Ausgabe 
17.9.1925
 
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hervorgerufen bobe, welche sich notwendigerweise bc/.i Ausland mitteilen und die Erlangung aus» ländischer Kredite und Beteiligungen in Deutschland erschweren würde. (Sr sieht zu übermäßigem Pesli- mismlis keinen Anlaß, denn die Entwicklung habe zwar bisher noch keineswegs aus den Gefahren heraus, aber doch immerhin schon ein gutes Stück von dem uns unabweislich erscheinenden Sturz in den Abgrund hinwec^geführt. Man dürfe auslän­dische Kredite nicht beanstanden, insoweit sie zur Erreichung und Vervollkommnung des notwendigen Produktionsapparates und zur Ingangbringung der notwendigen Produktion unentbehrlich seien. Die Summe der schwebenden deutschen Schuld an das Ausland stelle zwar keine effektive Gefahr dar, sei aber erheblich zu hoch, und es müsse unser aller Bemühen sein, auf ihre Verminderung hinzuwirken. Die 'JHißlidjteit der Ausnahme von Anleihen durch die Kommunen müsse mit größter Schärfe geprüft werden. Die erwünschteste iyorm der ausländischen Kapitalbeteiligung sei diejenige, deutsche Aktien auf­zunehmen, und es könne uns nichts Besseres wider­fahren, als das Erwachen eines lebhafteren Inter­esses der Ausländer für Misere Börse.

Hieran schloß sich ein Vortrag von Hofrat Jos. Schreyer- München über das gleiche Thema. Der Redner untersuchte im einzelnen die Hinder­nisse, die der Heranziehung, von Auslandkapital für das Pfandbriefgeschäft eiroqegenftänben. Der Ab­stellung auf ausländische Valuta stehe die deutsche Gesetzgebung entgegen. Eime Aenderung sei wün­schenswert in bezug auf das Hypothekenbankgesetz, um den hinsichtlich der Haftung vom Ausland ge­stellten Forderungen entgiHenzukommen. Werden die bestehenden Hemmungen beseitigt, so könne der deutsche Boden die Basis füfr umfassende Ausland­kredite werden.

Den Schluß des theoretischen Teils der Tagung bildete die Beschäftigung mit den Fragen:E ff e k- tenverkehr und B ö r s e o t e r m i n h a n d e l". Der erste Berichterstatter hierzu war Moritz Lich­te n st e i n , in Firma Kömigsberger & Lichten­stein, Berlin. Ausgehend von der Spesenbelastung im Wertpapierhaydel, besprach der Bankier die Höhe der ausländischen ©pefcn, verbreitete sich über die Frage der Spesenermäßigirng, um dann auf Organisationsfragen einzugehen». Hier beschäftigte er sich mit der Behandlung bdr Effektenlieferung, um weiterhin bie Bebeutung B'es Terminhandels zu würdigen. Zum Schluß tourt*: auf ben Berliner Liquidotionsoerein eingegangen unb bie erforber- liche Sicherheitsleistung auch uan ber Kunbschast verlangt. Zu bem gleichen Thema sprach bann ber Bankier Willy Siek- Hamburg.

Die Versammlung nahm banjn u. a. solgenbe Entschließungen an:

Die in Deutschlanb wieber Hergestellte st a - b i I e Währung zu stärken urnb vor erneuter Gefährdung zu schützen, ist bas gemeinsame In­teresse aller Wirtscyaftsstänbe. Der Bankiertag stimmt deshalb der von der Reichsbank durch­geführten Abwehr der Krsditvermeh- rung zu. Eine übermäßige Verschuldung an bas Auslanb übt bauernb einen Drwck auf unsere Währung aus. Die Verminderung disses Druckes ist notroenbig. Ein der wichtigsten Zukutrftssorgen der deutschen Währungspolitik ist die De/meidung der Abhängigkeit unserer industriellen Produktion von ber Einfuhr ausländischer Rohprodukte. Die Be­strebungen auf die Wiedererlangung a e - eigneten überseeischen Kolonialbe­sitzes müssen daher aufs tatkräftigste unterstützt werden."

Es wird endgültige Abkehr von der jetzigen Steuerpolitik gefordert. Not- wendig ist eine allgemeine Senkung des Satzes der auf Grund des Steuerüberleitungsgesetzes zu ^entrichtenden Vorauszahlungen. Es wird anerkannt, daß auch in ber Hand des Bankgewerbes Verbesse­rungen möglich sind. Insbesondere muß bei Kre­ditgewährungen von der Bankseits mehr als V bisher zwischen Krediten zu volkswirtschaft­lich notwendigen und volkswietschaft- f (id) entbehrlichen Zwecken unterschieden werden. Wesenllich werden die Unkosten der Ban- ' ken durch die zu große Zahl der Wettbewerber er­höht. Die in den letzen Jahren erfolgten umfang­reichen Neugründungen staallicher, kommunaler und gemischt-wirtschaftlicher Banken Haden die Ueberfüüung des Berufes verschärft. Es ytuß da­her dringend gefordert werden, daß dieser lEntwick- lung Einhalt geschieht." _

- Schließlich sprach man sich noch für eine Ent­schließung aus, in der die Heranziehung auslän- bischer Kredite und ausländischer Be­teiligungen für die deutsche Wirtschaft als

(Nachdruck verbvten.)

12. Fortsetzung.

Er verlor sich wieder in überschwenglichen Gefühlen. Ruth aber hörte die angstvolle Empfindung heraus, die aus der Verbitterung unb der Vereinsamung heraus die Hände nach ihr streckte. Ein heftiger Zorn ballte sich in ihrem Herzen, und stumm druckte sie seinen grauen Kopf an ihre Brust.

..Roch eine letzte Frage, Ruth?" Sprich!"

Liebst du ihn im stillen doch noch?"

Ich hasse ihn!" stieß sie wild hervor und warf den Kops mit den schweren blonden Flech­ten herausfordernd in den Racken. Sie hatte so laut gesprochen, als ob Hanns Ingold es hören mühte.

Dann will ich seine Broschüre lesen und ihm wenn er die Versammlung halt, von der die Zeitung schreibt, die Antwort nicht schuldig bleiben." , ,

Tu's nicht", wollte sie sagen, aber sie fand nicht mehr die Kraft dazu und warf sich in die drängende Arbeit, um ihrer Gedanken und Kämpfe Herr zu werden.

Als Ruth Engelhardt vor sieben Jahren ihren Liebestraum gelebt hatte, war sie ganz von der ausschweifenden und doch wunschlosen Seligkeit der ersten Liebe erfüllt gewesen, die leine Grenzen und keine Ziele kennt. Unb als Hanns Ingold unter dem Holunderbaum von chr Abschied nahm, war chr vor sühem Weh das Herz zerflossen. Aus dem knabenhaft kecken unb trotzigen Kind war ein von Träumen lebendes, im ersten Liebeswerben bangendes Mädchen ge­froren. Hanns Ingold war in die Fremde ge­gangen. und in Ruth hatte jede Fiber gebebt, jeder Puls geschlagen, jeder Gedanke gezittert von geweckter, unterdrückter und nie gespeister Liebe" Sie war damals dem Verlust ihres seeli- sen Gleichgewichts nahe gewesen und hatte nur mit Ausbieten aller ihrer Kräfte zur Arbeit die ausgestörten Cmpftndungen verdrängt, bie wie irregeleitete Ströme in ihrem Leib und in ihren Gedanken kreisten.

Der gefesselte Strom

Roman von Hermann Stegemann,

äußer st erwünscht bezeichnet wirb. In ber Entschließung wirb ber Golbpfanbbrief ber Deutschen Hypothekenbank als eine geeignete Grunblage für bie Hereinnahme von Ausland- f r e b i t e n bezeichnet. Es ist daher eine Aenberung bes Hypothekenbankwesens dahin zu empfehlen, baß bie Unterlagshypotheken für Auslanbkommis- sionen eine Sonberbeckungsmasse bilben können.

Darauf würbe bie Tagung vom Präsibenten Dr. Riester geschloss^t.

Aus ber Provinz.

Lanvkreis Gi >n.

: Aus dem Busecker Tal, 16. Sept. Das Wetter der letzten drei Tage kam unserer? Landwirten recht zustatten. Die Wiesen- gründe imBuseckerTal sind zur Mittags­zeit gleichsam übersät mit Menschen, die mit Rechen, Gabel und Wagen die schon verloren gegeben« zweite Grasernte nun endlich nach langen Regenwochen bergen können. Die Qualität des Grummets hat doch nicht so sehr gelitten, wie man anfangs glauben konnte. Um so besser für unsere Landwirte, denen dieses- schöne Wetter von Herzen zu gönnen ist: demv die Zeit drängt, in den kommenden Tagen und Wochen ist noch harte Arbeit zu verrichten. Möge der Himmel ein Einsehen haben und un­seren Landwirten einen trockenen Herbst be­scheren!

:: Beuern, 16. Sept. Gegenwärtig ist in unserem Dors die Gründung eines Turnvereins im Gang: derselbe wird sich der Deutschen Turnerlchaft anschließen. Eine große Anzahl junger Leute hat sich bereits als aktive Turner gemeldet und das Turnen im Garten des Schreinermeisters Wilhelm Arnold auf genommen. Besonderes Verdienst um die Ent­stehung des Vereins gebührt dem obengenannten Schreinermeister Wilhelm Arnold, der keine Mühe scheut, der guten deutschen Turnersache auch in unserem Dorfe den Platz einzuräumen, den sie in anderen Ortschaften langst inne hat. In früheren Iahren bestand hier in Beuern schon einmal ein Turnverein, der auch der Deutschen Turnerschaft angeschlossen war, aber infolge ge­ringer Beteiligung der Iugend schon vor dem Kriege einging. Ein damals angeschafftes Reck kommt jetzt der Turnlust der Iugend zugute. Mit der Anschaffung der anderen Geräte muß wegen Geldmangels vorerst noch gewartet werden. Hof­fentlich treten noch recht viele ältere Leute dem neuen Turnverein bei, um auch in unserem Dorfe das Werk der Erstarkung und Ertüchti­gung unserer Heranwachsenden Iugend mit Rai und Tat zu unterstützen.

Saasen, 16. Sept. Zu dem evangeli­schen Volkstag in Gießen anläßlich des Gustav-Adolf-Festes am 20. Sept, haben sich aus unserer Gemeinde ca. 70 Teilnehmer ge­meldet. Auch hier spricht Bei demselben schon ein Vertreter der Gustav-Adolf-Stiftung, und zwar ein von den Polen vertriebener Pfarrer am Samstagabend in der Kirche auf dem Veitsberg. Man erwartet-, daß trotz der arbeitsreichen Zeit eine stattliche Anzahl Besucher sich etnfinben werden.

6 Harbach, 16. Sept. Auch in hiesiger Gemeinde wurde ein Spar- undDarlehns- kas senverein gegründet und Iohannes Schmidt als Rechner und Lagerhalter ge­wählt.

c Reinharöshain, 16. Sept. DieserTage sand die Hauptversammlung des hiesigen Spar- und Darlehnskasfen-Dereins (Raift- eisen) statt. Ein Vertreter der Raifteisengenossen- schaft in Gießen und der Derbandsrevisor Schlenke - Gießen waren dazu erschienen. Die Zahl der anwesenden Mitglieder betrug 25 von 33. Die Bilanz des 1. Geschäftsjahres wurde vom Revisor vorgetragen und von der Ver­sammlung einstimmig genehmigt. Sie schließt mit einem kleinen Verlust ab, der sich durch gewisse, jetzt behobene Anfrageschwierigkeiten erklärt. Dem Vorstand wurde Entlastung gewährt. Durchs Los bestimmt schied der Vorsitzende des Aufsichts­rates, Förster Eichmann, aus und lehnte ttoh des Wunsches des Vereins, wieder anzunehmen, die Wiederwahl ab. Darauf wurde Heinrich Schmitt als Vorsitzender des Aufsichtsrates und an dessen Stelle Iohannes Bott in den Vorstand gewählt. Dor Vertreter der Genossen­schaft aus Gießen berichtete über die Marktlage bei Getreide und Düngemitteln. Das verflossene

Allmählich beruhigte sich ihr Inneres wie­der. Sie ging nach Berlin und lernte das Selbstvergessen. Sie genas von ihrer ersten Liebe wie von einer Krankheit. Aber ihr Wesen wurde herb und verschloß sich, und als sie nach Rheinau zurückkehrte, trug sie das gefestigte Wesen zur Schau, das in der Stille und dem Zusammenhausen und -sorgen mit dem Vater immer stärker anwuchs und einen schützenden Panzer um ihr empfindsames Interesse legte. So schritt sie stolz und trotzig und zählte die Iahre nicht mehr.

Und nun war plötzlich alles aus dem Gleich­gewicht gestürzt, drangen die Erinnerungen wie­der auf sie ein, war Hanns Ingold wieder da und streckte die Hände nach chr aus wie nach erworbenem Gut, wie nach dem Lauffen, den er zwingen und meistern wollte. Da bäumte sich ihr Selbstbewußtsern, spürte sie, wie chr Empfin­den und Denken sich zum Widerstand stellte gegen die Anmaßung nie erkannter Rechte, die darin lag, daß er glaubte, sieben Iahre toeg- leugnen zu lonnen, um fein zu nennen, was nie fein war. Unb er tarn und tat noch mehr. Er­griff auch in ihr äußeres Leben ein, fragte nie­mand. brach mit tollen Plänen in diese stille, festgefügte Welt und stürzte alles in ratlose Verwirrung.

Wir sind hier zu Hause, stecken hier mit unserer ganzen Existenz im Boden", hatte der Vater gesagt. Ruth wußte, daß das nur allzu wahr war. Wer den Vater von hier vertrieb, der trieb ihn aus seinem. Asyl, machte ihn wurzellos und reif für den Tod.

3a, sie haßte ihn, haßte Hanns Ingold, den Heimgekehrten, den Fremden, mit dem sie nie auf dem grünen, sprudelnden Rhein gefahren war, nie die ersten Küsse getauscht hatte. Das war ein anderer Ingold, war nicht sie, Ruth Engechardt gewesen, die jetzt zu neuem Leben und zu chren ersten Kämpfen um ihre Persönlich­keit erwacht war!

Zwischen Hanns Ingold und ihr bestand keine Gemeinschaft, keine Verbindung, hatte nie etwas derart bestanden?

Immer tiefer wuchs sie in diese Ueberzeu- gung hinein.

Geschäftsjahr war ein schwieriges, schon durch die Mißernte, hoffen wir, daß das laufende Iahr dem Verein einen besseren Abschluß ermöglicht.

Kreis Büdingeu.

bch. B l e i ch e n b a ch , 14. Sept. Gestern wurde hier das neue Kriegerdenkmal feierlich eingeweiht. Rach längeren Verhandlungen über die Plahfrage hatte man sich geeinigt, es mit dem alten Denkmal für die im Krieg 1870/71 Ge­fallenen zu vereinigen, und zwar so, daß das neue Denkmal Umfassung und Hintergrund des alten darstellt. Der Plan war von dem Architekten Theis und die Ausführung in den bewährten Händen der hiesigen Sternhauer Heinrich Reitz, Georg Kraft und Georg Kaiser, die ihre Arbeit in meisterhafter Weise zu Ende geführt hatten. Um 1V$ ÜIhr setzte sich der Festzug unter Glockengeläute nach dem Denkmal in Bewegung. Der hiesige Iungdeutsche Orden weihte im Anschluß an die Feier beim Kriegerdenkmal das Ehrenmal aus der Höhe oberhalb Dleichenbach ein, das er unseren Helden errichtet hat. Dazu waren u. a. erschienen der Iungdeutsche Orden von Büdingen, von Gedern, ebenso hatte der Holzheimer Orden eine stattliche Anzahl seiner Mitglieder zur Feier gesandt, die gekommen waren, das Andenken der gefallenen Helden zu ehren und zugleich auch ihrem früheren Pfarrer ihre Anhänglichkeit zu bezeugen. Sie waren begleitet von einer größeren Anzahl vater­ländisch gesinnter Frauen und Iungsrauen, Schwestern und Frauen der Ordensmitalieder, die in derselben Absicht tarnen. Zur Eröffnung der Feier am Denkmal fang die Gemeinde unter Posaunenbegleitung des Obermockstädter Po­saunenchors den Choral:Jesus meine Zuver­sicht". Rach einleitendem Gebet und Dibelwort, «das die Feier auf christlichen Grund stellte, erfolgte die ülebernahme des Denkmals durch Bürgermeister R a um a n n. Der Gesangverein trug ein ernstes Wechelied vor. worauf der Ortspfarrer die Weiherede hielt. Auf Grund von Iohs. 15,13 zeichnete er die Bedeu­tung des Denkmals als Denkstein. Dankstein und Mahnstein. An die Rede schloß sich unter dem Geläute der Glocken die Verlesung der Ramen der 34 Gefallenen und an den Folgen des Krieges Gestorbenen. Rach der Ehrensalve fang der Ge­mischte Chor unter Leitung des Lehrers Schnier le:Morgenrot". Eine Schülerin trug ein Gedicht vor. anschließend legten die Schul­kinder für jeden Gefallenen unter Auf sagen eines Dibeiwortes einen Kranz am Denkmal nieder und die Gemeinde fang:Ich hott' einen Kame­raden". Daraus legten die Gemeindebehörden und Vereine noch Kränze nieder. Rachdem der Gesangverein noch ein Lied gesungen hatte, wurde die Feier beschlossen mit dem Glaubens- und TrutzliedEin feste Barg ist unser Gott". Dann bewegte sich der Zug zum Ehrenmal des Iung- deutschen Ordens, woselbst in Verbindung mit der Einweihung eine ernste und würdige vaterlän­dische Gedenkfeier stattfand. Lehrer Schnier le schilderte in einer Ansprache, wie es zur Errich­tung des Ehrenmales gekommen sei, an dem Ort, von dem die i>rs FÄd ziehenden Krieger ben letzten Blick nach bem geliebten Heimatdorf und seinen schönen Fluren gerichtet hab«. Weiter zeigte der Ortspfarrer an der Hand von Offen­barung 2,10, wie das Ehrenmal für die Helden, die für unser Volk starben, uns mahnt, wie wir in derselben Treue für unser Volk leben sollen, und forderte besonders die Iugend auf zur Pflege deutschen Sinnes- und Denkart, vor allem deut­scher Treue, deutschen Mutes, deutscher Kraft, aber auch deutscher Gewissenhaftigkeit, deutschen Fleißes und deutschen Pflicht- und Gemeinschaft- gefühls. Rur so werden unferm Volke wieder Männer erstehen, die den rechten Heldenmut haben, für das Vaterland zu leben und, wenn es sein muß, auch zu sterben. Der Gesangverein fang darauf ein Lied und drei Holzheimer Mäd­chen fangen: Deutschland erwache. Dann ergriff Major a. D. W i ch e r t - Büdingen das Wort zu einer packenden Ansprache, in der er zur Pflege deutscher Ehre und Ehrenhaftigkeit aufforderte, die der rechte Grund zur Wehrhaftigkeit fei. Mit dem begeistert gesungenen LiedeDeutschland. Deutfck^and über alles" schloß auch diese Feier in würdiger Weile.

Kreis Lchvtten.

lg. Gedern, 15. Sept. Die Lehrerin Frl. Goltz scheidet mit Wirrung vom 1. Oktober aus dem Verbände der hiesigen Privat-Hof-

Der Tag ging hin, und der nächste zog herauf.

Don dem Plan, den Lauffen zu sprengen, sprach in St. Ioseph niemand mehr. Doch als es Abend wurde, rüstete sich Doktor Engelhardt zum Gang ins Städtchen. Es war der Abend, an dem Hanns Ingold im Saale derAlten Post" über seinen Entwurf sprechen wollte.

Am Bodensee Laren schwere Wetter nieder­gegangen, Föhn blieS in den Bündnerbergen, unb der Rhein fuhr mit dumpfem, mächtig tö­nendem Rauschen den Lauffen hinab.

Voll Unruhe verlebte Ruth den Abend bis in die späte Rächt.

Als es elf Uhr geworden war, ging sie hinaus, dem Vater entgegen. Ging langsam ben schwarzen Felbweg entlang, ging schneller, lief barhaupt, mit geschmeidigen Bewegungen über eine Wiese, bie jetzt Hanns Ingolb gehörte unb über bie sie trotzig hinwegflog, unb erreichte atemlos bie Straße und das Städtchen. Die Lampe im Tor war niedergebrannt. Schwarz lagen die Gassen, ihr rascher fester Schritt wecfte den Widerhall der schlafenden Häuser.

In derAlten Post" standen die Fenster des Tanzsaales in gelbem Licht. Eins war geöff­net, unb ber Schall einer Stimme schlug heraus.

Ruth stellte sich hinter ben Brunnen, setzte ben Fuß auf bas Steinbecken unb zog sich an ber Brunnenfäule in die Höhe. Das Wasser gur­gelte im Trog unb verschlang bie Stimme, aber sie konnte von ihrem Standort ein wenig von der Versammlung sehen, die dort oben saß.

Köpfe, die unbeweglich starrten, eine große Leinwand, die an einer Wand befestigt war und bie erleuchtete Stubendecke, an der dunkle Ruh- kreise brannten unb graue Rauchschwaden wog­ten. Es war nicht die Stimme ihres Vaters, auch nicht die Hanns Ingolds. Sie erkannte sie nicht, verstand nur selten einen Sah. aber sie hörte eine hartnäckige schwerblütige Wut heraus, die immer wieder denselben Gedanken wälzte. Immer wieder und immer ingrimmiger wuchs die Stimme aus dem Fenster in die toten Gassen unb sprach dem Plane Ingolds Wert und Leben ab. Bretthartes Beifallklatschen prasselte barem, unb bann eine andere Stimme: Hanns Ingold.

kaplaneischule aus, um eine Stelle an der städtischen Mittelschule in PoInow (Pommern) anzutreten. Mit Frl. Goltz versiert die Schule eine tüchtige Lehrkraft, bie burd hre treffliche Art/ mit Kindern umzugehen, während chrer zweieinhalbjährigen Wirksamkeit <'a> verstanden hat, sich die Zuneigung unb das Vertrauen von Eltern und Schülern in hohem Maße zu er­werben. Eine heute im Bergwirtshaus unter denr Vorsitze des Schulleiters, Hofprediger Wid­mann stattgehabte E 11 e r n v e r s a m m l u n g ber Schulgemeinde beschäftigte sich in erste« Linie mit der Frage, für die ausscheibende Lehr­kraft einen möglichst vollwertigen Ersatz zu be­schaffen. Rach längeren Beratungen entschied man sich dahin, eine zweite männlich« akademische Lehrkraft anzu st eilen, und beauftragte das Kuratorium, diesbezüglich« Schritte zu tun. Damit bie finanzielle Aus­wirkung dieser begrüßenswerten Maßnahme sich nicht allzu sehr den Eltern der Schüler fühlba« macht, hofft man, daß die Gemeinde, deren Verwaltung und Vertretung erfreulicherweise ber Schule großes Interesse entgegenbringen, ihren Zuschuß wesentlich erhöht, um eine günstige Weiterentwicklung der Anstalt mit dem Ziele späterer Verstaatlichung zu sichern. Schul­leitung und Gemeindevertretung setzen^ sich mit Energie für die von ihnen als notwendig er­kannte Verstaatlichung ein. Wenn man bedenkt, daß die nächsten für uns in 5rage kommenden höheren Lehranstalten (Büdingen unb Ridda) zu weit entfernt sind, um Allgemeingut unserer Gegend zu werden, so erhellt daraus' zur Genüge, wie berechtigt die Forderung ist. bie feit über 50 Iahren bestehende H'ofkaplanei- fchule in ber gekennzeichneten Richtung weiter auszubauen. Im weiteren Verlauf der Ver­sammlung schritt man zur Reuwahl b e 8 Kuratoriums und eines Stellvertreters beS Vorsitzenden. Rach Vervollständigung des Lehr­körpers wirken an der Schule als hauptamtliche Lehrkräfte zwei Studienassessoren und eine An­wärterin des höheren Lehramtes, als neben­amtliche Kräfte ein Theologe, ein seminaristisch gebildeter Lehrer und eine Handarbeitslehrerin.

Kreis Alsfeld.

<S> G r v ß - F e k b», 16. Sept. Die hiesige Ge­meinde hatte zum Pfingstfeste neue Glocken bekommen. Eine alte Glocke sollte zum Einschmelzen gegeben werden, da ihr Ton zu dem neuen Ge­läute nicht stimmte. Da kam von Prof. Walde, dem Denkmalpfleger für Hessen, die Nachricht, daß diese Glocke unter Denkmalschutz stehe und nicht eingeschmolzen werden dürfe. Daraufhin be­schloß der Gemeinderat, diese Glocke unseremSof­ort" Schellnhausen zu überlassen, damit dort an Ort und Stelle bei Beerdigungen und dergleichen geläutet werden kann, was bisher immer von hier aus geschah, aber selten in Schellnhausen gehört wurde. Bor etwa acht Tagen wurde diese Glocke, die ehemalige Schulgocke, von den Schülern festlich geschmückt und geleitet, nach Schellnhausen, ihrem neuen Bestimmungsort, überführt. Dortselbst wurde allen Kindern, nach einer kurzen Begrüßung unb einem Lied der Fuldaer Schulkinder, eine Brezel überreicht. Am Sonntag fand die Glocken- weihe unter Beteiligung des Ortsvorstandes und zahlreicher herbeigeeitter Gäste statt.

Kreis Wetz(ar.

dg. A tz b a ch, 16. Sept. Die Lehmgrube an dem Ortsausgange in Dorlar, die in früherer Zeit stark in Anspruch genommen wurde, hat auch jetzt wieder rauchende Backsteinofen. Den Ortseinwohnern ist hierdurch Gelegenheit geboten, ohne große Transpottkosten billige und gute Back­steine zu erhalten. Die Bautätigkeit hat daher in unserem Ort in letzter Zeit zugenommen. Auch ist es durch den Güterverkehr der WetzlarLollar- Bahn möglich, unserer Station die übrigen Bau­materialien zu verschaffen.

dg. Hochelheim, 16. Sept. Bei der Ernte findet der Landmann nicht selten eine Aehre tm Weizen, die mit langen seitlichen und oberen Grannen versehen ist. Es ist der Grannen­weizen, der auch in hiesiger Gegend in früherer Zeit angepflanzt wurde, und zwar m reiner Form. Heute wird er in der ganzen näheren Umgebung nicht mehr angepflanzt. Reiskirchen (im Kreise Wetz­lar) hat heute noch ganze Weizenäcker mit dem Grannenweizen. Weil die Grannen stechend wie Gerstenspreu sind, deshalb vom Vieh verschmäht werden und ungünftig als Viehfutter sind, außerdem auch bei der Arbeit recht hinderlich sind, hat man

An bie Brunnensäule geklammert, lauschte Ruth Engelhardt, ohne etwas zu verstehen. Wiberspruch murrte, ein vereinzelter Zuruf der Zustimmung ließ sie zusammenzucken unb plötz­lich wieber eine andere Stimme: der Vater unb gleich darauf laut aufbrüllenber Beifall, ber von dumpfem Stampfen und Trampeln schwerer Schuhe bonnemb anschwoll unb mit fjunbert Zungen zu den Fenstern heraus in bie schlafenben Gassen rief.

Schattenrisse gaukelten, lange Schatten fuh­ren an der Saalbecke hin, gellend schrie eine Klingel in den tobenben Lärm.

Fräulein Ruth, sind Sie's?" keuchte eine atemlose Knabenstimme, unb Hermann Ingolb schwang sich neben sie auf den Brunnenrand.

Still, sie sind wieder am Verhandeln!" flü­sterte sie unb ergriff unwillkürlich die Hand bes Knaben, ber sich dicht an sie drückte auf der schmalen Warte.

Die kräftige Knabenfaust schloß sich krampf­haft um ihre lallen Finger.

Der Bürgermeister sprach. Seine ruhige, die Worte wägende Stimme strich fänftigenb über bie erregten Hörer im Saal unb ermüdete bie Lauscher am Brunnen.

Fräulein Ruth, wisien Sie schon, bah bet Hanns bas Land in der Au aufgekauft hat?" flüsterte Hermann.

3a.

Sein ganzes Geld, alles, was er seit sieben Iahren erspart hat, wirft er in bie Sache! Wenn es ihm nicht gelingt, muß er von vorne anfangen."

Unb was sagt Ihr Vater bazu, Her­mann?"

Der Vater hat feinen Ramen nicht mehr in ben Munb genommen, seit horch, ber Hanns!"

Hanns Ingolb sprach. Diesmal schlug helle Lohe aus seiner Rebe empor. Sie verstauben jedes Wort. Sich gegenseitig stühenb, standen sie hart an die rauhe Steinsäule geschmiegt, von dunklen Schlagschatten verschlungen, den schwarz- glänzenden Widerschein des eintönig murmeln­den Brunnens zu Füßen, und hielten ben Atem an, um leine Silbe zu verlieren.

(Fortsetzung folgt)