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Dienstag, <5. September 1925
175. Jahrgang
Nr. 215 Erstes Blatt <d
Ornd und Verlag: vrühl'lchc Univerfilälr-Vuchr und LIcmdruderei «. Lange in Sietzea. Schristleitung und Selchästsftelle: Schulftrahe ?■
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GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Vrianb der Zriedenrliebende.
Don Prof. Dr. Max 3. Wolff.
Herr Briand. 2Iubcnmmlfter der französischen Republik. hat in Gens vor versammelten Pre'se- vertretern mit seiner berühmten melodischen Stimme eine wundervolle Friedensurie gesungen. Gr wolle den Frieden mit Deutschland, er habe fetne Karten offen aus den Tisch gelegt, seinen guten Willen durch die Räumung Essens, Düsseldorfs usw. bewiesen und er sei bereit, über alles zu sprechen. DaS Hingt anders alü die Lrohreden Herrn Poincares. und man kann sich denken, daß die Töne nicht nur in Genf, wo man gewohnheitsmäßig bei dem Worte »Frieden" in „lang anhaltenden, wiederholten" Beifall ausbricht. sondern auch in London und Washington sowie von den Pazifisten aller Länder mit Begeisterung ausgenommen worden.
Man hat immer gesagt, der französische Imperialismus sei schuld daran, dah Europa nicht zur Ruhe kommen könne. Aber natürlich ist Frankreich, daS edle Frankreich, wieder einmal schnöde verleumdet worden, denn Herr Briand sagt cs selbst, er will nicht nur den Frieden, sondern hat auch schon Beweise dafür gegeben. Die Beweise freilich sind etwas mager. Einige Ruh» und Rheinstädtc sind geräumt worden, das ist nicht zu bestreiten, aber dazu hatte sich Frankreich schon vor Jahresfrist in London verpflichtet, und ist es denn etwas so Besonderes, dah Frankreich sein gegebenes Wort halt? Offenbar ist es das in Herrn Briands Augen, und wir Deutsche können seiner Ansicht nur beistimmen und können recht zahlreiche Fälle, anführen, wo Frankreich uns sein Wort nicht gehalten hat.
Aber Herr Briand will über alles mit sich red., i lassen. Mehr kann man nicht verlangen, nur er macht einige Einschränkungen, lieber das besetzte Gebiet darf nicht gesprochen werden, ebensowenig über die einseitige Entwaffnung Deutschlands, über den Anschluh Oesterreichs und bie Berichtigung der deutschen Grenzen im Osten. Das sind aoer gerade die Punkte, über die wir reden inöchten. während uns herzlich wenig daran liegt, noch einmal vor Gott und der Welt — und diesmal angeblich freiwillig — zu beteuern, dah wir Elsaß-Lothringen den Franzosen. Eupen« Malmedv den Belgiern, Südtirol den Itgl'en lassen unb ihnen allen laut dem Dawesplan noch einen recht erheblichen Tribut zugeben wollen. Herr Briand wird begreifen, dah Deutschland für derartige Verpflichtungen eine positive Gegenleistung verlangt und dah ihm weder mit einem Sitz im Völkerbund noch einer Stimme im Völker» bundsrat viel gedient ist. da es ja doch in den beiden erlauchten Versammlungen jederzeit durch die geschlossene Phalanx der Ententestaaten majorisiert werden kann
An Herrn Briands Friedensliebe wollen wir nicht zweifeln. Auch der Millionär wird jederzeit bereit sein, mit dem armen Schlucker eine Verständigung zu treffen, die ihn selbst in ben ungestörten Besitz seines Reichtums, den andern in dem seiner Armut läht. Warum sollte Herr Briand nicht unter solchen Bedingungen aufrichtig den g rieben wünschen? Frankreich hat ja alles erlangt, was es in seinen lübnften Träumen erhoffen konnte. Es besitzt wieder Elsaß-Lothringen, es hat Deutschland bis zur Wehrlosigkeit entwaffnet, sich auf Jahre hinaus tributpflichtig gemacht und mit einer Kette feindlicher Staaten eingehegt. die wie die Unteroffiziere auf dem Sprunge stehen, auf jeden französischen Befehl einzuschwenken. Eine bessere politische Konstellation kann man sich in Paris gar nicht wünschen, und es ist begreiflich, dah man dort die Melodie anstimmt: „Ach. wenn es nur immer so bliebe!“
Freilich eine solche Hegemonie über Europa kostet Geld, viel Geld. Man muh selbst eine ungeheure Armee auf den Beinen hallen und man muh die be~ flavischen Bundesgenossen finanzieren. Das ist doppelt unangenehm in einer Feit, wo man noch in Syrien und Marokko Kolonialkriege zu führen bat, die, wenn ihr Ausgang auch nicht zweifelhaft sein kann, doch bis dahin recht beträchtliche Summen verschlin- gen werden. Auch muh man mit der Opposition im Inland rechnen, die zwar auf die Außenpolitik nicht den geringsten Einfluß aus- übt, aber deren Rückwirkung auf d'.e inneren Verhältnisse geschickt ausnutzt, und zwar so geschickt. das; sie eines schönen Tages Herrn Briand von dem kurulischen Stuhl, von dem er so schöne Reden hält, herabstürzen könnte. Der französische Minister ist ein vielseitiger Mann, er kann ebenso gut mit dem Degen herumfuchteln Wie auf der Friedensschalmei blasen. Augenblicklich ist daS letztere angebracht; es gefallt den Sozialisten seines Landes, es erweicht vielleicht das Herz der amerikanischen Gläubiger und es rührt Cüe Pazifisten dies- unb jenseits des Ozeans zu Tränen. Frankreich will Ruhe in Europa, seine Helden des Schwertes mögen sich unterdessen in Syrien unb Marokko betätigen. Herr Briand wäre ja noch gröher als Clemenceau und Poin- care. wenn cs ihm gelänge, das. was die beiden durch Gewalt erreich! haben, in friedlicher Weise dauernd zu sichern, nicht nur durch die immerhin fragliche Garantie Englands, sondern durch die freiwillige Zustimmung Deutschlands. Die Deutschen sind ja gute Kerle, bescheiden und ehrlich und Herr Briand weih, dah sie ihr gegebenes Wort halten werden, selbst wenn sie wieder einmal die ^Macht haben sollten, die für Frankreich so gültige politische Lage umzustürzen.
Der Stchcrheitspakt. wie et sich zur Zeit aus dem Rotenwechsel und den E.llärung-rn der beteiligten Regierungen abzeich^et. berücksichtigt alle Interessen Frankreichs, wahrend er Deutschland nicht den geringsten positiven Dor-
teit bietet, sondern nur Vertröstungen auf eine bessere Zukunft. Man darf sich durch die Redensart nicht bestechen lassen, dah der Vertrag die Geister entgifte und die Atmospähre des Hasses reinige; wenn Herr Briand seinen Pakt in der Tasche hat, wird er noch weniger als jetzt geneigt sein, über Deutschlands Wünsche zu reden. Unb daran kann auch der Eintritt in den Döllerbund nichts ändern, in dem das machtlose vereinzelte Deutschland stets eine untergeordnete Rolle spielen wird. Seine Anträge — sagen wir auf den Anschluh Oesterreichs. Beteiligung an den Kolonialmcmdaten, Aushebung der Rheinlandsbesatzung usw. — würden noch nicht einmal auf die Tagesordnung gesetzt werden. Herr Briand und Genossen würden in ihren Sicherhcitsvertrag blicken und mit Shy» lock erwidern: „Ich kann's nicht finden, s'ist nicht in dem Schein".
Damit soll nicht gesagt sein, dah Deutschland eine Politik der gegenseitigen Verteidigung ablehnen soll, im Gegenteil, auch unser Interesse ist es, die Periode des Krieges und Nachkrieges endlich ab» zuschliehen. Aber unser Außenminister soll sich auch nicht in überstürzter Weise an den Derhandlungs- tisch zwingen lassen, bevor die Voraussetzungen für Verhandlungen gegeben sind. Die Zusammenkunft der Juristen in London war eine harmlose, unverbindliche Besprechung, anders liegt es, wenn die Minister von vier europäischen Großmächten zu einer Konferenz sich vereinigen. Es ist klar, daß eine solche nicht ohne Ergebnis verlaufen darf, und daß keiner der Beteiligten den Mut finden wird und die Verantwortung auf sich nehmen kann, eine Versammlung, von der die Welt eine Beseitigung der unerträglichen Spannung erwartet, durch fein einseitiges „Nein" zu sprengen. Darin liegt eine große Gefahr für Deutschland, es tritt drei ober vier anderen Mächten gegenüber, von denen sich England, Frankreich und Belgien schon vorher geeinigt haben und die vierte, Italien, sich wie immer auf die Seite der Stärkeren stellen wird.
Schon bie Eile, mit der diese Versammlung dcr Außenminister von der Entente betrieben wirb, erweckt den Argwohn, bah es auf eine ileberrumbclung Deutschlands abgesehen ist. Sie wirb in Genf schon als Tatsache behanbelt, schon wird Ort unb Zeit festgesetzt, bevor man in Berlin feine Zustimmung gegeben hat. Das Manöver ist schlau, aber doch sehr burchsichtig. Lehnt es Deutschlanb ab, so wirb es als Frie- bensstörer angeprangert; geht es auf bie Zu- fammenfunft ein, so ist cs. zum mindesten moralisch auch gezwungen, einen Sicherheitspakt zu unterschreiben, unb bas kann nach der ganzen Sachlage nur ter Entwurf der Ententestaaten sein.
Es wirb unter Liesen Tim ständen keine leichte Ausgabe fein, Deutschlands Interessen zur Geltung zu bringen unb die Herren Briand unb Chmnderlam zu bestimmen, auch über bie Fragen
Dawesplan und Wirtschaft.
Ein Interview des Reichsbankpräfldenlen.
London, 14. Sept. (WTD.) Der Chefredakteur der „Financial Times". Barrett, gibt in einem Artikel über die Frage, ob Deutschland Reparationen zahlen kann, eine Unterredung, bie er mit Reichsbankpräsident Dr. Schacht hatte, wieder. Danach erklärte Dr. Schacht u. a., es sei eine Streitfrage in Deutschland, ob Deutschland imstande sein werde, von 1928 an jährlich 2,5 Millarden Mark zu zahlen, wie dies im Dawesplan vorgesehen fet Rach seiner Kenntnis der wirtschaftlichen Der- hältnifse sei er überzeugt, dah Deutschland hierzu imstande sein werde, wenn die notwendigen Vorbedingungen gewährt würden. Hierunter verstehe er die im Dawesplan selbst angegebenen Voraussetzungen, wozu besonders das Fernbleiben politischer Störungen gehöre. Inzwischen aber seien die Alliierten häufig nahe daran gewesen, ihren eigenen Plan zu sabotieren. Die Verlängerung der Ruhrbesehung und die Richt- räumung der Kölner Zone an dem im Versailler Vertrag bezeichneten Datum seien zwei Fälle, wo die Politik in das deutsche Wirtschaftsleben eingegriffen habe. Eine Besetzung durch fremde Truppen habe, wenn sie auch noch so korrekt durchgeführt werde, in psychologischer Hinsicht störenden Einfluh auf die Bevölkerung. Riemand im besetzten Gebiet fühle sich in feinem Hause sicher. Es sei bezeichnend, dah im besetzten Gebiet, besonders in der Pfalz, der
Prozentsatz der Arbeitslosen der größte in ganz Deutschland sei. Die Voraussetzung für die Sicherung der Zahlung von 2,5 Milliarden fei die Befreiung deutschen Gebiets und das Aufhören politischer Einmischung.
Für bie Lösung bes Transferproblems fei Voraussetzung, bah DeutschkvndS Handelsbilanz aktiv werde, denn nur aus dem lieberschuh der Ausfuhr über die Einfuhr könnten bie Reparationszahlungen weiterhin erfolgen. Internationale Zusammenarbeit sowohl bei Erzeugung als auch bei Verteilung der Waren sei für Deutschland Wieoerausstteg erforderlich. Ferner müsse Deutschland Betriebskapital erhalten. In diesem Zusammenhang sollten die britischen Kapitalisten nicht vergessen, dah eine Steigerung der deutschen Ausfuhr gleichzeitig eine Steigerung bet deutschen Kaufkraft bebeute und dah mit letzterer die Rachfrage nach britischen Waren in Deutschland zunehmen werde. Zum Schluß trat Dr. Schacht für eine engere Zusammenarbeit zwischen dem britischen und deutschen Kapi
tal ein und erklärte: „Es kann in diesem Augenblick nicht beurteilt werden, ob der Dawesplan in seiner Gesamtheit sich durchführen lassen wird ober nicht. Auf jeden Fall bringt er uns alle einander näher."
Deutschlands Reparationsleistungen Der stellvertretende Reparationsagent über den Dawesplan.
London, 14. Sept. (T.U.) Der Herausgeber der Londoner „Financial Times" berichtet von einer Unterredung mit I. E. S t e r r c t, dem Vertreter des Reparationsagenten Parker Gilbert in Berlin. Stcrret betonte, daß Deutschland bisher alle im Dawesplan vorgesehenen Zahlungen punkt- sich geleistet habe. Das erste Jahr der Zahlungs- erl<id)terungcn habe Deutschland zur Sanierung gut zu nutzen verstanden. Im ersten Jahr habe Deutschland nur 200 Millionen Mark der Zahlung von einer Milliarde selbst aufgebracht, 800 Millionen Mark jedoch durch Anleihen. In dem am 1. September begonnene» zweiten Jahr habe es 1220 Millionen zu zahlen, die es wahrscheinlich pünktlich leisten werde, weil der größte Teil der Zahlungen durch Sachlieserungen zu erfolgen habe. Int dritten Jahr würden diese ,edoch mehr in den Hintergrund treten und die größte Schwierigkeit des Planes, die der Uebertragung b e r Zah - lungen in andere Währungen, werde sich bemerkbar machen.
Die Hauptfrage fei: „Wünschen die Gläubiger überhaupt bezahlt zu werden?"
Das fei noch keineswegs erwiesen. Sterret erinnert an die Zurückziehung des großen Auftrags aus Luftdruckbremsen infolge Widerspruchs der französischen Industrie. Dies sei ein typisches Beispiel von Hunderten. 'Ißenn die Reparationsleistungen wirklich ausgeführt werden, würden darunter viele Leute in den (gläubiger- ländern sehr zu leiden haben. Die Aende- ri ‘.tgen, hie sn bei* politischen Loge Deutschlands vor sich gehen (Sicherheitspakt, Eintritt in Öen Volker- bunb, Verhandlung über die interalliierten Schulden, der neue deutsche Zolltarif, das neue Steuersystem), werde eine neue Konferenz und entsprechende Aenderungen des Dawes- planes notwendig machen. Allein die Tatsache, daß der Dawesplan keine Gesamtsumme der Zahlungen vorsehe, beweise, daß eine Rediskussion des' Planes von vornherein vorgesehen war. Man könne nicht gewollt haben, daß Deutschland in alle Ewigkeit 2,5 Milliarden Mark jährlich zahlen solle.
zu reden, die für uns wichtiger sind als ber erneute Verzicht auf Elsaß-Lothringen. Aber erreicht muh es werden unb es läßt sich auch bet ber Bebeutung, bie ber Sicherheitspakt für Frankreich hat, erreichen, wenn der deutsche Auhen- ministcr hart bleibt unb sich weder durch die Herbststtmmung am Eomer See noch durch die Sirencnllänge Driandscher Beredsamkeit bestricken läht. Die ganze diplomatische Aktion ist ja durch seine Rote vom Februar in Gang gebracht worden, wenn ihm jetzt die Gegner Gelegenheit geben, ihnen Auge an Auge gegenüberzustehen, so hat Herr Stresemann vermutlich mit dieser Einlabung gerechnet und betrachtet sie als einen Erfolg ferner Politik. Er kann sich ihr nicht entziehen. Der Termin ber Besprechung steht unmittelbar bevor. Die Frist ist kurz unb von den Ententemächten wohl absichtlich so kurz gehalten worden. Um so mehr gilt es. die Zeit auszu- nutzen, damit die Zusammenkunft der Außen- minister nicht zu einer Ueberrumpelung Deutschlands führt unb ben bisherigen nicht unglücklichen Verlauf seiner Friedenspolitik nicht in eine Riederlage von unübersehbarer Tragweite verwandelt.
Die Uebergade der Einladung.
Berlin, 15. Sept, (wolss.) Der französische Botschaster In Berlin de Margerie hat für heute mittag 12 Uhr feinen Besuch beim Reichskanz. ler Dr. Stresemann angefünöigt, um diesem die von Briand unterzeichnete Einladung zu der Konferenz über den Sicherheitspakt zu überreichen. lieber den Inhalt der Einladung weiß das „Berl. lagebl.“ zu melden, sie sei so gehalten, daß ein Wunsch Deutschlands, eine umfassende Konferen; anzuregen, in der deutschen Antwort seinen Ausdruck finden kann.
Französischer Ministerbesuch in Berlin.
Berlin. 15. Sept. (Wolff). Der französische älnterrichtsminister de Monzie ist gestern abend mit dem fahrplanrnähigen Zuge, von Kopenhagen, als erster französischer amtierender Minister in Berlin eingetroffen. Zum Empfang hatten sich auf dem Bahnhof ber französische Botschafter, ber französische Generalkonsul unb ein Vertreter des Auswärtigen Amts eingefunben. Wie bie Blätter betonen, hat ber Aufenthalt be Mvnzies in Berlin ledig- lich den Zweck einer kulturellen Annäherung zwischen Deutschland unb Frankreich. Bei der angefünbigten Unterrebung be Mvnzies mit bem preußischen Kultusminister Becker wirb ber französische Minister wahrscheinlich auch bie Frage der Einheitsschule anschneiben, über die er bereits in einem Kopenhagener Vortrag gesprochen hat. Der Minister wirb am Dienstag abend Berlin wieder verlassen.
Der 6. allgemeine deutsche Vanstiertag.
Berlin, 14. Sept (TU.) Rach fünfjähriger Pause wurde heute in Berlin der 6. Allgemeine deutsche Bankiertag eröffnet unb durch einen Degrühunasabenb, zu bem die Spitzen der Dc- »öroen erschienen waren, eingeleitet. Der Dor- itzende des Zentralverbandes des deutschen Dank- unb Banliergewerbes, Geheimer Iustizrctt Prosessvr Dr. Rießer, wieS in seiner Be- , rüßungsansprache darauf hin. baß von einem Monopol ber Banken, namentlich auf bem Gebiete des Krcditverkehrs weniger beim je die Rebe fein könne. Gegenüber früheren Vorwürfen, daß das deutsche Bankgewerbe zuviel unb zu leicht Kredite gewähre unb späterhin, dah die Banken die Kreditbedürfnisse speziell her Industrie nicht ausreichend befriedigt hätten, Vor würfe, die sich in neuester Zeit soweit verdichte: »ätten. daß man von einer Abdrosselung der Kredite spreche, glaubt der Redner, dah
unser Banksystem als solches sich bewährt habe, so dah sogar in England, dem Mutterland ber reinen Depositenbank, vor unb nach bem Kriege vielfach der Wunsch aus ilebergang zum beutschen Banksystem auftauchte.
Es verstehe fich von selbst, daß die Reichsregierung nicht vergeblich an die deutschen Banken und Bankiers appelliert habe, als cs sich darum handelte, mit ihrem Kredit außenwirtschaftliche Kredite des Reiches zu verbürgen unb zur Schaffung ber geldlichen Grundlagen für die Sanierung der Reichsfinanzen unb unserer Währung beizutragen, aber es versteht sich nicht von selbst, dah das Vertrauen ber wechselnden Reichsregierungen z u unbegrenzter Mitarbeit der Banken sich auch betätige durch Uebertragung umfangreicher kost en- los e r Arbeiten, bie an sich Sache des Reiches waren, fo bei ber Durchführung ber Steuerauskunftpflicht, bei ber seinerzeitigen Durchführung ber Kapitalflucht- und Devisen- gesehc. sowie aus neuester Zeit der Gcldbllmtz- vervrbnrmg und des Aufwertungsgesehes
Im Namen der ReichSregierung erklärte Reichswirtschaftsminister Dr. NeuhauS, daß der Industrie jetzl mobiles Betriebskapital fehle. Industrie und Landwirtschaft seien jctzt wieder auf die Hilse der Banken angewiesen. Infolge Kapitalmangels arbeite aber die deutsche Wirtschaft mit Zinswechsel, die weit über die im Ausland üblichen hinausgehen. Die Reichsregierung sei daher bei ihrer Derbil- ligungsaktion auch an bie Banken herangetreten. um bie Kosten ber Geldbeschaffung herabzusehen. Durch die neue Gesetzgebung, die Steuerermäßigungen, wie die Aenderungen der Devisen- und Kapitalflucht und der Ein- und Ausfuhrgesehgebung, sei die Möglichkeit dazu geschaffen. Durch die Aenderungen in der Anlage der öffentlichen Gelder komme sie den von den Banken zu treffenden Anordnungen entgegen. Sie erwarte, dah die Banken die Spanne zwischen Soll- und Habenzinsen möglichst ermäßigen unb die Provinzzinfen herabsehen.
Die Regierung hoffe, daß die Danken die Bestrebungen zur Haltung eines erträglichen Preisniveaus unterstützen werden.
Erfreulicherweise hätten in den letzten Tagen die Banken die Initiative ergriffen, um die aus der Inflationszeit stammenden Mißstände im Aktienwesen zu beseitigen. Auch die Regierung werde diese F Ql^qe behalten.
Eine genaue, vom Statistischen Reichsamt durchgeführte Aufstellung der vorhandenen Mehr- stimmenrechts- und Vorzugsaktien werde fest- stellen, ob sich die allmähliche Auslichtung dieser Papiere mit der ersorderlichen Raschheit vollziehe. Unter Umständen könne auch ein gesetzliches Einschreiten nicht vermieden werden.
Rach dem Rcichswirtschaftsminister begrüßte ber preuh. Handelsminister Dr. Schreiber den Bankiertag. Aus demGebietees Kredit wesens seien in den letzten Wochen wichtige Fortschritte erzielt worben. Eine gesunde Entwicklung werde wesentlich davon abhängen, daß ber Spartrieb unseres Dolles wieder entfacht werde. Die vorhandenen knapven Kreditmittel müßten der deutschen Wirtschaft so zugeführt werden, daß sie davon einen möglichst großen Nutzeffekt hab?. Lebhaft begrüßt, nahm dann
Reichsbankpräsident Dr. Schacht
bas Wort. Er stellte fest, baß bie Entschließungen bes Reichsbanldirektoriums immer getragen feien von ber vollen Erkenntnis ber schweren Aufgabe unb ber großen Verantwortung, vor bie bas deutsche Bankwesen gestellt sei. In ber Frage bes Preisa bbaues sei vor allem not- toenbig, mit ernstem Willen baran zu arbeiten, ben aufgeblähten Wirts chaf tsappa- rat einzuschränke n. Ueber be Frage ber Zinssätze hinaus werde die Kreditpolitik daraus zu achten haben, daß die spekulative Zurückhaltung von Warenbeständen unterbleibt. Der Redner wies bann einige Angriffe gegen bie Wahrungspolit k ber Reicks- banf zurück. Er sei erstaunt, bah bie deutsche Allgemeinheit anscheinenb nichts sehnlicheres wünsche als einen neuen Währungsverfall D e Politik ber Reichsbank müsse baher gebilligt werben von allen benen. die das Wohl des Ganzen über daS Wohl des Einzelnen st .llen. Eine Aenderung der Währungs- und Kreditpolitik sei unter den heutigen Verhältnissen nicht mög lich.


