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Nr. N2 Erster Blatt

175. Jahrgang

Donnerstag, p. Mai <925

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GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

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Empfänge beim Reichspräsidenten.

Berlin, 13. Mai. (£11.) Der Reichspräsi­dent empfing heute da» Präsidium des Reichstages, bestehend aus dem Reichs- taaspräsihenten Lobe sowie den Vize- Präsidenten Dr. Bell und Graefe- Thüringen. Vizepräsident Dr RI elfer lieb sich wegen Krankheit entschuldigen. Präsident Lobe sprach namens des Präsidiums des Reichstages dem Reichspräsidenten aufrichtige Glückwün­sche für seine Amtsübernahme aus und berichtete über die Geschäftslage des Reichs­tages Der Reichstag sei zur 3cit in sachlicher Arbeit mit wichtigen Fragen, wie Auswertung, «Steuerreform, Finanzausgleich usw. begriffen. Der Reichspräsident erwiderte daraus:

Meine sehr verehrten Herren, ich freue mich, nach unserem gestrigen Beisammensein Sie heute auch bei mir begrüben zu können. Ich gebe der Hoffnung Ausdruck, dab diese Begegnung der Anfang einer durch keine Mißverständ­nisse getrübten, vertrauensvollen Zusammen­arbeit

lein wird Die ich über das Verhältnis von Reichspräsident und Reichstag denle, hab.' ich gestern ausgesprochen. Ich bin mir bewußt, daß gerade in einer Republik das Ansehen d e r R a t i o n in hohem Mähe in d i e Hände deS Parlaments gelegt ist. Das Ausland wird uns um so mehr Achtung zollen, je mehr wir unS in unserem ganzen Auftreten als aufrechtes und stolzes Volt bewähren."

Ilm 11 Uhr empfing der Reichspräsident auch die

Dertrelung des Reichsrates, den preuhischen Staatssekretär Dr.W cisman n, den bayerischen Gelandten von P reger und den braunschweigischen Staatsminister Boden. Staatssekretär Dr. Weismann übermittelte in einer Ansprache namens des gesamten Reichs- rates dem Reichspräsidenten die herzlichsten Glückwünsche und gab der Hoffnung Ausdruck, das) es dem Reichspräsidenten vergönnt sein möge, an der Spitze des deutschen Volkes und des Deutschen Reiches Einigkeit, 'Wohl­fahrt und Wiederaufbau zur höchsten Entfaltung zu bringen. Der Reichspräsident ant­wortete hierauf nut folgender Ansprache:

Ich freue mich, meine Herren, in Ihnen die Vertreter derjenigen Stelle unseres Verfassungs­lebens begrüßen zu können, der in ihrem Cha­rakter alb Organ des Reiches und als Ver­treter der Länder eine besonders gewich­tige Aufgabe obliegt. Der Reichsrat, der für die Länder an der Gesetzgebung und Verwal­tung des Reiches teilzunehmen hat, bildet so

das organische Verbindungsglied zwischen Reich und Ländern.

Dem reichen Eigenleben der deutschen Länder haben wir ein gut Teil der Vielgestaltigkeit und Fruchtbarkeit der geistigen und wirtschaft- lichen Entwicklung unseres Volkes zu danken. Wir würden die beste Quelle unserer Kultur verstopfen, wenn wir gewaltsam an der Selb­ständigkeit der Länder rütteln wollten. Sie dürfen überzeugt sein, das; ich es mir zur höchsten Aus­gabe machen werde, die berechtigten Eigen­arten der einzelnen deutschen Länder zu scho­nen und ihre Wünsche und Bedürfnisse nach Kräften zu fördern.'

Rach deni Empfang des Reichsrates erschien beim Reichspräsidenten

als Vertreter der preußischen Staatsregie­rung Ministerpräsident Braun, der von Staatssekretär Dr. Weismann begleitet war, und sprach namens des preußischen Staats- Ministeriums dem Reichspräsidenten die Glück­wünsche Preuhens und die Erwartung aus, dab das bisherige vertrauensvolle Verhältnis zwi­schen dein Reichsoberhaupt und Preußen auch in Zukunft seine Fortsetzung finden werde im Inter­esse des Gedeihens des ganzen Reiches. Der Reichspräsident erwiderte darauf:

Ich danke Ihnen meine Herren, dab Sie sich der Mühe unterzogen haben, mir bei Antritt meines Amtes in Berlin, das ja nicht nur Reichs Hauptstadt, sondern auch Hauptstadt Preu- stens ist. den Willkommengrub zu entbieten. Ich brauche Ihnen nicht zu sagen, wie innig ich mich persönlich mit dem alten Preußen verbunden fühle. Möge es Ihrer Arbeit beschieden fein, getreu den großen Hebe r liefern n gen des preubischer Staates seiner Stellung innerhalb deS Deutschen Reiches gerecht zu werden, damit Preusten weiterhin die feste Klammer bleite, die unsere Oft- und Weft- mark an den Körper deS Deutschen Reiches fesselt."

Um 12 Uhr erschienen beim Reichspräsidenten als

Abordnung der Wehrmacht deS Reiches Rcichswchrniir.ister Dr» Gehler mit feinem Adjutanten, der Ches der Heeresleitung, General v. Seeckt mit dem Ches des Stabes, und der Chef der Marineleitung, Admiral Zenker mit dem Chef des Stabes. Der Reichswehrminister sprach dem Reichspräsidenten die Glückwünsche der Wehrmacht und das Gelöbnis treuester Pflichterfüllung aus. Der Reichspräsident antwortete hierauf u. a : Ich brauche Ihnen wohl nicht zu sagen, mit wie grober innerer Anteil­nahme ich in den Jahren meiner stillen Zurück­gezogenheit die schwere und hingebende Arbeit verfolgt habe, die Sie unter den schwierigsten Verhältnissen geleistet haben. Mit stolzer Ge­nugtuung dürfen Sie auf Ihr Werk blicken. Die kleine deutsche Wehrmacht steht heute u n -

Neue Verzögerung der Näumungsfrage.

Der franzöfische Notenentwurf in London.

Troy aller durch die französischen Presse­dienste in die Welt gesetzten Mitteilungen, die Alliierten seien sich über die Räumung der Kölner Zone und die Entwassnungsfrage völlig einig, folgt doch in Paris ein Ministerrat dem anderen und must die Botschafterkonserenz immer wieder ihre entscheidende Sitzung hinausschieben. Zur Zeit geht zwischen London und Paris ein reger Telegramm wechsel hin und her, die Engländer scheinen doch keine Lust zu ver­spüren, auf die französischen Forderungen einzu- gehen. Damit aber die Stimmung in England und Amerika nicht plötzlich gegen Frankreich umschlägt man ist bereits sehr böse wegen der fortgesetzten Verzögerungen, die Dri- and hervorrust werden jetzt wieder die we­nigen sogenannten und sattsam bekanntenV c r- sehlungen" Deutschlands in der Abrüstungs­frage in die Welt hinausgesunkt. Wir hätten allerdings erwartet, dah uns andere Verstöße vorgeworfen würden, denn kein ernstzunehme'v- der Mensch wird annehmen wollen, hab die Festungsgefckühe in Königsberg, die uns der Friedensvertrag übrigens zuge stan­den hat, Frankreichs Sicherheit ebenso gefähr­den. wie dis Zeitsreiwilligen, die wir seinerzeit mit Zustimmung Frankreichs zur Rie- bertoerfung des Kommunistenausstandes ent­stellten und die längst wieder die Reichswehr verlassen haben. Sollten das die von F^ani- reich so streng geheim gehaltenen Verschlangen sein, dann versteht inan, weswegen England die französischen Forderungen abschlägt: es will sich nicht Frankreich zuliebe vor der ganzen Welt lächerlich machen.

Noch keine Räumung.

Paris. 14. Mai. (£11.) Die Blätter er­sah r en. dast bei der Abfassung der K o n t r o l l - n o t c ein volles Einvernehmen zwi­schen den Botschaftern erzielt worden sei. Die noch bestehenden Meinungsverschiedenheiten zwi­schen England und Frankreich seien nur tech­nischer Art. Sie bezögen sich in der Hauptsache auf die Methode des einzufchlagenden Verfah­rens. Auf französischer Seite lege man Gewicht aus gewisse Verfehlungen Deutschlands, denen die englische Regierung keine besondere Bedeu­tung beirnistt. In der Räumungsfrage bestünde volles Einvernehmen.

Die Kölner Zone werde erst geräumt, wenn Deutschland seine Verfehlungen wieder gut­gemacht habe.

WiePetit Parisien" meldet, wird die Rote nach der Ueberreichung in Berlin veröffentlicht werden, ebenso das Gutachten des Marschalls Foch und wesentliche Auszüge aus dem Kon­trollbericht. Die Räumung des Ruhrge­bietes wird nach dem Londoner Abkommen ab 1. September erfolgen. In den letzten Mo­naten seien die Abtransporte der französijchen Truppen ständig fortgesetzt worden. Die Räu­mung der Städte Duisburg. Ruhrort und Düsseldorf sei jedoch eine andere Frage, well die Besetzung dieser Städte als Sanktion wegen Verstößen gegen die Verträge vorgenom­men wurde. Wahrscheinlich werde die Räumung der 3 Städte noch vor der Räumung der Kölner Zone erfolgen, wenn Deutschland eine Reihe der Versehlungen obgestellt habe.

Die Blätter veröffentlichen folgende anschei­nend offiziöse Meldung: Die französische Ant­

wort auf das deutsche Sicherungsangebot ist gestern der britischen Regierung überreicht und auch den nächsten übrigen Verbündeten zur Kenntnisnahme unterbreitet worden. Die Rote, die kurz geiaht ist, verzeichnet mit Genugtuung die friedliche Anregung Deutschlands, deren

Aufrichtigkeit sie nicht in Zweifel zieht, ohne Fragen über den Anschluß Oesterreichs, die Ostgrenze oder den Völkerbund zu stellen. Weiter sührt die Rote aus, dast Frankreich als Mitgliedsstaat des Döllerbundes eine inter­nationale, durch die Vorschristen des Bun­des bedingte Politik befolge. Dagegen wird zum Ausdruck gebracht, dast die Verhandlungen mit Deutschland durch den Beitritt zum Völkerbund wesentlich erleichtert wür­den. Briand hält cs für richtig, seine Ansicht nicht näher zu präzisieren, txrbic Rote lebig- l i ch eine Empfangsanzeige im Sinne der Eröffnung von Verhandlungen darstellt, kei­neswegs den Beginn der Verhandlungen selbst.

DerM a 11 n" bringt in einer zweiten Morgenausgabe einen aufsehenerregenden Ar­tikel Sauerweins über die Roten entwürfe der französischen Regierung. Er schreibt, Frank­reich und England seien sich einig geworden, in der Kontrollnote die minderwichtigen Verfeh­lungen Deutschlands beiseite zu lassen, um u m s o größeres Gewicht auf die aus­schlaggebenden Derstöste zu legen. Da Deutschland längere Zeit brauche, um alle diese Derstöste abzustellen, sei es unwahrscheinlich, daß Köln noch in diesem

Jahre geräumt werden könnte, es sei denn, dah die Reichsregierungeinen ganz außerordentlich guten Willen" an den Tag legen werde.

Oas englische Memorandum.

lieber den Tcrl des englischen Memoran­dums, das den englischen Rotenentwurf begleitet, teilt der diplomatische Korrespondent desDaily Telegraph" mit, 'vast dieses Memorandum alle Hauptverfehlungen, die durch die Ent- wasfnnngslommission feftgcfteUt worden seien, wie auch die entsprechenden Ratschläge des Fochkomitees ausführlich analysiere. Meinungs­verschiedenheiten beständen über den Zeitraum, den Deutschland zur Erfüllung dieser neuen For­derungen brauchen werde. Man sei jedoch in London der Meinung, daß V e r l i n in dieser Hinsicht zu o p t i m i st i s ch sei.

Pessimistische Auffassung in England.

Der diplomatische Korrespondent desDaily Telegraph" teilt zu dem Antwortentwurf B r i - ands auf die deutschen Sicherheitsvorschläge mit, diese Rote werde keinesfalls zu einem schnellen Abschluß eines Garantiepaktes bei­tragen. Es fei kein Geheimnis, daß Briand ein verbessertes Genfer Protokoll einem solchen Pakte vorgezogen hätte. Aus diesem Grunde wäre Briand nicht so bereit, sofort in Verhand­lungen über den Sjcherheitspakt einzutreten, wie das Herriot gewesen wäre. In London befürchte man, dah die pessimistische Auffassung über die Haltung Briayds sich bestätigen wird und daß die Bedingungen, welche notwendigerweise von

Köln bleibt besetzt.

Öer deutschen Regierung nicht angenommen wer­den könnten, tatsächlich nicht erfüllt werben würden.

Der Korrespondent erwähnt bann einzelne Punkte, wie die Frage der schweren Artillerie in Königsberg und die Frage der Zeitfreiwil­ligen. Die wichtigste Frage wäre die Ent­militarisierung der Sicherheits­polizei. Man bezweisle in London, ob die Kompromißvorschläge der deutschen Regierung die Alliierten befriedigen würben. Ebenfalls sind wegen des sog. General st abs Schwierigkeiten zu erwarten, weil der Friedensvertrag nicht ge­stattet. 300 Offiziere im Reichswehrministerium zu beschäftigen.

Der französische Entwurf in London.

London. 14. Mai. (WTB. Funkspruch.) Der diplomatische Berichterstatter des ..Daily Telegraph" meldet, der Entwurf der fran­zösischen Rote über die Entwassnungsfrage sei gestern vom britischen Kriegsamt und vom F o r c i g n Office geprüft worden. Die An­sicht darüber, ob der Botschaftsrat jetzt schon erneut zusammentreten soll und einen wesent­lichen Fortschritt erzielen werbe, gingen aus einanber. In manchen Punkten stimmten der britische und der französische Entwurf durchaus nicht überein. Der Pariser Berichterstatter des Daily Telegraph" meldet, er habe Grund zu der Annahme, dah die französische Re­gierung eifrig darauf bedach! sei. keine ernstlichen Vk e i n u n g S v e r schie­de n h e i t c n mit der britischen Regierung in der Frage der an Deutschland zu richtenden Entwaffnimgssorderungen bestehen zu lassen.

Amerika

und der Sicherheitspakt.

DieTimes" berichten heute aus Wa­shington über die Stellung her Regierung her Vereinigten Staaten zu ben Dich:>h n.- Vorschlägen Im allgemeinen, lagt bas Blatt, könne die Haltung ber amerikanischen Regierung als mit der englischen Politik in Europa sympathisierend bezeichnet toc> ben. Die Regierung sei der Meinung, dah es nicht nur unfiug, sondern auch gefährlich wäre. Deutschland von einem Abkommen auszuschliehen. Sie sehe zur Zeit keinen Grund zur Annahme, dah Deutschland seine früher gemachten Vor­schläge rückgängig machen werbe. Diese Vor schläge sähe man in Washington als eine Dis lussionsbasis voll großer Hoffnun­gen für ben europäischen Wieder auf bau an. Wenn nun Deutschland diese Vor­schläge znrücknähmc ober wenn Frankreich die Verhandlungen mit Vedingungen komplizieren würbe, bic eine erfolgreiche Beendigung der Vc. Handlungen unmöglich machten, werbe bic Wir­kung auf die amerikanische öffentliche Meinung, milbe gesagt, höchst unglüdüd) fein. Houghton fcabe zum Ausdruck gebracht, was bic 'Bereinigten Staaten in einem solchen Falle tun würden. Rach Meinung guter Beobachter brauchten bic Ver­einigten Staaten wahrscheinlich im Rotfall über­haupt nichts zu tun. Die Empfindlichkeit des Geldmarktes gegen jede Gefahr europäischer Ver­wicklungen habe sich schon öfter und erst vor kurzem wieder gezeigt.

berührt von den Kämpfen der Par­teien und politisä)en Meinungen aufrecht do. Möge es Ihnen auch weiterhin gelingen, aus der deutschen Reichswehr das wirtsame 3n- ftrument ehrlichen Friedenswillens zu machen, das sic allein sein soll."

Namens ber Deutschen Neichsdahngesellschaft sprachen ber stellvertretenbe Generalbirettor, Staatssekretär n. D. S t i c I c r und bic Direkto­ren Vogt und K u m b i e r dem Reichspräsi­denten die Grühe und Glückwünsche der deut­schen Eisenbahner aus.

Daraus empfing der Reichspräsident ben Präsibenten der Reichsbank Dr. Schacht mit dem Vizepräsidenten Kauf|- m ann und dem Geheimrat Dr. v. Grimm. Dr. Schacht sprach namens der Reichsbank und aller ihrer Beamten und Angestellten dem Reichspräsidenten herzliche Glückwünfche aus und gab zugleich die Versicherung ab. dah die Reichsbank und alle, die ihr dienen, bestrebt sein werden, mit allen Kräften der deutschen Wirtschaft und damit dem Vaterland zu nützen. In seiner Erwiderung sprach der Reichspräsi­dent den Wunsch aus. daß bic Reichs bank wie­der zu der festen Grundlage unseres Wirtschaftslebens werde, die es dem ehrlichen Streben aller in ber deutschen Pro­duktion tätigen Stellen möglich macht, dem schwer ringenden Volke zu neuer Blüte zu verhelfen.

Des Reichspräsidenten Dank.

Berlin, 13. Mai. (£!!) Amtlich. Da es tem Herrn Reichspräsidenten zu fernem Be­dauern nicht möglich ist, für bic zah llosen Glück- und Segenswünsche, die ihm aus Anlaß seiner Wahl und seines Amtsantritts aus allen Teilen zugegangen find, in jedem Falle einzeln zu danken, spricht er allen, die ihm in diesen Tagen Zeichen eines freundlichen Ge­denkens übersandt haben, auf diesem Wege für diese Aufmerksamkeit und das durch bekundete

Vertrauen seinen herzlich st en und auf­richtigen Dank aus.

Paris und Hindenburg.

Paris, 14. Mai. (TU.) Die Blätter kom­mentieren ausführlich bic Ansprache Hinden- burgs im Reichstag DerTemps" stellt fest, dah ber neue Reichsprölibent mit Rachdruck die Friedensidee betonte. Alle Blätter sehen sich zu der Feststellung vcranlaht, dah die An- Iprache ungewöhnlich geschickt abgefaht war. Journal des Debats" schreibt:Der neue Reichspräsident hat unzweideutige offizielle Versprechungen g geben. Er hat ber Ver­fassung ber Republik und ber Fahne Schwarz- Rot-Gold den Eid geleistet. Offenbar will Hin­denburg gegenüber der Verfassung korrekt blei- beiu'^Das Blatt lieft aus der Erklärung Hinden­burgs auch die Absicht, die K ri egs schul d- frage wieder neu aufzurollen. Ausgabe des französischen A.chcnministerS sei es, ben Anstren­gungen der beutidjen Propaganda endlich cm Ende zu setzen. Die fränkische Antwortnote auf das deutsche Sicherungsangebot enthalte feinen diesbezüglichen Passus. Man dürfe sich aber nicht verhehlen, daß alle Dorausfetzungen für die Unterzeichnung des Garantiepattes gegen­standslos feien, solange Deutschland nicht zur moralischen Abrüstung und zum Ein­geständnis feiner Schuld am Kriege gezwungen werde.

Weitere Glückwünsche des Auslandes.

Berlin, 13. Mai. (HL) Der Präsident von Mexiko und der Präsident von Li­beria haben an den Reichspräsidenten Glück­wunschtelegramme gerichtet.

Die britische Regierung wird an den Reichs­präsidenten die bei solchen Gelegenheiten üblichen Glückwünsche sendtn. Die Erklärungen Hinden­

burgs bei seiner 'Amtsübernahme haben in Lon- don einen sehr günftigen Eindruck gemacht. Man fühle, dah feine Uebereinftimmung mit dem Kabinett Luther-Strefemann in der auswärtigen Politik ehrlich gemeint sei.

Ruhland und Hindenbura.

Moskau, 14 Mai. (WTB. Funkspruch) Die heutige Sitzung des Kongresses der Sowjets war besonders interessant durch das Wiedererscheinen Trotzkis in der pvlili chen Oessentlichkeit. Trotzki wurde stürmisch be­grüßt. Im Zuhörerraum waren ber Berliner russische Botschafter Krestinski fowie daS ge­tarnte diplomatische Korps anwesend. Der Ver­fitzende des Rates der Volkskommissare Rykoss hielt eine beb enttarne Red 7. in ber er u. a. anö- führte. RußlanbS Beziehungen zu Dcutfch- lanb charatterifierten 'ich bis jetzt durch Freun?- schasi unb gegenseitiges Verständnis sür die Intereffen, die seinerzeit ben Rapallover- trag ins Leben riefen. Rußland habe bas Be­streben, auch bei ber neuen Regierung Deutsch­lands seinen Grundsatz streng zu besolgen, sich in innerdeutsche Angelegenheiten auf keinen Fall einzumifchen Augenblicklich führe Deutschland Verhandlungen mit der Entente, die nicht ein» sluhlos auf bic beutsch-sowjetruttiichen Beziehun­gen bleiben könnten. Ruhlanb hoffe auf schnelle Unterzeichnung des Handelsvertrages. Die Wahl Hindenburgs werde die unver­ändert freundschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Sowjet-Rußland nicht ungünstig beeinflussen können.

Riesenfeuer in Japan.

Wie ans Tokio gedrahtet wird, ist der etwa 40 englisHe von dort entfernte Ort Kumahaha fast völ ig niedergebrannt, Tausende von Tlenf.en lind obdachlos geworden. Der Schaden beläuft sich nach den ersten Schät-