Ausgabe 
16.2.1925
 
Einzelbild herunterladen

ar. 3 Erstes Bialt

<Z5. Jahrgang

Montag, <6. Zebruar 1925

Erscheint täglich, außer Sonn- und Feiertags.

Beilagen:

VießenerFamllienblätter Heimat im Bild.

monot»:B<jr.«spiti»: 2<Bolbmark u. 2(> Gold- pftnnig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. F e r n s p r e ch-Anschlüsie: Schristleitung 112, Ver­la., undGeschäftsstelleSl. Anschrift für Drahtnach­richte l Snjelger^lefjen.

Postscheckkonto:

granffnrt a. M. 11686.

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

vnick vnö Verlag: vrühl'fche Univerfilütr-Vuch- und Steinörudcrei R. Lange in Stehen. Zchriftleitung und Seschäftrstelle: 5chulttrahe 7.

Annahme von Rnzelae, für die Tagesnummer bi» zum Nachmittag vorher ohne jedeDerdindUchbeit.

Preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich«, auswärts 10 Goldpfennig; für Re­klame-Anzeigen d 70mm Breite 35 Goldpfennig, Platzvorfchrift20" .Auf­schlag. - Verantwortlich fürvolitih u. Feuilleton: Dr. Friede Wilk Lange, für den übrigen Teil: Ernst Diumschein; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich 'n Gießen.

Der Sicherheitspakt.

Der (Kencralkontrollbericht. Deutschland und die Sicherheit West- europas.

London, 15. Febr. (T. 11.) Wie der diplo­matische Berichterstatter derDaily Mail" er­fährt, stellt der Schluhbericht der Inter­alliierten Militärkontrollkommis­fi o n ein umfangreiches Schriftstück von über 100 Seiten bar. Eine Veröffentlichung fei un­wahrscheinlich, da der Bericht Mitteilungen streng vertraulichen Charakters ent­halte. Auszüge und Schlußfolgerungen dürften der Oeffentlichleit unterbreitet werden, sobald Marschall 3od) das Dokument an die Dotschafter- konserenz übermittelt habe.

Mit der Ueberrcichung des Deneralbcrichtes der Kontrollkommission treten nach demEcho de Paris" die Besprechungen zwischen Frankreich und England in ein ent­scheidendes Stadium. Ursprünglich sxi beabsich­tigt gewesen, die beiden Fragen zu klären, in- wleweit Deutschland die Abrüstungsklau­sel erfüllt habe und unter welchenVor- aussehungcn Köln geräumt werden könne. Auf beiden Seiten habe man sehr bald eingesehen, daß die Probleme zu eng .gefaßt seien und das) es darauf ankomme, wegen der Aufhebung der beiden für Frankreich noch ver­bleibenden Garantien (Def'tzung des Rhein- landes und Interalliierte Militär-Kont oll-Kom- mission in Berlin)

Schritte zur Lösung der französischen Sicherheits- srage

zu unternehmen. Thamberlain habe im Der- laufe der Verhandlungen zu verstehen gegeben, das; er persönlich das Zustandekommen eines Vertrages entsprechend dem englisch-amerikanisch- französischen Pakt von 1919 begünstige, mit Rück­sicht auf die Dominions aber eine von dem bisherigen Vertragsentwurf völlig verschiedene Abmachung erstrebe. Seit mehr als 1 Monat toirfc Chamberlain in diesem Sinne aus die Reichs r eg ierung ein und wenn § erriet am 28. Januar nicht die Rede in der Kammer Gefallen hätte, würde Dr. Luther wahrschein­lich mit einem günstigen Angebot an die Verbün­deten herangetreten sein.

Es sei nicht ausgeschlossen, dost der deutsche Kanzler jetzt auf Veranlassung Lord D'Abernons seinen Plan wieder aufnehmen werde, auf den er Ende Januar zu verzichten schien. Ehamberlain habe sich in der Frage äußerst loyal benommen, da er die französische Regie­rung über die Schritte in Berlin ständig auf dem laufenden gefallen habe. Der von England Frankreich unterbreitete Vertragsentwurf lasse sich als

eine Wiederholung beS 1922 von Llohd George angebotenen Garantiepaktes

aussassen.

Pari-, 15. Febr. (WB) Der ..Matin" will wissen, baf) der Sicherheitsvertrag, den man vor­bereite. bereits in dem Augenblick fertiggestellt sein könnte, in dein der Völkerbundsrat zusam- mentrete. Die Westmächte würden in diesem Vertrag erklären, jeber Ang iss D:utschlands auf irgend einen Punkt der Grenze von der Rvrd- fee bis zum Adriatischen Meer würda als ein Angriffs gegen sämtliche Alli irr­ten betrachtet werden. D'Utschland seine', sei's mühte erklären, dah es sich verpflichte, keinen derartigen Angriff zu unternehmen. Es seien Desensivmah nahmen vorgesehen, die dann durch den moralischen Wert der gegen­seitigen Verpflichtung verstärkt würden. Der Vertrag mühte vom Völkerbund ratifi­ziert werden, dem dann die Mittel an die Hand zu geben seien, dieses B fried'gungssystem auf andere Teile Europas auszudehnen.

Frankreichs Rheinlandpläne.

Die Rolle des Marschall ftorfi.

Amsterdam. 15. Februar. (LH.) Der Pariser Korespondent desManchester Guardian" bringt heute Aufsehen erregende Mitteilungen über die Ziele der französischen Rbeinlandvol tif Er erinnert an die poincaristische R'de Herriots und sagt, Frankreich wolle die Räumung Kölns und die Sicherheitsfrage mit­einander verbinden. Deran'wortliche Po­litiker sagten ganz offen, dah die Franzosen in Köln sofort an di e Stelle der eng­lischen Truppen treten würden. Wenn also die Franzosen die Absicht hätten, in Köln zu bleiben, so seien sie sich über die kommenden Schwierigkeiten nicht im Unklaren. Sie beqr ffen die Gefahr der Erregung einer Gegenströmung in der öffentlichen Meimmg ganz Englands, seien sich klar über die rechtliche Schwäche ihres Standpunkt s und wüßten, das man die Bestim­mungen des Friedensvertrages st a r k v e r dre­hen mühte, um ihre Haltung diplomatisch zu rechtfertigen. Man hoffe ind'ssen. durch eine Ver­einigung von politischen Manövern und geschick­ter Propaganda die Schwierigkeiten der Ver­tragsbestimmungen und der englischen öffentlichen Meinung zu überwinden.

Das Fochkomitee in Versailles werde die notwendigen Manöver einseiten, an das der ewig Fehler begehende Botschasterrat aus un­bekannten Gründen den Bericht der Enttoaff- waffnungskommission zur Kommentierung und Begutachtung geschickt habe. Dabei besitze weder der Botschafterrar noch das Fxhkomitee eine rechtliche Grundlage und es fei schwer, die Gründe für dieses Verfahren zu erkennen. Naturgemäß, so fährt der Korrespondent fort,

Deutschlands Ostpolitik.

Des Reichskanzlers Rede auf der Königsberger Ostmesse.

Königsberg, 15. Febr. (Wolfs) Der Reichskanzler ist heute vormittag am Bahnhof vom Oberpräsidenten Siehr, dem Präsidenten des Landesfinaiuamtes, Siedler, dem Prä­sidenten der Reichsbahndirektion. Möller, und dem Oberbürgermeister von Königsberg. Dr. L o h m e i e r . empfangen worden. So >am begab sich der Reichskanzler zum Reubau des Landes- finanzamtes, wo er von dem Präsidenten Sied­ler mit warmen Worten begrüßt wurde. Daran schloß sich eine eingehende Besichtigung ded Ge­bäudes. Bei der dann folgenden Eröffnung der zehnten deutschen Oft messe hielt Reichs­kanzler Dr. Luther eine Rede. Der Sinn der Ostmesse sei ein doppelter: Einmal so.le sie dazu dienen, innerhalb des gesamten deutschen Wirt­schaftslebens die Bande immer fester und enger au knüpfen in der vollen Erkenntnis, daß dos deutsche Wirtschaftsleben sich untereinander durch regen Wechselverkehr so sehr wie nur irgend möglich stärken muh; zum anderen aber wolle Ostpreußen mit dieser Ostmesse seine alte Auf­gabe weiter erfüllen, die immer nach Osten ge­wiesen habe.

Die allgemeine Lage Ostpreuhens. das ver­stümmelt und von seinen Schwesterprovinzen und dem Mutterlande abgeschnitlen wurde, kann auch von den größten Opttmisten nicht anders als außerordentlich schwierig bezeichnet werden. Rur ein Volksstamm von der Zähigkeit, dem Schaffensdrang und dem nationalen V wußt- sein wie der Ostpreußens konnte sich in dieser Lage behaupten. Das M e m e l l a n d ist durch den Versailler Vertrag an die alliierten Mächte ab­getreten worden. Deutschland hat damit auf das Gebiet verzichten müssen. 1923 haben die Litauer das Memelland eigenmächtig besetzt. Die alliierten Mächte haben die Souveränität Litauens anerkannt, aber unter der Bedingung, dah dem Memelgebiet die Autonomie ge­währt werde. Litauen hat im Laufe des Jahres 1924 das von einer internationalen Kommission audgearbeitete Memelstatut angenommen. De- sonderd schwierig sind ferner

die Verhältnisse an der Weichselgrenze.

Zwar hat das glänzende Abstimmungsergeb- r.is vorn Juli 1920 bestätigt, dah das südliche Ostpreußen und der der Abstimmung unterwor­fene Seil Westpreußend. deutsch sind und deutsch bleiben wollen. Leider aber sind fünf Dörfer auf dem rechten Weichselufer mit dem Hafen von Kurzebrack Polen zugesprochen worden. Die Grenze, die bereits im F -ü >iahr 1922 fest- gclcgt wurde, verläuft so ungünstig, daß der W ichseldeich nicht weniger als viermal durch­schnitten ist. In der Memelfrage hat sich die deutsche Reichdregierung. obwohl D u schland nicht eine Vertragspartei des M-m labkommens ist. fortgesetzt benrint, durch Verhandlungen mit Litauen auf eine baldige loyale Durch'ührung der Autonomie und insbesondere auf eine bal­dige Ausschreibung der Wahlen zum memel- ländischen Landtag hinruwi fm. Ich heg ü e cd deshalb, dah der neue litauische Ministerpräsi­dent in seiner Programmrede die baldige Vorlage eines Gesetzes über die Wahlen im Memelgebiet in Aussicht g'stellt hat. Rachdem vor wenigen Sagen, am 10. Februar, der Optionsver­trag unterzeichnet worden ist. und da nunmehr die deutsche Optionsverordnung erlafan werden wird, wird die jetzt unter der Bevölkerung des Memelgebietes noch vorhemefch-nke Beunruhigung über die Optionssrage schwinden.

Die vielen Protests und jahrelangen Verhandlungen über die Grenzführung an der Weichsel haben einen wirklichen Erfolg leider nicht erzielt. Doch ist es wenigstens ge­lungen. die Besetzung der Grenze f l-rg hin- us- zuschieben. bis die Regelung des Zug mies zur Deichsel erfolgt war Ab'r auch di"se Regelung des Zugingß zur Weichsel ist in einer Weise ge­schahen. die für Deutschla. v und Ostpreußen durch­aus unbefriedigend ist. Diese ganzen an der Weichsel so gekfafencn De-Hältnisse werden von der deutschen Regierung als

im Widerspruch stehend mit dem Versailler Vertrage

betrachtet. Sie sind überdies in jeder Weise un­natürlich. Jene fünf Dörfer auf dem rechten Weichselufer, die nun zu Polen gehören, sind von allen ihren wirtschaftlichen und sonstigen 'Be­ziehungen abgeschnitten, und namentlich die mehr­fache Durchbrechung des Dcichfystems durch die Grenze kann erhebliche Gefahren für die hinter den Reichen liegende Martenwerder Riederung heraufbeschwören.

Auch auf wirtschaftlichem Gebiete wird dis Reichsregierung für Ostpreußen alles tun, wad möglich ist. Ostpreußen oildet in fo einzigartiger Weise ein Fort und eine Brücke nach dem Osten, dah es für seinen wirtschaftlichen Verkehr vor allem recht iche und vertrag.iche Sicherungen braucht. Wir sind und stets der Rotwendigteit guter deutsch-russischer Beziehungen bewußt ge­blieben. Diese Lieberzeugung von dem gemein­samen wirtschaftlichen Interesse ist auch in Ruß­land lebendig, und wir haben daher die be­stimmte Hoffnung und den ernsthaften Wunsch, dah cd gelingt, bei den Handelsvertrag s- verhandlungen mit Eowjetrußland trotz ge­wisser nicht zu unterschätzender Schwierigkeiten ein befriedigendes Ergebnis zu erzielen. Rach­dem die auf Grund der, bisherigen Moskauer Verhandlungen nötige nochmalige Ücbcravbeitung der Hauptvertragsgegensländc innerhalb der Ressorts unter Hinzuziehung von Sachverstän­digen zu Ende gebracht worden ist, wird eine kleinere Delegation am 24. Februar wiederum nach Moskau abreifen.

Die Handelsvertragsverhandlungen mit Polen werden am 1. März beginnen. Die deutsche Regierung geht auch an diese Verhandlungen mit dem^vesten Willen heran und hat denWunsch, auch sie beschleunigt zum Abschluß zu bringen, da sie der Lieberzeugung ist. daß eine Verstän­digung im beiderseitigen wirtschaftlichen Interesse der beiden Völker liegt. Voraussetzung eines be­friedigenden Erfolges ist selbstverständlich, daß Polen diesen guten Willen der deutschen Regie­rung nicht durch eine unfreundliche Haltung ge- gc.über den in Polen [ebenben Deutschen faeiu- trächtigt. Gerade in diesen Sagen hatte Deu sch­land eine Rote nach Warschau richten müssen, in der es mit Bedauern feststellt, daß Polen die Ausweisung evangelischer Geist­licher trotz wiederholter deutscher Vorstellungen vornehme, ohne stichhaltige Gründe dafür auch nur anzudeuten. Die Handelsvertragsverhand­lungen werden auf der DrsiS einer gegenseitigen allgemeinen Meistbegünstigung geführt. Die Pro­vinz Ostpreußen und die Stadt Königsberg haben da'ür umfangreiche Wünsche vorgelegt. Die Rcichsregierung wird in den Handelsvertrag ?- OcrfanHungen mit Rußland und Polen alles daran setzen, um diese Wünsche, soweit es irgend möglich ist, durchzusehen.

Reichswirtschastsminister Dr. Reuhaud sprach dann über die großartige Organisation der Ostmesse zur Hebung der Warenausfuhr nach dem Osten als eine fruchtbare Grundlage unserer ftigen Wirtschaftspvlit k. Durch die vielfach noch schwebenden Hinde'svertragsver^andlungen mit fa-> Ostländern soll der ostpreußisch-.' Handel unterstützt werden. Die Zolltarifnovelle, di>' demnächst dem Reichstag unterbreitet werden soll, dürfe nicht zum Anlaß innervolit-scher Strei- tigküten gemacht werd'n. Se Rovelle habe sch bisher bei allen Handelsvertragsverhandlungen sachlich als dringend notwendig erw'esen. was im Reichsw'rtschaftdrat auch von Arbeit­gebern und Arbei'nebm^rn anerkannt wurde. Um die deutsche Wirtfcfaft konkurrenzfähig au machen, fei außerdem eine Bereinigung der un­produktiven Losten, ein nach wirtschaft­lichen GesichtSvunk'en zu vollziehender Steuer­umbau, wirtschaftliche Frachtenpolitik. Förderung der Qualitätsarbeit und vor allem eine Gesundung unserer Wirtschafts­moral nötig.

hätte Frankreich ganz außerordentliche Hoffnun­gen auf Marschall Foch gesetzt. Jeter, der das Problem der Rheingrenze und de" S r e n - nung der Rheinlande von Deutsch­land kennt, wisse, daß er diese Hoffnungen rechtfertigen werde. Der Bericht Fachs werde zweifellos einen Widerhall in der ganzen Welt finden.

Die MMtarkontrolle des Völkerbundes.

Genf, 14. Frbr. (TBoPf.) Folgende Per­sönlichkeiten sind zu Präsidenten der militä­rischen Rachforschungskommissionen des Völ­kerbundes in Deutschland, Oesterreich. Bul­garien und Ungarn ernannt worden' Zum Präsidenten der Rachfvrschungskommission in Deutschland der französische General D e st i ck e r; zum Präsidenten der Rachfor- schungskvmmission in Oe st erreich der ita­lienische General Marietti; zum Präsi­denten der Rachfvrschungskommission in Bu lgarien der schwedische General!mtnant der Reserve Iungstedt. zum Präsidenten der Rachforschungskommission in Ungarn der englische Generalmajor Kirke. Die Er­nennungen sind für ein Jahr erfolgt.

Zranzösische währungssorgen.

Der französische Frank ist aufs neue inS Gleiten gekommen. Dollir und Pfund sind an der Pariser Börse wieder stark begehrte De­visen. die Geldentwertung macht beängsti­gende Fortschritte, die Preisen st eigen und in der Kammer wie in der Regierung steht man den neuaufgetauchten Währungs'oroen völlig rat- les gegenüber. Ganz wie bet uns in den Infla­tionszeiten unseligen Angedenkens versucht die Pariser Presse, mit allerlei Ratschlägen dem liebel zu Leibe au gehen, die Preise der Oppo­sition verspricht sich natürlich eine Stabilisierung nur von einem Regierungswechsel. Daß aber die Erschütterung der franz stfchen Währung mit der Gewaltpolitik Frank.eichs gegen­über Deutschland und der fortwährenden Be­unruhigung Europas zufammenhängt, will man in Paris nicht begreifen. Kein Wunder, wenn die amerikanischen und englischen Gläu­biger befürchten, die Kriegspolit k Frankreichs werde zu einem völligen Zusammenbruch Euro­pas führen. Solange die Pariser Regierung für Bombengeschwader und Unterseebote viele Mil­lionen übrig hat, dafür aber keinen Cent für einen friedlichen Wiederaufbau und die Rück­zahlung der Kriegsschulden, wird der gegen­wärtige Zustand keine 2lenbcrung erfahren

Jur preußischen Kabinettsbildung.

Berlin. 14. Febr. (SU) Ministerpräsi­dent Marx hatte am SamStaamittag mit den Sozialdemokraten eine Besprechung. Sie erklärten, daß sie auf die Ain'egung zur Di. düng eines Kabinetts der Volksgemeinschaft dem Ministerpräsidenten eine schriftliche Antwort ,zu- aehen lasten würden. Die in dem breiben der Deutschnationalen enthaltene Sieb lungnahrne scheine die Sozialdemokraten von einem Kabinett ausschließen zu wollen. Die Auffassung der Sozialdemokraten gehe dahin, daß eine Koalition nicht eine Ge- sinnungsgemeinschast bedeute, sondern die Auf- gäbe habe, praktische Ziele zu erreichen. Grundsätzlich seien die Sozialdemokraten be­reit. auf die Anregung zur Bilduni einer Volksgemeinschaft einjug en One e gültige Klärung werde vor Mittwoch nicht zu erwarten sein.

Die Antwort der Deutschnalionalen hat Man an den Vorsitzenden der Landtagdf raktion der Deutschen Dolkspartei, Dr. v. da m p e. tocitcrgcgcbcn. Marx hat von diesem die Ant­wort erhalten, daß seine Fraktion bereit sei. eine Regierungsbildung auf der Grundlage der deutschnationalen Erklärung zu unterstützen. Dr. von Campe hat sich zur münd­lichen Besprechung darüber zur Verfügung gc- stellt.

Gegenüber den immer wieder auftauchenden Geiüchten von einer Linksschwenkung der W ir tfchaf tlichen Vereinigung wird derD:rl. Lokalanz." von dem Leiter der Frak­tion kategorisch erklärt, daß nun und nimmer daran zu denken sei. daß eine auf die W c i marer Koalition gestützte Regierung auf die Unterstützung der Wirtschaftlichen Ve.'Til­gung zu rechnen habe. Ebenso feien die Mi­nister Schering und Äirtflefer unter keinen Umständen für d i e Fraktion tragbar. Diese Ansicht der Fraktion werde auch von der Partei im Lande geteilt.

Für Montag haben die Sozialdemokratei eine Fraktionssitzung einberufen. Die anderen Fraktionen werden erst am Mittwoch vor der Plenarsitzung zufarnmentreten. Der Aeltestenra des Landtages wird bereits am Dienstag em: Sitzung abhalten, um die Geschäftslage zu be­sprechen und über einen Einspruch des kornrnn. nistischen Abgeordneten Kolwih geg-n seine Aus' schließung aus der Sitzung ded Unterausschusses zu beraten.

Die hessische Negierunyskrisis.

Darmstadt, 15. Febr. (WTV.) Auf btc Anfrage der Demokratischen Partei an die Deutsche DolkSpartei, ob sie bereit se., fich an einer RegierungSkoalition mit dem Zentrum, den Demokraten und den Sozialdemo­kraten zu beteiligen, hat der Abg. Dingeldeh bei der Demokratischen Fraktion zurückgesragt, ob die Sozialdemokraten in der Zwi­schenzeit ih-e grundsätzliche Ablehnung einer Zusammenarbeit mit der Deutschen Volks- Partei geändert hätten.

Kommunalwahlen in Braunschweig.

Braunschweig. 15. Febr. (WTB.) 3m Freistaat Braunschweig haben Di: Stadtver­ordneten-, Gemeinde- und Kreistagswahlen staltgefunden. Bei den Stadtverordneten­wahlen der Stadt Braunschweig wur­den abgegeben: für die Sozialdemokraten 29951 Stimmen, Kommunisten 5776, Demo^ [raten 2689, wirtschaftliche Einheitsliste 14 557, nationale Einheitsliste 27369, Bund der In­validen 846. Liste BollSwohl 1725. Rational­sozialisten 239 Stimmen. Danach erhal.-en d e Sozialdemokraten 13, die Kommunisten 2, Ö:: Demokraten 1 und die wirtschaftliche und die nationale Einheitsliste zusammen 18 Svj?, die Liste der Invaliden und Di: Liste Bo'.ks- wohl zusammen 1 Sitz, die Rationalsozia, sten leinen Sitz. In den beiden nächstgrößten Städten Braunschweigs, Helmstedt und Wolfenbüttel, wurden bet der Stadtvecord- netenwahl abgegeben in Helmstedt: für die Sozialdemokraten 3014, Kommunisten 424. den Invaltdenbund 448, unpolitische List: 1501, Liste Zentrum und Demokraten 152°, Bereinigte WirtschastSgruppen 2578 Stimmen; in Wolfenbüttel: für die Sozialoemo- [raten 2373, Kommunisten 1053, bürgerliche Einheitsliste 4791, Mittelstandsliste 792 Stim­men.

5chuldebatte in Reichstag.

Um die vierjährige (tzrundschule.

Berlin. 14. Febr Das deutsch-pol- nifche Rechtsabkommen, das deutsch­polnische Vormuttdfchaftsabkommen, das Wirt­schaftsabkommen mit Oesterreich und das vorläufige Handelsabkommen mit Portugal werden dem zuständigen Ausschuß überwiesen.

Der Gesetzentwurf über die Sodeserklä- rung K r i e g s v er f ch o l l en er wird in erster und zweiter Lesung angenommen. Bei allen Kriegsverschollenen soll künftig als Sodestag ein gesetzlich festgeleater Sag angenommen werden, und zwar der 10. Januar 1920, der Sag des Friedensschlusses.