche Stätten I
Es besteht kein Zweifel darüber, daß die Erfindung des homogenen Resonanzbodens der
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