Ausgabe 
15.12.1925
 
Einzelbild herunterladen

Nr. NS Erstes Erscheint täglich.außer Sonntags und Feiertags.

Beilagen:

Gießener Familienblätler Heimat im Bild Die Scholle

Monats-llezngrpreiL:

2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger­lohn. auch bei Richter« scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüffe: Schriftleitung 112, Der« lag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach­richten: Anzeiger Liehen.

Postscheckkonto:

Frankfurt om Main 11686.

Dienstag, <5. Dezember 1925

175. Jahrgang

Blatt

ietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhefsen

Druck und Verlag: Vrühl'sche Umverstläts-Vuch- und Zteindruckerei 8. Lange in Sieben. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulfttahe 7.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnnmmer bis znm Rachmittag lTvrher.

Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re­klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfeimig, Piatzvorschrifr 20', mehr.

Chefredakteur.

Dr. Fnedr Wilh. Lange. Verantwortlich.

für Politik und Feuilleton Dr. Friede. Wilh. Lange; für den übrigen Teil Ernst Diumschein: für den An­zeigenteil Hans Illflel, sämtlich in Gießen.

Die unmöglichen Reparationen.

Parker Gilbert ist zum erstenmal mit einem Reparationsbericht an die Oeffent- lichkeit getreten, der nicht nur ein umfangreiches Zahlenmdterinl enthält, sondern darüber hinaus auch unsere Gesamtsituation kritisch be­leuchtet und. die Frage zu lösen versucht, ob es -uns auch in Zukunst möglich sein wird, die uns auf erlegten Zahlungen zu erfüllen. Der Reparck- tivnsagent ist nun auffallend optimistisch. Aus dar Tatsache, daß im ersten Fahre alles glatt ge­gangen ist, versuche er den Schluß zu ziehen, es würden auch in den nächsten Jahren sich keinerlei Schwierigkeiten ergeben. Jedenfalls muß der flüchtige Leser diesen Eindruck gewinnen. Steigt man jedoch in den umfangreichen Bericht hinein, dann kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, als ob Herr Parker Gilbert im F n n e r st e n feines Herzens nicht doch an­derer Meinung ist und keineswegs die Schwie­rigkeiten ixrfennt. die sich weiteren ungleich, i höheren deutschen Zahlungen enlgcgenstellen. Das offen zuzugeben, ist natürlich für_ den Repaoa- lionsagenten ein Ding der Unmöglichkeit, was auch sehr wohl zu verstehen ift Er muh aber das Terrain namentlich im Auslande allmählich bearbeiten, denn sonst dürfte. dort eines Tages die ileberrüfcfjung doch zu plötzlich kommen.

Wir wollen aus dem Bericht nur zwei Punkte herausgreifen, die von dem inneren Pessimismus des Reparationsagenten beredtes Zeugnis ablegen. Einmal die Feststellung, daß uns die Zahlung der ersten Milliarde nur mitHilfe o o n 8 0 0 M i l- Honen aus dem Auslände möglich wurde. Hierin liegt schon ein leiser Hinweis darauf, daß im zweiten Jahre wir sollen bann aus eige­ner Kraft gegenüber 200 Millionen im Vorjahre 1200 Millionen aufbringen die Abwicklung der Reparationsoerpslichtungen nicht so leicht vor sich gehen wird. Zum andern gibt ev auch gleich die Gründe hierfür an. Er macht nämlich darauf auf­merksam, daß wir nur dann große Zahlungen leisten können, wenn Deutschland in die Lage versetzt wird, einen Uebers chuß von Waren oder Lei­stungen an die übrige Welt zu liefern. Mit anderen Worten gibt er also zu, daß der gegen­wärtige Zustand der Unterbindung des deutschen Exports durch überhohe auslän­dische Zollmauern unsere Reparationsfähigkeit b e nachteiligt.

Das sehen wir selbst am deutlichsten an unse­ren 800 000 Arbeitslosen, die durchweg der Ex- portindustrie entstammen und nur deswegen ent­lassen werden mußten, weil die Schutzzölle des Auslandes unseren Export erdrosseln. Parker Gil­bert weiß sehr gut, daß ohne Ausfuhr keine De­visen nach Deutschland hereinkommen, daß also seine Kassen unter diesen Umständen leer bleiben werden. Darum sein Hinweis daraus, daß die Uebertragung deutscher Zahlungen an die Gläu­bigerstaaten eventuell unmöglich wird, wenn das Ausland die Schaffung einer gün­stigen deutschen Handelsbilanz ver­hindert. Kurzum, Herr Parker Gilbert, der un­sere unglückliche Wirtschaftslage aus eigener An­schauung kennt, hat schwere Sorgen, da sich all­mählich zeigt, daß der Dawes-Plan sich in der Theorie zwar sehr schön ausnimmt, feine praktische Anwendung aber geradezu unmöglich ist.

Dr. Wirth und das rheinische Zentrum.

Köln, 15. Dez. (TU.) Zu einer Aussprache Les Provinzia'ausfchufses Der rheinischen Zcn- trumsbartei mit Dr. Wirch ha te die Leitung der rheinischen Zentrumspartei Dr. Wirth nach Köln geladen. Insbesondere legte man Gewicht auf eine offene Darlegung der Gründe, die Dr. Wirth veranlaßt Haven, aus der Regierung auszutreten. Dr. Wirth führte ans. daß chm hauptsächlich die feste politische Linie des Zentrums am Herzen liege. Jetzt sei der Augenblick da, wo Führerpersönlich- feiten eingesetzt werden müßten. Zur Außenpolitik übergehend, erklärte Dr. Wirth, daß Luther und Slresemann in Locarno etwas . voreilig abgeschlossen Hütten. Es hätte nicht so geeilt mit der großen 'Weltfrage eines Sickerheitspaktes. ©era.c die Zentrumspartei müsse in die Vülkerbundspolitik den nationalen Geist hineinbring.n und zwar den gemäßigten Geist, nicht den Der SozialDemokraten. auch nicht den der Deutschen Bolkspartei. Die pazi­fistische Linie fei nicht Die, die das deutsche Volk einnehmen müsse, um seine Auf­gabe meistern zu rönnen. Die Sozialdemolraten sind Der angelsächsischen M.nialität nicht ge­wachsen. Wir müssen Den na.ionalen Gedanken in seiner tieferen Form pflegen.

2lbg. Brüning betonte mit dem Hinweis auf seine Bemühungen, Sleaerwald, Brauns und Wirth auf eine Linie zu bringen, daß keine erheblichen sachlichen Meinungsver­schiedenheiten zwischen i(n:n beständen. Sie seien mehr Sache des Temperaments. Er hob die Schwierigkeiten einer Politik mit Rechts und Links hervor. Zwei schart Richtung.n hät­ten sich bei Den Dcutschnationa'.en herausgebil­det. Die beide um die Führung rängen: die Gruppe der Reaktionären und die Christlich- sozialen. Mit der letzteren müsse die Zentrums- Partei wie früher zusammenarbeiten. Mit beson­derem Racheruck hob dann Zoos den Teil der Wirt'che-.i Aus üh.ungen hervor. Zwei Tinge feien es. die eine Einigkeit herbeiführen Fönnten und mühten: Aktivität in der Fraktion und Die Frage der Führung bei einer klar vorausschauenden Führerpersönlichkeit sei Der Fall Wirth nicht möglich gewesen, u -/

Die Regierungsbildung.

Don Fehrenbach zu Koch.

Es ist nun endlich ein Fortschritt in der Entwicklung der Regierungskrise zu verzeichnen. Richt etwa deshalb, weil die Sozialdemokraten und die ihnen verwandten Blätter der demokrati­schen Linken über diegemütliche Krise" zu spotten anfangen. Und will scheinen, als wenn gerade Die SozialDemolcaten Dazu kein Recht hätten. Denn wir haben Doch noch nicht ver­gessen, Daß auch unter Herrn Eberts Zeiten Der Weg von einer Regierung zur anderen oft Wochen in Anspruch nahm. Wir glauben uns sogar erinnern zu dürfen, daß Herr Dr. Luther als Finanzminister bei der letzten Krisis, um das Tempo zu beschleunigen, an den Reichs­präsidenten einen Brief schreiben mußte, worin er rundweg erklärte, daß er nicht in der Lage wäre, die Verantwortung für die Finanzen länger zu tragen, wenn nicht schleunigst eine Regierung zustande käme. Das hat damals denn auch wenig­stens nach der negativen Seite geholsen, die Verhandlungen wurden beschleunigt.

Gewiß ist es richtig, daß diesmal dem äuße­ren Anschein nach der Reichspräsident sich sehr viel Zeit gelassen hat. Mehr Zeit, als vielleicht notwendig gecvesen wäre, denn die Dinge waren eigentlich am Freitag morgen schon so weit ge­diehen, daß er seinen Vertrauensmann sür die weiteren Besprechungen mit den Parteien hätte ernennen können. Das ist wohl auch seine Ab­sicht gewesen, die sich nur zerschlug oder wollen wir sagen um 24 Stunden verzögerte, weil inzwischen Differenzen über die Er­werbslosenfürsorge und die Beam­te nbesoldung zwischen Dem Reichstag und dem gegenwärtigen Kanzler Dr. Luther ent­standen, die auf die Zusammenhänge der Regie­rungskrise nicht ohne Einfluß blieben. Jedenfalls hat Herr Dr. Luther sie so ernst genommen, daß er sich nicht nxehr für die geeignete Persönlich­keit hielt, überhaupt die Verhandlungen über Die große Koalition zu führen. Inwieweit das ein Vorwand ift, kann man ruhig dahingestellt fein lassen. Wir glauben -richt fehl zu gehen 'm Der Annahme, daß Dr. Luther selbst an die Mög­lichkeit der großen Koalition nicht glaubt und des­halb keine Reigung hat, sich vorzeitig zu ver­brauchen. Er will sich vielmehr in bet Re­serve halten und, wenn alle anderen Kom­binationen erschöpft sind, mit dem von ihm ver­tretenen Gedanken eines Beamteakabi- n e 11 s, das sich auf die Mittelparteien stützt, wieder Verbot treten.

Das Zentrum ist Wer diese seine Tattik etwas verärgert, aber sachlich ist kaum etwas gegen ihn zu sagen. Werin man schon eine große Koalition bilden will, also eine rein Parla­ment arifefje Regierung, dann muß man auch einen Parlamentarier an ihre Spitze sehen. Dr. Luther selbst hat dagegen bei jeder Gelegen­heit betont, daß er sich überhaupt keiner Partei zuzählt. Er hat also effektiv nichts hinter sich und wäre den Parteien gegenüber ganz anders in seinem Auftreten benachteiligt, als einer der Fea.tionsoo sitzenden. Hinzu kommt, daß wohl auch die Sozialdemokraten ge­gen Dr. Luther als Person sehr erhebliche Be­denken h den, die eine Verständigung sehr er­schweren würden, als wenn.man einen der Füh­rer der Mittelparteien nimmt, die ein gewisses Maß von Vertrauen bei den Sozialdemokraten finden.

Es könnte nun überraschen, daß Der Reichs­präsident sich nicht zunächst an den Vorsitzenden der sozialdemokratischen Fraktion, Hermann Müller- Franken, gewandt hat. Auch das hat natürlich seine guten Gründe. Denn schließlich hat man bisher noch nicht den Eindruck gewinnen können, daß die Sozialdemokraten die Große Koalition wirklich ehr­lich wollen. Ihre ganze Taktik läuft doch offensicht­lich darauf hinaus, an dieser Regierungsbildung vorbeizulavieren, ohne daß sie dadurch sich in ihrem Rücken gegen die Kommunisten eine Blöße geben, ohne aber auch das Zentrum und die Demokraten vor den Kopf zu stoßen. Herr Müller- Franken, der sowieso nur mit halbem Herzen bei der Sache ist, hätte also sehr leicht die ganzen Ver­handlungen versacken lassen können. Darauf wollte cs dcr Reichspräsident nicht anfommen lassen. Er hat sich also durchaus logisch in erster Linie an die- jenigen Parteien gewandt, die wiederholt die Große Koalition als die einzig mögliche Lösung der gegenwärtigen Krisis bezeichnet haben.

Herr Fehrenbach hat den Auftrag abge­lehnt, nicht nur für seine Person, sondern auch für De 5 Zentrum überhaupt, das sich aus der Ver­mittlerrolle ausschallet und auch den Kanzler nicht stellen will. Merkwürdig genug sür eine Partei, die a I 5 e r ft c den Ruf nach der Groß"n Koalition ausstieß. Aus dieser vorsichtigen Zurückhaltung läßt sich vielleicht dcr Schluß ziehen, daß auch das Zen­trum die Aussichten der ganzen Kombination nicht für sehr groß hält und sich nicht mit der Verant­wortung für den Mißerfolg belasten will.

Dcr Demokrat Koch Dagegen hat Den Stier bei Den Hörnern gepackt, er hat Dzn Auftrag angenommen vna wird sich nun Die nächsten Sage Die Zähne Daran ausbcißen müssen um Sozialdemokraten unD Deutsch? Volkspr r ei zu­sammenzubringen. Leu't wird ihm Das nicht toerDen. Wir glauben immer noch, Daß in Dem Augenblick, wo Der sozialdemokratische Wunsch- zettel Des Phrasenhaften entfleiDet und auf Das reich Sachliche zurückgcfuhrt wirD, wo es sich Darum handelt, nun ein? Verständigung zu Hü­ben über das, was in den kommenden Winker- monaten notwendig und unvermeidlich ist, die

Gegensätze in aller Schrofsheit sich herausarbei- ten werden. Herr Koch ist zähe, er wird die Flinte nicht leicht ins Korn werfen. Aber die Kunst, Die Quadratur des Zirkels zu lösen, hat er nicht erfunden. Und deshalb spricht alle Wahrscheinlichkeit dafür, daß er über kurz oder lang feinen Auftrag an Den Reichspräsidenten zurückgibt mit dem Eingeständnis, daß die Gegensätzlichkeit Der Meinungen über die wirt­schaftlichen, sozialen und finanziellen Maß­nahmen zur Bekämpfung Der Wirtschaftskrise unüberbrückbar finD.

Die Beauftragung Kochs.

Berlin, 15. De;. (IM.) Wie bereits in einem Teil der gestrigen Auflage gemeldet wurde, empfing der Herr Reichspräsident gestern vormittag den Reichsminifter a.D. Abg. Koch (Dem), zu einer Besprechung über die zur Zeit gegebene politische Lage und die Regierungsbildung. (Er richtete hierbei an den Herrn koch bas Ersuchen, auf der Grundlage der großen Koali­tion die Regierungsbildung zu übernehmen. Reichsminifter koch erklärte, sich zur Annahme tiefes Auftrages bereit. Dr. koch erklärte über die Gründe, weshalb er den Auftrag angenommen hat:Ich habe den Auftrag des Reichspräsidenten zur Bildung des Kabinetts angenommen, weil ich die alsbaldige Bildung einer Mehr- heitsregierung für eine Notwendigkeit an- fehe und es nicht genügt, den Gedanken der großen Koalition zu empfehlen, sondern weil es darauf ankommt, sich dafür mit der Tat einzu- sehen. Es ist erforderlich, die Hindernisse klarzu ft eilen, die sich hier entgegenstellen und alles daranzusehen, sie zu überroirben,

«-

lieber bie Verhandlungen des Reichsmini- sters a. D. Koch mit den Parteien, Die für dir Bildung der großen Koalition in Frage kommen, erfährt das Rachrichtenbureau des Vereins Deut­scher Zeitungsverleger aus parlamentarischen Kreisen, daß bei Den SozialDemokraten Geneigtheit vorhanden ist. Die große Koali­tion mitzumachen. Die SozialDemokraten ver­langen, daß die anderen Parteien zu dem von der sozialdemokratischen Reichstagsfraklion ver- öffmllichten Ardcitsprogramm nunmehr Stellung nehmen. Die Vertreter der deutschen Volks- Partei erklärten, daß sie bereit seien, an Den Verhandlungen unter Führung Kochs teilzuneh­men, Daß sie aber hinsichtlich des Programms Der ©05 iaIDemoir.it en manche Bedenken haben. Die Vertreter des Zentrums sagten Dem Ab­geordneten Koch ihre Aalerstühung zu. Auch die Bayerische Volkspartei erklärte sich bereit, b i Den Verhandlungen mit utoirlen. Die Wirtschaftliche Verein igung behielt sich vor, ein etwaiges Ministerimn Koch von Fall zu Fall zu unterstützen.

Durch Die Besprechungen mit den Partei­führern wurde, wie dasDerl. Tagebl." berichtet, eine Grundlage für gemeinsame intern fraktionelleVerhandlungcn geschaffen. Auch Die Personenfragen sind bereits gestteift worden. Genannt werden für das Amt des Vizekanzlers Hermann Müller, während als Außenminister Dr. Stresemann wieder- kehren Dürfte, Postminister Stingl und Der- kehrsminister Dr. Kröhne, voraussichtlich auch Dr. Brau n s als Arbeitsminister. Für das Innenministerium wird der Sozialdemokrat Dr. Koster, der deutsche Gesandte in Lettland in Erwägung gezogen. Qfsen wären demnach noch das Finanz- und das Reichswehr Mini­sterium. Dr. Luther soll sich bereit erklärt haben, in ein Kabinett Koch einzutreten, wäh­rend gegen die Rückkehr Dr. GeßlerS Die So­zialdemokraten starke Abneigung äußern.

Die für heute vorgesehene interfraktionelle Besprechung aller Der für Die große Koalition in Frage fommenDen Parteien WirD sich mit einem von Dem ReichstagsabgeorDneten Koch ausgear'eite en Arbeitsprogramm für Die große Krailion beschäftigen. An Die Stelle Der sozialDemvkrati'chen Programmpunkte will Ab­geordneter Koch eigene Vorschläge treten lassen. Bei ihrer Formu'ierung, insbesondere hinsicht­lich Der sozialpo.Fischen Fragen werDe sich Koch Der Sachkenntnis Des bisherigen Reichsarbeits- ministers Brauns bedsenen.

Wie ein Teil Der Morgenblätter aus parla­mentarischen Kre'.'cn erfährt, werben Die Aus­sichten Kochs für Das Zustandekommen einer Regierung auf Der ©runDIage Der großen Koa­lition nicht günstig beurteilt. Eine Be­stätigung Dieser Auffassung liegt auch in Der heutigen Stellungnahme DesVorwärts", Der Darauf hinweist, Daß es Die Abfickt Der sozial- Demokra.ischen Reis stagssraklion fei, ihr Pro­gramm mit aller EntschieDenheit zu vertreten. DerVorwärts" betont weiter, Daß Die VeDenken Der scz'a Demo! a i chen Reichs ags ra.tion gegen ein Zusammengehen mit der Volkspartei nach wie vor groß feien, besonders nach Der Haltung Der bürgerlichen Parteien in Der Erwerbslosen­frage, Die nicht Die Absicht erkennen lasse, auf Die Forderungen Der SozialDemokraten einzu­gehen. __ _

Die Beamtenbefoldung.

Deutscher Reichstag.

Berlin, 14. Dez. Vor Dem Tisch des Präsi- benten Lobe, ber heute seinen. Geburtstag feiert, finb Blumenarrangements ausgestellt. Vor Eintritt in bie Tagesorbnung nimmt ber Abg. Fehrenbach (Zentr.) bas Wort, um im Namen bes Reichtsages bem Präsibenten herzliche Glückwünsche unter allseitiger Zustimmung bes Hauses auszusprechen. Präsibent Lobe sprach bem Hause seinen Dank für tiefe Ehrung aus.

Auf ber Tagesorbnung stehen bie Anträge über bic Befolbungsaufbefferungen ber Neichsbcainten. Mit ber Beratung wirb auf Antrag bes Abg. Frick (Völk.) bie Besprechung bes Antrages auf Vorlegung einer Denkschrift über bie Ministerruhegehälter verbunben. Der Haushaltsausfchuß ersucht in feinem Antrag bie Regierung, ben allgemeinen Teuerungszuschlag für bie Beamten ber Gruppe 14 von 12* auf 25 Proz., ber Gruppen 5 unb 6 von 12* auf 20 Proz. zu erhöhen.

Reichskanzler Dr. Luther erklärte, bie Regierung teile ben Wunsch bes Reichs­tages, ben Beamten zu Helsen. Sie könne aber in ihrer Eigenschaft als geschäftssührenbe Re- gierungnicht bem Antrag bes Hauptausschusses zu­stimmen, weil barin ber künftigen Rege­lung vvrgegriffen werbe, burch bie (Einfüh­rung eines lausenben Zuschlages zum Grundgehalt. Dagegen bittet bie Regierung um Annahme besjol» genben Antrages ber Bayerischen Volkspartei: Als einmalige Notmaßnahme wirb noch vor Weihnachten gezahlt:

ben Beamten, Wartegelbs- unb Ruhegehalts- cmpfänaern ber Beamtenhinterbliebenen unb Ange­stellten Der Gruppen 14 eine Zuwenbung in Höhe von einem Viertel bes ihnen für Dezember zuftehenben Monatsbezuges:

ben Beamten usw. ber Gruppen 5 unb 6 eine solche in Höhe von einem Fünftel bes Mo­natsbezuges, minbestens aber ben Lebigen 30 Reichsmark, ben Empfängern eines Fraucnzufchla- aes 35 Mk. statt 30 Mark, den (Empfängern von Kinberzulatzen ober Kinberbethilfen für jebes Kind, für bas im Dezember 1925 ein Kinberzuschlag ober eine Kinderbeihilfe zu zahlen ist außerdem je 5 Mk., ben Vollwaisen insgesamt 10 Mk.:

ben Kriegsbeschädigten unb Kriegerhinterblie- b.nen ein Viertel ber ihnen für Dezember 1925 zuftehenben Bezüge.

Der Reichskanzler erklärte, biefer Antrag bringe gerabe in ben bringcnbften Fällen schnellere unb wirksamere Hilfe als ber Antrag bes Hauptausschusses.

Abg. B e n b c r (Soz.) schildert bie Notlage ber Beamten unb bebauert, baß bie bürgerlichen Par­teien nicht im Frühjahr ben sozialbemokratischen Anträgen auf Neuregelung ber Besolbung zuge­stimmt haben. Die Behauptung ber Regierung, baß bie nötigen Mittel für eine solche Ausbesserung ber Beamtengebälter sehle, sei unzutreffend. Das Reichs­finanzministerium habe irreführende Zahlen über bie Auswenbungen für Beamtengehältcr verbreitet. Der Rebner bezeichnet ben Antrag bes Hauptaus­schusses als unzureichend Da aber angesichts bes Wiberstanbes ber Regierung nicht mehr zu er­reichen fei, werbe bie Sozialbemokratie tiefem An­träge zustimmen.

Abg. Lawerrenz (Dn.) weist auf bie vielen Regierungserklärungen hin, in benen ber Wille be­tont würbe, ber Notlage ber Beamten abzichelfen. Die Beamtenschaft habe bies als befriebigenbe Zu­sage aufgefaßt.. Viele Beamten hätten Im Vertrauen Darauf Vorschüsse unb Darlehen ausgenommen, beren Rückzahlung ihnen nun bie größten Schwierigkeiten machen würbe. Der Reichsfinanzminister von 6 d) lieben fei zu Unrecht angegriffen worben. Eine Erhöhung ber Grunbgehälter kann bei ber gegenwärtigen Lage nicht in Frage kommen. Es bleibt nur ber Weg einer einmaligen Z u - w e n b u n g. Die Regierung wußte, baß sie vor Weihnachten ben Beamten in irgenbeiner Form helfen mußte. Ihr ist ber Borwurs zu machen, baß sie sich allen Anregungen gegenüber folanae in Schweigen gehüllt unb s e l b st feine Vor­schläge gemacht hat. Mit bem Antrag ber Bayerischen Dolkspartei finb wir nickt eiroerftan- ben. Wir beantragen gemeinsam mit ber Deutschen Dolkspartei unb ber Wirtschaftlicken Bereinigung, baß auch bie Beamten ber Besolbungs- gruppen über 6 hinaus bie einmalige Bei­hilfe erhalten, unb baß sie für bie Empfänger von Frauenzuschlägen 40 statt 35 Mark betragen soll.

Abg. Morath (D. V.) führt aus: Für bie Parteien ber Linken härt bas soziale CEmpfinben auf bei ben Desvlbungsgruppen, bie sie nicht mehr zu ihrer Anhängerschaft rechnen. Die Beamten er­innern sich, baß es ihnen unter sozialdemokratischer Kanzlerschaft keineswegs gut ging, unb boß ber fozialbemokratifche Kanzler Bauer sogar ben Empfang einer Beamt?nbcputation ablehnte, bie ihm ihre Notlage schilbern wollte. (Hört! Hört! rechts.) Die Beamten auch ber unteren Besolbungs- gruppen empfinben es als ungerecht, baß bie höheren Besolbungsgruppen leer ausgehen sollen. Wir leh­nen eine Regelung ab, bie sich nur auf bie Gruppen 16 bezieht.

Abg. Ersing 03.) tritt für ben Antrag bes Haushaltsausschusses ein. Auck er bringe ben Be­amten keine ausreichenbe Hilfe, aber er versuche wenigstens, bem bringcnbften Notstanb abzuhelfen. Hier hanble es sich um eine Notstanbsaktian, für bie bie Parteien bes Reichstags bie Derantwart'ing übernehmen könnten. Eine volle Befriebigung be? Beamtenwünsche werbe nicht möglich fein, solange 90 Prozent ber beutschen Bevölkerung sich in schlech­terer Lage als vor bem Kriege befinden.

Ein Vertreter bes Reichsfinanzministeriums er»

i