Ausgabe 
17.2.1925
 
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Kreis Friedberg.

* Butzbach. 16. Febr. Die Frist zur Ein- retchung der Bewerbungen um den hiesigen Dürgermeisterposten ist heute abgelaufen. Es sind insgesamt 2 02 Bewerbungen ein» gegangen.

xx Butzbach, 16. Febr. Da nach neuer­lichen Bestimmungen die Beigeordnetenwahl erst nach dem Dienstantritt des Bürgermeisters vor­genommen werden darf, so hat das Hessische Ministerium die früher eriolgte Wahl der hiesigen Beigeordneten sistiert. Sie wird erst dann wieder erfolgen, wenn der neue Bürgermeister die Leitung der Stadt übernommen hat. Eine Abordnung des Stadtvorstan- des überbrachte dem durch das Abbaugesetz in den einstweiligen Ruhe st and versetzten seitherigen Rektor der Stadtschule, HerrnD t o r ch, eine kunstvoll ausgestattete, von Herrn Stadtbau­meister Scherrer entworfene Ehren-Llr- kunde mit dem Tert:Die Stadt Butzbach verleiht hiermit ihrem langjährigen Lehrer und Rektor, dem unermüdlichen Förderer ihrer Schu­len, Herrn August Storch, in dankbarer An­erkennung seiner Verdienste diese Ehrenur­kund e. Kleber einer aufstrebenden Säule wird das neue, prächtige Stadtschuthaus sichtbar, um dessen Errichtung sich Rektor Storch viele Jahre erfolgreich bemüht hat. damit der Volks­schule. der er seine besten Kräfte, feine ganze Liebe und Sorgfalt gewidmet hatte, auch in dieser fttabt eine würdige Stätte bereitet würde.

ss. Fri e d ber g« 16. Febr. Der Verei n ehemaliger Artilleristen hatte auf gestern nachmittag zu einer Versammlung im Deutschen Hause" eingelaöen; die Versammlung war aus dem ganzen Kreise stark besucht. Zum ersten Vorsitzenden wurde Polizeimafvr Hertel, zu seinem Stellvertreter Kreisdirektor Gebhardt gewählt; weitere Vorstandsmitglieder sind die Herren Gerboüe und Wolgast, 1. und 2. Schriftführer, Fourier und Dender,!, und 2. Rechner. Der Vereinsbeitrag wurde auf 2 Mk. für das Jahr festgesetzt. Alle drei Monate soll in einem geeigneten Orte des Kreises eine Zu­sammenkunft stattfinden, die nächste im Laufe des Monats Mai auf dem Waldschlöhchen bei Ober- Rosbach. Zu Vertretern auf dem nächsten Dele­giertentage wurden der L Vorsitzende und der 1. Schriftführer bestimmt.

Friedberg, 16. Febr. Dieser Tage sprach in der Aula deS Lehrerseminars und der Aufbauschule ein koreanischer Student, zur Zeit auf der Hochschule in Würzburg, über Ostasien. 3n zweistündiger, vortrefflich' r 2ie'e, unterstützt durch prächtige Lichtbil 'er, tourte der Redner fein Heimatland, das mit seinen 31 Mil­lionen Einwohnern eine werdende Macht im fernen Osten darstellt, zu schildern. Gr wies be­sonders darauf hin, daß Japan in Korea mit allen dem Völkerrecht hohnsprechenden Mitteln vorgeht, wie die Franzosen im Ruhrgebiet. Ferner zeigte er, daß eine Auseinandersetzung zwischen Japan und Amerika zwangsläufig kom­men müsse. Aus den Ausführungen des jungen Koreaners war deutlich der Stolz eines wachsen­den Volkes zu verspüren, das von glühender Heimatliebe erfüllt, im Bunde mit den langsam erwachenden Chinesen das WortOftafien den Ostasiaten" wahr machen dürfte.

sf. Ockstadt b. Friedberg, 16. Febr. Mit der von der Nachbar stabt Friedberg geplan­te nEingemeindung beschäftigte sich eine Versammlung der Einwohner Ockstadts, welche überaus zahlreich besucht war und den großen Saal in der Gastwirtschaft Klingl bis zum letzten Platz füllte. Die überaus starke Beteiligung gab einen Beweis dafür, welches Interesse man auch hier diesem Gegenstände entgegenbringt. Der Re­ferent des Abends, Finanzrat Dc. Krönin­ger, ist ein geborener Ockstädter. Er verstand es, internem zweistündigen, durchaus sachlich gehal­tenen Referat, alle auf die schwebende Angelegen­heit' sich beziehenden Fragen aufzurollen. Die

Versorgung mit Das hält er für nicht so wichtig, da bei einem ländlichen Orte mit starker Vieh­haltung der Kochpreis keine so große Rolle spiele, elektrisches Lrcht ist schon vorhanden. Zur Hebung des Verkehrs könne nur eine elektrische Dahn mit Lastbeförderung in Frage kommen, die Personenbeförderung spiele nur eine unter­geordnete Rotte. Sodann berührte er noch den Feuerschutz, die Gelände- und Steuerverhältnisse. und kam am Schlüsse seiner Aus.ührungen zu dem Ergebnisse, daß die Oystadt gebotenen Vor­teile zur Zeit es noch nicht als ersprießlich er­scheinen liehen, deshalb s.ine.geditfje Selbstän­digkeit aufzuopfern und sich einem andern Ge­meinwesen anzugliedern. Der Referent fand all- seitige Zustimmung: es herrschte allgemein die Ansicht, daß der Gedanke einer Eingemein­dung noch verfrüht sei. Es wurde aber auch allgemein betont, daß nur sachliche Gründe für diese Entscheidung ausschlaggebend seien und dah diese Frage später, wenn auch vielleicht nach einer längeren Reihe von Jahren, wieder auf­gegriffen würde.

fpd. Vilbel, 16. Febr. 3m benachbarten Harheim wurden bei Rotstandsarbeiten an der Eschbach aus dem Schlamm 2 7 Geschosse pon Langrohrgeschützen herausgefischt. Der größte Teil der Geschosse wurde an Ort und Stelle durch Offiziere der Reichswehr unter erheblichen Detonationen zur Entladung ge­bracht. Der Rest wurde mit nach Darmstadt genommen, wo er gleichfalls entladen werden soll. Die Munition wurde aller Wahrscheinlichkeit nach von Artillerie, die sich auf dem Rückzüge im Dezember 1918 hier mehrere Tage aufhielt, in den Bach geworfen, wie das vielfach geschah.

Krcis Büdingen.

T Nidda, 16. Febr. Aus der jüngsten Gemeinderatssitzung ist zu berichten: Für das 3ahr 1924 wird ein Schafweioe -- gelt) in Höhe von 2 Mark für jedes zur Herde getriebenes Schaf oder Lamm erhoben. Der städtische Steinbruch auf den Goldäckern soll demnächst öffentlich verpachtet werden, da eine Verpachtung auf Grund der vorliegenden Angebote nicht für zweckmäßig erachtet wurde. Für 2 bezugfertige, bzw. im Laufe dieses Jahres bezugfertig werdenoe DZohnhausneubauten werden nach­träglich 700 Mark Gemeindedarlehen unter den üblichen Bedingungen zur Verfügung gestellt. Das Gesuch des Ludwig Lupp dahier um freihändige Verpachtung deZ Obst­bau m st u ck e s bei f hem Anwesen wird ab­gelehnt und beschlossen, das Grundstück bei nächster Geleg.'nh it öffentlich zu verpachten. Entgegen der in den Grund st ücksvor- pachtungsprotok.llen en halt ne D - diilgung wird von dec Z ua ü ck e r y e d u n g der Steuern und sonstigen auf den Grund­stücken ruhenden Abgaben allgemein ab­gesehen. Dem Gesuch der Herso^-Re- klam enGiehen um Lieberlas,ung des ehern. Rupp'schen Stalles und des Platzes gegen­über dem Postamt zur Anbringung von Pla- katanschlagtafeln wird nicht stattgegeben. Von der aus Gesundheitsrücksichten erfolgten AmtSniederlegun g des GemeinderutS- mitgliedes Hermann Radtke wird KenniniS genommen und beschlossen, wegen E'.nfuhrung und Verpflichtung des Nachfolgers das Weitere alsbald zu veranlassen. 3n unmittelbarer Nähe deS Eingangs zum HimmelSbach'schen Werk soll ein 2 Meter breiter Fußweg als Verbin­dung zwischen der Dauernheimerstraße uito der Abellstrahe angelegt und zu diesem Zweck mtt den Grundstücksbesitzern in Verbindung getreten werden.

£. Blofeld, 16. Febr. Schon mehrmals wurde in der Presse auf die etwa 20 Minuten von hier im Dauernheimer Walde gelegene a l t- germanische Gericht sstätteDer Wilden Frau Gestühl" hingewiesen. Die Forstbehörde hat das Gestrüpp, das die Richter­bank mit den drei Sitzen, einen riesigen Basalt- block von etwa 2Vs Meter Länge, fast vollkommen bedeckte, entfernen lassen, den Platz etwas ge­ebnet und mit Fichten umsäumen lassen. Ein herrlicher Ausblick nietet sich von hier aus dem Besucher ins Niddatal, nach den Dörfern Sauern- heim, Ober- und Nieder-Mockstadt. Es wäre nun eine dankbare Aufgabe des Vogelberger Höhen-Clubs, für eine Markierung, viel­leicht von Blofeld und Dauernheim aus, nach diesem Platze zu sorgen, dort eine Tafel an einem Baume anzubringen und Sitzgelegenheit zu schassen. Vielfach wird der Ort im Sommer von 3ugendwandergruppen besucht; bis jetzt fehlt es an der nötigen Orientierung.

Kreis Schotten

)( Ruppertsburg. 16. Febr. Bei der heutigen Holzversteigerung unserer Ge­meinde wurden folgende Durchschnittspreise er­zielt: Brennholz: Duchenscheiter 12 bis 12.50 Mk.. Buchenknüppel 8,50 bis 9 Mk.. Duchen- stöcke 6.50 bis 7 Mt.. Duchenreisig 1.75 bis 2 Mk.. Eichenknüppel 5 bis 6 Mk. je Rm.; Nutzholz: Douglas-Derbstangen 17,50 Mk.. Douglas-Reis- ftangen 14,75 Mk., Weymouts'iefern-Derbstangen 18 Mk.. Fichtenderbstangen 25 bis 35 Mk.. Gichen- nuyknuppel 17,50 Mk. je Fstm.

.. T Eichelsdorf. 16. Febr. Die Zahl der Hausierer. Händler. Kolporteure, Seiltänzer, Zigeuner und Bettler, die fast täglich das dörf­liche Straßenbild beleben, wird eben noch ver­mehrt durch Musikantentrupps, die Märsche. Lieder und Ländler aufspielen und in den Häusern ihre Groschen sammeln. Man muh annehmen, daß auch diese Form musikalischer Betätigung imstande ist, die Betelligten immer noch gut zu versorgen. Die Abfuhr des Los- und Steigerungsholzes aus den Waldungen, die in sonstigen Jahren sich fast um Monate verzögerte, ist jetzt in vollem Gange. So ist es dem Landwirt möglich, seinen Vorrat an Brennholz zu spalten und aufzuschich­ten, bevor dringende Feldarbeit seiner wartet.

CtrtrfenbitrA uns Nbeinheffcn.

0 Mainz. 16. Febr. Wie wir hören, sind die seit 3ahren schwebenden und Ende Novem­ber 1923 wegen der damaligen schlechten Finanz­lage eingestellten Verhandlungen der Stadt Mainz mit der Reichsfinanzverwaltung über die Erbauung eines neuen Getreide- spei che r s in Mainz wieder ausgenommen worden. Der vorhandene Getreidespeicher ist in der Hauptsache immer noch von der französischen Desahungsbehorde beschlagnahmt, und es besteht noch keine Aussicht, dah diese das Lagerhaus räumt. Zur Zeit ist der Getreidespeicher voll­ständig requiriert, mit Ausnahme von zwei Silos, die vorübergehend freigegeben wurden mit der Maßgabe, daß der Elevator und die Maschinen­einrichtung von Fall zu Fall nach Einholung der französischen Genehmigung verwandt werden dürfen. Schon jetzt kommt es häufig vor, dah Getreidesendungen, die in Mainz gelagert werden sollen, nicht angenommen werden können und andere Plätze aussuchen müssen. Wie sich der Getreideverkehr in den lebten Fahren entwickelt hat, zeigen folgende Zahlen, die die im Ge­treidespeicher verarbeiteten und umgeschlagenen Mengen darstellen: 1910: 265 430 Dz., 1911: 321 610 Dz., 1912 : 326 715 Dz.. 1913: 260 556 Dz.. 1914. 205 341 Dz., 1915: 61613 Dz., 1916: 82640 Dz., 1917: 38568 Dz., 1918: 91118 Dz., 1919: 304 017 Dz., 1920: 165 744 Dz.. 1921: 215 078 Dz.. 1922 279 763 D;.. 1923: 370 602 Dz., 1924 zirka 250 000 Dz. Aus diesen Ziffern geht hervor, dah der Getreideverkehr einer starken Entwicklung fähig ist, aber verkümmern muh.

wenn nicht endlich ausreichende Räume zur Des» fügung gestellt werden.

Hesscn-Nasfa«.

dH. Rodheim a. d. B, 16. Febr. Ein schönes Bild von Einigkeit und Gemeinsinn zeigt« der am Samstagabend im Benderschen Saalbau veranstaltete Voltsabend. Die Veranlassung zu diesem Abend gab Pfarrer Schmidt aus Battenberg, der in einem Vortrag unsere engere unb weitere Heimat in geschichtlicher und kultur­geschichtlicher Hinsicht beleuchtete. Der zweite Teil des Vortrages war von vorzüglichen Lichtbildern begleitet, die in der Hauptsache Kulturwerte des Hinterlandes vorführten. Der Abend war umrahmt von Chören des Arbeitergefang- Vereins und des Gesangvereins Ein­tracht. 3n dankenswerter Weise stellte auch der Mandolinenklub seine Kräfte zur Ver­fügung. Aller Parteihader war vergessen, und die Anwesenden, die der große Saal kaum zu fassen vermochte, mögen alle den Eindruck ge­wonnen haben, dah Parteihader und Uneinig» Feit durchaus nicht in die Heimat und die Ge­meinde passen.

* Rodheim a.*b. Bieber, 16. Febr. Zu unserer Meldung vom 26. 3anuar (Gieh. Anz. Nr. 22 vom 27. 3an.), für den Kreis Bieden­kopf seien aus Staatsmitteln 60 000 Mark für den Dau von drei Tu »nhallen bewilligt worden, auf die man auch für den hiesigen Turnhallenbau allerlei Hoffnungen setzte, wird uns jetzt von dem Kreisjugend- Pfleger mitgeteilt, jene Meldung eile den Tatsachen voraus. Die Mittel aus dem neuen Staatshaushaltsetat seien noch nicht auf die Bezirke verteilt, eine so hohe Summe komme auch nie in Frage. Die Unterlagen zu jener Meldung waren dem Berichterstatter von einem sonst als durchaus zuverlässig bekannten Sports- mann zugegangen.

fpd. Frankfurt a. M., 16. Febr. Um die ausgeschriebenen Posten eines S t a d t r a t s bzw. Stadtkämmerers und eines Stadtrats für das Hochbauwesen haben sich zahlreiche Be­werber gemeldet, für den Stadtkämmerer rund 1 2 0 und für den Bauratsposten etwa 6 0. Unter den letzteren Bewerbern befinden sich, wie wir er­fahren, ganz bedeutende Kräfte. Die Zoll­behörde verhaftete den Russen E w a d i Kaplan toe;en bedutender Kakaoschie» b u n g e n. Der Kakao hat, da es sich angeblich um Sendungen für Kinderspeisungen handelte, die deutsche Grenze zollfrei passiert und wurde dann waggonweise nach Berlin verschoben. Der Russe leitete von einem Wiesbadener Hotel aus die Schiebungen, nur hin und wieder kam er nach Frankfurt. Bei einer solchen Reise nach hier wurde er jetzt verhaftet. Nunmehr wird auch be­kannt, dah der Leiter der Frankfurter Studentenhilfe mit in die aufsehen­erregende Affäre verwickelt ist. Der Leiter bezog derartig große Mengen Kakao, daß es schließlich den Behörden auffiel. Er soll gleichfalls mit dem Kakao einen schwunghaften, lohnenden Handel betrieben haben. Gegen ihn wurde gleichfalls ein Verfahren eröffnet.

Evangelischer Landeskirchentag

* Darmstadt, 16. Februar.

Präsident Freiherr v. Hehl eröffnet um 11.20 Uhr die Sitzung.

Aus der Tagesordnung steht zunächst die Vorlage betr. die Allgemeine geistliche W i t w e n k a s s e. Die Kirchenregierung hat die Erhöhung des Pfarrwitwengeldes auf jährlich 2100 Mk., und des Waisengeldes auf 420 Mk. jährlich vorgesehen. Witwengeld und Waisen- gelb sollen wie bisher für alle Pfarrwitwen und Pfarrwaisen gleich sein. Die Kirchenregierung bittet um Ermäch igung, jeweils nach Anhörung des Finanzausschusses bei Desoldungsänderungea auch die Bezüge der Pfarrwitwen entsprechen!

Die Oberwälder.

Roman von AlfredDock I.

Das Dorf liegt im hohen Vogelsberg. Es lehnt, sich an eine jener zahlreichen Kuppen, die in den wunderlichsten Formen den langgestreckten Bergrücken überragen. Von der Höhe bs Kegels schauen hier Basaltsäulen ins Land. Wenn d'e Sonne sie überglänzt, prangen sie m leuchtendem Blau, bei düsterem Himmel kleiden sie sich in drohend's Schwarz, dah die Kinder drunten ein Gruseln b-fällt. Das Dors, das an fiNbenbunbert Seelen zählt, ist uralt denn es wird schon im elften 3ahrhundert in einer Urkunde des Klosters zu Fulda genannt. Fern von den viel began­genen Dollerstraßen hat es doch der Gifthauch der großen Kriege berührt. Anno 1634 brach ein Trupp Kroaten ein und führte Hausrat und D'<ch hinweg. Ein paar herzhafte Männer, die sich zur Wehr setzten, wurden erbarmungslos nieder- gemacht. 3m österreichischen Erbfolaekrieg schüt­teten die Franzosen den Hafer, den sie gewaltsam eingetrieben, in der Dorfkirche zuhauf. Während der Revolutionskriege plünderten unb zerstört eil die Soldaten d-s Generals Hoche HauS für Haus. Das Buschwerk, hinter dem sich die Webber und Kinder verbargen, heißt b's auf den heutigen Tag die Seufzerhecke. Allen Bedrängnissen und Wirrsalen entgegen bauten die Dörfler ihre Woh­nungen wieder auf und gewannen der mageren Scholle ab, toelfen sie für ihre Lebsucht brauchten. Als im Jahre 1848 der Sturm der Märzrevo­lution über die deutschen Lande brauste, war es einzig Ser lange Schauß in der Siebenhäusergasse, der sich mit dem Gedanken einer Staatsumwäl­zung befaßte. Er erschien denn auch vor der Behausung des Dorfoberhauptes und schrie: ..Wir wollen eine Republik!" Der Bürgermeister schob den dicken Kops zum Fenster heraus und rief:Di" Republik is schon da!"So," sagte der Umstürzler,dann is es gut. Und ging an seine Arbeit. 1870 schickte das Dors zwölf seiner stramm gewachsenen Sohne ins Feld. Acht kehrten heil zurück, vier mutzten in Frankreich ihr Leben lassen. Allgemein war der Glaube verbreitet, dah der Kriegslärm bald wieder an­

heben werde. Wie nun der Friede geschlossen war, wie sichs allerorts regte und rührte, kam die neue Zeit aus der Niederung ins Gebirge herauf. Sie verhieß den Dauern ein goldenes Geben. Die aber kehrten ihr den Rücken. 3n harter Arbeit gestählt, rauh wie die unwirtliche Natur hielten sie in zähem Beharren am Alten, Hergebrachten fest. Mitten tnrd) das Dorf st-ömt ein klarer Dach. 3m Sommer hat er nicht viel zu bedeuten. 3m Frühling, wenn der Schnee im Oberwald schmilzt, zrigt er sich als ein wilder Gesell, der den Anwohnern manchen Schabernack spielt. Hüben und drüben, planlos angelegt, ziehen sich die Gassen und Gäßchen hin. Auf der einen Seite haben sich die Heinen, auf der andern Seite die großen Dauern seßhaft gemacht. Beide leben in ständiger Fehde. Wegen der Fischereigerechtigkeit schlugen sie eine förmliche Schlacht, wobei es blutige Kopfe setzte und ein Pächter auf dem Platze blieb. Eine Zeitlang wars dann still, bis beim Vollzug der Feld­bereinigung die Zänkereien aufs neue begannen. Diesem trotzigen Geschlecht ist die Streitsucht eingepflanzt. Der Kreisrat, der seit zwanzig Fahren s-ines Amtes waltet und kein Mittel un­versucht läßt, die S) aber oben zu versöhnen, hat letzthin zum Bürgermeister gesprochen:3ch gab was drum, wenn ich in die Dickköpfe einmal hineingucken könnt."Das is eso." hat sich der Bürgermeister geäußert.3ch sein gewiß der schlechtst Hirt net und laß für die Herd mein Geben. Aber hier macht der eine haar und der andere hoit*), und iS alles ein Deiwel!" Der Bürgermeister ist ein schlauer Patron, bläst warm und kalt aus einem Mund unb will sich mit allen halten.

Es war in der ersten Hälfte des April. <Trü6et als sonst war der scharfe Nord)st einem milden Südwest gewichen. Die Erlen am Dach hatten sich mit Kätzchen gefrhmücft, unb auf ben Wiesen wagte sich unter Den kräftig empor- schießenden GM fern der Himmelsschlüssel heraus. 3n den Häusern wurde die Ofenbank leer. Die Hütebuben trieben bas Vieh auf die Weiden, die Männer legten die Hand an Öen Pflug.

) links unb rechts.

Drei Stunden lang hatte der Peter Margolf auf feiner Gewann am hohen Rain gezackert. Der Doden war steinig und gab nicht viel her. Die Zugochsen quälten sich ab. Auch der Dauer holte sich einen nassen Buckel. Dei sinkendem Tage kehrte er rackemüd heim. An der Hofreite empfing ihn feine Tochter, die Marie, unb goß einen Eimer voll Wasser über den Pflug. Nun würde die Aussaat gedeihen.

Der Peter entjochte die Tiere unb versorgte sie mit reichlichem Futter, dessen sie jetzt, wo die Arbeit sich häufte, mehr denn je bedurften. Dann rief er feiner Tochter zu, er wolle vor der Nachtsuppe noch ein Schnäpschen trinken, und ging drei Häuser weiter in denRitter". Er war ein groß r. breitschulteriger Mann, der die 's zig überschritten hatte. Auf dem mächtigen Nacken faß' ein wohlgebildeter Kops. Aus dem glattrasierten Gesicht sprang eine starke Nase vor. Die blaugrauen Augen waren von buschigen Dräuen überwölbt. Das kurz gehaltene, leicht ergraute Haupthaar wuchs bis in die Stirn hinein.

3n der Wirtsstube, einem ziemlich großen, wenig sauberen Raum, der von Tabaksqualm erfüllt war, traf der Peter vom am langen Tisch ben Krämerskari, den Walkmüller unb ben Dutternickel. 3m Hintergrund sahen der Hann» juft und der Reine Kumps. Der Wirt, ein hoher Sechziger, dem das Kupfer aus dem Gesicht schlug, stand an die Wand gelehnt und lauschte der Unterhaltung. Es wurde von der Witterung gesprochen. Frühmorgens hatten die Steine ge­schwitzt. Das deutete auf Regen. Man mußte sich beeilen, die Kartoffeln zu sehen. Die einen hatten eine neue Sorte bezogen, die die Land- wirtschaftslammer empfahl, die andern waren bei ihrer alten geblieben. Das Gespräch, das im Zickzack lief, beschäftigte sich mit den Ent­wässerungsanlagen auf dem Bruch, mit der Feuerlöschordnunq, mit dem Pfarrer und sprang dann auf die Feldbereinigung über, die, obzwar sie nach langem Widerstreit durchgeführt war, das Dorf noch immer in Atem hielt. Es war ein öffentliches Geheimnis, daß gar mancher unter den Bauern sich kein Gewissen daraus machte, krumme Furchen zu ziehen und vom Nachbar­feld ein Stück abzuzackern. Der Geschädigte wehrte

sich. 3n der Regel kams aber so, daß der ge­ringe Mann den kürzeren zog. Nun hatten die Wohlhabenden durchgesetzt, daß vor der Zu­sammenlegung der Grundstücke alles neu ver­messen wurde. Der Antrag der kleinen Besitzer aber, wonach die Angaben des Grundbuchs bei der Bereinigung maßgebend sein sollten, hatte nicht die nötige Unterstützung gefunden. Die Großen schoben die Kleinen beiseite und heimsten den Vorteil ein, sofern die Liegenschaften im Laufe der 3ahre nach Form unb Flächeninhalt ein wesentlich anderes Aussehen gewonnen hatten. 3ndessen rief später die Verteilung der Ersatz- grundstücke auf beiden Seiten Verstimmtheit wach.

3d) hab da droben am hohen Rain ein schön Ackerding erwischt," rafaunerte der Peter Margolf.Da vergeht einem, weiß Gott, die Lust am Dauerieren."

..Du m"ßt halt Korn draus ziehen," spöttelte der Walkmüller,dernachert kannst dus den Leut' enrnl weisen, wie man aus Stein' Brot macht."

Stein' hin, Stein' her," rief der Reine Kumpf,der Peter braucht sich net zu be­schweren."

Dumm Gedrätsch," wandte sich der Margolf gegen den Sprecher.3ch hab' bei bere Be­reinigung nij brofentiert.

's kost' mich ein Lach! Als wüßf manS net, du hast bein Schäsche geschoren."

! Der Peter svuckte verächtlich auS.

Was geb ich auf dein' Zorn!"

Nur langsam mit den armen Leut," er« widerte der kleine Kumps schlagfertig,'s fett ere gar viel."

Wer sich mit euch Lappanier einläßt, der schmeißt sich selbst aufs Maul," trat ihm der Dutternickel entgegen.Ein Glück, dah ihr's net aus'm Aermel zisselt. Wann ihr auf den Gaul kommt, reit euch kein Teufel vor."

Dich kann man in deiner eigenen Butter braten, und du wirst net besser," brach jetzt der Hannjust los.Wie hat der Pfarrer Sonntag gesprochen?Es werden allezeit Arme im Lande sein. Unb wer sich der Armen erbarmt, der ehrt Gott." Gelle, das is für dich französisch? 's is doch eso, daß du keinem was gunnft. Unb gäbst ein Aug' drum, wann der andre keins hätt'l" lFortsetzung folgt.)

Go urteilt ein Oberamtsrichter!

Ich habe seit meinem 18. Lebensjahre an Haarausfall gelitten unb seitdem unzählige Haarwässer dagegen angewendet. Es gibt keins in Deutschland, das ich von den bekanntesten nicht

versucht hätte, Vor etwa einem Jahr versuchte ich eS energisch mit gavol. Nach etwa dreimonatlicher «Anwendung hörte der Haarausfall vollständig auf, nachdem ich jeden Tag unter Massieren die Kopfhaut mit einem, in gavol eingetauchten Wattebausch tüchtig eingerieben hatte. Seitdem benutze ich ständig und ausschlicsz- lich gavol. <B. M., Oberamtsrichter.*- gavol mit Fett, gavol ohne Fett Va Fl. 1,75, Vi Fl. 2,50, Doppel-Fl. 4,. Iavol-Gold (besonders wohlduftend) 2, unb 4,. gavol-Gold-§ropfwaschpulver, prachtvoll schäumend, in Deuteln zu 0,20. gn allen Fachgeschäften erhältlich. Exterikultur G. m. b. H., Ostseebad Kolberg

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