Ausgabe 
16.5.1925
 
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Bon eigenartigem Reiz dürfte die grobe Abtei - hing für wissenschaftliche und soziale Entwicklung sein. Sie zeigt, daß die Gebiete zu beiden Seiten des Rheiirs von jeher eine besondere Stellung int deutschen Wirtschaftsleben eingenommen ha­ken. Die Stadt Frankfurt ist mit einer be­sonders interessanten Abteilung vertreten, die viel "Beachtung sand. So bietet die Ausstellung eine Uebersichi über alle Aeußerungen des poli tischen, geistigen, kulturellen tytd wirtschaftlichen Lebens in einer Fülle und einem Reichtum wie vielleicht noch niemals eine Ausstellung vorher

An den außerordentlich interessanten Rund­gang schloß sich ein Frühstück, das den Presse­vertretern im Hauptsaal des Messehofes von der Stadt Köln dargeboten wurde und an dem auch Oberbürgermeister Dr. Adenauer teilnahm. Kein FlaggverboL zur Kölner

IahrlaufendaussteKung.

Köln. 15. 2HaL (2BIB.) Wie von zustän­diger Stelle mitgefeilt wird. Hot die englische 25c- sahungsbehörde gestattet, daß anlähllch der Er­öffnung der hiesigen Iahrtausendaussfellung alle össentlichLN t-.nb privaten Gebäude in sämtlichen Farben, mit Ausnahme Schwarzweißrot flaggen dürfen.

Die Reichsregierung führt nach Köln.

Berlin, 15. Mai. (TU.) Freitag abend be­gaben sich Reichskanzler 2r. Luther, Reichs­außenminister Dr. Stresemann, Reichsjustiz­minister Dr. F r e n ck e n , der preußische Minister­präsident Braun und der bayerische Minister- Präsident Held und eine Reihe anderer führender Regierungspersönlichkeiten nach Köln, um am Beginn der Tausendjahrfeier tellzunehmen.

Schulfrei in Preußen.

Das preußische Staats Ministerium hat, wie der Amtliche Preußische Pressedienst mit- teilt, angeordnet, daß am 20. Juni anläßlich der Tausendjahrfeier der Rheinlande der Schulunterricht im gesamten unbesetzten preu­ßischen Gebiet a u s f ä l l t. Im besetzten Gebiet wird der Ausfall des Unterrichts nach Maßgabe der lokalen Festveranstaltungen geregelt.

Die Vertreter der Länder beim Reichspräsidenten.

Berlin, 15. Mai. Der Reichsprä.s ident empfing heute in seinem Hause in An­wesenheit des Reichskanzlers Dr. Luther, des Reichsminifters des Innern Schiele und des Staatssekretärs Dr. Meißner die Staats- und Ministerpräsidenten und andere Regierungschefs der deutschen Lander zur Vorlegung und Entgegennahme ihrer Glückwünsche. Der preußische M i n i st er­st r ä s i d e n t richtete folgende Ansprache an den Reichspräsidenten.

Herr Reichspräsident! 'Rehmen Sie heute von den Regierungen der deutschen Länder die wärmsten Glückwünsche für Ihren Amtsantritt entgegen. Die Wahl des deutschen Volkes hat Sie an die Spitze der deutschen Republik gerufen. Wir, die Vertreter der Landesregierungen, treten Ihnen zur Seite, vertrauensvoll und willig zum gemeinsamen Dien st am deut sch en Volk. Das Wohl des Deutschen Reiches, dem Sie, Herr Reichspräsident. Ihre Kräfte zu widmen gelobt haben, ist das Wohl der deutschen Länder. Der Länder Nutzen und Schaden trifft Sie und das Reich gemeinsam. So ist Ihre Arbeit, Herr Reichspräsi- tvnt, auf das innigste mit unserer verbunden.

haben es ui diesen Tagen als Ihre Aufgabe lKzeichnet, die berechtigte Eigenart der einzelnen deutschen Länder zu wahren und ihre Wünsche und Bedürfnisie nach Kräften' zu fördern. Dieses Wort hat freudigen Widerhall gefunden. Nichts kann das Bedürfnis der Länder zum Reiche mehr vertiefen und freudiger machen, als die gegenseitige Achtung vor den Rechten des anderen Teiles. Möge unsere gemeinsame Arbeit auf dieser Grund­lage dem gesamten deutschen Volke, dem Reiche und den.Ländern zum Segen gereichen."

Darauf erwiderte der Reichspräsident:

M eine Herren! Ich danke Ihnen für Ihren Besuch. Ich danke Ihnen für die freundlichen Glückwünsche, die Sie mir durch den Herrn preußi­schen Ministerpräsidenten soeben haben darbringen lassen. Auch heute möchte ich Ihnen versichern, daß ich es als eine meiner vornehmsten Auf­gaben anfehen werde, das gute Ein­vernehmen des Reiches und der Län­der zu pflegen und zu fördern; denn in der Die'lgestaltigkeit der deutschen Stämme, ihrer Eigenart und ihrem Eigenleben liegen die Wurzeln unseres Volkstums und unserer Volkskraft. Das Reich umschließt sie, umfaßt sie zur Einheit, so, Reich und Länder zu einer Schicksalsgemeinschaft ver­bindend, und hat sie in diesen Jahren gemeinsamer Not und Leidens mehr denn je zusammengeführt. Lassen Sie uns alle diese Einigkeit mit besten Kräften fördern. Wir wollen immer sein ein Volk und Reich. Das walte Gott."

Nach dein Empfang gab der Reichspräsident ein F r ü h st ü ck , bei dem Frau von Hinden­burg, die Schwiegertochter des Reichspräsidenten, die Stelle der Hausfrau einnahm, und an dem der Reichskanzler, fämlliche Reichsminister, die Staats­und Ministerpräsidenten, die Regierungschefs der Länder, die Staatssekretäre des Reiches, die Ge­sandten und führenden Reichsratsbevollmächtigten der Länder, der Reichsbankpräsident, der stellv. Generaldirektor der Reichsbahn, der Präsident des Oberrechnungshofes sowie der Sohn des Reichs­präsidenten Major von Hindenburg teilnahmen.

Keine Reisepläne des Reichspräsidenten.

Berlin. 15. Mai_ (SU.) Zu den Nach­richten über Besuche des Reichspräsidenten außer­halb Berlins wird an zuständiger Stelle mit* geteilt, daß bisher noch keine Beschlüsse darüber gefaßt find, so auch nicht über einen Besuch des Reichspräsidenten in Münche n an­läßlich der dortigen Derkehrsausstellung und auch nicht über einen Besuch im Rheinland anläß­lich der Jahrtausendfeier.

Sturz des neuen belgischen Kabinetts.

Brussel, 16. Mai (TU.) Die Mitglieder des Kabinetts haben gestern ihre Aemter übernom­men. Die nur sehr kurze Regierungserklärung gipfelt in der Feststellung, daß das Kabinett keine poli­tische Regierung, sondern ausschließlich ein Geschäfts­ministerium sei. Wie verlautet, haben die Oppo­sitionsparteien beschlossen, einen Mißtrauensantrag

Um Die französischen Schulden, Unabhängigkeit von den deutschen Zahlungen. Loyale Haltung Amerikas.

Paris, 16. Mai. (Sil.) Das interalli­ierte Schuldenproblem steht im Vorder­gründe öcr politischen Erwägungen.Journal" weist in einem längeren Leitartikel auf die m a - terielle ileberle.genheit Amerikas und die Zahlungsunfähigkeit Frank­reichs hin. Der Wohlstand Amerikas habe nach offiziellen Feststellungen in der Zeit von 1912 bis 1922 um 72 Prozent Angenommen, während in demselben Zeitraum die Wohlhaben­heit Frankreichs sich um 30 Prozent vermindert habe. Zn Amerika seien bedeutende Steuer-Er­leichterungen und Ermäßigungen in Aussicht ge- nvmmen worden. Frankreich dagegen sei ge­zwungen, in einem einzigen Jahre 1 Milliar­den Franken neue Steuern aufzulegen, deshalb habe Frankreich den größten Anspruch auf schonende Behandlung. Der Leitartikel der Cre Rouvelle" enthält die Bemerkung, daß die Regelung der französischen Schulden nicht länger meh r von den deutschen Zah­lungen abhängig gemacht werden solle. Dieser Standpunkt, den P o i n c a r e bereits ver­treten habe, habe sehr zu der wachsenden Miß­stimmung der Vereinigten (Staaten gegen Frank­reich beigetragen.

Englische Mahnungen.

DieDimes" richten in Form eines Be­richtes aus Washington eine erneute ernste Mah­nung an Frankreich in Sachen der Schul­denverhandlungen. Es sei unter keinen Um­ständen möglich, die Schuldenrückzahlungen Frank­reichs von den deutschen Zahlungen an Frank­reich abhängig zu machen. Das wurde den Zu­sammenbruch der Verhandlungen bedeuten.

Amerika zur Schuldensrage.

In Washington ist man in Besorgnis wegen der Haltung, die England einnehmen wird, falls Frankreich bei der Schuldenregelung um eine Ermäßigung der Schulden bitten sollte. Die Mehrheit in Amerika begünstige eine loy - a l e Behandlung der Schuldenfrage und nach Auffassung Amerikas werde man sicher zu einer erfolgreichen Lösung kommen. Wenn

einzubringen, da de Vyvisre nicht beabsichtigt, die Vertrauensfrage zu stellen. Das bedeutet den Sturz des Kabinetts.

Bulgarischer Ueberfal! aus ein serbisches Dorf.

Rach amtlichen Berichten aus R e g o t i n in Serbien überschritt gestern eine bul­garische Militärabteilung von dreißig Mann unter Führung eines Offiziers die ser­bisch-bulgarische Grenze und überfiel das ser - bische Dorf Cernoschaftze. Es kam zu einem mehrstündigen Kamps mit den Bauern, in dessen Verlauf die bulgarischen Soldaten mehrere Häuser durch Bomben in Brand setzten. Hierbei wurde ein serbischer Bauer schwer ver­wundet. Rach Eintritt der Dunkelheit zogen sich die bulgarischen Soldaten auf ihr Gebiet zurück. Die Rachricht von dem Ueberfall rief in Bel­grad große Entrüstung hervor.

Die Todesurteile gegen die bulgarischen Verschwörer auf­gehoben.

Sofia, 16. Mai. (121.) König Boris hat die Todesurteile gegen die 24 am Attentat auf die Kathedrale Beteiligten nicht unter­zeichnet. Die Todesstrafen sollen in lebens­länglichen Kerker umgewandelt werden.

vr. Höfles Selbstmord festgestellt.

Berlin, 15. Mai. (Wolff.) Zur Feststel­lung der Todesursache Dr. Höfles er­statteten die Aerzte Dr. Straßmann, Dr. Kipper und Dr. Stornier ein Gutachten, in dem ausgeführt wird, daß die Art der Krankheits­erscheinung von vornherein zu der Annahme ge­führt habe, daß es sich um eine Vergiftung durch narkotische Mittel handele. Eine solche erklärte die zunehmende Bewußtlosigkeit und die damit verbundenen Störungen in be­friedigender Weise. Diese klinische Vermutung habe eine weitere Bestätigung durch das Er­gebnis der chemischen Untersuchung gefunden, die verhältnismäßig erhebliche Mengen ßuminal im Urin und Pantopon in den Organen nachgewiesen hohe. Auch die anatomische Unter­suchung habe sie insofern bestätigt, als sich andere Gründe für die beobachteten Krankheitserschei­nungen und den unter ihnen eingetretenen Tod nicht hätten feststellen lassen. Die vorgefundene Lungenentzündung habe sich offenbar aus dem ursprünglich vorhandenen Bronchial- Katarrh, der seit 15. April festgestellt worden sei und unter dem Einfluß der Bewußtlosigkeit und Herzschwäche entwickelt, wie das unter ähn­lichen Verhältnissen häufig geschehe. Es handele sich nicht um eine primäre sogenannte echte Lungenentzündung, sondern um eine sekun­däre katarrhalische, wie auch der mikro­skopische Befund dies feststellen lasse. Auch die Veränderungen am Herzen seien, wenn sie auch während des Lebens gewisse Störungen hätten Hervorrufen können, doch nicht schwerwiegender Art.

Mtt Rücksicht auf die offenbar eingenommene große Menge Lumina! und Pantopon scheine keine andere Erklärung denkbar, als daß Hösle in der Absicht, sich das Leben zu nehmen, das Gift in sich cingesührt habe.

Die langcutbauernbe, bei Hösle beobachtete see­lische Depression mache eine solche Hand­lung psychologisch durchaus verständlich, selbst wenn sie seiner Denkweise und feiner religiösen Anschauung in gesunden Tagen widersprochen habe.

Das Gutachten kommt daher zu dem Er­gebnis, daß Dr. Höf le seinen Tod in

selbstmörderischer Absicht

durch Einnehmen größerer Mengen ßuminal und Pantopon gefunden habe. Zn einem Sonder- gutachten, das zu dem gleichen Ergebnis kommt I wie das Gutachten des Aerztekollegiums, erflärt Dr. Strohmann weiter, daß die ärztliche Dehand- 1 lung, die mit der Anwendung narkotischer Mittel

Großbritannien protestieren sollte, so solle man daran erinnern, daß Lord Curzon gesagt habe, durch die Regelung der amerikanischen Schulden habe England 30 Prozent vom vollen Wert der Schulden bezahlt. Deshalb könnten die Vereinigten Staaten, ohne Schwie­rigkeiten durch England befürchten zu müssen, Frankreich einen Nachlaß von 1 Milliarde Dollar gewähren.

Tagung der amerikanischen AkademiefürPolilikundSoziale Wissenschaft.

Philadelphia. 16. Mai. (WTD. Funk­spruch.) Heute begann die dreitägige Tagung der amerikanischen Akademie für Politik und Sozial-Wissenschaft. Die Haupt- puntte der Erörterungen bildeten der Dawes- plan, das Kriegsschuldenproblem und die Abrüstungsfrage. Mehrfach wurde be­tont, daß der Dawesplan nur einen Rotbehelf darf!eile. Pros. Kämmerer von der Winston- Universität befürwortete eine sofortige Herab­setzung der deutschen Reparationsllistungen um 82 Milliarden Goldmark. Die Summe von 132 Milliarden Goldmark sei unsinnig. Das deutsche Volk würde sofort Mut fassen und mit der syste­matischen Abarbeitung der verbleibenden 50 Mil­liarden Goldmark beginnen. Zum Kriegsschulden­problem äußerte der frühere Schatzamtssekretär O. Crosby, er befürchte, daß die deutschen Zahlungen infolge der Armut des deutschen Volles und seiner ungünstigen Handelsbilanz den französischen Erwartungen nicht entsprechen wür­den, ferner befürchte er, daß das amerikanische Ansehen eine Einbuße erleide. Er trete für ein mehrjähriges Moratorium für Frank­reich und die anderen Schuldner ein, bis die wei­tere Auswirkung des Dawesplanes zu übersehen sei. Der Dawesplan fei ein mit rotem Pfeffer bestreuter Umschlag auf mehrere Geschwüre, diese jedoch benötigten zur Heilung mehr als nur einen Umschlag.

bereits mehrere Tage vor dem 18. April aufge­hört habe, die tödliche Vergiftung nicht verur­sacht haben könne. Der Vorgang könne von ge­richtsärztlicher Seite nicht anders ertlärt werden als durch eine absichtliche Selbstvergiftung Holfes.

Aus dem Finanzausschuß des Hessischen Landtags.

Darmstadt, 15. Mai. (Eigen. Bericht.) Der Finanzausschuß des Hess. Landtags geneh­migte in seiner heutigen Sitzung Kap. 86 (Reichs­versicherungsordnung). Zu Kap. 88 (Erwerbs­losenfürsorge usw.) beantragte Abg. Delp, die Regierung zu ermächtigen, den 'Betrag von 100 000 Mk., wenn notwendig, auf 200 000 Mk. zu erhöhen. Zu Titel 3 wurde beantragt, die Kosten für eine Beratungsstelle, für die 2000 Mk. ausgesetzt waren, auf 5000 Mk. zu erhöhen. Das Kapitel wurde genehmigt. Ebenso wurden die fol­genden Kapitel genehmigt: 89 (Landeskreditkasse), 90 (Bergbau), 91 (Förderung des kaufmännischen Unterrichtswesens). 93 (Gewerbeunterricht), 94 (Dampfkesselprüfung), 95 (Eichwesen). 96 (Zentral­stelle für die Gewerbe). 97 (Chemische Prüfungs­station Darmstadt). Zu Kap. 98' (Gewerbliche Unterrichtsanstalten) lag ein Ersparungsantrag Dr. Leuchtgens vor, der gegen drei Stimmen bei einer Stimmenthaltung abgelehnt wurde. Dieses Kapitel wurde genehmigt, ebenso das folgende: 99 (Kunstgewerbliche Zwecke). Die Be­ratungen wandten sich hier auf dem Vermögens­teil des Voranschlags zu und es wurden noch einige rückständige Kapitel erledigt. Angenom­men wurden: Kap. 120 (Stiftungswesen), 125 (Ankauf und Verkauf von Staatsgütern), 126 (Reste aus früheren Jahren) und Kap. 148 (Aus­leihungen und Staatsschulden). Rächste Sitzung Montag, den 18. Mai.

Zusammentritt des Hessischen Landtags voraussichtlich Mitte

Juni.

Man hofft, daß der Finanzausschuß noch vor Pfingsten mit seinen Beratungen zu Ende kommt und daß auch die Berichte hierüber bald fertiggestellt sind, so daß Mitte Juni mit dem Zusammentritt des Landtags gerech­net werden kann.

Reichsfinanzminister v.Schlieben über das KompromLsi im

Ausurertungs-Ausschuh.

Berlin, 15. Mar. (TU.) 3m Aufwertungs- Ausschuß des Reichstages betonte heute im wei­teren Verlauf der Debatte Reichsfinanzminister v. Schlieben no.:unals die schwierigen Wirt­schaf t l i ch e ir u n finanziellen Be­denken. die die Rrrchsregierung gegenüber dem Kompromiß geäußert habe. Trotzde m sei sie auf den Boden des Kompromisses getreten, damit das deutsche Wirtschaftsleben endlichzur Be­ruhigung komme. Ueber die in dem Kom­promiß niedergelegten Richtlinien hinauszu­gehen, wäre die Reichsregierung jedoch keines­wegs in der Lage gewesen. 3m Interesse der derckschen Wirtschaft und des deutschen Kredit- marttes mußten die Verhandlungen so beschleu­nigt werden, daß das Aufwertungsproblem in kürzester Zeit als gelöst gelten könne.

Wettervoraussage.

Zunächst noch vielfach heiter und warm, bei verstärkter Gewitterneigung und langsamer Trübung.

Das die Wetterlage bedingende Hochdruck­gebiet verzieht sich immer mehr nach Rordosten und liegt heute morgen mit seinem Zentrum an der ostskandinavischen Küste. Es wird an seiner südlichen und westlichen Seile stark bedroht. Der Rordmeerwirbel hat mit Ausläufern den Konti­nent erreicht, und an der Westküste Frankreichs Regenfälle verursacht.

Deutscher Reichstag.

Berlin, 15. Mai. Das Haus nimmt nächst in allen drei Beratungen den Enttvurk eines Gesetzes über die Erhöhung der Gebühre» für die Tätigkeit des PreisaussichtS- amte« der Privcttversicherungen tm 3aficc 1923 an.

Dann erfolgt die Wetterberatung des H auS- halts des Reichsministeriums für Ernäh­rung und Landwirtschaft, die mit einem Antrag Korell (Dem.) verbunden wird, einen Ausschuß von Sacherständigen zu berufen mit bem Zwecke der Erstattung eines Gutachtens über die wirtschaftliche Lage Deutschlands in ihrem Zu­sammenhang mit landwirtschaftlichen Zöllen und Handelsverträgen.

2lbg. Putz (Komm.) begründet eine Inter­pellation der Kommunisten, die sich mtt der Rot der Kleinbauern beschäftigt. Würden die Schutzzölle eingeführt, so hätte dies nur ein Preisdiktat durch die Großbauern zur Folge. Der Redner begründet dann noch 3ntervella- ttonen der Kommunisten, die sich für die Land­arbeiter, deren Arbettszeit, Koalitionsrecht usw. einsetzen und von der Regierung ßinberimg des Steuerdrucks bei den Keinen Landwirten ver­langen.

Ministerialdirektor Zach führt aus. daß allen Landwirten in den landwirtschaftlichen Dotgebieten von feiten der Steuerbehörden

Steuerstundungen

auch auf die Einkommensteuer in weitestem Mäße gewährt wurden. Stundungen seien auch in der Vermögens- und Erbschaftssteuer und für Renten- bankzrnsen eingetreten. x

Abg. Korell (Dem) erklärt, man dürfe das Bauerntum nicht mit bestimmten politischen 3nstittttio7ven verwechseln. Die Kluft zwischen Landmann und Landarbeiter sei so tief, daß sie kaum zu überbrücken sei. Der Redner be­gründet dann seinen Antrag, der die alsbaldige Einberufung einer Sachverständigenkonferenz ver­langt, die sich mit der Forderung der Produk­tton und Steigerung des Verkaufs inländischen Getreides beschäftigen soll. Die ungeheure Mehl- einfuhr würde nicht nur den inlmrdischen ®e- treibemarft schädigen, sondern auch den Ruin der Mühlenindustrie herbeiführen. Zur Frage der Zölle für die Landwirtschaft führte der Red­ner u. a. aus: Sind die Schutzzölle ein Mittel um die gegenwärtige Rotlage der Landwirtschaft zu mttdem? Zur Beantwortung dieser und an­derer Fragen über die Zweckmäßigkeit der Zölle will der Redner einen besonderen Sachder- stän di gen aus schuh eingesetzt wissen. Der Redner seht sich dann zum Schluß noä) für den Schutz des deutschen Weinhandels ein.

Abg. Meyer- Hannover (Wirtschastl. Dg.) wendet sich gegen die massenhafte Einfuhr aus­ländischer Agrarprodukte und Wein. Wenn Deutschland seine Landwirtschaft nicht lebens­fähig erhalle unb schütze, verheere dies die land­wirtschaftliche Selbständigkett. Dann fordert der Redner Beseittgung des Restes der Zwangs­wirtschaft.

2Ibg. Oeraucr (Dayr. Dpt.) beklagt den starken Steuerdruck, der auf die bayerischen Klein­bauern geradezu vernichtend wirke.

Die deutsche Landwirtschaft sei gefährdet durch die Konkurrenz der Getreideexportlän- der Canada und Argentinien. Agrarschutz­zölle feien darum eine Rotwendsgkeft, um die deutsche Volksernährung zu sichern. Auch gegen die wachsende Fleifchoinfuhr müsse die deutsche Bauernschaft geschützt werden. Eine För­derung der heimischen Milchproduktion sei fcrin» gend notwendig.

Reichsernährungsminister Graf Kanitz er­klärt, die Hauptarbeit des Reichs Ministers für Ernährung imb Landwirtschaft müsse sich jetzt auf die Förderung der heimischen Pro­duktion richten. Wir brauchten eine starke pro­duzierende Landwirtschaft. Rach der Stabilisie-- fierung der deutschen Währung bereite die Er­nährung des deutschen Volkes keine Schwierig­keiten mehr, aber der Konsum hätte noch nicht die Höhe der Vorkriegszeit er­reicht.

Die Reichsgetreidestelle könne jetzt aufgelöst werden.

Der Reichstag würde demnächst über die Verwendung der Ueberschüsse zu beraten haben. Die Regierung würde einen Gesetzentwurf vor­legen, daß sie den Ueberfchuß auf dem Kreditwege zur Förderung der landwirtschaftlichen Produk­tion verwenden werde. Der Fleischver­brauch habe jetzt den Stand von 1900 erreicht. Die Versorgung mit Kartoffeln sei völlig ausreichend. Die Landwirtschaft habe sogar Absatzschwierigkeiten bei Kartoffeln und noch mehr beim Spiritus. Der Minister schilderte dann die schwierige Lage des Wein- und Ge­müsebaues und erklärte, er werde sich be­mühen, bei den schwebenden Handelsvertrags­verhandlungen Schutzzölle für diese Zweige zu erreichen. Bei einer Steigerung der Rentabilität der Lairdwirtschaft und der Landarbeiterlohne wird auch die Abwanderung der Land­arbeiter aus dem Often nach dem westlichen 3ndustriegebiet aufhören. Die Landarbetterfrage gehört zu den wichtigsten Problemen der Agrar­produktion. Die Kreditnot, die sich von Monat zu Monat steigert, hat für die Landwirtschaft einen bedrohlichen Charakter angenommen. Die hohen Zinsen können meist nur durch neue Ver­schuldung aufgebracht werden. Die Gründung der Rentenbant-Kreditanstalt eilt. Die Zollvorlage wird in den nächsten Wochen dem Reichsrat zu- gehen. Die Reichsregierung steht auf dem Stand­punkt, daß die allsettig als notwendig aner­kannten.

Jnbustriezölle ohne das Korrelat toov. ent­sprechenden Agrarzvllen eine Handels- und wirtschaftspolitische Unmöglichkeit

waren. 3ch bin kein Freund von Hochzöllen, man wird aber ohne Zölle nicht auskommen, solange die ganze Welt sich auf dem Zoll­gebiet so protektionistisch einstellt, wie heute. Die heimische Produktion muß auch gegen die Einfuhr aus Ländern geschützt werden, die wegen besserer klimatischer Bedingungen billiger pro­duzieren können. Fünf Millionen sind in den Etat zur Förderung verschiedener Produttions- zweige neu eingestellt. Wir wollen dem kleinen Landwirt die Fortschritte der Technik durch ge­steigerte Wirtschaftsberatung nutzbar machen. Die Agrarfrage werde in kürzester Zeit eine für die weitere Entwicklung der deutschen Gesamtwirtschaft überragende Bedeutung ein­nehmen. 3e kaufkräftiger die Landwirtschaft wird, desto aufnahmefähiger wird der Binnenmarkt für die deutsche Industrie.