Ausgabe 
15.9.1925
 
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Der sozialdemottatischeparteitag

Heidelberg, 14. Sept. (TU.) Der sozial­demokratische Parteitag nahm heute seine eigent­liche Derhcmdlungsarbrit auf. Das erste Referat hielt Johann Stelling über den allgemeinen Teil des Dorstandsberichtes. Er weist darauf hin, dah infolge der sozialdemokratischen Politik ein gutes Stück Weg zur Weltbefreiung zurück- belegt sei, trotz der mit deutschnationalem Einfluß durchsetzten Regierung. Durch diese Politik sei ein grober Teil der besetzten Gebiete geräumt worden. Der Klassenkampf sei eine Tatsache im vollendeten Sinne des Wortes. Die feste Politik der Sozialdemolratie bestehe darin, die alte Dahn einzuhalten, die die SPD. grob und stark gemacht habe. Die Dinge mühten so gesehen werden, wie sie tatsächlich sind. Dies sei jedoch nicht immer der Fall, was aus einem Anträge der Frank­furter Genossen hervorgehe. Auch diesmal würden sie sich hoffentlich, wie im vorigen Jahre, durch jene Anträge über den Ausschluß Eberts aus der Partei, gründlich blamieren. Er habe gehofft, daß die Frankfurter Anträge dieses Jahr etwas mehr Verantwortlichkeitsgefühl auf­weisen würden. Der Antrag 209 der Frankfurter wünsche einen erneuten Aufstieg der Partei durch die Forderung, daß nur solche Genossen in den Parteivorstand gewählt werden, die noch in Fühlung mit den A r b e i t e r m a s s e n stehen und ihr Dertrauen besitzen. Stelling wies darauf hin, daß von jenem Abstieg, der doch hier gemeint sei, gar keine Rede sein könne, was aus der letzten Reichspräsidentenwahl her­vorgehe.

Zum sächsischen Konflikt übergehend erklärte Stelling, dah sich die Partei die QHög= lichkeit von Koalitionen mit bürgerlichen Par­teien nicht durch einen Deschlub ein für allemal abschneiden dürfte. Auch Sachsen wäre voll­ständig der Reaktion preisgegeben worden, wenn die sächsische Fraktionsmehrheit nicht die Koa­lition mitgemacht hätte. Der Parteivorstand habe schließlich zur Losung des Konfliktes die einzige Möglichkeit in der Landtagsauslösung gesehen, womit leider die sächsische Fraktionsmehrheit nicht einverstanden gewesen sei. Man könne den Kon­flikt nicht einfach damit lösen, daß man die 23 Mitglieder der Fraktionsmehrheit als Diszi­plinbrecher ausschließe. Zunächst müßten in der sächsischen Landtagsfraktion Mehrheit und Min­derheit wieder zufammenarbeiten und sodann den Landtag sobald als möglich auf lösen. Dei der Aufstellung der Kandidaten solle ohne Formbindung der Organisation allen Richtungen Rechnung getragen werden.

Der zweite Berichterstatter, Landtagspräsi­dent Bartels, ging auf den Kassen- und Mitgliederbestand der Partei ein. Der M i t - gliederbestand habe sich seit dem letzten Parteitag um etwa 10 000 vermindert.

In der Rachmittagssitzung erhielt zunächst zum Sachfen-Konflikt je ein Dertreter der strei­tenden sächsischen Richtungen das Wort. Für die 23 Mitglieder der Mehrheit der sächsischen Landtagsfraktion sprach Lgndtagsabgeordneter Bethke. Der Streit gehe um die Staats­bejahung oder Staatsverneinung. Mit der Dik­tatur Heintze wären alle früheren Errungen­schaften zerschlagen worden, wenn man nicht in die Koalition ein getreten Ware. Alle Einigungs­versuche wären dann daran gescheitert, dah die sächsischen Radikalen in unerhörter Weise nicht nur die Franktionsmehrheit, sondern auch den Parteivorstand angriffen. Bei der Reichspräsi- dentenwahl wurde durch den sozialdemokratischen Bezirksvorstand in Sachsen verboten, für die Kandidatur Marx Versammlungen zu veran­stalten. Der Dertreter der sächsischen Linken, der Abgeordnete Lipinski, richtete heftige Angriffe gegen den Parteivorstand, der der Fraktionsmehrheit Ratschläge erteilt habe, ohne sich um die Parteiorganisation zu kümmern. Es sei ein unhaltbarer Zustand, dah 23 Landtags­abgeordnete dauernd die Beschlüße der Partei­organisation mißachteten. Damit schloß die Aus­sprache über den Sachsen-Konflikt, die nunmehr in der Kommission fortgesetzt wird.

Dr. Marx zur genIrumspoMLK.

Sigmaringen, 14. Sept. (Wolff.) In einer Unterredung brachte der erste Vorsitzende der Zen- trumspartei Dr. Marx zum Ausdruck, daß der kommende Parteitag des Zentrums zunächst eine völlige Klärung der Angelegen­heit D r. Wirth bringen müsse. Den Kernpunkt aller Erörterungen werde nach der Meinung Dr. Marx' die Frage bilden, ob die Zentrumspartei in gleicher Weise mit rechts wie mit links eine Koali­tion eingehen könne. Es scheine, als ob Dr. Wirth ein Zusammengehen mit der Linken allein für zweckmäßig erachte. Sein Standpunkt sei jedoch der, daß das Zentrum die Mittelpartei blei­ben und seine Freiheit wahren müsse, sich ge­gebenenfalls nach links oder rechts zu entscheiden. Eine feste Mehrheit, die Aus­sicht hätte, auch über die letzten Reichstagswahlen hinaus zu dauern, sei nach der augenblicklichen Lage der Dinge nicht zu erwarten.

Die Lags in Marokko.

Stillstand in den Operationen.

Par-is, 15. Sept. (TU.) Die Schlacht an der Uerghafront ist gestern zum Still st and gekommen, da die französischen Truppen alle strategischen Ziele erreicht Ha­dem Einige Gefechte werden nur noch im Tau- nat-Abschnitt geführt, wo die Dissidenten im Widerstand verharren. Die große Offensive, an der die französischen und die spanischen Heere gleichzeitig teilnehmen, steht nach einem Havas- bericht bevor. Das Oberkommando beabsichtigt, bis ins Innere des Landes vorzudringen jedoch werden bereits Maßnahmen zur Beziehung von Winterquartieren für die Truppen getroffen. Der spanische amtliche Bericht stellt fest, daß T e t u a n völlig vom Feinde ent­setzt wurde und daß die spanischen Truppen ihren Dormarsch weiter fortsetzen. Im Abschnitt von Alhucemas ist der Feind durch die Landung überrascht. Sonst ist die Lage unverändert.

Die heute vorliegenden direkten Meldungen der englischen Blätter aus Tanger und Madrid geben im allgemeinen keine wesentliche Aenderung des Gesamtbildes der Lage in Ma­rokko wieder.Daily Telegraph" berichtet aus Tanger, daß Abd el Krims Offensive in der Gegend von Tetuan einen gewissen Erfolg insofern darstelle, als Truppen, die .für Melilla und Alhucemas bestimmt waren, nach Tetuan geschickt werden muhten. Die französische Offen­sive aus einer Front von 60 Kilometer, heißt es m der gleichen Meldung, sei im allgemeinen

erfolgreich gewesen. Heute hätten die Fran­zosen die alten Linien, die sie im Mai aufgeben mußten, wieder erreicht. Die Lage der Spanier in Alhucemas wird indessen als wenig beneidenswert geschildert. Ein Bericht desDaily Telegraph" sagt, daß die Spanier keine Packesel und keine Transportmittel außer Trägern hätten. Es gebe fein Wasser, noch irgendwelche andere Rahrungsmittel. Alles müsse von den Schiffen ans Land gebracht werden. Die Lage der Truppen sei also angesichts einer möglichen Witterungsänderung recht bedenklich.

Caillaux' Schuldentilgungsplan.

Paris, 14. Sept. (WTB.) Wie die Chicago Tribüne" mitteilt, wird Caillaux, der sich am Donnerstag mit der französischen Schul­denkommission nach Amerika einschiffen wird und unter Berücksichtigung der Tatsache, daß die französischen Schulden bei Amerika um 30 Prozent höher sind als bei England, in Washington Jahreszahlungen in Höhe von etwa 75 Millionen Vorschlägen und im übrigen dieselben Bedingungen zu erreichen suchen, die er in London erzielt hat. Er wird insbesondere die Bezahlung der eigent­lichen Kriegsschulden mit den Re­parationszahlungen in Verbindung z u bringen suchen, die Frankreich von Deutsch­land aus dem Dawesplan empfängt. Caillaux will also einen Unterschied zwischen den politi­schen Schulden und den Handelsschulden gemocht wissen. Dies sei einer der schwierigsten Punkte, denn die Bereinigten Staaten hätten stets betont, dah die Zahlungsfähigkeit Frankreichs in kei­ner Beziehung zu den Summen stehe, die es von Deutschland erhalte. Das amerikanische Schatzamt wende sich dagegen, das Problem der Kriegsschulden mit dem der Reparationen in -Verbindung zu bringen, schon deshalb, well die Dereinigten Staaten den Dersailler Ver- trag nicht unterzeichnet haben.

Britische Armeemanöver.

London, 14. Sept. (Wolff.) Die ersten britischen Armeemanöver seit Kriegsende werden in der nächsten Woche beginnen. Die strategischen und taktischen Lehren des Krieges werden dabei weiteste Berücksichtigung finden. Die Reuorga­nisierung der Armee nach hem Kriegs sowie hie neuen Waffen und die Entwick­lung des Transport - und Rachrichten­dienstes sollen schwerster Prüfung unterwor­fen werden. Aeroplane und Tanks werden in den Manövern, die in der Gegend der Salis- burg-Ebene stattfinden sollen, eine hervorragende Rolle spielen.

Die Völkerbun-zversammlmg.

Apponyr über Minderheiten nnd Abrüstung.

Genf, 14. Sept. (TU.) Das Ereignis des Montag war die große Rede des greisen ungari­schen Abgeordneten Graf Appvnyi, der in vorsichtiger Form die Behandlung der Minder­heitenfrage durch den Döllerbund geißelte. In den Minderheitsfragen hätte der Völkerbund bis­her wenig geleistet. Es hätte sich als unpraktisch erwiesen, daß man die Klagen der Minderheiten stets durch den sogenannten Dreier-Ausschuß ver­handele. Die Klagen müßten dirett vor ein Forum kommen. 2. Die Dertreter der Minder­heiten müßten das Recht haben, ihre Klagen persönlich vor dem Rat vorzubringen. 3. müßte, falls einige Parteien es verlangen, jede Minderheitenfrage dem internatio­nalen Gerichtshof im Haag zur E-ttschei» düng vorgelegt werden. Zum Genfer Protokoll erflärte Graf Apponhi, der Weg der Sonder­verträge, die an Stelle des Genfer Protokolls gesetzt werden sollen, sei sehr langwierig. Die Frage der Abrüstung würde in eine immer ungewissere Zukunft hinausgeschoben. Zwischen dem Dölkerbundspakt und dem Protokoll bestünde ein grundsätzlicher Unterschied. Der Dölkerbundspakt bringe nur einen Aufschub des Krieges. Das Protokoll dagegen wolle die Abschaffung des Krieges. Die Abrüstung müsse allgemeiner Ratur sein und nicht einseitig wie gegenwärtig.

Gegen bas tschechische Bader­gesetz.

Prag, 14. Sept. (T. U.) In der Prager Han­delskammer fand eine außerordentliche Vollver­sammlung des Zentralverbandes der tschechoslowaki­schen Badeorte statt, die gegen das beabsichtigte Verbot, Heilanstalten mit allen damit verbundenen Unternehmungen und Grundstücken zum freihän­digen Verkauf, zur Verpachtung oder sogar zur Be­lehnung zuzulassen, als eine Einschränkung der Freiheit des Eigentums Stellung nahm. Der Gesetzentwurf sieht auch die Verhängung der Zwangsverwaltung und die Enteignung zu­gunsten des Staates oder eines anderen Unter­nehmers bei Nichteinhaltung der Vorschriften vor. Einstimmig wurde eine Entschließung angenommen, in der sich der Bäderoerband entschieden gegen die Ausnutzung rein wirtschaftlicher Angelegenheiten zu politischen Zwecken sowie gegen den Vorwurf verwahrt, die Stellungnahme des Verbandes sei von irgendwel­chen politischen oder nationalen Interessen diktiert. Der Verband habe nur das wirtschaftliche Wohl seiner Mitglieder im Auge, und von diesem Stand­punkt aus müsse ein solches Gesetz, das ohne jede Fühlungnahme mit den Fachmännern zustande tarne, entschieden abgelehnt werden.

Polens Kampf gegen die deutschen Schulen.

Danzig, 14. Sept. (SU.) Das polnische Kuratorium in Posen hat dem Direktor des deutschen Privat-Ghmnasiums und fünf Lehr­kräften, von denen drei evangelische Geistlich» sind, die Unterrichtserlaubnis ent­zogen, desgleichen in dem Dregenschen Ly- zeurn dem Direktor und vier Lehrerinnen. Der deutsche Sejmabgeordnete, Domherr Klinke, erhob im Rainen der Elternschaft Einspruch, der erfolg­los blieb. Das Kuratorium weigert sich sogar, die Gründe für seine Maßnahme anzu­geben. Da noch einigen anderen Lehrkräften die Unterrichtserlaubnis bisher nicht erteilt wurde, müssen die beiden Anstalten einstweilen schließen. Don anderen Anstalten der Pro­vinz werden ähnliche Maßnahmen berichtet. So sind Hunderte deutscher Kinder ohne Unterricht. Die Garantie des D ö l k e r b n n d e s für das deutsche Schulwesen in Posen bildete den

Hauptpunkt des Minderheiten - Schutzvertrages. Was wird der Dölkerbund tun, um derartige Uebergriffe, die dem Geist uni) Buchstaben des Minderheitenrechtes widersprechen, abzustellen? Glaubt Polen wirklich, daß es verhandlungs­fähig bei den bevorstehenden Wirtschaftsverhand­lungen angesehen werden kann, solange es allen internationalen Verträgen spottet?

Deutscher Richtertag.

Augsburg, 14. Sept. (Wolff.) Rach der gestrigen Vertreterversammlung begann heute die eigentliche Tagung des Deutschen Richterbundes mit einem besonderen Festakt im Goldenen Saal des Rathauses. Der Vorsitzende, Reichsgerichts­rat Reichert, hieß die Erschienenen willkom­men und begrüßte besonders den bayerischen Justizininister Gürtler. Mit besonderem Beifall wurden Vertreter Oesterreichs und der Tschecho­slowakei begrüßt. Hierauf wurde in die Tagung getreten.

Rach einem Vortrag des Landgerichtsdirek­tors Wunderlich über die Stellung des deut­schen Richtertums sprach Dr. Müller-Mei­ningen in einer mit großem Beifall aufge­nommenen Rede über die Unabhängig­keit des Richter st andes, die zur einstim­migen Annahme folgender Resolution führte: Die zum 6. deutschen Richtertag versammelten Richter und Staatsanwälte fordern, dah Recht und Gerechtigkeit bei allen Staatsmahnahmen allein die Richtschnur zu bilden haben. Das Rich- tertum ist der Träger des Rechtsge­dankens und den Gewalten der Verwaltung und Gesetzgebung gleichgeordnet. Der deutsche Richtertag verlangt, dah die Verfassungs- mäßig gewährleistete Unabhängig­keit des deutschen Richtertums Grundlage des ganzen Rechts- und Staatslebens bleibt. Dazu gehört auch eine hohe, sozial und wirtschaftlich ausreichend gesicherte Stellung des Richters. Gegen die in den letzten Jahren üblich gewordene Herab­setzung von Richtern und Richtersprüchen erhebt her Richtertag energischen Wider­spruch. Sachliche Kritik nehmen die Richter gern hin. Verallgemeinerung und parteipoli­tische Ausnutzu ng einzelner Fehlgriffe untergraben die Staatsautorität. Die Richter­schaft erwartet daher die Unterstützung durch die Regierung durch Abwehr und Aufklärung. Don der Rotwendigkeit der Aufrechterhaltung einer reinlichsten Rechtspflege durchdrungen, erhebt der Deutsche Richtertag lebhaften Wider­spruch gegen di e Tätigkeit der par­lamentarischen Untersuchungsaus­schüsse neben hen ordentlichen Strafverfahren. Die Ausdehnung dieser parlamentarischen Aus­schüsse dient nich! der objektiven Wahrheits­erforschung, sie bedeutet die parteiische Durchkreuzung der Wahrheitser­mittlung durch b;e unparteiischen Organe der Rechtspflege.

DerLreterversammlung des Kyfshauserbundes.

Die Dertreterverfammlung des Reichsfrie- gerbundes Kysfhäuser wurde am Sonntag durch den Dorsitzenden, Exzellenz von Heeringen, eröffnet. Zu dem Punkt Reichsehrenmale für die Kriegsopfer erklärte der Referent, daß der Reichsregierung bereits eine große An­zahl von Entwürfen vorliegen. Er bedauert, dah die meisten den Stempel der Resignation trügen. Rach einem alten Projekt des Kyffhäuserbundes schlägt der Referent eine Ehrenhalle vor, unter­irdisch in den Felsen des Kyffhäuser gelegen und oberirdisch gekrönt durch eine Ruhmeshalle.

Der Dertreter des Reichsministeriums des Innern erwiderte, dah die Reichsregierung bis­her zu den vielen Entwürfen noch nicht Stellung genommen habe, daß sie aber den Gedanken der Errichtung eines Ehrenmals unter Beteiligung aller Volkskreise begrüße. Der Dertretertag be­schloß darauf, bei der Reichsregierung einen Dorschlag einzureichen, der die Errichtung eines Ehrenmals auf dem Khff- Häuser plant. Aus dem Bericht des Referen­ten für Kriegsbeschädigten- und Kriegshinterbliebenenfürsorge ging hervor, dah auch auf sozialem Gebiete bedeu­tende Arbeit geleistet wurde. Die Dertreter- versammlung beschloß einen weiteren Aus­bau der Fürsorgestellen innerhalb des Bundes. Dies könne aber nur geschehen, wenn sämtliche Mitglieder der Kriegervereine sich an die in Betracht kommeirden Stellen des Kpffhäuserbun- des wenden und nicht die Hilfe anderer, dem Bunde fernstehender Organisationen in Anspruch nehmen.

Die Reichsqaftwirtsmesse.

In Berlin wurde in der alten Autohalle am Kaiserdamm die Reichsgastwirtemesse eröffnet. Der Präsident des Deutschen Gastwirteverbandes, Emil Köster, gab in kurzen Zügen ein Bild dxr schwie­rigen Lage des Gewerbes, die es unmöglich machte, die erwartete Erweiterung der Messe durchzuführen. Der Verband lege besonderen Wert darauf, daß seine Messe, die er von jetzt ab als einzig zentrale Veranstaltung anerkannt habe, zu keinem Rummel­platz werde. Die Ausstellung gewährt einen guten Ueberblick über die hohen Leistungen des Gewerbes und der Industrie, die den Restaurations-, Hotel-, Kaffee- und Konditoreibedarf befriedigen. Nach der Besichtigung fanden sich die Gäste im Kasino zu einem einfachen Imbiß ein. Der Direktor des Ber­liner Messeamtes wies bei dieser Gelegenheit in einer kurzen Ansprache auf die im Gastwirtsgewerbe herrschende Zersplitterung hin. Dieser Zu­stand müsse unter allen Umständen geändert wer­den, da er der deutschen Wirtschaft schade. Der ein­zige Weg zu wirklich gesunden Verhältnissen sei die Schaffung der einheitlichen Deutschen Reichs-Gast­wirts- und Nahrungsmittelausstellung und -messe.

Kunst und Wissenschaft.

12 Lehrstühle zu vergeben!

Zwölf vakante Lehrstühle gibt es zur Zeit an der Universität Leipzig, darunter sind 6 Ordinariate, nämlich für innere Medizin, Mathematik, englische Sprache, Pharmakologie und zwei für slawische Sprachen. Der Abschluß der Berufungen soll sich in einigen Fällen durch bas Fehlen geeigneter Wohnungen für die Pro­fessoren verzögert haben.

Die Schule der Weisheit.

2n Dar m st a d t hat die 7. Tagung der Ges ellschast für freie Philosophie (Schule der Weisheit des Grafen Keyserling) begonnen. Der Andrang zu dieser Tagung ist noch bedeutend stärker als im Dorjahr. Aus

aller Herren Läirder sind Teilnehmer ersch.e.ir Graf Keyserling hiel theuke den ersten Dortraa lüberFrei hei tun b Rvrm". Das Frei- heitsproblem wird von den verschiedensten Geistesrichtungen behandelt und bildet den Hauptinhalt der diesmaligen Tagung.

Britische antarktisch« Expedition.

London, 15. Sept. (WTB. Funkspruch) Das ExpeditionsschiffD i s c v v e r h" wird heute von Dartmouth abfahren. An Bord befindet sich eine Anzahl Gelehrter, die in den antarktische Gewässern zwei bis drei Jahre hindurch For­schungen zu unternehmen gedenken.

Aus aller Welt.

Das Ergebnis der Schachmeisterschaft am Rhein.

Bad Münster a. St., 14. Sept. (Wolff.) 3n dem Schachturnier um die Rheinmeisterschaft wurde Erster: O r b a ch - Frankfurt a.M. (dec Leiter der Schachecke desGießener Anzeigers"), mit 8V2 Prmkten. Zweiter: Weihgerber 7»/sP-: Dritter: Gebhardt 7 P.: Dierter: Ruchti 6l/2 P; Fünfter: Brecht 6% P. und Sechster: Kempf er 6V2P.

Reue Flugstrecke

BerlinHalleFrankfurtMagnheim.

Die Verhandlungen beim Reichsverkehrsmi- nister über die Inbetriebnahme der Flugstrecke BerlinHalleFrankfurtManirheim des Deut­schen Aerolloyd sind endgültig abgeschlossen. Der Verkehr auf dieser Strecke wird erstmalig am 15. September ab Berlin einsetzen und ab 16. September ab Halle.

Konzessionierung der Zugspihenbahn.

Das bayerische Handelsministerium hat nun­mehr an Ingenieur Ca Ihre in endgültig die Konzession zum Bau und Betrieb der Zahnrad- bahn auf den Ostgipfel der Zugspitze erteilt Die Bau- und Detriebskonzession erstrectt sich auf 29 Jahre. Die gesamte BahiHtrecke hat eine Länge von 19,6 Kilometern, davon 5 Kilo­meter im Tunnel.

Baier und Sohn lebendig verbräunt.

Auf dem Kirchturm des Ortes C a p r i a n o bei Brescia, wo ein Uhrmacher mit seinem Sohn die Turmuhr reinigte, ließ der Knabe eine brennende Kerze in einen Benzin- kübel fallen. Vater und Sohn standen sofort in Flammen und stürzten als lebende Fackeln die Kirchturmtreppe hinab. Die halbverkohlten Lei­chen wurden am Fuße der Treppe gefunden.

Ein amerikanisches Metall-Lustschiff.

Washington, 15. Sept. (WTB. Funk­spruch.) Der Vorschlag Henry Fords an das Marineamt, ein von seinen Ingenieuren^ ent­worfenes Metall-Luftschift nach dem starren System bauen und erproben z ulassen, wird von dem Marinesekretär ernstlich erwogen. Das Luft­schiff soll eine Länge von 150 Klß und einen Durchmesser von 50 Fu ßhaben urtb mit Gas­zellen aus Metall ausgerüstet werden. Die Kosten werden auf ungefähr 300000 Dollar veran­schlagt.

Ein neuer Kanalfchwimmer.

Der ägypttsche Schwimmer Helmit hat Mon­tag früh 6.10 bei Kap Gris Rez einen Versuch, den Aermelkanal zu durchschwimmen, unternom­men. Rachdem er sieben Stunden unterwegs war, befanb er sich 18 Kilometer von der franzö- sichen Küste entfernt. Das Wetter ist außerordent­lich günstig.

Wettervoraussage.

Das neue Fallgebiet hat wie erwartet wei­ter nach Süden übergegriffen. Es kommt nun in breiter Rord-Süd- Front auf den Kontinent zu, fo daß wir in den nächsten Tagen auf seine Vorderseite gelangen. Damit tritt eine vorüber- sichende Besserung unserer Witterung ein, um in den nächsten Tagen erneut umzuschlagen.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 14,8 Grad Celsius, Minimum 2,4 Grad Celsius, heu­tige Morgentemperatur 5,4 Grad Celsius.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 15. September 1925.

Rosen- und Dahlienschau in Giehen.

Weil die sehr große Gemeinde der Garten« und Blumenfreunde in allen Berusskreisen und Volksschichten begeisterte Anhänger zähll, dürfen Gartenbau- und Blumenausstellungen mehr als jede andere auf die Gunst des Publikums rech­nen. Dies bewies aufs neue die Rosen- und Dahlien sch au, die der hiesige Garten­bau-Verein im Sauerschen Saalbau am Sonntag mit dem Ergebnis veranstaltete, daß in den Rachmittagsstunden der Raum oft zu klein erschien, um dem Andrange der Schaulustigen zu genügen. Daß hierbei wohl jeder der vielen, mit Bleistift und Buch in der Hand versehenen Besucher vollauf befriedigt ward, ist ein Ver­dienst der weltbekannten Rosenfirma Gebr. Schultheiß in Steinfurth, die etwa andert­halb Tausend taufrischer, eben erblühender Rosen in den neuesten Sorten der Teehhbrid und Kapuziner-Hybriden unter Ausschluß aller an­deren, auch der reichblühenden Polyantha-Klaf- sen zur Schau brachte. Doch nicht weniger haben zum Gelingen des Werkes unsere beiden hie­sigen Samenhandlungen D ö l l und Hahn bei­getragen, von denen jede eine Auslese der aller­besten, neueren Dahliensorten in so hervor­ragend schönen Blumen in einem fast sinnverwir­renden Farbenspiel mustergültig etikettiert vor­führte, daß auch der verwöhnte fachkundige Lieb­haber entzückt war. Hier wie auch bei den aus­gestellten Rosen ließ der Gesamteindruck die neue, von der Mode diktierte Richtung ernen­nen, welche neben edler Form die zarten Zwi« schentöne von Gelb nach Kupferrot, ein fein ab­getöntes Aofa ober Lila bevorzugt. Dies trat z. B. in der dunkellaubigen Rose Rr. 80 Wil­helm Kordes. 99 Los Angeles, 39 Golden Ophelia, 41 Souvenir de Claudius Pernot, 52 Hortulanus Fiet, 49 Mr. Henry Morse, 71 Christine. 47 Golden Emblem und 67 Edel be­sonders hervor. Aber auch die Sorten mit ge­sättigtem Karminrot, wie Rr. 12 Hadleyrosc. 88 Ernst Gordon, 23 Etoile de Hollande, 30 Rederland, 45 W. C. Gaant und 84 Red Star wurden viel bewundert, wobei man Worte des Bedauerns hören konnte, daß die Zeitdauer der Ausstellung zu kurz bemessen war, um die kaum halb erblühten Blumen in ihrer vollen Ent­faltung sehen zu können.

Und nun zu den Dahlien. Als im Jahre 1803 Alexander v. Humbold die Heine, brennend-