Ausgabe 
17.3.1925
 
Einzelbild herunterladen

her

M

at

neß» M kill' ob' Ijrit

kN, ii

mt- ler, en

)r-

3\\-

Iks-

jerU ze"

S-»L'E

7.63, fl) reife» iliber-

PW ,6"^jd'ch^4

üSti « J3

V*

*"****

iS» -» 11 tau®* Ä

Jo^ ä&j*

$Sfe,*ÄS mit eteiJ^6^ ihn H» ;n 9efüm. Mu| ÄZ itiyy#

CT *

Ä* W nrit U

C öcr SmtteHetf Hfen. SU entwich^, gingen i^ter Sstch

e fich <m der Jhtw*.

w « übet Mi « Tdchter S ^^wgS-trte. « Lane!om ifrnmb f®1 Die Duckchamu

lpulte, hall, ch, 2 u^l ihrem Liebst

folgt)

Är. 6< Erster Blatt

175. Jahrgang

Dienstag, 17. März 1925

Crftetai tägtid), au^tr Seen, uwb feiertags.

Beilagen:

irtenergDniilimblfltttt Hrimctt ür Bild.

Wsnatr.vezrtg »preis:

2 (Bolbmark u. 20 <Bo(b- Pfennig fit IrLgerlohn, auch bei Tttchlerfcheinen von einzelnen Nummern infolge höherer (Bemalt. ternfprech.Lnfchlasfe: d)rtfileitung 112, Der« laq un6®e|d)äftsftelle 51. Anschrift für Droh,nach« richtens rtnzeigerGietze».

poltfchecktoato: KrnnlfnN a. HL 11686.

GiehenerAiizeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Ürvtf vnd Verlag: vrühl'sche UniverfitStr-vvch- vnd Steinörnderei R. Lanze in Kietzen. Sdjriftleiting und Keschäftrftelle: Zchulltraße 7.

Annah», »O» Hnielatn für bi« lagesnummet bi« je» Nachmiliaq vorher ohne |eb«l)<rbtnblid)heit Preis für l mm HSHe für Anzeigen von 27 mro DrerleöriUchS, auswärts 10 Goldpfennig; für 'Ne» Klame-Anzeigen o 70 uni Breit« 35 (bolbpftnntg, Platzoorfchrist 20" Aus« chlag. - VerantworUich ür Politik u. Feuilleton: )r Friebr. Wilh Lange; ür den übrigen leiP. Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil: HansBtd^ sämtlich in Gieszen.

Die zweite Pariser Zusammenkunft.

Chamberlain und Denesch bei Herriot. Fortsetzung der Verhandlungen über den Sicherheitspakt.

Paris. 16. März. ("DB.) lieber die heule nachmittag ft ati gefundene zweistündige Uni er- reduna deS französischen TrinifterpräfiRenten mit dem britischen Staatssekretär Chamberlain wird folgendes offizielle Äonuminique verbreitet: .Austen Chamberlain hat auf seiner Rückreise aus Genf heute nachmittag dem französischen Ministerpräsidenten Herriot einen Besuch abge- stattet. Aach den getroffenen Dereinbarungen ha­ben die beiden Minister im Laufe ihrer längeren Unterredung den Meinungsaustausch fortgesetzt, den sie jüngst über die verschie­denen Probleme der auswärtigen Politik und besonders über daS Problem der Sicherheit gehabt haben, mit der Absicht, in vollkommener Herzlichkeit für beide Länder annehmbare Lösungen zu suchen. DaS Ergebnis dieser Der- handlungen ist. daß die wesent.chsten Punkte der Probleme präzisiert wurden Die Dechand- lungen hierüber werden auf diploma­tischem Wege mU dem gleichen freundschaft­lichen Charakter und In Verbindung mit den anderen Alliierten fortgesetzt werden. Die Unter­redung zwischen Herriot und Chamberlain dauerte von drei bis fünf Uhr nachmittags. Um > »6 Uhr fand in der britischen Botschaft ein Empfang der britischen Pressevertreter statt. Um 7 Uhr wurden die französischen Journalisten von Herriot am Quai d'Oriey empfangen.

Chamberlain erklärte, er habe mit Herriot .ibei die deutsche Anregung hinsichtlich des Ab- chlusseS eines Sicherheitspaktes, die Frage der Entwaffnung und über die Frage der Drrösfent- 'ichung des Berichtes Walsh gesprochen. Man -abe den deutschen Borschlag ernst­lich geprüft und man werde durch den auf diplomatischem Wege fvrtzuseyenden Meinungs­austausch festzusieilen luchen. welche Vorteile aus diesem Vorschlag zu ziehen feien. lieber die Der- -fsentltchung des Berichtes Walsh sei noch keine ^nt,che>dung getroffen worden. ES stehe auch tu Augenblick noaj nicht fest, ob über die Ent- paffiiungSfrage eine interalliierte Konferenz flatttinben werde. Heber den amerikanischen Plan 5er Einberufung einer Entwasfnungslon- ferenz könne er nrchts Tagen, da ihm nichts von einer Einladung bekannt fei. Er könne nur soviel erklären, dah er mit Staatssekretär Kellog vor dessen Abreise aus England hierüber ge­sprochen habe.

DiefranzösischeAtlffassung

Paris, 16 Mirz. <HivaS.) 3n fcanzösi- scheu diplomatischin Kreisen erklärt man sich b - sonders befriedigt von der Unterredung za i- fchen Herriot und Chamberlain. Wie das offi­zielle Kommunique es bef igt, bildete das Pro­blem der Sicherheit fast ausschließlich d.n Segenstand der Verhandlungen. Di: Frage d r Methoden hatte erst die Au'mirtsnmkeit der beiden Staatsmänner wachzeru en. Mai ist tat­sächlich fran^ösischerseils der Ansicht, dah. bevor mm sich endgültig über diese oder jene Formel, die dazu geeignet sein solle, die Sicherheit zu gewährleisten, aussp-eche. sei eS, dah man b*m Protokoll von Genf oder van einem be­schränkten französisch-engli'ch°bel- gischen Sicherheit e- Pakt o er vo et m auf fünf oder Heben Rationen a i: »- gedehnten Sich rheitSpatt spricht, -s unerläß- lich fei, nachzupTüien, welche Probleme hier­durch gestellt werden und we'ch Lösungen i S Auge geiaht werden können. Man k-inn ab jeyt noch nicht sagen, dah diese oder jene Formel, wie beispielsweise das Protokoll von G n'. als erledigt betrachtet werden E mn. Was im Gegen­teil wesentlich ist, ist, dah schon jetzt bis zum Monat Dezember, zu welcher Zeit die Frage Wieder au' der Ha ^Versammlung des Völker­bundes steht, eine Ausgleichs - und Der- ständigungsformel gefrnten wird. Aach dieser Aich uig sind der englische und der fran­zösische Minister voll ommen einig, und sie hiben in der gleichen Au fafsang gewisse Fngen be- sprocheir, die sich direkt auf die Sicherheitsfrage beziehen. besonders aber

die Frage der Ostgrenzen von Mitteleuropa. Frankreich und England haben dadurch, dah sie den Friedensvertrag von Ve.sail'es unterzeichnet haben, die Grenzen Polens garan­tiert. Frankreich hat niemals die Absicht ge­hn't, die befreundete Ration zu irgendwelchem Verzicht zu veranlassen. Don alliierter Seite vertritt man außerdem den Standpunkt, dah selbst, wenn die Frage einer Grenzberich- Hgung, so klein sie auch fein möge, aufge- toorfen würde, Polen autgefordert werden müsse, vor jeder Derhandlmig seinen Stand­punkt gellend zu machen, insbesondere, da der § 19 des Döllerbundsstatuts, der eine Abände­rung des Friedensvertrags vorsieht, unwirksam wird, trenn nicht eine Einstimmigkeit über >ie betreffenden Beschlüsse erzielt wird. Hebri- zenZ wird die Zul as sung Deutschlands tum Völterbund als wünscheriswert be- eichnet. Aber der französische Standpuntt hier­über hat sich nicht geändert. Der Eintritt des Reiches in das Konzert der Völler farm nur rmöglicht werden, wenn Deutschland sich ver­achtet, alle Verbindlichkeiten des Völkerbund statuts und des Frie­ren svertrags von Versailles zu ^r füllen. Diele Zulassung bildet übrigens nach Ansicht der französischen, wie auch nach Ansicht

der brittschen Regierung die Vorbedingung für den Abschlu h eines Sicherheits- Paktes, an dem Deutschland teilnehmen kann. Ein solcher Sicherheitspakt würde eine Zusatz- garantie darstellen, wie es das Statut des Völkerbundes vo^s.eht. Was

die Besetzung von Köln anbetrifft und ihre Beziehung zum Problem der Sicherheit und der Entwaffnung Deutschlands, so erklärt man in französischen Kreisen, dah die beiden Begriffe ,Sicherheit und Entwaffnung" nicht txmetnanber getrennt werden können, und dah die Verhandlungen, die jetzt zwischen den Regierungen fortgesetzt werden sollen, es im Augenblick nicht gestatten, irgendwelche Aufklä­rungen zu geben. Herriot und Chrmberlain ha­ben übrigen^ sich über den Vorschlag Coolidges auf Einberufung einer Entwaff­nungskonferenz nicht auSfprechen können. Der französische Ministerpräsident bleibe auf jeden Fall der These treu, die er in Genf im September des vorigen ZahreS vertreten habe: Der Verbindung der drei Begriffe- Schieds­gerichtsbarkeit, Sicherheit und Abrüstung." Frank­reich wünsche ebenso und viellcicht mehr als irgendeine andere Ration die Fortentwick­lung des Schiedsverfahrens. Aber die­ses Regime könne nur dort eingerichtet werden, wo die Sicherheit schon hergestellt sei. Aus diese Weise lomme man immer 'nieder auf die Rot- wendig kett zurück, zuerst die Sicherheit zu ge­währleisten. Es seien alle Hoffnungen vorhanden, dah im Laufe der weiteren Verhandlungen eine vernünftige Lösung gefunden werde, die geeignet sei, die einstimmige Zustimmung der Mitglied- staaten des Völkerbundes nach sich zu ziehen.

Die Herriot nahestehende®re Rouvelle" schreibt, dah wir von Großbritannien weder einen Pakt noch ein Protokoll angeboten erhalten werden. Das Schick­sal der O st st a a i e n interessiere de". Sieger nicht, der noch die meisten deutschen Kolonien im Besitze bat Wie wird es bann möglich fein, einen Seit aufzustellen, den eine s ran wüsche und eine bri­tische Regierung unterschreiben könnte. Es scheine immer klarer zu werden, dah es unmöglich ist, dem folgenden Dilemma zu entrinnen. Entweder wir werden im Einverständnis mit Eng­land Zerbrechliches schassen, das unsere Freunde beunruhigen wird, ohne uns unserem Feinde näyer zu bringen, oder wir werden etwas Ernsthaftes schaffen ohne England! Vergessen wir niemals, dah das wirk- Uche Schicksal unseres Volkes auf dem Kon­tinent ruht! Man darf in London sich nicht einbilben, dah man uns Pflichten auserlegen kann, ohne uns im Austausch dafür Rechte zuzugestehen. Wir wollen die französische Sicher­heit in einer allgemeinen Organisa­tion der europäischen Sicherheit Was würde also eine britische Allianz für Europa uns ein­bringen, wenn fie nicht den vierten Tell von Europa fchützen will?

Lin vermittlungzvorschlag Venesch?.

Ein besonderer Btmd der Cftftnaten.

Paris, 16. Mär,^ (TU.) 3m Laufe der Unterredung, die Ministerpräsident Herriot mit dem tschechoslowakischen Auhen- minister Denesch hatte, sind die glei­chen Fragen behandelt wcroen, wie in der Unter­redung zwischen Hei.rlot und Chamberlain. Zwi­schen dem fcanzönschen Miiiisterpräsidenten unb dem tschechoslowakischen Auhenminister ist leicht eine Verständigung erzielt worden. Auhenminister Drncsch wird noch zwei oder drei Tage In Paris bleiben. Es ist möglich, dah er vor seiner Abreise aus Paris eine weitere Be­sprechung mit dem französischen Ministerpräsi­denten haben werde.

Rach demPetit Journal" hat Dr. Benesch feine Ansichten über die deutschen Garantie­vorschläge cnttoidelt und ist mit einem neuen Plan yerv r retteten, der auf Gruppierung der Z entral- und o st europäischen Staaten zu einem besonderen Staatenbunde abzielt Dr. Denesch beab­sichtigt. auf Grund des Genfer Protokolls und obligatorischen Schiedsspruches die Staaten Zen­tral- und Ost-Europas zu gemeinsamen Dertrügen zusammenzuschliehen. Das allgemeine Genfer Protokoll soll zu einem regionalen Pro­tokoll umgestaltet werden, in das auch Oesterreicheinbezogen werden soll. Wenn sich die Grvhmächte dann mtt Deutschland ver­ständigen. so werden in Europa zwei durch Garantien für sich abgetrennte Mächte-Gruppen bestehen, die b ibe wich­tige Staaten des Döl.'erbundes en halten. Die Do.schlüge des tjchechllchen Auhenministers haben nach dem .Petit Journal" das Znteresse Her- riots geweckt, well damit nach seiner Ansicht ein Ausweg aus den bisherigen Schwie­rigkeiten gefunden werden könnte. Dr. De­nesch beabsichtigt im Gau'e des nächsten Monats nach W a rs ch a u zu reisen, um den tschechisch- polnischen Schiedsgerichts vertrag, der den Anfa-g des Garantievertrages de- hüben Rach'-a--staaten Deutschlands bildet, zu unte zeichnen. DieTschecho- slowakei bat weiterhin m t einigen Rachbarlün- bem, ins besondere mit Oesterreich. Schieds­gerichts- und Freundschastsverträge abgeschlossen.

Dr. Denesch gab im übrigen zu verstehen, dah die deutschen Do^schläge eine w.ilg heude B achtung finden :ten und dah bie Alli.erien et:« prä­zise Fassung der D>richlage von der Reichs- regicrung erbitten sollten.

Der P eifer K rr.sponbent desDaily Tele­graph", P.run r schr.iat Üoer die B^s r chung Herriots mit Ehamoerlän und Denesch. der Bericht der Kontrollkommission werde nicht oder jedenfalls nicht jetzt veröffentlicht werden. 3m Augen­blick scheine auch feine Konferenz der Al.ii.rten unter Teilnahme Deutschl.n)s in Aursicht zu fein. Die deut chen D rf 4)1 ige den weit rhtn von dec franzöllfchen unv van der bri.ischea Regierung geprüft, aber dec angeregte Paf: werbe nicht abgeschlofsen werden, ehe nicht Deutschland in den Dölkerbund ein­getreten sei. Der Prkt werde üb rbies k.ine Bestimmungen en'h-.lten, die mit Artik.l 19 der Dölkerbundssayungen In Wide spruch standen, wonach die Ost grenzen Deutschlands rur durch einflim nigen Beschluh der D ller- bun^svers immlung geändert rocr'en könnt n. Rich Hecri ts AbUch fall ipiter neben dem von Deutschland v^rgeschl genen P>ckt ein beson­deres militärisches Abkommen abge­schlossen werden.

Frankreich und die Abrüstungskonferenz.

Paris, 16. März. lWTD.) Zu her Ab­sicht bes Präsidenten Coolidge, eine Entwaff- nungSlonserenz einzuberufen, schreibt baS..3vum. des Debats": Wir zögeim nicht, nach Washlngttm zu anttvorien. dah die durch den Dölkerbund vorgesehene .Konferenz keineswegs begraben ist und bah Verhandlungen darüber im Gange sind, beren Abschluh man abwarten muh, bevor man eine neue Konferenz cinbcruft 3ebenHlls faim man nicht über bie Abrüstung z u Land auf einer Konferenz beraten, auf der nur fünf Seemächte vertreten sind. Wir würben keine Besprechungen dieser Art an nehmen Setzen w>r Präsident Coolidge audeinanber, dah Frankreich und mehrere seiner Alliierten auf bestimmte Sicherheiten nicht verzichten können, ohne sich ihrem Ruin auSzuscchen, der auf die Vereinigten Staaten und d'.o amerikanischen "Bür­ger zurücksallen würde. Die Vereinigten Staaten haben sich geweigert, dem Völkerbund beizutreten und ben Frieden von Versailles zu ratifizieren. Sie erklären, dah sie keine Verpflichtung über­nehmen werden, gegm einen eventuellen An­greifer zu intervenieren. Sie behalten sich ihre ganze Aktionsfreiheit vor. Mögen sie also uns Franzosen erlauben, uns die Möglichkeit vorzubeh len. unsere Vertei­digung entsprechend den Bedürf­nissen unserer Sicherheit-' g ranti ren. Auch derTemps" lehnt das Pr.'jekt der Ver­einigten Staaten ab und frazt, welche vor- läusigen Garantien kann die Washing­toner Regierung bieten? Wmn Amerika und England nicht zu bem Gedanken eines gegen­seitigen Beistandspaktes zurü.kk.hren, kann man keine entdecken.

Die Dölkerbundsantwort.

Die Reichsregierung wirb sich in der kommenden W-che eingehend mit der Antwort des Völkerbundes auf das deutsche Memo­randum beschäftigen müssen, die am Samstag in später Stunde dem Reichsauhenminister Dr. Stresemann übermittelt wurde. Sie wird beson­ders deshalb Gegenstand eingehend« Untersu­chungen und "Beratungen sein müssen, weil sie von vornherein nicht geeignet .erscheint, die Be­denken zu zerstreuen, bie die deutsche Regierung in ihrem Memorandum zum Ausdruck brachte und beten Klärung von besonderer Bedeutung für eine endgültige Entscheidung über eine Beitritts­erklärung sein muh.

Deutschland tmn sich mit dem sehr pr^blema- 1 schen T'osle nicht z ifr eden geb n, da l. wenn es er t e nm ü als gl ichb rech igi s Mitg.ied dm Völlcrbundsrate angehörte, sich schon alles finden würde. Der Paraaraph 15 *er Völker- bu-d atzungen militärisches (Singret- s c n eines Staates entsprechend d.n Wei ungen des Völkerbundes enthält so folgenschwere Verpflichtungen, dah sie für Deutschland untragbar find, weil von vornherein klar ersichtlich ist, dah seine geographische Lage und die durch den Deriailler Vertrag erzwungene Entwaffnung Deutschlands wie zur Zeit des Dceihigjährigen Krieges zum Tummelplatz fremder Heere pr.dest nieren. D gegen muh sich Deutschland von vornherein schützen.

Wenn auch die Antwort des Völkerbundes daraus hrnweist, Deutschland Eonne als Mitglied Rates dann f e I b fl lagen, bis zu welchen Puntten es imstande wäre, den Empfehlungen d-s Rates zu enttprechen, und stets an den Ent­scheidungen teilzunehmen, die sich auf Anwendung dec Grundsätze der Satzung beziehen, fo ist doch xu bedenken, dah derartige Beschlüsse nicht ein­stimmig gefaßt zu werden brauchen, Deutschland also, wie eS wohl auch in der Regel der Fall wäre, übetst immt würde. Deutschland würde aus diese Weife gezwungen fein, seine Neutralität aufzugeden, zu der es ja die erzwungene Ent­

waffnung bered)tigt. Und sich gegen die daraus erwachsenden Folgen zu wehren, ist Deutschland mit seinem 100 000-Mann-Heere vollkommen niachtlo». ,

RrichSwehrminister Gehler hat in einer Rede in Hamburg mit Rachdruck daraus hinge- tDicfen, dah die zugestandene Trupvenmachl nie­mals dazu auSreichen würde. Deutsch­lands Grenzen zu schützen, zumal ihm dazu noch alle modernen Kampfmittel verboten sind, die eS selbst dem lleinstec Staate, der leine Daseinsberechtigung noch durch nichts erwiesen hat. ermöglichen, sich ein mo­dernes Heer zu halten.

Außerdem liegt doch auch ein Widerspruch darin, daß derselbe Rat Deutschland als Mit­glied deS Völkerbundes sehen möchte, der die un­möglichsten Beschlüsse über die einseitige Militär­kontrolle in Deutschland faßte, ohne in der 2Int- wortnote auch nur die Möglichkeit ihrer "Beteili­gung nach Deutschlands Eintritt in den Völker­bund anzudeuten. Es ist deshalb wohl an\u- nehmen, daß die deutsche Antwort nicht eine freudige "Bitte um Aufnahme in den Bolter» bundsrat enthalten wird, daß vielmehr noch weitere Auseinandersetzungen nölig sein werden, um alle Widersprüche zu klären.

Der Kulturkampf im Elsaß.

Heber Rächt ist im Ober- und Hnter-Ellah ein Äulturfampf entbrannt, der sich auch auf da­übrige Frankreich auszudehnen droht Seine un­mittelbare Hrsache liegt in der Genehmigung bet französischen Regierung an verschiedene Gemeinde' rate, aus den im Elsaß bestehenden konfessionellenVolkSschulenSimul- t a n s ch u 1 e n xu machen. Darob ist zvnschen der Geistlichkeit und den sran-ösischen Behörden ein heftiger Kampf entbrannt, die Kirche ist sogar dazu übergegangen, die katholische Bevölkerung aufzufordern, ihre Kinder mehrere Tage vom Schulbesuch fernzuhalten. DaS hat na­türlich wieder einen Gegenstoß der Behörden aus- gelöst. die auf den Verstoß gegen die gesetzlichen Vorschriften aufmerksam machten, der in einem Schulstreik liegt Eine führende Rolle in dem elsässischen Kulturkampf spielt der Bischof von Straßburg, die tiefere Hriache des ganzen Streites liegt allerdings in der vatikanfeind­lichen Politt k der Regierung Her­riot. die am SamStag zu mehreren "Bieberlagert des Ministerpräsidenten in der Finanzkommisswn des Senats führte Herriot steht nach wie vor auf dem Standpunkt, daß die Aufhebung der Botschaft beim Vatikan in voller Heber> einstiminung mit dem Gesetz über die Trennung von Staat stehe, das deutlich das weltliche von dem geistlichen Element trenne. Für Donnerstag haben die Radikalen eine Znterpellations- debatte über den Kulturkampf vor­bereitet, erst dann wird sich zeigen, ob der fran­zösische Ministerpräsident im Parlament und vor allen Dingen auch innerhalb des Links­blocks eine genügende Mehrheit zur Stützung seiner kirchenfetndlichen Politik finden wird.

Der Schulstre'k.

Paris, 17. März. (WTB. Funkspruch.) Zu dem Schulstreik im Elsaß melden die Blätter, daß die Betelligung am Streik am stärk st en im Unteren war, wo in Weißenburg 90 Prvz., in Hagenau 75 Prvx. der Schulkinder dem Hnterrichl fern blieben. 3m Straßburger bischöflichen Gymnasium streikt das gesamte Lehrpersonal, so daß die zum Hnterrichl erschienenen Schüler nach Hause zurückkehren mußten. 3n Mülhausen, wo in einigen Schu­len bis zu 50 Prozent der Schulkinder streiken, hatten sich vor den Schulgebäuden zahlreiche Mütter aufgeftellt und bedrohten die Kin- bev, die die Schule besuchen wollten, so daß diese wieder umkehren mußten. DemTempS" wird aus Kolmar berichtet, daß das ötretflomitee heute früh weitere Aufrufe an die katholischen Eltern erlassen habe, die in diesen aufgesorderi werden, dm Streik durchzu­führen und daß, falls fie mit Geldstrafen belegt werden, diese von ihnen nicht be­zahlt xu werden brauchen. Ein toeiterer Aufruf ist an Die elsässischen Bürgermeister» gerichtet und fordert diese auf, den Anordnungen Der Hnterpräfetten hinsichtlich der Streikbewegunj nicht Folge zu leisten.

Neue polnische Uebergriffe.

Berlin, 17. März. (TU.) Wie die Mor- genblätter aus Warschau melden, hat entgegen der Entscheidung des deutsch-pol­nischen Schiedsgerichts das Posener Li> quibationsfomitce dem Kuratorium des Pauli n e u m s befohlen, die Anstalt binnen ad)t Tagen dem polnifch-eoangelifchen Verein zu übergeben und die Räumung binnen zehn Tagen durchzuführen. Die Exmission durch den Gerichts­vollzieher wurde ongeocdnet. 40 evangelische Schwestern sind trotz der Bestimmungen des Mie terschutzgesetzes auf die Straße gefetzt worden.

Die mesopotamischen Oelfelder.

London, 17. März. (TH.) Wie dieDaiü) Mail" meldet, sind in Bagdad die Verhand­lungen wegen der Ausbeutung der mesopotami­schen Oelselder abgeschlossen worden. Die eng­lische Gesellschast The Turkish Oil Company hat von der 3rafregierung die Aus­beutung der Oelquellen tm 3rat mit Ausnahme