Ausgabe 
17.8.1925
 
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persischen Parlaments gekommen war. Während der russische, englische, holländische und türkische Ge­sandte in den kritischen Tagen des Bürgerkrieges mehrere Audienzen beim Schah gehabt und sogar verfolgten persischen Politikern Zuflucht in ihren Gesandtschaften gewährt hatten, hatte er ein solches Asyl niemandem aewährt, sich im diplomatischen Storps ausdrücklich gegen den Vorschlag eines Kol­lektivschrittes beim Schah erklärt, weil das eine Ein­mischung in innerpolitische Angelegenheiten dar- stelle, und schließlich vor Herstellung des inne­ren Friedens weder mit dem Schah noch mit dem Parlament eine Verbindung angeknüpft, sondern sich auf die Rolle des aufmerksamen Beobachters be­schränkt. Als Richthofen seinen russischen Kollegen wegen jener Beschuldigung zur Rede stellte, wies dieser die Urheberschaft von sich ab und berief sich auf Telegramme Iswolskys: Also der eine Russe schob die Schuld auf den anderen, der beste Beweis, daß die russischen Vorwürfe aus der Luft gegriffen waren.

Es ist kein Wunder, daß bei derartigen russischen Gesinnungen die Dertragsverhandlungen nicht vor­wärts kamen. Der Botschafter in Petersburg, Graf Pourtales, erkannte bald, daß Iswolsky bösen Willen habe:Wir dürfen uns keinerlei Hoffnungen hin­geben," schrieb er (März 1908),daß die Dienste, die wir in den letzten Jahren Rußland erwiesen haben, bei diesen Verhandlungen irgendwie ins Gewicht fallen werden." In der Tot hat Iswolsky die von ihm selbst eingeleitete Verhandlung im Sande verlaufen lassen. Die deutschen wirtschaftlichen Beziehungen in Persien blieben infolgedessen ohne sichere Grund­lage, da sie stets mit dem Uebelwollen des einfluß­reichen russischen Gesandten zu kämpfen hatten. Auch die Bankgründung kam trotz der Bemühungen der deutschen Regierung nicht zustande, offenbar weil der deutschen Finanzwelt das Unternehmen unter diesen Umständen nicht sicher genug erschien.

Der Geist, der die russische Regierung beseeUe, läßt sich vielleicht noch deutlicher an einer anderen Episode erkennen.

Zwischen Persien und der Türkei bestanden seit dem Herbst 1905 ernste Grenzstreitigkeiten. Von bei­den Seiten wurde Deutschland um Vermittlung an- gerusen; ja, der Schah ließ in Berlin vorschlagen, der deutsche Kaiser, zu dessen Objektivität beide Par- leien Vertrauen hätten, möge einen Schiedsspruch fällen, oder mindestens möge er ein internationales Schiedsgericht unter Beteiligung Deutschlands zu- standebringen, damit nicht Rußland und England eingriffen und eine Entscheidung nach ihrem Inter- esie fällten. Es ist selbstverständlich, daß Deutsch­land bei seinem vorsichtigen Entschluß, jeden Zwist mit Rußland und England zu vermeiden, hierauf nicht eingehen konnte, vielmehr in Konstantinopel wie Teheran dringend empfahl, sich durch gegen- kitire Nachgiebigkeit zu einigen und j.des cnropä- ischeEingreifen überflüssig zu machen. Als tro 'm der Sultan sich anschickte, in der Nachbarschaft des f!rilligen Gebietes Truppen zu konzentrieren, im>c tict der deutsche Botschafter diesen Schritt lebhaft, weil er der Frage besondereSchärfe verleihen werde. Es ist nun bezeichnend, daß, sobald die l ircischen Rüstungen bekannt wurden, eine heftige Polemik russischer und französischer Zeitungen gegen De'tsch- land, den angeblichen Anstifter der türkischen Maß­regeln, einsetzte, obgleich die deutsche Regierung in Petersburg keinen Zweifel über ihren Standpunkt gelassen hatte.

Wie in der Dertragsfrage bildet nun auch in die­ser Angelegenheit der Abschluß der englischen En- tonte einen Abschnitt: Die Sprache Rußlands wurde viel anmaßender. So sagte der russische Kriegs­minister dem deutschen Militärbevollmächtigten mit dürren Worten, Deutschland wünsche offenbar einen russisch-türkischen Krieg und habe deshalb den Sul­tan zu jenen Rüstunaen veranlaßt. (Anfang 1908.) Es ist selbstverständlich, daß diese Bemerkung eine scharfe Zurückweisung erfuhr, und heute können mir sogar erweisen .daß der russische Minister seine Be- ' hauptung wider besseres Wissen aufgestellt hat Aus den Veröffentlich'ngen der Gorojetreoierung kennen t wir die Protokolle der damaligen Ministerkonseils, und darin ist mit keinem Worte der Möglichkeit g<s * dacht, daß Deutschland hinter den türkischen Rüstun- gen stehe. Heber die türkischen Truppenbewegungen hat man ausführlich beraten: Hätte man einen Arg­wohn gegen Deutschland gehabt, wäre er in diesem intimen Zirkel zur Sprache gekommen. Es war also eine böswillige Verleumdung, die der Kriegsminister aussprach und gewiß auch hat in der Presse Der­breiten lasten.

Man sieht, alle Zurückhallung und peinliche Rücksichtnahme auf Interesse und Empfindlichkeit an­derer Mächte bewahrte Deutschland nicht vor belei­digenden Verdächtigungen und Schädigungen, und überall, wo es eine legale wirtschaftliche Tätigkeit versucht, stieß'es auf entscheidendstes Uebelwollen. Die ganze Geschichte der deutschen Beziehungen zu Persien in dieser Zeit liest sich wie eine Erläute­rung des Satzes:Es kann der Frömmste nicht im Frieden bleiben, wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt."

Abbruch der Friedensverhandlungen.

Eine spanische Erklärung. Die Offensive gegen Abd el Krim.

Berlin, 17. Aug. (TU.) Das spanische Direktorium nimmt in einer Mitteilung an die Presse zu den Friedensverhandlungen mit Md el Krim Stellung. Die Bedingungen Md el Krims enthielten maßlose Forderungen, wie z. B. die vollkommene und bedingsungslose Un­abhängigkeit des Rifgebiets, Uebergabe eines zahlreichen Flugzeugmaterials, Bezahlung großer Summen als Entschädigung für die Bor fälle von 1921. Es sei nicht möglich gewesen, angesichts derartiger Forderungen in Ver­handlungen einzutreten. 3m Einver­ständnis mit Frankreich, in dem Wunsche, alle friedlichen Mittel zu versuchen, und angesichts der Tatsache, daß die Betätigung Frankreichs und Spaniens für das Protektorat ein Werk der Zivilisation und der Menschlich­keit sei, hätten beide Länder die Grund- bebingunge n f e ft gelegt, unter denen Zugeständnisse bis zur Grenze des Möglichen gemacht werden könnten. Man gestehe den Aus­ständigen eine weitgehende und liberale Autonomie in ihrem Gebiet unter der Souveränität des Sultans und des Kalifen zu sowie alle Erleichterungen, damit die heute aufständigen Eingeborenen des Rifs und des Djebalagebiets die Borteile der Zivilisation genießen könnten, obwohl Spa­nien und Frankreich deshalb wirtschaft­lich Opfer bringen müßten, die der Welt wieder einmal ihre Selbstlosigkeit bewiesen. Wenn auch Berhandlungen noch nicht stattgefunden hät­ten, kenne Abd el Krim sehr wohl die Grund­

lagen für den Frieden. Spanien»und Frankreich hätten aber auch die Gewißheit, daß er weiter bei seiner Auffassung beharre, keine Diskussion ohne' vorherige Anerkennung der Unabhängig» feit des Rifstaates zuzulassen. Unter derartigen Bedingungen sei eine Verhandlung nicht möglich.

Primo de Rivera, der gegenwärtig in Ma­rokko weilt, trifft in den nächsten Tagen in Ma­drid ein. Wie verlautet, sollen hier erneut wichtige Besprechungen stattfinden, die die französisch-spa­nische Zusammenarbeit in Marokko, insbesondere aber d i c geplante Offensive gegen Abd el Krim zum Gegenstand haben. Der französische Un­terhändler M a l v y ist nach San Sebastian abge­reist und wird vom König in seiner Sommer- residenz in Audienz empfangen werden. Die Ope­ration gegen d i e Alhucemasbucht wird endgültig am 24. August beginnen. Die Truppen werden unweit von Sidi Briß gelandet werden, um Alhucernas von der Seite her anzugreifen. Alle vorbereitenden Arbeiten sind beendet. An Truppen- Verstärkungen für die Operation sind 40 000 Mann vorgesehen.

Dom marokkanischen Kriegs­schauplatz.

Paris, 16. Aug. (WTB.) lieber die Lage an der französischen Marokkofront wird aus Fez vom 15. August berichtet, daß in verschiedenen Ab­schnitten die Stämme große Kampfesmüdig- k e i t zeigten. In der Gegend von Quezzan sollen die Beni Isis und die Ohmes sich vom Kampf z u - rückziehen. Zwei Unterstämme der Beni Mes- gilda hätten sich unterworfen. Im östlichen Front- abschnitt zogen sich die Tsouls aus Furcht vor einer Offensive nach Norden zurück. Nördlich von Tauna halte sich der Feind weiter auf. Zwischen den Rif­truppen und den Spaniern sollen im Abschnitt von Mellilla Kämpfe im Gange sind.

Vie Annexion Spitzbergens.

Mit Zustimmung der europäischen Mächte ist Spitzbergen nunmehr in feierlicher Weise in den Besitz Norwegens übergegangen. Cs wird von jetzt an Svalbard heißen. Spitzbergen selbst war bisher ein herrenloses Ge­biet, es wurde seit 1872 auf Grund eines zwi­schen Rußland, Schweden und Rorwegen abge­schlossenen Vertrages international ver­waltet, erst in den letzten 3ahren hat Spitz­bergen für Europa wegen seiner aus i:vehnten Kohlenlager größere BedA'.t-'.ng erfaugt urb namentlich in Rorwegen erhebliches Interesse erweckt. Rach längeren Verhandln:g'n zwi'chen Tid w.'ien u:.d d t e römischen Mach i ist e3 gel egen, 'xa3 ai e Aximmrn g ? g e den Oillcn R . ß ! a ds a f'uneben u:d Svih- i"rge r dnn nor'Jx^L?Staat? e v. ort bm. '2l'rlv - 'c s-bst gc"'X v.it in Wirts -aftl ch' /Vn= i J>t d "ch d ? Tle'er'ahme 0'?i':b .rg~:: es i ) rach A 'tVau b?- d^rt gen Kohlengr b:: von der Kohieneinsuhr im tve'entlichen besrei n und Hier he mischen E ' ndustrie eine eigene Kohlenbasis geben kann.

Kroatische Jahrtausendfcier.

Die Iahrtausendseier des kroatischen König­reichs wurde in Anwesenheit des Kö­nigspaares und verschiedener Kabinettsmit- gliedec festlich begangen. Aus allen Teilen des Landes teuren schon am Vorabend über 100 000 Festteilnehmer in Agram eingetroffen, die wegen der Lieberfüllung der Stadt zum großen Teil im Freien übernachten mußten. Besonders bemerkt wurden Abordnungen der kroatischen Sokolin, die von historischen Statten ihres Lan­des Erdschollen mitbrachten, um sie zu einer GedenkP^r nnide zu vereinigen. Jin Stadion fand vor dem Königspaare eine Parade von 23 000 Sokolmannschrsten statt. In der Presse wird die Feier als unvergeßliche Besiegelung des serbisch-kroatischen Zusammenschlusses bezeichnet.

kleine politische Nachrichten.

Das französische Kriegsgericht in Mainz ver­urteilte den Prof. Josef Berg aus Essen zu einem Jahr Gefängnis und den Kaufmann Hugo Oppermannn aus Essen zu 4 Mo­naten Gefängnis. Die Angeklagten waren be­schuldigt, im Ruhrgebiet Spionale getrie­ben zu haben.

Das französische Militä rpolitzei- gericht in Wiesbaden verurteilte wiede­rum nicht weniger als 107 Personen aus dem unbesetzten Gebiet zum Teil zu recht hohen Geldstrafen, weil sie nicht im Besitz eines vorschriftsmäßigen Passes waren.

Die Kölner Iahrtausendausstellung wurde durch einen schlichten Festakt im Ehrenhof der Meße geschlossen. Insgesamt haben rund 1,5 Millionen die Ausstellung besucht.

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Am Sonntag begingen die alten Kolonial- krieger in Potsdam ihre Fahnenweihe in festlicher Weise. Unter den Fahnenabordnungen be­merkte man auch drei historische Fahnen, die von Tsingtau, Windhuk und die alte Wißmann-Fahne. Nach der Weiherede vollzog der ehemalige afrika­nische Feldgeistliche, Missionsinspektor Dr. Schrei­ber, die feierliche Weihe der Fahne. Der Feier, zu der die alten Kolonialkrieger aus nah und fern zu- fammengeftrömt waren, wohnten auch Prinz Eitel Friedrich mit Gemahlin und das Prinzenpaar Oskar bei.

Die Iuglelephonie.

Einführung auf der Streite Hamburg Berlin.

Anläßlich der Einführung der drahtlosen Eisenbahnzugtelephonie auf der Strecke Ham­burg-Berlin veranstaltete die Eisenbahndirektion Altona eine Sonderfahrt von Hamburg nach Ha- aenow und zurück, an der u. a. die beiden ham­burgischen Bürgermeister Petersen und Schramm, die Bürgermeister von Lübeck und Altona, sowie eine Reche von Vertretern der Behörden teilnahmen. In dem als Vor­tragsraum für diesen besonderen Zweck her- gerichteten Wagen begrüßte der Präsident der Reichseifenbahndirektion. Dr. Schneider, zu­gleich namens der Firma E. F. Huth und der Zugtelephonie-A.-G. die Gäste und führte dabei etwa folgendes aus: Die Uebertragung von Mu­sik und Worten auf einen fahrenden Zug ist be­reits auf amerikanischen Eisenbahnen möglich. Zum ersten Male in der Welt bietet aber das System der Firma Erich F. Huth, das jetzt ein­geführt werden soll, die Möglichkeit einer

wechselseitigen Fernsprechverbin­dung von einem fahrenden Zuge zur Außenwelt. In einmütiger Zusammenarbeit zwischen der Erfinderfirma, der Reichspost und der Reichseisenbahnverwaltung ist das System derart ausgebildet worden, daß für die Reisen­den eine Verbindung mit jedem be­liebigen Postfernfprechteilnehmer, also auch weitab von der Strecke, und umgekehrt für jeden Fernsprechteilnehmer eine Verbindung mit einem fahrenden Zug hergestellt werden kann. Als die ersten sollen die O-Züge zwischen Hamburg und Berlin ausgerüstet werden. Rach und nach soll die Zugtelephonie auch auf den übrigen bedeutenden Strecken des Deutschen Rei­ches eingeführt werden. Im Zuge sowohl wie auf den Landstationen, die sich an den Enden der Strecke und bei längeren Bahnlinien auch unterwegs befinden, ist jedesmal ein Sender und ein Empfänger ausgestellt. Auf der Strecke HamburgBerlin befinden sich solche Landstationen in Bergedorf, Wittenberge und Spandau. Wird nun vom Zuge aus gesprochen, so werden die von der Sprache beeinflußten elektrifchen Wellen von den Sendeantennen auf dem Wagendach ausgestrahlt, treffen auf die gegenüberliegenden Telegraphendrähte, laufen an diesen entlang und gelangen schließlich zu dem Empfangsapparat auf der Landstation. Hier werden die ankommenden Zuggefpräche auf die Postleitung übergeschaltet und dann im Fernamt der Post ebenso behandelt wie an­dere Ferngespräche. Ruft umgekehrt ein Fern­sprechteilnehmer den Zug an, so leitet die Post fein Gespräch zur Landstation, die es auf dem­selben Wege der Poft zuführt. Diese Einrich­tungen lassen erkennen, daß es ohne weiteres möglich ist, auch von einem Zuge zum andern zu sprechen oder sich von dem Fern­amt der Post mit Orten verbinden zu lassen, die nicht an der Strecke liegen, und daß um­gekehrt von jeder beliebigen Stelle aus, soweit sie an das öffentliche Fernsprechnetz angeschloffen ist, der Zug angerufen werden kann. Auch Tele­gramme und sonstige Bestellungen werden von und nach dem Zuge übermittelt.

Rach diesen mit großem Interesse aufgenom­menen Darlegungen war einer Reihe von Fahrt- teilnefjmen Gelegenheit geboten, sich durch Tele­phongespräche mit der Außenwelt persönlich von der praktischen Verwendbarkeit der neuen Ein­richtung zu überzeugen. Der kurze Bericht, wel­chen der Vertreter des Wolfsbureaus an die Hamburger Zweigniederlassung gab, wurde gut verstanden, und umgekehrt stand der Zug i n ständiger Verbindung mit dem Ham­burger Rundfunksender, der Fohr!t:il- nehn"?rn Rachrichten sowie während des von der Zugtele'-bonie-A.-G. im S ei'ew^gen ge­gebenen Frih'tücks musikalische Darbietungen übermittelte. Der öf'entl'.che Betrieb für das reifende Publikum, der in den Händen der Zugtelephonie-A.-G. liegt, wird binnen kurzem in den O-Zügen HamburgBerlin ausgenom­men werden.

Aus aller Welt.

Die spanischen Acrzte in Berlin.

Berlin, 16. Aug. (TU.) Reichskanz­ler Dr. Luther gab Samstag abend zu Ehren- der spanischen Aerzte einen Empfang, zu dem etwa 100 Einladungen ergangen waren. A Sonntag unternahm die spanische Aerzte- n.i on einen Ausflug nach Potsdam, um das dortige Verforgungskrankenhaus für tuberkulöse Kriegsbeschädigte zu be­sichtigen. Die parkartigen Anlagen mit ihren licht- und luftumspielten Liegehallen gewähren Lungen- und Knochentuberkplösen, die im Kriegs­dienst erkrankt sind und solchen Kriegsbeschädig­ten. deren Erkrankung den Verdacht der Tuber­kulose rechtfertigen, unbegrenzten Kuraufenthalt. Die spanischen Säfte zeigten sich von dem kur­zen Rundgang durch die Anstalt überaus befrie­digt. Roch größer war ihre .Bewunderung bei der Besichtigung des Oskar-Helene- Heims in Zehlendorf.

Die von Professor B i e s a l s k i geleitete ortho­pädische Klinik, in der sie das gewaltige medi­zinische Rüstzeug im Kampfe gegen das Krüppeltum fennenlernten, die pädagogische Abteilung mit ihrem psychologischen, fein abgestuften Lehrplan, die Werk- stätte für die verschiedenartigen Handwerke, in der jugendliche Krüppel herangebildet werden, die Her­stellungsräume für künstliche Gliedmaßen, die Liege­hallen, Spiel- und Turnsäle, die Planschwiese, das Sonnenbad und ein regelrechtes Stadion, alles das erweckte die Verwunderung der Spanier, die ge­standen, daß man so etwas in der ganzen Welt nicht noch einmal finde. Am Montag begibt sich die spanische Aerztekommission nach Frankfurt a. M.

Eröffnung deS Kongresses studentischer natio­naler Verbände.

In Kopenhagen wurde in der Aula der llniöerfität in Anwesenheit des dänischen Außenministers der diesjährige Kongreß der Gemeinschaft Studentischer Rationaler Verbände eröffnet. Der Kongreß ist von allen euro­päischen und amerikanischen Stu­dentenschaften beschickt. Der deutschen Delegation, die von Walter Zimmermann geführt wird, gehören neben den Vertretern der reichsdeutschen Studentenschaft auch solche Oesterreichs. Danzigs und der deutschen Studentenschaften der Tschechoslowakei an. Die Verhandlungen des Kongresses finden in Ryborg statt. Es werden Fragen, die für die Studenten aller Länder von Interesse sind, be­handelt werden. Der Kongreß wird acht Tage dauern.

3um Breslauer Doppelmord.

Zu dem Doppelmord in der Villa Rosen ist noch zu melden: Durch die Vernehmung des Dienstmädchens des Professors, Marie Grabsch, bekommt die Angelegenheit nunmehr ein etwas llareres Ansehen. Die Grabsch gibt zu. Rufe von fremden Männerstimmen gehört zu haben:Oeffnen! oder tetr schießen!" In ihrer Angst versteckte sie sich dann in ihrem Zimmer und kam erst wieder hervor, als sie bekannte Stimmen, und zwar die des jungen Ehepaares Stock hörte. Cs hat sich herausgestellt, daß die Grabsch die Dertrauensperson des Pro­fessors Rosen war. Deshalb war sie auch der Reumann im Wege. Anscheinend tag Eifersucht vor. da Rosen mit der Grabsch Ausflüge gemacht und dieser auch reichliche Ge- schercke zugewandt haben soll. Es stellt fich jetzt auch heraus, daß zwischen der Reumann und Prof. Rosen Zerwürfnisse bestanden haben, welche diesen veranlaßten, seine Mahlzeiten außer dem Hause einzunehmen und erst nachts in seine

Wohnung zurückzukehren. Die D l a i" polizeilich gesperrt. Rur d'.e ®rai'o; ha . .. ,, um die Hunde und das Geflügel zu füit:;-.-u

Mord oder Autounfall.

In dem Berliner Vorort Wittenau rorvöe Sonntag früh in der Rödern-Allee mitten ans bem Fahrdamm eineF rou st erbend nufgefunden. Die Lage der Frau und die schweren Wunden, die sie aufwies, Jiefjen es nicht ausgeschlossen erscheinen, daß ein Sittlichkeitsverbrechen vorliegt. Die Ermitt­lungen der Mordkommission ergaben jedoch die Mög­lichkeit, daß die unbekannte Tote das Opfer eines Autounfalls geworden ist. Erst die beutestattfindende Obduktion wird die volle Gewißheit geben können.

Aebersatt im Zuge.

In der Rächt auf Sonntag wurde auf einen Reisenden des Zuges Braunschweig- Seesen bei Leinefelde ein Raubüberfall verübt. Der Reisende wurde mißhandelt und sei­ner Barschaft beraubt. Die Täter konn­ten entkommen. Sonntag abend wurden zwei verdächtige Personen von der Kriminalpolizei festgenommen.

Kommunistischer Uebecsall in Berlin.

Angehörige ter Kommunistischen Partei Hutten in Charlottenburg ein Drahtseil über die Straße gespannt und dadurch einen Radfahrer zu Füll--gebracht. Er wurde daraus von den Kommunisten blutig geschlagen, wahrscheinlich weil er dem Dis- marckbund angehörte. Hierauf flüchteten die An­greifer. Einer von ihnen, ein 19 Jahre alter Arbeiter, ist jedoch von Zeugen erkannt worden.

Tob in den Bergen.

Wie das Berner Tageblatt aus Kander­st e g erfährt, ist heute nachmittag 4 Ufjr an den Fisi Stöcken eine Frau Hochstädter aus Frankfurt a. M tödlich abgestürzt. Eine Dergungskolonne ist abgegangen. Frau Hoch- ftädter bestieg die Fisi Stöcker mit ihrem Manne, der Rechtsanwalt ist.

ThphuS in Demburg.

In das Bernburger Krankenhaus wurden elf typhuskranke Personen eingeliefert.

60 Personen an Fleischvergiftung erkrankt.

In Gröbitz bis Halle erkrankten 60 Per­sonen an Fleischvergiftung. Sie hatten von einem Schwein genossen, das der Fleischbeschauer für nicht ganz einwandfrei erflärt hatte.

W ederau sieben der hannoverschen Moorbrände.

Der Mvovbrand bei Redde ist neu ent­nimmt und hat sich sofort weiter ausgedehnt. ,D'.s Feu-r brannte unter irdisch weiter und hat die im Moor stehenden Bäume auf weite Strecken dadurch entwurzelt, da das Moor, in dem sie wurzelten, verbrannt ist. Die Däurne sind umgestürzt und liegen zu tausenden cm Boden, so daß die Fläche einem undurchdring­lichen Gestrüpp gleicht. Die ganze .Umgebung ist in Rauchwolken gehüllt. Auch dec Brand im Warmbücher Moor bei Hannover ist noch immer nicht gelöscht, so daß noch täg­lich die Feuerwehr eingreifen muß.

Cholcra-Epidemie in Schanghai.

Eine Cholera-Epidemie ist ausgebrochen Man verzeichnet mehr als 500 Krankheitsfälle, davon seien 25 bereits tödlich verlaufen.

Wettervoraussage.

Bei veränderlicher Bewölkung mäßig warm, aber Temperaturen ansteigend, meist trocken.

DaS Zuströmen von Lust aus vorwiere.ch nördlicher Richtung und die Zunahme der Be- toöüung hat die Temperaturen des gestrigen Tages weiter sinken lassen. Für Gießen ist des Minimum 2,1 Grad C. tiefer als am Vortage: int wesentlichen Fortdauer der herrsche:tden Witte­rungsformen noch in Aussicht. Wir liegen auf der Südwestsront mehrerer Störungen, die voy Skandinavien südostwärts ziehen. Mit dem Em» treten leichter Regcnfälle ist zu rechnen. Der über Mitteleuropa bisher liegende hohe Druck wird auch von Westen her abgeschwächt.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 17,3 Grad Celsius, Minimum 11,3 Grad Celsius.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 17. August 1925.

Von der Landes-Universität. Die Veterinärmedizinische Fakultät der Univer­sität Gießen hat im laufenden Jahre folgende Herren ehrenhalber zum Doktor der Veterinär­medizin promoviert: Prof. Dr. E. Zschokke. an der Veterinärmedizinischen Fakul ät der Uni­versität Zürich. Prof. Dr. O. Rübe li, an der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Bern. Prof. Dr. M. v. Sußdors, früher Di­rektor der Tierärztlichen Hochschule zu Stuttgart.

Viehmärkte in Gießen. Laut An­zeige finden am Dienstag, 18., und Mittwoch, 19. August, die Viehmärkte in Gießen statt.

Die städtische Fuhrwerkswage in der Frankfurter Straße ist fertiggestcllt und ist ab heute, Montag, der Benutzung freigegeben.

* Persönliches. (Siubicntat Schmidt, Gießen, ist ab 10. August an die Oberrealschule in Butzbach versetzt worden. An seine Stelle tritt Studienrat Plötz, Butzbach.

* Landwirtschaftliche Unfall- renten-Empfänger. Durch daS 2. Gesetz über Aenderungen in der Unfallversicherung vorn 15. Juli 1925 ist es nötig geworden, daß die Land- und forstwirtschaftliche Berufsgenossen­schaft in Darmstadt alle Renten aus Unfällen vor dem 1. Juli d. 2s. umrechnet. Es handelt sich dabei um eine sehr große Zahl es kom­men zirka 9000 Renten in Betracht und es ist deshalb klar, daß die Berufsgenossenschaft eine gewisse Zeit zu dieser Umrechnung braucht. Die Rentenempfänger werden daher in ihrem eigenen Interesse und im Interesse der anderen Rentenberechtigten ersucht, in der nächsten Zeit Anfragen an die Berufsgenossenschaft zu unter­lassen, welche die Reufestsehung der Renten zum Gegenstand haben. Bei der großen Arbeit, die die Berufsgenossenschaft mit der Umrechnung der Renten zu bewältigen hat, können derartige Anfragen, die an sich zwecklos sind, nicht beant­wortet werden.

!*! Hassia-Sonderfahrt nach Leipzig. Vom 17.19. Oktober findet in Leipzig der große Deutsche Kriegertag des Reichskriegerver­bandesKysihäuser" statt. Man rechnet mit einem Besuch von etwa 200 000 ehemaligen Soldaten aus allen Teilen des Reiches. Auch die Kriegerkamerad­schaft Hassia will einen Sonderzug ab Frank-