Gitter wieder auf und lassen die Menschheit wieder rein.
Aus Athens Umgegend fesseln drei Ramen: Eleusis, Marathon und Salamis.
Marathon, mit dem die unmündigen Kindlein schon zur Begeisterung angeregt werden sollen. Wenn man sich die Geschichte einmal näher betrachtet, können einem nur zwei 2eate imponieren, der Feldherr, der es zu verhindern wußte, daß ihm seine „Helden" nicht schon vor der „Schlacht" ausgebüxt sind, und die Staats- ordonnanz, die die Meldung, daß die Sache gerade noch einmal gut abgelaufen sei, einer hohen und weisen Staatsregierung in Athen nach verhältnismäßig kurzer Zeit entgegenhustete.
Salamis. Zweimal hab ich es mir angesehen, weil ich es nicht glauben konnte, dah man so dämlich sein kann. Eine große Mausefalle, sonst nichts. Man sagt, die Griechen hätten die Perser mit List hierher gelockt. Für die griechische Kriegsführung habe ich nicht viel übrig, trotz des recht interessanten Buches, das ein gewisser Tenophon für die Obertertia geschrieben hat. List ist aber im Kriege immer erlaubt. Un& wenn die Perser so dumm waren, in dieses Loch reinzukriechen, dann durften sie sich nicht wundern, wenn sie drinnen totgeschlagen wurden. Dazu braucht man kein Admiral zu sein, um zu wissen, daß sich die zahlenmäßig überlegene Flotte die Bewegungsfreiheit sichern muß.
Smyrna liegt noch am Ende einer herrlichen Bucht. Ich sage noch, denn bet der Einfahrt sieht man zur Linken einen Fluh, der sein Delta jährlich um einen Meter weiter in den Golf schiebt. Sines Tages macht er die Klappe zu und Smyrna ist Binnensladt an einem kleinen Binnensee. Heute ist es aber noch der größte Hafen des kleinasiatischen Festlandes. Aur schade, daß dreiviertel der Stadt in Trümmern liegt. Das geschah nämlich auch aus Gründen der Dölkerversöhnung. Als die Griechen bei ihrem ..Rückzug" das Land verließen, war ihre Nächstenliebe so groß, daß sie den Türken nur einen Schutthaufen hinterliehen.
Heute steht nur noch das Türken- und das Zudenviertel. Aber das Leben ist rege. Der Türke weiß, daß er mit dem griechischen Erbe auch große Arbeit und Pflichten übernimmt. Was ich sah, kann als guter Anfang einer neuen Zekt angesprochen werden. Mit rücksichtsloser Sachlichkeit wurde nach der Zeit der Vernichtung Ordnung geschaffen. Denn ein halb» zerstörtes Land wirkt auf Räuberbanden wie ein Magnet. Das Betreten des Ruinenfeldes war neben den Wegen strengstens verboten: man riskierte, von den Wächtern erschossen zu werden.
Leider kam es tn der Umgegend der Stadt auch zur Ermordung eines Deutschen. Die Mörder wurden gefaßt und dem Richter übergeben. Zu ihrer Verteidigung sagten sie, sie hätten den Ermordeten für einen Griechen geh al- t e n. Das Gericht hatte ein Einsehen und ließ mildernde Umstände gellen. Daß diese Stimmung herrscht, ist nicht Schuld der Türken.
Die Hessiche Regierung und der Finanzausgleich.
O ile&et die Stellungnahme der hessischen Regierung zu den Beschlüssen des Reichstages über den Finanzausgleich geben die 3eitungS= berichte fern zutreffendes Bild. Mit der Stellung der Mehrzahl der Länder zu dem Kompromiß und der von dem Preußischen Fiaanz- mimster im Reichsrat abgegebenen Erklärung war auch die hessische Regierung einverstan- d e n. Darüber hinaus hatte aber die hessische Regierung in ^lebereinstimmung mit eineni einstimmigen Beschluß des hessischen Landtags gefordert, daß dem Lande Hessen und seinen Gemeinden int besetzten Gebiete der Steuer- Musfall aus Reichsmitteln erseht werden möge, der auf die durch Besetzung ^veranlaßte Herabminderung der Wirtschafts- und Steuerkraft zurückzuführen ist.
Der Reichsrat war mit dieser Forderung einverstanden und stimmte in der Sitzung vom 8. August folgendem Antrag zu:
Der Reichsrat beschließt, die Reichsregierung zu ersuchen, zugunsten der Länder mit besetztem Gebiet in den Reichshaushaltsplan für das Rj. 1926 Mittel einzustellen, aus denen diesen Ländern und ihren Gemeinden (Gemeindeverbänden)
gen. findet hier seine Fortsetzung in einer Schwimmstaffel im Ludwigs-Donau-MaüvKanal zur Bischofsstadt Bamberg, dann nach dem durch das Studcntenlied Victor v. Scheffels bekannt gewordenen Steffelstein zur Veste K o b u r g, her Geburtsstätte der D. T.: dann biegt er nach Westen um und berührt Königshofen, Neustadt a. d. S., geht weiter nach S ch l ü ch t e r n, F u ! d a, um dann in Landenhausen vom Gau Hessen übernommen zu werden. Der Gau Hessen führt* dann den Lauf über Angersbach, Lauterbach. Reuters, Drauerschwend, Renzendorf. Alsfeld, L e u - ' e l, A n g e n r o d, Obergleen. Kirtorf. Lehrbach, Kirchhain, Wetter. Frankenberg bis Schmittlot- herm (Eder) weiter, von wo es über Corbach und Paderborn nach Detmold geht. Bon Landenbauscn bis Schmittlotheim durcheilen in der Zeit von 10 Uhr 40 Min. abends (15. Aug.) bis 4 Uhr 5 Mm. morgens (16. Aug.) 542 Turner und Turnerinnen des Hefsengaues eine Strecke von 108Kilometer.
Der Rebenlauf 10 führt ab Schlüchtern über Wächtersbach bis Obrrseemen durch den Kinziggau und von dort über Gedern. Schotten, Laubach. Lauter, Grünberg, Atzenhain, Bernsfeld, Homberg a.d.O., Oberofleiden, Riederofleiden, Schweinsberg. Amöneburg nach Kirchhain durch den Gau Hessen. In Kirchhain erfolgt -DeLeinigung mit Hauptlauf 10. Zur Zurücklegung der 66 Kilometer langen Strecke von Oberseemen bis Kirchhain werden 342 Hessenturner eingestellt, die 3 Stunden 24 Minuten für den Lauf benötigen.
Der Haupt lauf 11 kommt ebenfalls aus Bayern. Er beginnt auf Deutschlands höchstem Berggipfel, der Zugspitze, führt über Partenkirchen, München, Ingolstadt, Ausbach. Würz- bürg, Aschaffenburg, Hanau. Gelnhausen und von dort quer durch Oberhessen über Bübingen, Hof Konradsdorf, Ranstadt. Ridda, Rodheim, Hungen, Langsdorf, Lich, Garbenteich zunächst nach
Gießen.
Von da geht es weiter im Gebiet des Gaues Hessen über Lollar. Marburg, Ealdern, Biedenkopf, Ludwigshütte, Laasphe
angemessener Ersatz gewährt werden soll für die Ausfälle, die infolge der durch die Besetzung verursachten Minderung der Steuerkraft des besetzten Gebietes an der Einkommensteuer, der Körperschaftssteuer, der Umsatzsteuer oder an Lan- dessteuern entstanden sind oder noch entstehen werden.
Da die Reichsregierung zu diesem Antrag keine Stellung einnnahm, die als ein Entgegenkommen hätte gedeutet werden können, erhob der hessische Vertreter im Reichsrat Einspruch gegen die Beschlüsse des Reichstages, und zwar mit folgender Erklärung:
Hessen könnte sich trotz der völlig unbefriedigenden Gestaltung des Finanzausgleichs der Mehrzahl der übrigen Länder an schließ en und aus einen Einspruch gegen die Beschlüsse des Reichstages verzichten, wenn nicht die Gefahr bestünde, daß Hessen bei Anwendung eines auf die gegenwärtige Einkommensverteilung gegründeten Verteilungsschlüssels infolge der Besetzung
von nahezu der Hälfte des Landes eine ft a r k e Minderung seines Steueranteils 511 gewärtigen hat. Alle Anzeichen sprechen dafür, daß die Wirtschaftskraft und damit bh? Steuerleistung im besetzten Gebiet im Verhältnis zum unbesetzten Gebiet gegen früher herab- gemindert ist, was aller Wahrscheinlichkeit nach bei der neuen Steuerveranlagung sowohl bei der Einkommen- und Körperschaftssteuer wie auch bei der Gewerbesteuer zum Nachteil des Landes und vor allem auch der Gemeinden im besetzten Gebiet in die Erscheinung treten wird.
Da das Reich die Verpflichtung nicht anerkannt und übernommen hat, den Ländern und Gemeinden den Ausfall an Steuern zu ersetzen, der auf die durch die Besetzung des Landes veranlaßte Minderung der Wirtschafts- und Steuer« kraft des besetzten Gebiets zurückzuführen ist, sieht sich die hessische Regierung gezwungen, gegen die Beschlüsse des Reichstags zum Finanzausgleich Einspruch zu erheben.
Der Gau Hessen und der Hermannslauf der D. T.
<E Zur Erinnerung an die vor 50 Jahren erfolgte Einweihung des Hermannsdenkmals im Teutoburger Walde hat die Deutsche Turnerschaft eine große vaterländische Kundgebung für nächsten Sonntag vorbereitet, die fi challer Voraussicht nach noch gewaltiger gestalten wird, als der Eilbotenlauf der Deutschen Turnerschaft zur Einweihung des Völkerschlachtdenkmals in Leipzig 1913.
Der hermannslauf findet vom 14. bis 16. August statt. Er wird, genauer Berechnung nach, etwa 120 000 Turner und Turnerinnen (beim Leipziger Lauf 40000 Läufer, die aus allen Teilen des Reiches und von den deutschen Grenzländern den Eichenzweig mit Grüßen an das Hermannsdenkmal bringen werden, auf die Beine bringen, lieber die Organisation des großen Unternehmens, das sich zum größten Eil- bo(enlauf aller Zeiten gestalten wird, ist an anderer
Stelle schon berichtet worden. Hier soll nur noch einiges über die Läuse mitgeteilt werden, die durch unser engeres Heimatgebist führen.
Durch das Gebiet des T u r n g a u s Hessen (vornehmlich durch unser Oberhessen) gehen vier Läufe, so daß unsere engere Heimat ganz erheblich an der Durchführung der großen Kundgebung beteiligt sein wird. Die Organisation für den Gau Hessen hat Gauoberturnwart Will (Gießen) in Händen gehabt. Kreisoberturnwart Frey bezeichnete gelegentlich des Gießener Kreisturnfestes die in unserem Heimatgau getroffenen Vorbereitungen, als die mustergültigsten im ganzen Mittelrheinkreis. ,
Folgende ßäufe führen durch den Gau Hessen:
Der Hauptlauf 10 beginnt in Dcchern an der Defreiungshalle bet Kehlheim und nimmt seinen Weg nach der Universitätsstadt Erlan-
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Fräulein Fob.
Roman von Anders Eie.
44. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
..3a, komisch, nicht wahr", antwortete Baron von Schlodien. „Der 3unge ist eine ganz feine Rümmer. Hast du von seinem letzten Börsencoup schon gehört?"
Der alte Direktor Hesch schüttelte sein graues Haupt, als Fellips vorüberging.
„3ch verstehe den Menschen nicht. Er wird immer wunderlicher und unberechenbarer. Und seine finanzielle Stellung, — nun, man soll nicht über etwas reden, was man nicht bestimmt weih, aber ich würde mich wundern, wenn die Blase noch lange hätt. Es werden in der Bank phan- tastischr Dinge erzählt."
„3a", anttoortete ein anderer Herr, „es scheint, daß er seinen guten Geschäftssinn verloren hat und seine Transaktionen nur mehr von Machtbegier und Rachsucht bestimmen läßt. — Einer unserer gemeinsamen Bekannten, — der Rame ist gleichgiltig, — ist bei Fellips in Tln- gnade gefallen. Aus reiner Rachsucht arrangierte er nun eine Baisse in den Bavariagruben, obwohl er selbst dabei verlor. Aber er wußte, daß der andere seine Bavariapapiere um jeden Preis verkaufen mußte. Er ist übrigens tn riesigen Börsengeschäften engagiert."
„Lange kann es auf diese Weise nicht mehr fortgehen."
Ohne von diesen Gesprächen über ihn eine Ahnung zu haben, machte Fellips einen Streifzug durch alle Zimmer. Eines der kleinsten war leer. Dort ließ er sich mit einer Zeitung nieder. Aber weder die außenpolitischen Reuigkeiten, noch der letzte Streik, nicht einmal die Börsen- notizen interessierten ihn. Er sah nur dann und wann zerstreut auf das Blatt und behielt sonst unaufhörlich die Tür im Auge. Entweder fürchtete er, nicht allein gelassen zu werden, oder er erwartete jemanden.
Als die Tür bald darauf geöffnet wurde, konnte man sehen, welches von beiden der Fall war. Herr Fellips grüßte den Eintretenden sehr freundlich. Es war Herr Malvette, dessen Eharafteristik sich in der Mitteilung erschöpfen
kann, dc' er ein Herr war, der von seinen Renten lebte. Dies war Malvettes Unglück, denn infolgedessen hatte er jede Lust verloren, irgend etwas anderes als das zu unternehmen, das ihm seine Renten erlaubten. Und worin dies bestand. davon gab deutlich sein Gesicht Kunde, das von keiner allzu großen 3ntelligenz zeugte. Herr Malvette machte im Ganzen genommen einen sehr unbedeutenden Eindruck, versuchte aber, sich durch ausfallende Eleganz und flottes Auftreten geltend zu machen.
Fellips erhob sich aus seinem Fauteuil und drückte Herrn Malvette herzlich die Hand.
„Sieh, da bist du ja. 3ch rechnete damit, dich heute hier zu treffen. Es ist schon lange her seit dem letzten Mal."
„3a, verteufelt lang. Viel zu tun?"
„Ganz entsetzlich viel. Zu viel für einen einzelnen. Aber du kennst mich ja. 3ch bin nicht zufrieden, wenn ich nicht soviel Eisen als möglich im Feuer habe. Und du?"
„Hm," lächelle Malvette, „ich liebe es ja auch, Eisen im Feuer zu haben, wenn auch solche etwas anderer Art. Denn was ich mein ganzes Leben nicht besessen habe, ist der Ehrgeiz. 3ch habe lieber meine Rente, so wie sie mir meine Vorfahren hinterlassen haben, als dah ich mir sie erst in kleinen Spekulationen zusammen- scharren müßte."
Fellips schlug dem Freund auf die Schulter.
„Seh dich endlich! Whisll) gefällig? King George, wie? All right. 3a, jeder richtet sich sein Leben ein, wie er es am gemütlichsten findet. 3n gewissem Sinne beneide ich dich. Es wäre viel angenehmer, so zu sein wie du."
„3a, siehst du, die Ruhe schätze ich höher als alles andere. Am Morgen zu erwachen und zu wissen, daß man sich um keinen Börsenkrach au kümmern hat, der einem das kleine, gelassene Dasein erschüttern kann, das ist viel wert. Zm torffert, daß man sein Frühstück in Ruhe zu sich nehmen und sich das Programm für den Tag ausdenken kann."
das schließt doch nicht aus, dah du das Rftcko eines kleinen Spielchens eingehst?"
„Das zähle ich nicht als Risiko. Spielverluste gehören aus mein Vergnügungskonto. Man muß jedes Vergnügen bezahlen."
„Hast du etwas gegen eine kleine Partie?" „Was willst du? Poker, Whist?"
„Rein, spielen wir Ecarte." „Einverstanden."
Fellips trank ihm mit seinem Whiskygrog zu, leerte ihn auf einen Zug und schenkte sich sofort wieder einen neuen ein.
„Das ist einmal ein ausgiebiger Durst," sagte Malvette lachend, während er gab, „aber er ging wenigstens nicht verloren."
Fellips gewann anfangs ein paar Partien, und man sprach weiter über gleichgiltige Dinge. Aber dann begann der Bankier auf einmal von einem fabelhaften Pech verfolgt zu werden. Er verlor eine Partie nach der anderen. Es trat das grohe Schweigen ein, wie immer bei einem forcierten Spiel mit erhöhtem Gewinst- und Verlustkonto. Man machte feinen Einsatz, gab, spielte, strich den Gewinn ein und mischte die Karten aufs neue. Rach kaum zweistündigem Spiel hatte der Bankier bedeutende Summen verloren. Und nicht weniger bedeutende Quantitäten Whiskygrog waren aus seiner Flasche verschwunden. Malvette gab sich Mühe, feine gute Laune zu unterdrücken, legte für einen Augenblick die Karten beiseite und sagte tröstend:
.Unglück im Spiel, Glück in der Liebe, mein lieber Fellips."
Der Bankier stellte sich, als ob ihm plötzlich eine 3dee gekommen wäre oder er sich auf einmal an etwas erinnere. Er legte die Karten endgiltig weg und rief laut:
„Prosit, Malvette! Du hast recht. Glück in der Liebe....."
Er zündete eine neue Zigarette an, trank ein wenig vom Grog und sagte in vertraulichem Ton:
„Weißt du was, lieber Freund, ich möchte dir eigentlich eine Geschichte erzählen."
Da man gerade vom Glück in der Liebs gesprochen, zog Malvette den Schluß, dah Fellips irgendeine Liebesgeschichte eingefallen fei, und dessen Miene zeigte, daß sie ziemlich pikant sein müffe. mit einem Wort, nach Malvettes Geschmack. Er täuschte sich nicht.
Die Geschichte, die Fellips seinem Freund erzählte, war folgende:
„Also siehst du, Heuer im Frühsommer lernte ich ein Mädchen kennen. Ein langweiliger An
w । w - — ~i—r~ rw11111 fang, einer Geschichte, aber so beginnt wohl jede Geschichte dieser Art. ES war indessen ein süßes Mädchen und ich traf sie cinigemafe, jedoch ohne jede Aussichten auf meiner Seite. Lieber Gott, übrigens ist man ja wohl hinreichend versorgt. Ich fühlte nicht einmal große Lust, die Bekanntschaft fortzusehen, und dies wurde, wie ich annehmen darf, wohl bemerft. Aber dann solltest du das Teuselchen gesehen haben! Das Mädchen wurde auf einmal zudringlich wie ein Heftpflaster. Sie begann mich anzutelephonieren, in der Wohnung, draußen auf dem Land, ja sogar in der Murk. Sie tat mir leid, und als sie mich in der Stadt wieder einmal anrief, bewilligte ich ihr dann und wann ein Rendezvous. Bei diesen kleinen Zugeständnisfen, einer Autofahrt oder einem Souper hätte es nun bleiben können, denn es war ja ein sogenanntes seines Mädchen. Aber dann bot sie sich direkt an ..... und man ist eben doch kein keuscher
Iosef. Es kam also, wie es kommen mußte. Aber jetzt, verstehst du, ist es natürlich viel schwerer, sie wieder loszuwerden. Gerade heule hatten wir in meiner Wohnung, die noch ganz verwaist ist, ein Rendezvous. Es endete mit einem kleinen Zank, das Mädchen war wie hysterisch, und nichts fürchte ich mebr als hysterische Frauenzimmer. Ich ging, sie blieb in der Wohnung zurück."
Der Bankier sah auf die älhr.
„Herrgott, es ist bald zwölf. 3etzt muß ich aber nachhause und den Vogel aus dem Käfig lassen. Sag', Malvette, hättest du keine Lust, mit mir zu gehen? Ich traue mich fast nicht, nnt dieser Tränenliese wieder zusammenzukommen. Vielleicht wird sie ihre Leidenschaft etwas zurückdämmen, wenn sie sich auf einmal einem fremden Gesicht gegenüber sieht. Ich glaube, daß dies wie eine kalte Dusche wirken könnte."
Walvette ging sofort auf den Vorschlag ein. □Ican nahm noch einen letzten King George, und dann war man beinahe etwas angeheitert, Herr Fellips vielleicht sogar ein wenig mehr.
(Fortsetzung folgt.)


