Ausgabe 
15.12.1925
 
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umschaUen, so daß z. B. während dieser Sperrzeit der Strom 50 Pf. pro Kilowattstunde kostet, wäh­rend er außer der Sperrzeit nur 20 Pf., bei Nacht Hellsicht sogar nur 10 Ps. losten mag.

Doppeltarif,Zähler werden allerdings nur in größeren Betrieben oder dort, wo eine besondere Vergünstigung am Platze erscheint, notwendig sein, während man in normalen Haushalten mit dem Grundgebührentarif auskommen wird.

Oberhessen.

S. Rödgen, 13. Dez. Heute feierte der Lahn- Höhenbund (Vereinigung der Mandolinen' und Wandervereine in hiesiger Gegend) im Saale der Gastwirtschaft Balser sein diesjähriges erstes Win­tervergnügen. Erschienen waren die Ortsgruppen: Albach, Reiskirchen, Steinbach. Trohe, Wieseck und Wißmar. Der Mandolinenverein Nea - polita aus Gießen war als Gast mit zehn jungen Leuten vertreten. Der große Saal war bis auf den letzten Platz besetzt von Gästen, die aus den umliegenden Dörfern erschienen waren. Dankbar und beifallsfreudig nahmen sie die Darbietungen der einzelnen Vereine und des Gesamtorchesters, das unter der Leitung des Bundcsspielleiters K. P f e i f - f e r - Wieseck steht, entgegen. Wieseck und Trohe spielten außerdem je ein Theaterstück, Albach und Reiskirchen brachten je ein Couplet und Wißmar ein Duett zur Aufführung. Alle fanden den verdien­ten Beifall. Staunende Bewunderung erregten die musikalischen Darbietungen der Wiesecker Schüler- gruppe. Um 7 Uhr schloß der Vorsitzende die Feier mit Worten des Dankes an alle, die zum Gelingen derselben beigetragen hatten.

t. Reiskirchen. 13. Dez. Heute mlttngjjielt Oberrevisor Hartmann aus Gießen im Saale des Gastwirts Fritzel einen sehr lehrreichen Vor­trag über das Aufwertungsgefetz, der von hier und den umliegenden Orten stark besucht war und allgemein großes Interesse erregte. Der Redner gab zunächst einen geschichtlichen Ueberblick über die Entstehung dieses Gesetzes und behandelte dann die einzelnen Aufwertungsgebiete, wobei er sich zuerst ausführlich über die Hypotheken aus« sprach, die mit 25 Proz. aufzuwerten find. Sodann behandelte er die Sparkassenguthaben, bei denen ein Unterschied zu machen ist zwischen Bezirksspar­kassen. die mit 12* Proz. aufwerten sollen, und den genossenschaftlichen bzw. privaten Sparkassen, bei denen eine Aufwertung nicht vorgeschritten ist. die aber, um sich ihr Weiterbestehen zu sichern, aufwerten müssen, soweit es die Teilungsmasse zuläßt. Weiter machte der Vortragende ausführliche Darlegungen über die Aufwertung der Reichs-, Länder- und Gemeindeanleihen, zu welch ersterer <9ruppe die Kriegsanleihe gehört. Für diese ist ge­rade die ländliche Bevölkerung sehr stark interessiert. Durch verschiedene Fragen aus der Versammlung heraus wurde noch über manchen Punkt Klarheit geschaffen.

Dau bringen, 14. Dez. Gestern abend hielt hier tn der WirtschaftZum blauen Heckt" Lehrer Balser von hier einen sehr interessanten Vortrag über Brasilien. Der Saal war dicht besetzt. Der Vortragende schilderte Erschautes und Erlebtes über Land und Leute dieses Landes. Un­terstützt und erläutert wurde der Dortrag durch etwa 200 Lichtbilder, von denen ein Teil ebenfalls von Lehrer Balser in Brasilien aufgenommen wor­den sind. 9m hiesigen Gemeindewald beginnt nun die H o l z h a u e r a r b c i t. Gegenüber dem Vorjahre mit 500 Festmetern sollen dieses Jahr nur 300 geschlagen werden. Voriges Jahr war die Ge- meirckeverwaltung dem Drängen des hiesigen Sportvereins zwecks Anlage eines Sport­platzes nachgekommen und ließ eine ansehnliche Fläche Äiefembeftanbes abholzen.

A11 endorf a. d. Lumda, 13. Dez. Heute abend fand im Saale des Gastwirts Rackst auf Ver­anlassung der Kreisfürsorgestelle Gießen ein Vor­trag über Tuberkulose statt. Der Chefarzt der Eleonorenheilstätte bei Winterkasten, Dr. Sell, wies an Hand von Lichtbildern die ungeheuren Verheerungen nach, die die Tuberkulose im mensch­lichen Körper verursacht. Gleichzeitig gab der Red­ner Winke und Ratschläge für die Verhütung und Bekämpfung der Seuche. Der geräumige Saal war bis auf den letzten Platz besetzt. Der sehr lehrreiche Vortrag halte nachmittags auch schon für die Schul­jugend stattgefunden.

> Langgöns, 14. Dez. Um dem massen­haften Auftreten der 0 b st d a u m s ch ä d l i n g e zu steuern, sah sich die hiesige Gemeinde veranlaßt, K l e b r i n g e anzubringen. Bon dem Werte dieser Bekämpfungsmittel kann man sich durch Augen-

Franziska.

Roman von Liesbet Dill.

20 Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Ich war start' geworden, obwohl ich auf der Bühne immer noch wie ein Zwirnsfaden aussehe. Die Bühne verschlingt so viel. Bei meiner Größe kann ich auf der Straße das 2In*- sehen eines Fasses haben, und ich würde immer nod) als Falstaff lächerlich mager wirken: aber fürs Leben kann dieses Maß von Fettansatz schon lästig werden. Ich habe mein Leben gänz­lich ändern müssen, habe monatelang von Milch gelebt und in einem vegetabilischen Kosthaus zu Mittag gegessen, fad. aber gesund, und so bin ich endlich instand gesetzt, meine Herztätigkeit funktioniert wieder, aber ich muß Vorsicht üben. Ich bin gar nicht mehr in die Bavaria gekom­men in der letzten Zeit, denn ich trinke nichts m hr. Etwas dünnen Dee, wie Sie sehen", er wies mit einer Handbewegung auf den Tisch mit den zwei Gedecken.Das ist alles. Ich er­innere mich zwar, früher öfters einen Doktor Liesental getreten zu haben, einen Herrn mit einem Christuslopf, ein edler, aber etwas lang­weiliger Mensch, mit dem man zehn Jahre zu- sammensihen kann, ohne warm zu werden, jeden­falls haben wir uns über kein Thema erhitzt. Vielleicht hat er mich einmal mit der Rott spazieren gehen sehen und mich gefragt, wer das sei, und da hab' ich ihm wahrscheinlich ge­sagt, es sei eine Freundin von mir. Mein Herr, es hat eben über Ihr Gesicht gezuckt, als woll­ten Sie sagen: Aha, da haben wir's! Aber das ist gerade das Mißverständnis, daß ich auf klären möchte. Wenn man bei uns sagt, das ist eine Freundin, so bedeutet das dasselbe, wie wenn Sie in der sogenannten guten Gesell­schaft sagen,das ist eine Tänzerin von mir".

Worth machte eine Bewegung mit d m Zy­linder. als ob er sagen wollte:3ur Sache."

Stephonsberger bemerkte das und fuhr fort, indem er seine roten Srffianpantosfeln betrach­tete:Eine Freundin bedeutet bei uns nichts weiter alswir stehen miteinander nicht wie

Hund und Katz". Richt mehr. Denn wenn das der Fall wäre, so hätte ich sicher nicht einem mir unbekannten Herrn anvertraut, daß Fran­ziska Rott mit mir dieselbe Etage teilt. Da also die Dame eine Freundin von mir ist. was soll ich bann da widerrufen? Ich würde auch heute dasselbe beteuern, und daß sie dieselbe Etage bewohnt, bedeutet nur, daß die Dame infolge eines infamen Hauswirts genötigt wurde, mitten im Quartal umzuziehrn, und daß in dieser Stadt Wchnungsmangel herrscht. Wir leiden alle darunter, bezahlen für elende ©tagen ein Schweinegeld. Weil wir uns ein Klavier halten und Gesang üben, können wir nur mit kleinen Leuten zusammenwohnen in schmierigen Mietkasernen, wo die Männer von morgens bis zu Abend nicht zu Hause find, in reinlicheren Gegenden hat man es mit empfindsamen Damen zu tun, und die Herren wollen Mittagsruhe hal­ten. Da gerade diese Wohnung frei war, hab' ich sie ihr angeboten, früher hat die Iosi Fritzsche drin gewohnt, die Soubrette vom Gastnertheater."

Dedaure

..Aber ich bitte Sie, die Iosi werden S' doch kennen", sagte der Stephansberger mit einem treuherzigen Lächeln, welches ebensogut infam fein konnte. Worth hatte das Gefühl, als ob dieser große Mensch auf dem Schaukelstuhl sich über ihn mokiere.

Was will dieser Herr eigentlich von mir?" fuhr der Kammersänger fort.Er hat die Dame geliebt, zwei Jahre lang, ein achkrmgswertes Resultat. Ich lege, wie gesagt, für niemand die Hand ins Feuer, für die Treue dieser Dame würde ich es tun. Aus welchen Gründen, kommt hierbei nicht in Frage. Dann hat sie sich von ihm getrennt, es war nicht hübsch von I jr, baä gebe ich zu. Sie kennen ja keine Dankbarkeit, die Frauen, doch man kann sie auch zu nichts zwingen. Ich habe mich in ihrs Angelegenhei­ten gemischt, ich respektiere die Treue. Was nachher geschehen ist, a'eht, verzeihen Sie, nie­mand etwas an, und Sie werden von mir nicht langen, daß ich eine Dame kompromittiere... Also: Ich mag nicht mehr zum vegetabilischen Kost haus herabsinken, muß mich vor seelischen Aufregungen hüten, wenn ich auch wohl nicht

schein überzeugen; wenn man von hier nach Holz­heim wandert, kann man dort an einzelnen Ringen bis 50 und mehr Froftfpannerweibchen zählen.

Lang-Göns, 14. Dez. Ein Sohn un­seres Ortes, Oberreallehrer Karl Heuser, der seit 1907 am Rca g'mnasium in Mainz als Turnlehrer wirkte, ist nach kurzem, schwerem Leiden im Alter von 54 Jahren gestorben. Der Entschlafene hat auf dem Gebiet des Turn- unterrichts in Hecken bahnbrechend gearbeitet. Er gehötte zu den bekanntestcn hessischen Turn­pädagogen. Aber auch im Dunste der breiten Oesfentlichkeit hat Karl Heuser eine segensreiche Tätigkeit entfaltet. Dor feiner Heberfieblung nach Mainz war er 12 Jahre an der Schule in Dad-Rauheim tätig. Während dieser Zeit hat er im Surngau Hessen in führen­den Stellungen gestanden, u. a. bekleidete er das Amt des 2. Gauturnwarts. Auch in der Leitung des 2. Bezirks Gießen Ga- belsbergerscher Stenographen hat der leider allzufrüh Heimgegangene sich unver­geßliche Verdienste erworben.

> Holzhei m, 13. Dez. Gestern abend hatten sich im Saale des Gastwirts Sames die GesangvereineG e r m a n i a" - L a n g- G ö n s undH e i t e r k e i t" -> D o r f - G i l l ein» gefunden, um ihrem früheren lang ährigen Diri­genten, Gastwirt SameS, eine feit langer Zeit aeplante Ehrung zu erweisen. Herr Sarnes, 5er weithin in der Umgebung als feinsinniger Dirigent bekannt ist, un) der schon in den mei­sten Vereinen im Umkreis dcn Dirigentenstab geführt hat, steht schon 33 Jahre im Dienste des deutschen Männergesangs. Gegenwärtig lei­tet er Gesangvereine in Holzheim, Sambach, Ober-Hörgern und Ebersta^t. An der Feier nahm auch der hiesige Gesangverein,.Har­rn o n i e" teil. Zunächst richtete Lehrer A r ch Worte der Begrüßung an die Erschienenen. Rach dem BegrüßungsliedDie Himmel rühmen" durch unsereHarmonie", und nach einigen Gesangs- vorträgen der Gäste beging man die eigentliche Ehrung. Der Vorsitzende derGermania'-Lang- Göns. Landwirt Karl Wendel, umriß in kurzen Strichen die großen Derdicnste des Ge­feierten, der 23 Jahre ohne Unterbrechung den Verein geführt hatte. Zum Dank ernannte er Herrn Sames zum Chrendirigenten und überreichte ihm ein Bild mit den Herren auf dem Gebiete der Tonkunst, Beethoven, Wagn r und Liszt. Die gleiche Ehrung wurde Ujm durch den Vorsitzenden des GesangvereinsHeiter­keit"-Dor'-Sill, Weißbindermeister Euler, zu­teil, welchen Verein er ebenfalls lange Jahre hindurch geleitet hatte. Herr Sames dankte beide Qllai tiefbewegt und brachte zum Ausdruck, daß fein ganzes Tun der Liebe zum deutschen Lied und deutschen Männergesang entsprungen sei. Der GesangvereinHeiterkeit" verband gleichzeitig damit eine Ehrung seiner langjähri­gen, nach Lang-Göns verzogenen Mitglieder Heinrich Kuhl und Georg Schäfer. Beide wurden durch Lieberreichung von Ehrendiplomen zu Ehrenmitgliedern ernannt. Der Rest des Abends wurde ausgefüllt mit Liedervor­trägen der drei Vereine, die dabei z. T. ganz hervorragende Leistungen: aufwiesen.

rt Lich, 15. Dez. Zum allgemeinen Be­dauern kann der hiesige Kirchenchor schon lange Zeit aus Mangel an Männerstimmen nicht in Tätigkeit treten. Dafür stellt sich der F r a u e n ch o r. der schon öfters die Gemeinde durch feine edlen Darbietungen unter Leitung von Fräulein Marie Jäger er।reut hat, in dcn Dienst der Sache und will am kommenden vier­ten Advent in der Marien'iiftskirche ein Weih» nachtSkonzert mit reichhaltiger und ab­wechslungsreicher Dortragsfolge hallen. Der Er­trag des Konzertes kommt einem wohltätigen Zweck zugute: alten und fronten Einwohnern soll damit eine Weihnachtsfreubereitet werden.

J Lich, 14. Dez. Der von dem Verkehrs- und Verschönerungsverein veranstaltete S ch a u f e n st e r - W e 11 b e w e r b ist zu einer mustergültigen Veranstaltung geworden, die sich sehen lassen kann. Die meisten Geschäftsleute haben sich ohne Zweifel recht große Müye gegeben. Man kann viele geschmackvoll arrangierte Auslagen sehen und auch solche, bei denen ein gutes Maß künstlerischen Verstehens an den Tag gelegt wurde. Die Arbeit des Preisgerichtes war nicht leicht, die Verschiedenartigkeit der Geschäftszweige machte die richtige Beurteilung oft zu einer schwierigen Aus­gabe. Es hat sich gezeigt, daß gerade die Manufak­turwarenhändler oft ihre liebe Not hatten, etwas

Wirkungsvolles zu erzielen, während dies offenbar den Metzgermeistern etwas leichter geworden ist. Schöne Wurste, Schinken und dergleichen haben immer etwas Anziehendes. Der Wettbewerb hotte folgendes Ergebnis: 1. Preise: Georg Lotz, Friseur, Ferdinand Zimmer, Kaufmann, Ernst Pom­ni e r t, Metzgerei. 2. Preise: Ferdinand Zimmer, Filiale, Moritz Goldschmidt, Manufaktur­waren, Hermann Stein, Metzgerei, Konrad Köhler, Lebensmittelgroßhandlung, Emil Buh, ; Zigarren, Heinrich Schmidt X., Metzgerei, Aug. Vater, Bäckerei, Karl Christian Rau I., Metz­gerei, Christian Zimmer, Schuhwaren, Rein­hard Zimmer, Polsterwaren, Eduard Win­decker, Schuhwaren. 3. Preise: Heinrich Walz, Installation, Ludwig Heller, Metzgerei, Joh. Heinrich Schmidt II., Manusakturwaren,_ Herrn. Schmidt IV., Metzgerei, Franz Müller, Schreibwaren, Sophie Lotz, Modistin, Christian Keller, Lebensmittel, Hermann V o l k m a n n, Schreibwaren, Heinrich F a s s a u e r, Schuhwaren, Karl Heller III., Kaufmann.

rt. Rieder-Bessingen, 14. Dez. Das Fest der diamantenen Hochzeit feierten heute Iohs. Hau und Charlotte, geborene Köhler. Ihre Ehe wurde vor 60 Jahren ein­gesegnet von dem Glied einer in ganz Hessen bekannten Familie, einem Sohn des Licher Land­richters Sartorius, der damals als Pfarr­vikar in Lich und Rieder-Bessingen amtierte. Zur Feier der Diamanthochzeit begab sich nach dem Gottesdienst der Ortsgeistliche mit dem Kirchenvorstand unter dem Geläute sämtlicher Glocken in das Haus des Jubelpaares. Dort wurde das Paar nach Gebet und einer An­sprache feierlich gesegnet. Der Ehemann wird demnächst 90 Jahre alt, die Frau steht im 83. Jahre.

Rodheim a. d. Horloff, 13. Dez. Die hie­sige Ortsgruppe des Landjugenvbundes hielt heute ihren diesjährigen Heimatabend ab. Die Jugend bot ihren Gästen zunächst einiges aus den Schätzen unserer Nationalliteratur, indem sie Theodor Korners SchwänkeDer Nachtwächter" undDer Vetter aus Bremen" darstellte und die Deutsche Treue ober Josef Heiderich" auf die Bühne brachte. Der Heimatliebe wurde Rechnung getragen, indem ein zur Zeit des Westfälischen Frie­dens spielendes Stuck für heimatliche Verhältnisse umgearbeitet worden war, so daß die jungen Rod- heirner ihre Ahnen aus 1648 auf den Brettern auf­treten ließen. Der zweite Vorsitzende, Theo Pape, begrüßte die Erschienenen mit Worten, die von war- mer Vaterlandsliebe erfüllt waren. Der Vortrag des Nütlifchwures mündete in das Deutschlandlied aus. Ein von dem Glauberger Posaunenchor gebotenes Konzert hielt die Zuhörer noch lange zu- ammen. Der Reinertrag des Abends soll dem hie- igen Denkmalfonds zugeführt werden.

Kreis Friedberg.

sf. Friedberg, 13. Dez. Im G e - fchichts- und Altertumsverein hielt am Freitag abend Privatdozent Dr. H. Richter vom paläontolischen Institut in Gießen einen Vor­trag überDie altsteinzeitliche Höhlensiedlung in Trais a. d. Lunde". Der Redner verstand es, feinen Vortrag so fesselnd zu gestalten, daß die Zuhörer mit Spannung folgten. Von besonderem Interesse waren die zahlreichen Lichtbilder, welche in anschaulicher Werse die primitiven Steinwerk­zeuge vorsührten, die zeigten, daß auch damals schon die Menschen es verstanden, sich au8 dem vorhandenen Material, hauptsächlich ati8 Quarzit, die benötigten Werkzeuge von der Urform bis zum fertigen Geräte selbst herzustellen. Der Iugendgottesdienst, der gestern abend in der Stadtkirche abgehalten wurde, gestaltete sich zu einet erhebenden Feier. Man ging dieses Ma! von dem Gedanken aus, nicht nur einen Predigtgottesdienst abzuholten, sondern ber Ju­gend selbst Gelegenheit zu geben, sich durch Frage und Bekenntnis, durch symbolisches Handeln und lebendige Anteilnahme selbsttätig an gottesdienst­lichen Handlungen zu betätigen. Es war ein schöner und feierlicher Augenblick, als die Iu- gendvereinigungen. die Turngemeinde, der Wan­dervogel, der Wartburgverein, die Pfadfinder, der Bibelkranz usw. in geschlossenem Zuge mit ihren Wimpeln und mit brennenden Lichtern ver­sehenen Weihnachtskränzen in die Kirche ein- rückten und sich um den Altar aufstellten. Pfarrer lic. Gerstenmaher hatte den gottesdienst­lichen Teil übernommen, in Frage und Antwort trat er in lebendige Verbindung mit der Jugend, während die zahlreich versammelte Gemeinde an

zu versichern brauche, daß ich mich vor einem ehrlichen Gefecht nicht fürchte. Ich bin ein guter Fechter und treffe stets ins Schwarze, man hat mich auf Schützenfesten wie einen Pfingstochsen bekränzt, aus den Schultern heimgetragen, nicht auf der Bühne, sondern in meinem heimatlichen Dorse. Ich würde einem Zweikampf nicht aus dem Wege gehen, wenn mir die ülrsache nicht lächerlich und überflüssig erschiene. Ich betrachte die Angelegenheit als erledigt, indem ich meine Versicherung gebe, daß Fraulein Rott meine Freundin ist und ich darin keine Beleidigung er­blicken kann."

Mein Herr," nahm der innere Worth das Wort,es komnll mir darauf an, daß Sie Ihre Beziehungen zu dieser Dame öffentlich klarstellen. Es bedeutet in unseren Kreisen aller­dings etwas anderes, wenn ich eine Dame als meineTänzerin" bezeichne, als wenn ich sie meine Freundin" nenne, btt uns gibt es keine derartigen Freundschaften."

Verstehe," sagte Stephansberger,aber se­hen Sie, wenn ein Japaner hierher kommt, Sie haben ja in Ihrem Institut so ein paar gelbe Asten, und heiratet eine Deutsche, und sie wird in Japan bei einer Gesellschaft ins Vorzimmer gesetzt, wo sie speisen muh, wäh­rend die Herren sich im Speisezimmer amüsieren, so kann die Europäerin mit Recht gekränkt fein, denn bri uns ist es nicht übllch, aber Fann man dein Ipaaner daraus einen Vorwurf machen, weil er seiner Ausländerin wegen nicht gegen die Sitten des Landes verstoßen will?"

..Hier liegt die Sache nun doch etwas an­ders", sagte Worth, in dem es anfing, leise zu kochen.Wenn Sie sich auch als Japaner geben wollen, so kennen Sie doch die Sitte, daß, wenn man den Ruf einer Dame öffent­lich in ein falsches Licht gesetzt hat oder viel­mehr den Lichtschein so gedreht, daß eine dunkle Seite auf ihre Erscheinung gefallen ist. öffent­lich Abbitte tut, was in diesem Fall bedeutet, daß Sie vor demselben Kreise dasselbe wieder­holen, was Sie mir eben sagten. Das genügt mit."

Auf Stephairsbergers Gesicht erschien ein erstauntes Lächeln.Hier ist etwas, das nicht

der liturgischen Seiet teilnahm. Die Feier machte auf alle Anwesenden einen tiefen Eindruck. Aus alle Fälle ist dieser Versuch, den Gottesdienst zu vertiefen und zu beleben, in vollstem Maße ge­lungen.

4 Dad-Rauhei m, 12. Dez. Die hie­sige V o 1 k s b a n l hatte für heute abend zu ihrer 8 9. Hauptversammlung in das GasthausZur guten Quelle elngelaöen. Weit über 100 Genossenschaftler waren dem Rufe gefolgt. Rach kurzer Begrüßung gedachte der Versammlungsleiter und Vorsitzende des Auf­sichtsrates in ehrender Weise des kürzlich ver­storbenen Dankvorstcn.es Hartmann Stoll, der von 1892 bis 1925 dem Vorstand der Volks­bank angehört und als führen-er Genossenschaft-- ler um das gesamte Genossenschaftswesen sich be­deutende Verdienste erworben hat. Die Er­gänzung swahl des Aufsichtsrats er­brachte die Wiederwahl von Reallehrer W. D e ch t o l s h e i m e r, Rentner Ernst Grüne­wald und Stadtrechner PH. Stamm, sowie die Reuwahl von Kaufmann Äai4- 2I.i ck e l und Franz Müller. Mit lebhaftem Interesse wurde das Ergebnis der letzten Revision der Volks­bank ausgenommen. Das von Vetbandsrevisot Schröder (Kassel) niedergelegte Gutachten, das sich in fast allen Einzelheiten sehr günstig aus­spricht, beenf anbete nur den verhältnismäßig niedrigen Geschäftsanteil. Wie vom Vorstand aber mitgeteilt wurde, ist die Summe inzwi­schen auf 120 000 Mk. angewachsen und wird auch weiter steigen. Bankvorftand Haber- m e h l gab an der Hand von Zahlen ein an­schauliches Bild über den Geschäftsgang seit dem 1. Januar 1925 und konnte bewerfen, daß die Entwicklung sich sehr günstig gestaltet hat. Der Umsatz beträgt in den ersten 10 Monaten dieses Jahres 51 Millionen Mark, was gegenüber dem Gesamtjahre 1914 ein Mehr von 23 Millionen Mark, gegenüber 1924 ein Mehr von 19 Mil­lionen Mar! bedeutet. Die Mitgliederzahl ist auch in stetigem Wachsen begriffen, sie beträgt zur Zeit 850 Genossenschaftler, lieber den Ver­lauf und die Beschlüsse des Genossenschaftstages in Freudenstadt berichtete Banlvorstand Ziegler, während Dankvorstand R. Stamm über steuerfreie Sparkonten referierte und den Gewerbetreibenden die fleißige Be­nutzung dieser Einrichtung empfahl. Gerichts- assessor Dr. Rudolf Stahl hielt dann einen Vortrag überAufwertungsfrage n", der reiche Belehrung und Qlnrcgvng bot. Bürger­meister Dr. Kayser dankte der Dolksbank für die segensreiche Arbeit, die sie zum Wohle von Bürgerschaft und Stadt entfalte.

pb. Butzbach, 12. Dez. Im Anschluß an eine Mitgliederversammlung des hiesigen M a t Hil­de n st i f t s sand heute abend im lleinen Saale des Hessischen Hofes vor einem erweiterten Äreis Ge­ladener aus allen Schichten der hiesigen Bevölke­rung eine Versammlung statt. Kreisdireklor Geb­hardt eröffnete die Versammlung und erläuterte kurz den Zweck derselben. Zur Linderung der Wohnungsnot soll in Gemeinschaft mit den hessischen Sparkassen zur Beschaffung der für Neu­bauten erforderlichen Baugelder ein besonderes Spartontenfi)ftetn eingerichtet- werden. Es sollen die Behörden und diejenigen Persönlichkeiten, die für die wertere Förderung des Bausparaedan- kens in Frage kommen, eingehend unterrichtet wer­den. Der Kreisdirektor übergab dann das Wort zur eingehenden Erläuterung dieser Richtlinien dem Rcg.-Rat Dr. R i n d f u ß vom Äceisamt Fr.iedberv. Dieser setzte in etwa einstündiger Rede die beiden Systeme der Bausparkonten auseinander. Er be­tonte, daß Auslandkavital für Bauzwecke nicht zu haben sei, da das Reich die 2Iufna>ie solcher Ka­pitalien nicht zulasse und daß deshalb nichts ande­res übrig bleibe, als sich selbst zu helfen und zu sparen, um allmählich der Wohnungsnot zu steuern. Bürgermeister Dr. Jansen dankte dem Referenten für die eingehenden Erläuterungen, uni) knüpfte daran die Hoffnung, daß die neu zu be­gehenden Wege dem Wohnungsbau forderlich sein mochten. An den Vortrag schloß sich noch eine län­gere Aussprache über verschiedene Punkte an, die zum Teil mißverstanden worden waren.

Kreis Büdingen.

L Nidda, 13. Dez. Endlich konnte heute, nach zweimaliger Verlegung an den beiden letzten Sonn­tagen, der Fallschirm-Pilot A. Langer aus Darmstadt auf den Wiesen unterhalb der Stadt seine Flugzeuavorführungen zeigen, wo­zu sich zahlreiche Zuschauer eingefunden hatten. Um 11 Uhr überflog ein Doppeldecker die Stadt und

stimmt Hat diese Dame einen offiziellen Be­schützer in Gestalt eines Vaters, Bruders, Gatten oder Verlobten, so soll er zu mir kommen bann bin ich zu einer Unterredung bereit. Aber nur in diesem Fall."

sehe, daß Sie nicht gesonnen sind, sich mit meinem Freunde zu schlagen", sagte der Sekundant, der zugeknöpft, ernst und in kor­rekter Haltmrg. den Zylinder auf den Knien, in dem Plüschsessel saß.

Ich bebaute unendlich", sagte der Kammer­sänger.Man schlägt sich nicht um diese An­gelegenheiten bei uns."

llnb Eie bleiben dabei, nichts zurücknehmen zu wollen?" fragte Worth, indem er sich er­hob, wozu er längere Zeit brauchte, als er gedacht, denn die Roßhaare des unendlich ver­tieften Sessels, der täglich gewohnt war, einen Stephansberger aufzunehmen, waren so abge­sessen, daß der Sih des Sessels mit seinen kur­zen Deinen beinahe auf der Erde stand.

Ich kann nichts zurücknehmen, denn meine Ansichten ändern sich nicht."

Ich habe die Ehe", sagte Worth.

Ich h-.be gleichfalls die Ehre", erwiderte der Kammersänger und hielt die Tür auf, wäh­rend sich Worth den Weg durch diesen langen dunklen Flur bahnte, in dem eine Reihe von Möbeln stand, die von Rechts wegen in keinen Flur gehören.

Rarren". sagte der Stephansberger, als sich die Glastür hinter dem Herrn im Zylinder ge­schlossen hatte. .Halten einen eine Stunde auf, um einen mit ihrer rückständigen Weltanschauung bekannt zu machen, das sollte mir gerade noch gefehlt haben, für was eigentlich, für was?" älnd davon überzeugt, seine Sache aufs vor­trefflichste erledigt zu haben, gab er sich einen ^s-Dur-Aftord an und nahm seine Gesangs- üburgen wieder auf... und hinter Worth auf die (Straße hinaus tönte es:Großer Gott, steh' mir bei, großer Gott, steh' mir bei... in jenen weithin schwingenden, getragenen Daßtö- nen, daß man glaubte, es würde ein Harmonium gespielt.

(Fortsetzung folgt.)