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175. Jahrgang
Donnerstag, 17. September 1925
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GietzenerAnzeiger
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General-Anzeiger für Oberheffen
vnlck und Verlag: vrühl'jche UnioerfitSlr-Vuch- und Steindrudtrei B. Lange in Stehen. 5chriftleitung und Geschäftsstelle: 5chulstrahe 7.
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Kolonial Politik wird hier gesprochen. Bekanntlich hat man in Paris bish«
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Paris, Jinanzblatt
Tschitscherin den Rapollovertrag.
17. Sept. (T. 11.) Lin französisches veeössentlicht ein groß aufgemachtes
aus den „Meistersingern" und Mozarts Jupiter» Symphonie, gespielt vom Berliner Funkorchester, umrahmten die Reden der Herren Karl Brammer. Referent für die besetzten Gebiete in der Presseabteilung der Reichsregierung, und Staatssekretär a. D. Dr. Bracht, jetzt Oberbürgermeister von Essen, die die namenlosen Leiden der Bevölkerung unter der Willkür der Fremdherrschaft wie die bewundernswerte Standhaftigkeit und Treue und schließlich die hohe Freude der endlich errungenen Befreiung erschütternd und erhebend zum Ausdruck brachten.
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völkerung enteignen will. Llnzufrieden mit ihm sind aber auch jene Kreise, deren revolutionäre Umtriebe er durch energisches Eingreifen, durch Säuberung der Armee und Polizei, ein Ende bereitete. Calles ist seit vierzig Jahren der erste Präsident, der ohne Blutvergießen d'e Leitung des mexilanttchen Staates übernehmen konnte, immerhin ein Zeichen für seine Volkstümlichkeit. Am 6. Juli 1924 wurde er mit großer Mehrheit gewählt, am 1. Dezember des gleichen Jahres trat er die Rachfolgeschast O b r e g o n s an. In der Zwischenzeit unternahm er eine Rei'e nach Europa, um hier die sozialen Einrichtungen der einzelnen Staaten zu studieren. Bei dieser Gelegenheit wurde er durch seinen Besuch Berlins dem deutschen Volke bekannt, zu dem er seither die freundschaftlichsten Beziehungen unterhält.
Die fällige Reparationsrate.
Berlin. 16. Sept. (TU.) Der Generalagent für Reparationszahlungen teilt mit: Die Reichsrcgierung hat den am 15. September 1925 fälligen Betrag von 30 Millionen Goldmark als erste Rate der im zweiten Jahre des Sachverständigenplanes zu leistenden Annuität heute gezahlt. Die Zahlung erfolgte durch Ueber- weisung des Gegenwertes in Reichsmark auf das Konto des Generalagenten für Reparationszahlungen bei der Reichsbank.
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Paris, 16. Sept. (WTB.) Die deutsch« Delegation, bestehend aus Staatssekretär Dr. Treadelenburq, MathieS, Döhle und Wörmann, ist heute nachmittag wieder im Handelsministerium erschienen, wo sie von dem sranzösischen Handelsminister C h a u m e t und seinen Mitarbeitern erwartet wurde. Die beiden Delegationen haben ihrer festen Absicht Ausdruck gegeben, die deutsch-französischen Wirtschaftsder- Handlungen sobald wie möglich zu End« zu führen. Eie haben übereinstimmend anerkannt, daß es zweckmäßig sei, die Wiederaufnahme der Verhandlungen auf neuen Grundlagen unter Berücksichtigung der vorhergegangenen Arbeiten der Unterkvmmisftvnen und der Sachverständigen ins Auge zu fassen. ES besteht Einverständnis darüber, daß die deutsche Delegation in einer Rote die deutschen Forderungen und Angebote auf Grund der bon ihr vorgeschlagenen Grundlage bekannt geben wirb. Die französische Delegation wird ihrerseits schriftlich Gegenvorschläge ausarbeiten, worauf sich dann di« mündlichen Verhandlungen anschließen. Unter diesen Umständen kehren Staatssekretär Dr. Trendelenburg und seine Mitarbeiter nach Berlin zurück, um mit ihrer Regierung den Text der deutschen Rote fest zusehen, die zusammen mit der Rote der sranzösischen Delegation als Diskussionsgrundlage bei den Verhandlungen dienen soll, die wahrscheinlich Mitte Oktober wieder aufgenommen werden.
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Dr. Mugdan
Der Arzt und Politiker Geheimrat Dr. Otto Mugdan ist in Berlin im Aller von 63 Jahren gestorben. Dr. Mugdan, der der Demokratischen Partei angehört Halle, später aber zur Deutschen Volks Partei übergetreten war, war nicht nur in der ärztlichen Starrdesbewegung führend tätig, sondern auch lange Jahre hindurch einer der rührigsten Berliner Politiker, sowohl im Reichstag als auch im Preußischen Abgeordnetenhaus und im Berliner Stadtparlamerrt.
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Attentatsversuch auf Präsident Calles.
Reuyork, 16. Sept. (D. Z.) Der Präsident von Mexiko, Calles, ist einem sonderbaren Attentat entgangen. Als der Präsident das Stadion aufsuchte» sprang ein unbekannter Mann von der Galerie. Beim Aussprung auf den Boden erfolgte «'ne Explosion, wobei der Mann in Stücke gerissen wurde. Der Präsident blieb unverletzt. Es wird allgemein angenommen, daß die'er sonderbare Attentäter eine Bombe bei sich trug, die beim Aufschlagen auf den Boden explodierte; die amtlichen Stellen halten mit Kommentaren noch zurück.
weise Käufer sm 'sei, zuverlässige Liesers unter Wgunflj
Französische Politik.
Von unserem -8c-Berichterstatter.
(Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!)
Paris, 14. Sept 1925.
Die Entwicklung der Sicherheitsfrage nimmt jetzt das französische Interesse fast ausschließlich in Anspruch. Richt als ob Frankreich keine anderen Probleme zu lösen hätte, aber seit der Beendigung der Sachvcrstänbigenkonfcrenz in London sind die allerwichtigsten Fragen französischer Außenpolitik aufs Tapet gekommen, so daß alles andere den Detrxrchtungen über die kommende europäische Entwicklung weichen mußte.
London, die Juristenkonferenz mit ihrer allzuklaren Aufdeckung der tatsächlichen politischen Machtverteilung hatte den Franzosen keine angenehme Lleberraschung gebracht. Die Juristenkonferenz hat neben ihrer hohen Bedeutung, die darin besteht, daß sie den Gang der Ereignisse zweifellos stark beschleunigt, auch einen wichtigen Einfluß auf die europäische Politik ausgeübt. Die Lage Frankreichs wurde klarer, und eine gewisse Isolierung der französischen Auffassung ergab sich in London insbesondere infolge der Haltung des französi- fcherseits viel angegriffenen belgischen Sachverständigen Roll in. In Paris grollt man jetzt stark den Belgiern, aber gleichzeitig versucht die französische Politik mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln die fehlende Mntcrftüt- zung Belgiens zu ersehen.
Italien soll jetzt dazu herhalten, eine sichere Stühe für die französische Politik zu liefern — eine bemerkenswerte Evolution, welche die französische Auffassung "hinsichtlich Italiens durchgemacht hat! Richt nur in der Sicherheitsfrage möchte man in Italien eine Stütze finden — in London war angeblich etwas davon zu spüren —, sondern auch über gleiche Zielsetzungen der französischen und italienischen Mittelmeer- u nd
‘ In gutunterrichteten französischen Kreisen verlautet, daß Deutschland bei den lehten Verhandlungen als Grundlage für eine Verständigung folgendes vorgeschlagen habe: Frankreich sieht von der Einteilung der deutschen Einfuhr in vier Warenklassen ab, so daß für die lieber* ganaszeit nur drei Warenklassen unterschieden werden sollen. Für die erste Waren- kategorie soll der jetzige französische Minimaltarif gelten, für die weitere ein Zwischentarif, dessen Sähe zwischen dem Minimal- und Maximaltarif liegen. Für die letzte soll der französische Maximaltarif in Anwendung kommen. Bei der Verringerung von vier auf drei Warenklassen soll die bisherig zweite Warenkkasse auf die übrigen Warenlisten verteilt werden. Da Frankreich aber an einer Klassifizierung der deutschen Warcneinfuhr fest hält, versagt Deutschland seinerseits die M e i st b e g ü n st i g u n g, die es in den bisherigen Verhandlungen auch schon für das Provisorium zugestanden hatte. Die deutschen Vertreter hätten erllärt, dalst sie wegen der schlechteren Behandlung Deutschlands in den französischen Zolltarifen auch ihrerseits keine Meistbegünstigung zugestehen können. Das Provisorium soll etwa nur sechs Monate dauern, worauf der endgültige Handelsvertrag in Kraft treten soll, in dem sich beide Teile die uneingeschränkte Meistbegünstigung zu- gestehen.
einem gewissen Mißtrauen auf die Bestrebungen der italienischen Außenpolitik geschaut, und in der Tat gibt es neben gleichlaufenden Interessen eine Fülle ungelöster Probleme zwischen den beiden Ländern. Infolgedessen tnirb von den Skeptikern auch sehr stark bezweifelt, ob nicht diese neue Konzeption an der Zurückhaltung Mussolinis scheitern werde.
Der Beendigung der Verhandlungen über den westlichen Sicherheitspakt sieht man überall mit Vertrauen entgegen, die zweite Konferenz aber, welche die Sicherstellung der tschechischen und polnischen Grenzen zum Gegenstand haben soll, wirft ihre Schatte schon voraus. Man steht hier vor einem schier unlösbaren Problem, da sehr schwer zu vereinigende Gegensätze zwischen den interessierten Mächtegruppen vorhanden sind und wenn es der französischen Diplomatie nicht gelingt, eine Lösung, die durch ihre Neuartig- feit und Genialität all die Schwierigkeiten, an denen alles bisher scheiterte, zu überbrücken, so kann man noch auf sehr ernste und heftige Auseinandersetzungen rechnen. Die Einziehung Italiens in diese äußerst unsichere Sphäre der Außenpolitik sollte nach vielen eine rettende Idee fein, — die Andeutungen der französischen Presse, welche in Italien eine Brücke zwischen der französischen Außenpolitik und der europäischen allgemeinen Auffassung finden wollen, deutet darauf hin. Doch in dieser Beziehung ist starke Skepsis angebracht.
Die Briandsche Außenpolitik unterscheidet sich von der sonstigen Rachkriegspolitik, welche Frankreich trieb, vor allem durch eine nüchterne Einschätzung der Lage. Painleves Genfer Rede brachte dies bis zu einem gewissen Grade zum Ausdruck und eine richtige Einschätzung der Stellung Deutschlands muß zugegeben werden, besonders wenn man diese Rede noch mit mancher früheren Rede französischer Politiker vergleicht. Trotzdem ist in dieser Beziehung kein übertriebener Optimismus angebracht. So große Erfolge auch die deutsche Außenpolitik schon in der Verbesserung der internationalen Stellung des Reiches gezeitigt hat, die Rede Painlevös ist höchstens als ein Beweis dessen und der in London erzwungenen Nachgiebigkeit Frankreichs zu werten, keineswegs als eine Aenderung in der französischen Psyche. Als Beweis mögen die Ausfrchrungen der französischen Presse dienert. Ein Artikel des „Temps". der übrigens nur den von Painleve in Genf vertretenen Standpunkt noch etwas klarer herausarbeitet, besagt, daß Frankreich es versuchen müsse, das Genfer Protokoll, wenn auch nicht als ganzes, so wenigstens in seinen Teilen in den Eicherheilspakt hinüber zu retten. Llebrigens hatte man wirklich schon genug Gelegenheit, diese französische Einstellung sestzu- stellen.
Das alles hat aber doch eine starke Unzufriedenheit in Prag unb Warschau nicht verhindern können. Schon der Umstand, daß die Vertreter dieser Staaten nicht zu der ersten Konferenz der Außenminister zugelafsen werden, es wurde bekannt, daß selbst B r i a n d und seine Umgebung ganz besonders gegen die Teilnahme Polens und der Tschechoslowakei an diesen Besprechungen sind, hat wie eine kalte Dusche in diesen Staaten gewirkt. Frankreich wird also jetzt fortwährend an seine Verbündeten erinnert, aber man darf nicht vergessen, daß die gegenwärtige Regierung doch nicht voll die Konzeption Poincarss akzeptierte, und so wirft man jetzt ganz offen die Frage auf, bis zu welchem Maße diese Bündnis- rückfichten die' französische Politik beeimluPen dürf- ten. Schon vor Monaten waren gewiße Anzeichen der A b k üh l u n g zwischen Warschau und Paris
Deutschlands Handelsvertragsverhandlungen
Vertagung der Verhandlungen mit Frankreich.
Die Befreiungsfeier der Ruhr.
Die Ruhrftädte rüsten zum (Empfang des Reichspräsidenten.
Bochum, 17. Sept. (TU.) Mit froher Erwartung sieht die Bevölkerung dem Besuch des Äeichsprä!identen, des Reichskanzlers, tes preußischen Ministerpräsidenten und der übrigen Herren der Reichs- und Staatsregierung entgegen. Am Hauptbahnhof ist ein hüb'ches Empfangsbild hergerichtet. Ehrenbogen und Fahnenmasten febmüden den weiten Vorplatz. Die Straßen vom Hauptbahnhof bis zum Stadtpark sind reich beflaggt. Reben der offiziellen Reichsflagge sieht man auch viele schwarz-weih-rote Fahnen, daneben die preußischen und westfälischen Landesfarben und besonders das Bochumer Blau-Weiß. Da die Zechen und Werke wie auch die Geschäfte den Angestellten und Arbeitern Gelegenheit gegeben haben, an der Kundgebung teilzunehmen, so rechnet man auf einen sehr starken Besuch.
Die Eisenbahn, die Sonderzüge eingelegt bat, rechnet mit einem Zuzug von 50 000 Per- 'onen. Mindestens eben so viel werden mit der Straßenbahn und mit Autobussen eintreffen. Bei der Hinfahrt zum Parkhaus werden 37 000 Schüler und Schülerinnen Spalier bilden, bei der Rückfahrt 25 000 Vcrcinsangehörige. Die Krieger-, Zum-, Sport-, Gesang- und Arbeitervereine beteiligen sich vollzählig. Dur die freien Gewerkschaften haben der von auswärts gegebenen Parole, sich fern zu halten. Folga geleistet. Ein M a s s e n ch o r von 1000 Sängern wird die öffentliche Kundgebung am heutigen Nachmittag um 5 Uhr im Parkhaus einleiten. 5000 Personen, alles Abordnungen der Vereine, nehmen auf der Terrasse Aufstellung, dahinter Tiele Taufende aus dem Publikum. An dem Frühstück im Parkhaus nehmen etwa 200 Personen teil. Vertreter der Behörden, der Wirtschaft und der Gewerkschaften. Der Empfang in Bochum verspricht ein gewaltiges Treubekenntnis Westfalens zu werden.
Aus Anlaß der Reise des Reichspräsidenten in das befreite Gebiet veranstaltete die Berliner Funkstunde heute abend eine Befrei u n g s f e i e r , deren Darbietungen auf den rbeinifch-westfälifchen Sender übertragen wurde. Zer Chor „Wach auf, es naht der Tag"
Nr. 218 Erster
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Daß es sich hier um einen vorbereiteten Anschlag handelte, darf wohl als feststehend hingenommen werden, denn schließlich wird sich der Vetreffende nicht zum Vergnügen mit sehr gefährlichen Sprengstoffen in das vom Präsidenten besuchte Stadion der Stadt Mexiko begeben haben. Trotz der großen Beliebtheit, der sich Calles beim mexikanischen Volle erfreut, hat er doch zahlreiche Feinde. Vor allem die Großgrundbesitzer gehören zu seinen erbittertsten Gegnern, da er die ausgedehnten privaten Landbesitze zugunsten der ärmeren De-
f unf t zwischen dem polnischen Außenminister Skrzynski unb Tschitscherin. Das Blatt glaubt w wissen, bah Tschitscherin ben Gedanken erwäge, den ganzen vertrag mit Deutschland zu lösen und ein Abkommen mit Frankreich und Dolen hex- beizuführen. Skrzynski, der gestern den Quai d Orsay aussuchte, soll auch die warschauer Zusammenkunft zur Sprache gebracht haben. Durch Vermittlung des polnischen Auhenministers will Tschitscherin ferner Frankreich ein Kompromiß hinsichtlich der Schuldenfrage unterbreiten lassen.
Wiederaufnahme der deutsch- polnischen wirtschastsverhand- lungen.
Berlin, 16. Sept. (WTB.) Gemäß der im Juli dieses Jahres getroffenen Vereinbarung wurden die Verhandlungen über den Abschluß eines deutsch-polnischen Handelsvertrages heute in einer gemeinsamen Sitzung der beiderseitigen Delegationen im Auswärtigen Amt wieder aufgenommen. Beide Seiten wünschten möglichst bald zu einer Verständigung zu gelangen, wobei der deutsche Bevollmächtigte, Dr. Lewald, betonte, daß auf deutscher Seite der Abschluß eines definitiven Handelsvertrages angestrebt werde, während der polnische Bevollmächtigte, P r a d z y n- s k i, den Abschluß eines Provisoriums als Vorstufe zum definitiven Handelsvertrag vorschlug. Schließlich wurde vereinbart, vor Beginn der offiziellen Kommissionsfihungen im Wege unverbindlicher Besprechungen zwischen je zwei von beiden Bevollmächtigten ernannten Vertretern das aus den früheren Verhandlungen vorliegende Material zu prüfen und eine Klärung der bestehenden Differenzpunkte vorzubereiten.
Das deutsch-belgische Handelsabkommen.
Berlin, 17. Sept. (Tel.) Der Austausch derRatifikationsurkundenzu dem vorläufigen Handelsabkommen zwischen Deutschland und der belgisch-luxemburgischen Wirtschaftsunion hat gestern im Auswärtigen Amt zwischen dem Staatssekretär von Schubert und dem hiesigen belgischen Gesandten stattgefunden. Das Abkommen tritt am 11. Oktober d. I. in Kraft. Gleichzeitig wurde dem belgischen Gesandten eine Rote übergeben. Darin heißt es, daß die deutsche Regierung für den Fall, daß die belgische Regierung später zur Einführung der 26pro- zentigen Reparationsabgabe schreiten sollte, in einer solchen Maßnahme eine Diskriminierung der deutschen Waren auf dem belgischen Markt gegenüber den Waren aus dritten Ländern sehen müßte und daß eine solche Diskriminierung mit dem Grundsatz der Meistbegünstigung im Widersprach stünde, auf dem das vorläufige Handelsabkommen zwischen der belg' sch-luxemb^rgischen Wirt- schaftsunion und Deutschland vom 4. April 1925 aufgebaut sei. Delaischerseits wurde hierzu er- klärt, daß die belgische Regierung sich in solchem Falle vorher mit der deutschen Regierung ins Benehmen sehen würde.
Die Einladungsnote.
Berlin, 16. Sept (TA.) Da» von dem französischen Botschafter dem Reichsaußenministec übergebene Memorandum Hal folgenden Wortlaut: „Bel Uebergabe der Rote vom 24. August dieses Jahre» an Herrn Dr. Strefemann war der französische Botschafter beauftragt worden, dem Minister der auswärtigen Angelegenheiken mitzu- fellen, daß die französische Regierung, in llcbereln- fflmmung mit ihren Alliierten, es für zweckmäßig halte, Im Falle einer günstigen Ausnahme der be- relchneten Rote durch die deutsche Regierung den Abschluß der eingeleiteten Verhandlungen durch eine Zusammenkunft juristIfcher Sachverständiger und weiterhin durch eine Begegnung der Außenminister der beteiligten Staaten zu beschleunigen. — Rach den nunmehr abgeschlossenen Besprechunaen der Juristen in London, glaubt die französische Regierung unb ihre Alliierten, daß die in Frage kommenden Staaten ein gemeinsames Interesse daran haben, die Verhandlungen nicht In die Länge zu ziehen und dag der Augenblick gekommen ist, um einen Zeitpunkt für d I e geplante Zusammenkunft f e ft tu sehen. Für diesen Zweck dürfte das Ende de» Monats September oder spätestens die ersten läge de» Monats Oktober ein geeigneter Zeitpunkt sein. Vie Konferenz würde auf neutralem Gebiet, zweckmäßigerweise in der Schweiz, »nden, und zwar an einem Ott, über den sich egierungen noch zu einigen hätten Die französisch« Regierung und ihre Alliierten hoffen zuversichtlich, daß diese Vorschläge den wünschen der deutschen Regierung entsprechen und daß diese in der Lage ist, ihnen alsbald ihre Zustimmung mit- iutellen."
Die Note Frankreichs enthält nichts darüber hinaus, was nicht schon bekannt wäre. Cs ist jetzt Ausgabe der Diplomatn, die letzten Hindernisse für die jür Ende September oder Anfang Oktober in Aussicht genommene Außenministerzusammenkunst ms dem Weg zu räumen. Soweit sich übersehen läßt, haben die Regierungen in Paris, London mb Brüssel nichts mehr gegen eine stärkere Vertretung Deutschlands aus der Konferenz einzuwenden, wodurch sich Aussich- ien dafür erschließen, daß diese Zusammenkunft den Charakter einer Dollkonferenz tragen wird. Da Mussolini endgültig auf eine Beteiligung verzichtet hat — er ist sich darüber klar geworden, daß er eine Garantierung der Brenner Grenze durch uns doch nicht zu erreichen vermag, — wird sich die Aussprache lediglich um den West- palt drehen, zumal in London auch über nichts anderes gesprochen wurde. In der Zwischenzeit fährt die Reichsregierung noch für einige Tage zu den Befreiungsfeiern ins Ruhrgebiet, sowie sie zurückgekehrt ist, wird sie sich in einem großen Kabinettsrat am 21. September mit den Er- aebnissen der Bemühungen der Diplomaten beschäf» 'ligen und sich über ihre weitere Haltung schlüssig werden. Für ben 23. September ist bereits der Auswärtige A usschuß einberufen, bem das Kabinett vermutlich sthon Mitteilungen über feine Beschlüsse vom voraufgegangenen Montag machen wird.
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