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Nr. Erstes Blatt
175. Jahrgang
Samstag, 16. Mai <925
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GiehenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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3n hoc figno . . .
Der tschechische Außenminister Lcnesch reist von Prag nach Warschau um in mehr ober minder geheunen Besprechungen dem Frieden (Europas zu dienen: dar entwaffnete Deutschland mit einer Mauer von starrenden Gewehren zu umgeben. In Frankreich und England arbeitet man fieberhaft an den endlichen Fertigstellung der Entwaffnungsnoten, eines „Dotuments »an hervorragender Bedeutung", eines Sotumcnies, das die Alliierten uns feit Monaten schuldig find, das die Antwort ist auf eine deutsche Feststellung in ganz einfachen Zohlen: Deutschland hat ein stehendes ijeer von 100 000 Mann, denkbar starr und unzweckmäßig unter fremdländischem Zwang organisiert, Deutschland hat eine verschwindend geringe Zahl von Waffen und Kriegsperäi, es ift — nicht nur zahlenmäßig, auch rein l fegstechnisch — dem kleinsten seiner Gegner, etwa Polen ober irgendeiner der neugeschaffenen füöüftlichen Reiche, von vornherein unterlegen. (Es wird schwer sein, auf diese einfachen, tatsächlichen Feststellungen erwidernd, die Notwendigkeit der Fortdauer der Besetzung der Kölner Zone aus Gründen der Sicherheit zu begründen. „Die Note werde ein sehr langes Dokument sein", schreibt man aus Poris . . . Willst du den Frieden, rüste den Krieg. —
Ueberall in der Welt flirren die Hämmer auf Stahl und (Eifen; fie schmieden Waffen und rüsten den Krieg. Innerhalb der deutschen Grenzpfähle flattern Fahnen in festlichen Städten: Berlin, München und der ganze Westen, dem der Rheinstrom seit tausend Zähren lieben und Arbeit und Freude gab.
Uns ist dos alte sieghafte Schwert des Krieges entrissen, nicht aber die Führerschaft; denn das Lebendig ■ siegt in der Welt. Im Reich des Geistes werden öu 1 ’. ibenben Schlachten geschlagen, und die Idee ist . die die (Entscheidung in sich trägt." Wohl hat unser Volk besiegt am Boden gelegen, zersetzt von Granaten und Bajonetten, aber damals lag auch das, was geistig war in unserem Bolls- körper, in schweren Fieberschauern darnieder. Wir waren zerrissen nicht nur von außen; viel mehr und schmerzlicher wühlte von innen her der Kamps. Doch wir sind langsam zur Höhe gekommen. Die Kämpfe, die heute noch immer wieder ausflackern, gehen nicht mehr um lebenswichtige Funktionen der geistigen Einstellung; bas Treiben der Parteien, die Streitigkeiten ber Lander und die Zwiste in den Gemeinden sind nebensächlicher Natur. (Es handelt sich nur mehr um. die Kleider, nicht mehr um das Herz.
Das ki; Deutschlands aber beginnt zu schlagen. Nie fühlte man es nach dem Kriege deutlicher als gerade in diesem Jahre. (Eben ist Hindenburg in das Präsidentenpalais in ber Wilhelmstraße eingezogen, und von rechts bis links geht dieselbe erwärmende Welle von Achtung und Verehrung vor dem Generalseldinarschall durch bas Volk. Das hoben wir seit mehr als zehn Jahren nicht mehr erlebt!
Das Herz Deutschlands beginnt zu schlagen: In München ist, auch tuicbcr in biesen Tagen, bei einer Teilnahme von Hunderttausenbeb, ein Denk- mal beutscher Kultur errichtet unb feierlich eröffnet worden, bas in der Welt seinesgleichen sucht. Das Deutsche Museum auf der Kohleninsel in ber Isar eröffnete am 7. Mai als bem Geburtstage seines Schöpfers, O s k a r v o n M i l l e r, zum ersten Male seine Psorren. Alles, was zwischen Maas und Memel, zwischen Etsch und Eider je geschaffen wurde, ist hier in ein riesiges lebendiges Buch eingeschrieben, das der ganzen Well ein Spiegel fein wird für Kulturtaten, die auf deutscher Scholle erwuchsen. Unb alle Federn, die über jene Tage schrieben, da die Frauentürme auf ein Meer von Fahnen herabschauten, sie schreiben wie von einer Hand gelenkt, wie ungeheuer groß das Gefühl von Zusammengehörigkeit unb der Bindung an das deutsche Volkgut gewesen sei. Wir Deutsche sind gern unb oft stolz, auch wo wir es nicht immer fein können; hier dürfen wir es, besonders im Hinblick darauf, daß das. was hier so eindringlich zu aller Welt spricht, ein Werk barfteU:, bas, vor bem Kriege im kaiserlichen Deutschland begonnen, die Stürme des Völkerringens unb bes Bruderkampfes überdauernd, langsam, aber ganz sicher gewachsen ist unb nun. da zum ersten Male wieder ein kräftiger Blut ström durch den gesamten deutschen Volkskörper geht, bem gesamten deutschen Volke unb mit ihm der Welt übergeben wird
Don rocniqer weittragender Wirkung nach außen, wohl aber ein Zeichen pulsierenden Lebens von innen war die große Reichsreklame messe, die dieser Tage in 'Berlin ftatlfanb. In dem Zeichen „Reklame für die Reklame" war hier zusammengetragen, was von deutscher Arbeit und Leistungsfähigkeit zu sprechen berufen war. .Reklame für die Reklame" war ja schon einmal in üblem Sinne in Deutschland Trumpf, als in der Inflationszeit Konzerne und Scheinfirmen Trug, geschäfte mit trügerischem Gelb unb trügerischer Ware sich breitmachten. Heute ist Reklame der Ausbruch wirtschaftlichen Wollens und gefestigten Könnens. Der Wille z u in Wiederaufbau ist es, der sich mit diesen aalen mit Ausstellungsgegenständen, an diesen Wänden mit bunten Papierflächen, auf diesen Flächen mit feinen Kiosken »nd Aufbauten lunbtut, und auch diese Tat ist seit Nähren die erste, die die deutsche Geschäftswelt ge- ineinsam und an zentraler Stelle mit solcher Ein- Dringlichkeit unternimmt.
Größer aber und wichtiger, nach innen unb außen von allergrößter Bebeutung. eine riesenhafte Geste von ungeheurer Wirkung, sinb die Feiern, bie ber Rhein heute erlebt. „TausenbJahrebeut. scher Rhein", dieses Wort bezeugt, in Aachen, Köln, Worms, Mainz unb Speyer von geschichtlichen (Erinnerungen und Denkmälern unterstützt, eindringlicher als alle Roten und diplomatischen Spiegel- fedtlereicn. eindringlicher, und wuchtiger selbst als feindliche Desatzungsarmeen, die Zugehörigkeit eni- rissener Landesteile und abgefperrter Volksgenossen
Die Vertagung der Botschafterkonferenz.
Meinungsverschiedenheiten in der (Entwaffnungsfrage.
London, 15. Mai. (XU.) Die Verschiebung der für heute angesetzten Botschafterkonferenz auf die imchste Woche scheint, nach der Behandlung der Angelegenheit in der Presse zu schließen, doch infolge ernster Meinungsverschiedenheiten zwischen der französischen und der englischen Regierung erfolgt zu sein. Der französische Botsck>after hat gestern dem englischen Außenminister C-Hamberlain einen Besuch abgeplattet und wird heute einen zweiten Besuch machen.
.Daily Teleg raph" meint, daß der Besuch wahrscheinlich mit Entwaffmingsbesprechun- gen und den deutschen Sicherheitsvorschlagen im Zusammenhang gestanden habe. Was die Cnt- wassinmg anbetrifft, so hakten auf der technischen Seite die französischen Sachverständigen in einigen Fällen deutsche Verfehlungen stark unterstrichen, die die englischen für zu wenig materiell hielten. Besonders treffe dies zuzüglich gewisser Vorwürfe gegen das deutsche Militär- personal zu. Deirn diese
machten auf bie englischen Sachverständigen den Eindruck, daß fie lediglich auf Unterstellungen unb theoretische Schlußfolgerungen gegrünbet
wären. Che diese Meinungsverschiedenheiten nicht beseitigt wären, könne die Dotschafterkonfevectz nicht zusammentreten.
Die französischen Vorschläge auf Schaffung einer besonderen ZeitfestsAzung in einzelnen Stufen werden in London nicht für zweckmäßig gehalten. Die französische Rote wegen der deutschen Sicherheitsvorschläge sei, so schreibt der „Daily Telegraph" weiter, eine französische und eine interalliierte Angelegenheit Der Rotenentwurf sei verl>ällnismäßig kurz und sei in versöhnlicher Form gehalten. Aber in der Sache sei er unversöhnlich, indem er die Singe nicht weiter fördere. Die Bote in ber Abrüstungsfrage werde aus einer Tabelle mit einem Begleitschreiben bestehen.
Die Tabelle werbe eine kommentarlose Auszählung der Verfehlungen enthalten.
der das Gutachten des Militärsachverständigen-
zum großen Deutschen Reiche, bas nicht allein burch Striche auf der Landkarte ober burch Besetzung von Brückenköpfen unb Kohlenzechen begrenzt wirb. Der Machtbereich beutschen Geistes bringt burch bie feindlichen Postenketten, er überspringt Zoll- unb Grenz- pfähle unb stellt sich wuchtig an bie Spitze, bie er leit Jahrhunderten innehatte. Das heilige römische Reich deutscher Ration stand hier am Rhein in vollster Blüte, seine Kaiser spiegelten sich in den Wellen bes deutschesten Stromes. Von hier aus brang Christentum unb Sitte unb mit ihnen Wissen unb Macht nach Westen unb Osten in bie Länder hinein. Unb noch einmal scheint es, als fei ber Rhein ber große Lichtbringer, er, ber einst bas Herz war jenes heimlichen Reiches ber Geister, als zwischen den Kirchturmspitzen von Coutances bis nach Rifchni- Rowgorod bie Baumeister ber Gotik sich in ebletn Wettbewerb bie Hände reichen.
Unb noch einmal: Das Her; Deutschlands schlägt; cs beginnt mit mächtigen «chlägen das Blut durch die Adern zur jagen. Waffenlos steht das deutsche Volk, geschlagen von Feinden, die bis an die Zähne gerüstet sind, siegreich aber auf dem Weg an die Spitze ber Völker, an bem Platz, von bem Hölderlin spricht, wenn er sagt, „daß du wehrlos Rat gibst rings den Königen unb Völkern".
Vom marokkanischen Kriegsschauplatz.
Paris, 16. Mai. (£11.) lieber die Kämpfe in Marokko liegt ein zusammensassender Bericht vor, aus dem hervorgeht, daß die französischen Truppen 8um größten Teil nur mit irregu- lären Soldaten Abd el Krims zu tun hatten. 3n der Hauptsache waren die Angriffe des französischen Korps gegen die D j e b a l l a s und die Beni Z e r v. a k s gerichtet. Der Feind war ungefähr 3500 Mann start und setzte sich zum größten Teil aus Djeballas zusammen. Allerdings standen ihnen einige kleinere reguläre Aif- abtcUungen zur Seite. Das Kommando des Obersten Frendenberg griff bei Khonis die Beni Zeruats an, die an dieser Stelle 1600 Mann stark waren. Vach heftigen Kämpfen gelang es den Franzosen, die schwer befestigten Schützengräben der Gegner zu stürm en und den französischen . Posten bei Tanze; zu entsetzen. Vene Zusammenziehungen regulärer Riftruppen werden in der Gegend von Sakka und auch auf den Anhöhen von Kifsano gemeldet. Außerdem werden Gegenangriffe der Rifleute bei Amram erwartet.
Mit dem Gros der regulären Truppen Abd el Krims hat kein Zusammenstoß stattgefunden.
Der französische Fliegermajor Mezergue wurde während eines Erkundungsfluges über den feindlichen Stellungen von Maschinengewehr- higeln schwer verletzt Er ist tm Militär» spital von Fez seinen Verletzungen erlegen.
Die englische Presse zur Lage in Marokko.
London, 15. Mai. (T. U.) Die etthlijche Presse berichtet mit Zurückhaltung über bie Vorgänge in Marokko. „T i m e s" berichten aus Tanger, daß ber französische (Erfolg in ber Erstürmung von Bi- bano wahrscheinlich eine besänftigende Wirkung auf
ausschusses von Versailles zugrunde liegt. Aus ber Tabelle werde unzweideut ig hervorgehen, was Deutschland noch A u tun habe, um die Bestimmungen des Versailler Vertrags zu erfüllen. Eine Verständigung sei an und für sich bereits erreicht, doch könne man mit der Möglichkeit rechnen, daß der Rotenentwurf jetzt wieder an das Militärkomitee von Versailles zurückverwiesen werde, da es sich um eine rein technische Ausarbeitung handle.
Es bestehe Grund zu der Annahme, daß die Rote der Alliierten im Lause der nächst e n Woche Deutschland überreicht und tm Anschluß daran veröffentlicht werde. 3n der Zwischenzeit würden die Mächte ihre Entwürfe des Begleitschreibens berichtigen.
Die Pariser Blätter beschäftigen sich ausführlich mit einer Londoner Meldung, daß die Dotschafterkonserenz vertagt worden sei, weil die Angleichung bei- französischen und der englischen Rotenentwürfe noch nicht zu Ende geführt werden konnte. 3n Londoner amtlichen Kreisen sei erklärt worden .daß
von bet Einberufung einer deutsch-alliierten Konferenz vor der Klärung beS Sicherungspaktes nicht bie Rede sein könne.
Der französische Antworientwurs auf das deutsche Garantieangebot ist nicht nur den alliierten Mächten, soitdern auch den Staaten, mit denen Frankreich Sonderabkommen getroffen hat, also der Tschechoslowakei und Polen, übermittelt worben. Die Blätter erwarten langwierige Verhandlungen, die erst nach der vorherigen Regelung der Abrüstungsfrage entschieden werden könnten.
Es verlautet, daß Ehantberlain täglich mit dem französischen Dotschaster be Fleur iau Besprechungen über die endgültige Fassung der Abrüstungsnote an Deutschland hat. Don unterrichteter Veite verlautet, daß man sich bereits in den nächsten Tag en einigen werde. Der endgültige Entwurf werde dann der interalliierten Militärkommission in Versailles zur Prüfung übersandt, die ihn an die Botschaster- konferenz weitergeben werde.
die Nachbarstämme Haden werde und gleichzeitig für verschiedene nivellierte französische Posten Er- leichterung bringen würde. „(5 v e n i n g News" kommentiert den Krieg in Marokko unb meint, daß d i e französischen Finanzen gegenwärtig einen großen Kolonialkrieg nicht auszuhalten imstande seien. Das Blatt befürchtet, daß auch den Franzosen die bösen Erfahrungen der Spanier nicht erspart bleiben würden, unb empfiehlt zur Regelung der gesamten Fragen die Anrufung des Völkerbundes. Dieser würde schon imstande sein, für das Freiheitsbedürfnis der maurischen Beoöllerung des Rifs eine entsprechende Lösung zu finden.
Gemeinsames Vorgehen der Franzosen und Spanier in
Marokko.
Madrid, 16. Mai. (TU.) Don unterrichteter Seite verlautet, daß sich Frankreich und Spanien wegen eines gemeinsamen Vorgehens gegen Abd el Krim mit Großbritannien unb Italien verständigt haben.
Die Reise M a l v y s nach Madrid wird von einem Teil der Pariser Presse mit der Absicht der sranzösischen Regierung in Zusammenhang gebracht, eine gemeinsame französisch-spanische Aktion in Marokko vorzubereiten. Malvy sei beauftragt, den spanischen Behörden verstärkte Maßnahmen gegen den Waffen- und Munitionsschmuggel zu empfehlen. Er sei vom Ministerrat mit weitgehenden Vollmachten ausgestattet. Der frühere Innenminister erschien zu einer offiziellen Mission besonders geeignet, da er währeird seiner langjährigen Verbannung zu allen Kreisen der spanischen Gesellschaft Beziehungen angeknüpft habe. Am Quai d'Orsay äußert man sich sehr zurückhaltend und behauptet, daß Malvy die Reise privatim angetreten habe, eine Darstellung, bie bei keinem Pariser Blatt Glauben findet.
Kein Rücktritt Chamberlains.
London, 15. Mai. (T. U.) In den Wandel tzängen des Unterhauses wurde heute bas Gerücht über einen Rücktritt des Außenmini st ers viel besprochen. Die Stimmung war teilweise erregt. Die verschiedensten Kombinationen wurden laut, so daß sich ber Premierminister zu der Erklärung veranlaßt sah, daß das Gerücht völlig unbegründet und närrisch sei. Wie in parlamcntari» schen Kreisen verlautet, ist das Gerücht dadurch entstanden, daß die Gegner Chamberlains im Kabinett während ber letzten Tage besonders scharf die Außenpolitik des Ministers angegriffen Haden. Lord Birkenhead, Amery und Churchill, die von dem einflußreichen kanadischen Zeitungsmagnaten Lord Beaoerdrock unterstützt werden, sind erklärte Gegner der sran^sensreundlichen Politik Chamber- Iains. Churchill ist der Ansicht, daß Frankreich feine Kräfte völlig verausgabt und seinen Wert als Bundesgenosse verloren habe. Seit Chamberlain aus Genf zurück ist, kam cs im Kabinett ständig zu Unstimmigkeiten, doch findet der Außenminister bei Baldwin weitgehende Unterstützung.
Die Kölner Jahrtausend-Ausstellung.
Köln, 15. Mai. (TU.) Die rheinische Metropole rüstete sich mit allen Kräften, um bie rheinische Iahrtausenbfcier würdig zu begeben* Den Auftakt zu ber Feier bildet die Eröffn uug ber I ahrtausend-Ausstellung ber Rheinlanbe, einer Schau über taufend Jahre r bei nisch-deutscher Kultur, bie am Samstag vormittag 11 Uhr in Anwesenheit der Vertreter ber Reichsregierung unb ber Staatsregierungen von Preußen. Bayern. Baben. Württemberg unb Hessen in feierlicher Weife erfolgt ist. Die Stabt Köln hat aus diesem Anlaß burch Beflaggen ihrer Verwaltungsgebäude, sowie durch Verschönerung der Gartenanlagen b.; Stabt unb burch eine Reihe von Blumenschmuck in ber Umgebung ber Ausstellungshalle ein Festkleid angelegt, oas bem Charakter bei Iahrtausendseier in jeber Weise gerecht wirb Die Kölner Bevölkerung hat im Hinblick auf bie historische unb kulturelle Bedeutung bei Iahrtausend-Ausstel- lung Fenstern unb Balkons durch reichen Bin- memchrnuck ein sreunbliches Aussehen gegeben und dafür gesorgt, daß am SamStag
die ganze Stadt In vollem Fahnenschmuck steht unb so auch ben Fremden zeigt, wie stark das Bekenntnis des Rheinlandes zum Deutschen Reiche auch in Köln aufflammt. Rur so wird zum Ausdruck gebracht, daß die Iahrtausenbseier in der Tat keine Angelegenheit der Regierung, sondern des ganzen Volkes ist. Wie groß baß Interesse weitester Kreise an der Ausstellung ist. beleuchtet am besten bie Tatsache, baß bereits anfangs bi cf er Woche 25 000 Dauerkarten verkauft waren Die Ausstellungsleitung hat keine Mühe gescheut, um den interessiert Kreisen bie Besichtigung zu erleichtern Auch die Reichsba hn hat sich in ben Dienst der guk-rr Sache gestellt unb läßt Sonberzüge aus aUen Richtungen zum halben Preis nach Köln verkehren.
Auf die Bedeutung der Feier sei an dieser Stelle nur mit wenigen Worten fyingcirnefcn. Jin Jahre 1925 sind tausend Jahre r*crf!offen. seit König Heinrich 1 die linksrheinisch?'! Gebiete mit ben übrigen deutschen Stämmen unter seinem Szepter vereinigte und damit bas Deutsche- Reich schuf, das alle deutschen Stämme umfaßte und zu bem keine Gebiete gehörten, bie nicht deutsch waren Stoss Jahr 925 ist somit das Geburtsjahr des Deutschen Reiches. Die Bedeutung ber Ereignisse von 925 liegt vor allem darin, daß durch die staatsrechtliche Vereinigung ber Rheinlande mit bem Reich König Heinrichs l. erst bas Deutsche Reich geschaffen wurde, in bem bie Rheinlands Jahrhunderte! hindurch die beherrschende Stellung einnahmen. Die Rheinlanbe wie das ganze deutsche Volk haben daher allen Anlaß, die tausendjähr ge Grinncrung an die Ereignisse des Jahres 925 festlich zu begehen. Die Iahrtausendfeier ist eine nationaldeutsche Feier im wahrsten Sinne des Wortes.
Am Freitagmittag sand auf Entladung des Kölner Oberbürgermeisters Dr. Adenauer eine V or be s i ch t ig u ng der Ausstellung durch Pressevertreter statt. Der E "la- düng waren mehr als 200 Herren aus allen Teilen des Reiches, namentlich aus Rheinland unb Westffalen gefolgt Bürgermeister Meer- feld begrüßte in einer Ansprache bie Press?- Vertreter und dankte ihnen für ihr Zlhlretches Erscheinen. Er gedachte besonders ber Verdienste, die sich die Leiter ber Ausstellung. Museumsdirektor Dr. Ewald unb UniversitätSprosessor Dr. K u s k e um das Zustandekommen ber Ausstellung erworben hatten. Den Pressevertretern wurde darauf in einem zweistündigen Rundgang Gelegenheit geboten, sich davon zu überzeugen, welch gewaltiges Werk hier in kurzer Zeit geschaffen worden ist.
Die Ausstellung gewährt einen lückenlosen Ueberblick über die kulturelle und gesch.chtliche Entwicklung, die tausend Jahre rheinisch- deutscher Zusammengehörigkeit hervo.gebracht haben. Der Bedeutung ber Rheinlanbe für das Kaisertum des alten Reiches entsprechend bildet
bie Äaiferabteilung
ben Mittelpunkt der Ausstellung. In ihr liegt alles vereint, was bie Beziehungen bei Mai’er zum Rheinland betrifft Den Kaisern folgen die Landesherren, zunächst die vier rheinischen Kurfürsten. In gleicher Weise ist der im Rheinland so zahlreiche Landadel vericeien. Man kann sich bie Rheinlande nicht vorstellen, ohne an die zahllosen Denkmäler zu denken. Die bedeutendsten Kirchen unb Klosteranlagen werden im Modell gezeigt, darunter auch der alte Kölner Dom. Der' kirchlichen Kunst ist ein hervorragender Platz eingeräumt worden. In der Malerei ist neben den Meisterwerken des Mittelalters auch die neue Zeit vertreten. In der Plastik wird die vielfach nicht genügend beachtete Grabmalplaftis stark betont. Beim Kunstgewerbe verdienen die Golbschm'erarbeiten besondere Beachtung Fast alle großen Reliquienschreine sind auf ter Ausstellung zu sehen, an der Spitze der Drei-Könige-Schrein aus bem Kölner Dom. ber zum erstenmal außerhalb des Doms gezeigt worden ist.
Die Bebeutung ber Städte ist durch charakteristische Denkmäler ihrer Geschichte zum Ausdruck gebracht. Bon ben bürgerlichen Gewerben wirb besonders interessant bie Buchdrucke r- k u n st in ihrer geschichtlichen Entwicklung dar- gestellt. In weiteren Abteilungen ist vereint, was die Rheinlande in Wissenschaft, Kultur, Unterrichtswesen und Polttik ber deutschen Kultur und dem deutschen Staatsleben gegeben haben.


