Ausgabe 
15.12.1925
 
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klärte nochmals den Antrag des Finanzausschusses für unannehmbar.

Abtz. Schuldt - Steglitz (Dem.): Mit Vorschüs­sen fei den Beamten nicht geholfen. Besonders schlimm stehe es bei der Reichsbahn. Der Redner begründete eine Entschließung, die Reichsbahnver- waltung möge die Darlehen mit Rücksicht auf die große Notlage der Beamten Niederschlagen, minde­stens aber die Einziehung der jetzt fälligen Be­träge unterlassen. Der Antrag des Haushaltaus- schusses sei nur als Notmaßnahme gedacht. Die end- giiltige Regelung solle sofort nach Neubildung des Kabinetts erfolgen.

Weiterbeatung: Dienstag 1 Uhr.

Der Fall Schillings vor dem Landtag.

Berlin, 14. Dez. Im Preußischen Landtag wurde der Landwirtschaftsetal nach kurzer Debatte zu Ende gebracht und dann mit der 3. Beratung des Kultushaushalts begonnen.

Abg. S ch w a r z h a u p t (D. Bp.) erwiderte dem Ausschußbcricht über die Anträge von Campe (D. Vp.) und Falk (Dem.) auf Errichtung einer pädagogischen Akademie auf simultaner Grundlage.

Abg. Wildermann (Zenrr.) gibt namens seiner Fraktion eine Erklärung ab, in der es heißt, die Zentrumsfraktion erblickt in dem Anträge auf Errichtung einer simultanen pädagogischen Aka- demie in Frankfurt a. M. einen Versuch, die Grundlage der Bekenntnisschule zu unterhöh- I e n und die simultanen Schulen in Nassau zu ver­ewigen. Die Bekenntnisschule ist nach lieber- zeugung der Zentrumspartei die Schule, die die Gewissensfreiheit und die berechtigten Ansprüche aller Erziehungsberechtigten sicherstellt. Die Be­kenntnisschule sichert religiösen Frieden unter den Volksgenossen und gibt der Vaterlandsliebe der Schüler die religiöse Grundlage. Das setzt aber eine Vorbildung der Lehrer voraus, die nur auf bekenntnismäßig eingerichteten Lehrerbil­dungsanstalten erworben werden kann. Eine simul­tanen Lehrerbildung z e r st ö r t die notwendigen Voraussetzungen der bekenntnismäßigen Volks­schulen. Sollte der Antrag angenommen werden, jo behält das Zentrum sich vor, mit allen gesetz­mäßigen Mitteln die Errichtung der simultanen Akademie zu verhindern. (Beifall im Zentr.)

Zu der Angelegenheit von Schillings, die dann zur Sprache kommt, liegen von der Deutschen Volkspartei zwei Anträge vor, in denen das Staats- Ministerium ersucht wird.

die fristlose Entlastung des Intendanten bet Staatsoper. Pro estor Dr. Max v. Schllllngv, znrückzuziehen und eine baldige Lösung des ent­standenen Konflikts herbetznführen.

In dem zweiten Antrag wird verlangt, daß für das Rechnungsjahr 1926 eine planmäßige Stelle für dos Theaterwesen nicht geschaffen wird.

In einem Antrag der Völkischen, der National­sozialisten und der Wirtschaftlichen Bereinigung wird die Erledigung des Falles Max o. Schillings folgendermaßen vorgeschlagen:

1. Professor Dr. v. Schillinas wird unverzüglich wieder in sein Amt als Intendant der Staatsoper eingesetzt.

2. Die beiden Referenten st eilen für Äunft sind au» dem Etat des Kultusministeriums zu st r e i ch e n.

Kultusminister Dr. Becker rechtfertigte das Verhalten des Ministeriums des Innern in einer -'!t . . ' sehr ausführlichen Rede. In der Debatte traten die

Redner der Deutschnationalen, der Deutschen Volks- 1 Partei, der Wirtschaftlichen Vereinigung und der j Völkischen Arbeitsgemeinschaft für ihre Anträge ein, die die Zurücknahme der fristlosen Entlassung . des Intendanten von Schillings und Streichung der Referate für Kunst und Theater im Etat für 1926 fordern. Dom Zentrum bis zu den Kommunisten wurde der Standpunkt des Ministeriums gebil­ligt. Dabei kam aber das Verlangen zum Aus­druck, daß, nachdem der Staatsautorität Genüge geschehen fei, trän dem Künstler und Menschen Schillings die Hand reichen müsse.

Der Deutsche Einzelhandel beim Reichskanzler.

Berlin, 14. Dez. (WTD.) Die Harrpt» tgemeinschast des Deutschen Eir^elhandeö be­richtete am 12. Dezember dem Reichskanzler per­sönlich über die ungünstige Entwicklung der Ge­schäftslage. wies auf die steigenden Unkosten und den firrten&en Absatz hin und betonte, daß von einer Äebersetzung der Ladenbetriebe und des Einzelhandels nicht die Rede sein könne. Sie sprachen den dringenden Wunsch aus. daß die Regierung die Konkurrenz des Einzelhandels mit den Konsumvereinen und den Handels­betrieben öffentlicher Körperschaften sich frei aus- wirken lassen und nicht durch behördliche Ein­wirkungen und Sondervergünstigungen beein­flussen möchte. Der Reichskanzler erwiderte, daß die Volkswirtschaft sich nur bei völlig freier Konkurrenz und unter den gleichen Bedingungen für alle Arten von Betrieben aufwärts entwickeln könne. Die bevorstehende allgemeine Wirtschafts­enquete werde Gelegenheit geben, die Ursachen der jetzigen Preise und die Spannen zwischen den Preisen der einzelnen Wirtschaftsstufen festzu­stellen. Die Dertreter der Hauptgemeinschaft er­klärten ihre volle Bereitwilligkeit zur Mitarbeit an dieser Gnquete, baten aber, daß dieser grund­sätzlichen Klärung der Preisfrage nicht durch verständnislose Eingriffe örtlicher PreiSPrüfungs- stellen im Sinne der überholten Preistreiberei­vorschriften vorgegriffen werde.

Aus Dem Reichsrat.

Berlin, 14. Dez. (TU.) Der Reichsrat ge­nehmigte den Entwurf von Ausführungsoorschrif- ten zur Sonderunterstützung an Haupt- geroerbetreibenbe, Angestellte und Arbeiter im T o * bakgewerbe und den durch dieses mitbeschäf. tigten Gewerben. Es handelt sich hier um Ausfüh­rungsbestimmungen auf Grund des neuen Tabak- fteuergeletzes. Die Aussührungsbestimmungen wur­den Dayin abgcänbert, daß den in Betracht kom­menden Gemeinden, die Aufwendung für den ge­nannten Zweck nicht, wie die Regierung beabsich­tigt hatte, nur zu 75 Proz., sondern zu 80 Proz. zurücker stattet wird. Annahme fand eine Novelle zum Genossenschaftsgesetz. Darnach können jetzt die Genossenschasten m t mehr als 3000 Mitali.dern eine Generalversammlung in der Weise obhalten, daß nicht Mitglieder, sondern Vertreter die Generalversammlung bilden. Derselbe Beschluß kann jetzt bei Genossenschaften von mehr als 1500 Mitgliedern gefaßt werden. Nach den bisherigen Bestimmunaen betrug diese Ziffer 10000 und 3000.

Die Locarnoverträge dem Vöikerbvnd übergeben.

Genf. 14. Dez. (W^lff.) Im Lause der heutigen öffentlich-en Sitzung deS Völkerbunds- rotes übergab Chamberlain dem RatLpräs.- denten S c i a l o j a in feierlicher Form das in London mtterzeichnete Original des Ver­tragswerks von Locarno, nämlich den Westpakt, die beiden Schiedsverträge zwischen Deutschland mit Frankreich bzw. Belgien, die beiden Schiedsvcrträge Deutschlands mit der Tschechoslowakei bzw. Polen und das Schluß- pretocoll. Außerdem übergab Chamberlain eine Abschrift der an den Reichskanzler Dr. Lu­ther und Reichsaußenminister Dr. Stresemann gerichteten Rote über Artikel 16 des Völkerbundspaktes. Die RatiZ.aii ns- urkunde soll später beim Generaljekretariat des Völkerbundes deponiert werden.

Die eindrucksvolle Handlung wurde durch kurze Ansprachen Chamber ains und Paul D o n- cours erhöht, der seinerseits die beiden zwischen Frankreich und der Tschechoslowakei bzw. Polen in London unterzeichneten Verträge dem Rats­präsidenten Scialoja übergab, die, wie er hin- zusügte, eine Ergänzung des Vertrages von Lo­carno darstellen.

Chamberlain

schloß seine Erklärungen wie folgt:Indem ich diese Dokumente dem Vertreter des Rat? über­gebe, und sie unter die Obhut des .indes stelle, möchte ich noch betonen, daß die un­mittelbar daran interessierten Mächte in eine neue Phase ihrer Beziehungen ein» getreten sind. Mit dem Wunsche, sorgfältig jede Art von Herausforderung und Beleidigung An­derer zu vermeiden, haben sie sich gegenseitig den Frieden garantiert. Sie haben so dazu beigetragen, den Weitsrieden zu stabilisieren und unseren Völkern Ruhe und Vertrauen zu geben. Indem wir diese Aktenstücke unter die Obhut des Völkerbundes stellen und dem Völkerbunde alle Autorität, die durch die Verträge geschaffen wird, übertragen, sowie durch die Verei barung zwischen Deutschland und den anderen Mächten, wonach Deutschland gemäß diesem Abkommen in den Völkerbund Eintreten soll, haben wir ein Werk vollbracht, das dazu beitragen wird, die Autorität und Kraft des Völk.rbundes zu vermehren und zu erhöhen."

Paul D o n c o u r verlas ein

Telegramm deS französischen Ministerpräsi­denten Dr'.and:

Im Augenblick, in dem die in Locarno ausgearbeiteten Verträge in, den Archiven des Völkerbundes niedergelegt werden, liegt mir da­ran, von Paris aus, wo ich durch die gebiete­rischen Pflichten meines Amtes zurückgehalten werde, mich den Gefühlen anzulchließcn. die Chamberlain mit seiner Autorität zum Ausdruck bringen wird. Frankreich ist stolz, feine Unter­schrift unter die Verträge gesetzt zu haben, die seinen Willen zur Aufrechterhaltung des Friedens besiegeln. Das friedensför­dernde Werk des Völkerbundes, in dessen Schoß wir jjoffen bald Deutschland aufnehmen zu können, kann durch den Abschluß dieser Ver­träge von Locarno nur erleichtert und gestärkt werden. Diese Verträge, die auf den Bestim­mungen und den leitenden Grundsätzen des Völkerbundspaktes fußen, sind dazu bestimmt, unter den Staaten, die sie unterzeichnet haben, normale Beziehungen zu eröffnen, die auf den gegenseitigen Wunsch der Versöhnung durch die Achtung der Verträge und der Rechte jedes einzelnen gestützt sind.

Den Crtlärungen des englischen und fran­zösischen Vertreters folgten kurze Anspra^m der anderen Ratsmitglieder, worauf Gras Ishii- Iapan sich mit besonders warmen Worten an Deutschland wandte, dessen Eintritt als Großmacht von Japan aufs lebhafteste be­grüßt werde. Auch Pin den-Schweben betonte, daß gerade Schweden die Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund aufs lebhafteste begrüße.

Am Schluß der heutigen eindrucksvollen Zere­monie sagte

Ratspräsident Scialoja:

Ich freue mich darüber, in meiner Eigenschaft als Ratspräsident heute den Text der Verträge von Locarno in einem feierlichen Augenblick, der dieser Dokumente würdig ist, entgegennehmen zu können. Gern hätte ich den Vertreter Deutschlands wie auch den Dertreter Polens eingeladen, aus diesem Anlaß am Ratstilche Platz zu nehmen. Er­lauben Sie mir also, in schlichten Worten daran zu erinnern, daß der Dertreter Deutschlands mit d i e erste Initiative ergriffen hat, die zu diesen Dokumenten führten, indem er Frankreich und England einlud, in Verhandlungen einzu- treten. Heute ist tatsächlich ein Festtag des Völker­bundes, da wir jetzt die Verwirklichung desien fest- ftellen können, was bei feiner Gründung nur eine Hoffnung und ein Ideal war.

In Locarno haben wir ein System von Ver­trägen aufgestellt, die auf einem neuen Geiste auf­gebaut sind, den man mit Recht den Geist von Locarno bezeichnet, den Geist des tatsächlichen Friedens, der alle Kriegsursachen beseitigen soll. Erlauben Sie mir festzustellen, daß unter allen in Locarno anwesenden Staaten es nur einen einzigen Staat gav, der denreinen Geist" ver­trat. Alle anderen Staaten hatten Interessen, die ich als körperlich bezeichnen, möchte. Einzig Ita­lien nahm an den Arbeiten in einem Geiste des internationalen Friedens teil ohne jedes andere Interesse. Ich muß nun nochmals Austen Cham­berlain wie auch allen meinen Kollegen danken, den Unterhändlern von Locarno und insbesondere jenen meinen Dank aussprechen, die die Ini­tiative zu diesen Verhandlungen ergriffen hat­ten. Ich schließe an diese Worte den Dank der ganzen Welt an und glaube, daß meine Kollegen meinen Vorschlag billigen werden, unseren ab­wesenden Kollegen aus Polen und Deutschland unsere Freude zu bekunden (wobei wir hoffen, bald mündlich dem Vertreter Deutschlands den Ausdruck unserer Gefühle hier übermitteln zu können), indem wir das Protokoll über diesen Teil der Sitzung den Regierungen von Polen und Deutschland zustellen.

Sämtliche Erklärungen wurden von dem zahl­reichen Publikum unter feierlicher Stille und mit lebhafter Aufmerksamkeit entgegenpenommen. In den Reihen der dicht besetzten Diplomalenbänke beobachtete man auch den deutschen Gene­ralkonsul in Genf, Aschmann.

Der in der

preußischen Kirche.

cT/VHv W Dez. (SM.) Rach fünftägiger Debatte beschloß heute das Landeslirchenparla-

ment der evangelischen Kirche der altpreußischeit Union (ausschließlich Hannover, Schleswig-Hol­stein, Hessen-Kassel. Rassau und Frankfurt a. M.) in erster Lesung des betreffenden Eutwurses für d l e Generalsuperintendenten die amtliche Bezeichnung Bischof. Das von der Gruppe der Evangelisch-Lutherischen bean­tragte, durch den Antrag von Dr. Deihmaim modifizierte erste Kirchengesetz der neuen Kir- chenorganisation wurde damit gleichfalls in erster Lesung angenommen. Die Drovinzial-Kircheuräte haben das Recht, innerhalb von zwei Monaten nach Verkündigung des Gesetzes die einstweilige Fortdauer der seitherigen Amtsbezeichnung inner­halb ihrer Kirchrnprovinz zu beschließen. Dieser Beschluß bedarf der Bestätigung durch die Pro- vinzial-Synode.

Kunst und Wistenschast.

Prof. D. Mendelssohn-Darmstadt

-r Wie wir den Mitteilungen des Evange­lischen Kirchengesangvereins für Hessen entnehmen, feiert am 25. Dezember d. I. der verdienstvolle Kirchenmusikmeister und Komponist Professor D. Arnold Mendels­sohn in D a r m st a d t seinen 7 0. Geburts­tag. Im Jahre 1891 wurde er in das Amt eines Kirchenmusikmeisters berufen und hat als solcher die hessische Landeskirche sowohl wie ihre Einzel­gemeinden in allen kirchenmusikalischen Angelegcn- teiten aufs beste beraten, so z. B. bei der Anschaf­fung neuer Orgeln und Glocken, bei der Heraus­gabe des Gesangbuchs mit Noten und der neueren Auflagen des Choralbuchs und des Präludienbuchs und besonders durch die Abhaltung zahlreicher Or­gelkurse zur Fortbildung der Organisten. Ganz be­sonders unterstützte und förderte er die Bestrebun­gen der Ev. Kirchengesangvereine in Deutschland und Hessen. Er wurde daher auch schon früh, im Jahre 1891, in den Vorstand des Ev. Kirchen- aesangvereins für Deutschland gewählt und wegen seiner großen Verdienste um die Kirchenmusik von Der Ev. Theologischen Fakultät in Gießen zum Ehrendoktor der Theologie promoviert. Dem Hessischen Ausschuß der Kirchengesangvereine gehört er seit allem Anfang an.

Politische Studente.nkildung.

Eine Staatspolitische Woche des Deutschen Hochschulrings ist in Ham­burg vom 11. bis 20. Januar 1926 in Aus­sicht genommen. M. a. sollen auf der Tagung sprechen: Prof. Dr. Haush of er-München über Auswärtige Politik", Prof. Dr. Karo-Halle Die politische Bedeutung der Kriegsschuld". Gouverneur Dr. Schnee-BerlinDeutsche Ko- lonicüpvlitit", Geb. Rat Dr. Q ua a tz - Berlin, M. d. R.,Die politische und wirtschaftliche Ent- i icklung von Versailles bis zum Londoner Pakt", Oberfinanzrat Dr. V a n g-VerlinDer Londoner Pakt", Pr,f. Dr. Martin Sv ahn-KölnVöl­kerbund und Sicherheit" und Prof. Dr. Wundt- JenaDer deutsche Staat-g'^ocmke".

Akademische Grenzlandarbeit.

Eine Sternfahrt nach Wien berei­tet das Grenzlandamt des Deutschen Hochschul- rings unter Leitung des rührigen Dr. Friedrich Heiß vor. An ihr sollen in Zusammenarbeit mit der Mittelstelle für Iugendgrenzlandarbeit alle in der Grenzlandarbeit stehenden Gruppen zu einer wissenschaftlich-politischen Tagung in Wien tellnehmen. Im Winter soll eine theo- rettsche Veschäftigung mit dem Fragenkomplex G r d e u t f ch l a nd" vorausgehcn, der sich Ende des Wintersemesters von den einzelnen deutschen Landschaften aus die Sternsahrt an» schließen soll. Das Hauptaugenmerk bei der Tagung in Wien soll auf die Gesichtspunkte: Zusammenschluß int Hinblick auf Staats­politik, Kulturpolitik und Wirtschaftspolitik ge­legt werden, wobei auch das religiöse Problem eingehend erörtert wird.

Aus aller Meli.

Beginn des Internationalen Radiokongresses.

In Brussel begann der Internationale Radiokongreß, dessen wichtigsten Ausgaben die Vornahme einer planmäßigen Verteilung der Wellenlängen sein wird'und der sehr wahrscheinlich auch die Zahl der Srndrstationen begrenzen wird. Elf Länder find vertreten, dar­unter Deutschland.

Line Schreckensfahrl.

In Chemnitz geriet ein mit zwei Pferden be­spannter Kohlenwagen infolge der Glatte der ver­eisten Straße ins Schleudern. Der Beifahrer stürzte vorn Wagen und die Pferde gingen durch. Ein junges Mädchen und ein junger Mann wur­den von dem Gespann durch eine Fensterscheibe geschleudert. Der junge Mann starb kurz nach sei­ner Einlieferung ins Krankenhaus, das junge Mädchen erlitt so schwere Verletzungen, daß an seinem Aufkommen gezweifell wird.

TodeSschlaf eines Kindes.

In Esch im Taunus nahm das vierjährige Söhnchen der Familie Pankratz S ch l a s p i l l en, die dem Vater verordnet Warrn. Das Kind ver­fiel sofort in einen ticf?n Schlaf, aus dem es nicht wieder erwachte. Der Arzt konnte nur noch den Tod feft (teilen.

Raub überfall.

Auf der Straße von Hamm nach Friedrichs­dorf überfielen zwei Männer das Auto der Firma Horst & Niemeyer, Bielefeld, und raub­ten den Wagen aus. Der Chauffeur wurde durch Revolverschüsse an der Hand verletzt, geknebelt und gebunden und von den Räubern in den hin­teren Teil des Wagens geworfen. Die Diebe fuhren dann mit dem Auto davon. Bei Fried­richsdorf sausten sie gegen einen Baum. Hier­bei wurde einer der Räuber aus dem Wagen geschleudert und am Kopf verletzt. Hinzukom­menden Passanten gelang es, die beiden Täter festzuhalten. In ihrem Besitze fand man Revol­ver, Dolche und Einbrecherwerkzeuge.

Wettervoraussage.

Heiter bis halb bedeckt, vorwiegend nördliche Winde, kalt, meist trocken.

Nach dem Abzug des Störungsgebietes in öst­licher Richtung liegen wir nunmehr unter vorwie­gend nördlicher Luftströmung, die von Skandinavien her bereits beträchtliche Kälte nach Mitteleuropa ein­strömen ließ. Das neue isländische Fallgebiet ist direkt nach dem Nordmeer vorgestoßen, daher ist eine nennenswerte Milderung unserer kalten Witte­rung zunächst nicht zu erwarten.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 0,5 Grad Celsius, Minimum minus IP Grad Celsius. Nieder­schläge 0,8 Millimeter. Heutige Morgentemperatur minus 1,2 Grad Celsius.

Ans der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 15. Dezember 1925.

Dom Provinzicttaus!chutz.

Der Provinzialausschuh der Pro­vinz Oberhessen verhandelte in feiner Sitzung vom Samstag außer über d e B ü r ger- meisterwahl in Merlau, über die wir gestern schon berichteten, noch in den folgenden Angelegenheiten:

Klage des Wilhelm Mathes II. in Dettenhausen gegen das K r e i s a m t Gießen auf Aufhebung des Polizeibffehls vom 1. Oktober 1925. Der Kläger hat in seiner Hof- reite seinerzeit ein Nebengebäude (Holzschuppen) aus Holzfachwerk errichtet, das sehr nahe an den dem Wilhelm Köhler gehörigen Torüberbau, der mit der Wohnung deS Köhler zusammcn- hängt, heranstößt. Rach den Vorschriften Oer allgemeinen Bauordnung hätte die Giebelwand des Holzschuppens als Brandmauer errichtet wer­den müssen, was auch der Rachbar^KöhIer int Interesse der Feuersicherheit feiner Hofreite wiederholt verlangte. Der Kläger leistete allen Aufforderungen Der Baupvlizeibehörde keine Folge, so daß das KreiSamt Gießen schließlich auf Grund des Artikel 63 der Kreis- und Pro- vinzialordnung gezwungen war, um diesen ge­fahrbringenden, rechts- und ordnungswidrigen Zustand zu betätigen, gegen Mathes einen Po­lizeibefehl zu erlassen. Als letzter Termin zur Erledigung des Anstandes wurde der 15. No­vember gesetzt. Für den Fall, daß auch biS dahin der Anstand nid>t behoben fei, drohte das Kreis­amt in dem Polizeibefehl an. daß durch Dritte auf Kosten des Bauherrn im öffentlichen Inter- - esse der Mißstand beseitigt werde. Gegen diesen Polizeibesehl erhob Mathes Klage beim Pro­vinzialausschuh m?t dem Antrag, ihn aufzuheben und ihn von der Verpflichtung zur Errichtung der Brandtnauer zu befreien. Die Klage wurde als unbegründet kosten­pflichtig abgetoief en, da das Derwal- tungsgericht den Erlaß des Polizeibefehls für durchaus gerechtfertigt erachtete.

Klage der Auguste Schmidt Witwe in Hungen gegen das Kreisamt Gießen auf Aufhebung des Pol zeib fehls vom 1. Oktober 1925. Die Klägerin hat ohne bau- polizäliche Genehmigung an threm unmittelbar an dem Dahngleis der Strecke HungenFried­berg in der Gemarkung Hungen gelegenen Wohn­haus einen Anbau errichtet, der nur 2,5 Meter vom Bahnkörper entfernt ist. Infolge der Hohe des Anbaues ist die früher bestandene Meber- sichtlichkeit der S'gnale der vorbezeichneten Bahn­strecke beeinträch^gt. Da die Errichtung dieses Anbaues gegen Artikel 38 und 80 Abs. 2 der Allgemeinen Bauordnung verstoßt, wurde die Dauherrin von der Baupvlizeibehörde wieder­holt aufgefordert, durch Tieferlegung den Dach­first des Anbaues mit dem Dachfirst des Wohn­hauses in gleiche Höhe zu bringen. Frau Schmidt erklärte sich hierzu nicht in der Lage, da sie sich in einer wirtschaftlichen 'Rotlage befände. Auf Grund des Llrtikel 66 der Kreis- und Provil^ial- vrdminp erließ schließlich daS Kreisamt Gießen am 1. Oktober 1925 einen Polize'.bffehl gegen die Bauherren, in dem ihr im öffentlichen Interesse aufgegeben wurde, den die Betriebssicherheit der Eisenbahn gesährdenden rechts- und ordnungs­widrigen Zustand binnen 14 Tagen zu beseitigen, andernsalls der Mißstand durch Dritte auf Kosten der Bauherrin beseitigt werde. Gegen diesen Pv- lizeibefehl erhob Witwe Schmidt Klage mit dem Antrag auf Aufhebung. Die Klage wurde als unbegründet kostenpflichtig ab­gewiesen und der ergangene Polizeibesehl im Interesse der Verkehrssicherheit für gerechtfertigt erachtet.

Wehere Fahrplcrnanderungen.

Dom 21. Dezember ab treten auf den Strei­ken Gießen - Gelnhausen und Mücke- Hungen-Friedberg folgende Fahrplanän­derungen in Kraft:

Gießen-Gelnhausen^ Pz. 508 erhält von Mittelgründau bis Gelnhausen folgenden Fahrplan: Mittelgründau ab 4.18, Lieblos an 4.24, Gelnhausen an 4.36 nachm.

Mucke-Hungen-Friedberg: Pz. 4272 (S) wird wie folgt geändert: Mücke ab 4.18, Laubach an 4.48, Hungen an 5.20 nachnt. Pz. 4260: Hungen ab 5 30, Obbornhofen an 5.42, Melk'ch an 6.05, Friedberg an 6.32 nachm.

Gretzener Wochenmarktpreise.

Es kosteten das Pfu:rd: Butter 230 bis 230, Matte 40. Käse 65 bis 70 .Wirsing 15, Weißkraut 10, Rotkraut 15, gelbe Ruben 15. rote Rüben 12. Spinat 50, Unter-Kohlrabi 10 bis 12 Grünkohl 30. Rosenkohl 60 Feldsalat 120. Tomaten 120. Zwiebeln 12, Meerrettich 30 bis 83 Schwarz­wurzeln 50, Kartoffeln 4 Aepfel 15 bis 20, Dir­nen 30, junge Hahnen 120 Suppenhühner 120. Gänse 100 bis 125, Russe 50 bis 83; ba3 Stuck Eier 19 bis 20. Blumenkohl 63 bis 120 Endivien 10 bis 20. Ober-Kohlrabi 10 Lauch 5 bis 10, Sellerie 20 bis 40.

Bornotizen.

Tageskalender für Dienstag. Stadlthegter: 71/2 UhrHeimliche Drautsahrt" (Ende gegen 10V.1 Uhr). Skttlub Sauerland. Ortsgruppe Srillub Gießen, 8>/s MhrCafe Asto- ria" M t^Iiederversamnilung.

** Aus dem Stad ttheaterbureau wird uns geschrieben: Am Mlltwoch gelangen zum ersten Male int StadttheaterLanzelot und S andere in" undDas Apostel­spiel" von Max Me'l zur Aufführung. Das altflämische Spiel das hier übrigens nicht unbecannt ist Wird in feiner naiven Einfache beit für sich selber sprechen. Der TitelApo­stel s p i e l" konnte aber falsche Darstellungen erwecken, und darum sei kurz der Inhalt angc» deutet: Der Großvater und die junge Enkelin Hausen in einem flehten Dauernhäuschen welt­abgeschieden im Gebirge. Weltfremd wie die De- Hausung ist die Denkart seiner Dewohner. Eines abends treten zwei schlimme Wanderer, die alle Kriegsgreuel in Rußland mitgemacht haben, in die Stube und erbitten ein Nachtquartier. Der eine ist ein irregeleiteter Weltverbesserer, der zweite ein verwilderter roher Patron; sie Hegeri böse Absichten. Die fromme En.elin sieht aber in ihrer naiven Weise in den beiden die Apostel Petrus und Johannes, die unerkannt die Men­schen auf die Probe stellen. Dir Fremden gehen auf den Gedanken der Kleinen ein; doch der ..Johannes" genannte wird von der reinen, gläu» I Ligen Gesinnung der Enkelin so ergriffen, daß er alle kiffen Gedanken auf gibt und seinen Kame­raden aus dem Haus mit fort in die Dunkelheit

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