Ausgabe 
17.7.1925
 
Einzelbild herunterladen

größere Anzahl von Flugzeugen nach Marvtco zu schicken. Pata in erklärte vor seiner Abreise, vor allen Singen müsse bei den Truppen, die schon monatelang in Marokko übermäßigen An­strengungen aushalten, das Vertrauenwie- derhergestellt werden. Es würden Ver­stärkungen von Oran und weiter von Easablanca herangezogen werden.

Neue Erfolge der RifKabylen.

M a d r l d, 16. Juli. (TA.) 3n Madrid wird offiziell bestätigt, daß die Rif.Kabhlen Dab e l L a z - a, einen strategisch wichtigen Vorort von Tazza, eingenommen haben und die Bahnlinie nach §ez beherrschen. Aus sicherer Quelle wird ferner berichtet, daß die Gar­nison von Ah i ans, 22 Klm. nordwestlich von Aezzan, von den Rifkabhlen genommen wor­den ist. Die Garnison soll gefangen genommen und in das Innere des Landes abgeführt wor­den sein.

Französische Flottenrevue.

Paris, 16. Juli. (MTV.) Die Flotten­revue. die heute vormittag in Cherbourg in An­wesenheit des Präsidenten der Repu­blik, des Ministerpräsidenten und sämtlicher Minister stattfand, war die erste Flottenkund­gebung, die in Frankreich seit dem Jahre 1911 stattgefunden hat. Es nahmen an ihr etwa 60 Einheiten des Mittelmeergrschwaders. der Kanal­und der Rordsee-Sivisivn teil sowie zahlreiche Schulschiffe und ein Teil der Wasserflugzeuge. Im ganzen zählte man ohne Grohkampfschiffe 6 Panzerkreuzer, 30 Torpedoboote und 20 Anter- seeboote. Außerdem ist ein riesiges Antersee- b o o t, das den RamenRedoutable" erhalten soll, auf Kiel gelegt worden. Auf dem Panzer­kreuzerParis" fand nachmittags ein Galafrüh­stück statt, in dessen Verlauf nach Begrüßung durch den Marineminister der Präsident der Republik eine Rede hielt.

England und China.

Berlin, 17. Juli. (TU.) Wie derLokalanz." aus London meldet, hat die englische Regierung den in China interessierten Mächten eine Note zu- gestellt, in der sich

1. England mit einer Untersuchung der Vorfälle in Schanghai durch dortige Unparteiische einverstanden erklärt:

2. unter der Bedingung, daß China das ihm etwa zur Verfügung gestellte Geld für den Wiederaufbau, nicht aber für militä­rische Zwecke verwendet, ist England bereit, an einer von Amerika einberufenen Kon­ferenz über die chinesische Zoll­frage teilzunehmen;

3. ^ie britische Regierung würde bei einem er­folgreichen Verlauf der Verhandlungen mit der Einsetzung einer Kommission einverstan­den sein, die die Exterritorialitäts- frage erörtert.

Wie der Korrespondent derChikago Tribüne" aus Schanghai berichtet, beanstanden die Chinesen in der Hauptsache, daß die Schanghaier Mu- nizipalbehörden ihren Beamten die Höch st en Gehälter bezahlen, welche jemals in irgendeiner Stadt der Welt bezahlt wurden, und daß alle britische Beamte seien. Es gingen ferner Gerüchte um, daß die chinesische Handels- I kammer ein geheimes Dokument vorbereite, welches Bestechung und Korruption der einzelnen | Abteilungen der Stadtverwaltung sowie auch der Verwaltung des gemischten Gerichtshofes vorwerfe. Die Handelekammer beabsichtiot, dieses Dokument zu veröffentlichen, falls der Munizipalrat ab- lehnen sollte, den chinesischen Forderungen auf B e- teiligung an der Lokalregierung statt­zugeben.

Der deutsch-polnische Wirt chaf skrieg.

Vertagung dor deutsch-polnischen HanÄclsvertragsvcrhandiun en.

Berlin, 16. Juli. (MB.) Die polnische Delegation für die deutsch-polnischen Handels­vertragsverhandlungen hat aus das letzte Schrei­ben des deutschen Bevollmächtigten, in dem Deutschland die polnischen Forderungen als un­annehmbar bezeichnete, bisher eine sachliche Antwort nicht erteilt . Der polnische Bevoll­mächtigte hat indessen mündlich angeregt, spä­testens am 16. September zusammenzukvmmen, um die Lage sodann einer Prüfung zu unterziehen. Der deutsche Bevollmächtigte hat sich jederzeit zu neuen Verhandlungen bereit erklärt, sobald Polen anderweitige Vorschläge macht. Bei den zur Zeit bestehenden Gegensätzen wird allerdings eine erneute Prüfung der Lage im September nur dann zur Beilegung des Wirt­schaftskrieges führen können, wenn Polen sich zu erheblichen Konzessionen versteht

Hessischer Landtag.

Um die Landwirtschaftskammer. Theaterfragen.

Darmstadt. 16. Juli. (Eigener Bericht.) Präsident Adelung eröffnet die heutige Sit­zung um 91/* Ahr. Das Haus tritt sogleich in die Beratung des Voranschlags ber Kapitel 85 Landwirtschaftskammer" ein. Abg. Schott (D. D. P.) beantragt hierzu eine Er­höhung des staatlichen Zuschusses für die Kam­mer. Abg. Lux (Soz.) beantragt, daß die Land­wirtschaftskammer eine Rachweisung über die Verwendung der Staatsbeiträge dem Landtag vorlegt. Weiter fordert Abg. Lux. daß von dem Betrag von 11470 Mark zur Förderung der Rindviehzucht auch für Schwarzbuntvieh ein Teil Verwendung findet.

Abg. Lux weist in der mündlichen Begrün­dung zu feinem Antrag daraus hin. daß die Kosten der Landwirtschaftskammer im Verhält­nis beträchtlicher gestiegen seien als die Staats­ausgaben, und zwar um 50 Prozent: die Staats­ausgaben mir um 46 Prozent. Die Umlagen der Landwirtschaftskammer seien um 120 Pro­zent gestiegen. Der Redner macht dann auf tue Erhöhung der Deamtenzahl in der Landwirt- schastsiaminer aufmerksam und verlangt Abbau der Bauberatungsstelle, der Duchführungs- und der Steuerberatungsstelle sowie Aenderung des Landwirtschaftslammergesetzes in der Weise, daß der Beitritt fakultativ ist. DerLandwirtschaft­lichen Zeitschrift" werde ein Organ des Bauern­bundes beigelegt, das fei Politik, von der sich die Landwirtsc^lftskammer fernhallen sollte.

Abg. Schott (St. Dpt.) erklärt, die Deutsche Dolkspartei sei unbedingt für die

j-vdcung der

als ein wichtiger Zweig der Volkswirtschaft- Wer die Tätigkeit der Landwirtschaftlichen Institute und der Landwirtschaftskammer beobachtet, der muß einsehen, wie notwendig gerade jetzt die Förderung der Landwirtschaft ist und rote ste bedacht ist, sich alle Fortschritte zu eigen zu machen. Durch die Wetterkatastrophen des ver­gangenen Jahres sei ein gewaltiger Schaden an* gerichtet worden: die Abwehr- und Hilfsmlltel seien unzulänglich, nur angemessene Preise konn­ten durchgreifend helfen. Die Ansichten des Reichsbankpräsidenten über die Landwirtschaft seien durchaus irrig. Die K r e d i t e , die vom Reiche für den Weinbau ausgesetzt sind, durf­ten nicht für den Weinhandel verwendet werden. DieLandwirtschaftliche Zeitschrift werde unentgeltlich jedem Landwirt zugestellt, das Hot einen erheblichen Mehraufwand verur­sacht, der sich aber rentieren wird. Das Organ der Landwirtschaftskammer treibt keinerlei Poli­tik. Zum Schluß seiner Rede befürwortet Abg. Schott seinen Antrag auf

Erhöhung des staatlichen Zuschusses für die Landwirtschaftskammer.

(Lebhafter Beifall rechts.)

Abg. Angermeier (Komm.) macht ähn­liche Ausführungen wie der Abg. Lux.

Abg. Bla nk (Zentr.) wendet sich gegen die unbegrenzte Umlage der Landwirtschaftskammer, hält aber die Bauberatungsstelle für eine segensreiche ' Einrichtung, ebenso wenig sei die Buchführungs- und Steuerbera­tungsstelle zu entbehren, sie werde gerade von dem kleinen und mittleren Grundbesitz stark benutzt. Der Bauernbund möchte seine Beilage, die derLandwirtschaftlichen Zeitschrift" beigelegt wird, zurückziehen. Der Redner tritt für die Züchtung von Schwarzbuntvieh ein, in der Weise, daß man die Bullenhaltung nicht er­schwert. Zu tadeln sei es, daß mdn Vorstands» beschlüsse der Landwirtschaftskammer den Mit­gliedern nicht mitteilt. Das Zentrum werde für den Antrag Schott, aber auch für den Antrag Lux (Schwarzbuntvieh) ftimmen.

Abg. Dr. von H e l m o l t (Dbd.) erklärt, wenn der Bauernbund die Mehrheit in der Landwirtschaftskammer hat. so haben wir doch auch das Recht, unsere Meinung zu äußern. Im Vorstand sind die Parteien der Kammer ihrem Stärkeverhältnis entsprechend vertreten. Die Kosten der Beilage des Bauernbundes trägt die Organisation: andere Organisationen tonnen un­gehindert ebenfalls ihre Organe beilegen. Die Landwirtschaftskammer habe die Ausgabe, mit- öeizutragrn, die landwirtschaftlichen Betriebe auf höhere Leistungsfähigkeit zu bringen, gerade in der Gegenwart, darum ist ein Abbau von Einrichtungen schwer möglich. Darum sind Beuberatungsst^lle. Buch- und Steuerberatungs- stelle notwendig. Bedauerlich fei, daß ein Parla­ment, das von Viehzucht so gut wie nichts ver­steht, Entscheidungen von so weittragender Be­deutung, wie die Frage der Zucht des Schwarzbuntviehs, entscheiden will. Der Redner erklärt, daß er zu dem Präsidenten der Landwirtschaftskammer das Zutrauen habe, daß er sparsam wirtschaftet. Vorübergehend sei eine Steigerung der Ausgaben in der Landwirtschafts- f(immer nicht zu vermeiden, aber eS seien, anders wie beim Staat, produktive Ausgaben. (Lebhafter Beifall rechts.)

Ministerialdirektor Hebel meint, Kritik sei notwendig auch die Landwirtschaftskammer müsse sich eine Kritik gefallen (affen. Vieles, was hier gesagt worden fei, wäre besser im Plenum Oer Landwirtschaftskammer vorgebracht Worten. Abg. Lux habe von einerLuderwirtschaft" gesprochen, dieser Ausdruck sei entschieden zurückzuweisen. Die Landwirtschaftskammer fei lange erstrebt worden von Öen Landwirten, deshalb könne er der Forderung, die Kammer wieder aufzuheben, nicht bei^flichten. Das Aufsichtsrecht des Staates sei beschränkt: der Redner legt die Gesetzesbestimmungen dar, auf denen sich das Aufsichtsrecht gründet. Er habe aber volles Ver­trauen zur Landwirtschaftskammer. Dis jetzt sei noch kein Beweis erbracht worden, daß die Land- wirtsch-'ftsknmmer sich politisch betätigt hat. Auch die Beilagenfrage sei keine politische Betätigung, besser wäre es aber gewesen auch den Schein zu vermeiden und die Beilage abzulehnen. Die Cinrerhung der Beamten in die entsprechenden Besoldungsgruppen bei den besonders qualifizierten Beamten bestehe zu Recht und könne gebilligt werden, nicht aber eine höhere Einstufung. Dis jetzt sei der Amlagekoeffizient noch nicht mit- geteilt worden, infolgedessen hätte der Voran­schlag noch nicht genehmigt werden können. Der Redner spricht sich günst g aus über die Bau» beratungsstelle sowie über die Duchfüh-- rungs- und Steuerberatungsstellen. Die st a a t - lichen Gelder zur Förderung einzelner land­wirtschaftlicher Zweige würden nicht an Einzel­personen gegeben, sondern für allgemeine Zwecke verwendet: der Voranschlag der Kammer gebe darüber Auskunft. Es liege selbstverständlich für die Kammer auch fein Grund vor, mit den Zahlen nach der Abrechnung hinter dem Berge zu halten. Der Minister befürwortet den Antrag Schott, wendet sich indefsen gegen d ie Be­handlung der Frage des Schwarz­buntviehes hier im Landtag. Auch in feinen weiteren Ausführungen bittet der Redner, Be­schwerden doch in erster Linie bei der Landwirt- schaftskammer vorzubringen und hier im Hause nicht eine leidenschaftliche, sondern eine sach­liche Kritik zu üben.

Abg. Fenchel (Bbd.) kommt auf die Tat­sache zu sprechen, daß man mehr Steuern von der Landwirtschaft verlangt, daß aber das Mini­sterium den Beschluß gefaßt habe, die für die Förderung der Landwirtschaft bereitzustellenden Mittel zu kürzen. Andere Staaten be­willigten gerade jetzt der Landwirtschaft erhöhte Zuschüsse. Es sei doch merkwürdig, daß fast alle Positionen des Voranschlags erhöht worden wären, allein die für die Landwirtschaft seien verringert worden;

im Namen der hessischen Dauern protestiere er gegen die Zuschußkürzungen.

Qln Hand von Zahlen des Voranschlags weist der Redner auf die geringeren Ziffern als früher hin. Eigentümlich fei es, daß man hier fo viel von Förderung der landwirtschaftlichen Produk­tion spreche, aber die hierzu notwendigen Mittel wolle man nicht bewilligen. (Zustimmung rechts.) Minister Raab weist auf verschiedene Ka­pitel des Voranschlags hin, in denen, außer in Kapitel 85, Mittel für die Landwirtschaft bereit­gestellt werden. Die Staatsregierung sei damit einverstanden, daß statt der Summe von 1913 tm Betrage von 141 000 Mark die jetzt geforderte Summe von 196 490 Mark bewilligt wird.

v.5 folgen Ab ft i m m u n g e n ; zunächst w-r-- den die Kapitel 7584 angenommen.

Kapitel 75Ministerium für Arbeit und Wirt­schaft" weist 11175 Mk. in Einnahme und 379 275 Mark in Ausgabe auf: Kapitel 76Stellvertre- tungs- und Aushilfskosten usw." 60 000 Mk. Aus­gabe; Kapitel 77Postgebühren" 30 000 Mk. Aus­gaben, .Hochbauwesen" 36 840 Mk. Ausgaben, Geologische Landesanstalt" 1500 Mk.,Kosten der Pachteinigungsämter" 120 000 Mk. Einnahme und ebensoviel in Ausgabe: Kapitel 81 fällt aus: Kapitel 88Erwerbslosenfürsorge usw." 5 013 000 Versuchswesen usw." 85 500 Mk. Einnahme und 544 724 Mk. Ausgabe, Kapitel 83Bodenverbesse­rung und Wasserversorgung" 89 000 Mk. Einnahme und 1 222 641 Mk. Ausgabe: Kapitel 84Förde­rung einzelner Zweige der Landwirtschaft" 99 884 Mark und 419 353 Mk. Ausgabe.

Kapitel 85L a n d w i r t s ch a f t s k a m m e r" wird nach den Ausschußanträgen artgenommen, also auch die Anträge Schott und die beiden Anträge Lux. Die Ausgaben betragen 196 490 Mk. Ferner stimmt das Haus den Kapiteln 86 bis 99 zu. Ka- pitel 86Reichsoersicherung" sieht in Einnahme 16 100 Mk. und in Ausgabe 257 711 Mk. vor und Kapitel88Erwerbslosenfürsorge usw." 5 013 000 Mark. Für Kinderspeisungen sind 200 000 Mk. be­willigt. Kapitel 90Bergbau" weist 23 406 Mk. auf, Kapitel 91Förderung des kaufmännischen Unter: richtswesens" 24 500 Mk.,Technische Privatunter­richtsanftalten" 1000 Mk., Kapitel 93Gewerbe­aufsicht" 121 650 Mk., Kapitel 94Dampfkessel- prüfung" 88 000 Mk. Einnahme und 76 100 Mk. Ausgabe, Kapitel 95Eichwesen" 181 300 Mk. Ein­nahme und 144 190 Mk. Ausgabe, Kapitel 96Ge­werbemuseum" 42 542 Mk. Ausgabe, Kapitel 97 Chemische Prüfungestation zu Darmstadt" 46 069 Mark Einnahme und Ausgabe, Kapitel 98Gewerb­liche Unterrichtsanstalten" 16 920 Mk. Einnahme und 307 489 Mk. Ausgabe, Kapitel 99Kunstgewerb­liche Zwecke" 12 200 Mk. Ausgabe.

Um 1 Uhr werden die Beratungen abgebrochen: nächste Sitzung heute nachmittag 3 Uhr.

Präsident Dr. v. H e l m o 11 eröffnet

die Na mittagsfitzunb

um 3i Uhr. Auf der Tagesordnung steht Kap. 7

Landestheater.

Abg. Dr. Keller (D. Vp.) befürwortet den Antrag der Deutschen Volkspartei, einen unab­hängigen Sachverständigen mit der Prüfung der Personal- und Wirtschaftsverhältnisse des Theaters zusammen mit dem Intendanten zu be­trauen. Die Theater der Nachbarschaft hatten im­mer höhere Preise, dafür hatten wir aber hier ein breiteres Publikum.

Der Redner bedauert die Ablehnung des Zuschusses für das Gießener Theater.

Daß wir Verpflichtungen für das Mainzer Theater haben, wird niemand bestreiten. Wenn wir für das Theater einen Zuschuß leisten, so müssen wir auch Kritik üben. Die Oper verdient Anerkennung: die bedeutendsten Werke von Gluck bis zur Gegenwart sind aufgeführt worden. Er­freulich ist, daß Rudi Stephan zu Wort kam. Es fehlten aberFidelio" undLoh eng rin" sowie einige andere Opern. Ein Gerücht behauptet, ein Theatermaler sei nach Spanien geschickt worden, um die Dekorationen zu entwerfen. Ich kann das nicht glauben. Weit kritischer stehen wir dem Schauspiel gegenüber. Von Lessing ab, fehlen auch die meisten Klassiker, wie Kleist, Grillparzer und Hebbel: sie fehlen mit ihrem bedeutenden Spielplan. Von Ger­hart Hauptmann fehlte in diesem Jahre des Bauern­krieges derFlorian Geyer". Man hätte dieses Stück sowie GoethesGötz" und LassallesSik- lingen" geben sollen. Von den Dramen eines ge­wißen Shakespeare i ft nicht ein ein­ziges aufgefüfjrt worden; das ist ein uner­hörter Vorfall in der Geschichte unseres Theaters. Auch Ibsen hat uns noch manches zu sagen. Man hat unserem Volke manches vorgesetzt, was keine gesunde Kost ist für unser Volk. WedekindsErd­geist" weist viel Herzblut auf, aber es ist eine äußer­liche Aufführung gewesen. Das Hauptpubliöum stellte die weibliche Jugend, das die Perversitäten, wie selbstverständlich herunterschlürste. Schauspiele­rinnen in diesem Stück sind zu bedauern.

Abg. H e t n ft a b t (Ztr.) wendet sich gegen die Kritik, die an der Zentrumspartei wegen ihrer Haltung in der Theaterfrage geübt werde. In bezug auf die Kritik des Spielplans macht er ähnliche Ausführungen wie der Vorredner. Das Zentrum fei in der Frage der Bewilligung des Zuschußes gespalten.

Abg. Kindt (Dschn.) ist ebenfalls für eine stärkere Heranziehung der Stadt Darmstadt zu den Unkosten des Theaters. Der Redner geht bann auf den (Spielplan Pes Theaters ein vom Stanbpunkt der Weltanschauung der Deutschnationalen. Das Theater fei kein Spiegel unserer Zeit; es spiegele nur die Zersetzungserscheinungen wieder. Technisch sei bas Theater auf ber Höhe, aber ber Spielplan sei kaum bester geworben als unter Hartung.

Abg. Leuschner (Soz.) erklärt, feine Partei sei gegen die Anträge der Rechten, denn sie wür­den die Leistungsfähigkeit des Theaters herabsetzen. Auch dieser Redner bringt verschie­dene Spielplanwünsche vor. Er sieht in Har­tungs Theaterzeit einen Höhepunkt für das Landestheater, ber wieder erreicht werden müßte.

Abg. Dr. Werner (Dschn.) bekämpft allge­mein Schmutz und Schund in Kino und Bühne. Auf dem bisherigen Wege könne bas Landestheater nicht aufrecht erhalten werden: nur unter dem Eindruck, eine Ersparung herbeizuführen, seien seine Anträge gestellt.

Finanzminister Henrich dankt für das Lob, das dem Intendanten Legal von einigen Rednern gespendet wurde. Es sei selbstverständlich, daß Wünsche geäußert würden, aber eine

Beeinflussung der künstlerischen Ceitung

werde die Verwaltung nicht unternehmen. Mit dem Spielplan sei der Intendant wohl auch nicht zu­frieden, well er ein zum Teil unzulängliches Perso­nal hatte: darum konnten auch viele der gewünsch­ten Stücke nicht gegeben werden. Hartung habe sparsam gewirtschaftet, dasselbe Lob fe man auch der gegenwärtigen Theaterleitung penben. Mit bem Antrag ber Deutschen Dolkspartei ist ber Minister einverstanden, doch wünscht er, daß er dem parlamentarischen Ausschuß zur selbständigen Erledigung überwiesen wird.

Der Grohdeulsche Tag in Darmstadt.

Darmstadt, 16. Juli. (WB.) Der zweite Abend der Großdeutschen Tagung der Deut­schen Volkspartei brachte nach Begrüßung des Bürgermeisters von Darmstadt ein Referat des Admirals Geoff, des ehemaligen Komman» l danken derKön.iasberg" über das ThemaA

s e r Recht auf Kolonien". Im Anschluß I an das Referat wurde eine Entschließung ein» I stimmig angenommen, in der es heißt:Die zun> I Tag der Kolonien in Darmstadt zahlreich vcr- I sammelten Männer und Frauen fordern stür­misch die Wiedergutmachung des an Deutsch­land begangenen Kolonialraubes. Deutschland, das für die Entwicklung seiner Kolonien in wenig Jahren Großes geleistet hat, beansprucht als alte Kulturnation für sich das Recht, An­te i i zu haben an der kolonialen Betätigung und der Ausbreitung von Fortschritt und Kultur in eigenen Kolonien." Der Landtagsabgeordnete Schröter sprach überDie deutsche R o r d - mar k". Er stellte fest, daß der Kampf der Deutschen um die deutsche Rordmark noch nicht beendet fei, sondern, da der Kämpf gegen die ungerechte Grenzziehung ein Kampf gegen das Versailler Diktat sei, unbedingt vom ganzen deutschen Volke geführt werden müße. |

Kleine politische Nachrichten,

Das französische Kriegsgericht hat den Gene. ' ral von Schoch in contumaciam zu 20 Jahren Zwangsarbeit und 20 Jahren Aufenthalts­verbot verurteilt.

Gelegentlich eines Essens, bas Owen Poung, ber amerikanische Finanzmann, bem deutschen Bot­schafter Freiherrn v. M a l tz a n im Bankierklub gab, überreichte ber deutsche Botschafter Owen Poung bie Rote-Kreuz^ Medaille erster Klaffe.

Rechtsanwalt Sachs- Berlin hat für ben im Schweriner Femmemorbprozeß zum Tobe verurteilten Oberleutnant a.D. Schöler Revi> f i o n beim Reichsgericht angemelbet. Wahrscheinlich werben sich auch bie Verteidiger ber anderen zum Tode verurteilten Angeklagten diesem Schritt an­schließen.

Kunst und Wissenschaft.

Eine deutsche Tieffee-Expedition.

Kapstadt, 16. Juli. (Wolfs.) Eine Gefell, fchaft hervorragender deutscher Gelehrter unter der Führung von Dr. Herz ist hier an Bord des KontwlldampfersMeteor' cingetroffen, j der am 16. April von Wilhelmshaven zu einer ; zweijährigen Tiefseeforfchungsfahrt tm Atlanti- j schen Ozean ausgelaufen war. Die Expedition, di« von einer privaten Vereinigung (Rotgemeinschaft) finanziert wurde, studiert geographische uni meeresbiologische Probleme. Es gelangen ihr wichtige Entdeckungen. Zum ersten Male sind unterseeische Strömungen wissenschaft­lich beobachtet worden. Es ist festgestellt worden, daß warmes Wasser aus der nördlichen Atlantik in großen Tiefen bis zu 2000 Meilen südlich des Aequators strömt, wo es wieder an die Ober­fläche tritt. Vom nördlichen Polargebiet geht eine Strömung nach Süden. In diesem Wasser befindet sich Aahrung, der Walfische und ver­schiedene andere Fischarten nachgehen. D e St- pedition hofft, die Bewegung der verschiedenen Fischarten des Atlantischen Ozeans feststellen zu tonnen. Der Dampfer begibt sich, nachdem er den Atlantischen Ozean zwischen Afrika und Ame­rika 14 mal durchkreuzt hat, nach dem südlichen Polargebiet, unter anderem auch nach der Bou- vetinsel, um von dort nach Osten zu gehen.

Wettervoraussage.

Heiter bis tagsüber warm, wechselnd« Winde, vorwiegend trocken oder Gewitterbildung.

Das islä^ e Tief breitet sich mit einem Ausläufer weite üdöstlich aus. In Rord- unb Mitteldeutschem v haben die Winde daher auf südliche Rchtung zurückgedreht. Da die Tempera­turen bisher nur von der Einstrahlung bedingt wurden, erreichten die Marima gestern 26 bis 28 Grad. Die schwanen Druckunterfchiede aus dem Kontinent haben Veranlassung zu örtlichen Teilbildungen gegeben, die gewitterhafte Stö­rungen bald erwarten taffen.

Aus Stabt unb Laub.

Gießen, den 1Z. Juli 1925.

Um einen (Efeubaum!

Man schreibt uns: Im einstmals Fuldaschen Garten an der Ost-Anlage, der stets einer der schönsten Gießens war, steht jetzt unser schönes Amtsgerichtsgebäude. Mit einem Vorgärtchen an der Schmalseite nach der Ost-Anlage zu. Wer in den letzten Monaten vorbei ging, konnte glau­ben, daß der Staat diesen Vorgarten für bie Abteilung Linkraut des Botanischen Gartens hab« einrichten wollen. Solche Urrfrautgärten kosten nichts selbst den Staat nicht und erfreuen das Auge des Beschauers. Doch fein Blick wandte sich ab und blieb entzückt an den Efeubaume hangen, der wohl feit Jahr­zehnten eine Zierde des besagten Gartens war und noch ist, an dem Efeu, der imbezill tote Efeu nun einmal ist sich eine Linde dazu auserkoren hattp, um an ihrem Stamm in lie­bender Sehnsucht nach dem Lichte emporzuranken. Des Efeus immergrüne, hoffnungsfrohe Blatter umfaßten die seufzende Tilia, die Lindin, immer mannhafter und stärker ertoiefen sich die mäch­tigen Arme des Efeus, in der Sprache des Botanikers derGemeine" geheißen, bet Botaniker heißt fo manche schöne Pflanzege­mein" und würgte sie ab. Das ist fo in der sich stets bekämpfenden und stets von selbst wie­der aufbauenden Ratur. So ragt jetzt herrlich und schön der Efeubaum dort zum Himmel. Bei den alten Aeghptern war er Osiris, dem Gott« des Totenreichs, geweiht. Sinnentsprechend um­rankt er zur Jetztzeit die tote Tilia, die Lin­din. Diese war längst ihrem Schicksal verfallet der starke Immergrüne hatte gesiegt und setzte sich, die kahlen, nüchternen Flächen der hintre ihm stehenden Häuser freundlichst verdecken-, selbst ein Denkmal, ein Ra t ur d en km a l. baS man längst mit Hilfe seiner berufenen Hütre unter den bekannten Denkmalschutz hätte stevcir müssen.

Sollte man's aber glauben? Eines TagrL nahmman" dort am besagten Baume einen Augenschein ein. Die verdorrten Arme der total Tilia, einige dürre Aste und Aestchen wurden alsgemeingefährlich" erkannt, ja sie selbst wurde als horribile dietu alsDaumleiche" er­klärt. Unb, samt dem herrlichen Gfeugezweig«, nochmals zum Tode verurteilt, vffensichtlH ahne die Juristen zu fragen, die dort tagtäglich vorbeikommen, und die erholungsucheadea Spaziergänger und die sachverständigen Botanilee und Forstleute. Man legte die Axt an!, grub nach den Wurzeln der Tilia wie nach eblex Trüffeln, und traf auch die WurzÄn bei grünenden Efeu. Er seufzte zuerst, schrie dann auf«

,ne von 1 1

drun4n W

seinem 2 dn

man Afia un^ tote Arf - '

&

grüner

Mw 3

w. Ä Mtelck--"^

S-'eßr nieM gcfun^ öSsurnt

Mskreise^Z

«j, Beiter Eaa %S.5 x.'S ?ur Vormerkung- werden. so werde

schlechte öesuchcrn von fte schränkungen au für die Mell freunden Ivstenio Festbesucher ftabi gung gesunden.' Verpflegung ma iumem zugute l Heuer Bürger Verpflegung ges

Dir laden uni zu diesem lassen. Jede SP vereinnahmt vor hvsstrahe 54. ( gestrigen Ausg

Unterziehe Scherflein zu f Spenden find i Wirkung bring, freunde in ber Ovfersreuöigkci sein unb beutfäi W-timmung üb geliebten Haler! brachte Opfer un

Deshalb ntxi Dai!

5m Sonder

Kennst Du S8 ist ein sorti staub ruswirbeln! schönste Strafte sind mit der C Svnderzug.

Don Mark 4. Klasse, hieltet 9«m, Friedberg, We in Franks, Aufenthalt die h, Heidelberg z hatten die Gelege, des an sich |$n m den schonen, q ^öLe sich ein

6if«Niroei lassen, für teilnehmer aus d ^ozu tsar ein ln dem man Ka *e Erfrifchu . w gelangter A herrlichen 5 »gaste au r die Entleer, fe Mlat £buntWlc rWmunb, bi ÄL und Dur

da- «ai SLZ-

LF: btr

LZtz berg! jv.'^bu

Gieße»«?, Fg . 16. ( das P, °^ten <