Der unsaubere Frieden.
Von Professor §erd. Dreher (Friedberg i.H.).
Gestützt auf die im Versailler „Vertrag" fest- qclegte Alleinschuld Deutschlands am Weltkrieg, verfolgen die Ententemächte, bis an die Zähne bc- mcffnet, mit unheimlicher Wollust ihr Ziel, das Genüge des Reiches vollends zu zerschlagen, die deutsche Volkskrast für alle Ewigkeit lahmzulegen und damit die deutsche Konkurrenz auf dem Weltmarkt endgültig zu erdrosseln.
Aber nicht Deutschland, sondern die Entente- voller werden über kurz oder lang auf der Anklagebank sitzen, wenn man in Berlin endlich von den berghohen Gegenbeweisen Gebrauch machen wollte, um sowohl Die ungeheuerliche Lüge von Deutschlands böswilliger Schuld am Weltkrieg als auch die aus ihr abgeleiteten wahnwitzigen Strafmaßnahmen und endlosen Forderungen abzuwehren.
Durch die Oefsnung der russischen Archive und insbesondere durch die Herausgabe des „Diplomatischen Schriftwechsels Iswolskis 1911—1914" ist das Zwangsdiktat von Versailles rechtlich unhaltbar und feine Revision unumgänglich geworden. Die russi- l'd)en Dokumente zur Vorgeschichte des Ueberfalls auf die Mittelmächte werfen geradezu vernichtende Schlaglichter in die Hexenküche der Ententediplo- ir.atie, auf die Machenschaften dieser „Totengräber Europas.
In die unabsehbare Reihe der Kronzeugen zugunsten Deutschlands ist nun auch der französische Generalkonsul und Gesandte a. D. Alcide Ebray getreten. Er hat Ende 1924 in Mailand ein Buch unter dem Titel „2 a paix malpropre" („Der unsaubere Frieden") herausgegeben, das soeben, 415 Se'ten *tarf, in deutscher Üebersetzung bei dem Verlag für Kulturpolitik in Berlin erschienen ist.
Alcide Ebray weist zunächst eindrucksvoll auf dr? Rede des imUenischen Premierministers Nitti bet einem Empfang in Paris im Januar 1920 hin, wo Rttli, zu den italienischen Journalisten gewandt, erklärte: „Diesen Krieg haben wir gewollt und nicht erdulde t."
Sämtliche Ententestaaten, betont Alcide Ebray, zogen nicht um eines höheren Ideals willen das Schwert, sondern im Hinblick auf bestimmte Beute und um insbesondere Deutschland politisch, wirtschaftlich und moralisch vollständig zu vernichten.
Die Entente trägt nach Alcide Ebrays Beweisführung auch vornehmlich Die Schuld an der langen Dauer des Krieges, indem sie durch maßlose Friedensbedingungen Deutschland zwang, den Kampf hinauszuziehen.
In den Kernpunkt seiner Untersuchung stellt Alcide Ebray die Friedensregelung, den Verrat an den Besiegten, der durch Hinterlist vorbereitet und möglich gemacht worden ist.
Der von allen Kriegführenden als unbedingt bindend anerkannte Vorvertrag vom 5. November 1918 (die sog. Note Lansings) fußt auf Wilsons „14 Punkten" und sollte als Bedingung gelten für den Waffenstillstand wie als Friedenspräliminarien, wurde jedoch von der Entente schmählich gebrochen. In formellem Widerspruch zu den Klauseln des Vertrages vom 5. November stehen:
1. Die Nichtöffentlichkeit der Friedensverhandlungen und der Ausschluß Deutschlands.
2. Die Organisation des Völkerbundes ohne Einbeziehung Deutschlands.
3. Die einseitige Entmilitarisierung des linken Rheinufers als Verschärfung der Entwaffnung wie die einseitige Entwaffnung Deutschlands überhaupt.
4. Die Abtretung der Saargruben und die Abtrennung des Saargebietes.
5. Das Verbot an Oesterreich, sich mit Deutschland zu vereinigen.
6. Die politischen und territorialen Regelungen in Ostpreußen, Memel und Danzig.
7. Der Raub der deutschen Kolonien.
8. Die Reparationssorderungen aus Artikel 231 des Versailler Vertrages, in dem Deutschland die Anerkennung seiner alleinigen Schuld am Krieg ab- erpreßt wurde.
Aber nicht genug damit: Der Völkerbundsrat hat durch die Dreiteilung Oberschlesiens (14. Oft. 1921) entgegen der für Deutschland günstigen Abstimmung (20. März 1921) den Vertrag von Versailles eigenhändig zerrissen, ferner den mitten im Frieden erfolgten Ruhreinbruch Poincarss vom 11. Januar 1923 wohlwollend übersehen und desgleichen die am 10. Januar 1925 fällige Räumung der Kölner Zone — „weil Deutschland ohne irgendeinen Zweifel materiell enwaffnet ist", wie General Fach nach der französischen Zeitung „Temps" vom 7. November 1924 erklärte. Hohnlachend wirst der Völkerbund, die Verkörperung des Weltgewissens, die „flammenden Proteste" des wehrlosen deutschen Volkes in den Papierkorb.
Die Entwaffnung der Mittelmächte sollte bekanntlich die (Einleitung zu einer allgemeinen Abrüstung werden, die Ententegenossen aber rüsten in fieberhafter Hast, wie nie zuvor, obwohl das blutleere Deutschland nach Annahme des Dawes-Planes bis auf das Hemd ausgeplündert dasteht, verleumdet mit der alleinigen Kriegsschuld.
„Auf diese Weise", sagt Alcide Ebray, „sind auch die Besiegten nicht mehr gehalten, unbewaffnet zu bleiben. An dem Tage, da sie offen wieder rüsten
Gberhesfischer Nunstverein.
Ausstellung im Turmhaus am Brand.
Die Freie Vereinigung Darm- städter Künstler, oder der Oberhessische Kunstverein, haben es sich mit dieser Ausstellung etwas leicht gemacht. Jedenfalls hängen die bet weitem besseren Bilder der Darmstädter drüben in Bad--Rauheim bei Banger.
(Nehmen wir das, was da ist, bleibt natürlich immer wieder Karl Scheid mit seiner starken Kreatürlichkeit obenan, ganz gleich, ob er Lithographien oder Oelbilder als Ausdrucksmittel seiner erdgebundenen Schaffensfreude gebraucht. Die ganz stark naturhast gestaltete Festigkeit seiner Sprache ist überall zu finden, besonders bei dem oft gewandelten Motiv weidender, pflügender oder ziehender Pferde. — Wichtig in dieser oft stark konventionell, ohne Zwang nachgemalt anmutenden Reihe anderer Bitter ist weiter Richard Walter. Er hat da eine Wald- landschaft hängen, von der man sagen kann, sie hat Lust, Licht und Leben. Es ist auch unverkennbar der Versuch einer eigenen Ausdrucksweise gemacht. Gleich interessant, besonders durch den gutgebauten inneren Aufriß des Bildes ist eine Schneelandschast, „Straße in Zwingenberg", bei der das Licht mit feiner, auf letzte Möglichkeiten spekulierenden Oekonomie behandelt ist. — Anna Bornemann, vom leichten Aquarell her zur Malerei kommend, hat ein Oelbild von Schlitz gemalt, dem man seine Aufmerksamkeit nicht verweigern möchte.
werden, wird man ihnen fein rechtliches Argument entgegenstellen können."
Deutschland, nicht Frankreich, hat Wiedergutmachung und Sicherheit zu fordern!
Brasilien.
Einem der vielen Uichtfertrg Ausgewanderten nacherzählt von Harro Essing h.
Pedro Alvarez Cabral . . 1500 . . . Brasilien . . .
Kaum vermag uns unsere Vorstellungstrast zurückzuversehen in eine Zeit, da em anderes Portugal noch Männer hervorbrachte, deren Ruhm die Welt erfüllte und deren Taten ihr Land zur Weltmacht emportrugen. Das Mutterland sank und sank . .
Zu beiden Seiten des riesigen Amazonas, durchzogen von den Bergketten der Serra do Mar, do Espinhaco, dos Vertentes, im Süden heranreichend an den La Plata und im Osten bis an den Fuß der äquatorialen Anden, harrt Cabrol's Entdeckung in ihrer endlosen Ausdehnung den Zeiten entgegen, die Brasilien als ein mächtiges Weltreich zeigen werden.
Roch ist alles im liebergang; und der kapitalistische Marodeur, der Pleitegeier, streicht über die jungen Fluren . . . Brasilien ist reich, sehr reich. Doch all seine Schätze können dem Volke nicht nützen, solange sie nicht gehoben werden. Eisenbahnen, Eisenbahnen immer wieder, sind das dringendste Erfordernis. Doch das internationale Kapital, gern bereit, überall einzuspringen. wo Dividenden winken, scheut Bahn- bauten, die sich erst, möglicherweise, nach Jahren oder Jahrzehnten rentieren. Hier hat die Selbsthilfe des Landes einzusehen. Doch die brasilianische Regierung verfügt über keine Million Contos, die wirklich freies Geld wären. So kann die Derkehrsfrage nur ganz allmählich vorwärts gerückt werden. Wann wird auch für Brasilien in der Durchdringung des Kontinents das Tempo erreicht werden, das in den mittleren Dezennien des vorigen Jahrhunderts das Reich der Vereinigten Staaten von Rordamerika vom Atlantik zum Pazifik im Cinschritt vorzutragen wußte? —
Aus den Kaffee- und Zuckerplantagen brütet die Sonne der Tropen. „Freie Arbeiter" sehen die Fron der einstigen Sklaven fort. Und die Herren der Pflanzungen, die in den Börsen- und Bankpalästen von Rio und Santos dem Herzschlag der Weltwirtschaft lauschen, von dessen Schwache oder Erstarken auch ihre, auch Brasiliens goldene oder papierene Zukunft aibhängt, — sie wissen einstweilen nicht viel mehr als das alte Mittel ihrer Väter: Der gute Aufseher ist die halbe Plantage wert?
Roch sind die Skavenaufseher in Cabral's weiter Erbschaft nicht ausgestorben. Wehe dem europäischen Einwanderer, den fein Wille oder fein Schicksal als Arbeiter auf brasilianische Plantagen führte!
So treibt sich der arme, enttäuschte, desillusionierte europäische Arbeiter, der unvorbereitet und ohne vorherige genaue Erkundung des Terrains auswanderte, bald arbeitslos in den Millionenstädten am brasilianischen Atlantik herum. Von Sozialgesehgebung so gut wie keine Spur. Und sie werden gejagt von den überzahlreichen Dienern der Gerechtigkeit eines jungen Staates, in dem alles gärt und über die Stränge schlägt . . . Schuhleute, die die Todmüden und Halbverhungerten in der kalten Tropennacht von den Bänken in den öffentlichen Anlagen vertreiben. nachdem sich die Heruntergekommenen in Gottes Rainen bereits Ühr und Taschenmesser hatten abnehmen lassen, — in der Hoffnung, dann wenigstens liegen bleiben zu dürfen. Sie schweigen; denn sie wissen genau, daß der erste beste Polizist es in der Macht hat, jede Sache so zu drehen, daß eine Abschiebung nach den Sümpfen, zu staatlicher Zwangsarbeit, erfolgt. Das ist das Schreckgespenst der Elenden, die es einander zuraunen, daß aus den Sümpfen nur die eine Hälfte wiederkehrt . . .
Ein (Nachtasyl? Ach Freund, mit derselben Geläufigkeit, wie du „Sonne, Mond und Sterne" immer in der gleichen Reihenfolge nennst, nie in einer andern, — mit der gleichen, blöden Selbstverständlichkeit kennt der brasilianische Türhüter des Rachtasyls die Rangfolge der Rationen oder Rassen, als ob's im Dienstreglement stände; erst die Portugiesen, dann di? Reger, dann die Angelsachen (und alles, was englisch spricht). — und dann, mit dem Ausschuß, kommen die Deutschen auch. Doch schon bei den Regern sind die Plätze beseht . . .
Ein Krankenhaus? Ruch das. Denn, — nicht wahr? — unendlich mühselig ist es, alle armen Teufel, die täglich und allnächtlich irgendwo auf der Bank oder im Sande oder an der Straßenecke ihr in Brasiliens Sonne versengtes Dasein enden, erst umständlich mit Autos und Mannschaften in allen Stadtteilen zusammen zu suchen, aufzuladen und nach der Ausschußecke des Campo Santo zu transportieren. Um wieviel praktischer ist es. dies? Friedhof-Aspiranten im letzten Augenblick aufzunehm?n. soweit sie sich
Das Bildnis einer Dogge fei led glich registriert, doch bleibt wohl ihr eigentliches Gebiet das Aquarell. Eine blühende Wiese ist da, die eine beglückende Leichtigkeit ahnet, mit allem Schmelz der zarten Farben, die im Weih sich lösen. Bei der blühenden Aloe und dem Treib- hausfenster sind wieder jene kleinen Gedichte mit hineingewoben, wie sie gelegentlich Oskar Moll macht, die aber hier durchaus am Platze sind, da sie fachlich verwandt, wesensgebunden und nicht verlegenheitsentsprungen sind. — Einige Köpfe Richard Daengers möchte ich noch erwähnen. Sie erinnern gelegentlich daran, daß die ganz schlichte Anwendung des einfachen Handwerkszeuges, wenn sie ehrlich und von einem Könner geschieht, künstlerische Werte zu schaffen imstande ist. Kommt es doch nicht Darauf an, auf jedem Gebiet Spitzenleistungen £u erreichen; wir sind nicht alle auserlesen, am Ziel zu stehen. Wo aber der Wille zu spüren ist. da wollen wir zugreifen und helfen, unD sei es nur, daß wir versuchen Fühlung zu finden zu dem noch Fremden, das unter Einsatz eines Willens und einer Persönlichkeit seinen Weg geht. Denn wir alle sind, an das Heute gebunden, dem Morgen verpflichtet. e-s.
„Grohdeutsche Ausstellung" in Darmstadt.
Das Darmstädter Ausstellungswesen ist aus keinem guten Weg. Zugegeben, daß in einer Stadt, die weder eine starke künstlerische Produktion noch einen guten Kunftmarkt besitzt, die
an der Tür des Krankenhauses mit einem genügend elenden Körper einwandfrei Darüber aus- weisen können, daß sie nach menschlichem Ermessen in spätestens acht Tagen eine Leiche sind. Dann hat man sie gleich beim Kirchhof, es gibt alles viel weniger Arbeit ....
Santa Casa! Das Heilige Haus!
Weiht du, Leser, wieviel Weihe, auch «V vor allem Deutsche, in Brasiliens Stätten verzweifelt um ihr nacktes Leben ringen? — immer im Herzen noch den einen Wunsch und Die eine armselige Hoffnung. einmal bietet sich doch die Gelegenheit, und du fährst nach Europa, nach Deutschland, — als blinder Passagier!
Provmzmltag der Provinz Oberhellen.
(Eigener Bericht des
’ Gießen, 13. Juni 1925.
Unter dem Vorsitz des Provinzialdirektors G r a e f trat heute dec Provinzialtag der Provinz Oberhessen im Regierungsgebäude zu seiner diesjährigen ordentlichen Tagung zusammen.
Nach der Begrüßung der Mitglieder des Pro- vinzialtags, des Provinzialausschusses und der Kreisdirektoren und nach Feststellung der Präsenz fand zunächst eine
Ehrung f ü r den verewigten Provinzialdirektor Matthias
statt. Provinzialdirektor Graes erinnerte, während sich das Haus von den Sitzen erhob, daran, daß wenige Wochen nach der vorigen Sitzung des Pro- oinzialtags (28. Mai v. I.) ein schneller Tod den Provinzialdirektor Matthias abberief. Weiter sagte der Vorsitzende: Provinzialdirektor Matthias stand seit dem 1. Februar 1922 an der Spitze der Provinz. Er hatte sich durch feine große Tüchtigkeit, durch seine vornehmen Charaktereigenschaften, durch seine Liebenswürdigkeit und sein bereitwilliges Entgegenkommen außerordentliche Sympathien in allen Bevölkerungskreisen erworben, die weit über das übliche Maß hinausgingen. In Provinzialdirektor Matthias haben wir einen großen Freund der Selbstverwaltung verloren. Wie sehr er mit ganzem Herzen an der Selbstverwaltung hing und wie er ihre Interessen zu fördern und aus- Atibauen bestrebt war, wird besonders durch das Projekt der Gemeinwirtschaft bewiesen. Hierdurch wird auch die (Erinnerung wachgerufen, wie er es verstanden hat, der Selbstverwaltung neue Wege zu weisen. Der Staat, die Provinz, der Kreis Gießen und die hessischen Selbstoerwaltungsbeamten wissen, was sie an Provinzialdirektor Matthias verloren haben, und daß er unersetzlich für alle ist. Ich als sein Amtsnachfolger glaube ihn nicht besser ehren zu können, als daß ich mich bemühe, in seinem Geiste mein Amt aufzufassen und bestrebt zu fein, in feinem Geiste zu wirken. Ich stelle fest, daß Sie sich zur Ehrung des Entschlafenen von den Sitzen erhoben haben.
Eine weitere Totenehrung galt dem noch vor Antritt seines Amtes als ProvinzialtaHsmitglied verstorbenen Fabrikdirektor Schmitz-Hirzenhain, zu dessen Ehre sich bas Haus gleichfalls erhob.
Neue Provinzialtagsmitglieder.
An Stelle des verstorbenen Mitglieds Schmitz- Hirzenhain wurde Friedrich Lenz- Ortenberg und an Stelle des durch Mandatsniederlegung aus- aeschicdenen Karl Haupt-Gießen Jakob Schüfe r =■ Bad,Nauheim in den Provinzialtag berufen und heute in üblicher Weise verpflichtet.
Beigeordneter Wittig- Butzbach hat sein Amt als Miigliei des Provinzialausschusses niedergelegt. Als Ersatz wurde Bürgermeister Walz- Lauterbach in den Provinzialausschuß berufen.
Der Rechnungsabschluß für 1923 weist die Zahlenungeheuer der Inflationszeit auf. In Goldmark nn'gerechnet bei einem amtlichen Berliner Dollarkurs von 4,20 B. M. verbleibt ein lieber« schuß von 58 880,40 Goldmark. Die Rechnung und der Verwaltungsbericht wurden, genehmigt.
Der Pro o i nzialvoransch l ag für 19 25 schließt, wie schon kurz berichtet, in Einnahme und Ausgabe mit 1 201 280 Mk. ab. Auf der Einnahme feite findet man folgende wichtigere Posten: Rechnungsrest 28 880 Mk., Kreisstraßen (Ertrag aus der Kraftsahrzeugsteuer) 407 500 Mk., Soziale Fürsorge 174 900 Mk., Provinzialumlagen 560 000 Mk. Die Ausgaben feite weist folgende größere Beträge auf: Allgemeine Verwaltung 71 300 Mk., Kreisstraßen 789 500 Mk., Soziale Fürsorge 244 007 Mk., Provinzialumlagen 40 000 Mk.
Bei der Beratung des Voranschlags hob der Provinzialdirektor hervor, daß es möglich war, die Pro vinzialum lagen von 615 000 Mark im Vorjahr auf 560 000 Mark für das neue Rechnungsjahr herabzumindern.
Eine eingehende Aussprache entspann _ sich bei dem Kapitel Kreis st raßen. Die Länge der Kreisstraßen Oberhessens beträgt nach einer Erklärung des Provinz-aldirektors Graes 2285 Kilometer. Die Unterhaltungskosten für einen Kilometer bezifferten sich vor dem Kriege auf 450 Mk. jährlich, heute wird Der gleiche Betrag für einen Kilometer ausgegeben. Dafür kann aber heute nicht Das gleiche wie vor Dem Kriege geleistet werden. Wenn heute Die Vorkriegsleistung bei der Strahenunterhaltung gerechnet würde, wären 800 bis 900 Mk. für einen Kilometer auf- zubringen. Früher kostete das Walzen von einem Kilometer 5000 Mk.. heute 9000 bis 10 000 Mk.
..Gießener Anzeigers".)
früher kostete ein Kilometer Kleinpflaster etwa 28 000 bis 30 000 Mk.. heute 75 000 bis 80 000 Mark. Der ReDner wies weiter auf Die außerordentlich starke Inanspruchnahme Der Kreisstraßen Durch Den Autoverkehr, insbesondere Durch Die Lastkraftwagen hin. unD erklärte, auf Diesem Gebiete müßten wir zu einer vollstänDigen ilm- wälzung der Verhältnisse kommen. Es müßten im Laufe Der Jahre große Durchgangsstrahen für Den Autoverkehr errichtet werden. Die Kraftfahrzeugsteuer. Die ja jetzt ganz Den Provinzen überlassen werden solle, jeDoch nur für Zwecke autzer- orDentlicher Verbesserung Der Kreisstrahen, könne nach Der Ansicht Der Verwaftungsbeamten noch weiter erhöht WerDen. namentlich auch für Den Lastwagen verkehr, wofür Die Steuer zu gering erscheint, währenD anderseits Die Straßen gerade durch Den Last fraftWagenverkehr am ersten abgenutzt WerDen. Außerdem wäre zu erwägen, daß Die Kreise zu Den Kreisstraßenkoften noch beitragen müßten. Weiter stehe er auf Dem Stand- punkt. Daß Die Kraftfahrzeugsteuer unbedingt ergänzt werden müfse durch eine allgemeine Fahrzeugsteuer. Deren Ertrag nur für Zwecke Der Straßenverbesserung Verwendung finden dürfe. Im Interesse der Straßenunterhaltung müsse vor allem auch Die Organisationssrage hinsichtlich der Straßengehorigkeit so schnell wie möglich geklärt werden. Abg. L u?-Rieder-Florstadt unterstrich die Ausführungen des Provinzialdirektors durchaus zustimmend, trat für großzügige Strahen- erbauungen ein und wünschte hierbä, besonders staubarme Straßen nach den neuen technischen Verfahren zu schaffen. Ferner machte er beachtenswerte Vorschläge zur Finanzierung dieser Reubauten. Rach weiterer, längerer Aussprache wurde den vorgeschlagenen Straßenneubauten zu- gestimmt, von Pfordt nach der Kreisstrahe Schlitz—Hemmen—Fulda, und Langd—Ulfa; im letzteren Falle sollen einstweilen nur die Erd- arbeiten in der Gemarkung Ulfa im Winter 1925/26 ausgeführt werden, damit zunächst ein gut fahrbarer Feldweg entsteht, der später als Kreisstraße ausgebaut werden kann.
Die übrigen Titel des Voranschlags passierten nach Erläuterung Durch Den Vorsitzenden ohne Aussprachen von Belang. Der kommunistische Abg. Schäfer, Bad-Rauheim, stellte eine lange Reihe von Anträgen. Die man nur als Agitation bezeichnen kann unD die sämtlich, entsprechend Dem Vorschläge des Provinzialdirektors, zur Prüfung an den Provinzialausschuß überwiesen wurden, während Der Antragsteller wünschte, daß Über seine Anträge und Die GelDmittel hierfür gleich bejahenDer Beschluß gefaßt werden sollte. Das Haus entschied bei sämtlichen Anträgen mit allen Stimmen gegen die eine des Antragstellers. Zur Deckung der Provinzialumlagen in Höhe von 560 000 Mk. sollen beitragen: Einkommen- und Körperschaftssteuer 205 000 Rm., Umsatzsteuer 5000 Rm., Grundsteuer 225 000 Rm., Gewerbesteuer 80 000 Rm., selbständige Gemarkungen 40 000 Rm.. zusammen 555 000 Rm. Der ungedeckte Rest von 5000 Rm. soll aus dem Ausgleichsstock genommen werden. In Der Gesamtabstimmung wurde Der Voranschlag einstimmig, also auch mit Zustimmung D e 8 kommunistischen AbgeorDneten, genehmigt.
Wasserwerk JnheiDen.
Die Abrechnung über Die Einnahmen und Ausgaben in 1 923 weist Die heute gegenstandslosen Papiermarkziffern auf. Die Rachweisung des Kapitalvermögens weist Die nach Dem Kurswert Der Papiere am 31. März 1924 errechnete Gesamtsumme von 204 144,98 Goldmark aus.
Der Voranschlag für 1 925 schließt in Der Betriebsrechnung mit 754 000 Rm. in Einnahme unD Ausgabe, in der Vermögensrechnung mit 438 000 Rm. in Einnahme und Ausgabe ab.
Beide Vorlagen wurden glatt genehmigt.
Ueberlandwerk Oberhessen.
Die Rechnung über Den Ausbau Des UeberlanDwerkes in Den Rechnungsjahren 1922/23 schließt mit einem Einnahme-Ueberschuh (in GolDmark umgerechnet bei einem amtlichen Berliner Dollarkurs von 4,20 Mk.) von 3031,50 GolDmark ab.
Der R e ch,n ungsabschluh für 1923 vermittelt mit seinen Papiermarkungeheuern wieder die Erinnerung an Die Inflationszeit.
Die Goldmark-Eröffnungsbilanz auf 1. April 1 924 schließt mit 9 466 346.77 Rm. ab. Auf Der Vermögensfeite stehen u. a.: Hochspannungs- Freileitungen mit
Frage einer wertstiftenDen oder Doch zugkräftigen ausstellerischen (Betätigung schwer zu lösen ist. Aber so, wie es in DarmstaDt gemacht wirD, geht es auf keinen Fall. Man kann sich in DarmstaDt toeDer zu kräftigen AusstellungsgeDanken noch zu Durchgreifenden Methoden Der Ausführung entschließen. Die Kunftpflege der Stadt steckt nicht nur voller bürgerlicher Ressentiments gegen das Reue, sie ist auch unfruchtbar in Der ausstellerischen Auswertung Des Alten. Man sucht zwar den kunststädtischen Ruf hochzuhalten, besonders mit Hinblick auf den Fremdenverkehr, aber man zieht die alljährliche Sommerausstellung immer deutlicher als formlose Augenbelusti- gung für Den geistigen MittelstanD auf. Das ist ein gefährlicher Irrweg. Der Ruf der Darm- ftäDter Ausstellungen hat schon jetzt gelitten. Er WirD leiDer Durch Diese neue Großdeutsche Kunstausstellung abermals einen Stoß erhalten, und zwar Den schlimmsten, Den er bisher empfangen hat.
Die Ausstellung ist veranstaltet pom Ortsverein Der Allgemeinen Deutschen Kunstgenossenschaft. Ihr „Gedanke" ist, Bilder unD Plastiken von lebenden Künstlern Deutschlands und Oesterreichs vorzuführen unter Ausschluß aller in besonderem Sinn moderner Tendenzen (wenn man nicht Hüther, Echwalbach, Jaeckel, Kohlhoff, Die mit sehr flauen Stücken vertreten sinD, als Belege für Das Moderne anerkennen will). Mit anderen Worten: Man hat einen kleinen Glaspalast aufgetan, etwa von der Haltung Des Jahres 1910, genau so wirr unD sinnlos wie das Münchener Original, eine ungeformte Anhäufung
von Kunstwerken, in Dfcr ein leerer, entgeifteter Kunstvereins-Manierismus Den Ton angibt.
Es ist beileibe nicht Das Bestehen auf vergangenen Kunstanschauungen, was diese Ausstellung zu einem so unerquicklichen Erlebnis macht. Sondern man stößt sich an der ernstlosen Grundgesinnung, an der Bevorzugung leichtfertiger Mißqualität und manieristischer Effektmale- rei. Der Durchschnitt dessen, was man in Darmstadt sieht, ist weder alt noch jung, sondern gesinnungslos. frei von Ernst und Einsatz; 3n- Duftriearbdt so schwachen Geistes, daß schon eine Qualität wie Die von Schramm-Zittau, Schrader- Velgen. Otto Dill, Oskar Hagemann sehr wohltuend hervortritt und daß ein Stallbild von Feld- Hauer. ein Jnnenraum von Landenberger, eine Marine von Julins Seyler sich bei weitem als Spitzenleistungen behaupten.
Die Ausstellung hat als Ganzes weder zur alten noch zur neuen Kunst etwas zu sagen, sondern sie ist ein Ausbiegen zur Kunstgesinnung des kleinstädtischen Kunsthandels und Der provinziellen Auchmalerei. Bezeichnend ist es, daß sogar aus Hessen selbst fast alle ernsthafteren Begabungen Der Ausstellung ferngeblieben sind. Berlin. München und Wien haben in Der Hauptsache die Habitues ihrer Kunstvereine oittsandt. Daneben einige „Ramen" aus Der Reihe Decker- Gundahl. Stuck, Fehr, Habermann, Hengeler. Samberger. Münzer usw., die durchgehends bo- schämend schwach belegt sind. Wilhelm Michel.


