Feuer am Nordpol.
Technisch-politischer Roman aus der Gegenwart.
Von Karl-August von Lassert.
16. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„Das würde die Kosten bedeutend und unnötig vermehren", meinte dieser.
„Dafür wäre eine viel größere Sicherheit des Unternehmens verbürgt. Einer Maschine kann leicht ein Unfall zustoßen. Eine Notlandung auf dem Wasser oder auf Eisbergen könnte zu Bruch führen. In einem solche Falle würde die zweite Maschine die Insassen aufnehmen. Wenn sich auch die Kosten für das Unternehmen verdoppeln, so ist die Wahrscheinlichkeit, es zum guten Ende zu führen, verzehnfacht."
„Glauben Sie noch an die Wahrscheinlichkeits- t»»rechnungen?" fragte Nagel den jungen Ingenieur. „Ich zweifle sie stark an. Wie oft wirft eine Reihe von Zufällen alle Berechnungen dieser Lehre über den Haufen. Ich glaube an das Glück des Tüchtigen, das alle Widrigkeiten zwingt."
„Liebhard hat recht", fiel Martens ein. „Nur die denkbar besten Vorbereitungen verbürgen das Gelingen."
„Und wer wird die Kosten für die zweite Maschine und für die vermehrte Ausrüstung tragen?" rief Nagel.
„Ich stelle auch die zweite Maschine unentgeltlich zur Verfügung!" rief Martens. „Ja, ich bin froh über diese Lösung, denn jetzt erst hoffe ich mit Zuversicht auf einen glücklichen Ausgang."
„Den großen Vorteil des Vorschlages sehe ich wohl ein", sagte Nagel. „Doch vermag ich mich heute nicht zu entscheiden, weil noch andere Faktoren mitsprechen." Er wandte sich zu den jungen Männern: „Ich nehme also vorläufig Ihr Anerbieten dankbar an und bitte, mir Namen und Personalien in diese Liste einzutragen, damit ich die Pässe besorgen kann. In wenigen Tagen hoffe ich Ihnen mitteilen zu können, ob ich Sie alle mitnehme oder ob die Hälfte von Ihnen Zurückbleiben muß."
Als die Freunde wieder allein waren, fragte Nagel:
„Du bis! wohl Dollarmillionär geworden, daß du so freigebig mit deinen kostbaren Maschinen umspringst?"
„Mir geht es geschäftlich gut. Gott sei Dank! Und mein zweites Flugzeug, den „Stößer", vertraue ich dir deswegen nicht ungern an, weil ich in letzter Zeit gewarnt worden bin, mich vor den Franzosen in acht zu nehmen. Die Existenz der beiden Rapdiflieger ist allerdings nur wenigen völlig Zuverlässigen meiner Seihe bekannt. Aber vielleicht ist doch etwas durchgesickert. Darum wäre es mir auch lieb, wenn du dich sobald wie möglich mit beiden Maschinen auf den Weg machtest."
„Wer wird die Flugzeuge steuern?"
„Zwei von den jungen Ingenieuren, die eben hier waren, Gerling und Liebhard. Sie gehören zu den Eingeweihten und haben die Rapidflieger bereits in nächtlichen Flügen heimlich gefahren. — Doch sage mir, was veranlaßt dich zu deinem Ausfall gegen die Wahrscheinlichkeitslehre? Das Glück des Tüchtigen in allen Ehren. Aber auf die Dauer siegt die Wahrscheinlichkeit der Zahlen. Wo blieben sonst die Versicherungsgesellschaften?"
„Und doch trügen die Zahlen. Ein Beispiel dafür. Die Wahrscheinlichkeitslehre hat berechnet, daß an sämtlichen Roulettetischen in Monte Carlo ungefähr 2000 Jahre gespielt werden müsse, bevor einmal eine Serie von 30 herauskäme. Aber bereits wenige Jahre nach Gründung der Spielbank kam eine Serie von 32mal Rot hintereinander. Und derartig große Serien haben fid) seitdem mehrfach wiederholt."
„Sollte das nicht mit der Eigenart des Roulettespiels Zusammenhängen?"
„Dann nimm ein anderes Beispiel aus dem täglichen Leden. Wenn du in einer Großstadt etwa mittags um 12 Uhr dein Haus verläßt, so ist die Wahrscheinlichkeit, ob dir zuerst ein Mann oder eine Frau begegnet, etwa gleich groß. Die Wahrscheinlichkeit, daß dir zuerst vier Männer hintereinander begegnen, ist bereits die von 1 zu 16, bei 8 Männern ist sie 1 zu 256. Daß dir aber hintereinander 100 Männer begegnen, ehe du eine Frau triffst, dürfte nach der' Wahrscheinlichkeitslehre seit dem Bestehen des Menschengeschlechts nichtvorgekommen sein. Und nun passiert dir folgendes: Beim Verlassen deines Hauses begegnet
dir in der sonst menschenleeren Straße cme Kompagnie Soldaten. Ein solches Ereignis ist fieber schon häufig eingetreten. Damit wurde das Unmögliche Wirklichkeit, jede Berechnung ad absurdum geführt."
„Ich erinnere mich jetzt, daß die moderne Wahrscheinlichkeitslehre diesen nicht zu leugnenden Tatsachen Rechnung getragen Hot und ihre Lehre durch das sogenannte System der Ballungen erweiterte."
„Und gerade diese Ballungen nehme ich für mich in Anspruch, behaupte aber, daß sie nicht willkürlich eintreten, sondern sich durch Willen und Tatkraft das, was die Mehrzahl der Menschen Glück nennt, herbeiführen läßt."
„Ich wünsche dir von Herzen möglichst viele Glücksballungen bei deinem Unternehmen."
„Laß mich meinen klaren Kopf und meine Gesundheit behalten, dann überwinde ich alle Widrigkeiten. — Keine noch so verzweifelte Lage ist hoffnungslos, mag die Wahrscheinlichkeit auch gegen uns spechen."
„Ich wollte, Deutschland besäße mehr Männer, die so denken."
„Sie werden kommen und die Serie der Glücksballungen für uns erzwingen."
2.
Nagel war höchst erstaunt, daß die russische Botschaft in Berlin aufs genaueste orientiert schien. Vor fünf Tagen erst reifte er von Campina ab. Und jetzt bereits hatten diese Russen von Moskau her ihre Instruktton über ihn erhalten.
Ein kleiner, kalmückisch aussehender Beamter empfing ihn.
Sie sind von Herrn Stratoff empfohlen", sagte er. „Wir werden Ihre Wünsche erfüllen."
Nagel bat, ein Telegramm zu übermitteln. Es lautete:
Herrn Stratoff, Kalmikowskaja.
Halte aus Sicherheitsgründen die Mitnahme von zwei Flugzeugen für angebracht. Benzinreser- ven müssen daher verdoppelt werden. Erbitte Antwort, ob das möglich. Nagel."
„Das Telegramm wird sofort als Funkspruch über Königswusterhausen besorgt werden", sagte der Beamte. „Kalmikowskaja wird es sofort ablesen, da wir den für Stratoff bestimmten Geheim-
schlüffel nehmen. Bis morgen früh 7 Uhr ist Mf Antwort da."
Damit war er entlassen.
Am nächsten Morgen erschien er um 8 Uhr früh auf der Sowjetbotschaft.
Stratoffs Antwort lautete:
„Hatte zur Sicherheit bereits doppelten Benznv Vorrat in Christiania und Neuyork angefordert. Er« warte Sie mit zwei Maschinen. Mein Flugzeug wieder nach Saratu unterwegs, um die Fürstin und Sanders abzuholen. Falls Sie weiteres Geld gebrauchen, wird Botschaft es Ihnen geben."
Nagel wandte sich an den Beamten:
„Darf ich Sie bitten, für mich und für ine acht Herren, die auf dieser Liste verzeichnet sind, Pässe nach Kalmikowskaja auszustellen?"
„Dazu gebrauche ich noch Ihre Photographien", sagte der Russe.
„Die kann ich erst in einigen Tagen besorgen."
„Dann kleben Sie sie nur allein in die dazu vorgesehene Stelle. Auf das Visum der deutschen Behörden werden Sie ja doch verzichten."
„Wäre es nicht besser —"
„Dann müssen Sie sich zunächst erst mal deutsch«. Pässe besorgen, müssen die Eimvilligung Ihrer verschiedenen Finanzämter haben und würden womöglich noch als des Kommunismus verdächtig eingesperrt. Aber wie Sie wünschen."
Nagel lachte.
„Sie haben völlig recht. Wir wollen ja auch ganz im geheimen abfahren. Wann kann ich die Pässe erhalten?"
Wir schicken sie binnen drei Tagen nach Gocha an Herrn Martens. — Leben Sie recht wohl und fliegen Sie recht hoch über Mütterchen Rußland. Bei uns schießt man auf alles, was stiegt, schnell fährt oder läuft."
3.
Noch am selben Tage kaufte Nagel die für dik Nordlandfahrt gewünschten Kleidungsstücke: lange Gehpelze und Pelzwesten für jeden der Teilnehmer. Er wählte sie warm und doch möglichst leicht, denn man wollte ja nur im Notfälle die schützende Kabine der Flugzeuge verlassen. Auch die nötigen Pelzstiefel wurden besorgt.
(Fortsetzung folgt) /
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Realschule Nidda.
3n der Sitzung des Hessischen Landtags vom 6. April 1925 wurde die Erweiterung der höheren Bürgerschule Nidda 3Ut Realschule genehmigt. Dieselbe tritt bereits mit Beginn des neuen Schuljahres in Kraft. Schuler, welche die Obertertia mit Erfolg durchlaufen haben, können von Ostern 1925 ab in unsere Anter-Sekunda eintreten.
In die Sexta können Schuler nach 4jährigem Besuch einer Volksschule eintreten. Vach einer herausgekommenen Verfügung des Landesamts für das Bildungswesen können aber auch ausnahmsweise Schüler nach 3jährigem Besuch einer Volksschule zur Aufnahmeprüfung in die Sexta zugelassen werden, wenn das Abgangszeugnis der bisher besuchten Schule mindestens die Durchschnittsnote „gut" aufweist und die körperliche Leistungsfähigkeit des Kindes durch ein ärztliches Zeugnis bescheinigt wird. Aach Bestehen der Prüfung erfolgt die Aufnahme auf Probe bis 1. Juli 1925.
Um den aus der Richtung Gelnhausen-Stockheim kommen- den Schülern den Besuch zu erleichtern, lasten wir den Unterricht erst um 8.40 Uhr beginnen.
Die neu eintretenden Schüler haben Geburtsschein, Impf, schein und das Zeugnis der zuletzt besuchten Schule vorzulegen.
Die Ausnahme findet Montag, den 20. April 1925, um 9 Uhr, in der Schule statt. Der eigentliche Unterricht beginnt erst Dienstag, den 21. April.
Zu jeder weiteren Auskunft ist das Rektorat jederzeit gerne bereit.
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