icgen urtO eyrlicy itrebexwett Sroueri des Mtttclstotxbes weiterhin Not und z«-vende Sorge fernzuhalten.
D. Burkhards, 15. San. Aus Anlaß des Misfiönssonnlags sprach am Der« gangenen Sonntag der Kameruner Missionar 311 m a n n , zur Zeit in Mittel-Secmexx, in beiden Gottesdiensten über die Notwendigkeit der Miffiousarbeit in der Gegenwart. - Am Montagabend veranstaltete der hiesige Zweigverciix des Evangelischen Dm n des einen gut besuchten Vortragsabend mit Lichtbildern. in dem der Wanderredner des Dundes, Psr. Haupt- Gießen, das Thema behandeltem „3ft ein Fort- leben nach dem Tode denkbar?" Der Vortrag, au den sich eine Aussprache anschloß, ging von den Ergebnissen wissenschaftlicher Forschungen aus neuester Zeit aus, zerstörte die landläufige Meinung: „Was ich nicht sehe, gibt es nicht", und wies das eigne Leben der' Seele nach, dessen Fortbestehen nach dem Tode sehr wohl denkbar sei. Das Schluß- und zugleich das Dankeswort für die Ausführungen des Redners sprach der Ortsgeistliche.
Kreis Lauterbach.
Schlitz, 11. San. Gin schöner Zug der Bevölkerung des Schlitzerlandes ist die stark ausgeprägte H e i m <x 11 i c b e, die sich unter vielen anderem vor allem am treuen Festhalten des Schützerländer Dialekts und der schönen Schlitzerländer Tracht zeigt. Die Lieb zur alten Heimat bleibt auch jedem Schlitzerländer im Herzen, der sich in der Fremde eine neue Heimat suchen mutzte. Die Schlitzerländer Amerikaner haben" das während des Weltkrieges und nach der Revolution immer und immer wieder auch durch die Tat bewiesen. Gar oft gibt der eine oder andere von ihnen ein Äbenszeichen von sich. Dieser Tage erst überbrachte Pfarrer Horst von der oberbessischen ^Iksmissivn, der Hier über seine Erlebnisse in den Vereinigten Staaten sprach, die Grüße von 15 Schützer Familien, die er in Baltimore besuchte. Eng zusammengeschlossen haben sich die Schlitzerländer vor allem in Frankfurt a.M. und Darmstadt, wo je eine große .Schlitzerländer Vereinigung" befett, die in vorbildlicher Tbeife üu rasch flutenden Leben der Großstadt die echte Heimatliebe pflegen und erhalten. Von der Vereinigung der Schlitzerländer in Darmstadt liegt ein Iahres- bericht vor, der in echter Heimatbegeisterung versaßt ist und zeigt, wie die ‘3ereinigung ihre Ausgaben (Pflege der Anhänglichleit und Hilfsbereitschaft der Mitglieder untereinander und Dachhaltung der Siebe zur alten Heimat) so trefflich und erfolgreich zu lösen versteht. — 'Denn kürzlich berichtet werden konnte, daß sich die hiesigen Dereinsveranstaltungsn auf einer erfreulichen Hohe halten und dadurch Vollsbil- dungäaebeit im basten Sinne des Wortes leisten, so kann das in vüllexn Umfange von dem 11 n« hallungsabeud gesagt werden, den der V e- teranen- und Militärverein zugunsten seiner Unterstützungskasse veranstaltete. Ein schöner' Zug des Gemeingeistes kam dabei insofern zur Geltung, als sich eine ganze Reihe von Der- etmnn in den Dienst dieser Wohltätigkertsveran- ftaltung stellten und gemeinsam etwas so Wertvolles und Dcxchildliches boten, daß die Vereine und auch unsere Stadt darauf stolz fein dürfen. DieMusikvereinigung und der Gesangverein ^Harmonisches Kräxxzchen" bestritten den musikalischen Teil durch Darbietung bester deutscher Tonkunst. Der Turnverein brachte Kunstleistungen am Darren und Rech. Die Sugendgruppe des V. H. C. balle den theatralischen Teil des Abends übernommen und sorgte mit dem Schwank" „Sie kranke Grkßnrutter", der in Schlitzerländer Mundart treuliche Wiedergabe land, dafür, daß auch Die Hertcrkcit ihrem Rechte kam. Zur- Abrundung des ganzen Programms fehlten auch ein sinniger Prolog und eine Deg tühungsansprache nicht.
Starkenburg und Rheinhessen.
* Darmstadt. 14. San. (Eig. Bericht.) Allgemein ist gegenwärtig in den Städten die Klage über die Zunahme des Hausierhandels. Ein bezeichnendes Beispiel dafür, was für Elemente darunter sind, wird aus Offenbach berichtet. Ein Hausierer, der in einem Haufe abgewiesen wurde, geriet dar- über in Wut unb zertrümmerte eine Scheibe der Vorplatztür. Er wurde von
der Polizei reltgcnommen; bei der Vernehmung stellte sich heraus, daß es sich um den 23jährigen aus Odessa stammenden Russen Wilhelm Warschosski handelt, der sich unangemeldet in Osfenbach aufhielt. Hoffentlich wird er nun möglichst bald als lästiger Ausländer ausgewiesen.
Hessen-Nassau.
fpd. Frankfurt a. M., 16. San. Wir berichteten dieser Tage von der Verh aftung der Ehefrau des in dem Kapyepro.zeß zu drei Sahren mit verurteilten Kriminalassistenten Paul Schulz. Sie Haussuchung förderte für die Frau außer ordentlich belastendes Material zutage. Nunmehr sand eine zweite Haussuchung statt, die mit größter Gründlichkeit vorgenvmmen wurde. Was diesmal an das Tageslicht tarn, spottet geradezu aller Beschreibung. Sn einer alten, mehrfach ougencgelten Kiste fand man bis an den Rand gefüllt einen kostbaren S ilberschatz vor, der sich aus allerlei edlem Tafelgeschirr und sonstigen Gebrauchsgegenständen zusammen - setzte. Ferner barg die große Kiste zahlreiche feine Wäsche. Dann rüdtc man einen Schrank aus einer Ecke fort und fand hier einen sehr kostbaren H errrnpelz und noch zahlreiches Silbergeschirr. Alle diese Wertsachen stammen aus Diebstählen. Das Diebsgut hat sich wahrscheinlich der Ehemann Schulz, als er noch im Amt als Kriminalbeamter war, au8 den von der Polizei beschlagnahmten Sachen an» geeignet, voer er hat es von den Dieben und Hehlen, mit denen er bekanntlich gemeinsame Sache gemacht hatte, erhalten. Der übervaschende Fund dürfte nunmehr für den sauberen Herrn Schulz noch recht erhebliche kriminelle und strafrechtliche Weiterungen im Gefolge haben. — Trotz seiner Sugenö — er zählt erst 19 Lenze — darf der Arthur Levy aus Saarbrücken bereits den großen SchwindelgenieS würdig zu- gesellt werden. Arthur stieg hier in einem ersten Gasthaufe ab, gab sich als Sn Haber der Saarbrückener Textilgroßhandlung Levy & Co. aus und machte bei hiesigen Großhandlungen erhebliche Bestellungen, wobei er mitteilte, daß er das Geld am nächsten Morgen durch seine Dank überweisen lasse. Sv ging es mehrere Tage recht gut. An einem Morgen kam man aber hinter die Schwindeleien Levys und stellte fest, daß «r nicht einen Pfennig fern eigen nannte. Levy ging dann mit den vielfach schon quittierten Rechnungen nach Mannheim und kaufte sich hier für 24 000 Mark ein Auto, fuhr nach Koblenz unb spielte hier gleichfalls den großen Herrn, lieh sich auch Geld, das man ihm be» xeitwilügst auf fein — ehrliches Gesicht hin gab. Als das Bürschchen seine Hotelrechxrung in Koblenz nicht bezahlen tonnte, schöpfte man Verdacht. Inzwischen war Levy aber schon wieder noch Frankfurt gefahren. Als et her eintraf, erwartete ihn bereits die Polizei und nahm ihn fest. Gegen Lett) lagen hier bereits Anzeigen aus Nürnberg vor, wo er zahlreiche Fahrräder sich ausgeschwindelt hatte.
Frankfurt a. M. 14. San. (DD) Heute abend warf sich ein IZjähriges Mädchen aus Bockenhetm bet ter Brerdenbachbrucke vor einen fahrenden Zug. AlS es von Passanten zurückgerissen wurde, wiederholte es den Selbstmordversuch und wurde getötet.
fpd. Bad Ad mburg v. d. H., 15. San. Bei einem Schulausflug in den Hardtwald fand ein Schüler der Koppen er Gemeindeschule eine Damenhandtasche, die einen hohen Geldbetrag in englischer Währung enthielt. Der Junge lieferte die Tasche brav ab, die Verliererin meldete sich gleichfalls bald, erhielt ihre Tasche zurück und überwies dem ehrlichen Finder den generösen Finderlohn von fünfzig deutschen Reichspfennigen.
Amtsgericht.
Gießen. 13. San. Eine mit ihrem Manne im Ehefcheidungsprozetz lebende Frau hatte Vorkehrungen getroffen, ihr beim Vater befindliches kleines Mädchen mit Gewalt weg- zrmehmen. Die Frau eines EisenbahnsekretarS hatte das Kind im Einverständnis mit dessen Angehörigen zu einer Besorgung in der Rähe mitgenommen. Die Mutter des Kindes trat ihr entgegen und verlangte dessen Herausgabe. Als dies abgelehnt wurde, versetzte fte der Begleiterin des Kindes einen Schlag ins Gesicht und
Die rote Kaschgar.
Roman von Fedvr von Zvbeltitz.
43. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Gert hatte noch rechtzeitig sich aus dem Sattel schwingen können und stand nun neben dem sterbenden Pferde. Er wußte jetzt, was er zu erwarten hatte. Ging her Burrrn nicht nach einer Stunde vorüber, war er kein „fliegender", wie die Kirgisen sagten, so tonnte ec tagelang anhaltcn. Und baS bedeutete auch für ihn rettungslosen Untergang. Der Proviant war mit drnx Packpferden verschwunden. Zu wachsender Kälte und der Schneeverwehung mußte sich der Hunger: gesellen. Es war nun an der Zeit, sich auf den Tod in der Freiheit vorzubereilen.
Gert zögerte nicht. Das Leben hatte nie Schrecken für ihn gehabt, auch der Tod hatte sie richt. Er stand noch eine Heine Weile lächelnd ■tnb mit geweiteten Augen im Tosen des Sturms, dann zog er den Schafpelz feste, um seine Glieder mb streckte sich neben dem toten Gaul in den Schnee. Das wußte er, bah bas mähliche Erfrieren ein schmerzloser Tod war, ein sachtes Hinüberbämmern in die Ewigkeit. Aber noch flogen die Gedanken, und in dieser Stunde konn- *en sie nur in. die Heimat wandern, d.e bildhaft in ihm vorüberhuschte mit allen den Gestalten seiner Sugend. auch mit Alexe und Freye — aber mit Theba nicht. Festliegend im weißen Bett der Natur spürte er die Wucht des Sturms weniger. Sie braufte gewissermaßen über ihn fort. Doch die Schi'.ecw:rbel mochten nicht holt vor ihm. Sie fielen dichter und übertoehten ihn von allen Seiten. Eine haltlose Müdigkeit kam, ein Sehnen nach Schlaf. Der Schnee deckte ihn zu. Er schlummerte ganz sanft ein, und der Schnee baute einen Grabhügel über ihn, der höher und höher wurde
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Die Zeii floa dahin und raffte das altge» foorbene Geschlecht aus dem Leben. Sn dem Haus auf der Höhe in drr Kolonie Kappietfch war Frau von Elstern eines Morgens nicht nehr erwacht. Unb drr Geheime Kommerzienrat Don Geisbach harte .den Tot unter der Gpde gefunden — er war „in den Sielen gestorben",
ähnlich so wie vor Jahrzehnten fein einziger Bruder.
Freude unb Leid verteilte sich mit seltener Regelmäß gleit über bas letzte Lebensjahr des alten Herrn, als suche die Gerechtigkeit dis Schicksals nach einem genau abgewogenen Ausgleich.
Thedas Gesundung hielt nicht nur an: Nachdem hie rücksichtslose und bei allem Geglücktsein in der brutalen V rfolgung deS Ziels sicher nicht ungefährliche Drhandlungsweise im Sanatorium des Dortors Stachle d.e Störungen in ihrem Blutumlauf beseitigt unb all: hemmenden Widerstände aufgehoben hatte, trat bei der jungen Frau ein Zustand körperlichen Wohlseins ein, der sie selbst fast erschreckte. Denn sie wurde dick, unb alle Kasteiungen halfen nichts. Wenn sie sich bes Sonnabends morgens auf die Wage in ifjrem Schlafzimmer stellte, um nachzukontrollieren, auf welche Ziffer diesmal der Zeiger wies, war sie schon glücklich, wenn sie wenigst ns nicht zugenommen hatte. Das Entbehren ber Taillenschlankheit zuliebe sagte ihr im übrigen auch wenig zu. Sie war lange genug zu einer wenig erfreulichen Diät verurteilt gewesen, Sie war nicht nach Schwichelde zurückgekehrl, das sie schon deshalb Hatzte, weil es durch alle Zimmer mit Erinnerungen an ihr Kranksein erfüllt war, sondern hatte fofort nach ihrer Entlassung aus dem Sanatorium das Schloß von Groß-Ponar bezogen, und hierher wurde auf Wunsch Geisbachs von Zeit zu Zeit der GoSIarer Wunderdoktor berufen, um ihren Gesundheitszustand nach- ^uprüfen. Unb immer lautete fein Urteil unverändert: Die Frau Gräfin ist so gesund, wie man es sich nur wünschen kann. Die zu frühe Ueppig- keit ist höchstens ein ästhetischer Fehler, gegen den viel Bewegung in freier Luft, Reiten, eine Vernünftige Gymnastik unb eine tägliche leichte Massage vorbeugend wirken können. Auch ge° Hülfe fettanfehende Speisen könnten unterbleiben, aber nur keine planmäß.ge Hungerkur I Ihr) in ber ersten Zeit seiner Besuche in Groß-Ponar fragte Staehle den alten Geisbach jedesmal: */2ß° bleibt Ihr Schwiegersohn? — Sch habe Ihre Tochter gesund gemacht, das versprach ich. Herr Geheimrat. Aber Die Qe^te von den Lebens» erfdjeinungen schl eßt auch das Seelenkundllche ein. Und das Allernnenschllchste dürfen wir nicht vergessen. Die Frau Gräfin bat Sehnsucht nach ihrem Mann...
entriß ihr dasselbe. Sic ist deshalb wegen Körperverletzung und öffentlicher Beleidigung angeklagt. Die Parteien verglichen sich dahin, daß die Angeklagte wegen des Vorfalls um Entschuldigung bittet und die gesamten Kosten einschließlich des Svnderhono- rars des Vertreters des PrivatklLgers übernimmt.
Ein mehrfach vorbestraftes Dienstmädchen, das aus Westfalen stammt, hat einer Witwe von hier ein silbernes Teesieb und einem Fuhrunternehmer, bei dem es bedienstet war, verschiedene Wäschestücke, ein Paar Schuhe, ein Armband und einen Brillantring entwendet. Sie Angeklagte gibt die Wegnahme der Sachen mit Ausnahme des Rings. der einen Wert von 300 Ml. hatte, zu, behauptet jedoch, sie habe die Absicht gehabt, die Gegenstände den Eigen- türmern wieder zurückgegeben. Sie sei, als ihr die Diebstähle vvrgeyalten toorben seien, nach Hause geeilt, um bic Sachen zu holen, habe dann aber in ihrer Aufregung den Entschluß gefaßt, in die Lahn zu gehen. Hieran fei sie nur durch das Dazwischeytreten cineS Feld- schühen gehindert wordcn. Den Ring habe sie überhaupt nicht gehabt. Sa sie früher wiederholt die Wegnahme des Brillantrings mit allen Einzelheiten zugegeben hatte unb da sie Die entwendeten Wäschestücke, als sie vorgeblich in die Lahn gehen wollte, in völlig zerrissenem Zustand bei sich hatte, glaubt ihr das Gericht ihre Ausreden nicht. Es ist vielmehr der Ueber- zeugung. baß die Angeklagte bic Sachen in die Layn werfen unb dadurch beseitigen wollte und daß sie daran nur durch den Feldschützen gehindert worden ist. Wo sie den Ring hinge- bracht hat. war nicht festzustellen. Sie rückfällige Diebin wurde zu sieben Monat Gefängnis verurteilt.
Turnen, Sport und Spiel.
Mehr Gymnastik.
Von Diplom-Sfwrttehrer Fritz Strube- Hannover.
Eins der wichttgsten Hilfsmittel für ziel- bewußte Körperpflege ist die Gymnastik, die be- dauerlicherweife aber noch viel zu wenig Anklang gefunden hat. Den meisten Menschen ist ber Wert einer geregelten Gymnastik gar nicht bekannt, unb sie wissen auch nicht, bah sie für jede Art der) Leibesübungen zu verwerten ist. Natürlich kann man durch Gymnastik allein nicht z. B. ein vorzüglicher Stabhochspringer oder Fußballspieler ober Kunsttumer usw. werden, aber für all das kann man sich durch richtig betriebene gymnastische Ue- bxmgcn vvrbereilen. Wie mancher Meister hat seine Leistungen und Erfolge nut dieser Erkenntnis zu verdanken. Gymnastik macht den Körper geschmeidig, gibt ihm Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit unb alles das, was wir brauchen, um auf diesem ober jenem Spezialgebiet vorwärts zu kommen.
Man unterscheidet hauptsächlich zwei Arten von deutscher Gymnastik, die allgemeine unb bie sp^ielle. Sie erstere ist für jebermann geeignet und verleiht dem Körper bei richtiger Ausübung schöne, feste Formen. Sie wird besonders als Gymnastik der Organe gepflegt und hat deshalb einen hohen gefunbheitlxchen Wert. Die spezielle Gymnastik dagegen gehört zur genauen Vorbereitung beim Spezialtraining: ein Springer, Säufer, Boxer, Schwimmer usw. braucht also spezielle Gymnastik. Erst wenn man einen voll und ganz durchgeblldeten Körper besitzt, kann man mit ber Technik einet speziellen Sportart beginne™. Es wäre z.D. grundfalsch, wenn ein Boxer schon in der ersten Unterrichtsstunde die Handschuhe anziehen wollte: er würde damit gerade bas Gegenteil dessen erreichen, was er bezweckt.
Die Art xmb Weise, wie Gymnastik gelehrt unb betrieben werden soll, erfordert natürlich Kenntniffe. Das gilt auch für ben, der sonst keine Seibesübxmgen betreibt, sich aber bet Gymnastik unterzieht, um seinen Körper für die täglichen Sebensnotwenbigkerten leistungsfähig zu erhalten. Sn einem gewissen Gegensatz ^ur deutschen Gymnastik steht die dänxsch-schwedxsche. Sie verrichtet in der Hauptsache langsame, zügige Arbeit, während die deutsche Gymnastik schnell- fraftförbemb wirkt. Beide Arten zusammenge- nommen führen, richtig angewandt, zu einer einwandfreien Körperdurchbiloung.
Aber Gras Gert Hora-Geisbach war noch nicht he mgcl hrt. unb je m hr dir Zeit vorschritt, um so banger Vang bic Frage, ob er je wieder zurückkehren würde.
Sn seinem letzten Briefe an GeiSbach. in bem er die Befreiung der Gesarchtschaften in Peking durch bic verbündeten Truppen schilderte, hatte er versprochen, von Kalgcrn aus nähere Nachricht über seine Reiseroute mit der Expedition Gvrbon Murray zu geben. Dieser Brief war auch getrieben worben, hatte aber niemals sein Ziel erreicht. Er war auf dem toeiten Wege über Irkutsk. Omsk und Moskau verloren gegangen. Postwagen würben in ber noch erregten Zeit oft geplündert, vielleicht war der Brief auch gar nicht abgesch'.ckt worden, sonder« der Kurier hatte Werte in ihm gewittert, ihn auf- gebrrchen unb dann als nutzlos zerrissen und bic Fetzen in den Wind gestreut. Wer konnte das wiffen?
Unb wer konnte wiffen, was mit Graf Gerhart Hora geschehen warf Durch bie offiziellen Berichte der Gesandtschaft unb des Auswärt gen Amts, die durch Privatnxitteilungen bestätigt wurden, erfuhr man zunächst bestimmte Einzelheiten, die man in den Umrissen freilich schon durch jenen letzten Brief Gerts kannte. Er hatte bereits vor Beginn ber Belagerung der Gesandtschaften feinen Abschied erveten. Grund: ein Streit mit dem Gesandten, der ihn dienstlicher Ungehörigkeiten zufolge einer Liebschaft m.t einer französischen Spionin bezichtigte. Das war eine unerfreuliche Geschichte, die Theba lebhaft ver= stimmte. Heimkchrenbe Diplomaten und China- krieger wußten bavon ober hatten sich allerhand Pikantes über daS Abenteuer erzählen kaffen. Di: Hellen Ohren Alexes störten es, unb ihr Mund blieb nicht stumm. Unb es schien immerhin auch psychologisch erlläriich, baß Gert sich nunmehr mit ber Rückreise nicht beeilte. Sein letzter Brief war zugleich sein letztes Lebenszeichen. Sa stellte er sich noch auf den Standpunkt seiner „Verbannung" infolge ber Krankheit Thebas, unb in der Tat hatte die Depesche Geisbachs mit ber Nachricht von Thedas Gesxuxdung, vom Tode seines Vaters unb mit der Ditte um beschleunigte Rückkehr ihn auch nicht mehr erreicht. Er hatte es eilig mit seiner Pamirrexse — weil wohl die Scham über bie alberne Frauenzimmer- geschichte ihn von bannen trieb.
Skijöring.
Was ist Skijöring? Von tausend Wi-xtsv- sportlecn, die von dieser großen Attraktton der Winterfeste lesen, wissen vielleicht nur hundert, was Skijöring eigentlich bedeutet. Skijöring ist ein Pferderennen auf dem Eis. Der Schnss» läufer ist dabei der Lenker. Es ist also bem Trabrennen, bei bem der Fahrer auf dem Skull fitzt, sehr ähnlich. Slrjöring wird aber nicht im Trab gelaufen, wird auch nicht gefahren, sonder« die Pferde gehen im Galopp. Wen« man an manchen Winterfportplätzen allerdings die mehr oder minder für Rennzwecke unbrauchbaren Gäule sieht, fo kann man leicht das Gruseln bekommen. Für Skijöring müssen besondere Rennpferde ausgesucht werden, erst bann hat man einen sportlichen Genuß. Andernfalls han- dett es sich nur um eine Schneeschuhfahrt mit davorgespanutem Pferd. Uebrigcns ist Skijöring absolut nicht leicht. Die Schneeläufer mülfen nicht nur über genügend Kenntnis, Raffinesse, Kunst und Geistesgegenwart verfügen, sonder« müsse« auch sehr genau mit der Leistungskraft ihres Pferdes vertraut sein, um alBtr Siegeschancen nach Möglichkeit ausnützen zu können.
Die Teilnehmsr zum Zugspitzftng.
An dem Zugspitzflug nehmen nach ben bisherigen Meldungen teil: Sic Hamburger Ges. f. Luftverkehrsunternehmungen mit einem 200- P. 8.-Albatros-Doppeldeckcr, die Kasseler Diet- rich-Gvbiet- Flugzeugwertc mit drei 75-P. 8.-Doppeldeckern. Graf Einsiedel-München mit einem 55-P.8.°Udet-Tiefdeckcr. die Oberbayerische und Unterfränkische Sportsluggcscllschast mit je einer weiteren Udetmvschine, die Iimkerswerke in Deffau und tip H.-inlelwerke in Warnemünde mit je einem Flugzeug. Dazu kommen Iuxxkers- Derkehrs-Limouflnen der Transcuropa-Union, welche außer Konttirrenz bie Lusiverbindung von München nach demZugspitzgebiet besorgen. Weiter beteiligen sich an dem Wettb ewerb der Segelflugzeuge Martens auf seinem „Moritz", die Akademische Fkiegergrxrppe Hannover unb bie Arbeitsgemeinschaft des Sft.jener Polytechnikums mit je einem Segelapparat.
Wirtschaft.
Das dentsch-spanische Handelsabkommen.
Die Deutsche Handelskammer für Spanien in Barcekorxa hat eine intereffante Denkschrift über das deutsch-spanische Handelsabkommen vom 25. Juli 1924 her- ausgegeben, bas bekanntlich am 1. August 1924 als rnobus vivendi in Kraft getreten, aber von Deutschland noch nicht ratifiziert worden ist. Eine eingehende Würdigung der bexbetfettigon- wirtschaftlichen Interessen unb der Stimmungen hüben und drüben führt die Kammer zu folgender Schlußfolgerung:
^Als von ganz befonberex Wichtigkeit bei einer Entscheidung über hie Ratifikation des Handelsabkommens sind bic bei einer Ablehnung der Ratifikation zu erwartenden Folgen politischer und wirtschaftlicher Art ins Auge zu fassen. Was zunächst die politische Seite eines solchen Scheiterns des Vertrages aubetrifft, so ist zu bebenfen, daß sich Deutschland dadurch in exne Sage begeben würde, die ihm die Wte- deraufnahme von Verhandlungen mit Spanien sv gut wie unmöglich machen wird, ober wenigstens nur unter sehr großen Opfern uxtb Zugeständnissen deutscherseits. Die deüksch: Regierung hat sich mit Rücksicht auf die für die deutsche Volkswirtschaft und ihren Wiederaufbau sehr schwerwiegenden Interessen ber deutschen Exportindustric seit Iahx-en bemüht, Spanien zum Abschluß eines Abkomnxens zu bewegen. Wenn der Reichstag diesem durch bic deutsche Stele- gation unter ausdrücklicher Billigung der Regierung und nachträglicher Zustimmung des Reichswirtschaftsrates erzielten Erfolge seine Zustimmung versagt, so muß diese Ablehnung einen außerordentlich ungünstigen Eindruck nicht nur in Spanien selbst, sondern auch in anderen Staaten Hervorrufen: die Stellung der künftigen deutschen Handclsvertt.agSd.-legationen würde dadurch den fremden Unterhändlern gegenüber vm: vornherein ohne Frage stark erschütte.t sein. Besonders jetzt, wo die Frage des Abschluffes voxx Handelsverträgen mit England, Frankreich, 3ta=
Was war nun aus der Expedition Murray geworden? — Sn späterer Zeit, als der Friede geschlossen worden, gab das Auswärtige Amt sich viel Mühe, die Angelegenheit aufzullären, uxxb fand im Aorcign Office zu London bereitwillige Unterstützung. Da nahmen auch der Marschall des diplomatischen Korps und die Staatssekretäre deS Kriegs- und Kolonialamts sich persönlich der Sache an, eine Fülle von Depeschen ging an die chinesischen Behörden, unb alle Trup- penkommanbos, die im Aufstandsgebietc tätig gewesen waren, wurden mit Fragebogen überhäuft. Zahlreiche Antworten liefexx ein. Von Kalgan aus hatte bic Expedition sich südwestlich über Daota unb Ningscha in der Richtlinie der Großen Mauer von europäischen Kontingenten begleiten lassen. Weiter konnte ihre Spiw in Tengelik, einem kleinen Orte im Gebiet von Zei dam, ferner in Chotan im Süden deS Tarim- beckenS unb in Sortent geftchert werden. In diesen Städten hatten bic Reisenden ihre Pässe auf bem chinesischen Gouvernement visieren lassen, in Satlent auch einen bekannten kirgisischen Berg führer gemietet, bet' gleichfalls verschollen war. Von dort aus hatte ber Amban, der chinesische SistrittSführer, sogar eine Anzahl sariischer Kuriere an die int Alai-Tale überwinternden Kirgisen audgefanbt und in ben Gemeinbe« nach der Expedition forschen lassen, denn man nahm alS selbstverständlich an, daß sie den gangbarfieix Weg über den Tengisvah gewähll haben würbe. Aber die Kirgisen meldeten nur schon Dekan nies, die Lawincnverschüttung einer mohammedanischeix Karawane von vierzig Mann und vereinzelte Un- glücksfälle Einheimischer. Sine von Europäern geleitete Expedition war im letzten Winter auch in Pamirskij-Post nicht gesehen worden, dem vorgeschobensten russischen Kosakenposten am Murghabflussc, den alle sremben Pamirreisenden aufzrisuchen pflegten. Die Tatsache, baß Masarbai und die kirgisischen Pferdeknechte nicht nach Sar° fent zurüctzekchrt waren, ließ vermuten, daß die Expedition in unbetretene Gegenden verschlagen unb hort unter Schn cestürmen oder Lawinen zugrunde gegangen war, fo wie 1886 die Expedition Tugatschowski unb Atoei Jahre später die des Hairpttnänns Kunvff, der mit den Seinen bei einer VollSzählung verunglückte und nie wieder aufgefunden wurde.
(Fortsetzung folgt.)


