Ausgabe 
17.3.1925
 
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atx Provinz Basra auf 75 Jahre erhalten. Ob das Mofsulgebiet in die Abmachung ein- bezogen wird, hängt von der Entscheidung der Dollerbundskommission ab. Die Gesellschaft, deren Dorsitzender vertragsmähig stets ein Engländer sein mutz, verfügt über bedeutende Kapitalien. Es wird beabsichtigt, da- ganze Gebiet in 24 DezirLe zu je neun Quadratmeilen einzuteilen. Falls genügende Oelmengen auSgebeutet werden, soll eine Aohreitung zum Mittelmeer gelegt werden.

Indien.

Heber die Verhältnisse in Indien dringen mit selten Dachrichten nach Europa, weil es die englische Regierung versteht, alle für sie unan­genehmen Tatsachen auS der indischen Freihmts- betoegung der Öffentlichkeit vorzuenthal:en. Dah aber die Lage Englands dort nicht gerade günstrg ist und nach dem Zusammentritt des Parlaments in Delhi eine Zuspitzung erfahren hat, die vielleicht einen Wechsel in der englischen Regie­rungsmethode nötig macht, geht daraus hervor, dah der Dizekönig, Lord Reading, nach London berufen worden ist, um dem König über die Lage Bericht zu erstatten. Auch werden im Laufe des Sommers noch verschiedene Gouver- neure und Deputationen politischer Parteien In­diens erwartet, die ihre Wünsche für eine Ver­waltungsreform Vorträgen werden. Zweifellos denkt die englische Regierung daran, durch eine schärfereGesehgebung der nicht endenden Ülnruhen und Teilausaufstände Herr zu werden, während auch die gemätzigten Parteien Indiens eine Reform erstreben, die Indien mindestens die Rechte der Dominion- einräumt. Es ist aber zweifelest, ob diese Lockerung des englischen Einflusses genügen wird, die nun einmal be­stehende uno in ständigem Wachsen begriffene Opposition zu beschwichtigen und einzudämmen.

Die Opposition, genährt durch die Gewalt-- methoden der englischen Machthaber, strebt da­nach, die völlige älnabhängigkeit In­dien- zu erlangen. An ihrer Spitze steht die Intelligenz, die längst erkannt hat und ihre Er­kenntnis durch die Erfahrungen des Weltkrieges noch verliest hat, datz es den Engländern ledig­lich auf eine Ausbeutung Indiens ankommt, datz aber die Kultur Albions weit hinter der aus der Tradition von Jahrtausenden begründeten indischen zurücksteht. Freilich hat England bisher einen Bundesgenossen in der Uneinigkeit! der Opposition, die aus der ideellen Einstellung chrer Führer herauSwuchs. Der Gegensatz zwi­schen dem jedm? Gewast abholden, furcht- und makellosen Gandhi und dem für revolutionäre Gewalttaten begeisterten Dan hat die Opposition gelähmt. Gandhi ist in der letzten Zeit etwas in den Hintergrund getreten, obwohl gerade seine Methode, der strickt durchgeführten Gehorsams­und Steuerverweigerung, des Boykotts von Ge­richt, Schule und natürlich auch der englischen Waren, weit wirksamer die englische Machtstel­lung schädigte als zwecklose Aufstände, denen ge­genüber englische Gewehre und Kanonen in Wtr- tuitg treten konnten. Aber trotz aller dieser Zer­splitterung scheint doch die von Gandhi gesäte Saat ihre Früchte tragen. Den Engländern wird es nicht gelingen, bie Freiheits^wegung des 300-Millionen--Dolles aufzuhalten. Die im Augen­blick akut gewordenen Reformbestrebungen der englischen Regierung beweisen, dah es ihr mit ihren vielgerühmten Kolonisation-methoden nicht gelungen ist, der revolutionären Bewegung in Indien Herr zu werden.

Der Nationalitütenkampf 1 in Jugoslawien.

F Rach den jugoslavischen Terrorwahlen und Der Verfälschung des Wahlergebnisses will der Mimsterpräs ident P a s ch i t s ch zu einem neuen Schlag gegen die nationalen M'nderchetten aus­holen; sämtliche Mandate der Ra° ditschpartei es handelt sich um sechzig sollen auf Grund des StaatsschutzgesetzeS a n ° nulliert werden und, was das u "erhärteste ist, durch Verweigerung von Ersatzwah­len unbesetzt bleiben. Ratürllch b m'n- telt er diesen Willkürakt mit der D h uvt mg, datz die Anhänger Raditschs dem Bolsche­wismus verfallen sind, was eine be - wuhte Unwahrheit ist. Die Raditschp artet vertritt lediglich den Standpunkt: ^Kroatien den Kroaten!", kämpft also aeien die ser­bische Vorherrsch ist, waS dem M'nifterp asiden- ten nicht Patzt. Da es ihm anscheinend darauf ank-'mmt, die Qlu'mcfimeit des A sl.an^es durch antiparl'mm'a i ch' Rekorde auf sich len­ken, mutz w"hl damit gerechnet werden, datz der nächste ähnliche Schlag sich gegen das süd- slavische Deutschtum richten wird, so dah dann schliehl'-ch Herr Paschitsch nur noch aus­gesprochen serbische Abgeordnete in der Skuv- schtina um sich sehen wird. Allerdings ist es ein Leichtes, die Opposition durch Annullierung ihre M ndate zu zerschlagen, ob a^er damit Südstawien an inn-re*- Festigkeit gewinnen wird, ist doch recht zweifelhaft.

3xiefenausrperrungen in Schweden.

Berlin, 16. März. fSilJ DieDossische Zeitung" meldet aus Stockh'lm- Die seit Wachen andauernden Cinigungsverbandlungen zwischen den Arbeitgebern und Arbeitnehmern der schwe­dischen Industrie, an denen sich zuletzt der Mi­nisterpräsident und der Innenmimster beteiligten, sind in den heutigen Morgenstunden ergebnis­los verlaufen. Damit ist die 130 000 Arbeiter der Textil-, Zellulose-, Papier-, Holz- und Werk- statten-Industrie umfassende Aussperrung in Kraft getreten. DerVorwärts" meldet aus Stockholm, dah es sich um die Frage einer allgemeinen Lohnherabsehung han­delt, die bereits seit einigen Jahren von den Arbeitgeberverbänden geplant sei. Sie begründen die Lohnherabsehung damit, dah die schwedi­schen Lohne die höchsten der Welt seien und dadurch die Konkurrenzfähigkeit der schwedischen Industrie unterbänden. Auch sei sei­tens der Industriellen beabsichtigt, den bisher streng durchgeführten Achtstundentag ab­zubauen.

Ablehnung des Schiedsspruches durch die Eilenbahner-Organi- sationen.

Berlin, 16. März. (WB.) In gemeinsamer Beratung lehnten die Äisenbahner-Tartforgani- fationeit, uno zwar die Gewerkschaft deutscher

ENenbahner. der Deutsche Drienvaynervervand und der Allgemeine (Äsenbahnerverband. den Schiedsspruch des vom Reichsarbeitsminister er­nannten Schlichters vom 13. März mit der Be­gründung ab, dah die Lohnzulage den Er­fordernissen der Lebenshaltung nicht genügend Rechnung trage unb angesichts der vom Personal verlangten Acbeits- leistung zu gering fei. Auch in der Arbeits- oettfrage fei der Schiedsspruch unannehmbar, weil et nicht nur Seine positive Verbesserung der Arbeitszeit enthalte, sondern auch entgegen dem bisherigen Rechtszustande eine unerträgliche Bin­dung bis zum 31. Oktober festsehe. Die Vorstände feien jedoch bereit, in neuen Verhand lun - gen unter Mitwirkung des Reichsarbeitsmini­sters eine erträgliche Regelung zu suchen. Die weitere Verbreiterung des Kampfes unb jede Wiederaufnahme.der Arbeit dürfe nur auf An­weisung der Organifationdleitungen erfolgen.

Die deutsch-beögischen WirtschastsverL, andlungen. Brüssel, 16. März. (TU.) Die deutsch- belgischen Wirtschaft-Verhandlungen stehen vor dem Abschluß. Das Abkommen toirb sich auf fol­genden Linien auf bauen: Vollständige Absch a f- fu ng der Einfuhrbewilligungen für belgische Waren nach Deutschland unter gegen­seitiger Einräumung der Meistbe­günstigung unb der Beibehaltung einer Dis- crimlnierung gewisser deutscher Artikel wahrend einer ääebergangsperiode von neun Monaten bis zu einem Jahre. Ermähigung des deut­schen Minoesttarifes zu Gunsten gewisser belgischer Produkte.

Der Rothardtprozeh.

Magdeburg, 16. März. (Wolff.) Als erster Zeuge wird heute der Vorsitzende der So- zilttdemokratifchen Partei, Reichst rg^abgeocbneter Otto Wels, vernommen, der erklärt, der Partei- Vorstand habe von Anfang bis Ende des Krieges den Standpunkt eingenommen, datz die Streit9 Propaganda während des Krieges be­kämpft werden müsse. Die Differenzen, die in der Partei wegen der Stellungnahme zur Frage der Kriegslredite ausgebcochen seien, hätten ja zur Spaltung der Partei geführt, deren letzte Folge die Bildung der llSP. gewesen sei- Wels verweist auf die von den Franzosen auf dem Ersten Internatioiralen Sozialistenkougretz in Bern 1919 beantragte Ausschließung unb Brandmarkung Eberts, weil ec von Anfang bis Ende des Krieges mit der kaiswlichm Regierung durch Dick und Dünn gegangen fei. Wels hebt weiter ausürüälich hervor, datz die Sozialdemo­kratie niemals die All.ftusch-uld Deutsch ands am Kriege anerkennen to.TDe. Reziscungsrat Hen° n i n g e r , der in der fraglichen Zett b.tm Ob:r- kommcmdo in den Marken als politischer Be­amter tätig war. bekundet, dah für den Fall eines Streiks beschlossen wurde, 10 Prozent der Streikenden ins Feld zu schicken, auherdem zur Militarisierung einiger Betriebe überzugehen. Man habe nicht ange­nommen, datz die MehrhettSfoziallsten sich an dem Streik beteiligen würden. Zu einer etwaigen Einziehung Eberts teilt der Zeuge mit, datz das Auswärtige Amt den Bescheid erteil habe, Ebert aus politischen Gründen nicht einzuziehen.

In der Rach-mirtagssitzung erklärte der preu­ßische Ministerpräsident Braun, der mit Ebert und Schn.-emann als Vorsitzender der Sozial­demokratischen Partei in die Streikleitung ein­getreten war, er habe zunächst wie die übrigen Parteivorstandsmitglieder den Eintritt ab ge­lehnt, bann aber auf Drängen ber in den Streik hineingez: genen Partei nttzlieber nachge- aeben, um die Bewegung zueinem baldigen Abschluß zu bringen. Der Zentrumsabaeord- nete Giesberts g.bt über den Vermittelungs­versuch Scheibemanns mtt der Anordnung strei­kender Arbeiter Auskunft unb erklärt, daß er Wallraf ganz entschieden davor gewarnt habe, die Abordnung nicht au empfangen. Der Streik wäre, wenn Wallraf Sie Abordnung empfangen hätte, in 24 Stunden beigelegt gewesen. Die Hal­tung des sozialdemokratischen Parteivorstan^es bezächnet Giesberts als durchaus richtig. Auf Befragen ber Staatsanwaltschrft sagt ber Zeuge Wels aus, daß die deutschen Mehrheitssozia­listen an den Konferenzen in Zimmerwa ld unb Kiental nicht teilgenommen hätten. Dort seien die Grundlagen für den Bol­schewismus gelegt worden. Zeuge Dr. Henninger unterbricht Wels mit der Bemer­kung: Da waren die Mehrheitssozialisten vorher in Stockholm. Wels erwidert laut:Das ist der Grundirrtum des Herrn Polizeivertreters, der hier alles durcheinanderwirft."' Henninger er­widert sehr erregt, er werfe nichts durcheinander. Es entwickelt sich ein erregtes Wortgefecht, in das ber Vorsitzende schließlich eingreifen mutz.

Der Zeuge F.brDir.klor Ernst sagt, datz er den Streik als lanbesverräterisch bezeichnet hebe. Der Eintritt Eberts und Scheib.-m'nns in Sie Streikleitung habe die Dfte.lig ing am Str ik vergrößert. Der Red k eur ber »Rational-Post", Kloth, der bi? Mitte 1919 Sozialdemokrat unb Vrrfthenber de3 D chbirbrrve b ndes war. sagt aus, dah ber Buchbinderverband den Streik für verhängnisvoll gehn Iten hebe. Die Zahl ber St rett enden sei nach An­gabe des Versitzenden des Arbeiterv rbandes durch den Eintritt der sozialdemo­kratischen Führer von 60 000 a u f 200 000 Mann gestiegen. Der Zeug' c ° klärt, er h ibe in seiner l nagen Streikerfahru^g keinen einzigen Streik erlebt, in dm sich die Führer einer Partei an bi* Spi he der Streikbewegung gest llt h den. um die Bewegung abzuwürgen. Wni si: das gewollt hätten, hätten sie es sagen können.

Der Tschekaprozeh.

Leipzig, 16. März. (WTB.) In der heutigen Te h ndll n; brachte Rehtsunwa't Lvwenthal zur Sprache, datz der Zeuge Koppenhofer an Gerichtsstelle mit noch nicht vernommenen Zeugen, namentlich Landgerichts rat Bühner, gesprochen habe. 3m Verlaufe ber sehr er reg.en Qluseinanbe: f tz ngen hi rüber macht <r dem Zeugen ben Vorwurf ber leicht­fertigen Eidesverletzung un'» b m Vor­sitzenden ben Dirwurf des Verstoßes gegen die Strasp^zeßordnung, da er die Protokollierung der AuDgen deS Zeugen Koppenh'öfer, in der eine leichtfertige 5ibe3berl'hum erblickt wird, verweigert Lebhaftes In e e f f n et di Aus­sage des Schuhmachers Friedrich W i e t h k e in I Tempelhof, der Reumanns illegaler Quartierwirt war. Reum mn sei ihm in angeltunfenem Zustand im Streit einmal an die

Kehle gefahren und habe gesagt, auch er woNe einen groben politischen Prozeh inszenier n, unb zwar aus Rache, weil er als Spitzel ver- bächtigt worden sei. Reumann erklärt, von einem Politischen Prozeh nie g fprohea zu haben. Er habe lediglich das Parteigericht berufen wollen, um diese Frage Haren zu lassen und die älrheber ber Verleumdung festzuftellen.

Hochschulnachrichten.

August von Wassermann

Berlin, 16. März. (TU.) Wie die Abend­blätter berichten, ist der berühmte Serumforscher und B iterirLoge August v. Wassermann, Leiter des Kaiser°WilI)elm-3nstituts für experimentelle Therapie, in Dahlem in den Morgenstunden der letzten Rächt nach längerem Leiden an einer Herzlähmung gestorben.

Professor Dr. August von Wassermann wurde 1866 in Bamberg geboren und studierte in Mün­chen, Strahburg, Wien und Berlin Medizin. Er promovierte 1839 in Barlin und wurde Assi­stent am Kochschen Institut für Infektionskrank­heiten, das mit der Charite verbunden war unb an dem er ständig tätig geblieben ist, zuletzt als Abteilungsvvrsteher. Wassermann begann 1901 seine akademische Lehrtätigkeit als Privat- dozent in Berlin, wurde 1902 auhervrbentlicher Professor unb bald daraus ordentlicher Professor. 1906 wurde ihm die Leitung der Abteilung für experimentelle Therapie unb Serum fori chun g am IgL Institut für Infektionskrankheiten in Berlin übertragen 1913 wurde er zum Direktor des Kaiser-Wilhelm-Instituts für experimentelle Therapie zu Dahlem bei Berlin erannt Wasser­manns Rame ist dadurch in der ganzen Welt bekannt geworden, datz nach ihm die Reaktion benannt worden ist, durch die die Diagnose unb Behandlung ber Syphilis in ungeahnter Weise gefördert worden ist. Durch sie ist es möglich geworden, mit großer Sicherheit festzuftellen, wann die Syphilis geheilt ist. Durch die Ent­deckung des Salvarsans durch Ehrlich ist die Wassermannsche Reaktion, die er gemeinschaftlich mit seinen früheren Assistenten Bruck und Au­gust R e i tz e r in Breslau ausgearbeitet hat, von noch größerer Bedeutung geworden. Durch sie konnte zuerst auch einwandfrei festgestellt wer­den, datz die Gehirnerweichung unb die Rücken­markschwindsucht mit ber Syphilis im Zusammen­hang stehen. Von grober praktischer Bedeutung war Wassermanns Entdeckung, bah die Eiweitz­arten bet Menschen unb Tiere verschiedene Reak­tionen zeigen. Diese Entdeckung ist für die forensische Medizin bedeutungsvoll geworden, da auf 'ihr die Was'ermann-älhlenhutsche biologische Blutprobe beruht.

Der Rostocker Geologe Geirrih f.

Im Alter von 71 Jahren starb in Rostock der Professor ber Geologie unb Mineralogie Geheimer Hofrat Eugen G e i n i tz. Eugen Gei- nitz war an der Mecklenburgischen Uni- versität, deren Lehrkörper er fast ein halbes Jahrhundert angehört hat, der erste spezielle Vertreter der geologisch-mineralogi­schen Fächer, auf dessen Anregung auch die geologische LandeSanstalt Mecklenburgs geschaf­fen wurde. Bei der 500 Iahrfeier der Unt- versität Rostock verlieh ihm die medizinische Fa­kultät bas Ehrendoktorat wegen seiner Ver­dienste um die Gesundheitspflege, die er sich durch die Erforschung der Boden- unb Wasser- verhättnisse Mecklenburgs erworben hat.

AuSauschprofesssren.

Das Sächsisch? Ministerium für Volksbil­dung hat den Professor ber deutschen Sprache unb Literatur an der älniversität Leipzig, Dr. phil. Witkowski, zum Zwecke ber Abhal­tung von Vorlesungen am Tsching Tua College in Peking Urlaub vorn 1 August 1925 bis 31. Oktober 1926 erteilt Irn Wintersemester 1925/26 unb im Sommersemester 1926 toirb Piof. George H. Danton vom genannten Kolleg Gastvorlesungen an der llntoerfüäi Leipzig in englischer und deutscher Sprache abhalten.

2lns aller Welt

Line Aalschmiin;erbande vcrhafket.

Zn der Nacht zum Sonntag wurde von der Polizei in Ettlingen und Umgebung eine aus sieben Personen bestehende Falschmünzer- b a n d e verhaftet, die seit Weihnachten v. Is. systematisch falsche Dreimarkstücke mit auf­fallend 1 ohem Silbergehalt der IahresNasse 1924 unb den Münzzeichen 21 und G anfertigten. Die Verhafteten sind der Graveur Hermann Essig und dessen Frau aus Ettlingen, ferner zwei Gra­veurlehrlinge und ein Elektromonteur aus Ettlin­gen sowie der Graveur und Fabrikant Ludwig Wurster und besten So' n aus Niesern bei Pforz­heim. Die Herstellung des Geldes erfolgte in den Fabrikraumen des Wurster in Niesern, der die bei­den Graveurlehrlinge zur Verausgabung des Gel­des veranlatzte. Wurster ist bereits mit Zuchthaus vorbestraft.

Kesselexplosion in Bleicherode.

Auf bisher noch nicht aufgeklärte Weise e x - plädierte am Montagmittag ein Kessel der Ueberlandzentrale Südharz in Bleicherode. Zwei Mann verunglückten tödlich, fünf Mann wurden mehr oder weniger schwer verletzt in das Krankenhaus eingeliefert. Gegen abend ist noch einer der Verletzten gestorben.

Eisenbahnattentat bei PisL.

Bei Pisa wurde ein Attentat auf ben Fernzug RomMailand dadurch verübt, datz eiferne Pfähle, die neben dem Dahngeleise lagen unb die bei ber Elektrifizierung dieser Eisen­bahn als Träger ber elektrischen Leitung ver­wendet werden sollten, quer über die Schie­nen gelegt wurden. Die Maschine schnitt den ersten Pfahl entzwel unb schleuderte die beiden folgenben beifeite. Bevor der vierte Pfahl über­fahren wurde, konnte die Maschine zum Still­stand gebracht werden.

Bettler al- Hausbesitzer.

Rach einer Dlättermeldung aus Genua verhaftete die bortiae Polizei eine Anzahl Stratzenbettler, die im Besitze reicher Geldmittel waren. Ein alter Kirchenbettler ist Besitzer mehrerer Häuser unb hat eine halbe Million Lire auf ber Bank. Er betrieb außer ber Kirchenbettelei Wucher und verlieh Geld zu 120 Vroz. Auch in Rom soll dem lieber- handnehmen des Bettelunwesens energisch zuleibe gegangen werden-

Aus Stabt und Land.

Dietzen, ben 17. März 1925.

Juni Fall Angerstein.

Wie uns aus zuverlässiger Quelle mitgeteili toirb, toirb ber Prozeß Angerstein vor ben Geschworenen etwa im Juni ds. IS zur Verhanblung kommen. Der Prozeß toirb einige Tage dauern, ba nicht weniger als 120 Zeu­gen unb Sachverstänbige geladen werden Angerstein befindet sich zur Zeit zur 'Beobachtung auf feinen Geisteszustand in ber Klinik zu Mar­burg. Als Offizialverteidiger ist ihm der-Rechts­anwalt Stilmann' aus Limburg beigevrdnet. Angerstein hat verlangt, daß zur Hauptverhand- hing sämtliche Aerzte geladen werden, biß ihn unb feine Frau früher behandelt hoben. Um den Geschworenen bie grausige Tat näher vor Augen fuhren zu können, sind damals mehrer« Photo­graphien von dem Gerichtschemiker Dr. Popp ausgenommen worden, die insbesondere auch die Verletzungen an bem Körper der acht Ermordeten deutlich sehen lassen. Die Zelle, in der sich Anger­stein in Limburg befand bzto nach seiner Be­obachtung wieder eingeliefert werden toirb, ist eigens dazu umgebaut worden, jeglichen Selbst­mordversuch unmöglich zu machen. Angerstein selbst trägt Futz- unb Handschellen, toirb ständig überwacht, die Gaslettung ist aus seiner Zelle entfernt worden, unb durch ein eingebautes dickes Milchglas wirft ein Scheinwerfer Licht hinein, so dah die Zelle Tag und Rächt erleuchtet ist- Don Reue ist bei Angerstein nichts zu merken, man kann eher fein Benehmen als frech bezeichnen.

Attch ein zerr fsenes Testament kann Rcchtsqült qkeit besitzen!

Eine interessante TestamentsgeschiHte wurde vom Reichsgericht endgültig entschieden. In bem Rachlasse eines Gestorbenen wurde ein zerrissenes Testament gesunden, aber sonst kein anderes Testa­ment oder eine andere schriftliche Aufzeichnung. War das Testament nun gültig? Das Reichs­gericht sagt: Ja! Letzter Wille bleibt letzter Wille, auch wenn das Dolumeitt mir noch in Fetzen vorhanden ist, vorausgefetzt, datz das Dvku^ ment überhaupt den gesetzlichen Formen ent­spricht. Denn: Das Testament Kann vom Erb­lasser durch blotze Fahrlässigkeit, eS Kann aber auch von dritter Hand oder nach bem Tode des Erblassers absichtlich zerrissen worden sein. JedensallS hat das Testameitt solange Gülttg° kett, bis nicht ein spateres Testament ober eine schriftliche Rotiz des Erblrssers vorgelegt toirb, wonach baß Testament ungültig sein soll.

Kerne Sonnta^spost mehr?

Wie bieVoss. Ztg." ersähet, toirb sich heult ber Derwalluugsausschutz der Deutschen Reichs- post mit einem Vorschlag zu beschäftigen fjaben. der darauf autelt, bie Sonntags-Brief- unb Zeitungsbestellung insgesamt e i n ö u ft e 11 e m. Wenn der Arbrttsausschutz nicht von selbst diese Vorlage, bie sowohl bie Zeitungen, wie auch bie Privatkundschaft ber Post stark betrifft, ablehnen würde, bann toirb der Personalausfchuh des DertoaltungSrates am 24. 3. dazu Stellung zu nehmen haben.

Vornotizen.

Tageskalender für Dien-tag» Stadttheater' 6% tlhrDie luftige Witwe". Lichtspielhaus Dahnhofslratze:Quo vadis.

Wettervoraussage.

Meist bedeckt, wechselnde Winde, etwas mit» ber, Riederschläge.

Die Erwartung, dah das Hochdruckgebiet Im Westen einem nachsvlgenden Tief nach Osten weichen würde, hat sich noch nicht erfüllt Ein Teil des westlichen Hochs hat sich abgespallen unb toirb durch das folgende Tief nach Südosten abgedrängt. Durch dieses dürfte auch das west­liche Hoch etwas zurückgedrängt toerben. Immer­hin ist damit zu rechnen, dah nach dem Dorüber­gang des Fallgebietes bei toiebereintretenben! Rordwinden bie Temperaturen abermals fallen.

** Der Winter hat uns heute fett den frühen Morgenstunden wieder .reichen Schneefall gebrach!, ber in ber elften Stunde, da diese Zeilen geschrieben werden, noch lustig anbauert Die niedrigste Auhentemperatur der letzten Rächt betrug Minus 2,3 Grad, heute früh 7 ülhr wur­den Minus 1,8 Grad festgestellt. Dom Hvhe- rodskopf wird uns heute früh gemeldet: Rach- bem gestern bis in die frühen Abendstunden Tauwetter geherrscht hatte, ist bei bewölktem Himmel über Rächt wieder Frost eingetreten. Seit 6 ftlhr morgens Schneefall bei 7 Gr. Kälte, Schnee 30 bis 40 Zttn. hoch, Sportverhältnisse glänzend.

b. Städtische Hol-Versteigerung. Bei ber gestrigen Drennhvlzoersteigerung ber Stadt Gietzen wurden folgende Durchschnittspreise erzielt: Eichenscheiter 10,50 Mk., Fichtenscheiter 8 Mk., Kiefernscheiter 11 Mk., Eichenknüppel 9 Mk., Kiefernknüppel 9 Mt, Fichtenknüppel 7 Mt, Eichennuhknüppel 22 Ml-, Fichtenstöcke 4 Mk., Kiefernstöcke 6,50 Mt je Rin., Eichenreifig 20 Mk.. Kiefernreisig 20 Mk., Fichtenreisig 18 Mark je 100 Wellen, Fichtenderbstangen f. Kl. 28 Mk., Fichtenreisstangen 1. Kl. 20 Mk. Je Fftm.

*'* Gesiegelte Briefe nach dem Auslande Neuerdings wird von ausländi­schen Postverwaltungen wieder lebhafte Klage darüber geführt, dah ihnen zahlreiche Wertbriefe aus Deutschland zugehen, bei denen die Siegeloer schlüsse ganz oder teilweise abgefprungen sind. Nach den Beobachtungen wird das Abspringen der Sic gelverfchlüsse zuweilen durch Benutzung von un geeignetem Lack, meistens aber durch die Verwev düng von Umschlägen verursacht, die aus Papier mit zu glatter Oberfläche hergestellt sind, auf welcher elbst Siegellack von bester Beschaffenhett nur chlecht haftet. Es kommt daher sehr häufig vor, > sich die Lacksiegel von den glatten Umschlägen chon bei geringer Erfchütteruna während der Post- beförderung vollständig loslösen. Diese liebel- stünde verursachen den deutschen Grenz-Ausgangs- Postanstalten und den in Betracht kommenden aus­ländischen Dienststellen erhebliche Schwierigkeiten. Zur Behebung der Uebelftänbe wird allen Versen­dern von Wertbriefen nach dem Auslande drin gend angeraten, zu Wertbriefen nur Umschläge aus räuchern Papier zu benutzen, weil allein Papier von solcher Beschaffenheit flüssigen Lack gut aufnimmf und festzuhalten vermag, sowie zu Siegeloerschlüs- sen nur besten haltbaren Lack zu verwenden

** Nachentschädigung an die Li- quidations- und G e w a l t b es ch 8 d i g- t e n. Zur Linderung der Not der Liquidattons- und Gewaltbeschädigten beadsichttgt bie Reichsregie­rung, den von Schäden betroffenen ohne Aenbe-