Ausgabe 
16.1.1925
 
Einzelbild herunterladen

Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oderhessen)

KM3 Zweites Blatt

Die Entpolitisierung der Polizei.

Die gegenwärtigen Geltungen der Polizei werden sehr verschieden beurteilt. Manches scheut darauf hinzuweisen, bah im Kampfe zwischen Verbrecherwelt und Staatshoheit die Palme des Sieges sich der ersteren zuneigt. Gin Haupt- schaden liegt darin, dal) die Polizeiverwaltung die Arena politischer Käinpfe geworden ist. Mit Rachdruck weist der frühere Oberverwaltungs­gerichtsrat von Synern. Mitglied des preußischen Landtages, im Januarheft der Deutschen Ju­ristenzeitung darauf hin, daß hier eine grund­legende Aenderung erfolgen muh. Bei Prüfung polizeUicher Zustände nrüsse die parteipolitische Einstellung ausgeschaltet werden. Bei der Be- sehung der leitenden Stellen, insbesondere der Polizeipräsidenten dürfe es nicht mehr an- kommen auf die Arithmethil der Aemtervertci- lung, durch die die einzelnen an der Regierung beteiligten Parteien ihren politischen Ginfluh zu sichern suchten. Auch für den Polizeileiter sei eine sachliche Vorbildung unerläßlich; die Ab­legung der 2. grohen Staatsprüfung, sei es als Jurist, sei es als Verwaltungsbeamter, sollte die selbstverständliche Voraussetzung bilden. Da­neben ist eine zum mindesten informatorische Be­schäftigung bei der Staatsanwaltschaft und eine längere Betätigung bei einer gröheren Polizei­behörde, insbesondere auch.Bekanntschaft mit den wichtigsten Zweigen des Kriminaldienstes, not­wendig. Die Kämpfe um die politische Seele des Exekutivbecunten der Polizei, wie sie von den verschiedenen Organisationen geführt werden, sind für die Aufrechterhaltung der Disziplin inner­halb des Polizeikörpers sehr nachteilig gewesen. Es kommt darauf an, gerade in den Polizeimann- schäften das Gefühl großzuziehen, dah sie zum Dienst am Vaterland bestimmt sind, und dah eine parteipolitische Betätigung, sei es des ein­zelnen, sei es der Verbände, die Schutzpolizei als solche in die Gefahr bringt, an dem ihr not­wendigen Rufe der Unparteilichkeit und Sachlich­keit einzubühen. M.

Schnupfen - Bekämpfung.

Don Frauenärztin Dr. Cordes, Berlin. lRachdruck verboten.)

Aus Amerika, dem Land des Fortschritts, dringt die Freudenkunde: das Mittel zur Schnupfenbelämpfung ist gesunden! Heil uns! Wer so einen richtigen Cascadenschnupfen sein eigen nennt, weih, was das bedeutet, so ec es nicht we h, lese er bei LH. VischerAuch Einer" nach. Also Scherz beiseite, wir wollen ernsthaft darüber plaudern. Die Amerikaner behandeln durch Aufstellung bestimmter^regemsche nicht nur den Schnupfen, auch andere Erkältungs­krankheiten und haben bei dieser Behandlungs­methode immer sie gende Erfolge besonders da, wo diese Mahnahmen prophylaktisch, d. h. vor­beugend ang wandt werden. Säuren, in starkem Mähe inhaliert, resp. eingeatmet, verursachen starke Beschwerden. Man denke an das llnglüd, wenn in einem technischen Betrieb ein Säure­ballon platzt! Die Arbeiter werden schwer be­schädigt, ja sogar manchmal getötet; und nun wollen die Herren 2ün:r kaner in t eben diesen gefährlichen Dingen Erkältungskrankheiten ver­hüten, unseren Todfeind, den Schnupfen, töten, ja mehr noch: günstige Erfolge bei der Behand­lung der Langenschw ndsucht hab.n

Ein Deutscher, Chemiker Prof. Dr. v. Kopfs, sand eines Tages bei einer Visitation der ihm unterstellten Betriebe es handeUe sich um die Herstellung von Kunstwolle während der Arbeitspause trotz des schönen Wetters die Ar­beiter in dem einen Arbeitsraum versammelt, der, chem.schen Zwecken d c iend. stark mit Säuren­dämpfen ang:füLt war. Seinem Erstaunen Aus­druck gebend, wurde ihm die Mitteilung, dah die Luft dieses Raumes bei den Leuten als gesund­heitsfördernd galt, mehr noch, dah Lungen- und

Erkältungskranke anderer Abteilungen um Ver­setzung in diesen Teil der Werke baten. Diesen Widerspruch zwischen der Ansicht der Wissen­schaft ünd der Wirklichkeit lieh den deutschen Forschergeist nicht ruhen, unb alsbald begab sich v. Kopfs an die Rachprüfung dieser volksmedi­zinischen Annahmen. Da er selbst als Richt- Mediziner so schwere Verantwortung, als gefähr­lich geltende D:nge auszuprobieren, nicht auf sich nehmen wellte und konnte, suchte er, nachdem sich die Tatsache, dah der Schnupfen beim Schlaf in angesäucrten Schlafräumen alsbald vermin­derte Heftigkeit zeigte, ja. das Crkältungskranke hciten seltener bei den in solchen Räumen im Gegensatz zu denen in ungesäuerten Räumen Schlafenden auftmten.

Es setzten nun in der Folgezeit Untersuchun- gen in großem Mahstabe ein. Krankenhäuser, Kliniken. Schulen wurden in den llnterfuchungs- bereich bezogen. Fachleute, ärztliche Spezi.listen, gaben ihr Urteil ob. die wissenschaftliche Grund­lage wurde studiert und einheitlich festgelegt, dah ein gewisser, nicht allzu hoher Gehalt der Atmungslust nicht nur den Schnupfen verhütet, sondern auch den ausgebrochencn abkürzt, ferner auch die infolge verbrauchter Luft aufreienden geistigen Ermüdungserscheinung^ hintanhält.

Die Säuerung der 2ufr w cd auss einfachste erzielt, indem in dem einzurichtenden Raum flache, mit den entsprechenden Säuremengen ge­füllte Glasschalen ausgestellt werden. Zum Füllen der Schalen werden je nachdem Salzsäure, Essigsäure usw. benutzt. Die Säure in der Lust muh eben als leichtes Stechen bean Atmen be­merkbar sein. Als besten Gehalt der 2uft er­gaben sich 0,20.3 Prozent pro Kubikzentimeter Atmungsluft. Die Schaler w räen je nach Große im Raum verteilt. Selbstverständlich muh Sorge getragen werden, dah die konzentrierten Säuren nicht umgeschüttet werden fönnen. von Kopfs

Marseille 900 Kilometer! Wie sollen da die saarländischen Erzeugnisse in älebersee konkur­rieren können, zumal die altfranzösische und loth­ringische Eisenindustrie die Preise ohnedies schon stark herabgedrückt hat. Was nicht minder wichtig ist. die Saarindustrie ist so eng mit der Entwicklung der deutschen Industrie verbun­den. dah sie völlig auf deren Rormen ein- gestellt ist. Sie kann ihre Werkzeugmaschinen und Teile nicht aus Frankreich beziehen, sondern braucht die deutschen Erzeugnisse, was Frankreich mit allen Mitteln zu verhindern sucht. Deutschland wird und kann das Saargebiet nicht im Stich lassen. Unb die Fortsetzung aller WirtschaftsverhanLlungen muh davon abhängig sein und bleiben, dah das Saargebiet aus dem ihm fremden französischen Zoll- und Wirt­schaftssystem wieder herausgenommen wird.

Das Gesangenenproblem und die Lüge vom schuldhaft geführten Kriege.

Der Fall Rathusius hat die Aufmerksamkeit wieder darauf gelenkt, dah zwischen Deutsch­land und Frankreich auch dieEhrenpunkte" noch ungelöst sind, die die beiden Völker trennen, und ohne deren Lösung ein wahrer ehrenhafter Friede nicht möglich ist. Die Gesamtheit der Probleme, die in dieser Beziehung noch bestehen, wird von Rechtsanwalt Dr. Grimm, Essen, der sich be­sonders im Ruhrkampf um die Verteidigung deutscher Angeklagter vor den französischen Ge­richten grvhe Verdienste erworben hat, in der Deutschen Juristenzeitung eingehend beleuchtet. Gegen die Haßpropaaanda, gegen die Lüge des schuldhaft geführten Krieges kann jeder einzelne mit ankämpfen; jeder hat Kriegserinnerungen, mit denen er diese Lüge widerlegen kann. Die Presse ist dafür da, solche Aufklärungen zu brin­gen. Wer sich nicht wehrt, darf sich auch nicht be­klagen, als Paria behandelt zu werden. lieber- griffe einzelner währeird einer jahrelangen Mo­bilisation sind unvermeidbar. Aber gegen alle solche Ausschreitungen sind die deutschen Be­hörden mit Energie eingeschritten. Grimm gibt Beispiele: Im Zuchthaus in Verden saß während des Krieges ein Major und Graf, der bei einer Durchsuchung eines spionageverdächtigen Frauen­klosters den Rönnen gegenüber die Grenze der Sitte überschritten hatte. Im Zuchthaus zu Münster sahen zwei Soldaten, die sich sonst tadel­los geführt hatten, aber bei einein Gefangenen-

Zollkrieg oder Vertrag?

Die Reichsregierung hat in Paris erklären lassen, dah der französische Entwurf eines Heber- gangsvertrages für Deutschland unannehm- bar sei. Das bedeutet allerdings noch nicht den Beginn eines Zollkrieges, denn dieser wird in der Regel mit ganz anderen Waffen geführt, als nur mit dem einfachen Zolltarif. Unter normalen Verhältnissen hätte Frankreich alles Interesse daran, einen Zollkrieg zu vermeiden, denn Deutschland konnte die französische Wirtschaft viel empfindlicher treffen, als umgekehrt.

Wer die Auhenhandelsstatistit mit Frankreich nach Warengattungen durchgeht, dem fallen sofort die außerordentlichen Verschiebungen und Um» schichtungen aus. 3m ersten Halbjahr 1924 führte Frankreich in den Dorkriegsgrenzen Waren im Wert von 89,3 Millionen Goldmari gegen 583 Millionen im Jahre 1913 aus. Die Ausfuhr Deutschlands nach Frankreich hatte im ersten Halbjahr 1.924 einen Wert von 39,7 Mlllionen gegen 790 Millionen im Jahre 1913. Dieser ganz außerordentliche R u d g a n g erklärt sich zum Teil daraus, dah Frankreich die Kohlen- unb Kokslieferungen nicht zu bezahlen braucht, während der Wert dieser Lieferungen 1913 über 110 Millionen Mark betrug. Heute ist allerdings der Wert der Zwangskohlenlieferun­gen um ein Vielfaches hoher, wobei diese Liefe- aen den Kosten nach ganz zu Lasten Deutsch-

8 gehen.

Was dem deutsch-französischen Handel das bestimmte Gevräge gibt, das ist. dah er sich fast nur mit den durch den Versailler Vertrag w e g * genommenen Geb ieten abspielt. Während im ersten Halbjahr 1924 aus Frankreich selbst nur für 89,5 Millionen Mark Waren nach Deutschland ausgeführt wurden, kamen aus Elsah-Loth ringen für 244,5 Millionen unb aus Luxemburg für 14 Millionen Goldmark Waren herein. Deutschland führte dagegen nach Elsah-Lothringen nur für 5,2 und nach Luxem­burg für 3,5 Millionen Mark ein. Aus diesen Ziffern erhellt schon, welch außerordentliches Interesse Frankreich an der Aufrechterhal­tung bet zollfreien- elsaß-lothringifchen Kontin- Jientc hat. Die Dinge liegen nicht so. daß Deullch- and unbedingt auf die elsaß-lothringischen Er­zeugnisse angewiesen ist. nicht einmal auf das Schwermut, daS wir im Qlotfall auch aus ande­ren Ländern, aus Schweden und Spanien, be­ziehen können. Frankreich muß aber unter allen Umständen versuchen, die Eisenerzeugung Loth­ringens und des Saargebiets glatt abzusehen. Im altfranzösischen Gebiet tourben vor dem Kriege 4.6 Mlllionen Tonnen schmiedbares Eisen unb Stahl erzeugt Diese Mengen deckten un­gefähr den französischen Eigenverbrauch, ja es war noch ein geringer Ausfuhrüberschuß vorhanden. der hauptsächlich nach Belgien ging. Run hat aber Frankreich einen Zuwachs an Eisen- und Stahlerzeugung in den lothringischen jnb saarländischen Gebieten in Höhe von 4,3 Millionen Tonnen erhalten, dessen Unterbringung in Frankreich schlechterdings unmöglich ist. Deutschland hat im ersten Halbjahr 1924 aus Elsah-Lothringen unb dem Saargebiet über 250 000 Tonnen Roheisen unb Halbzeug bezogen, was tm Jahr über 500 bis 600 000 Tonnen aus- macht. Das ist freilich nicht die gesamte Erzeu­gung. aber ein so erheblicher Teil davon, dah ihn Elsah-Lothringen nicht missen kann. Dte französische Eisenindustrie schleudert heute auf allen Auslandmärkten, da sie unter allen Umständen versuchen muh, die gewaltige äleberprvduktion abzusehen. Französisches oder lothringisches Halbzeug wird zu den Ge­stehungskosten verkauft, ein Verfahren, das sich nicht unbegrenzt fortsehen läßt.

Die zollpolitische Abriegelung des Saargebietes gegenüber Deutschland bedeutet überdies eine weitere Belastung des innerfranzösischen Marktes. Schon verkehrsgeo­graphisch ist die Wirtschaft des Saargebtetes aus die deutschen Absatzmärkte und auf das deutsche Hinterland angewiesen. Die französischen Interessenten haben ihre Regierung schon wiederholt daraus aufmerksam gemacht, ohne einen Erfolg zu erzielen. Dor allem fürchtet die französische keramische Industrie, die brsher über eine Art Monopol verfügte, den überlegenen Wettbewerb der technisch hochentwickelten kerami­schen Werke im Saargebiet. Um der saarländi­schen Eisenindustrie Ersah für den deut­schen Markt zu bieten, hat die französische Regie­rung die Eisenbahntarife von Saargemünd nach den französischen Häfen ermäßigt. Es ist aber zu beachten, dah ganz außerordentlich lange Anmarschwege in Frage kommen, denn bei­spielsweise beträgt die Entfernung Saargemünd

transport sich soweit vergessen hatten, dah sie die Gefangenen, die nicht schnell gingen, mit den Füßen getreten hatten. 'Dieses Material mühte einmal in bei Gesamtheit zusammen gestellt wer­den. Auch unsere Militärjustiz in Belgien unb Frankreich braucht die Äritif nicht zu scheuen, wie Grimm ebenfalls an Beispielen nachroeist. Frankreich gegenüber muß vor allem gesordert werden, daß die zahlreichen Kontumazialürteile wegen sogenannter Kriegsverbrechen aufgehoben werden. Kontumazialurlecke sind eines modernen Rechtsstaates nicht würdig. Sie sind es erst recht nicht, wenn sie zu einem politischen System mißbraucht werden. Vor allem aber ist es für ein gesundes stolzes Volk ein unerträglcher Gedanke, die eigenen Staatsangehörigen, mögen sie fonv pathisch sein ober nicht, in Gefängnissen der gegnerischen Macht zu wissen. Dom deutschen Standpunkt aus ist zu fordern, dah auch uns heute alle Gefangenen restlos übergeben werden.

Aus der Provinz.

Landkreis Gictzen.

Gdert. Beuern, 15. Jan. (Zuschrift.! Die Mitteilung aus Beuern im©.ebener Anzeiger" vom Dienstag. 6. Januar, über die Einstellung des Disziplinarverfahrens gegen Bürgernreister Walther erweckt den Anschein, als vo sich der Gemeinde rat durch Parteinahme für die mit dem Bürgermeister verfeindeten Verwandten desselben dazu habe drängen lassen, aus Partei- lichkeit und Parteigegensah heraus Anllage gegen ihn wegen dienstlicher Verfehlungur zu erheben. Das ist durchaus unzutreffend. Rur das Wohl der Gemeinde, zu dessen Wahrung er pflichtgemäß berufen ist, hat den Gemeinderat zu seinem Vor­gehen veranlaßt. Allerdings hat der wie man es mild bezeichnet hat sogenannteverwandt­schaftliche Streit mit dazu beigetragen, dah der ©emeinberat bas Vertrauen zu seinem Bürger­meister verloren hat. 3m übrigen ist in dieser Sache noch nicht das letzte Wort gesprochen.

V. Londorf. 15. Jan. Bei der am Sonn­tag von dem Geflügelzuchtverein Lon­dorf und Umgegend veranstalteten Ausstel­lung waren nicht 200 Tiere, sondern 200 Hummern, annähernd 400 Tiere, ausgestellt. Die Ehren- und Siegerpreise bestanden aus wert- und geschmackvollen praktischen Gegenständen. Außerdem wurde jedem Preisträger ein kunst­volles Diplom zugeteilt. Man beachte den heu­tigen Anzeigenteil, in dem b're Preisliste ent­halten ist.

:i: lltphe, 15. Jan. Rahezu U/2 Jahr stand unsere D 0 r f u h r, die sich auf dem Schulhaus befindet, stille, da sie schadhaft geworden war. Rachdem sich in dieser Zeitspanne schon ver­schiedene auswärtige Mechaniker daran versucht hatten, ist es vor einiger Zeit unserem Müller Adolf Krauh gelungen, sie toieber instand- zuietzen. Seine handwerkliche Geschicklichkeit ist in der ganzen Gegend durch selbstgefertigte An­lagen in seiner Mühle bekannt. Das Uhrwerk selbst ist schon sehr alt. Es stammt von Laubach, wo es vorher schon in Verwendung war. Auch in unserem Kirchspiel Trais-lltphe-Jnheiden wurde am Montag der Bethelfilm vvrge- führt, und zwar im Hahnschen Saale zu Trais- Horloff, wo nachmittags die Schulkinder und abends die erwachsenen Glieder der drei Ge­meinden sich in beträchtlicher Anzahl versammelt hatten. Cs muß als ein äußerst glücklicher Ge­danke bezeichnet werden, auf diese Weise die Anstalten und ihre Ziele anschaulich vorzuführen und populär zu machen. Wie an anderen Orten, hat es sich auch hier gezeigt, dah die Auf­bringung von Mitteln für die Rothilfe durch den Vertrieb von Wohlfahrtsmarken ein schlecht gewählter Weg war. Insgesamt wurden Marken für 26,60 Mark verkauft, während bei der sonst üblichen Auflegung von Listen be­deutend höhere Beträge erzielt wurden. Es haben tatsächlich viele geringe Leute gar keine Ver­wendung für die Marken, bei manchen scheint auch ein gewisses Mihtrauen vorhanden zu fein.

Kreis Friedberg.

sHoch Weisel, 14. Jan.Stadt und Land, Hand in Hand". Unter diesem Leitspruch stand eine Volksunterhaltungsveranstal- t u n g , die am Sonntagnachmittag - und abends hier stattsand. Die Gesangsabteilung des Turn­vereins 1860 zu Bad-Rauheim und der aus jugendlichen Turnerinnen bestehende Mädchenchor, beide unter Leitung von Lehrer W. Diehl, eines geborenen Hochweiselers. waren hier zu Gast und boten gemeinsam mit dem hiesigen Vereinigten Männerchor", den Mu­siker Mohr leitet, ein abwechslungsreiches Unter-

Hat die gefammeüen Erfahrungen über die Säuretherapie" in einem Duchniedergelegt. Man verspricht sich noch mannigfache aünftige Heil­wirkungen von der Entdeckung. Schon sind soge­nannte Trockeninhalatoren entstanden. Die Ame­rikaner verdanken allo den so marktschreierisch angetünbigten Schnupfentob deutscher Forschung, nur daß sie an Stelle der weit harmloseren Salzsäure usw. Chlorgase antoenben, von denen wir wissen, dah sie schon in geringer Konzentra­tion gesundheitsgefährlich sind.

Auch der Körper- unb Schönheitspflege kann die Säurebehanblung d enstbar gemocht werben. Die menschliche Haut hat mannigfache 2lufgaben zu erfüllen. Sie soll nicht nur durch ihre Straff­heit und Frische entzücken, sie sott vor allem auch der Atmung Unterstützung leihen. Dies alles vermögen abendliche Abreibungen mit ungesäuer­tem Waschwasser zu erreichen, die die auf der Haut befindlichen Krankheitskeime abtöten, diese fr sch und elastisch machen. Wählt man allo ein Toilettenwasser, so sei es ein saures. Auch für die Haarpflege ist Gewicht auf Säuregehalt zu legen.

Philipp Zorn.

Ter bekannte Staatsrechtslehrer emerit orb. Professor an der Bonner Universität. Geh. Justizrat Prof. Dr. Philipp Zorn in Ansbach feierte am 13. Januar feinen 7 5. Geburts­tag. Geh. Rat Zorn gehört in die vorderste Reche der grohen Staatsrechtslehrer, die durch chre tief einbringenden Unters uchungen das Staatsrecht des neugegrüibeten Deutschen Reiches in den ersten drei Jahrzehnten auf e ne hohe wi.senfchaftliche Stufe emporhvben. Als wissenschaftlicher Delegierter des Deutschen Reiches nahm Zorn sowohl an der ersten als auch an der zweiten Friedenskonferenz im Haag teil.

gretiag, 16. Januar 1925

Haltungsprogramm, das den zahlreichen Besuchern Anlaß zu dankbarem Beifall gab Die Dab- Rauheimer Sänger und Sängerinnen cif reut en mit mehreren wohlgelungenen Choren Unsere hiesigen Sänger standen mit ihren Leistungen nicht zurück. Sie durften sich als gleichwertig an die Seite der Sangesbrüker aus der Stadt stellen und sanden bann vollste Anerkennung Tafür, dah auch die Heiterkeit zu ihrem Rechte kam. wurde durch Gedichtvorträge in Wetten- auer Mundart und durch zwei Theaterstückchen gesorgt, welche letzteres von Bad-Rauheirner Tur­nerinnen in einer Vollendung toieber^egeben wurde, die allseits Bewunderung sand. So ver­lebten Stadt und Land bei bester Unterhaltung einige angeregte Stunden. Die Ansprachen, die Lehrer Breidenbach von hier und Turner F. Gries von Bad-Rauheim wechselten, gaben dem Gedanken der Einigkeit aller Vtllsichichtcn lebhaften . Ausdruck und schlossen mit dem Wunsche, des öfteren solche Zusammenkünfte zu pflegen.

Friedberg, 14 Jan. In Anwesenheit von Direktor H a s s i n g e r Darmstadt, Kreis- schulrat Feuerbach und Stadtarchivar Prof Dreher wurde beute im hiesigen Museum ein Vortragslursus zur Einführung in die Heimatgeschichte eröffnet. Da rund 100 Anmeldungen aus der Lehrerschaft des Kreises dazu vorlagen, muhten mehrere neben» einanderlausende Kurse eingerichtet werden, um im kleinen Kreise von Arbeitsgemeinschaften die Arbeit fruchtbar gestalten zu können. Pros. Dr. Blecher, der Konservator am hiesigen Museum, leitete die Veranstaltung mit Be- grühungsworten ein. die sich über den Zweck der Kurse verbreiteten, und ging dann zu ben- ersten Vortrag über. Der Redner wirb an etwa sechs bis acht Rachmittagcn die Vor­geschichte unserer Heimat behandeln und seine Ausführungen jeweils durch die reichhaltigen Sammlungen des Museums erläutern. So lernt die Lehrerschaft des Kreises die Schätze dieser heimatlichen Bildungszentrale kennen und ist dann in der Lage, sie unterrichtlich ausnützen zu können. Im Anschluß ckn die Museumslurse wird dann Pros. Dreher voraussichtlich in die Benutzung des Archivs und der in jedem Orte vorhandenen geschriebenen Geschichtsquellen einsühren. Es ist erfreulich und dankenswert, daß solche Kurse hier eingeführt werden. Sie können wesentlich dazu beitragen, den heimat­kundlichen Unterricht zu vertiefen und zu fordern.

Kreis «motten.

?" Schotten. 15. Jan. Für die Bewoh­ner der hoher gelogenen Teile unseres Vogels­berges, die infolge des Fehlens jeglicher Schie n e n st r ä n g e buchstäblich von her Welt abgeschnitten sind und oft Stunden wandern müssen, bis sie die nächste Bahnstation erreichen, macht sich immer mehr das Bedürfnis geltend, wenigstens durch regelmäßige Kraft- wagenfahrten einigen Ersah zu haben. Die Autolinie Schotten11 l r ich st ei nLau-

t erbach die schon seit einiger Zeit im Be­trieb ist und den Vogelsberg in nord-südlicher Richtung durchguert. erfreut sich regsten Inter­esses. Jetzt sind einige neue Kraftwagenlinien geplant, die wohl den beledigten Gemeinden finanzielle Beihilfen auf erlegen, um dieRen­tabilität zu garantieren, aber wichtige Gebiete dem Verkehr erschließen. Dor baldiger Eröffnung steht die Linie G reben au M 0 0 f er g r un b Freiensteinau Steinau mit An­schluß an die Bahnlinie Franks urt-Fu Ida, ebenso die Linie d ing e nK efe n r 0 d- Ober-Seeme nG ebern. Von Ehrings­hausen sott eine Autolinie über Ermenrod nach Groß-Felda bei lllrichstein führen. Die Eröffnung t iefer Kraftwagenlinien dürfte manche Klage verstummen lassen unb auch dem Wunsch nach rascherer Driefpostzustellung Rechnung tragen. Sind doch zur Zeit die postalischen Ver­hältnisse für viele entlegene Orte des Vogels­berges recht trübe und reformbedürftig.

Schotten. 14. Jan. Seit zwei Jahren ist hier ein Ausschuß für Handarbeits- Hilfe tätig, der zahlreichen notleidenden Frauen des Mittelstandes durch lieber Weisung von Handarbeiten Derdienstmöglichleit gab und somit großen Segen stiftete. Leider stockt jetzt, wie überall im geschäftlichen Leben, der Ab­satz der fertigen Waren (Jacken. Kinderkleidchen. Schals usw.), so daß mangelndes Betriebskapital die Fortführung dieses Liebeswerkes in Frage stellt. Der Ausschuß hat nun die Genehmigung zu einer Verlos ung der fertigen Handarbeiten erhalten. So ist zu hoffen, dah die eingehenden Geldmittel den Ausschuß für Handarbeitshilfe in die Lage versetzen, das begonnene L'.ebeswerk

(tüte Professur für Innenarchitektur

Ein Lehrstuhl für Innenarchitektur unb Innendekoration ist an der Reuyorker Uni­versität geschaffen worden. Das Studium der Innenarchitektur dauert acht Semester. Verbun­den ist mit dieser Professur eia Institut, in dem praktisch tätige Innenarchitekten unb Raum­künstler unterrichten und Kaufleuten und Ver­käufern eine berufliche Ausbildung geben.

Das seltenste Buch des letzten Jahrhunderts.

Zu den größten Seltenheiten der neueren Literatur gehört der geniale Erstlingsroman von DickenS, feinePickwick Papers". Die 6rfb ausgabe dieses berühmten Buches ist wohl zwei­fellos das teuerste Buch des letzten Jahrhunderts, denn es sind für ein Exemplar schon 20 000 Mark gezahlt worden, ein Preis, den sonst nur die bedeutendsten Wiegendrucke oder Werke, wie die erste Shakespeare-Folio, erreichen. Man kennt gegenwärtig kaum ein Duheno voll­ständiger Exemplare. Der Grund für diese Selten­heit liegt hauptsächlich in dem Umstand, daß der Roman des damals noch ganz unbekanntenDoz" wie sich Dickens nannte in Lieferungen erschien, die erste am 31. Marz 1836. Die ersten drei der monatlich erscheinenden Lieferungen wur­den nur in 400 Stück gedruckt, unb für jede dieser drei ersten Lieferungen sind in letzter Zeit Sum­men von hundert Pfund für das Stück geaalt worden. Den höchsten Preis erreichte bas Buch im April 1916, wo ein ganz hervorragendes Exemplar, dem eine Seite des Origrnalmanu- skriptes beilag. auf einer amerikanischen Ver­steigerung 20 000 Mark erzielte. Heutzutage kann man diePickwickier" als das seltenste und wertvollste Buch des letzten Jahrhunderts be­zeichnen.