Ausgabe 
14.10.1925
 
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gerichtet werden. Bereits im Laufe des letzten Jah­res haben sich die Verhältnisse im Saargebiet soweit geändert, daß die Besetzung des Saarge- bietes für die französische Regierung z u einer schweren Arbeit geworden ist, die ihr jährlich etwa 10 Goldmillionen kostet. Die Jahrtausendfeier hat auch für die französische Re­gierung den Beweis erbracht, daß bei einer Ab­stimmung im Saargebiet nicht ein Prozent der Saarbewohner seine Stimme für Frankreich abgeben würde. Je länger die Volksabstimmung yinausgeschoben wird, um so mehr kräftigt sich der nationale Gedanke unter den Saarbewohnern. So ist denn auch in maßgebenden Kreisen des Völkerbundes die Anschauung vertreten, daß Frankreich eine Abstimmung heute nicht mehr riskieren kann, ohne sich der größten Blamage auszusetzen. Es ist heute bereits soweit, daß die Stimmung im Saorgebiet vom französischen Standpunkt aus eine ernste G e ° fahr für das benachbarte Elsaß-Loth- ringen bedeutet.

Englische Pressestimmen.

London, 14. Olt. (WTD. Funkspruch.) Times" berichtet aus Locarno u. a. zur Frage deä Artikel 16 der DolkerbundÄsahungen: Groß­britannien. Frankreich, Belgien und Italien er­klärten, es liege außerhalb ihrer Zuständigkeit, über eine Frage zu entscheide, deren Beurteiler einzig und allein der Völlerbund sei. Sie erkennen jedoch jeder an. daß das Maß, bis zu dem jedes Mitglied des Völkerbundes gezwungen sei bei der Durchführung einer Entscheidung des Völker­bundes auf Grund des Artikels 16 mitzuwirken, notwendigerweise in jedem Falle b c - schränkt sei durchdiernaterieNenMit- tel und die geographische Lage des Mitgliedes. Es verlautet, daß eine endgültige Vereinbarung durch eine Reihe von Einwänden, die von einzelnen Delegationen erhoben wurden, verzögert worden sei.

AuchDaily Rews", die in SperrdruckDen Pakt in Sicht" verkündet, bezeichnet die Haupt- schwierigkeiten hinsichtlich des Artikels 16 als überwunden und schreibt weiter:Der Pakt ist so gut wie vollendet und Deutschland ist so gut wie versprochen worden, daß Köln ge* UM t wird, sobald der Pakt untereschnet worden ist, und daß die Besetzung in den anderen Zonen gemildert oder so gut wi eunsichtbar gemacht wird. Die Verkürzung der D e s e tz u n g s f r i st. die von Deutschland verlangt wurde, ist aber abgelehnt worden."

Die Sozialdemokraten gegen Malaja.

Stürmische Sitzung im österreichischen Nationalrat.

Wien. 13. Olt. (WB.) Die heutige Ra­tionalratssitzung war der Schauplatz eines äußerst heutigen Zusammenstoßes zwischen den Sozial­demokraten und dem Außenminister Dr. Wataja. Gegenstand der Beratung war die zweite Le­sung der jüngst vom Hauptausschuft mit Mehr­heit angenommene Resolution des Völkerbundsrates. Der Sozialdemokrat Leuthner kritisierte in scharfer Weise die Tätigkeit des früheren Bundeskanzlers Dr. Seipel und des Finanzministers Kienboeck sowie die Haltung der Mehrheitsparteien uni) insbesondere der Großdeutschen Partei. Leuth­ner besprach ausführlich die Rotwendigkeit des Anschlusses an Deutschland. Die Angriffe Leuth- nerS wandten sich darauf gegen den anwesenden Außenminister Dr. M ata ja, den er als den ärgsten Wühler gegen den Anschluß und als den schlimmsten Feind, den Deutschland in Oesterreich besitze, bezeichnete. Was soll man. so fuhr Leuthner fort, aber zu der Mehrheit sagen, welche hier wiederholt dem Anschluß zu­jubelte oder zustimmte und welche daneben einen Menschen als Außenminister duldet, welcher in ganz Europa als Ausdruck der Gegnerschaft ge­gen den Anschluß gilt. Denn nicht nur wir nen­nen ihn so, sondern ganz Europa nennt ihn so. Soll ich erst von den Zeugnissen reden, welche ihm seine französischen Herren und Gebieter, denen er seine gehorsame Dienste erweist, geben?

Mataja richtete an die Opposition die Frage, ob sie denn nicht Leuthners Ausführungen mißbillige. Die Sozialbemokra'.en antworteten mit stürmischen Rein-Rufen. Dr. Mataja erklärte, die Behauptungen Leuthners entbehrten jeder Grundlage. Wenn er sein persönliches Empfinden während der Darlegungen Leuchners kennzeichnen wolle, so müs'e er sagen, es sei ihm gewesen, als ob neben ihm et^as Unappetitliches, etwas Lln- sauberes ..... Weiter konnte er nicht sprechen,

denn

auf den Bänken der Opposition erhob sich ein furchtbarer Sturm.

Die Sozialdemokraten stürzten gegen die Minifterbank Leuthner schlug wiederholt vor Mataja mit der Faust auf den Tisch und rief: Frecher Lausbube, nimm Dein Wort zurück! Sodann schlug Leuthner noch ein vor dem Mi­nister liegendes großes Aktenbündel mehrfach mit großem Krach auf die Bank und stürzte dann hinter^ die Ministerbank auf Mataja zu. Rur mit Mühe ge'ang es seinen eigenen Vartei- geno'sen, ihn zurückzuhatten, während sich Bun- deskanzler Ramek schützend vor den Außen­minister stell! e.

Man sah, wie der Bundeskanzler von der Ministerbant aus auf den sozialdemokratischen Führer Dr. Bauer einsprach. Von den sozial­demokratischen Danken wttd immer der Ruf: ckibt keine Sitzung ohne Abbitte!" hörbar. Die um 5 älhr unterbrochene Sitzung wurde um 7V» Uhr Wieder ausgenommen. Die Obmännerkonferenz, die sich, wie verlautet, für die Entscheidung deS Zwischenfalls inkompetent hinstellte, erklärte, es sei Sache der Regierung, festzustellen, ob sie sich mit Mataja solidarisch erkläre.

In der zusammengerufenen Obmännerkonse­renz richteten die Vertreter des sozialistischen Verbandes an die Regierung zwei Fragen. 1. Identifiziert sich die Regierung mit den unflä- tigen Beschimpfungen, welche der Mini­ster Mataja heute gegen den Abgeordneten Leuthner ausgesprochen hat. 2- Ist die Regierung bereit, dem Verbände der sozialdemokratischen Abgeordneten für diese Beschimpfung Genug­tuung zu geben. In parlamentarischen Kreisen wurden Stimmen laut, die von der Möglichkeit des Ausscheidens Dr. Matajas aus dem Kabinett sprechen Abends wurde jedoch von den führenden Mitgliedern der Mehrheitsparteien er­klärt, daß keine Krise bestehe und der Zwi­schenfall voraussichtlich bis zum Beginn der mor­

gigen Sitzung beigelegt sein wird. Die Regie­rung erklärt, daß für den Ministerrat keine Ver­anlassung vorliege, irgendeinen Beschluß zu fassen.

Die Trauerfeier für Hugo Preuß.

Berlin, 13. Oft. (Wolff.) Im Preußischen Landtag fand heute vormittag die Trauerkund­gebung für den Aeichsministcr a. D. Professor Dr. Hugo Preuß statt. Treppenhaus und Wandelhalle waren mit Blattgrün und Trauer­flor weihevoll geschmückt. Den in der Wandel­halle aufgebahrten Sarg umgab eine Fülle von Kränzen. In Anwesenheit der Witwe und der Angehörigen des Entschlafenen, zahlreicher Ver­treter der Reichsregierung, der Staatsregierung, sonstiger Behörden und vieler Abgeordneter er­öffnete R e i ch s m i n i st e r D r. Brauns die Feier, indem er das Beileid der Reichsregierung ausdrückte und das Werk des Dahingegangenen würdigte. Der Vorsitzende der Demokratischen Partei, Reichsminister a. D. K o ch, «feierte den Verstorbenen gleichfalls als Schöpfer der Reichs­verfassung und entwarf ein Bild seines Lebens. Üandtagspräsident Bartels hob hervor, daß der Verstorbene bis zuletzt unermüdlich im Par­lament und in den Ausschüssen gearbeitet habe. Iustizrat Falk- Köln, der Vorsitzende der de­mokratischen LandtagsfraktiLn, feierte Preuß als Freund, Weggenossen und Führer der demo­kratischen Fraktion. Dann wurde der Sarg unter den Klängen des Harmoniums aus dem Saal geleitet.

Handwerkstagung der deutschen Dolksparter.

Goslar, 13. Oft. (T. U.) Der Reichshand­werkerausschuß der Deutschen Volkspartei hielt unter Beteiligung namhafter Handwerkerführer aus ganz Deutschland eine Tagung ab, auf der Staats­sekretär a. D. K e m p t e s einen Vortrag über die politische Loge hielt. Reichstagsabg. H a v e m a n n- Hildesheim sprach über Handwerkerfragen und be­tonte die Notwendigkeit einer neuen Reichs­handwerkerordnung sowie eines eignen Staatssekretariats für das Handwerk. Eine Entschließung verlangt Fortführung der Steuerreform, äußerste Sparsamkeit in allen Ver­waltungen, einheitliche Regelung des öffentlichen Verdingungswesens, Beachtung des Preisgoba- r e n s bei Kartellen und Syndikaten. Das Hand­werk erklärt sich bereit, die Bemühungen der Re­gierung um den Preisabbau zu unterstützen.

Raubbau im Saargebiet.

Saarbrücken, 13. Olt (TU.) Rachdem schon der saarpfälzische Ort Schnappach dem Raubbau der französischen Grubenverwältung zum Opfer gefallen ist, werden jetzt neue Bodensenkungen aus dem Ort Dudwerler gemeldet. In der Dähe des Schiedebornschachtes hat sich in nördlicher Rich­tung der Boden in einer Länge von rund 250 bis 300 Meter ungefähr 23 Meter breit ge­senkt Der ganze Strich zeigt tief llaffende Oeffnungen. Stellenweise ist der Boden der- <utig gespalten, daß eine Oeffnung gähnt, durch die man in grundlose Tiefe blickt. Die Bevöl­kerung Dudweilers ist durch diese Zerstörung sehr beunruhigt.

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Ende der Operationen in Marokko.

Paris, 14. Olt. (WTD. Funkspruch.) Aach einer Havasmeldung aus Fez werden die aktiven militärischen Operationen demnächst e i n g e- st e l l t werden, da die Franzosen und die Spanier alle Ziele erreicht hätten und die gegen­wärtige Regenzeit neue Offensiven unmöglich mache.

Kleine politische Nachrichten.

Vom 15. bis 30. September ist die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger in der Erwerbs- los en für sorge von 252 000 aus 266 000, das heißt um 5* Proz. gestiegen.

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Dom Kriegsgericht Lüttich wurde in contu­maciam der bekannte deutsche Schriftsteller, Hauptmann Paul Oskar Höcker, wegen angeb­licher Kriegsgreuel zum Tode, zur Degrada­tion und zum dauernden Aufenthaltsverbot in Belgien verurtellt Höcker wird in der Anklage beschuldigt, am 18. August 1914 in dem nur eine gute Stunde von Aachen gelegenen Mores- ney den Desehl gegeben zu haben, den Landwirt Wilhelm Schmeeh ohne Gerichtsurtell zu er­schießen, weil er im Besitz eines in seinem Hause an der Wand hängenden Floberts, Kaliber 9 Millimeter, getroffen worden sei.

Der französische Flieger Coste, der kürzlich wegen des Versuchs, deutsches Gebiet unbefugt zu überfliegen, zu einer Gesamtstrafe von 5000 Mark verurteilt worden war, von denen noch ein Rest­betrag von 2600 Mark zu bezahlen war, übergab der Freiburger Staatsanwaltschaft als Abschlags- zahlung den Betrag von 2600 Franken, was un­gefähr 507,50 RM. entspricht.

Amerikanische Truppen haben die Stadt P a - nama auf Ersuchen der dortigen Regierung besetzt, da in der Stadt feit einigen Tagen Streik- Unruhen herrschen, mit denen die Polizei nicht fertig werden konnte.

Aus aller' Welt.

Riesenbetrug bei der Reichsbarrk.

Dom Reichsbankdirektorium wird dem WTD. mitgeteilt: Bei der R eichs ba n k st e l le Char- lottenburg sind vor einigen Tagen Verun­treuungen eines Beamten, des am 1. Oktober d. I. in den Ruhestand getretenen Reichsbankober­inspektors Franz Arnold aufgedeckt worden.

hat sich durch raffinierte Fälschungen bon Belegen und falschen Eintragun­gen in die von ihm geführten Bücher einen betrag von etwa Vs Millionen Mark ungeeignet. Die Fälschungen und Veruntreu­ungen liegen zum Teil mehrere Monate zurück. 2?lx Schaden der Reichsbank sein

wird, steht noch nicht fest. Arnold ist am Montag a < c * worden. Die Ermittlungen über die $tlföberf°nen. ohne die Arnold sein Verbrechen mcht hatte ausführen können, sind noch im Gange.

Auch die Feststellungen über den mißglückten, dank der Aufmerksninteit eines Breslauer Reichs- banlbeamten vereitelten Plan einer betrügerischen Ueberweisung von Charlotlenburg nach Breslau sind noch nicht abgeschlossen.

Acht Personen verbrannt.

Marktredwitz, 14. Oft. (WTB. Funkspr.) In der vergangenen Nacht gegen 2 Uhr entstand in dem Gebäude der Oberfränkischen Porzellan- fabrif Vates & Co. in Marktleuthen aus un­bekannter Ursache ein großer 'Brand. Das Neben­gebäude brannte bis auf die Umfaffungsmouern nieder. Die im oberen Stockwerk wohnende Familie des Porzellan-Oberdrehers Martin mit zusam­men acht Köpfen konnte infolge des rasend schnellen Umsichgreifens der Flammen nicht mehr ge­rettet werden und kam in den Flammen um. Den Bemühungen der Feuerwehren gelang es erst in den Morgenstunden, des Feuers Herr zu werden.

Ein neuer Komet entdeckt.

Wie der Leiter der Sternwarte in E h a r« fotD (Südrußland) telegraphisch mitteilt, ent­deckte der Astronom Darabaschow des genannten Observatoriums am Abend des 9. Oktober einen neuen Kometen im ©ternbilöe des Pegasus südöstlich vom Sternbilde des Theta. Das Gestirn besitzt die Helligkeit eines Sternes von der Größe 5,5, die etwa die Sichtbarkells- grenze für das bloße Auge bildet. Der Komet zeigt einen deutlichen Schweif und kann schon mit schwachen optischen Hilfsmitteln beobachtet werden.

Gießener Stadttheater.

Saus Rosenhagen".

Schauspiel in drei Aufzügen von Max Halbe.

Wedekind betrat ein Speiselokal dessen alle Tische besetzt waren, bis auf einen .an dem nur Halbe sah, mit dem er geradebös" war. Er ging trotzdem auf den Tisch zu und fragte, ob hier Platz sei.

Ich pflege allein zu essen" sagte Max knurrend.

Wedekind wies auf den Kalbskopf, den der berühmte Dramatiker verspeiste und sagte:Aber Sie sind doch bereits zwei, Herr Doktor Halbe!"

Adolf Bartels kennt in seiner Geschichte der deutschen Literatur das StückHaus' Rosen­hagen" überhaupt nicht . Der Frankfurter Pro­fessor Alfred Diese sagt davon, es fehlt nicht an lyrisch gehobenen Szenen, wohl aber an der überragenden Gestalt, die den Mittelpunkt bil­det, an einer wirklich tragischen Idee. Alles zerrinnt in Willkür und ungeklärter Wirrnis. Die Zusammenhänge der Handlung wirken nicht überzeugend. Die Menschen entwickeln sich nicht aus inneren Lebensgesehen: sie reden zu viel um der Bühnenwirkung wlllen. So fein das Ein­zelne ist, so haltlos ist das Ganze.

Der Mittelpunkt des Konfliktes ist recht eigentlich eine Wiese, die der Famllie Rosen­hagen in ihrem Ausdehnungsdrang im Wege ist. Was der Vater nicht vollendete, das ver­sucht der Sohn. Als er das entscheidende Do- turnen! vom Gericht geholt hat. erschießt ihn sein Rachbar . älnd so kriegt er die Wiese nicht. Zwei Frauen, die um ihn zu kärnpfen bereit sind, gehen auf diese Weise auch leer aus. älnd die Großmutter, die schon am Beginn des Stückes gesagt hatte, sie wolle alle überleben, hat am Ende recht behalten.

Die Aufführung gab zwei neuen Kräften unseres Ensembles Gelegenheit, sich in zwei größeren Rollen einzusühren. Friedrich G e f s e r s als Karl Egon Rosenhagen, durch Manneswort an die heimische Scholle und an das Versprechen des Vaters gefettet, im Kampf um die Geliebte, im Streit mit dem feindlichen Rachbar. gab, was sich aus der Rolle gestalten ließ. Ise Ohke spielte die etwas beweglichere Hermine Diester- kamv, in der noch das Blut der Eltern. Wander- blut, lebendig rollt. Stimmlich klangen weibliche Töne sympathisch an, in der Bewegung mißte man eine gewisse Disziplin, die gerade hier am Platze gewesen wäre. Die 6e:ben Gegner Rosenhagen und Voß waren durch Adolf Telekh und Paul Schubert vertreten, beide gut in der Maske, Teleky beweglicher, mit einem Funken Geistigkeit, her. mifjgeleitet, zur Habgier sich umbiegt, Schu­bert von pommerisch-westvreußischer Starrheit, die ihren Weg schnurstracks durchgeht. Die alte Rosenhagen der Auguste Marcks war eine gute, geschlossene Leistung, auch Karl Volcks Inspektor Rathke war eine seiner wohl- vertrauten gut charakterisierten Typen. Die un­dankbare Rolle der Martha Reimann spielte Susanne Hehm, die kleinere des Primaners Fritz Julius Baste, off mit etwas billiger Komik. Karl Juhnke war der Agent Wegner Vaul Gehre Pastor Siebert. Bleiben noch Kurzhofss Arzt. Stichels halb sächsisch, bald polnisch redender Bnmkewifsch und Erika Robrs gut karrikiertes Dienstmädchen.

Aus die Ausstattung war offensichtliche Sorgfalt verwandt, wie denn überhaupt die Aufführung im gan-en (Spielleitung Karl D o 1 ck) einen angenehm fleißigen Eindruck machte.

Als Halbe, der Dichter derJugend" (zu dessen 60. GeburtstagHaus Rosenhagen" hmr gegeben wurde), sich bei Wedekind über das ab- fällige Urteil dummer und mißgünstiger Kri­ttler beschwerte, sagte dieser:

Run. was stört Sie das. Sie, den ersten Dichter Westpreuhens!" C-_s

Wettervoraussage.

Roch vorwiegend wolkig bis bedeckt, frische Winde zunächst aus westlicher, dann aus nörd­licher Richtung, Temperaturen wenig verändert, Riederschläge später nachlassend.

Das nordische Störungsgebiet ist etwas nach Süden vorgestoßen und hat sich außerordentlich verstärkt. Mit feinem Kern liegt es heute über bet Ostsee, während seine Ausläufer bereits bis nach Oberitalien reichen. Es ist zu erwarten daß es nun rasch nach Sudosten abziehen wird, besonders, da aus England schon starker Druck­anstieg gemeldet wird. Rach einigen leichten Riederschlägen ist mit beginnender Aufklärung Zu rechnen, die aber eine neue Kälteperiode im Gefolge haben dürfte.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 9,8. Minimum 3,8 Grad Celsius. Riederschläge: 6,1 Millimeter. Heutige Morgentemperatur: 4,9 Grad Celsius.

Aus der Provinziashauptstadt

Gießen, den 14. Oktober 1925. I gurAusstellungMutlerundKind Die Entwicklung der ärztlichen Wissenschaft und vielleicht noch mehr die des gesamten Wirt­schaftslebens, nicht zuletzt auch die immer weiter ausgedehnte Sozialversicherung. haben es in den letzten Jahrzehnten mit sich gebracht, daß die Einrichtung des Hausarztes der früheren Zeiten, der seinen Schützlingen nicht nur in kranken, son­dern auch in gesunden Tagen ratend und helfend zur Seite stand, mehr und mehr in den Hinter­grund getreten und schließlich fast restlos ver­schwunden ist. Damit ist die eine Hauptaufgabe der Medizin, die beratende, aufklärende und vor­beugende Tätigkeit, den Händen des Arztes zum größten Teil entrissen worden,' ihm fällt im wesentlichen nur noch die Behandlung des er­krankten Menschen zu. Man mag diese Erschei­nung bedauern, wird sie aber kaum rückgängig wachen können und muß sich damit abfinden. Daß andererseits auf diesem Gebiet der Fürsorge und der davon untrennbaren Belehrung, einem Ge- biet, dessen Bedeutung sehr stark zugenommen hat und immer noch weiter zunimmt, Staat und Gemeinden sehr eifrig tätig sind, wird auch der bereitwillig anerkennen, der mit den einaeschla- genen Wegen nicht in allen Fällen ynDcrftanben ist- Aber, wie auf so vielen anderen Gebieten, auch hier können die Behörden nicht alles machen, es bleibt immer noch ein sehr reiches Feld der Tätigkeit für private Stellen! Um so größer ist die Freude und Genugtuung für jeden, dem es ernst ist um die Erhaltung der Vottsgesundheit, wenn er dieses Feld so hin- gebungs- und wirkungsvoll bestellt sieht, wie durch die WanderausstellungMutter und Kind", die uns hier jetzt gezeigt wird.

Es kann nicht Aufgabe dieser Zeilen sein, die Ausstellung zu schildern. Das würde gar leinen Zweck haben, denn die Ausstellung muß gesehen, muß eingehend und möglichst meftr- fach besichtigt: man möchte sagen erlebt wer­den. Und jeder, der sie sieht, mag er selbst noch so viel Erfahrung und Wissen auf diesem Gebiet besitzen, wird Belehrung finden und zum Rach­denken angeregt werden, jeder wird auch etwas finden, das i h n angeht, dennMutter und Kind" das bedeutet nichts anderes als das Leben unseres Dolles, also eine Frage, bei der niemand abseits stehen darf!

Mit Recht ist Rahmen und Ziel der Aus­stellung viel weiter gesteckt worden als der Rame zunächst erkennen läßt. Wohl nehmen die ein­drucksvollen Darstellungen, die sich auf die Pflege der jungen Mutter und des kleinen Kinoes beziehen, den größten Raum ein, aber wohl ebenso bedeutsam müssen die anderen Gruppen erscheinen, insbesondere auch die ersten beiden Eignung zur Elternschaft" undWeib und Mutterschaft". Die packenden und zum Teil er­schütternden Dilder und Tafeln, die die verheeren­den Wirkungen des Alkoholmihbrauchs und der Geschlechtskrankhellen zeigen, werden, besonders im Verein mit den von hohem sittlichen Ernst, getragenen Worten, mit denen der Leiter der Ausstellung sie begleitet, einen tiefen Eindruck auch auf den nicht verfehlen, der in der Alkohol- frage auch einen etwas weniger strengen Stand­punkt gelten lassen will, als ihn derGuttempler- vrden". bekanntlich der Besitzer der Ausstellung^ verficht.

Diese und die nächsten Gruppen gehen mit Recht nicht vorbei an demheiklen" Gebiet, das mit dem viel gebrauchten und mißbrauchten Schlagwortsexuelle Aufklärung" zusammen- hängt. Mit vollem Recht vertritt die Ausstel­lungsleitung den Standpunkt, daß hier ernste, sachliche Belehrung unendlich viel besser ist, als sinnlich betontes, neugieriges Halbwissen, und daß auch Heranwachsenden, von dem Aller an. in dem derKlapperstorch" nun doch einmal seine Dolle ausgespielt hat, die Ausstellung auch in diesen Teilen gezeigt werden kann und soll, möglichst natürlich unter sachgemäßer Führung. Gerade Ellern, die den Wunsch haben, ihren Kindern die oft so quälenden Grübeleien zu er­sparen oder doch zu erleichtern, die besonders das Entwickelungsalter, das Frühlingserwachen" mit sich bringen kann, finden hier vielleicht die besten Anknüpfungspunkte und Ergänzungen zu vertrauensvoller Aussprache!-----

Wenn zum Schluß noch darauf hingewiesen sein mag, daß manche Einzelheiten vielleicht doch noch etwas nach den neuesten Ergebnissen der Wissenschaft und Statistik ergänzt und ersetzt wer­den könnten etwa hinsichtlich der jetzigen Frauenkleidung (Stöckelschuhe!), der Folgen ter Abtreibungsseuche und des Kurpfuschertums überhaupt, der Bedeutung der Dllamine für die Kinderernährung u. a. m., so wird die Aus­stellungsleitung das nicht als Vorwurf auffassen, es wird ihr damit auch kaum etwas Reues gesagt werden, denn es kann wohl sicher angenommen werden, daß nur wirtschaftliche Fragen solche Ergänzungen bisher verhindert haben. Ein recht eifriger, möglichst Wiederhotter Besucht kann da­her auch von, diesem Gesichtspunkt aus, d. h. zum Ruhen der Sache, sowohl wie zum eigenen, nur wärmstens empfohlen werden, damit neben dem zweifellos schon jetzt hier erzielten idealen Erfolg auch der reale nicht ausk leibt! Dr. R.°Sp.

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!*! Der Reubau des Physiologi­schen Instituts der Landesuniversi­tät Gießen. Der vom hessischen Hochbauamt unter Leitung von 'Baurat Kuhlmann er­richtete Reubau ist zur Zeit im inneren Ausbau begriffen. Die Zentralheizung, die Gas-, Wasser- und Lichtttitungen sind eingebaut, die Böden sind gerichtet, die Fenster eingesetzt, die Verputz-- und Anstreicherarbeiten haben begonnen. Im Winter werden die Schreinerarbeiten ausgeführt, so daß bis 5um Frühjahr die Fertigstellung des Reu- baues zu erwarten ist. Man hofft, daß zu Beginn des Sommersemesters das Institut in den Re.u- bau wird übersiedeln können. Der Reubau war dringend notwendig wegen der bisher ganz un- unzureichenden Räume im alten Gebäude, die , zur Erweiterung des Landwirtschaftlichen In- titutes unbedingt benötigt werden. Außerdem wäre es erwünscht, daß auch die Anatomie unb Zoologie bald zu der Physiologie kämen. Wie der Reubau gegliedert und seine Verwendung im einzelnen gedacht ist, haben wir bereits früher ausführlich erörtert. In dem Rundbau wird im Erdgeschoß ein Ausstellungsraum ^gerichtet, der an Sonn- und Feiertagen dem Publikum zu­gänglich gemacht werden soll. Es wird sich uni eine AusstellungSei Mensch" handeln. Infolge der günstigen Lage des Instituts bei den Kliniken und den anderen medizinischen In­stituten ist eine bessere Zusammenarbeit als bisher