Ausgabe 
16.2.1925
 
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<$ul SeiGtung Gestell! tocrOen oann Anträge St. Scholz (St. Dpt.), M umm (Dntl), -'IC ül ° ler -> Sixinfen (Soz.) und Koch-- Weser lDem.), die den Lehrgang der höheren Schu­len betreffen.

Abg. Löwenstein (Soz) nennt es ein baucmbeS Verdienst der Oiationalversammlimg, daß sie wenigstens c i n Gesetz auf dem Gebiete der Kultursrügen zustande gebracht habe, näm­lich das G r u n d s ch u l w e s e n. Der Redner fordert die Bildung eines Reichskult ur- r a l s. Der KiNlsencharakter müsse beseitigr wer­den. Der Redner verlangt die vierjährige Grund­schule, aus der sich baiu* die achtjährige höhere Schule aufbauen solle. Die Sozialdemokratie werde die soziale Schule erzwingen.

Abg Dr. Philipp lDtntl.) wendet sich gegen die Verkürzung der Schulzeit in der höheren Schule Er fordert ein Gesetz zum Schutze der neunjährigen Schule. Mit den Schulexperimenten müsse man jetzt aufhören. In Hamburg sei der Versuch der achtjährigen Schulzeit vollkommen gescheitert.

Begabte Kinder mühten die Möglichkeit haben, nach drei Jahren Grundschule zur höheren Schule überzugehen.

Das bedeute keine Etandesschule. Die Begabung mache leinen Unterschied zwischen arm und reich. Demokratischer Schematismus sei hier nicht an­gebracht.

Abg. Dr. Runkel (Dt. Dpt.) erklärt, die Deutsche Dolkspartei stehe durchaus auf dem Boden der Grundschule. Der Redner tritt gleich­zeitig dafür ein, daß die Möglichkeit geschaffen werde, die Grundschule auch in drei Jahren zu absolvieren. Vier Jahre lang begabte Kin­der in der Grundschule festzuhalten, bedeute eine Versündigung an der Seele dieser Kinder. Die Entscheidung ober die ääeberführung in die höhere Schule werde ja nicht von den Portemonnaiebe- sitzern, sondern vom Lehrerkollegium getroffen. Darum werde der Gewinn eines Schuljahres auch der Arbeiterklasse Ruhen bringen.

Staatssekretär Schulz betont, daß man über alle diese Fragen erst mit den Ländern in Verbindung treten müsse. Außerdem werde sich zur Kontrollfrage auch der F i n a n z Mi­nister zu äußern haben.

Abg. Frau Lang - Brumann (Bayr. Vp.) erklärt, Bayern wolle die alte Vorschule nicht mehr und trete für Beibehaltung der vierjährigen Grundschule, ein.

Abg. Dr. Götz (Dem.) hält ein Rahmen­gesetz für notwendig, um

ein Zersplittern des Schulwesens zu vermeiden. Die Schulhoheit der Länder werde dabei nicht angetastet werden. Wenn den Län­dern höhere Schullasten aufgebürdet würden, müßte das Reich dafür aufkommen. Auf der Grundschule lasse sich die Begabung der Kinder noch nicht übersehen. Der Redner fordert Schaf­fung eines Lehrplans, der eine a b g e s ch l o s - selie Bildung jür einen praktischen Beruf ermöglicht.

Abg. Rheinländer (Ztr.) fordert, daß ein einheitlicher Dildungsgedanke bas ganze Schulwesen vom Kindergärten bis zur älniversität durchbringe. Ob die Grundschule mit drei oder vier Jahren auf die Dauer betrieben werde, müsse die Erfahrung lehren. Vom Stand­punkt der religiösen Erziehung würde die Auf­lösung oder Differenzierung der Grundschule zu­gunsten begabter Kinder nur die Aufgabe der konfessionellen Schule sein. Dazu könne das Zen­trum seine Hand nicht bieten. An der neun­jährigen höheren Schule sollte man vorläufig nicht rütteln. Der Redner fordert, daß die Regie­rung auf dem Gebiete der Schulreform mehr Initiative entwickle.

Abg. H ö r n l e (Komm.) fordert Herab­setzung der Klassenfrequenz und Ver­besserung der Lehrmethode. Schul­politik und Weltanschauung seien nicht zu trennen.

Sämtliche Anträge werden darauf dem Dil° durrgsausschuh überwiesen.

Das Haus vertagt sich auf Montag: Haus­halt des Derkehrsministeciums.

Der Tschekaprozetz.

Der Mordanfchlag ans General von Seeckt. Die Ermordung des Rausch.

Leipzig, 14. Febr. (T. 11.) In der heu­tigen Sitzung des Tschekaprozesses wurde die Vernehmung des Angeklagten Reumann fort­gesetzt. Zunächst gelangt ein Artikel Sinow­jews gut Verlesung, der den deutschen Funktio­nären der Kommunistischen Partei zugesandt worden ist. General von Seeckt wird darin als die größte Gefahr für die deutsche Republik und das revolutionäre Proletariat bezeichnet, während Hitler, Wulle und Genossen als lächerliche, kleinbürger­liche Staatsmacher abgetan werden. S e e ck t, Ebert und Roste seien nur Spielarten des Faszismus. Ebert könne ohne Seeckts Duldung nicht einen einzigen Tag im Amt bleiben. Dev Vorsitzende richtet dann an Reumann die Frage, ob es richtig sei, daß nach dem Scheitern des ersten Mordplanes er versucht habe, den General von Seeckt im Tattersall zu erschießen. Reumal gibt an, daß er wohl einmal im Tatter­sall gewesen sei, daß aber dann die weitere Beobachtung des Tattersalls aufgeaeben wurde. M a r g i e s habe zunächst vorgeschlagen,

Seeckt mit einer Bombe zu erledigen. Margies habe eine Bombe fertiggestellt, die auf einer Kanalwiese bei Tempelhof probiert wurde und eine heftige Explosion hervorrief. Auf Weitere Fragen sagt der Angeklagte aus, daß er mit dem Adjutanten des Generals v-n Seeckt ge­sprochen habe, wo er sich als Berichterstatter von Schweizer Blättern ausgab. Ursprünglich habe er die Absicht gehabt. Seeckt im Ministerium zu töten. Er erfuhr dann, daß Seeckt nach Weimar gefahren war und lieh bei seiner Rückkehr den Q', h.lter Bahnhof überwachen. Man kam aber zu spät. Auf eine Frage der Verteidi­gung, daß doch auch die anderen Teilnehmer Pistolen hatten und schießen konnten, erklärt der Angeklagte, daß er für alle Fälle angeordnet hatte, daß die übrigen sich nach ihm richten sollten, also warten mußten, bis er die Pistole zum ersten Schuß zog.

Im weiteren Verlauf des Prozesses wurde -auf d i e Ermordung des Friseurs Rausch eingegangen. Der Angeklagte Reu- m a n n erklärte, daß er den Auftrag zur Erledigung des Rausch erhalten habe. Er hal>e noch acht Tage Frist zur Prüfung der Verfeh­lungen des Rausch gehabt, und während dieser Zeit feslgestellt, daß Rausch tatsächlich als P o l i- z e i s v i h e l gegen die Partei arbeitete. 3m

nächsten Moment seren ihm aber Bedenken ge­kommen. Um der eigenen Sicher heil teilten mußte Rausch dann aber sofort gelötet werden. In der Rachmittagssihung gibt der Angeklagte Reumann eine eingehende Darstellung der Ermordung des Rausch.

Er erklärte mit großer Erregung, daß er die Pistole, mit der er Rausch erschossen, so gehalten habe, daß er annehmen konnte, daß edle Kör­perteile nicht verletzt würden. Ohne daß er es gewollt habe, sei beim Senken der Pistote ein zweiter Schuß gefal.en, der tie'er ge­sessen haben müsse. Die ihm zur Last gelegten gefühlsrohen Aeuherungen nach der Tat be­streitet Reumann. Ebenso bestreitet er, gewußt zu haben, daß ein Schuß in den Unterleib tödlich sein müßte, vielmehr habe er angenom­men, daß eine Verwundung zwischen Leib und Schenkel nicht tödlich sein könnte. Er habe mit Bedacht so gezielt, daß nach seiner Ansicht Därme nicht getroffen werden konnten. Ferner habe er statt der großkalibrigen Militärpistole eine klein k a l i b r i g e Walter-Pistole benutzt, die nach feiner Ansicht feine sehr gefährlichen Wun­den verursache. Die den am Mord Beteiligten zugedachte Prämie habe er abgelehnt. Ferner habe er. da Rausch nicht gleich tot ge­wesen fei, erklärt, daß er ein zweites Mül die Sache nicht machen "würde.

136 Gpftr derGrudenkataftrophe

Dortmund, 14. Siebt. (T. 11.) Entgegen allen anderslautenden Meldungen erfährt die Telegraphenunion von amtlicher Seite, daß bei dem Anglück 136 Bergleute ums Leben gekommen sind. Davon sind bis zur Stunde 12 9 geborgen, während 1 noch nicht freigemacht werden konnten. Die Bergungs­arbeiten gestalten sich äußer st schwierig, so daß noch nicht gesagt werden kann, wann die noch fehlenden Leichen zutage geschafft werden.

Anläßlich der aus allen Teilen Deutschlands und dem Ausland eingelaufenen zahlreichen Bei­leidstelegramme und Geldspenden erläßt die Zechenverwaltung in ihrem und im Ramen der Belegschaft folgende Danksagung: Bon Staatsbehörden, Kreisen, Gemeinden und aus allen Teilen Deutschlands sind bei uns zahlreiche Beileidskund­gebungen anläßlich des Grubenunglücks auf unserer ZecheMinister Stein" eingelaufen; ebenso wurden in freundlicher Weise Geld­spenden zur Linderung der Rot der Hinter­bliebenen zur Verfügung gestellt, deren Höhe noch bekanntgegeben wird. Wir sprechen allen diesen Behörden und Personen schon jetzt herzlichen Dank, zugleich im Ramen der Belegschaft und der Hinterbliebenen aus. Die gestifteten Summen werden uns unsere selbstverständliche Ehrenpflicht, für die Hinterbliebenen zu sorgen, wesentlich er­leichtern.

Die Teilnahme des Auslandes.

Berlin, 14. Febr. (WB.) Der Reichs­präsident empfing den französischen Bot­schafter deMargerie, der anläßlich des Dort­munder Grubenunglücks das Beileid des franzö­sischen Präsidenten aussprach. Auch der rus­sische Botschafter hat dem Reichspräsi­denten seine Teilnahme ausgedrückt. Der o e st e r-- reichische Bundeskanzler Ramek hat ein Beileidstelegramm an den Reichskanzler ge­richtet. Auch die Gesandten der Schweiz, Finnlands und Belgiens sowie der spa­nische und litauische Geschäftsträger haben dem Auswärtigen Amt das Beileid ihrer Re­gierungen ausg:sprochen. König Doris von Bulgarien lic ßdem deutschen Gesandten in Sofia seine Teilnahme bekunden.

Das Beileid

der hePschen Regierung.

Darmstadt, 14. Febr. (Eigener Bericht.) Staatspräsident Ulrich Hal an den Ober­bürgermeister von Dortmund nach Bekanntwerden des Bergwerksunglücks folgendes Telegramm ge­richtet:Hessische Regierung nimmt an dem furchtbaren Unglück auf ZecheMinister Stein" den wärmsten Anteil. Ditte übermitteln Sie Angehörigen der Opfer herzlichste Anteilnahme an ihrem schwersten Geschick."

Die serbischen Wahlen.

Der Wahlterror der Regierung.

D e l g r a d , 15. Febr. In der heute aus- gegebenen Erklärung des oppositionellen Blocks wird festgestellt, daß die Wahlen in einer Weise vorbereitet wurden, daß der Regierung unter allen Umständen die Mehrheit gesichert werden mühte. An die Stelle des Präsidenten der Wahlkommission wurden viel­fach nicht befugte Personen, selbst Amtsdiener, gesetzt. Die Urnenhüter wurden verhaftet und viele Wähler durch Waffengewalt an der Ausübung ihres Stimm rechts verhindert. Trotzdem hätte die Regierung keine Mehrheit erhalten, wenn man nicht nach den Wahlen zu einem S t i m m e n d ie b st a h l ge­schritten wäre, indem die Wahlkugeln aus den Urnen der Oppositionsparteien in Urnen der Regierungsparteien umgeleert worden seien.

Am Wahltage selbst sei die Armee zu einem entwürdigenden Terror dien st herangezogen worden. Um der Verantwor­tung zu entgehen, klagt die Regierung jetzt die Opposition an, daß sie die Revolution vor­bereite, weshalb die Regierung weitere Gewaltrnahnahmen ergreifen müsse. Des­halb richteten die oppositionellen Parteiführer an die oppositionellen Wähler einen Appell, auch weiterhin ruhig zu bleiben, um das Recht des Volkes auf legalem Wege erkämpfen zu können. Für Gewaltakte würden nicht nur die­jenigen staatlichen Faktoren die Verantwortung zu tragen haben, welche den Terror ausgeübt hätten, sondern auch die, die ihn zuliehen.

In dem Banater Dorfe Paratnh kam es zwischen der serbischen und der deutschen Bevölkerung nach den Wahlen zu einem blu­tigen Zusammenstoß, in dessen Verlauf 8 Personen schwer und viele leicht verletzt wurden.

Kleine politische Nachrichten.

Aach zehnjähriger Pause tagte gestern im Berliner Großen Schauspielhaus zum erstenmal wieder der vom Reichsbund der Kommu­nalbeamten und - angestellten Deutsch­lands einberufene Gemeindebeamtentag, der zu einer Kundgebung gegen die Ver­längerung des Desoldungssperr-

g e s e tz c s rouroc. Alle Redner und auch eine einstimmia angenommene Entschließung sprachen sich für Aufhebung des Desoldungssperrgese._>es aus. Zahlreiche Qtericeier des Reichstags und des Landtags wohnten der Veranstaltung bei.

Die Berliner Kommunisten veranstalteten in Potsdam und Rowawes Deuwnstrationszüge. In Rowawes kam es zu Zusammen stoßen zwischen Demonstranten und dec Polizei. Auf beiden Seiten waren Verletzungen zu verzeichnen.

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Die Firma Gebr. Himmelsbach A.-G. beabsichtigt, gegen das in ihrem Prozeh gegen den Herausgeber desHolzmarktes", Otto Fe r n b ach , ergangene Urteil Berufung ein­zulegen.

Bei der Eröffnung des südafrikanischen Par­laments teilte der Ministerpräsident mit, daß so bald wie möglich eine Gesetzesvorlage einge­bracht würde, wonach in dem ehemaligen Deu tsch-Südwestafrika eine selb- ständige Verwaltung eingerichtet werden soll.

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Am Samstag ist im Auswärtigen Amt von dem siamesischen Gesandten in Kopenhagen, Prinzen Dipulha, der deutsch-siamesi­sche Wirtschaftsvertrag unterzeich­net worden.

Der tschechische Minister für auswärtige An­gelegenheiten hat den Gesandten Dr. Kamil K r o f t a mit der Leitung der Gesandtschaft der tschechoslowakischen Republik in Berlin beauftragt.

Der Direktor der Sofiaer ZeitungSlovo" Professor Rikolas M i l e s f, ein der Regierungs­mehrheit angehörender Abgeordneter, wurde auf der Straße in Sofia von drei Personen ermor­det, die aus nächster Rähe Revoloerschüsse auf ihn abgaben. Die Mörder sind noch nicht verhaftet worden. Man nimmt an, daß es sich um Bolschewisten handelt, da Mileff einen offenen Feldzug gegen die Bolschewisten führte.

Aus aller Welt.

Erdrutsch am Walchensee.

Durch die Anlage des Walchensee-> werkeS ist der Walchensee zu einem natür­lichen Stausee geworden. Wenn auch die ge­schaffenen Zuflüsse im allgemeinen genügen, so muh in feuchtigkeitsarmen Jahreszeiten wie in diesem Winter der Mehrverbrauch doch aus dem See selbst gedeckt werden. Daher hat der Wasserspiegel des Sees sich gesenkt und die schlammigen Steil­ufer sind durch Abrusch in Bewe­gung geraten. Der bisherige Rückgang des Wasserstandes beträgt 2l/2 Meter unter die niedrigste frühere Messung. Mit Gefahren verbunden ist nur das Betreten der schlam­migen Böschung am Südufer. Die Erdrutsche sind keine Ueberraschungen, sie treten bei allen derartigen Anlagen auf, ein Sinken des Wasserstandes bis zu fünf Meter ist von vornherein als möglich angesehen worden.

Schwere Sturmschäden In Bayern.

München, 16. Febr. (TU.) Gestern hat in München und im Bayrischen Wald ein Föhn getobt, der zahlreiche Unfälle und großen Schaden verursacht hat. In München wurden zahlreiche Personen durch yerab- fallende Gegenstände verletzt. Im Bayrischen Wald sind Zehntausende von Quadratmetern niedergerissen, Telegraphen, Telephon- und Lichtleitungen zerstört und zahl­reiche Häuser abgedeckt wor.den. Die Straßen wurden zum Teil vollständig unwegbar gemacht. Besonders groß ist der Schaden im Gebiete des Walchen- und des Eibsees.

Schwere Anwetter in der Schweiz.

Am Samstag und Sonntag haben die Süd­ost st ü r m e in den verschiedenen Gegenden der Schweiz, besonders in Kanton Appenzell, erhebliche Verwüstungen angerichtet. In der Umgebung des Ortes Appenzell wurden zwei Dächer vom Sturme fortgetragen. Kamine stürzten ein, und Feldbäume wurden in großer Zahl entwurzelt. Aus dem Kanton Tessin werden sintflutartige Regenfälle, begleitet von außerordentlich heftigen Gewittern und Hagel­schlägen gemeldet.

Schneeverwehungen auf der Gotthardbahn.

In der Rächt vom Samstag zum Sonntag wurde nach starken Schneefällen die Gott­hardbahn zwischen Ambri und Airolo durch eine Lawine in einer Länge von hundert Meter verschüttet. Die Verkehrsunterbrechung dürfte am Sonntagmittag 2 Uhr behoben worden sein.

Zwei Züge vom Sturm umgewörfen.

Der vor zwei Tagen eingetretene Föhn ent­wickelte sich zu einem außerordentlich heftigen Sturm, der an verschiedenen Gebäuden Schaden anrichtete. Ein Personenzug der Ltelz- kammergut-Lokalbahn wurde vom Sturm erfaßt und aus dem Gleise geworfen. Mehrere Wagen stürzten die Böschung hinunter. Dabei wurde ein Schaffner getötet und mehrere Eisenbahnangestcllte und 15 Passagiere leicht ver­letzt. Ein an die Unfallstelle abgegangener H i l f s z u g mit Aerzten usw. wurde ebenfalls vom Sturm erfaßt und umgeworfen. Ver­letzt wurde dabei niemand. Die Telephon- und Telegraphenverbindungen sind gestört.

Dom Tanz in den Tod.

Der 22jährige Kellner Franz K i a k o w s k i in Mannheim wurde, als er sich mit einigen Freun­den von einem Maskenball mit einem Lastauto nach Ludwigshafen begeben wollte, an der Rheinbrücke aus dem Lastauto her - ausgq»schleudert und fiel so unglücklich, daß er t o t liegen blieb.

Wettervoraussage.

Schwächer bewölkt und kälter, meist trocken.

Das Zentrum des irischen Tiefs hat sich unter Abschwächungen nach Südskandinavien verlagert. In seinem Rücken ist in Frankreich und England der Druck stark angestiegen. Auch unser Bezirk dürfte morgen auf die Rückseite der Störungen kommen und die Regenneigung und Trübung nachlassen.

| Aus Stadt und Land.

Gießen, den 16. Februar 1925.

Unser neuer Roman.

Als neuen Vornan bringen wir unseren Lese­rinnen und Lesern ein Werl von Alfred- Bock, dem fein empfindenden Schildercr des Hessenvvlkes und Hessenlandes. In denOber- Wäldern" schildert der Dichter, eingesponnen in Liebe und Haß, Glauben und Aberglauben die Geschicke eines jungen Paares, das jung und stark neben einem alten, stolzen Geschlecht seinen Weg zu gehen gewillt ist. Derb und wuchtig, wie diese Menschen, fallen auch die Ereignisse. Dis schließlich der Dichter aus dem dumpfem von Leidenschaften durchwühlten Kreis dieser ein­gesessenen Dauern uns hinausführt in die damv- fenden Ackerfurchen mit ihrem lebendigen Obern, der unbesiegbaren Kraft der treuen, mütter­lichen Erde.

Die Deutsche Nothilfe

ruft in unserem heutigen Anzeigenteil zu S p e n * den für die Hinterbliebenen der auf TrübeMknister Stein" bei Dort­mund verunglückten Bergleute auf. Gaben werden in unserer Stadt beim städtischen Wohlfahrtsamt und bei der MitteldeutsHen Gre- bitbant angenommen. Möge der Ausruf überall Beachtung finden und rege Hilfeleistung auslösen.

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** Kreisdirektor Dr. Merck. Er­nannt wurde der Oberrcgierungsrat bei dei Provinzialdirektion Ooerhessen zu Gießen, Dr. Ernst Merck, mit Wirkung vom Tage seines Dienstantritts an zum Kreisdirektor des Kreises Groß-Gerau. Kreisdirektor Dr Merck hatte am 15. Oktober v. Is. als Ober- regierungsral die Amtsgeschäfte des in den Ruhe- ftcmd versetzten Oberregierungsrats Weicker bei der hiesigen Provinzialdirektion und dem Kreisamt Gießen übernommen.

** Ernennungen im Schuldienst. Ernannt wurden die Schulamtsanwärter Georg Josef Kern aus Hainstadt, Kreis Offenbach, zum Reallehrer an der Taubstummenanstalt zu Friedberg: Erich Musch ke aus Mainz zum Lehrer an der Volksschule zu Vilbel, Kreis Friedberg: Ernst Röschen aus Friedberg- Fauerbach zum Lehrer an der Volksschule zu Salz (Kreis Lauterbach): Heinrich Fink aus Dorheim (Kreis Friedberg) zum Lehrer an der Vorschule zu Schwalheim (Kreis Friedberg): Heinrich Graulich aus Hattenrod (Kreis Gie­ßen) zum Lehrer an der Volksschule zu Rödgen (Kreis Friedberg): August Simon aus Rieder- Rosbach (Kreis Friedberg) zum Lehrer an der Volksschule zu Rieder-Eschbach (Kreis Friedberg: Heinrich Walther aus Friedberg-Fauerbach (Kreis Friedberg): zum Lehrer an der Volks­schule zu Rieder - Eschbach (Kreis Fried­berg): zum Lehrer an der Volksschule zu Rieder- Eschbach (Kreis Friedberg): Heinrich Müller aus Schadenbach (Kreis Alsfeld) zum Lehrer an der Volksschule zu Eschenrod (Kreis Schot­ten): die Lehrer Richard Müller zu Wall­dorf (Kreis Groß-Gerau) und Jakob Rull- mann zu Durg-Gräsenrode (Kreis Friedberg) zu Lehrern an der Volksschule zu Bad-Rauheim.

** Der Brandversicherungsbei­trag für 192 4. Das Ministerium für Arbeit und Wirtschaft gibt bekannt: Wie wir erfahren, gelangen zur Zeit die Anforderungszettel übe» den Dranoversicherungsbeitrag für das Kalen­derjahr 1924 zur Ausgabe. Da in den Monaten Januar, Februar und März 1924 die Betriebs­kosten in dem Mietsatz nicht enthalten, sondern umzulegen waren, sind die Vermieter berechtigt, den auf die einzelnen Mieter entfallenden Anteil an dem Drandversicherungsbeitrag für das erste Kalendervierteljahr von diesen noch zu erheben. Für das zweite bis vierte Kasendervierteljahr darf der Brandversicherungsbeitrag den Mieterr nicht in Rechnung gestellt werden.

Hessische S ch u l st a t i st i k. Die im Jahre 1910 von dem Hessischen Landeslehrer­verein herausgegebeneSchulstatistik", ein Aus­kunstsbuch über die Orts- und Schulverhältnisse sämtlicher hessischer Gemeinden, ist infolge der großen Veränderungen in unserem Schulwesen, jetzt gänzlich veraltet. Damit dieses unentbehr­liche Hilfsbuch, das auch im heimatkundlichen Anterricht wichtige Fingerzeige gibt, in zeit­gemäßer Bedeutung der Schule erhalten bleibt, wird es zur Zeit unter Mitwirkung der hessi­schen Lehrerschaft neu bearbeitet. Die wirtschaft­lichen, kirchlichen, schulischen und sonstigen Ver­hältnisse einer jeden hessischen Gemeinde finden darin besondere Würdigung.

-s- D i e Vertreter Versammlung des Hess. Landeslehrervereins fin'et am 18. April in Bad-Rauheim statt. Der seit­herige Vorsitzende, Schulrat Bach zu Darm­stadt, beabsichtigt, sein Amt dabei niederzulegen und lehnt eine Wiederwahl ab.

** Zur Freigabe deutschen Eigen­tums in den britischen Kolonien u n bl Protektoraten sowie in den unter briti»: scher Mandatsverwaltung stehenden ehemals deutschen Kolonien ist noch auf folgendes hinzu- weisen: Die bisher bekanntgegebenen Grundsätze finden auf die britischen Dominons mit Selbst­verwaltung, auf Indien und Aegypten, keine Anwendung. Australien erklärte, daß es nicht die Absicht habe, dem Vorgehen der britischen Regierung zu folgen unb in besonderen Fällen deutsches Eigentum freizugeben. C a n a d a läßt nach den neueren Rachrichten Freigaben nur noch für britisch geborene Frauen von Deutschen und für solche Deutsche zu, die weiter ihren Wohnsitz in Canada haben. Reuseeland ver­fährt ebenso wie Canada. Freigabeanträge für Canada und Reuseeland, gerichtet an den High Comissioner for Canada bzw. Rew-Zealand in London, können zur Weiterleitung an den Ver­treter des Reichsausgleichsamtes beim britischen Ausgleichsamt, Regierungsrat v. Friedberg, Cornwall House", Stamford Street, London S. E, übersandt werden. Die Stellungnahme In­diens zu der Frage der Freigabe liegt noch nicht vor. Deutsche Staatsangehörige, die bis Kriegs­ausbruch in Aegypten ansässig waren und sich in Rot befinden, können sich mit einem Fceigave- antrag an den Custodian of Enemy Property in Cairo toenben.

** Auftrieb at:f dem heutigen Frankfurter Schlacht oiehmarkt: 420 Ochsen, 39 Bullen, 845 Färsen und Kühe, 286 Kälber, 267 Schafe, 3060 Schweine.