Ausgabe 
17.10.1925
 
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Gemeinden.

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r. 20. Sonntag nach ' tom. der Jungirauen, 8 Rom,, II Messe m.Pred., 4'/, Jung, 5^ Christenlehre und Andit! und Freitag abds. S Rvstn. inberg. y/g Messe mit Pird. mit Predigt. - Saubach. 10 Sich. 10 Hochamt mit Pred.

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^Vertretung-

: August Forster

JL ßahnhofstr-636 ffu> (ObateSe

Der gefesselte Strom.

Roman von Hermann Stegemann.

39. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Hanns 3ngolb ging auf in seinem Werk.

Aber zum erstenmal hatte er sich nicht um seines Wertes willen, sondern nur deshalb hineingestürzt, weil er anderen Gedanken ent­fliehen wollte. Und die fanden doch eine Lücke, in die sie eindringcn tonnten.

Die Post brachte Stöße von Briefen und Drucksachen. Darunter eine illustrierte Zeit­schrift, in der acht Ansichten von Rheinau ur.tcrm Laussen tvicdergegeben waren. Hanns überwog den Begleitartikel. Der Borwurs der Ratur- schändung schlug ihm aus den streitbaren, mit mächtigem Schwung geschriebenen Zeilen ent­gegen. Und besonders ein Bild drängte sich immer wieder zwischen ihn und seine Arbeit: Die Ilnsicht des Rheins von der Solmwage, dos malerisch an den Felsen hängende Städtchen und darunter der schäumende, aus der Enge in die lachende Aue sprudelnde Fluh. Die Brücke schwebte scharf über der Tiefe, und im Geklipp war ein Weiher Punkt sichtbar das Haus der Ingold.

Dieses Haus muhte fallen. Die rote Linie des Planes schnitt es ab. Das einzige in Rheinau. Davon hatte der Bater noch keine Kenntnis, denn der ausgearbeitete Entwurf war vorgestern zum erstenmal aufgelegt worden.

Dah dieses alte Haus fiel, hatte den Ver­fasser des Artikels in der ..Heimatfreude" nicht erregt, et sprach gegen die Zerstörung des Naturdenkmales und erwähnte von Gebäuden nur das Kloster St. Joseph, das als letztes Bild festgehalten war, wie es in der grünen Aue über dem umbuschten Rhein in den Obst- bäumen und einem verwilderten Park versteckt laq. Ein großes Rundbogenfenster, eine Reche klerner Zellenöffnungen, ein Stück des Treppen­giebels und das Zwiebeltürmchen hoben sich aus den duftigen Laubmassen. Wie hingehaucht schloh der blauschwarze Wald den Hintergrund. Eine Himmelsecke leuchtete hell herein. Die Pho­tographie war meisterhaft.

3m wilden Wurf schleuderte Hanns 3n- gold das Heft von sich. Aber die Gedanken waren unruhig geworden, die Berechnungen ka­men inS Schwanken, die Linien des Planes lie­fen durcheinander, er dachte an den alten Mann, der in dem Haus, das schon zum Abbruch be^ stimmt war, trank lag, und an das Mädchen in dem abgeschiedenen Garten, ,too er als 3unge gespielt, als 3üngling geschwärmt und als Mann sich selbst und sein Glück gefunden hatte.

Don zwei Seiten sprangen ihn die Gc- wissenshunde mit gierigen Dissen an. Doch ob sie ihm die Brust zerfleischten, ins Leben dran­gen sie ihm nicht. Hoch über allen Roten und Zweifeln stand der Gedanke an sein Werk. Das lieh er erst mit seinem Leben.

Er schrieb an Ruth. Morgen wollte er sie besuchen, morgen, heute nicht. Der Weg zu seinem Baker war ihm verboten, und diesmal wagte er dem Derbot nicht zu trotzen, aber er konnte heute auch Ruth nicht sehen, denn dazu war sein Inneres zu unruhig, zu aufgewühlt, fühlte er sich zu sehr aus dem Gleis geworfen. Fcssellos brauste in seinem 3nnern der Strom der Gefühle.

Während er sich diese große Schlacht lie­ferte, ging Ruth Engelhardt wie im Traum, wie eine Schlafwandlerin in St. 3oseph um. Cs war ihr, als atmete sie noch den Duft des Wasserstaubes und den scharfen Fischgeruck. die im Hause des alten 3ngold nisteten. Sie hatte sein Bewußtsein wiederkehren sehen, seine Hand gehalten, an der die Gichtknoten sahen, und ihm ins Ohr gesagt, dah sie den Hanns mehr liebe als ihr Leben, dah die neue Zeit gekom­men sei und die alte auch hier im verlorensten Winkel des alten deutschen Landes zu Ende gehe. Zu Ende die Fischweide und die Flößerei, der Flachsfaden am Spinnrad und das dumpf träumende Dasein mit seiner schläfernden Me­lodie eintönig rauschenden Wassers.

Und der alte Mann hatte die harten Finger in ihren weichen Mädchenhänden ruhen lassen und seine Augen starr auf die Urkunden ge­heftet, die unter Glas und Rahmen an der Stubenwand hingen: sein Fischerpatent und fein Diplom als badischer Pionier, beide aus dem 3ahre 1361.

Als sie chn verlassen hatte, war keine Ge­fahr mehr für fein Leben, feine kernige Natur hatte sich behauptet.

Da sandte sie Hermann zu seinem Bruder, um ihm einen Besuch zu widerraten.

Sie wußte, daß Hanns 3ngold da war. Die Welt drehte sich jetzt ja um ihn und sein Werk. Selbst ihr Baker war widerwillig in seinen Bann geraten.

.,Er ist ein Mordskerl," sagte Engelhardt, ..das muh ihm der Reid, muß ihm auch der ehrliche Gegner lassen. Aber er ist noch nicht über den Berg. Soll der Rhein hier weiße Kohlen erzeugen gut, aber dann darf es fein Kapitalistenunternehmen werden, das der all­gemeinen Wohlfahrt nicht dient. Dann wollen wir ihnen ein Pflichtenheft schreiben, an das sie sich halten müssen, und wenn sie unsere Be­dingungen zu teuer finden und den Rhein laufen lassen wollen, wie er will um so besser!"

Und was wird dann aus Hanns 3ngold, Papa?" hatte sie gefragt.

..Der der fragt auch nicht, was aus uns. aus seinem Bater und aus dir wird, Mädel!"

Wild war es ihm herausgefahren. Er hatte seinen Zorn, seine Hitze wiedergefunden und die Tür hinter sich ins Schloß geworfen.

Am Abend brachte der Bote 3ngolds Brief aus der ..Alten Post".

Ruth hielt ihn in kraftlosen Händen. Hanns kam nicht. Hanns war nicht gekommen. Rur ein Dries. Er dankte für die Pflege, die sie dem alten Mann gewidmet hatte, für alles dankte er. versprach morgen zu kommen, entschuldigte sich, dankte, dankte und sie, sie wollte, begehrte ja gar keinen Dank, nur ein bißchen Liebe. Rein, nicht nur ein bißchen, feine ganze Liebe. Er durfte, er sollte sich seinem Werf widmen, aber ihr gehörte er trotzdem ganz.

Eine Umwälzung riß neue Gefühle vom Grund ihrer Seele in die Höhe. Ihre Liebe reckte sich, wurde stolz und gebieterisch. Sie fühlte sich wieder als Persönlichkeit, nicht mehr in stachliger Abwehr und herber Scheu, sondern als Weib, das seinen Anteil am Geschick ver­langt und bereit ist. es zu tragen, aber nicht willens, der eingeborenen Würde etwas zu ver­geben.

Als Hanns Ingold am anderen Tag nach St. Joseph hinausging, von einem milden Früh­lingsregen begleitet, der die Landschaft silber- grau tönte, erwartete ihn Ruth mit gefestigter Seele

Sie wußten sich wenig zu sagen. 3n all­täglichen Gleisen lief ihr Gespräch. Hanns be­mühte sich, nicht von seinem Werk zu sprechen, das chn doch bis in den letzten Rerv erfüllte, und Ruch wollte ihn nicht an den krakiken Mann erinnern, von dessen Bett sie kam.

Erst beim Abschied gerieten sie in Glut, hielt er sie in plötzlich ausbrechender Angst Angst vor seinem eigenen Selbst, umfaßt uno raunte ihr ins Ohr:

Wenn ich dich nur habe, wenn ich nur weiß, daß ich dich noch habe!"

Du hast mich ja noch gar nicht", entgegnete sie, und eip rätselhaftes Lächeln zuckte tu starren Linien um ihren Mund.

Dald hol' ich dich. Engclsüß. Wenn mein Werk gesichert ist und der erste Spatenstich ge­tan wird, hol' ich dich heim."

Er blickte von ihr weg zum Rhein hin­über. Weihe Regensonne erhellte geisterhaft die blaffe Ferne

Du willst also eigentlich mit deinem Werk Hochzeit halten", sagte sie, und das Lächeln grub sich tiefer in ihr Gesicht, der goldene Funke in ihren Augen sank langsam in die Tiefe.

Wie meinst du das?" fragte er schroff. ' Frag' nicht", wehrte sie leise.

Da verstummte er und ging.

Wie auf gemeinsame Abrede vermieden sie fortan, von der Zukunft zu sprechen, und als Hanns Ingold nach sechs Wochen nach Karls­ruhe reifte, wo die entscheidenden Sitzungen statt­fanden, lag über ihrer Liebe ein Glanz später Herbstreife, die feine Zukunft mehr kennt und vom letzten Sonnenschein zehrt.

Hanns Ingold hatte seinen Vater nicht ge­sehen. Rur das Haus, und einmal, als sie in einem verankerten Ponton unter dem ersten Drückenpfeiler Messungen vornahmen. den Schattenriß eines alten Mannes, der schwer­fällig und von einer Frau gestützt in dem kleinen, ewig feuchten Vorgarten auf und ab ging. ~-fMn« iolat.)

Bekanntmachung.

In unser Handelsregister Abt. A wurde am 29. September 1925 eingetragen: 1. die Firma Karl Schröder, Leihgestern.

Inhaber ist der Kaufmann Karl Schröder in Leihgestern:

2. die Firma Wilhelm Strauch, Gießen. Inhaber ist der Kaufmann Wilhelm Strauch in Gießen Der Wilhelm Strauch Ebeftau, Lina geb. Schäfer in Gießen ist Prokura erteilt;

3. bei der Firma Reustadt-Drogerie Ioh.

Wilh. Kurz Rachf. Hans Roll in Gießen: Die Firma ist geändert in Hans Roll, Ludwigsplah-Drogerie und Reustadt- Drogerie.

Gießen, den 12. Oktober 1925. 9691c ________Hessische' Amtsgericht_________ "Bekanntmachung.

Die Wahlkarkei für die Wahl der Stadtverordneten der Stadt Gießen sowie der Kreistags- und der Provinzialtags­mitglieder liegt nochmals von Donners­tag. den 22. bis Montag, den 26. Ok­tober 1925, werktags vormittags von 8 bis 1 Uhr und nachmittags von 3 bis 6 Uhr, Sonntags von 9 bis 1 Uhr vor- mittags, auf dem Stadthaus Dergstr. 20 - Zimmer Rr. 14 - offen. Während der Offenlegung kann feuer Angehörige der Stadt Gießen mit Gemarkung Schiffenberg und Herrnwald, der zur Zeit der Wahl, also am 15. Rovember 1925, 20 Jahre alt ist, die Wahlkartei einsehen und Einwen­dungen dagegen vorbringen.

Stimmberechtigt ist, wer am Wahltage Reichsangehöriger, 20 Jahre alt ist und außerdem sechs Monate ununterbrochen in der Gemeinde wohnt.

Gießen, den 17. Oktober 1925. Der Oberbürgermeister.

4 3. V.: vr. Seib. 96858

Bekanntmachung

betreffend Feuerbestattung.

Es wird zur allgemeinen Kenntnis gebracht, dah beim Standesamt im Alten Rathaus. Marktplatz. Willenserklärungen zwecks Feuerbestattung, welche hinsichtlich der Unterschrift öffentlich beglaubigt fein muffen, zur Aufbewahrung hinterlegt werden können.

Die Aufbewahrung geschieht unent­geltlich unter feuersicherem Verschluß.

Deim Ableben einer Person, die ihre Feuerbestattung angeordnet hat, erhält derjenige, der den Sterbefall beim Standes­amt anzeigt, von der angeordneten Feuer­bestattung schriftliche Mitteilung mit der Weisung, diese Dachricht demjenigen zu behändigen, der die Art der Destättung des Verstorbenen anzuordnen hat.

Demerkt wird, daß die Erklärungen, die sich im Desth der Vereinigung für Feuerbestattung für Gießen und Um­gegend befanden, von Rechtsanwalt Dr. Meuser dahier dem Standesamt bereits zur Verwahrung übergeben worden stnd.

Gießen, den 10. Oktober 1925. Der Oberbürgermeister.

__3. V.: Klingspor. 95718

Arbeitsvergebung.

Für die Feldbereinigung Allendors a. d. L. sollen Mittwoch, den 28. Ok­tober 1925, vormittags 9 Uhr, auf der Bürgermeisterei zu Allendors a. d. L. Derschleisungsarbeiten, veranschlagt zu 4 500 Mark vergeben werden.

Die Verdingungsunterlagen liegen auf Hessischer Bürgermeisterei offen, wohin die Angebote in Prozenten des Voranschlags, verschlossen, mit entsprechender Aufschrift versehen, pvstfrei bis zum Eröffnungs- termin einzureichen sind.

Zuschlagsfrist: 3 Wochen.

Gießen, den 15. Oktober 1925. Hessisches Kulturbauamt.

I. D.: Mangold. 9699c

Bekanntmachung.

Betr.: Zugelaffene Installateure im Heber- landgebiet.

3m Rachtrag zur Bekanntmachung vom 18. Juni d. I. sind zur Vornahme von Installationen an elektrischen Lei­tungen in denjenigen Ortschaften, die ihren Strom vom Städtischen Elektrizitätswerk beziehen, ferner zugelaffen.

Installateur Peter Heckmann, Rieder- Ohmen (Kreis Alsfeld).

Installateur Franz Resseldreher, Heuchel­heim bei Gießen, Kinzenbacher Str. 10.

Gießen, den 16. Oktober 1925.

Elektrizitätswerk und Ueberlandanlage der Stadt Gießen.

S t o 11 c. 9728c

Bekanntmachung.

\5ür das unterzeichnete Stadtbauamt wird zur vorübergehenden Tätigkeit ein im Zeichnen und schriftlichen Arbeiten ge­wandter

Hochbautechniker

der eine anerkannte Daugewerkschule mit gutem Erfolg absolviert hat, zu baldigem Eintritt gesucht.

Bewerbungen find unter Vorlage von Zeugnisabschriften und Angabe der Ge­haltsanspruche bis spätestens 10. Ro­vember d. I. bei uns einzureichen.

Gießen, den 15. Oktober 1925.

Stadtbauamt Gießen.

3. D.: Grode. 97228

Fichtenstammholz.

Die Unterzeichnete verkauft

1. aus Einschlag 1925.

Fichten: 5,99 Fstm. 1. Kt., 77,18 Fstm. 2. Kl., 1767,72 Fstm. 3. Kl., 3602,85 Fstm. 4. Kl, 3864,32 Fstm. 53-Kl, 1619,84 Fstm. 5b-Kt., >17,98 Fstm. Derbstangen 1. Kl. und 1,97 Fstm. Derbstangen 2. Kl.

Kiefern: 38,13 Fstm. 3. Kl., 49,41 Fstm. 4. Kl., 87,64 Fstm. 5. Kl.

Lärchen: 108 Fstm. 5. Kl.

2. auS Einschlag 1926.

Fichten: zirka 105 Fstm. 3. Kl., 210 Fstm. 4. Kl., 480 Fstm. 53-Kl., 525 Fstm. 5b. Kl.

Das Holz zu 1 kann sofort, das zu 2 bis Ende Rovember abgefahren werden.

Submissionstermin 29. Oktober 1925, 10 Uhr vormittags, im Sitzungssaal Freiherrlicher Rentkammer Lauterbach (Hessen).

Losverzeichnisse und Verkaufsbedin­gungen übersendet

Freiherrlich Riedeselsche Rentkammer Forstabteilung

Lauterbach (Hessen). 9692V

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