hing angestellt, die sich auf die amtlichen Zahlen von 51 Großindustriebetrieben stützen können und wir haben festgestellt, daß diese Betriebe heute unter Berücksichtigung der Vorschläge des Regierungsentwurfs insgesamt
' noch mit 70 Prozent ihrer Dorkriegsschulden belastet
sind. Ich verweise auch noch auf die besondere Belastung der Industrie durch das Dawes- Abkommen.
Eine höhere Belastung der Industrie ist aus allen diesen Gründen unmöglich Wenn einer auch nur die geringste Ahnung von unserem Wirtschaftsleben hat, muß er wissen, daß die Industrie unter allen Umständen in die Lage versetzt werd en must, wieder Dividende verteilen iu können, denn nur wenn sie das faim, erhält sie Kredite. Es genügt nicht, daß die Industrie ihre Betriebe in Ordnung hat.
ES fehlt vor allem an Krediten, an Betriebskapital. (Sehr richtig rechts.) Es ist mir sehr schwer gefallen, auf den Boden des Kompromisses zu treten, und zwar deshalb, weil ich meine, daß man endlich dafür sorgen müsse, daß unsere Industrie wieder Fortschritte macht und unser Produktionsprozeß wieder in Schwung kommt. (Beifall rechts!)
Abg. Höllein (Komm.) nennt die gesetzliche Regelung der Aufwertung der Industrieobligationen einen Versuch, die ausgeplünderten Obligationsgläubiger zu verhöhnen. Erwünscht, daß gegen diesen Wechselbalg Sturm gelaufen werde uni) das ganze Gesetz der Mehrheit zersetzt und zerdreckt vor die Deine geworfen werde. Geschehe das nicht, so würde die Vorlage der Rechten noch deutsches Bauchgrimmen verursachen, daß sie die Engel im Himmel pfeifen hören. (Heiterkeit.)
Abg. Seiffert (Völk.) glaubt nicht, daß die Industrie von der komplizierten Regelung der Genußscheine Gebrauch machen werde. Die Industrie werde, sobald das Gesetz perfekt werde, sicherlich die gesamte Obligationsschuld zurückkaufen. Mit Vorlagen wie der Aufwertungsregelung könne man die Industrie nicht in Schwung bringen.
Das Haus nimmt dann die rückständigen A b - stimmungen vor. Ein sozialdemokratischer Antrag, der im §10 die Unterhaltsberechtigten und -verpflichteten (Absatz 3) von der Möglichkeit aus- schließcn will, von den normalen Aufwertuiigs- sätzen abzuwcichen, wird in namentlicher Abstimmung mit 161 gegen 231 Stimmen abgelehnt. In einer weiteren namentlichen Abstimmung wird ein sozialdemokratischer Antrag mit 224 gegen 177 Stimmen bei vier Stimmenthaltungen abgelehnt, der dem § 15 eine Bestimmung anhängen wollte, durch die eine Aufwertung bis zu 20 Prozent dann statt- finden soll, wenn der Gläubiger vor dem 15. Juni 1922 eine Leistung bis 10 Prozent des Goldwertes seiner Forderung ohne Vorbehalt angenommen halte. Ein weiterer Antrag der Wirtschaftlichen Vereinigung, der die Rückwirkung dann nicht eintreten lassen will, wenn sie für den Eigentümer insofern eine unbillige Härte bedeuten würde, als er zur Befriedigung der Leistung seinerzeit gezwungen war, jene unter ihrem realen Wert zu veräußern.
Beim Kapitel IndustrieobligativNen werden die Anträge Dr. Best (Volk.) aus Erhöhung des AuswertungSsatzeS von 15 auf 50 Prozent und Keil (Svz.) auf Erhöhung des Auftvertungssatzes auf 40 Prozent von der Mehrheit der Kompromißharteien abgelehnt.
Heber einen Eventualantrag K e i l auf Erhöhung der Aufwertungssätze für Industrieobli- gationcn von 15 auf 25 Proz. (wie bei den -Hypotheken) wird namentlich abgestimmt.
Die namentliche Abstimmung ergibt die Ablehnung des Eventualantrags Keil mit 226 gegen 175 Stimmen bei zwei Enthaltungen. Es bleibt r. also bei dem Satz der Kompromihparteien von 15 Proz. für Industrievbligationen und ver- ^wcmdte Schuldverschreibungen. Alle übrigen Ab- änderunaSanträge der Kommunisten, Soziäldemo- ' traten, Völkischen und deS Abg. Dr. Best, die im Bericht schon erwähnt sind, wurden von der Mehrheit der die Regierung stützenden Parteien abgelehnt und die Kompromißvorlage aufrechterhalten.
Dann wird die Einzelaussprache bei dem Kapitel
Auswertung von Pfandbriefcu und verwandten Schuldverschreibungen
fortgesetzt. Die Kompromißvorlage bestimmt, daß deutsche Ansprüche so ausgewertet werden sollen, daß die TeilungSmasse gleichmäßig unter die Gläubiger im Verhältnis der Goldmarkbeträge ihrer Ansprüche verteilt werden. Die Teilungs- masse wird besonders definiert. Abstimmungen sollen erst wieder am Dienstag vorgenommen werden.
Im weiteren Verlaus der Debatte erscheint, mit Aharufen der Linken begrüßt, der Abg. Dr. Steiniger (Dntl.) auf der Tribüne, um sich gegenüber den unbestimmt lautenden Gesehestext dazu auszusprechen, daß die Schuldverschreibungen der Städte bei der Aufwertung keine schlechtere Behandlung erfahren als die des Reiches.
Beim Kapitel:
Aufwertung von Sparkasfenguthaben sieht dre Kompromißvorlage die Aufwertung dadurch vor, daß ein Treuhänder die Teilungs- masse unter die Gläubiger verteilt. Der bei der Verteilung auf das Sparkassenguthaben entfallende Aufwertungsbetrag soll mindestens 12 Prozent betragen. Die Terlungsmasse wird auch hier im Gesetz spezifisiert.
Abg. Dr. Leber (Sog.) beantragt, im Gesetz zum Ausdruck zu bringen, daß die Sparkassenguthaben mit mindestens 25 Prozent aufgewertet werden.
Abg. Seiffert (Völk.) schließt sich dem an. Würde die Aufwertung nicht wenigstens in dieser Höhe vorgenommen. dann würden die kleinen Leute ja niemals mehr Vertrauen zu ihrer Dank, der Sparkasse, haben.
3n einer Geschäslsordnungsdebatte kam zum Ausdruck, daß die Aufwcrtungsgeseße bis zum 15. 3u(i nicht verabschiedet werden können. Am 15. 3u(i solle aber anderseits die Dritte Steuer- notoerordnung ihre gesetzliche Galligkeit oerllercn. Um keinen Zustand der Gesetzlosigkeit in den Auswertung sfragen eintreten zu lassen, wird der Reichstag am Dienstag in allen drei Lesungen einen Gesetzentwurf verabschieden, durch den die Dritte Steuernotoerordnung um einige Tage verlängert werden soll. —
Abg. Seifert (Völk.) begründet einen Antrag, wonach die Aufwertungsstellen berechtigt sein sollen, die Inflationskäufe der Ausländer am deutschen Grundstücksmarkt für ungültig zu erklären
Abg. Heinze (D. V.) beantragt, das Gesetz über die Hypothekenanfwertung mit Wirkung oom 15. Juli in Kraft treten zu lassen. In der Vorlage selbst ist für das Inkrafttreten noch kein Termin eingesetzt. — Abg. Keil (Soz. begründet eine, Entschließung, die die Reichsregierung er|ud)t, bet den Ländern dahin zu wirken, daß der Auswertungssatz von 40 Prozent bei öffentlichen Baudarlehen ans 25 Prozent herabgesetzt wird.
Damit ist die zweite Beratung des Hypothekenaufwertungsgesetzes beendet.
Hessischer Landtag.
Fortsetzung der Schuldebatte.
Darmstadt'. 13.3ull (Eigener Bericht.) Präsident Adelung eröffnet die Sitzung um 3V8 Hhr.
Abg. Dr. Greiner (Komm.) fragt auf Grund einer Reichsstatistik an, wie viele Kinder in Hessen durch das Impfen gestorben sind.
Ministerialdirektor Spam er erwidert aus die Kleine Anfrage, daß seit 10 Jahren kein Kind gestorben sei. Zwei Kinder wären nachträglich durch eine Infektion an Rose gestorben, was durch geeignete Behandlung in der Familie hätte verhindert werden können.
Das Haus nimmt dann die Beratung bet Kapitel 56 über die Lehrerseminare usw. wieder auf. die bereits mitgeteilten Anträge hierzu werden in Hebereinstimmung mit den Ausschußanträgen angenommen.
Zu Kapitel 57 „Volksschulen" liegen mehrere Anträge vor. Abg. Dr. Werner verlangt, die persönlichen Volksschullasten wieder den Gemeinden zu übertragen; die Abg. Dr. Leuchtgens und Glaser fordern die Streichung einer Reihe von Stellen. Ein Antrag der Abg. H e i n st a d t und Blank will einen Gehaltszuschuß für bestimmte Lehrstellen an besonders genannten Privatschulen. Reu hinzu- gclommen sind Anträge der Abg. Dr. von Hel- molt und Glaser, die eine Verlegung des Fortbildungsschulunterrichts (nur) in die Wintermonate bezwecken.
Ein Antrag der Abgg. Dr. R i e p o t h und Birnbaum wünscht: In Artikel 17 Absatz 1 ist als letzter Satz einzufügen: Für ländliche Fortbildungsschulen erfolgt die Verteilung der Pflicht st undenzahl auf das Jahr durch das Kreisschulamt im Einvernehmen mit dem örtlichen Schulvorstand. Ein Antrag des Abg. Kindt lautet: Ich beantrage den weiteren Ausbau der Fortbildungsschulen zu unterlassen und mit den in Frage kommenden Berufsständen Über einen berufsständigen Ausbau der Fortbildungsschulen zu verhandeln, dem Landtag das Ergebnis, solcher Besprechungen vorzulegen, damit er dazu Stellung nimmt und Entschlüsse faßt. Ein Antrag der Abg. Frl. Birnbaum verlangt im wesentlichen, daß in weiblichen Fortbildungsschulen Frauen die Leitung übertragen wird.
Eine Reihe von Abgeordneten erstattet Bericht über die Ausschußverhandlungen; die Anträge werden teils zur Annahme empfohlen, teils abgelehnt, oder die Hebertoeifung als Material empfohlen.
Abg. Dr. Leuchtgens (Dbd.) meint, das Fvrtbildungsschulwesen in Hessen wäre übereilt geregelt worden. Der Staat hätte das Fortbildungsschulwesen den Berufs st änden übertragen sollen. Wenn die Landwirtschaftskammer usw. die Fortbildungsschulen in der Hand hätten, so würden damit die Widerstände gegen diese Einrichtung schwinden. Die Fortbildungsschule in ihrer früheren Gestalt sei wenig wert gewesen, auch die gegenwärtige Regelung sei unzulänglich. Der Gedanke, das FortbilduncBschulwesen auf die Berufe zu gründen, sei richtig, aber der Zwang sei von Hebel. Landwirtschaftliche Fortbidungsschulen dürften aber nicht von Leuten eingerichtet werden, die von der Landwirtschaft nichts verstehen. Die Sommerfortbildungsschule ist insbesondere ein wirtschaftliches Hindernis. Bei unserer Armut können wir die vielen geforderten neuen Lehrerstellen für die Fortbildungsschule auf die Dauer einfach nicht bezahlen. In seinen weiteren Ausführungen fordert der Redner die Verlegung des Fortbildungsschulunterrichts auf die Wintermouate.
Äbg. Frau Heraus (Dschn.) erklärt, von der Antwort des Landesbildungsamtss über die Ernennung eines Rektors, dem sittliche Verfehlungen vorgeworfen werden, nicht befriedigt zu sein; die Frauenvereine würden die Sache nicht ruhen lassen. Das Landesbildungsamt habe alle Verantwortungen, die sich aus der Angelegenheit ergeben, zu tragen.
Abg. Kindt (Dschn.) bringt einen Fall aus Billings zur Sprache, wo aus der Schule sin Hindenburgbild auf höhere Anordnung entfernt worden ist. Der Redner wünscht, daß das Landesbildungsamt mit den Berufständen wegen der Fortbildungsschule in Verbindung tritt.
Ministerialdirektor U r st a d t erwidert, der Fall in Billing sei amtlich noch nicht geklärt; die Antwort werde in geeigneter Zeit erteilt. Zu dem Fall des Rektors wiederholl Ministerialdirektor Urstadt seine frühere Darstellung, daß alle Instanzen für die Anstellung gewesen wären.
Rach weiterer Debatte gibt Abg. Fräulein Birnbaum eine Erklärung zu der Angelegenheit ab, die sich mit der von Frau Heräus deckt. Von den Frauen wäre alles getan worden, um die Behandlung des Falles hier vor der Oeffentlichkeit zu unterlassen, aber die Stellungnahme des Bildungsamtes hätte doch dazu gezwungen. Cs handle sich nicht um eine Partei- sache, sondern Frauen aller Parteien seien derselben Meinung darüber.
Die zahlreichen Anträge zu Kapitel 57 werden fast alle nachden Ausschußanträgen angenommen; d. h. die von den Rechtsparteien gestellten Anträge sind damit abge- ^ehnt. Die Einnahmen des Kapitels betragen 100 Mk., die Ausgaben 19 003 701 Mk. Bemerkenswert ist, daß über folgenden Ä n t r a g § e in st abt und Gen. namentich abgestimmt wurde: „Wir beantragen, statt der unter Titel 9, Kapitel 57 angeforderten 102 neuen Stellen für die Fortbildungsschule nur 60 zu bewilligen. Die Verteilung auf die Ziffern 1, 2 und 3 des
<< °feibt dem Landesbildungsamt über» lauen. Die namentliche Abstimmung ergibt 27 Stimmen und 30 Stimmen gegen die Annahme' der Antrag ist somit abgelehnt.
. ®c.r Landtag bewilligt in Uebereinstimmung mit den Ausschußantragen die Forderungen für die Kapitel 58 bis 74, Schul- und Sportwesen T a u b st u m m e n a n st a l t e n . Blindenau- st alt zu Friedberg, Gymnasien usw. Höhere Bürgerschulen und Höhere
Mädchenschulen, F o r l b i i d u n g d e r L e h- rcr an Volks- und höheren Schulen, Jugendpflege, Volksbildung, Förderung der Kun ft, Landesunivcrsität, Technische Hochschule, Landesbiblio- lhek, Landesmuseum, Förderung der Denkmalpflege. Die dem Landesamt für das Bildungswefen gewidmeten Beratungen sind hiermit abgeschlossen.
Bei der Aussprache über Kapitel 61 „Gymnasien. Realgymnasien, Ober-Real' und Realschulen, sowie pädagogische Seminare" kommt IHi- nisterlaldireklor 21 r st a d t auf den Antrag der Rechtsparteien zu sprechen, worin das Lanocsbil- dungsamt aufgefordert wird, eine Abänderung feiner letzten Verfügung über die Ausnahmebestimmungen von Schülern, die
die Grundschule drei Iohre lang besucht haben, um zur höheren Schule überzugehen, vorzunehmen. Ministerialdirektor Arstadi erklärt, er könne diesem Ersuchen nicht staktgeben und er werde so verfahren, wie er es in seiner Rede dargelegt habe.
Abg. Dr. Leuchtgens (Bbb.) erwidert hierauf: Dir haben mit Mehrheit den Beschluß angenommen. Ersuchen ist gleich beantragen; die Regierung muh den Antrag, der von der Mehrheit angenommen ist, auch ausführen. Nächstens werden wir auch, um unseren Dillen klarer festzulegen, nicht mehr das Dori „ersuchen" gebrauchen.
Abg. Dr. Werner (Dschn.) wünscht, daß künftig das Dort „beauftragen" verwendet wird. Der sozialdemokratische Abg. Kaul habe schon zu dem Beschluh gesagt, er werde nicht ausgeführt; das fei ein hohn auf alle Demokratie. Denn das Haus eine Entscheidung mit Mehrheit getroffen hätte, müsse der Beschluh auch durchgesührt werden. Gerade die Theorie von der Mehrheit sei einer der Hauptgrundfähe der Linksparteien.
Nachdem zwischendurch noch einige Redner gesprochen hatten, führt Abg. Scholz (D. Bp.) ans, dah ohne Mehrheitsbeschlüsse ein Parlament nicht arbeitsfähig sei. Die Angelegenheit sei von so großer grundsätzlicher Bedeutung, dah er hiermit den Antrag stelle, die Beratungen zu unterbrechen, damit der Aeltestenausschuß sie erörtern könne.
Präsident Adelung läßt über diesen Antrag absiimmen; er wird von der Mehrheit des Hauses abgelehnt, hierauf verlassen die Abgeordneten der Rechtsparteien den Saal.
Nachdem der Landtag weiter beraten hatte, schloß der Präsident um Ähr die Sitzung.
Kleine Anfrage des Abgeordneten Nicpoth (D. V. P.)
In letzter Zeit sind mehrere Fälle bekanntgeworden, dah hessische Behörden und Anstalten Aufträge auf Lieferung von Leinen trotz der anerkannten Leistungsfähigkeit der einschlägigen hessischen Industrie, an nichthessische Produzenten vergeben haben.
Ich frage an,
ist die hessische Regierung bereit, mit Rücksicht auf die Erhaltung und Stärkung dieses namentlich für Oberhessen so wichtigen Betriebszweiges, anzuordnen, dah bei Vergebung auf Lieferung von Lernen unter Berücksichtigung der Qualität bei gleichem Preis den Erzeugnissen! den Vorzug zu geben ist, deren Herkunft aus hessischen Betrieben festgestellt ist.
Die deutsche Antwortnote.
Ministerbesprechung am Mittwoch.
Berlin, 13. Juli. (Wolff.) Wie wir hören, ist eine Ministerbesprechung zu der ersten Beratung der Antwort auf die D r i a n d • Rote für Mittwoch vorgesehen.
Der polnische Zollkrieg.
Warschau, 13. Juli. (WB.) Das heute mittag erschienene Gesetzblatt der polnischen Republik veröffentlicht eine Verordnung des polnischen Ministerrats, laut der die Einfuhr zahlreicher deutscher Waren in Polen verboten wird. Die Verordnung sieht vor, daß der polnische Handelsminister Kontingente deutscher Waren zur Einfuhr freigeben kann in Abhängigkeit von der Zulassung polnischer Waren nach Deutschland. Die genannte Verordnung findet keine Anwendung auf ClDaren, auf die sich das Gesetz vom 24. Mai 1922 über die Ratifizierung des deutsch - polnischen Abkommens in Oberschlesien vom 15. Mai bezieht, ebenso auf die vom Abkommen für den kleinen Grenzverkehr umfaßten Waren, endlich auf den Deredelungs- und bedingten Zollverkehr. Die Verordnung tritt vier Tage nach ihrer Verlautbarung, also am 17. Juli, in Kraft.
Die Danziger gollverhandlungen
Danzig, 13. Juli. (Wolff.) Die Danzig- polnischen Verhandlungen betreffend die Ausfuhrzölle wurden in den letzten Tagen der vergangenen Woche hier fortgesetzt. In der Mehrzahl der Punkte wurde eine Einigung erzielt. Rach dem Verlauf der Verhandlungen kann erhofft werden, daß es auch in den noch offen stehenden Punkten gelingen wird, ein Einvernehmen herbeizuführen, so daß, wenn nicht unerwartete Schwierigkeiten eintreten sollten, mit dem Abschluß des Vertrages in dieser Angelegenheit bei den nächsten Beratungen gerechnet werden kann. Auch die Frage der Ausfuhrverbote gegen Deutschland war Gegenstand der Verhandlungen. Es handelt sich hierbei zunächst darum, die grundsätzlichen Fragen zu klären und hinsichtlich der Danziger Einfuhrkontingente ein Einvernehmen zu erzielen. Auch diese Angelegenheit wurde wesentlich gefördert. Zu keinem greifbaren Ergebnis führten bisher die Verhandlungen über den Zollverteilungsschlüssel. Die Verhandlungen über die vorstehenden drei Fragen werden in Kürze fortgesetzt werden.
Kämpfe in Marokko.
Paris, 13. Juli. (Wolff.) Havas meldet aus Fez: Die in den letzten Tagen am Ouergha - fluß gemeldeten Truppenzusammenziehungen sind vorgenommen worden, um zu suchen, einen Posten, der im Süden des Flusses eine der wichtigsten Straßen beherrscht, zu entsetzen. Der Angriff habe dem taktischen Vorgehen des Feindes entsprochen, der besonders jetzt, um den Fliegerangriffen zu entgehen, Nachtoperationen vorziehe, auch nachts begonnen. Der Posten habe allen Angriffen siegreich Widerstand geleistet, indem die Besatzung die Angreifer mit Handaranaten zurückgeschlagen habe. Zwei französische Abteilungen haben in der Gegend von Taza und nördlich von Bad Murudj den jüngsten zu den Dissidentenstämmen
übergegangenen Stämmen eine schwere bereitet.
Es bestätigt sich auch, daß das durch d'n zösischen Generalstab angewandte gegenma: -ce Erfahren gestattet, überall und schnell al'c Bors. des Feindes zu unterbinden und ihm beträchtliche Verluste beizubringen, was auf die Dissidenten- stamme eine große Rückwirkung Habs. Man müsse die glücklichen, in den letzten Tagen von Öen verschiedenen Abteilungen erzielten lokalen Erfolge her« verheben.
Spanien wünjcht Fortsetzung des Krieges.
Madrid, 13. Juli. (Wolff.) Ein amtlicher Bericht zur Aufklärung der Oeffentlichkeit über die Lage in Marokko deutet an, daß es wahrscheinlich notwendig fein werde, die Straf- aktion gegen Marokko fortzusetzen und neue militärische Positionen mit den in Marokko vorhandenen Streitkräften zu errichten. Das Marokkoproblem, das sich in den letzten zwei Jahren bedeutend verändert habe, beschäftige heute das Interesse der Welt, Abd el Krim könne zum Mittelpunkt einer religiösen und sozialen Bewegung im westlichen Afrika werden. Der Rebellenherd im Rif bedeute eine schwere Gefahr für d ie Zivilisation und den Frieden der Westmächte.
Kellog und die Chinakonserenz.
Paris, 13. Juli. (WTB.) HavaS meldet aus Swampscotts, vor seiner Abreise nach Washington habe Staatssekretär K e 11 o g , der mit Präsident Coo 1 idge eine Unterredung hatte, sein Vertrauen dahin ausgesprochen, daß die neun Mächte, die das Zollabkommen fürs China unterzeichnet hatten, an der in Aussicht genommenen Konferenz zur Besprechung dec Lage in China teilnehmen würden. Kellog habe sich jedoch hinsichtlich der vom Staatsdepartement zu treffenden Maßnahmen sehr zurückhaltend gezeigt.
Die Lage in China.
London, 13. Juli. (Wolff.) Wie Reuter aus Hankau erfährt, beschloß die borttge chinesische Handelskammer, finanzielle Maßnahmen gegen die britischen Danken zu treffen. Ferner soll die Kammer beschlossen haben, die Handelsbeziehungen zu den englischen Firmen abzubrschen und die in britischen Geschäften angestelllen Chinesen zum Ausscheiden aus ihren Stellungen zu veranlassen.
Aach einem Reutertelegramm aus Tschangscha traten dort die Kulis am 10. Juli in den Streik. Man befürchtet, daß am 14. Juli ein allgemeiner Streik ausbrechen wird.
Rakowski bei Chamberlain.
London, 14. Juli. (WTB.) Der Sowjet- botschaster Rakowski hatte heute eine Hnterrebung mit Austen Chamberlain. Beim Verlassen des Foreign Office, in dem er etwa 40 Minuten geweilt hatte, gab Rakowsky einem Vertreter des Reuterschen Bureaus folgende Erklärung ab: Sie können sagen, daß ich den Staatssekretär be8 Aeußern gesehen habe und daß ich von den Ergebnissen der Hnterredung sehr befriedigt bin.
Die Erhöhung der Viersteuer.
Berlin, 13. Juli. (WTB.) Der Steuer« a u s s ch u h des Reichstages hat nach kurzer Aussprache unter Ablehnung aller anderen Anträge den Kompromißantrag der Regierungsparteien über die Erhöhung der Bier- (teuer angenommen.
Danach sollen die Steuersätze betragen: für die ersten 1000 Hektoliter 6 Reichsmark, für die folgenden 1000 Hektoliter 6,50 Reichsmark, für die folgenden 8000 Hektoliter 7,20 Reichsmark, für die folgenden 10 000 Hektoliter 7,50 Reichsmark, für die folgenden 10 000 Hektoliter 7,75 Reichsmark, für die folgenden 30 000 Hektoliter 8,20 Reichsmark, für die folgenden 60 000 Hektoliter 8,60 Reichsmark und für die übrigen Mengen 9 Reichsmark.
K>'ne politische Nachrichten.
Die Stadtverordnetenversammlung von Kassel h^ewilligte gestern das Rücktrittsgesuch des Oberbürgermeisters S ch e i- demann, das mit dem 1. Oktober in Kraft tritt. Gleichseitig wählte die Stadtverordnetenversammlung den bisherigen Vizepräsidenten der Regierung in Kassel Dr. Stabiler zum Oberbürgermeister. Zum zweiten Dürgermei- st e r wurde der Regierungsrat im preußischen Staatsministerium Dr. Lahmeher gewählt, der jedoch erst sein Amt 1926 nach Ablauf der Qlmtd» Periode des bisherigen zweiten Bürgermeisters antritt.
Wie aus Warschau- verlautet, soll sich der polnische Handels Minister bereit erklärt haben, wieder in Verhandlungen mit dem deutschen Vertreter einzutreten. Die deutschen Vorschläge sollen noch einmal überprüft und durch einen Gegenvorschlag beantwortet werden.
Die Verhandlungen über Abänderung deS deutsch-spanischen Handelsvertrages sind, wie aus Madrid gemeldet wird, soweit vorgeschritten, daß in die Sachverstärrdigenbe- ratung eingetreten werden kann.
Aus aller Welt.
Flugzeugabsturz.
In der Nähe von Mibeola (Lang Island) ist ein Flugzeug mit zwei Leutnants aus einer Höhe von 1000 Fuß abgestürzt. Das Flugzeug fing Feuer, wobei beide Flieger tödliche Brandwunden erlitten.
60 Personen an Hitzschlag gestorben.
Infolge der Hihwelle, die seit zwei Tagen in Amerika anhält, sind in den Vereinigten Staaten über 60 Personen an Hitzschlag gestorben. 28 Personen sind ertrunken.
Wettervoraussage.
Winde nach Süden zurückdrehend, schon vielt fach bedeckt, wann, nur vereinzelt Niederschläge.
Die Wetterlage hat einen Umschwung erfahren. Während gestern über Europa ein ausgedehntes Hochdruckgebiet lagerte, ist dieses heute bereits etwas nach Nordosten abgedrängt. Es folgt ihm ein stärkeres Tief von Nordwesten her, dessen Ausläufer schon bis Großbritannien reichen. Stärkere Niederschläge sind vor übermorgen nicht wahrscheinlich.


