Ausgabe 
14.11.1925
 
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laux während seiner Anwesenheit in Washington erreicht wurden. Auf der Grundlage dieser neuen Vorschläge werde gegenwärtig zwischen der fran­zösischen und amerikanischen Regierung verhandelt. Painlevs werde so bald wie möglich nach Lon - d o n reisen, um die Schuldenoerhandlungen mit England ebenfalls wieder aufzunehmen.

Die französische Knanzkrisir.

Die französische Regierungsvorlage von der^inanzlommisfion angenommen .

Paris. 14. Rov. (TU.) Dir Finanzkom- Mission der Kammer hat gestern in rascher Qtei-

Demission Les polnischen Kabinetts.

Warschau. 13. OIL (LU.) Heute mittag überreichte der Ministerpräsident G r a b s I i dem Präsidenten Wohziechowski die Ge­sa m t d e m i s s i o n des Kabinettes. Grabski be­gründete seine Demission damit, daß die Dank Pvlski sich den Testimmungen der Regierung nicht fügen wolle und eine eigene Politik eingeschlagen habe. Ferner erscheine im Sejm eine stacke Opposition gegen die Regierung, die mehr einen persönlichen als einen partei­politischen Charakter trage. Da es der Regie­rung trotz aller Bemühungen nicht gelungen sei, sowohl die Tank Polski zu einer Äenderung ihrer Taktik zu bewegen, wie auch eine Ucbereinstim- mung mit dem Sejm zu erreichen, habe sich die Regierung entschlossen, zurück utreten. Er lehne es ab, auch nur vorübergehend die Regierungs- geschäste weiter zu leiten. Prä i.ent Wotz^icchowsli hat die Demission angenommen. 2lls aussichts­reichster Rachsolger Grabskis wird der bisherige Außenminister Graf Skrzynski genannt.

Aus dem hessischen Finanzausschuß.

Darmstadt, 12. Rov. Der Finanzausschub beschäftigte sich in seiner gestrigen Sitzung wieder mit der Besoldung der Polizeibeamten. Es lagen dazu die bereits bekannten Anträge des Abg. Dingeldeh (D. Bp.) vor, wonach die hesst Regierung dem Landtag spätestens bis zum 1. Januar 1926 einen Entwurf zu einem be­sonderen Polizeibeamtengesey vorlegen soll, in dem die Besoldung der Polizeibeamten, einer Höhereinstufung unterworfen werden soll. Dis zu dieser Regelung soll den Polizeibeamten eine gleiche, nur nach Dienstjahren abgestufte Dienstzulage bezahlt werden. Die Deutsch- nationalen verlangen ebenfalls eine ander­weitige Einstufung, und für den Fall, dah dies nicht möglich ist, auch besondere Zulagen. Die Sozialdemokraten verlangen in ihren neu gestellten Anträgen die Bereinigung der Schutz­polizei mit der blauen Polizei und der Gen­darmerie sowie eine Reurcgelung der Besoldung der Polizeibeamten. Die weiteren Anträge der

I Sozialdemokratie zielen auf eine Reur'gelung der

I allgemeinen Desoldun gsori)nung ab. 3n dec Be­ratung wurde zunächst nur die Frage der so­fortigen Beihilfe, gemäß dem Antrag Dingel­deh behandelt. Dor Finanzminlster wandte sich dagegen, weil sie einen Mohraufwand von fast einer Million ausmache, wofür keine Dek- lung vorhanden sei: auch sei nach dem Sperr- gesetz eine besondere Dienstzulage, wie sie hier für die Polizeibeamten gefordert werde, unzu­lässig. Bon der Deutschen Bolkspartei wurde demgegenüber auf die Verhältnisse in Baden hingewiesen. Der volksparteiliche Antrag wurde schließlich von den anderen Parteien ab- gelehnt und ein Antrag Delp (Soz.) an­genommen:Für den bevorstehenden Winter die individuelle Fürsorge für den notleidenden Teil der Beamtenschaft, einschließlich der Pensionäre und der Hinterbliebenen und der ständig voll­beschäftigten Staatsarbeiter, nötigenfalls durch Überschreiten der dafür zur Bersügung gestell­ten Krallte, nach Möglichst zu erweitern und, bei Prüfung der Verhältnisse der Beamten in weitherziger Weise zu verfahren."

Preußischer Landtag.

Berlin, 13. Nov. (TU.) Der Preußische I Landtag setzte die allgemeine Aussprache zum Etat dec Seehandlung fort.

Abg .G r a w (Zentr.) fordert, daß die Staats­bank moderner aufgemacht werde, es bedürfe der Äenderung des Systems, um die Wiederholung fo unangenehmer Vorkommnisse zu vermeiden. Bei

I den Rückzahlungen der an die Landwirtschaft, den

unterhielt.

Am Opernplah hatten kameradschaftliche Ver­eine, ferner das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold sowie die vaterländischen Verbände mit zahl­reichen MusikkapeUen Aufstellung genommen. Rings herum und in den einmündenden Straßen standen dichte Scharen von Zuschauern. Alles in allem eine nach Zehntausendrn zählende Menge. Die Musikkapellen konzertierten, im Hellen Fackelschein patriotische Weisen und Heimatlieder. Ein herrlicher Abend, wie ihn Frankfurt wohl noch ganz selten gesehen hat. Immer und immer wieder ertönten brausende Hochrufe, bis! schließlich nach dem 2. Akt Reichspräsident v. Hind enburg auf dem Balkon erschien. I Da wollte die Begeisterung kein Ende nehmen. Der Reichspräsident hielt dann eine Ansprache, in der er seinen Dank für den herzlichen Empfang in Frankfurt a. M. zum Ausdruck brachte und die Mahnung gab, dem Vaterlands treu zu blei­ben. Die Kapellen intonierten das Deutschland­lied, und aus einer vieltausendköpfigen Menge erscholl in den schonen Abend hinein mächtig das Deutschlandlied, das kurz darauf^ nachdem der Reichspräsident das Theater verließ, auch im kleineren Kreis in den Wandelgängen des Opernhauses zum Abschied gesungen wurde.

Ilm 10.10 Uhr erfolgte die Abfahrt durch die Hauptstraßen der Stadt zum Bahnhof. Ent­blößten Hauptes stimmte die Menge auch hier das Deutschlandlied an. Hindenburg, sichtlich be­wegt, verneigte sich dankend nach allen Seiten hin. ' Nachdem er von Oberbürgermeister Dr. Landinann uni) den übrigen Spitzen der Be­hörden sich verabschiedet hatte, bestieg er mit seinem Gefolge den bereitstehenden Salonwagen und winkte bei der Abfahrt des Zuges noch lange der Volksmenge zu.

Der Notenwechsel zur Entwaffnungsfrage.

Eine Aeutzerung der Havas-Agentur.

Paris, 14. Rov. Rach einem Havasbericht aus London werden die Alliierten unverzüg­lich auf die letzte deutsche Rote antworten. Die Verhandlungen zwischen Deutschland und den alliierten Mächten werden mit größter Schnellig­keit geführt, da die Räumung Kölns am 1. Dezember auf jeden Fall beginnen! soll.

Die letzte deutsche Rote, die Botschafter von Hoesch Driand übergeben habe, gebe eine längere Erläuterung zu den fünf Punkten des vierten I Teils der deutschen Rote vom 23. Oktober. Lieber ihren Inhalt weiß Havas folgendes zu berichten: Zu Punkt 1 (Vollmachten des Generals von Seeckt) wird erllärt, daß Deutschland bereit sei, die Forderungen der Alliierten zu er­füllen. Unter Hinweis auf die moralischenn Schwierigkeiten wird jedoch eine völlige Um- I Wandlung des Großen Generalstabs abgelehnt. Zu 2 heißt es in der deutschen Antwort, daß die Sportvereinigungen in keinem Zu­sammenhang mit der Reick^wehr stehen. Zu 3 wird erllärt, Deutschland besitze kein uner­laubtes Waffenmaterial und die vor­handenen Waffen dienten lediglich zur technischen Ausbildung der Truppen. Punkt 4 (Kanonen der Festung Königsberg). Die Beibehal­tung dieser Geschütze wird unter Hinweis auf technische Gründe als notwendig bezeichnet. Punkt 5 (Polizei bestände). Dir gegenwär­tige Organisation der Polizei ist unentbehr- | l i ch. Angesichts eventueller kommunistischer Un­ruhen sind die jetzigen Mannschaften notwendig. Aus diesem Grunde werden die Verpflichtungen auch nur auf 12 Jahre festgesetzt.

Rach dem Havasbericht haben dir Alliierten auf die einzelnen Bemerkungen Deutschlands wie folgt geantwortet:

Zu Punkt 1: Die Alliierten fordern die Rück­kehr zu der Lage von 1919, als die Reichsarmee dem Kriegsminister unterstellt war. Der Generalstabschef darf nurtechnischeDe- j f u g n i s s e haben. Insbesondere müssen die | Korpskommandanlcn ausschließlich dem Kriegs­minister unter" tt sein. Die Alliierten verlan­gen, daß diese Änderungen gesetzlich sank- tioniert werden. Zu Punll 2: Die Alliierten wünschen das Versprechen, daß die Sportver- einigungen nicht militärisch ausgebaut werden, durch ein Gesetz bekräftigt zu sehen. Zu Punkt 3: Die Alliierten nehmen die Er­klärung Deutschlands zur Kenntnis. Zu Punkt 4: Die Alliierten lassen die technischen Gründe der deutschen Antwort gelten und er­heben keine Einwendung. Zu Punkt 5: Die Alliierten stehen auf dem Standpunkt, daß d i e Polizei keine Reservearmee für die Reichswehr bilden darf. Die Lage ist augen­blicklich die, dah die Polizeimannschaften ein zwölfjähriges aktives Dienstverhältnis eingehen und dann in lokale Polizeiabteilungen übertreten. Die Alliierten wellen, daß dieser Sachverhalt geändert wird und wünschen insbesondere, daß die Dienstverpflichtungen auf Lebenszeit abge­schlossen werden. Außerdem darf die kasernierte Polizei 35 000 Mann nicht übersteigen.

Reue französisch-amerikanische 5 uldenverkandlungen.

Paris, 14. Rov. (WTB.-Funkspcuch.)Iour- nal" berichtet, der amerikanische Botschafter Hobe I dein Ministerpräsidenten Painleotl günstigere Bedingungen für die Schuldenregelung übermittelt, als diejenigen, die von Cail-

In diesen historischen Räumen, die ragende Zeugen der großen Geschichte dieser uralten Stadt deutscher Kultur sind, entbiete ich Ihnen namens der Stadt Frankfurt herzlichsten Willkommen- gruß. 2ff>r Kommen ist uns eine Anerkennung der großen ideellen und wirtschaftlichen Bedeu­tung, die nach dem Verlust chrer politischen Sewständigkeit dieser Stadt verblieben ist. Emp­fangen von LerEhrerbietung derDürgerschaft, um­rauscht von der Begeisterung der Jugend, sind Sie über die Kaisertreppe des altehrwürdigen Römers in den Saal eingetreten, von dessen Wän­den die Kaiserbilder und damit die Sch icksale vonIahrhunderten sprechen. Als Sie hin- austraten auf den Söller, da standen Sie an der Ställe, von der aus dem Volk die Kaiser- Wahl verkündet wurde. 3n diesem denk­würdigen Raum hat vor mehr als 130 Jahren zum letztenmal ein neugewählter Kaiser mit den Kurfürsten deS heiligen römischen Reiches nach alter Sitte zu Tafel aesessen. Wenige Schritte von hier grüßt das wuchtige Massiv ^^Pauls- kirche Grüber, darin die vom Pathos Schillers erzogene erste politische Generation des deutschen Bürgertums mit heißem Herzen nach pvlillscher EinKit und Freiheit, nach des Vaterlandes Große und Gluck rang. In der Eschenheimer Gasse steht das Dun des Palais, der Sih des deutschen Dundeö, des obersten Organes des deutschen Volkes in der trüben Zeit zwischen 1815 und 1866, unweit davon das Haus, worin 18kl das Siegel unter den märchenhaften Aufstieg des deutschen Volkes durch den Abschluß des Friedens von

Frankfurt gesetzt wurde. Diese geschichtliche Berufung Frankfurts hängt eng zusammen mit seiner gütevollen örtlichen Lage. Aber diese Stadt birgt auch die Stätte, an der der größte Genius des Abendlandes fein Sonnenauge zur Welt auf­schlag, sie ist die Stadt, in der Schopenhauer dort, wo jetzt der Reubau der alten Brücke der Vollendung entgegengeht, in Rirwana einging. Aus der Fülle der Historischmr Geschichte sollen diese wenigen Erinnerungen herausgegriffen sein, um Wert und Bedeutung dieser Stadt für das nationale Leben der deutschen Vergangenheit dar» zutun. , r ,

Ich blicke zurück auf die Zeit des ersten Besuches Ihres Herrn Amtsvorgängers, dessen Bild als das eines klugen und mutigen Staatsmannes und eines treuen deutschen Patrioten immer flecken­los erstrahlen wird, je länger die Zeit um fein stilles Grab im Heidelberger Bergfriedhof weht. Ver­gleicht man jene Zeit des Chaos, der unaufhörlichen politischen, sozialen und wirtschaftlichen Damm- brüche mit der Station, an der das deutsche Volk heute steht,' dann darf man dankbar zurückblicken auf diesen Weg einer allmählichen Ge- s u n d u n g. Die Bürgschaft dafür, daß wir durch alle Stürme und Fährlichkeiten der kommenden Zeit dieses köstliche Erbgut retten werden, erblicken wir heute vor allem in der Gesinnung, in der Sie, Herr Reichspräsident, Ihr Amt übernommen haben und führen. Ihr Leben ist für uns die Ver- köroerung der Treue zum deutschen Volk e. Zweimal ist der Ruf des Vaterlandes an Sie ergangen in Ihre hohen Lebenstage hinein, als Ihnen nach langen Jahren dec Pflichterfüllung die wohlverdiente Ruhe als Ehrensold des Lebens ge­bührt hätte. Das war damals, als Sie mutvoll ans Werk gingen, mit wuchtig ausholenden Schlägen den Alpdruck von unserem Volke zu nehmen, den das Eindringen der Russen in deutsches Land er­zeugt hatte. Und bann, als Sie zurückgekehrt aus den schwersten Kämpfen, in denen Sie Jahre hin­durch die ungeheure Verantwortung trugen und deutsches Land vor den Fußtritten der fremden Heere schützten, den Ruf vernahmen, das äußerst würdevolle, aber unendlich schwere Amt des Reichspräsidenten des deutschen Volkes zu überneh­men, da siegte über alle Hemmungen und inneren Kämpfe, über die Scheu vor der neuen schweren Last, deren Sie gewärtig sein mußten, in Ihnen das Gefühl der Pflicht und der Treue zum deut­schen Volke. Diese Hingabe an das große Ganze in jeder Lage ist uns Gewähr dafür, daß Sie Ihr Amt in dem Sinne ausüben werden, in dem es Ihnen vom deutschen Volke anvertraut worden ist.

In Treue f e st, so stehen Sie vor Ihrem Amte und dem Deutschen Reich, für dessen Erhall tung, für dessen Schutz und für dessen Staatsform Sie Ihr Manneswort verpfändet haben. So haben Sie bisher gehandelt, fo wird künftig Ihr Tun fein. Liefer Ihrer Treugesinnung soll nunmehr der Ruf entgegenhallen, zu dem ich die Vertreter der Frank­furter Bürgerschaft und der Spitzen der Reichs- und Landesbehörden auffordere: Des deutschen Volkes Repräsentant, des Deutschen Reiches Präsident, er

Die Fsstvorstellung im Opernhaus

bei der auf Wunsch des ReichspräsidentenFi- garos Hochzeit" gegeben wurde, bildete einen würdigen Abschluß d.L Frankfurter Präsidenten- bcsuchs. Als der Reichspräsident beim Betreten des Haukes von Direktor Müller-Wieland be­grüßt, in feiner Loge erschien, erhob sich das ganze Publikum und bereitete ihm eine ft u r - mische Huldigung. Die Vorstellung, bei der die Hauptrollen mit Walter Schneider, Else Gent­ner-Fischer, Elisabeth Kandt und 2ldolf Peer­mann beseht waren, nahm unter der feinfühligen Leitung von Prof. Clemens Kraus einen glänzenden Verlauf. Auch der Reichspräsident äußerte Direktor Müller-Wieland gegenüber seine hohe Anerkennung über die künstlerische Qualität des Frankfurter Opernhauses, besonders über das heute gezeigte gute Zusammenspiel. Rach der zweiten Pause nahm Oberbürgermeister ®r. Landmann Gelegenheit, dem Reichspräsiden­ten eine Reihe weiterer Frankfurter Persönlich­keiten vorzustAlen, mit denen sich der Reichspräsi­dent in seiner gewohnten liebenswürdigen Weise

henfolge nach kurzer Debatte die Regie­rungsvorlage angenommen. §6 gab zu einem längeren Meinungsaustausch Anlaß. Da der Abgeordnete Bolanowski gegen die Be­stimmung protestierte, die eine Besteuerung der Staatsrenten vorsieht. Der Redner wies darauf hin, daß der französische Staat zum erstenmal unverhohlen sich zur Richterfül­lung der gegenüber seinen Geldgebern einge­gangenen Verpflichtungen bekennt. Das gesamte Finanzproblem bestehe ja letzten Endes in der Wiederherstellung des öffentlichen Kredits. Es erregte Aussehen, daß es von den darauffolgenden Rednern gerade Leon Blum war, der allein den Ausführungen des opposi­tionellen Vorredners sich anschloß und eine ge­milderte Fassung des Paragraphen anregte. ES gelangte sodann ein Antrag (Sutet in diesem Sinne mit 24 gegen 10 Stimmen zur Annahme. Die neue Fassung des Paragraphen besagt ledig­lich, dah auch die Inhaber der Renten- Papiere zum außerordentlichen nationalen Rotopfer herangezogen werden, wahrend es in dem ursprünglichen Text hieß, . daß nur die Staatspapiere mit der außerordentlichen Abgabe besteuert werden. Die Kommission wird ihre Arbeiten heute früh fortsehen und höchst wahr­scheinlich heute abend, spätestens morgen früh zu Ende führen, worauf die Kammerdebatte Montag beginnen wird.

Neuerliche Beschießung von Damaskus.

Paris, 14. Nov. (WTD. Funkspruch.) Rach einer vonRew QJorf Herald" verbreiteten Mel­dung aus Kairo sollen die Franzosen aufs neue Damaskus beschossen haben. Die Be­schießung soll infolge eines eine Rächt andauern­den Kampfes erfolgt fein, bei dem eine starke Abteilung Aufständischer die Stadt geplündert hat. Die englischen Behörden schicken Verstär­kungen an die Grenze, um die Aufständischen an der Betretung ihres Mandatsgebietes zu ver­hindern.

lebe hoch!

Der Reichspräsident dankte mit herzlichen Worten für die Begrüßung und leerte fein Glas auf das Wohl der Stadt Frankfurt.

Rach Beendigung des Frühstückes im Römer, der die ganze 3eit über von einer dichten Men­schenmenge stark umlagert war, erfolgte um 3 injr nachmittags eine

RundfahrtdurchdieStadt wobei dem Reichspräsidenten wieder überall große Ovationen dargebracht wurden. Die Fahrt ging dann wieder durch die Hauptstraßen Frank­furts am Bundespalais vorbei, das Hin­denburg vom Magistrat ja zur Verfügung gestellt wurde, und dann zur U n i b e r f i t ä t. Hier wurde der Reichspräsident mit feinem Gefolge vorn Rektor der Universität Professor Dr. Embden, am Eingang empfangen und zur Festhalle geleitet, wo Vorbereitun­gen für die Einweihung einer Gedenk­tafel für die im Weltkriege gefalle­nen Studenten getroffen waren. Der Rektor dankte schließlich dem Reichspräsidenten für seine Bereitwilligkeit, die Gedenktafel für die im Welt­krieg gefallenen Angehörigen der Universität zu weihen. Darauf legte der Reichspräsident einen Kranz nieder mit den laut durch die Halle dringenden Worten:Ich weihe diese Tafel in Erinnerung an Deutschlands Helden, der Hoff­nung auf unsere Zukunft und in der Mahnung zur deutschen Einigkeit." Unter dem Zu-ammen- klingen der Schläger und dem Gesang des Liedes Ich halt' einen Kameraden" schloß die tiefergrei­fende Feier.

Auf der Fahrt am Messe gelände vorbei betrachtete der Reichspräsident mit sichtlichem In­teresse deren ausgedehnte Bauten. Um 4,15 Uhr traf der Reichspräsident auf dem neuen Frankfurter Stadion ein, wo er von einer vieltausendköpfigen Menschenmenge erwartet und mit stürmischem Jubel begrüßt wurde. Zu beiden Seiten des Eingangs des Stadions hatten sich Abordnungen der hiesigen Sport- und Turnvereine mit ihren Standarten und Fahnen ausgestellt. Rachdem dem Reichspräsidenten die Führer der hiesigen Sportbewegung vorgestellt worden waren, folgten unter Leitung des ota- dionlehrcrs Brechenmacher moderne gym­nastische Hebungen, denen der Reichsprä­sident sichtlich mit großem Interesse folgte. Dem Leiter der Vorführungen dankte er mit Hände­druck für das Gebotene.

Darauf hielt Stadtrat S ch m u d e folgende Ansprache:Liebe Sportgenossen und Turnkame- raden, Turner und Turnerinnen der Stadt Frank­furt a. M.! Geben wir unserer Freude, der Dank­barkeit und des Stolzes, daß wir die Ehre haben, heute hier im Stadion, im deutschen Wald, den Präsidenten der deutschen Republik begrüßen zu dürfen, dadurch Ausdruck, daß ich bitte: Erheben Sie sich von Ihren Plätzen und stimmen Sie mit mir ein in den Ruf:Der Präsident der deutschen Republik, Exzellenz von Hindenburg, ihm sei gewidmet ein Dreifach, donnerndes, kräftiges Hipp hipp hurra!" Die Erschienenen stimmten begei­stert ein und fangen im Anschluß daran das Deutschlandlied. Bei der um 530 Uhr erfolgten Abfahrt war Hindenburg wiederum Gegenstand begeisterter Kundgebungen, ganz be­sonders der Sportler, die das Auto in Massen förmlich umringten, um den Präsidenten nochmals zu sehen, als er freundlich zum Abschied winkte. Auf besonderen Wunsch des Reichspräsidenten wurde auf der Rückfahrt auch noch kurz das Goethehaus besichtigt. Wie bei der An­kunft. so trat auch bei der Rundfabrt der Reichs­präsident überall Gegenstand lebhaftester Hul­digungen der in ungezählten Tausenden die Stra­ßen besetzt haltenden Menschenmenge.

allen neue Kraft und Stärke und unterem Dater- lande eine lichtere Zukunft beschieden fein!

Dann stellte der Staatspräsident Ulrich die Erschienenen vor. Der Reichspräsident bewegte sich zwanglos durch die Versammelten, drückte jedem der Erschienenen die Hand und sprach mit ihnen einige Worte.

Dre Abreise des Reichspräsidenten.

Um 11.45 Uhr folgte der Reichspräsident einer Einladung deS hessischen Staatsministenums zu einem Heinen Imbiß im Hotel3ur Staube , woraus 12.15 Uhr die Abfahrt zum Bahnhof und die Weiterreise nach Frankfurt 12.24 Uhr erfolgte. Auch während der Fahrt nach dem Bahnhof bildete eine vielta ufen d° köpfige Menge in den Straßen Spalier und jubelte dem Reichspräsidenten zu. Das Auto des Reichspräsidenten wurde, tote bei dem gestrigen Empfang, von je einer Halbeska­dron berittener Schutzpolizei begleitet.

5n Frankfurt.

Frankfurt a.M., 13. Rov. (WTD.) Schon seit den frühen Morgenstunden ist das Straßen­bild der a'ien Reichsstadt völlig unter dem Ein­fluß des Besuchs des Reichspräsidenten, obwohl dessen Eintreffen erst für die Mittagsstunden in Aussicht steht. Der Bahnhofsvlatz und Die Straßen, durch die die Rundfahrt führt, sind mit Fahnen reich geschmückt. Von einer besonderen Ausschmückung ist auf ausdrücklichen Wunsch Les Reichsprä Le : en Avstar.d genommen worden. Rur der Eingang der breiten Kais er­straße zeigt zwei mächtige Pylonen, ebenso der Römer, das alte Wahrzeichen der Stadt, von Künstlerhand in reichen Blumenschmuck ge­hüllt, durch den sich auch Oper und Hauptbahn- Hos auszeichnen. Von 11 Uhr ab beginnt der Aufmarsch der spaüerbildenden Verbände, wah­rend sich der weite Platz vor dem Römer mit über 20 000 munteren Schulkindern nach und nach füllt.

C arte Bewegung unter Der unübersehbaren Menge, die den Bahnhofsplatz beseht hälL zeigt gegen 1 Uhr an, daß Der Zug, der den Reichs- Präsiden '.en und feine Begleitung von Darmstadt bringt, soeben eingelaufen ist. Reichspräsi­dent v. Hindenburg entsteigt Dem Zuge in Begleitung, des StaatssekreiärS Meißners und seines persönlichen Adjutanten Majors von Hindenburg, wechselt kurze Begrühungs- toDtle mit Oberbürgermeister Dr. Landmann, General Reinhardt, dem stellvertretenden Polizeiprasiden'en Dr. Hammacher, demPrä- sidenien der Reichseisenbahndirektion Frankfurt, Geheimrat Roser, und dem Stadtverordneten­vorsteher H e i ß w o l s f, und begibt sich Dann auf wenige Minuten in das Fürstenzimmer des Tahn- hoss. In Autos wird Dann über den Bahnhoss- vlatz und Die breite Kaiserstraße Die Fahrt nach dem Römer angetreten, während Flie­ger über der Stadt kreisen und von sämtlichen Kirchen ein stimmungsvolles Geläut anhebt.

Der Jubel der Menschenmenge beim Anblick der ehrfurchtgebietenden Gestalt des Reichspräsi­denten ist unbeschreiblich, Pflanzt sich durch alle Straßen fort und kommt noch einmal besonders stark in Tausenden und Abertausen - den Heller Kinder stimmen zum Ausdruck, als das Auto des Reichspräsidenten aus den Römerberg einbiegt. Beim Betreten der Römer- falle überreichte Die Tochter des Stadtrats Meck­bachs dem Reichspräsidenten einen Blumen­strauß und sprach dabei folgende Verse: Warum läuten Die Glocken so rein unD hell? .Warum schlägt mein Herzchen so froh und schnell? Warum wehen die Fahnen aus jedem Haus?

i Und wer kriegt den schönen Blumenstrauß? Wir wissen es alle, groß und klein!

7 Das kann heut' nur für einen fein! Für einen, den wohl jeder kennt, ' Für unfern lieben Reichspräsident.

Da nimm die Blumen, Du treuer Held, Sie blühen für Dich auf deutschem Feld. Rimm noch dazu meine kleine Hand: Gott segne Dich und das Vaterland!

5m großen Kaisersaal des Römers

hatten sich inzwischen etwa 300 Persönlichkeiten, Vertreter der städtischen und staatlichen Behör­den, der Kunst und Wissenschaft, des Wirt­schaftslebens und der Derufsverbände eingefun­den. Reichspräsident v. Hindenburg lieh sich die einzelnen Persönlichkeiten vorstellen. Unbeschreib­licher Jubel wurde laut, als sich der Reichspräsi­dent auf den Ballon begab. Don hier aus richtete 5)inbenburg an die Jugend herzlich? und eindrucksvolle Worte, mahnte sie, dem deutschen Vaterland die Treue z« bewahren und brachte ein Hurra aus unser gäiebtes und so schwer ge­prüftes Deutschland aus, das bei der allein an dieser Stelle nach Zehntausenden zählendenMenge begeisterten W.derhall sand, und im Anschluß Daran dasDeutschlandlied" gejungt n wurde. Es fand Dann ein Frühstück statt, bei dem Oberbürgermeister Dr. Landmann in feiner Be­grüßungsansprache u. a. folgendes ausführte:

Herr Reichspräsident!