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zu konstatieren, und es ist kaum anzunehmen, daß nach Genf trotz aller Bestrebungen der offiziellen Außenpolitik nicht eine gewisse Spannung Zurück­bleiben wird.

Bei dem Völkerbund so hofft man es wenig­stens soll seht die Mossulfrage zur Lösung kommen. Vielleicht wird es sich hier auch entschei­den, inwieweit jene Zusammenarbeit in der Le­vante mit England, von der hier in Paris so viel gesprochen wurde und von der man so wenig merkt, wirklich zustande kam. Die Behandlung dieser Frage wurde sehr oft mit den Ergebnissen der Londoner Konferenz in Zusammenhang gebracht, es wird sich nun zeigen, wieviel von diesen Kombina­tionen sich bewahrheitet. Jedenfalls, dies steht fest trotz des französischen Erfolges in Marokko und der angekündigten Offensive in Syrien gegen die Dru­sen, die Kolonialsorgen haben sich neben der schlechten Finanzlage als ein starker Hemm­schuh der französischen Außenpolitik erwiesen.

Die Minderheitenfrage vor dem Völkerbund.

Genf, 17. Sept. (TU.) Die 6. Komission des Völkerbundes beschäftigte sich mit der Frage der Minderheiten. Zur Diskussion gelangte ein Antrag Litauens, der die Einsetzung eines besonderen Völkerbundausschusses verlangt, der neue allgemeine Richtlinien für die Vehandlung der nationalen Minderheiten aufstellen soll. Diese müßten für alle Mit- g l i e d e r st a a t e n des Völkerbundes gleiche Geltung haben. Der Vertreter Litauens führte dazu aus, daß die Friedensverträge vom Jahre 1919 nur einigen Staaten die Pflicht auf­erlegt hätten, besondere Verträge über die Behandlung ihrer nationalen Minderheiten abzuschließen, während die andern Staaten in ihrer Souveränität nicht be­schränkt würden und daher ihre nationalen Minderheiten vergewaltigen könnten. Er erblickt hierin eine große Ungerechtigkeit, die eine von allen Volkerbundstaaten anzuerkennende Reuregelung verlangt. Den Ausführungen stimm­ten die Vertreter Polens und Rumä- niens zu. , m

Der tschechische Außenminister Dr. V e - ne sck Wies auf die juristischen Schwierigkeiten hin, die bei der Aenderung der Minderheits­verträge eintreten würden. Menn für alle Staa­ten eine Reuregelung auf diesem Gebiete ge­troffen werde, so würden verschiedenen Län­dern neue Verpflichtungen auserlegt, die sie bis­her nicht kannten.

Als Mitglied des völkerbundsrals wies er auf die außerordentliche Vorsicht hin, mit der der Rat bisher seine Entscheidungen in den Tragen der nationalen Minderheiten getroffen habe.

Seine bisherige Praxis biete die Garantie für eine gerechte Behandlung aller Minderheitsfragen. Auch verfüge er über große Erfahrungen, die er auch in Zukunft gut verwerten könne.

Der französische Vertreter de Iouoenal wies darauf hin, daß es keinen Wert habe, die Staaten ohne nationale Minderheiten durch Verträge zu binden. Er schlug die Bildung einer Unterkornmis- sion vor, die die Behandlung der Minderheiten durch den Dölkerbundsrat prüfen soll. Der englische Delegierte Lord Cecil befürchtet, daß durch eine neue Regelung der Minderheitsfrage nur neue Schwierigkeiten entstehen würden. Fragen der nationalen Minderheiten dürften im Völker- bund nur von Vertretern solcher Staaten behandelt werden, die kein Interesse an diesen Angelegen- .heiten hätten. Die Vorschläge Ungarns, die Kla­gen der Minderheiten direkt an den t Rat gelangen zu lassen, wären undurch­führbar, weil dies den Minderheitsverträgen f widerspreche.

Lord Robert Cecil verwahrte sich dagegen, daß die Vollversammlung in die Rechte und in die Verantwortung des Völkerbundsrats eingreife. Sie dürfe nur an der Tätigkeit des Rats Kritik üben, sonst habe sie keine weiteren Eingrifss- rechte.

Auch Belgien lehnte eine Reuregelung der Behandlung der nationalen Minderheiten ab. tzeiner Ansicht nach hätte der Vertreter Rumäniens mit der Unterstützung des litauischen Antrags nicht- anderes bezweckt als ihn zum Scheitern zu bringen, um das ganze Der- handlungsprovlem in derVersenkung ver­schwinden zu lassen. (Großes Gelächter und lebhafter Beifall lohnt den Belgier für diese unkluge aber offene Demerfung.) Der Vertreter Chinas verlangt für die gelbe Rasse die glei­chen Rechte wie für die weiße. Er weist darauf hin, daß in der Welt nicht nur die Minder­heiten bedrückt würden, sondern daß im Gegen­teil auch eine Mehrheit von einer Minderheit unterdrückt würde (ein Hinweis auf das Ver­hältnis der europäischen Mächte zu China). Der Vertreter Litauens wandte sich besonders scharf gegen die Behauptung deS französischen Vertreters, daß Frankreich keine natio­nalen Minderheiten besähe, denn Frank­reich habe innerhalb seiner LandeSgrenzen in Elsaß - Lothringen eine starke dcutfchsp rechende Bevölkerung. Rach einer langen außerordentlich hefttgen Geschäfts- crdnungsdebatte wurde eine Entschließung ?ort> CecilS angenommen, nach der die ganze Frage demRatüberwiesen wird. Die Kommission ' billigte darauf den Bericht deS Völkerbunds- rats über die Mindeicheitenfrage. Der litauische Vertreter hatte, nachdem er den Widerstand gegen seinen Antrag erkannte. seinen Antrag zurück­gezogen.

Laillaux' Abreise nach Amerika.

Die französisch-amerikanische Schuldenregelung.

Paris, 16. Sept. (WTB.) Finanzminister Lailmux und die Mitglieder der französischen Finanzkommission sind heute nachmittag nach Le Havre abgefahren, um sich dort nach R e u - York einzuschiffen. Die französische Delegatton wird direkt nach Washington Weiterreisen. Man nimmt an, daß die Verhandlungen mit der Schuldenfundierungskommission Amerikas etwa acht Tage in Anspruch nehmen werden und daß Caillaux am 20. Oktober wieder in Paris fein wird. Vor der Abfahrt übermittelte der Finanz­minister folgende Erklärung: Frankreich leugnet seine Schulden nicht ab. Ich werde den Ameri­kanern sagen, Frankreich sei bereit, seine Schulden zu regeln. Ich reise mit der Lleberzeugung ab, bah unsere Freunde jenseits deS Ozean« sowohl großherzig genug al« auch ge­

nügend gute Geschäftsleute sein werden, um eine gerechte Re gelung anzunehmen.

Hranzösische Erfolge in Marokko.

Das Bibanmassiv erobert.

Paris, 16. Sept. (TU.) Rach einer privat. Meldung aus Rabat haben die jranjofen heute vormittag nach hartem stampf das v e r g m a f. io des El V iban von den Rifkabylen urückerobert. Der Angriff konnte erst nach tunbenlanger Artillerievorbereitung durchgeführt werden. Die Rifleute haben sich auf die Höhenzüge nördlich von Biban zurückgezogen.

Havas berichtet über die Eroberung noch olgende Einzelheiten: Schon gestern hatten Ar­tillerie und Flugzeuggeschwader die feindlichen Verteidigungsanlage des Gebirgsstockes bombar­diert. Heute früh rückten rechtzeitig französische Truppen von Tafrant auS. Die Abteilung des linken Flügels unternahm ein Llmgehungsmanö- ver, um dem Feinde die Rückzugsmöglichkeiten abzuschneiden. Die französischen Truppen haben ich mit ^Interstützung eines konzentrierten Ar- tillericfeuers der beherrschenden Punkte des Ge- bttgsstockes bemächtigt. Die Einnahme von Di- bane stellt nicht nur einen außerordentlichen Er- olg militärischer Art dar. sondern ebenso einen politischen Erfolg, denn dadurch fällt das ganze Gebiet der Beni Llriaghel in die ranzösischen Hände, deren Abfall seinerzeit die Erschütterung der französischen Front am Llergha nach sich gezogen hatte. Die Aachricht von dem Angriff und der Einnahme von Bibane hat in Fez lebhafte Befriedigung hervorgerufen.

Vor Mesraua hat der Gegner dem französi- chen Vormarsch lebhaften Widerstand entgegengestellt, mußte aber vor dem französi- chen Druck zurückweichen. Gestern nachmittag sind tarke feindliche Kavallerie- und Tlnfanterieabtei- lungen zusammen mit zahlreichen Herden auf dem Rückzug in Richtung Rorden gemeldet wor­den. Die Eroberung der Felskuppe stellt einen außerordentlichen großen Vorteil dar, denn die gewaltige Höhe dieses Punktes gestattet, dieses ganze Gebiet zu beherrschen: vor allen Dingen I ann von hier aus die französische Artillerie die Abhänge südlich des Djeb elAhil und die Ort- chaften Mesraua und Djaja unter Feuer halten.

Von der spanischen Marokkofront.

London, 17. Sept. (WTB.-Funkspruch.) Bei Ragaja, unweit der Grenze der Tanger-Zone ist ein neuer Kampf im Gange. Der Dsche- ballah-Stamrn ist anscheinend durch die bei Ben» Karisch erlittene Schlappe nicht entmutigt worden. Er hat seine Streitkräfte konzentriert, um die A n - griffe auf d i e spanischen Liien zu er- neuern. Die drei erwachsenen Söhne des Ver­treters des Sultans in Tanger, der zu einer der ersten Familien von Fez gehört, sind verschwun° den. Man glaubt, daß sie sich zu Abd el Krim begeben Haden, um sich ihm anguschließen. Bei Alhucemas wird der Druck Abd el Krims täg­lich stärker. Das schlechte Wetter behindert das Aus- schiffen der Truppen stark. Die auf dem Wege nach Ajdir liegenden Berge sind von den Rifleuten tark befestigt und besetzt. Auf dem von den Spaniern besetzten Morro Nuevo sitzen noch ganze Rifdetachements in rt*e f i g en Höhlen, deren Ausgänge von den Spaniern bewacht werden. Die Zugänge sind zum Teil unterminiert, so daß ein weiterer Vormarsch große Vorbereitungen er­fordert.

versozial-emokatischeparteitag

Heidelberg, 16. Sept. ($11.) Am heuti­gen vierten Derhandlungstag des Sozialdemo­kratischen Parteitages erstattete Reichstagsabge­ordneter Keil den Bericht über die Tätigkeit der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion. Er recht­fertigte die Haltung der Fraktion in den Kämpfen um den Zolltarif und die Steuervorlage und kennzeichnete ihre Haltung zu den übrigen Par­teien des Reichstages. Das Zentrum habe sich zwar angeblich nickt parteimäßig mit der Regie­rung verbunden, habe aber tatsächlich wie eine Regierungspartei gehandelt. Hehrenbach habe so­viel für Luther getan, daß ihm zu tun nichts mehr übrig bleibe. Opposition dürfe nur auf kurze Sicht getrieben werden und müsse stets auf die aktuellen Verhältnisse eingestellt werden. An den Bericht schloß sich eine lebhafte Aussprache an, in der vor allem der Reichsschul­gesetzentwurf bekämpft wurde. Abg. Dr. Löwen- ft e in erklärte, der Reichsschulgesetzentwurf lie­fere die Staatsschule der Kirche aus. Es müsse deshalb gegen diesen Plan der schärfste Kampf aufgenommen werden. Staatssekretär Schulz warf dem Zentrum eine ausgesprochen reaktio­näre Politik vor, wodurch der Austritt Dr. Wirths aus der Fraktion hervoraerusen sei. Der neue Reichsschulgesetzentwurf bedeute einen Bruch der Weimarer Verfassung und eine rücksichtslose Zerreißung des Weimarer Schulkompromisses. Werde dieses Schulgesetz jetzt angenommen, dann stehe man nicht am Ende, sondern am Anfang der schärfsten kul­turpolitischen Kämpfe in Deutschland. Ferner unterzog Dr. Paul Levi die Kenn­zeichnung der Aufgaben der Opposition durch den Abg. Keil einer scharfen Kritik und erklärte, wenn man von dieser falschen Betrachtungsweise ausgehe, dann hieße daS, auf eine wirksame Opposition überhaupt verzichten. Er erzielte mit seinen Ausführungen den starken Beifall deS linken Flügels. Rach weiteren belanglosen Aus­führungen vertagte sich der Parteitag auf Donnerstagvormittag.

Den Mitgliederverlust der sozial­demokratischen Partei gab der Abg. Fleißner, Dresden, nach dem Sitzungsbericht desVor­wärts" mit 100 000 an (nicht mit 10 000, wie es irrtümlich im gestrigen Bericht hieß). Der säch­sische Delegierte Edel, Dresden, nimmt seit 1918 sogar einen Verlust von 1 50 000 Partei­mitgliedern an.

Keine Auflösung des Preußischen Landtags?

DerLokalanz." will wissen, daß der Be­schluß des GemeindeauSschusfes deS preußischen Landtags, den Termin für die Provin zial - und Kreistagswahlen von dem der Ge­rn e i n d e w a h l e n , die am 25. Oktober vorae- nommen werden, zu trennen und jene Wahlen erst im Rovern der stattfinden zu lassen, vom Ple­num des Landtags gebilligt werde, da daS

Zentrum sich entschieden habe, einer Hinaus­schiebung nicht zuzustimmen und auch die So­zialdemokratie nicht mehr unbedingt dafür eintreten wolle. In dieser veränderten Haltung deS Zentrums und der Sozialdemokratie glaubt man in Landtagskreisen, ein Fallenlassen des sozialdemokratischen Verlangens nach Auf­lösung des Landtags erblicken zu können.

Das hessische Kommunalwahrgesetz.

Darmstadt, 16. Sept. Der Gesetzgebungs­ausschuh begann mit den Beratungen über den Gesetzentwurf zu den Wahlen für die Gemeinden und Gemeindeverbände. Es wurde Artikel 1 an- lenommen mit einem Vorschlag der Deutschen ßolfepartei, wonach d i e Zahl der Stadtver­ordneten und der Gemeinöeratsmit= glieber, je nach der Größe des Ortes, gestaffelt wird. Die Mandatsdauer wurde- gemäß einem demokratischen Anträge, auf 4 statt auf 3 Jahre der Vorlage festgesetzt. Ebenso Drang ein demokratischer Antrag durch, daß die Wahlen zum Provinzialtag in direkter Weise erfolgen sollen wie bisher. Nach der Vorlage sollten die Kreistage die Wahlen vornehmen.

Kleine politische Nachrichten.

Der Reichspräsid ent empfing heute die neuernannten außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister von Uruguay, Bachend, und von Siam. Prinz DamraS, zur Entgegennahme ihrer Beglaubigungsschrei­ben. An den Empfängen nahm auch der Reichs­minister des Aeußern, Dr. Strese mann, teil.

Die am Tarifvertrag für die Reichs- arbeiter beteiligten Gewerkschaften und Or­ganisationen haben den vom ReichSarbeitSmini- fterium gefällten Schiedsspruch anerkannt.

Die Interalliierte Rheinlandkommission hat die Beschlagnahme sämtlicher Exemplare der ZeitungDer Iungdeutsche" im besetzten Gebiet angeordnet.

Der ehemalige Kronprinz von. Sach­sen wird derGesellschaft Jesu" als Mitglied beitreten. Er wird von diesem Herbst an seine Studien und seelsorgerischen ArvÄten in Feld­kirch (Vorarlberg) fortsehen.

In dem saarländischen Schnappach ist die feit einigen Wochen geschlossene Schule das Opfer des Raubbaues in den französischen Bergwerken geworden. Rachdem bereits vor einiger Zeit mehrere Häu­ser infolge Einsturzgefahr geräumt werden muß­ten, stürzte jetzt die Schule beim Abbruch eines Gewölbes plötzlich vollständig zusammen. Dabei wurde ein Arbeiter von den Gesteinsmassen er­faßt und durch Verschüttung lebensgefährlich verletzt.

Die Lebenshaltungskosten in Eng­land lagen am 1. August 73 Prozent, am 1. September 74 Prozent über dem Vorkriegs­stände.

Kunst und Wissenschaft.

Um Böllings Nachfolge.

Als Rachfolger Böllings werden jetzt, nachdem auch mit Leo Blech Verhandlungen wegen der Leitung des LandestheaterorchesterS angeknüpft worden sind, Generalmusikdirektor Dr. IuliuS K o p s ch, der Leiter des Blüthner- Orchesters und Generalmusikdirektor Prof. Ernst D o e h e, der Leiter deS PfalzochesterS in Lud­wigshafen genannt.

Leo Fall t*

Wien, 16. Sept. Der Operettenkomponist Leo Fall ist nach kurzer schwerer Krankheit heute nacht gestorben. Leo Fall war einer der erfolgreichsten Operettenkomponisten der letzten Jahrzehnte. Seine bekanntesten Werke sind:Der fidele Bauer",Die Kaiserin",Die Rose von Stambul",Der süße Kavalier",Die geschiedene Frau",Madame Pompadour".

Aus aller Welt.

Tagung des Deutschen Forstvereins.

In Salzburg begann unter Teilnahme von mehr als tausend Forstleuten aus dem Deutschen Reich und den österreichischen Bundes­ländern die diesjährige Versammttmg des Deut­schen Forstvereins. Die Tagung soll durch ent­sprechende Satzungsänderungen den Zusam­menschluß aller Forst fachleute deut­scher Zunge vorbereiten. Mit einer Reihe von Fachvorträgen deutscher und österreichischer Forstfachleute sind Ausflüge in verschiedene forst­wirtschaftliche Betriebe in Aussicht genommen.

Autounsall am Rhoneglelscher.

Auf der Furka ft ratze unterhalb des Hotels Belvedere am Rhonegletscher ereignete sich ein schweres Autounglück. Ein mit fünf Personen be­setztes Auto aus Chur stürzte über die Straßen­böschung etwa 100 Meter hinunter, wo es gänzlich zertrümmert wurde. Von den Insassen konnte allein ein Dr. Lichtenstein aus Arosa rechtzeitig abspringen, während die übrigen, zwei Mediziner und ihre Frauen, in die Tiefe (türmten. Der aus Andermatt herbeigerufene Arzt konnte nur noch den Tod der vier verunglück­ten Personen feststellen.

Postkutschenromantik.

Vier maskierte Räuber überfielen auf dem Wege PeterswaldeOrlau (in Mähren) den Postwagen. Mit Revolvern zwangen sie den Kutscher anzuhalten und die Schlüssel auS- 8 u liefern. Sie raubten aus dem Wagen 38 000 tschechische Kronen und Postsendungen, und verschwanden dann in der Finsternis Bisher haben die Rachforschungen kein Ergebnis gezeittgt.

Wettervoraussage.

Wolkig bis bedeckt, vorwiegend westliche Winde, wenig Temperaturänderung, einzelne Regenfälle.

Der gestern bei Island erschienene Kern des starken atlantischen Fallgebietes zieht nordöstlich weiter und scheint dem Kontinent nicht näher au rücken, doch ist ein Ausläufer in das deutsche Küstengebiet vorgestoßen, dessen Einfluß bis in unseren Bezirk reicht. Die nach der gestrigen Aus- heiterung eingetretene Trübung hält zunächst heute und morgen an.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 16 Grad Celsius, Minimum 6,0 Grad Celsius. Nieder« schlüge: feine. Heutige Morgentemperatur 8,2 Grad Celsius.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 17. September 1925.

Ium Gustav-Adolf-Fest in Metzen

Man schreibt uns: Das Gustav-Adolf-Fest, das vom 20. bis 23. September hier stattfindet, wird ein Fest in großem Ausmaße werden. Ver­treter der evangelischen Kirche aus ganz Deutsch­land und den auherdeutschcm Gebieten werden erwartet, so daß die Tagung in besonderem Maße dem Auslanddeutschtum gelten wird. Man nimmt an. daß ungefähr 500 Abge­ordnete und Ehrengäste hier erscheinen, unter ihnen die in der evangelischen Kirche führenden Persönlichkeiten.

Arn Sonntag werden in beiden Kirchen Fest- gottesdienst e stattfinden, in denen aus­wärtige Pfarrer predigen werden. In der Stad t- kirche wird Pfarrer D. Mahnert auSInns­bruck, in der IohanneSkirche ein Ver­treter der evangelischen Kirche in Polen pre- idigen, die Kindergotlesdienste, die sich hieran anschlietzen, werden gleichfalls der Gusta v- Adolf-Sache gelten. Am Rachmtttag wird ein großes Volksfest veranstaltet werden. AuS allen ober hessischen und aus den - benachbarten preußischen Gemeinden werden die Evangelischen in Extrazügen zwischen 2 und 3 Ahr eintreffen» ie werden auf Oswaldsgarten und in den benach­barten Straßen zu einem Festzuge aufgestellt werden, der durch die Reustadt, Marttstvaße, Marktplatz, Mausburg, Seltersweg, Südanlage. Gartenstraße, LudwigSplatz und Kaiserallee nach der Volkshalle geht. Ein Pvsaunen- m assencho r und ein Kirchenmassenchor werden Mitwirken, drei Redner auS verschiedenen Gebieten der evangelischen Diaspora werden kurze Ansprachen halten. Da bei gutem Wetter die Volkshalle für den Zustrom der Teilnehmer nicht ausreichen wird, so ist eine Parallelver­sammlung auf dem Trieb im Freien neben dem Musikpavillon geplant, für diese Versamm­lung wird die gleiche Tagesordnung maßgebend sein, wie für die Volkshalle. Bei schlechtem Wetter finden Parallelversammlungen m den beiden Kirchen statt. Der Eintritt in die Halle ist nur gegen Festabzeichen gestattet, die auf dem Emp- fangsbureau im Bahnhofe und am Eingang der Halle zu bekommen find. Es empfiehlt sich, daß man die Abzeichen sich möglichst frühzeitig besorgt.

Heber die übrigen Veranstaltungen orien­tiert die F e st o r d n u n g, die am Sonntag beim Ausgang an den Kirchen verteilt werden wird, außerdem ein F e st b u ch mit reichhalttgen Bei­trägen, das 50 Pf. kostet, im voraus bei den Pfarrern und Kirchendienern bestellt werden kann und durch junge Gemeindeglieder auf Os- waldsgarten, bevor sich der Zug in Bewegung seht, sowie vor der Volkshalle ausgeboten wer­den wird. Die Ordner des Zuges und der Ver­sammlungen sind an weißen Armbinden kennt­lich, ihren Anordnungen ist unbedingt Folge zu leisten.

Bei den Versammlungen, die von Montag bis Mittwoch in den Kirchen und in der Universitäts-Aula stattfinden, muh ein Teil der Plätze für die Abgeordneten und Ehrengäste Vorbehalten bleiben, die Gemeindeglieder wer­den gebeten, dies mit Rücksicht auf die besonde­ren Umstände nicht als eine Einschränkung deS ihnen sonst zustehenden Rechtes ansehen zu Wolken.

Die Glieder der Gemeinde Gießen und der benachbarten Landgemeinden, soweit deren An­gehörige zu Fuß hier ankommen, stellen sich auf Oswaldsgarten zum Zuge auf, wobei die Gemeinde Gießen den Zug schließt. Die Jugend- Vereine werden mit ihren Abzeichen (Wimpeln) geschlossen im Zuge einherschreiten. DasSchlitzer- land" wird als Ganzes in den Zug eingeglie­dert werden, diese Teilnehmer werden in Trach­ten erscheinen.

Zu allen öffentlichen Versammlungen hat jeder Evangelische Zutritt, zu den geschlossene Versammlungen gegen vorherige Anmeldung bei einem Gemeindepfarrer oder dem Versammlungs­leiter. Die Predigt im Festgottesdienste am Dienstag hält Generalsupkrintendent v. K al- weit - Danzig.

Erweiterung des ehemaligen Garnisonlazaretts.

Dem Landtag ist eine Regierungsvorlage zuge- gangen, in der 100 0 00 Mark für die Erwei­terung des ehemaligen Garnison­lazarettes in Gießen für Universi­tät s z w e ck e gefordert werden. In der Begrün­dung der Vorlage heißt es u. a.:

Das ehemalige Garnisonlazarett in Gießen ist nach langen Verhandlungen in diesem Sommer für Unioerfitätszwecke erworben worden. Die Er- Werbung erfolgte in erster Linie zugunsten der Un­terbringung des F o r st i n st i t u t s; bald erwies es sich auch als unvermeidlich, das agrikultur- chemische Institut in den Bau aufzunehmen. Für beide Zwecke sieht der Staatsvoranschlag 1925 die erforderlichen Aufwendungen vor. Die drückende Enge der im alten Universitätsgebäude unterge­brachten Institute, Lehrstühle und gemeinsamen Hochschuleinrichtungen Machte eine Nachprüfung dahin zur Pflicht, ob außer der erwähnten beiden Instituten nicht noch ein drittes in dem Gebäude Aufnahme finden könnte. Diese Nachvrüfung hat ergeben, daß bei gewissen, aber durchaus erträg­lichen Einschränkungen der Raumwünsche der in Frage kommenden Institute auch noch das ganze geologische Institut in das (Barnifonlaaa- rett übersiedeln kann, wenn die im ILoranfchlag 1925 vorgesehene Bauerroeiterung um einen Stockwerksaufbau vermehrt und für die Agrikulturchemie ein bescheidener Anbau an die bereits vorhandene große Baracke vorgesehen wird: endlich muß das Dachgeschoß für Sammlungszwecke hergerichtet werden.

Die Entlastung des Hauptgebäudes der Univer- tät wäre außerordentlich groß und folgenreich im guten Sinne, wenn es auf diese Weise gelänge, außer dem Forstinstitut auch die Geologie wie schon vor dem Kriege als dringlich anerkannt und in einer Regierungsvorlage vorgesehen hinaus- zuoerlegen.

Die baulichen Mehrkosten würden rund 45 000 Mark betragen, die Kosten der inneren Einrichtung des geologischen Instituts, der Bauleitung usw. 20 000 Mk.; dazu wird der Einbau einer Weber- druckdamps-Sammelheizung mit 35 000 Mk. nach­träglich angefordert, da es dringend erwünscht und allein zweckmäßig sein dürfte, bei Herstellung der neuen Institute auch die Heizungsfrage sogleich zeitgemäß zu lösen.

Wir stellen diese Nachtragsforderung aus der Ueberzeugung heraus, daß das Verbleiben des geo­logischen Instituts im Universitätsgebäude nicht