Ausgabe 
17.9.1925
 
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Nr. 218 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für ©berufen)

Donnerstag, 7. September 1925

Der versuch einer engeren deutfch- amerilanifchen Verständigung über ©Italien.

Don Dr. Gustav Roloff, orb. Pro|e||or der ®e- schichte an der Universität Gießen.

Wenn, wie früher baraelegt, Deutschland burd) bas Zusarttmenrücken zwischen England, Frankreich unb Rußland täglich mehr eingeengt würbe unb in Europa keinen neuen Bundesgenossen gegen bie drohende Einkreisung gewinnen konnte, fo schien es einen Augenblick, als ob es an den Vereinigten Staaten eme Anlehnung finben könne. Die Basis einer solchen Berstand'guna sollte bie ostasiatische Frage bilben. Denn in Ostasien hatten beide Mächte wesentlich dieselben Interessen. Alle anderen Groß­mächte verfolgten hier mehr oder weniger terri» toriale Pläne: England wollte den ausschließlichen Einfluß in Sübchina erlangen, Frankreich seine tongkinesischen Provinzen vergrößern: Japan er­strebte den Hauptteil der Mandschurei unb den vor- waltenden Einfluß in Pekina, Rußland die An­nexion der Mongolei unb Ostlurkestans. Die Ber­einigten Staaten unb Deutschland hatten dagegen rein wirtschaftliche Ziele. Wenn auch Deutschland in Kiautichou einen Stützpunkt besetzt hatte, so war damit nicht die Absicht auf weitere Erwerbungen verbunden. Im Gegenteil, Deutschland hatte wie­derholt seinen Wunsch, China vor weiteren Zer- Meinerungen zu bewahren, kundgetan: mit den Bereinigten Staaten verfocht es daher den Grund­satz der allgemeinen Gleichberechtigung, deroffenen Tur" in China. Beide Mächte wünschten sogar eine Kräftigung Chinas, damit es etwaigen Aufteilungs- versuchen ersolgreichen Widerstand vieten könne.

In diesem Gedanken verfolgten beide Mächte die Verhandlungen zwischen Japan, Frankreich, England unb Rußland, die nach dem russisch-japa­nischen Kriege stattfanden, mit Aufmerksamkeit: der Argwohn, daß jene Verabredungen zum Nachteile Chinas und zur Schließung der offenen Tür plan­ten, erhielt Nahrung, als Japan mit Frankreich ein Abkommen traf, worin beide sich Unterstützung bei inneren chinesischen Unruhen zusagten. Aller- dings wurde in dem Vertrage Chinas Integrität anerkannt, aber da China bei dem Vertrage gar nicht zu Rate gezogen war, so erschien das als leere Formel, und ebenso wurde China in einem bald daraus abgeschlossenen russisch-japanischen Vertrage (Juli 1907) nur als Objekt behandelt. Wie die ehe­maligen Widersacher den Grundsatz der chinesischen Unverletzlichkeit unb Unabhängigkeit auffaßten, be­wies ihr Schallen in ber Mandschurei, wo auf bie rechtmäßigen Besitzer keinerlei Rücksicht genommen würbe. Da gleichzeitig sich England und Rußland immer mehr näherten, fo schien ein allgemeines Einverständnis zwischen den drei europäischen Mächten und Japan bevorzustehen: es fragt sich, ob China ihrem Verlangen nach irgendwelchen, den andern schädlichen Zugeständnisien werde wider- stehen können. Da China einstweilen noch schwach war, so drängte sich die Vermutung auf, daß die begehrlichen Mächte, voran Japan, möglichst bald die chinesische Frage aufrollen würden, ehe China Zelt zur Stärkung gewonnen habe.

In Deutschland wie in Amerika fühlte man sich durch diese Möglichkeit beunruhigt. Der deutsche Botschafter Speck von Sternburg erhielt den Auf­trag, die Stellung der Vereinigten Staaten zu diesen Vorgängen zu erforschen und wenn möglich ein Zusammengehen einzuleiten (Mitte September 1907), aber schon ehe ihn diese Weisung erreicht hatte, hatte er mit dem Präsidenten Roosevelt ein eingehendes Gespräch über die ostasiatischen Dinge gehabt. Wenn man in Deutschland vorwiegend die kommerzielle Seite betrachtet, so bereitet dem Präsidenten bie politische noch mehr Sorge. Er nahm bei ber unverkennbaren Feinbschast der Ja­paner gegen Amerika bereits die Möglichkeit eines Krieges in Aussicht, für den Amerika nicht gerüstet fei. Die amerikanische Flotte, sagte er dem Bot- schaster, solle zwar durch eine neue Vorlage um 50 Prozent vermehrt werden, aber trotzdem könne sie keine Ossensioe in die japanischen Gewässer wagen, weil sie dort keinen befestigten Stützpunkt besitze. Und zu Lande seien die Amerikaner den Japanern einstweilen bei weitem nicht gewachsen: erst nach schweren Niederlagen werde bas ameri- konische Volk die Notwendigkeit größerer mili­tärischer Opfer begreifen.

Die Konsequenz dieser Anschauung wies offen­bar auf ein Zusammengehen mit Deutschland hin, um die ostasiatische Gefahr zu verringern, und Roosevelt entzog sich ihr nicht. Als Nachrichten aus China nach Berlin und Washington kamen, daß China selbst den Anschluß an Deutschland und Ame­rika suche, um Schutz gegen die anderen Mächte zu

erhalten, sprach er dem Botschafter aufs neue feine Ueberzeugung aus, daß Japan eine große Aktion vorhabe, und daß seine Versicherungen, Chinas In­tegrität achten zu wollen, keinerlei Glauben ver­dienten. Er werde daher gern -,um Schutze Chinas mit dem deutschen Kaiser Hand in Hand gehen. ..Ich würde Seiner Majestät für Vorschläge zur Ausrech- erhaltung des Status auo und Stärkung Chinas dankbar fein, auch möchte ich.des Kaisers Ansicht über das von China angeirebte Bündnis mit Deutschland und den Bereinigen Staaten hören" (8. November 1907). Daß man den Chinesen die Initiative für ein etwaiges Bündnis überlassen müsse, war ihm wie dem deutschen Auswärtigen Amt selbstverständlich, ebenso, daß man sich gegen­seitig alle wichtigen Nachrichten aus Chino mitteile.

Der Wunsch des Präsidenten wurde bald er- füllt. Als neue Berichte aus Peking die Sendung von Spezialgesandten nach Berlin und Washington wr Besprechund der Bündnissrage ankündigten, begrüßte der Reichskanzler Fürst Bülow die Mög­lichkeit einer solchen Verständigung mit Freude. Ein förmliches Bündnis, meinte er, werde freilich nicht zustande kommen, do der amerikanische Staat dafür nicht zu haben sein werde, aber man könne Deklarationen austauschen, ..worin China Deutsch­land und die Vereinigten Staaten um Unterstützung feiner Politik zu bitten hätte". Chino müsse dabei seine Polittkdahin präzisieren, daß es keine terri­torialen Abtretungen zugunsten irgendeiner Macht vornehmen und die Tür für den Handel oller Na­tionen ofefnholten wird, während Deutschland und die Vereinigten Staaten China ihr Einverständnis mit dieser Politik zu erklären und ihm gleichzeitig die Zusicherung zu erteilen hoben würden, ihre Politik darauf richten wollen, daß die Integrität und die Unabhängigkeit Chinas in vollem Umfange aufrechterhalten wird (6. Januar 1908). Kurz darauf faßte der Kaiser seine Ansicht zusammen in den Sätzen:Es muß nach Besprechung mit China, Amerika und von uns von hier und von Washington aus ein Statement of policy gemacht werden, welche allen anderen Nationen zur Kenntnis mitgeteilt wird. Darin steht als Haupt­sache: open dor, Status quo und Integrity of Chinese Empire." Daß man es mit diesen Grund­sätzen ernst nehmen wollte, bezeugt die weitere Er­klärung Bülows, daß jede Abmachung über Der- günftigungen Chinas an Deutschland und Amerika unterbleiben müsse, weil sie der offenen Tür widerspreche.

Roosevelt zeigte sich über die Nachrichten aus Peking wie aus Berlin hoch erfreut, so daß die Möglichkeit einer Verständigung in naher Sicht zu liegen schien. Aber da stockten plötzlich die Verhand­lungen. Zunächst konnte sich Chino trotz oller Ver­heißungen nicht zur Absendung des Spezial­gesandten entschließen, vermutlich weil Differenzen innerhalb der Pekinger Ministerien die Entschluß­kraft lähmten, und bann verließ Roosevelt un­erwartet die bisher von hm innegeholtene Linie. Zur Uebecraschung der diplomatischen Welt schloß er mit Japan ein Uebereinkommen (vom 30. No­vember 1908), worin in der üblichen Weise die Aufrechterhaltung und Unverletzlichkeit Chinos und der offenen Tür ausgemacht wurde. Der Präsi­dent begründete diesen Beschluß mit der Bemer­kung, der geplante deutsch-amerikanisch-chinesische Vertrag würde vermutlichChina zu einer japan- feindlichen Politik verführt" und damit die Gefahr eines Konfliktes mit Japan heraufbeschworen haben. Um einem solchen Zusammenstöße, in dem bann bie Vereinigten Staaten als Protektor Chinos mit hineingezogen werden müßten, zu entgehen, habe er es vorgezogen, auf das Abkommen mit Deutsch­land zu verzichten unb Japan burch den Vertrag zu binden.

Ob diese Erklärung die letzten Gedanken Roose­velts darstellte, steht dahin: Während esiner Ver­handlungen mit dem deutschen Botschafter hatte er nie eine Besorgnis vor der Gefahr einer friedens­störenden Politik Chinos, wohl aber fein tiefes Mißtrauen gegen die japanische Begehrlichkeit unb Unzuverlässigkeit zum Ausbruck gebracht. Es fällt baher schwer, anzunehmen, baß er jetzt solches Ver­trauen zur japanischen Vertragstreue gehegt hoben soll: Vielleicht Hot sich, wie einer ber beiten Kenner ber ostosiotischen Beziehungen noch ohne Kennt­nis ber Geheimakten vermutet (O. Franke, Die Großmächte in Ostasien. Leipzig 1916) eng­lischer Einfluß im antibeutschen Sinne bei ihm gcltenb gemacht. Wie dem auch sei: Der Versuch einer deutsch-amerikanischen Entente über Ostasien, der der Ausgangspunkt zu weiteren, den Frieden sichernden Schritten hätte sein können, war ge­scheitert: es war Deutschland nicht gelungen, eine Waffe gegen den sich bildenden Vierverband zu schmieden.

welche Stellung nehmen Sie ein?

Von Fritz Müller-Partenkirchen.

Reulich lag ich im Feriengras. Da kam ein Mann mit einer Sportmütze und fragte mich:

.Deiche Stellung nehmen Sie eigentlich ein zu dem OIutomobilDcrbot in Graubünden?"

Ich sagte, ich wollte biS morgen darüber nachdenken. Aber er meinte, solange könne er nicht warten und ging weiter.

Dann kam eine Dame vorbei mit einem Tennisschläger, setzte sich aus einen Baumstumpf in der Aähe und sprach zuerst vom Detter. Aber schon nach den ersten drei Sätzen zielte sie auf meine Brust und sagte:

Deiche Stellung nehmen Sie eigentlich zur Ehe ein, mein Herr?'

Ich sagte, das käme so plötzlich, und ich woUtc bis morgen darüber nachdenken. Aber sie meinte, was ich morgen für eine Stellung zur Ehe einnehme, sei ihr gleich, und sie wollte wissen, wie meine Stellung jetzt, in diesem Augenblick, sei. Aber während ich darüber nach­dachte, war sie mit einem Herrn fortgegangen, der sie fragte, welche Stellung sie eigentlich in der Suffragettenfrage einnehme.

Dann kam ein Herr mit einer Brille und fragte mich, Weiche Stellung ich eigentlich zu den denkenden Elberfelder Pferden einnehme.

3a. Herr Professor." sagte ich.das ist nun sone Sache."

Ach was." sagte er, ,nc Sache!n Schwin­del ist es!"

Als er nach einer halben Stunde mit dem Schwindel fertig war. kam ein Schriftsteller und fagte, er sei auch ein Dichter und möchte gern von mir erfahren, welche Stellung ich eigentlich zu der neuen Lyrik einnehme.

Ich sagte wahrheitsgemäß, ich wüßte es nicht. Woraus er mich einen Ignoranten hieß

Nicht lange, und der Kapellmeister der Kur­kapelle kam vorbei, trällerte ein Liedchen und fragte mich, welche Stellung ich eigentlich zu Richard Strauß einnehme. Aber er wartete gor nicht meine Antwort ab, weil er' von einem Racheilenden angehalten und befragt wurde, welche Stellung er zum Futurismus in der Musik einnehme. Heftig mit den Armen fechtend gin­gen beide weiter.

Dann kam der Mann, der mich rasiert. Kaum sah er mich im Grase liegen, als er ein Zeitungsblatt aus der Tasche riß und mich bestürmte, welche Stellung ich zu den neuesten Balkanverwicklungen einnehme.

Den Teufel nehme ich ein, mein Herr", sagte ich.

In diesem Augenblick läutete es zum ersten Male zum Abendessen. Da kamen sie alle über die Wiese, der Herr, das Fräulein, der Pro­fessor. der Schriftsteller, der andere Herr, der Kapellmeister, der Racheilende, der Friseur und sahen empört, wie ich im Grase lag mit dem Gesicht nach oben. Und sie deuteten mit den Fingern auf mich und machten ein großes Ge­schrei und tagten, ich sollte mich schämen, daß ich als gebildeter Mensch nicht einmal "eine or- denllichc Stellung zu den wichtigsten Sachen entnehmen könnte.

O doch", sagte ick bescheiden.

Dann beweisen Sie es uns!" schrien sie.

In den Ferien," sagte ich.in den Fe­rien nehme ick zu den wichtigsten Fragen grund­sätzlich diese Stellung ein, meine Herrschaften." und drehte mich langsam im Grase herum mit dem Gesicht nach unten.

Wie man Affen fängt.

Es gibt eine Geschichte von Wilhelm Busch, in der ein schlauer Matrose seine Stiefel mit Pech einschmiert, sie dann im schönen Afrika

Die Herbstubungen unserer Reichswehr.

Don L. Drees, Major o. D.

Nur einen bescheidenen Rcs^ ließ ber Ausgang des Weltkrieges übrig von Deutschlonbs Wehrmacht. In den ersten Jahren der Republik heilig um- tritten, innerlich auch noch nicht roieber geschlossen, ft heute bas Reichsheer unb bie Reichsmarine orocik schon ein Teil bes Volksaanzen geworben, daß an ihm Bevölkerungskreise Interesse nehmen, bie früher für ben Militarismus in feiner alten Prägung nichts übrig hotten." So schrieb eine be- btuienbe Schweizer Mililarzeitschrift. Das Wesent­lichste aus biesem Urteil ist bie also auch im Aus- lanb herausgefühlte Tatsache, baß Deutschlonbs Be- völkerung in weiten Kreisen roieber an seiner Wehr- macht Interesse zu nehmen beginnt.

lieber ben Wert erweiterter Gelänbeübungen bzw. Flotlenübungen in größeren Verbänden auf hoher See viel Worte zu verlieren, bürste sich wohl erübrigen, nur für ben Laien sei kurz erwähnt, daß derartige Hebungen bie Mannschaften unb unteren Dienstgrabe für kurze Zeit mit ben von Kosernenhof bzw. Uebungsplog unb ben von Hofen- bzw. Küstenübungen erheblich abweichenden Verhältnissen vertraut machen sollen. Für die mitt­leren und höheren Dienstgrade aber bilden sie die unerläßliche Schule für die Gefechts- usw. Führung. Daß selbstredend aus ben verschiedenen Ursachen olle Gefechtsbilber erhebliche Abweichungen vom Ernstfälle aufweifen, tut nichts zur Sache, bas ist auch nicht zu ändern, der Zweck der Uebungen wird trotzdem bei richtiger Anlage und Leitung erreicht.

Bereits im vergangenen Jahre war es unserer Reichswehr möglich, bei einer größeren Anzahl (4) Divisionen Herbstübungen größeren Stils abzu­halten. In diesem Jahre ließen es die Verhältnisse zu, daß alle 7 Divisionen im Lause des September zur Abhaltung dieser wichtigen Geländeübungen ousrücken konnten. Wenn das bei unserem alten Heere natürlich eine Selbstverständlichkeit war, über die weiter kein Wort verloren wurde, heutzutage ist es anders, und mit Fug unb Recht können wir diese erfreuliche Tatsache dafür ansprechen, daß die in­zwischen geleistete Arbeit im Aufbau der uns ver­bliebenen kleinen Wehrmacht doü sichtbarem Erfolg gekrönt ist.

Die gesamte Reichswehr übte also in biesem Jahr.- auch außerhalb ber Truppenübungsplätze im freien Gelänbe. Die Reiterregimenter der Kavalle­rie-Divisionen waren für diese Zeit auf bie sieben Jnfanterie-Dioisions-Derbänbe unseres Heeres verteilt.

Als Monöoergebiete waren die Gegenden um Deutfch-Eylau (1. Division), um Neu-Brandenburg (2. Division), um Görlitz (3. Division), im westlichen Erzgebirge (4. Division), um Erfurt (5. Division), um Minden (6. Division) unb zwischen Straubing unb Regensburg (7 Division) ausgewählt worben. Ebenso wie in ber Vorkriegszeit beginnen bie Ma­növer durch Kämpfe kleinerer Detachements, um schließlich in den größeren Verbänden zu enden. Einige Manöver schließen mit den Vormärschen der versammelten Truppen ab, so bei der 2. Division, an deren letztem Ucbungstage auch der Reichspräsi­dent Feldmorfcholl Hindenburg teilnahm.

Es ist natürlich, daß bie kleine durch den Ver­sailles-Vertrag an allen Ecken unb Enden beschnit­tene und somit als Ganzes verstümmelte deutsche Wehrmacht, auch bezüglich des Rahmens ihrer Feld- übungen nicht den Anspruch erheben kann, etwas den neuzeitlich-militärischen Verhältnissen Entspre­chendes zu leisten, wie wir es von ber alten stolzen vorkriegszeitlichen Armee gewohnt waren.

Die geringen Stärken schließen selbstoerstänblich größere strategische Lagen, wie sie ben früheren großen Armeemanövern zugrunbe lagen, aus, aber für bie untere Truppenführung unb für bie unteren Dienstgrabe unb Mannschaften hat bas auch fein Gutes. In gewißen Kreisen kommen biese babei in erweitertem Maße zu ihrem Recht unb lernen mehr. Das aber hat bei ber Zusammensetzung un­serer Reichswehr beshalb befonbere Bedeutung, weil wir ben Schwerpunkt ber Ausbilbung auf ben einzelnen Mann legen müssen.

Die Manöverbllber selbst unterscheiben sich auch recht wesentlich von ben früher gekannten. Die farbenfrohen Uniformen ber alten Regimenter feh­len, sie gehören genau fo ber Vergangenheit an, wie bie ber alten friebericianifchen Truppen aus den Schlesischen Kriegen, unb doch welch kurze Zeitspanne trennt uns erst von 1914. Das Bilb ber manöorierenben Truppen ist aber auch erheblich anders. Das Wort von der Leere des Schlachtfeldes, das jeder Frontkämpfer praktisch kennen lernte, bas wirkt sich natürlich auch im Manöoerbilde aus.

Sehr erschwerend fällt für bie Darstellung neu- j eillichcr Manöoerbilder bei uns natürlich bas Fehlen ber für ein Heer ber heutigen Zeit selbst­verständlichen schweren Artillerie. der Flieger unb Tanks ins Gewicht. Um nun nicht ein gänzlich verzerrtes Bild zutage zu fördern, mußten wir uns hier mit iltrappen unb Annahmen helfen, gewiß ein mißlicher Uebelftanb, doch er muß im Hinblick auf unsere traurige Lage mit in den Kauf genommen werden.

Es ist ja eine bekannte Tatsache, daß bieienigeit Einrichtungen die vollkommensten und besten sind, deren Sebeutung erst bann zutage tritt, wenn sie nicht mehr vorhanden bzw. ukiui ihre reibungslose Tätigkeit unterbunden ist. Voll und ganz hat sich das zum Schaden unseres Staatskörpers beim Zer» chlagen der alten Wehrmacht ausgewirkt. Weil das ober" der Fall war, io ist es erklärlich, daß den wiebererftarfenben militärischen Einrichtungen von eiten des Volkes Intercste entgegengcbracht wird unb werben muß, soll Heer unb tflotte die stelle einnehmen, die ihnen im Rahmen des Volksganzen gebührt.

Abgesehen von ber für bie militarttechnttche Weiterentwicklung bestehenden Notroenbiakeit von größeren Truppenübungen haben diese Uebungen beim Heere auch den luofoen Vorteil, bie Truppen roieber in erweitertem Maße mit weilen Kreisen ber Bevölkerung in Berührung zu bringen. Diesem Gesichtspunkt ist jetzt erhöhte Bedeutung zuzu- messen, weil wir leider keine allgemeine Wehrpflicht mehr besitzen, die ohivk weiteres bas innige Zu- sammenwachsen des Volkes mit feiner bewaffneten Macht gewährleistet, mie es sich ja in so schöner Weise in Heer unb Flotte bes allen Deutschlands ausroirkte. Auch die geringe Kopfstärke unb damit verbunden das 'Zlufatbcn zahlreicher Städte als Garnison hat dazu beigetragen, daß manche Be- völkerungskreise mehr oder weniger, wenigstens wie man meinen sollte, bie Fühlung mit der bewaff­neten Macht verloren haben.

Daß dem im ganzen genommen aber nicht so ist, hat ersreulichermreise in allen Teilen Deutsch­lands ber bisherige Verlauf ber Herbstüdungen gezeigt. Die Iruppcm finb durchweg vorzüglich aus­genommen, ja teilweise geradezu verwöhnt worben. Soweit es sich um befonbere militärische Veranstal­tungen. wie z. B. Vorbeimärsche ber zusammenge« zoqenen Verbände, hanbelte. war die Anteilnahme aller Kreise, auch der städtischen Bevölkerung, bas verdient hervorgehoben zu werden, eine außer- aeroöhnlich groß,-, so daß hierdurch der Beweis erbracht sein dürfte, daß auch im neuen Deutschland trotz aller pazifistischen Bestrebungen von innen und außen inzvnschen bas gesunde Empfinden zum Durchbruch gelangt ist, daß eine Wehrmacht, ob groß ober klein, einen wichtigen unb lebcnsnot- wendigen Faktor im Dasein jeder staatlichen Volks- gemeinschost bUbet.

Natioua?stenographie unb Einheitskurzschrift.

In ben Tagen vorn 12. bi« 14. September fand in Weimar ber 27. Bundestag des Reichsbundes für Rational st eno- gra vhie unter starker Beteiligung statt. Ia ber Vertrete rvcrsammlung wurde die stenogra­phische Lagst eingehend besprochen und zur Frage der RcichSktrzschrist- folgende Entschließung ein­stimmig angenommen: Der Deichsbund für Ra­tionalsten og^aphie kann die Reichskurzschrift nicht als ein für das deutsche Volk geeignetes Ein­heitssystem anerkennen, weil sie weder dem Stand der stenographischen Forschung entspricht, noch so einfad> ist, daß sie ohne Schwierigkeit von jedem erlernt werden kann. Der Reichsbund für Rationalfrenogravhie erflärt, daß nur ein lokbc« System Ciinheitskurzschrift werden kann, daß den Ergebnissen der stenographischen Wissenschaft ge­recht toiri> und dessen Vorzüge durch Vergleichs- kurse mit anderen Systemen festgestellt ist. so daß es für bie Volkswirtschaft den größtmöglichsten Ruhen verbürgt.

Der deutsche Bankiertag.

Berlin, 16. Sept. (Wolfs.) Auf ber heutigen Tagung bes Deutschen Bankiertages er- stattete zunächst Rubols Löb, Mitinhaber bes Ban'.- Hausen Mendelssohn & Co., ein sehr ausführliches Referat über das ThemaAuslandkrebite unb Auslandbeteiligung in ber brutschen Wirtschaft". Seinem Vortrag schickte er bie Be­merkung woraus, baß ber Mangel an Verslänbnis für die Notwendigkeit unb Unvermeiblichkeit ber Härten ber Uebergangsperiobe, in ber wir um be- finben, in Deutschland eine pessimistische Einstellung

hinstellt, worauf sofort ein Affe kommt, sich die Stiesel anzieht und durch diese ungewohnte Fuß­bekleidung auf ber Flucht so behindert wird, baß man ihn leicht fangen kann. So einfach ist in Wirklichkeit ber Affensang nicht, aber mit ein wenig Geschicklichkeit und List kann man sich der schlauen Tiere doch ohne zu große Schwierigkeiten bemächtigen. Bei ber großen Tiersangreise nach Abessinien, bie dem Berliner Zoologischen ©arten so zahlreiche und wertvolle neue Insassen zu­führte, hat man recht wirksame Methoden an* gewendet, von denen der Leiter der Expedition, Dr. Lutz Heck, berichtet:

Rachdem man alle umfangreichen Vorberei­tungen für die Unterbringung unb Ernährung ber zu fangenben Tiere getroffen hatte, ging man baran, bie großen Mantelpaviane zu fangen, deren Beschaffung ein Hauptziel der Reise war. Diese leben schon ganz in der Rähe ber Stadt Direbaua. einer Hauptstation der französifch- abessinischen Eisenbahn, in beträchtlichen Horben. Die Affen zeigen vor Menschen keine Angst: bie riesigen Männchen mit ihren starken Eckn zähnen ma en aber selbst einen Respekt ei«* flöhenden Eindruck.

Um die Affen, die durch Plündern der Korn­felder stellenweise zur unerträglichen Landplage geworben finb, fangen zu können, bauten wir aus Knüppeln unb Zweigen, bie fest miteinander verflochten wurden, kleine P/s bis 2 Meter hohe runde Hütten von 3 Meter Durchmesser. Am Eingang dieser Hütten wurde aus Brettern eine einfache Falltür angebracht und durch einen daruntergeschobenen Knüppel ausgestellt. An den Stellstock ber Falle banden wir ein ungeSähr 20 bis 30 Meter langes Seil und legten uns hinter einen Dusch auf die Lauer, um den Knüppel wegzureiben und damit die Tür zu­fallen zu lassen, sobald einige Affen sich in das Häuschen gewagt hatten. Zum Anlocken der

Tiere wurde es mit ihrem Gicblingsfutter, Mais und Weizen, reichlich beködert, unb außerbem wurde bie Umgegenb ber Hütte und lange Zu- gaugsroege zum Herbeiführen der Assen mit dem- t eiben Getreide bestreut..... Richt jeder Fang-

verluch endet glücklich. Manchen Morgen faßen wir schon im Dunkeln bei ber Fanghütte gut ver­steckt und lauerten, erst fröstelnd in der kühlen Recht, dann von der Tropenfdnne unbarmherzig beschienen, bis gegen Mittag in Gluthitze vergeb* Fiel) bis zur Verzweiflung. Geplagt wurden wir babei von unzähligen Fliegen, die uns in ekel­hafter Zudringlichkeit in den Mund und in die Ra'enlöcker krochen. Aber im allgemeinen hatte unsere Fangrelle sehr guten Erfolg. Wir selbst und die damit beauftragten Fänger hatten bald 75 große Mantelpaviane, Männc en, Weibchen und Junge, zusammen. Zu je dreien wurden sie in große Kisten verpackt, fertig zum Abtransport.

Als beonbcreo Schaustück sollte die Ekpedi* tion eine He.de der abessinischen Hochgebirgs- affen, der Rack.brustpav'ane tuet Dscte ada, he m* bringen. Ein ganzer Hordenverband dieser Assen, genau in Anzahl unb Größe, wie er die ©teil* hänge Abessiniens bis zu einer Höhe von 3009 Meier durchstreift, wurden gefangen. Der Fang gelang nur in kunstvoll ausgelegten Schlingen- Kleine flache Gruben, in denen gerade ein eini zelner Affe Platz fand und sich Hinsehen konnte, wurden ausgehoben, llm den Rand ber Grube waren, unter Erde versteckt, die Fangschlingen verborgen. Sobald nun ein ^Afse, in der Grube sitzend, damit beschäftigt war, das hineingestreute Futter zu fteffen, wurde von einem hinter Düq schen verborgenen Fänger die Schlinge zuge- zogen. Diele faßte das Opfer mitten um den Leib, so daß ein Entwischen unmöglich war. De« Affe wurde dann blitzschnell herangezogen, ge­fesselt und sofort in die bereitftefjenbe Kist« gesteckt.