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15.6.1925
 
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1fr. (37 Zweites Blatt Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für OberlMn) Montag, (5. Zuni (925

Jugend und Hochschule.

Berufswahl und aka­demisches Studium 1925.

Don Dr. R. Hänfen- Berlin.

Ter Besuch der Universitäten und technischen Hochschulen 1924 25 ist im Vergleich mit dem Rekordsommersemester 1923 ganz erheblich, und zwar um etwa 10.000 zurückgegangen. Es hängt Lies offenbar mit der ganzen Entwicklung der wirtschaftlichen Derhältnisse in Deutschland in btn letzten 1' .- Jahren zusammen. Durch den völligen Zusammenbruch unserer Währung sind viele Kreise deS Mittelstandes so verarmt und viele Elipendiensonds so wertlos geworden, daß Lausenden von jungen Leuten die Möglichkeit eines akademischen Studiums genommen wurde. Die traurige Lage der freien Berufe, insbeson­dere der Aerzte. Rechtsanwälte. Journalisten. Ingenieure, Ehemiker usw während der In- slationSjahre. die Ueberfüllung dieser Berufe, die schlechten Anstellungsverhältnisse der B:am- ten infolge Abbaus vieler überorganisierter oder überflüssig gewordener Behörden, haben mehrere zehntausende Abiturienten bestimmt, sofort in das praktische Leben einzutreten, um durch möglichst l aldigen Berdienst die verarmten Eltern zu ent­lasten. Für junge Leute, die unter normalen Verhältnissen Bauingenieure geworden wären, wirkt bis heute die traurige Lage des Bau­marktes, da Stellenlosigkeit und niedrige Ein- kommenssähe die Folge waren, stark abschreckend: zumal ein Unterkommen bei Staats- und Kom­munalbehörden wegen der Abbautendcnzen »venig Aussichten bot. Die aufgewandte Zeit und die Ausbildungskosten standen meist in zu ungünsti­gem Verhältnis zu den Einkommens- und Der- sorgungSchancen.

Wenn auch heule für das Wintersemester 1924 25 genaue statistische Ziffern über den Be­such der deutschen Universitäten und technischen Hochschulen noch nicht vorliegen, so lassen sich aus den vorhandenen amtlichen Teilresultaten bereits eine ganze Reihe interessanter und wich­tiger Schlüsse ziehen, die insbesondere den Eltern von angehenden Schülernhö- herer Lehran st alten und von Abitu­renten dieser Schulen für ihre Stel­lungnahme zur Berufswahl ihrer Kinder nach Ostern von praktischem Wer t sein könn en. Aus diesen Resultaten kann man schließen, daß die große Mehrzahl der Studierende., über das Reifezeugnis eines Gym­nasiums, eines Realgymnasiums oder einer Ober- realschule versügt. Ohne Reifezeugnis studierten etwa 12 bis 14 Prozent. Für das Universttäts- studium überwog das Reisezeugnis eines Gym­nasiums mit etwa 40,7 Prozent. Realgymna­siasten waren mit etwa 26 Prozent und Ober­realschüler mit 24,4 Prozent beteiligt. Unter den Studierenden der technischen Hochschulen waren etwa 31 Prozent Gymnasialabiturienten. Die Realgymnasiasten waren mit etwa 27 Prozent und Oberrealschüler mit 33 Prozent vertreten. Der Rest hatte Reifezeugnisse anderer höherer Schulen oder gar keine Die S t u d i e n s ä ch e r, zu denen in den letzten drei Seme- fter nein ausfallend starker Andrang fest zustellen ist. sind: Volkswirt­schaft, Chemie, Maschineningenieur­wesen und Elektrotechnik. Sine l e i chte Abnahme ist demgegenüber in derZahl derStudierenden der Theo­logie. Medizin und Philologie zu beobachten.

Die Zahl der Theologen ist heute etwa 45 Prozent kleiner als 1913. An Juristen bilden wir augenblicklich etwa die doppelte Zahl von 1913, die auf 10 000 geschätzt wurde, aus. Wie stark der Zudrang zum Studium der Rationalökonomie ist, ergibt sich aus der Tatsache, daß wir heute etwa 12 000 Studierende zählen können gegen 2300 im Jahre 1913. D. h., die Zahl der jungen Volkswirtschostler ist etwa 4.5 mal so groß als im letzten Friedensjahr Hier liegt entschieden eine ungesunde Entwicklung vor, die bald ihre Rückschläge zeigen muß, denn es muß leider

Die Philologentagung in Heidelberg.

Von Dr. Gerhard Vorghorst.

.Philologentagung" nannte fich die Veran­staltung. an deren Ende wir stehen. Ich glaube, selbst in den Äreifen der Fachleute drängt sich da leicht eine falsche Vorstellung in den Vorder­grund. Weit ist noch die Anschauung verbreitet, als ob die Philologen, wenn sie unter sich sind, sich nur unterhalten könnten über die richtige Aussprache des lateinischenc", ob es für das Seelenheil der Schüler unumgänglich notwendig fei,Äifero" zu sprechen oder ob es noch hin­reiche, bei Cicero" zu bleiben. Sicherlich, auch solche Fragen werden unter Philologen behandelt, in Fachversammlungen und Fachvereinen; aber die Tagungen desDeutschen Philologenver­bands" sind getragen von anderem Geist und haben höhere Ziele.

Wenn ich auf die verflossenen Tage rück- wärts schaue, so ist es mir nicht, als ob ich in vier Tagen eine Unmenge von einzelnen Ver­anstaltungen mitgemacht hätte. Es ist mir. als vb tO) nur einen einzigen Vortrag angehört hatte mit dem Inhalte: Der deutsche Ober* lehrer hat im deutschen Volk eine Kulturauf­gabe zu erfüllen. Ihm ist das kostbarste Gut in Mc Hand gegeben, das das deutsche Volk zu verwalten hat: die deutsche Iugend. Und da- rum hat er die Aufgabe und die Pflicht, immer und immer wieder sich Rechenschaft zu geben und die Frage zu lösen: Was habe ich zu tun und wie habe ich die Schule und den Unterricht zu gestalten, um nach meinem besten Wissen und Können diese Aufgabe zu erfüllen? Wenn wir die Iugend führen wollen, müssen wir lernen, sie zu verstehen. Wir dürfen uns nicht beschränken auf das Geben der Iugend in den engen und oftmals unwahren Echulstuben: wir nrüffen mit der Iugend hinausziehen auf ihre Fahrten, fie kennen lernen bei ihren Zusammenkünften und als Freunde teilnehmen an ihren Sorgen und Freuden.

feftgeftcllt werden, faß den meisten Studierenden die praktische Unterschulung fehlt, ohne die sie sich später nur zu einem geringen Teil bewähren können. Anreizend aus dieses Studium mitten naturgemäß die vielseitigen Verwendungsmöglich­keiten auf dem Gebiete der Interessenvertretun­gen. Journalistik, Bank, Handel, Industrie, Ver­kehr ufw. Die Zahl der Mediziner, die 1913 auf 14 884 geschäht wurde, ist um 28 bis 30 Prozent zurückgegangen. An zukünftige, Zahnärzten wer- den heute etwa 112 Prozent mehr als 1913 aus­gebildet. Das philologisch-historische Studium, das 1913 12 228 junge Leute betrieben, ist um etwa 20 Prozent, dar Studium der Mathematik und Ralurwissenschasten um 23 Prozent zurück- gegangen. Zum Chem:c'tudium tst der Andrang so stark, baß heute die Zahl der angehenden Chemiker dreimal so hoch ist als 1913, wo sie fast 900 betrug. An jungen Apothekern bilden wir etwa 26 Prozent mehr ans als 1913.

An den technischen Hochschulen ist die Zahl der Architektur Studierenden gegenüber 1913 um etwa 26 Prozent zurück- gegangen. An Bauingenieuren bilden wir etwa 2 Prozent mehr als im Vorkriegsjahr aus. Für das Maschineningenieursach ist ein starker Zudrang, und zwar eine Steigerung von 177 Prozent gegenüber 1913. für Elektro- t e ch n i k eine Steigerung von 312 Prozent, für Chemie und Hüttenkunde eine Steige­rung von 197 Prozent sestzustellen das Studium der allgemeinen Wissenschaften an den technischen Hochschulen weist eine Steigerung von 361 Proz. und daS Studium sonstiger Studienfächer eine Steigerung von 197 Prozent auf. Interessant ist schließlich die Feststellung, daß heule viel mehr junge Abiturienten die technischen Hochschulen aufsuchen als 1913. 3m Vergleich mit 1913 bat d i e Zahl der Studierenden der Universitäten 1 92 4 25 nur um etwa 34 Prozent zugenommen, wäh­rend sie an den technischen Hochschu­len um 115 Prozent gleichzeitig ge­wachsen ist.

Zum Schluß seien noch einige Zahlen über das Alter und Verufsziel der augenblick­lich Studierenden an den deutschen Universitäten und technischen Hochschulen wiedergegcben. Es sind zur Zeit etwa 8 Prozent jünger als 20 Iahre. Gin Alter von 20 bis 25 Iahre haben 62 Proz., von 25 bis 30 Jahpe 19 Prozent und über 30 Iahre 11 Prozent. Von den Studierenden der Rechts- und Staatswissenschaften werden ms Be- rufsziele Bankfach, Beteiligung im Handel und Industrie, Richter, Rechtsanwaltschaft, Verwal­tungstätigkeit, Iournalistik in erster Linie an­gegeben. Die Studierenden der philosophischen Fakultäten geben vorwiegend an, daß sie Lehrer an höheren Lehranstalten. Hochschullehrer. Bib­liothekare, Archivare oder Journalisten werden wollen. Von den mathematisch-naturwissenschaft­lichen Fakultäten will sich etwa die Hälfte der Studierenden als Lehrer höherer Lehranstalten und Apotheker, die andere Hälfte in Handel. In­dustrie und Landwirtschaft betätigen

Heber die augenblickliche Zahl der Werk­studenten an den deutschen Universitäten ist zu sagen, daß sie etwa 15 Prozent an den Uni­versitäten, und 9 Prozent an den technischen Hochschulen ausmacht.

Gegenwartslehren aus Ernst Moritz Arndts

Schriften.

England, sollen wir das beargwöhnen und fürchten? Es ist ein ungroßmütiger Bundesgenoß ge­wesen. Aus unsere Kosten, um unser edelstes Blut hat es Frankreich, den gemeinsamen Feind, nachdem es ihm sein Beliebiges abgenommen, gegen unsere gerechtesten Ansprüche und Rückforderungen geschützt, in unseren inneren deutschen Verhältnissen aber auf das emsigste für die Schwächung, Teilung und Spal­tung gearbeitet. Welche unwürdige Eifersucht und Reid gegen Preußen, weil das schien etwas Großes werden zu können! Welche dreifache Eifersucht würde

es sogleich offenbaren, wenn Deutschland je in die würdige Stellung kommen könnte, nur den Anfang einer «eemacht zu bilden?

Engländer, ihr wäret einst ein edles Volk, dach icnc Epachc liegt weit hinter uni Re 4)tum nb Macht erzeugten Uebermut und Laster, Ungerechtig­keit und Unterdrückung gegen Fremde folgten. Was sich draußen erzeugt hatte, wirkte nachher auch da­heim bei dem Bürger und gegen den Bürger. Am Ganges, am Senegal und auf Jamaika gingen die Sitten und Tugenden und die brave Verfassung der Engländer unter , aus Unterdrückern wurden Unter­drückte, aus Despoten Sklaven. Solltet khr unter­geben und der Franzose für euch der See- despot werden, so ist die letzte europäische Frei­heit hin. Ihr werdet untergeben durch feinen als durch euch selbst, wenn ihr euch nicht bessern könnt. Gemeine Verachtung des Edelsten, Schätzung aller Dinge nach dem Golde, Würdigung der Rationen nach den Reichtümern, Riedertretung der Armut und Uebermut eurer Rabobs sprechen euer Todes urteil. England fällt nicht durch Krieg, es fällt durch Laster und Verbrechen.

Die Franzosen das waren die allen Reichsfeinde. Sie haben es keinen Hehl, daß sie unter uns und lieber noch über uns mitsprechen und herrschen wollen. Für sie gibt es uns gegen­über keine Heiligkeit der Verträge, keine Wohlan st ändigkeit, welche in Zeit des Friedens wenigstens in öffentlichen Verhand­lungen die Völker einander schuldig sind. Denn von der Rednertribütte ihrer Parlamentshäuser sprechen sie jeden Tag gegen uns nur Treulosigkeit, Ver­achtung und die Hoffnung aus. von uns wieder Beule zu machen. Und es wären unter uns immer noch so gutmütige Toren, die sich von diesen Prah­lern immer noch aufbinden ließen, daß sie die Füll rer der europäischen Bildung, Menschlichkeit und Freiheit seien? Man kann dieses Volk immer noch mit vier, fünf Worten beschreiben, wie die römischen Geschichtsschreiber es schon geschildert haben: Es ist neuerungssüchtig, herrschsüchtig, eitel und prahle­risch und des Wechsels und Aufruhrs lüstern. Sie werden, sobald sich eine günstige Gelegenheit zeigt, sich wieder auf den Rhein versuchen und auch von ihren Brückenköpfen heraus zu uns herüberspringen. Ja, von den drei Furienbremsen der Habsucht des Stolzes und des Uebermutes gestochen, werden sie wieder heranbrausen, die wilden Massen, lind mit ihrem GeschreiFreiheit und Gleichheit" zu betören suchen.

Die Leibesübungen in der Geschichte d. deutschen Erziehung während des 19. Jahrhunderts.

Von Ernst Deepenbrock.

Ein kurzer Rückblick auf die Geschichte der Leibesübungen vor dem letzten Jahrhundert zeigt uns. daß im mittelalterlichen Schulwesen die christliche Auffassung von dem höheren Werte der Seele die körperliche Erziehung hinter der geistigen völlig zurücktreten ließ. Auch Luthers Wertschätzung der Iugendspiele wurde nicht All­gemeingut der Erziehung, so wenig wie Corn- menius' Forderung leiblicher Ausbildung auf der Schule vorerst nachhaltig wirkte. Immerhin ließen nlanche Stadtschulen besondere Spieltage zu, an denen Wettlaufen, Werfen, Stock- und Kreisel- spiele stattfanden. Andererseits gibt es aus dem 16. bis 18. Iahrhundert eine ganze Reihe von Schulordnungen, welche das Schlittschuhlaufen, das von altersher ausgeübt wurde, ausdrücklich verbieten. Eine Ausnahme machen die Iesuiten- schulen. die ihren Zöglingen winterliche Vergnü­gungen erlauben und die überhaupt sich der Lei­besübungen im späteren Mittelalter mit beson­derem Rachdruck annehmen.

Erst die philantropifchen Destrebungen der Austlärungspädagogen Basedow und nach ihm Ealzmann gaben unter dem Einfluß der Ideen Rousseaus den Anstoß zu natürlicherer Erziehung und zur systematischen Einführung körperlicher Bewegungsspiele. Guths-Muths. Lehrer an der Erziehungsanstalt von Salzmann, verschaffte der

Wenn bic Iugend das Streben Hal, sich selbst zu erziehen, so sind auch nicht minder ein­flußreich auf ihre Entwicklung alle Kreise des Lebens, mit denen der Jugendliche in Berüh­rung kommt. Daher heißt es auch, diese in den Kreis pädagogischer Betrachtungen zu ziehen und die ungewollten Erziehungsmächte der sozi­alen Umwelt fruchtbar zu machen für bewußte Erziehung. Das war ja der Sinn der Aus­führungen von Studienrat Dr. D e h r e n d, der damit eine wertvolle Ergänzung zu dem ersten Dortrage bot.

Durch die Fülle der Fachsitzungen, in denen die alten Sprachen. Mathematik. Naturwissen­schaften und die deutschkundlichen Fächer be­handelt wurden, zieht sich wie ein roter Faden der Gedanke, hier den Unterricht so zu gestalten, die Lektüre so zu wählen, fie so zueinander in Beziehung au setzen, daß der deutsche Mensch erzogen wird, der sich seiner selbst bewußt wird und in feine Zugehörigkeit zum deutschen Volke mit all seinen Fehlern und Vorzügen erkennt, sich hineingestellt weih in diese Volksgemein­schaft und Pflichten ihr gegenüber zu erfüllen hat.

Dem deutschen Gedanken bewußt gewidmet war bie mit dem Philologentag verbunden Ta­gung des Verbandes der deutschen Gelchlchts- lehrer. Stadtschulrat Reimann, der Vorsitzende des Verbandes, sprach das ja in der Begrüßung klar aus. Was dann in den einzelnen Vorträgen Deutschlands erste Gelehrte als Früchte tief­greifenden Studiums vorbrachten, fei es über die Politik der Franzosen gegenüber Deutschland in allen Jahrhunderten, sei es über d e Kriegs- schukdfrage oder über die sogenannten .Repara­tionen". das wird mit ein Baustein sein, endlich einmal die Wahrheit so hoch und fo fest auf- zurichten, dah die Welt nicht mehr daran Vor­beigehen kann.

Der Gesamteindruck der großen Tagung der Philologen und ihre Gäste, der Vertreter der Regierungen, der Städte, der Behörden, der Universitäten, und vieler Verbände läßt er­nennen. dah alle, die hier zusammengekommen find, den guten Willen haben zusammenzu­arbeiten für das gemeinsame Ziel, Fast zuletzt

bringt bann ein Mann den Dank und die Grühc der Deutschen aus Lettland, Estland, Polen. Dan­zig. Oesterreich und Dänemark, selbst aus dem fernen Mexiko. Er erzählt uns, wie auch draußen fie alle sich mit dem deutschen Volke verbunden fühlen, trotz der Grenzen und meeresweiten Ent­fernungen. Er spricht den Dank dafür aus, daß der Deutsche Philologenverband durch seine Hilfe es jenen ermöglicht habe, herüberzukommen und einmal wieder im Kreise deutscher ,Landsleute" zu fein. Da brautft ein Beifall durch den Saal, der den Vertretern von jenseits der Grenze mehr, als Worte es tun können, die äleberzeu- gung mit auf den Rückweg gibt, daß fie nicht vergessen find, daß die deutschen Lehrer der deutschen Jugend die Treue ins Herz pflanzen werden!

Diefe Zusammenkunft war eine Tagung der inneren Einkehr und einer neuen Zielsetzung. Die Philologen sind gewillt, mitzuarbeiten an der Erziehung des Geschlechts das Deutschland zur Gesundung bringen soll. Regierung und Parlamente haben dafür die Voraussetzungen zu schaffen, die für den Erfolg geeignet sind Mögen sie erkennen, was vor 100 Jahren in Preußen erkannt und verwirklicht wurde Dann wird wahr werden, was die Schlußverse des neuen Liedes vom Rhein: .Rheintreue", besagen, in denen der Sänger, ein einfacher Mann aus dem Dolle verkündet:

.Die deutsche Jugend am deutschen Rhein Baut auf, was das Schicksal zerschlagen."

Aus alten Akten.

DieDeutsche Juristenzeitung" hat zum 60. Ge­burtslage Dr. Otto Liebmanns, ihres Begründers und Herausgebers, einmal das Gebiet des Sach­lichen und Ernsthaften oerlasien und eine humo­ristische Sondernummer zusammengestellt, die sich als eine wahrhaft unerschöpfliche Fundgrube für allerlei juristischen Scherz erweist. Nachstehend einige launige stilistische Entgleisungen, die aus alten Akten zusammengefucht sind:

Die nachstehenden Auszüge sind wortgetreu aus den angegebenen Akten entnommen:

Gymnastik Eingang in die Schule. Er führte da« Turnen praktisch und theoretisch ein. 1793 er­schien seine Schrift .Gymnastik für die Jugend" und einige Jahre später .Spiele zur Hebung und Erholung des Körpers und Geiste-".

Entscheidende 'Verbreitung sand die Idee der Gleichberechtigung der Körpererziehung mit der des Charakters neben der Schulung der reinen Verstandesträfte. dann in der Rot der napoleoni­schen Jahre durch das Wirken Jahns und durch die Pflege der Leibesübungen in den studentischen Kreisen der Burschenschaften.

Daß auch Dichter dazu beitragen konnten, einen Sport beliebt und gesellschaftsfähig zu machen, wird durch das Beispiel des Eislaufs bewiesen. Der Wertschätzung des Eissportes hatte nämlich Kkopslock mit begeisterten Versen Raum geschaffen. iDergl. leine Oden: Winterfreuden. Dee Eislauf. Die Eislaufer f AusDichtung und Wahrheit" wissen wir. wie Goethe diese Vorliebe teilte und dem Vergnügen des Eislauf- am meisten neben dem des Reitens huldigte. 3a, der Eissport wurde jetzt in Weimar sogar hoffähig und es galt nicht mehr für unziemlich, daß auch Frauen und Mädchen Schlittschuh liefen.

3m ganzen hatte sich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ein entschiedener Anlauf in der Bewertung der körperlichen Erziehung gezeigt, sowohl im allgemeinen Bewußtsein al- auch in der pädagogischen Praxis und Literatur. Aber der eigentliche große Aufschwung, der zur Sportbewegung unterer Zeit überleitete, setzte erst im 19. Jahrhundert ein, und zwar gegen Ende, nachdem die Welle der Begeisterung zu Beginn des Jahrhunderts, zu Jahns Zeit, längst verebbt war. Man wird nicht leugnen können, daß die ganze neuhumanistische Denkungsart von vornherein den Plänen körperlicher Erziehung wohlwollend gegenüberstand, das ergab sich aus ihrer eigentümlichen Auffassung des Zusammen­hanges von Ratur und Geist. Schellings Idee von der geist-leiblichen Einheit des Menschen mochte in den Bildungsschichten der Ration zur Höher­bewertung der Leibesübungen in der Erziehung unbewußt ebensosehr beitragen wie Kants Ab­handlungen über physische und praktische Er­ziehung, die 1803 erschienen war.

Kant war es, der in der Erziehung de- Kindes ausdrücklich die .Kultur des Körpers" forderte: die verschiedenen Spiele und Hebungen dienen ihm zur Abhärtung und zur Ausbildung der Geschicklichkeit wie des Augenmaßes: die leibliche Erziehung soll zur geistigen Disziplinie­rung beitragen, deshalb muß sie von Anfang an in Hinsicht auf Charakterbildung angeleitet werden. Schleiermacher möchte neben der Kraft des Körpers feine Gewandheit und Anmut aus­gebildet wissen. Solche Bewegungsspiele hält er für die besten, an denen sich die Produktioirskraft des jungen Menschen versuchen und üben kann und die dem Darstellungstrieb reiche Anregung geben.

In der pädagogischen Literatur hatten die Leibesübungen, wie wir sehen, eine immer sicherere und anerkannte Stellung gesunden, nicht so reibungslos aber im praktischen Leben und im Schulwesen. Ihre Ausbreitung wurde lange gehemmt, vor allem wohl durch die Derpönung der politischen Auswüchse der Turnbewegung, obgleich im Laufe der Jahre das Turnen in den Lehrplan der höheren und niederen Schulen aus­genommen worden war. Schließlich lehrte die großstädtische Entwicklung unseres Lebens immer schärfer die Rotwendigkeit körperlicher Stählung und Erholung vor allem der Jugend. Anfang der 80er Jahre zwang Hartwichs Schrift .Woran wir leiden" die Oeffentlichkeit. sich ernster mit der Spielsrage zu befassen und gewahr zu werden, dah die Jugend das Spiel als Erziehungsmittel in hohem Maße brauche: zur gesunden Entfaltung aller und gerade seiner geistigen Kräfte.

Schon ein Jahr später setzte durch besonderen Spielerlaß die Reform der körperlichen Erziehung ein. In Verbindung mit der Wiederbelebung der alten volkstümlichen Hebungen und Spiele und, der Einführung englischer Sporte beginnt dann eine stetig wachsende Wertschätzung der Leibesübungen in der Erziehung.

Anzeige des Polizeikommissars L. zu Rathe­now. Acußerem Vernehmen nach soll die Leiche einem reisenden Musikanten gehören.

Anzeige des Polizeioerwalters H. zu Niemegk. Auf nebenstehender Anzeige begab sich der Unter­zeichnete Polizeiverwalter sogleich zum Str. St. yierselbst

Verfügung des Polizeipräsidenten v. E. zu Potsdam an seinen Kriminalkommissar D. Bäume lassen sich nicht wie Tische usw. hin und her ver­setzen, man muß sich mit seinen Fuhren so einrich­ten, daß man die Bäume schont.

Protokoll über die Vernehmung von C. K. durch den Amtsvorsteher F. zu Dobrikugk. Mein jüngerer Sohn Julius ist im striege gegen Frank­reich 1870 71 gefallen, mährend mein Sohn Moritz sich nur eine Huh Höll.

Protokoll über die Vernehmung von W. L. durch den Pokizeiverwaller H. zu Niemegk. Wenn man schläft, kann man von niemandem gesehen werden.

Auktionsprowkoll des Gerichtsvollziehers R. zu Jüterbog. Die zugeschlagenen Stücke müssen späte­stens sogleich abgenommen werden.

Anzeige des berittenen Gendarmen W. au» Carolath. Das Portemonnaie ist dem P. P. aus dem in feiner mit noch zwei Forstlehrlingen bewohnten Stube hängenden Sonntagsrock gestohlen worden.

Anzeige des Briefträgers G. zu Ainakienhof. Adreßat ist Gestorben durch aufsage seines Sohnes.

Anzeige des Gemeindevorstehers T. zu Vicarey. Sodann wurde die Entsiegekung der hier anwesen­den Erben sowie des Vormundes vorgenommen.

Anzeige des Amtsvorsteherstelloertreters B. zu Earolath. B.'s Frau ist gestorben und hat gebeten, nächster Tage zur Vernehmung hier erscheinen zu dürfen.

Anzeige des Vormundes R. in Liebenzig. Ich halte mich also nicht für verpflichtet, bis T. hinter diesem Frauenzimmer unentgeltlich herzulaufen, da ja doch auch noch mehr Leute sein werden, die ein solches Ehrenamt übernehmen können.

Anklageschrift des Staatsanwalts H. zu Berlin. In vieler Hammer stand ein verschlossener, dem B. gehöriger Lederkoffer, in welchem dieser, in einer Zigarrenkiste liegend, ein Portemonnaie verwahrte.