Aus Natur und Technik
Kohlenstaubfeuerung.
Don Wilhelm Duchmann.
Untere Feucrungstechnck, insbesondere zur Dampferzeugung, zielt immer mehr auf eine 6lel» Gerung der Wirtschaftlichkeit Vermehrte Aus- nuyung der Brennstoffe, Verringerung der De- tricbskvsten, Vereinfachung der Bediemmg. Er- HHHuirg deS Wirkungsgrades, das find die wesentlichsten Forderungen. die heute an die Wissenschaftler und die Ingenieure gestellt werden. Die letzten Iahre haben unS auf diesem Gebiete durch weitere Verbreitung der Kohlenstaubfeuerung und durch sorgfältige Auswertung der Betriebsart ah- runqcn ein ganzes Stuck vorwärts gebracht. Besonders ist man 'm Amerika schon recht weit fortgeschritten: zahlreiche große Anlagen sind dort im Betrieb, die sich bewährt haben. So wird z. D. das Kraftwerk dec berühmten Fordschen Kraltwagenfabrik in Detroit mit Kohlenstaubfeuerung betrieben, wobei sämtliche Kessel von einem einzigen Punkt aus nicht nur überwacht, sondern auch gclenft werden können. Auch in Deutschland sind bereits eine ganze Reihe von Kraftwerken und anderen Betrieben mit der neuartigen Feuerung ausgerüstet, die neuerdings auch zum Beheizen von Zementöfen verwendet wird.
Vlit Recht ist immer wieder darauf hingewiesen worden, dah bet einer Verfeuerung der Kohle im Urzustand nur ein Teil des darin steckenden Wärmewertes wirklich auSgenützt wird: ein nicht geringer Bruchteil geht in den Ascheabfällen und in den Rauchgasen verloren. Durch sinnreiche Ausbildung der Roste — eS seien hier nut die Schräg- und die Wanderroste erwähnt — imb durch Verbesserungen der Kessel und der Züge hat man zwar den Wirkungsgrad gaiu erheblich zu verbessern versucht, jekwcy lieh sich das Ziel auf diese Weise nicht erreichen. Dor allem brauchte man für hochwertige Leistungen auch hochwertige teure Kohle für viele Zwecke, wie Glüh-. Härte- und SchmiÄ>eöten ist z. B. Gruskohle oder gar Braunkohle nicht verwendbar. Es kommt hinzu, dah die erzielbaren Wirkungsgrade sehr stark von der sorgfältigen Bedienung und guten Betriebsüberwachung ab» hängen. Lagerung und Verteilung auf die einzelnen Drennstellen verursachen auch Unbequemlichkeiten und Schwierigkeiten.
Aus allen diesen Gründen hat man die Verwendung von flüssigen Drermstoffen eifrig gefördert: das jjrböl begann seinen Siegeszug. Die Zahrcserzeugung reicht aber bei weitem nicht zur Deckung des Bedarfs aus: viele Industrieländer haben gar keine oder, wie Deutschland, nur geringfügige Grdölvorkommen. So war man gezwungen, einen brauchbaren Ersatz für das Oel zu suchen. Dieser Ersah ist der Kohlenstaub.
Ganz fein zerpulverte Stern- oder Braunkohle in lockerer Schüttung zeigt merkwürdige Eigenschaften, die denen des Eäwls sehr nahe kommen. Die Staubkörnchen, die nur wenige Hundertstel Millimeter Durchmesser haben, schwimmen sozusagen in der Luft, ohne zusammenzubacken, sie bilden also mit dieser eine Art Flüssigkeit, die sich bequem umfüllen und durch Rohrleitungen hinduichpumpen läßt. Bei genügendem Luftzutritt läht sich das Kohlenstaub- Luftgenrisch schon mit einer gewöhnlichen Flamme leicht entzünden, und zwar seltsamerweise schon bei geringeren Wärmegraden als flüssige oder gasförmige Brennstoffe. Die Zündpunkte liegen ja nach der Art der Kohle, der Feinheit ihrer Zermahlung, der Menge der zugesetzten Lust und der Durchmischung etwa zwischen 250 und 600 Grad Celsius. Die eigentliche 'Verbrennungstemperatur läht sich viel höher treiben als bei anderen Feuerungen, da man den Luftzutritt auf das zur Verbrennung notwendige Mast beschränken tann. Man erzielt auf diese Weise Wärmegrade bis zu etwa 1900 Grad Celsius.
Deutsches Museum für Naturwissenschaft und Technik.
Von Ewald Beckmann-München.
Was sich in dem Deutschen Museum für Naturwissenschaft und Technik in München seiner vorläufigen Vollendung nähert, ist ein ganz überwältigendes Zeugnis deutscher Kultur in Vergangenheit und (bcgenwart. Die Grundsteinlegung zu dem Neubau des Deutschen Museums erfolgte bereits im November des Jahres 1906 in Gegenwart des deutschen Kaiscrpaares und des Prinzregenten Luit- pold von Bayern unter besonderen Festlichkeiten. Jetzt, nach fast neunzehn Jahren, soll in den ersten Tagen des Mai die Einweihung und Eröffnung erfolgen. Für die beabsichtigten festlichen Veranstal- tungen find mehrere Tage vorgesehen, und an dem Jjauplfcfttapc, am 7. Mai, wird ein Festzug München durchziehen, für den die gesamte Künstlerschaft Münchens ihre Mitwirkung leiht. Auf der von der grau-grünen Isar umflossenen sogenannten Mu- jeumsinsel erhebt sich der wuchtig gegliederte gewaltige Eisenbetonbau nach den Plänen des verstorbenen Gabriel von Seidl, der auch das neue Bayerische Nationalmuseum an J)er stolzen Prinz-Negen- ten-Straße schuf. Bei 12 000 Quadratmeter überbauter Bodenfläche umfaßt das Deutsche Museum 40 000 Quadratmeter Ausstellungsräume und ist das größte und bedeutendste Museum seiner Art in der Welt. Der Weg durch die Sammlungen beträgt 14 Kilometer. Ein mindestens gleich großer Bibliotheksbau mit Borträgsjälen soll später noch im Anschluß an das Muieum errichtet werden. Die Bibliothek ist zunächst provisorisch untergebracht und erhält bereits 90 000 naturwissenschaftlich-technische Werke aller Zeiten, eine Plansammlung mit einer großen Zahl von Originalplänen und Zeichnungen zum Studium von Maschinen, technischen Bauwerken usw.. ferner Sammlungen von Urfun- den, Porträts. Denkmünzen, Lichtbildern usw. Der Bau des Deutschen Museums war bereits 1914 im Rohbau fertig gestellt, aber während der Kriegs- scchrc ruhte die Bautätigkeit, und erst 1921 konnten die Arbeiten wieder aufgenommen werden. Jetzt stellt man die letzten Zugangswege und Brücken über die Isar her, und an dem 64 Meter hohen viereckigen Turm an der Westfasfade des Gebäudes werden die großen, fünf Meter Durchmesser zeigenden Zifferblätter für ein Thermometer, einen Windmesser und ein Hygrometer angebracht, während das Barometer an der vierten Seite des Turmes schon seit längerer Zeit in Wirksamkeit ist. Der Turm trägt noch einen 16 Meter hohen Antennen- inast für drahtlose Telegraphie und Telephonie. Von dem Aussichtsbalkon in 50 Meter Höhe hat
Dabei find btc Abfälle noch umxrbra unter Kohle mit der Asche äußerst gering; sie betragen etwa mir 1 vorn Hundert
M
K
Unter Bild zeigt schematisch die wichtigsten Vorrichtungen einer Kohlenstaubfeuerungsanlage von der grobstüctigen Kohle bis zum Feuerraum eines Schrägrohrkessels. Aus dem Bunker gelangt die Stückkohle in einen Walzenbrecher W, in dem sie auf etwa 2 Zentimeter starke Körner zerkleinert wird. Diese werden meist über einen Magnetscheider M geführt, der magnetische Beimengungen, wie Eisen und Erz, absondert, und dann einem Bunter zugelettet. Aus diesem fällt die Kohle, falls sie zum Mahlen zu seucht ist, in eine beheizte, geneigte und sich langsam drehende Trockentrommel T. Die Heizgase umspülen zunächst die Trommel von außen und durchstreichen sie dann entgegen der Dewegungs- richtung der Kohle, wie dies durch die Pfeile angedeutet ist. Die getrocknete Kohle gelangt in einen Bunker BJt aus dem sie mit einer Schnecks der Walzen- oder Kugelmühle K gleichmäßig Angeführt wird. Hier wird sie zu feinstem Staub zerrieben, der mit Lüsterflügeln durch engmaschige Filter zur Schneckenpumpe P befördert toirb. Die Pumpe P drückt nun den Kohlenstaub, dem bei L noch Druckluft zugesetzt wird, durch die Rohrleitung R in die Dorratssilos S. Von hier aus kommt der Staub — wieder mit einer Schnecke — zum Brenner B, wo ihm die nötige Verbrem- nungsluft von einem Gebläse G zugesetzt toirb. Dom Feuerraum streichen die Heizgase in der Pfeilrichtung zwischen den Heizrohren des Kessels hindurch.
Die Zusahlust tritt gewöhnlich in das Innere des Kohlenstaubstrahles ein; bei der Erhitzung dehnt sie sich aus und vermischt sich innig mit dem Brennstoff. Die Austrittsgeschwindigkeit aus dem Brenner muß großer sein als die Rückzünd- geschwindigkeit, die etwa 4 Meter in der Sekunde beträgt, damit die Flamme nicht zurückschlägt und den Brenner beschädigt. Ein Zurückschlagen in die Leitung ist nicht zu befürchten, da die Traglust des Kohlenstaubes nicht zur Verbrennung genügt.
Vielfach wird der Flamme in der Brennkammer noch Luft xugefcht, besonders an der Spitze, damit eine möglichst vollständige Verbrennung erzielt wird.
Besondere Sorgfalt muß auf die Ausführung der Brennkammer gelegt werden Sie ist größer zu bemessen als bei anderen Feuerungen und wegen der hohen Hitzegrade mü widerstandsfähigstem Stoff auszukleiden. Vorteilhaft ist es. sie mit Lust zu kühlen und die auf diese Weise vorgewärmte Luft dem Brenner zuzuführen. Das Entfernen der Schlacke und Asche machte zuerst Schwierigkeiten, die jcckwch durch Abführen in noch flüssigem Zustand oder durch plötzliches Abschrecken mit Luft, Wasser oder Dampf behoben werden konnten. Die durch den Schornstein aus- getoorfene Afchenmenge ist nicht größer als bei anderen Anlagen.
Die besondern Vorteile der Kohlenstaubfeuerung liegen darin, dah selbst minderwertige Kohlen in wirtschaftlicher Weise verfeuert und daß weitverzweigte Anlagen von einer Stelle aus beschickt werden können. Das einfache Abstellen gewährleistet sparsamsten Betrieb, da das Feuer nicht wie bei Rostfeuerungen gedeckt werden muh. Die kurze Zündzcit macht die Kohlenstaubfeuerung besonders auch als Zusatzheizung für Rostfeuerungen zur Deckung von Spitzenleistungen geeignet. Man hat auch schon in verschiedenen Ländern Lokomotiven mit der neuen Feuerung ausgerüstet.
Die wesentlichsten Schwierigkeiten der Kohlenstaubfeuerung können heute als überwunden angesehen werden; trotzdem bleibt noch viel zu tun übrig, um ihr die Verbreitung zu sichern, die ihr auf Grund ihrer großen Vorzüge zukommt.
^Brutpflege bei Pflanzen.
Daß die Tiere mit großer Sorgfalt für ihre Brut sorgen, wissen wir, aber daß auch die Pflanze in wunderbarer Weise für ihre Nachkommenschaft sorgt, hat erst die neueste Botanik erkannt. In feinem bei Earl Reißner in Dresden erschienenen Buch „Zeugungswunder" behandelt H. u. Bronsart auch diese Brutpflege der Pflanzen. Die Pflanze muß vor allem dafür sorgen, dah ihre Nachkommenschaft den nötigen „Platz an der Sonnne" erhält, nämlich Erde zum Keimen und Sonne. Dazu ist ein gewisser Abstand von der Nachbarpslanze nötig, und darauf sieht die Pflanze ebenso rote darauf, daß ihre Samenkinder den richtigen Ort zum Keimen erhalten. Das kleine Zimbelkraut z. D., das aus Italien stammt, aber in Deutschland seit langem eingebürgert ist, reckt seine Blütenstile solange der Sonne entgegen, bis die Zeit der toamenreife herannaht; dann aber biegt sie die reifenden Früchte von der Sonne fort und legt die Samenkapseln sorglich in die Spalten zwischen den Mauerritzen, aus denen die jungen Blüten hervorsprießen. Durch das Zu- rückkrümmen der Blütenstiele nach der Befruchtung sorgt sie also dafür, daß ihr Samen die günstigsten Lebensbedingungen erhält. Solche Beispiele „aktiver" Brutpflege gibt es noch viele bei den Pflanzen. So gräbt die Erdnuß ihre Früchte in die Erde ein, und während der Fruchtknoten anfangs vom Erdboden weg in die Höhe strebt, bohrt er sich nach der Befruchtung zentimetertief in den Boden, damit der Samen dort sicher und ruhig der Blüte entgegenreifen kann. Zur Brutpflege sind auch die Mittel zu rechnen, durch die die Pflanze ihren Samen möglichst weit ausstreut, und chm dadurch die nötige Bewegungsfreiheit aewährt. So hat das bekannte Springkraut, das „Kräutlein Rühr-mich- nicht- an", in feinen langen, schotenartiaen Früchten so merkwürdige Spannungsoerhältnisse, daß gie die Längswände, wenn gewisse Nähte aufreihen, sich blitzschnell einrollen und den Samen mit groher Schleuderkrast fast einen Meter weit wegspringen lassen. Solcher Schleuderoorrichtungen gibt es viele und sehr hoch entwickelte in der Pflanzenwelt. Während die Balsannne impatiens ein richtiger Bogenschütze ist, findet sich das Prinzip der explodieren-
man einen der herrlichsten Blicke über ganz München. Während der Turm auf der Plattform Scheinwerfer, Fernrohre und dergleichen trägt, befindet sich im Innern ein Foucaultsches Pendel zum Nachweis der Erddrehung, mit dem auch das Publikum Versuche unternehmen tann.
Und nun will ich auch gleich von der astrono- nuschen Abteilung des Deutschen Museums sprechen, die ohne Zweifel einen der Hauptanziehungspunkte nicht nur des Publikums, sondern auch der wissenschaftlichen Welt bilden wird. In sie gelangt man vom Haupttreppenhaus des dritten Stockes. Drei Sternwartkuppeln trägt das Gebäude an feiner Nordfront, die bei günstiger Witterung auch abends zugängig fein sollen. Die Westkuppel ist mit Oefsnuna und Drehbühne von Zeih ausgestattet. Die Ostkuppel von 7 Meter Durchmesser trägt ein Spiegelteleskop von 40 Zentimeter Deffnung von Goerz. In der astronomischen Abteilung finden wir alle einschlägigen Meßinstrumente, Sonnenuhren mit Demonstrationen, Darstellungen der Beschaffenheit der Himmelskörper usw. Von großem Interesse ist es, die Entwicklung der Sternwarten zu verfolgen an naturgetreuen Modellen von Heoels Observatorium in Danzig, Oranienburg von Tycho Brahe, der Stemroarten von Jaypur, Paris, Straßburg usw. An dem großen Modell der Sternwarte von Jaypur ist der verschiedene Swnd des Sonnenlichtes mittels elektrischer Beleuchtung einzuschalten. Die gewaltige Mittelkuppel des Museums aber trägt den ISzölligen Fraunhofer-Refraktor aus Pukowa bei Petersburg, der kurz vor dem Kriege zurückerworben wurde. Die Kuppel ist mit einer elektrisch betriebenen Hebebühne versehen, die je nach der Neigung des Fernrohrs hoch gefahren oder gesenkt werden kann. In anderen Raumen werden die Weltsysteme dargestellt. Ein wahrhaftes 3auberfabinett wird das große Ptolemäische Planetarium do den Zeihwerfen in Jena. Auf eine Kuppel von 3 Meter Durchmesier werden der ganze Firfternbiminel sowie Sonne, Mond und Planeten mit den ihnen eigenen, selbstverständlich je» doch beschleunigten, Bewegungen projiziert werden. Hier fann man den Stand der (Sterne im Augenblick großer wetthistorischer Ereignisse einstellen, aber auch jeder einzelne Besucher vermag sich den Stand der Gestirne in der Stunde ober gar Minute seiner Geburt darzustellen. Und bann finben mir in der Unterabteilung der Astrologie die interessantesten Horoskope aus dem Altertum und dem Mittelalter. Da ist auch noch ein kopemikanisches Planetarium der Zeißwerke, das in einem Raum von 12 Meter Durchmesser die wirkliche Bewegung der Planeten um die Sonne veranschaulicht und es dem Besucher ermöglicht, auf einem Wagen mit der Erde durch das Weltall zu fahren.
I n ■■—■■■■■■ .............——
Und nun führe ich Sie aus diesen Himmelsregionen unter die Erde. Da ist im Untergeschoß die Erdbebenstation. Und bann gelangen wir in die Bergwerke. Wir können auch einen betriebsfähigen Fahrschacht benutzen. Wir passieren Abteuf- szenen, kommen an Füllorien vorbei mit gangbaren Betriebseinrichtungen, wie Wasserrad, Fahrkunst usw. Wir durchwandern Kohlen-, Salz- und Erzbergwerke. Abbauorte in bekannten Bergwerken sind naturgetreu in Originalgröße nach Abdrücken her- gestellt. Es ist einfach fabelhaft, was man hier in der Rekonstruktion natürlicher Bergwerke geleistet hat. Wir begehen ganze Stollen, die bis .zum letzten Tüpfelchen naturecht sind; der Kohlenstaub auf den Fußböden wird besonders die Damen in Hellen Strümpfen davon überzeugen. Selbst eine kutur- historische Bergmannsstube mit den Betschemeln und Orgel fehlt nicht. Und in dem viele Meter hohen Salzbergwerk arbeiten auf den gewaltigen Blöcken die Bergleute mit ihren Grubenlampen m der Hand. In den Erzwerken des 'Harzes sehen wir auch die Kähne auf den unterirdischen Wasserstraßen, mit denen das Erz befördert wird.
Und so baut sich das Deutsche Museum nun weiter auf. Jede Abteilung von einer Vollständigkeit und mit einer Liebe und Sorgfalt zufammen- gestelll nicht nur zur Schau, sondern auch zum praktischen llntericht. Die historisch wichtigen Originale und die naturgroßen und naturgetreuen Modelle anderer historischer Originale, die wir da 'in den Abteilungen Bergwerksmaschinen, Metallhüttenwesen, Eisenhüttenwesen, Metallbearbeitung und vor allem Kraftmaschinen finden, sind betriebsfähig. Von welch unschätzbarem Werte ist es, wenn demonstriert werden kann an der Wassersäulenmaschine von Reichenbach von 1817 ober an der ersten deutschen Wasserturbine von 1834 ober an der ersten Wattschen Dampfmaschine, an dem Wasserrohrkessel von Alban, den ältesten Dampftur- binen von Parsons und Laval ober dem ersten Dieselmotor. Dann kommen im Verkehrswesen bie Fahrräder und Automobile, die ersten und letzten, die Eisenbahnen und elektrischen Bahnen, die erste Lokomotive „Puffina Billy" von 1813, eine Nachbildung zwar, die aber den Vorteil gegenüber dem in London befindlichen Original hat, daß sie läuft, während das Original eingerostet ist. Sonst wären die beiden Maschinen nicht voneinander zu unterscheiden, !o genau sind die Abdrücke genommen worden. Dann kommen die ganz modernen Dampf» unb elektrischen Lokomotiven, alte und neue Eisenbahnwagen. Tunnelbau, Brückenbau und Straßen- bau werden mit Modellen von peinlichster Erakt- heit im Altertum und im Mittelalter und heute, in Asien und in Amerika und in Europa gezeigt. Was- serstrahen-. Hafenbau. lleberwälligenb wirft die
den Bombe bei der tropiftben Hura rtvpttom. ihren Samen 14 Meter weit schießen kann. Selbst die Eriindung der „gezogenen" GeschützLufe ift bei den Pflanzen schon längst gemacht, und bei ihren Schießvorrichtungen findet das Gesetz Anwendung daß rotierende Geschosse weiter fliegen al» solche, bie keine Drehung um ihre Achse ausführen. Sei der Glyzine Wistana erfahren die beiden Hälften der reifen Hülse im Augenblick des Aufplatzens eine starke plötzliche Drehung, wodurch die herausfliegen den Samen in drehende Bewegung gefetzt werden. Zur ..Technik" der Brutpflege gehört es auch, daß die Sarnen vielfach so fein und leicht gestaltet sind, daß sie durch den leisesten Lufthauch zu weiten Luft reisen veranlaßt werden.
Bettlerkräuter,
Eine in ganz Europa gemeine Pflanze. Lyco- pus europaeus. in Deutschland als Rolsstvapp bekannt, führt m England den Rainen Gi°psh wort (Zigeunerwurz > Sie wurde so benannt, weil sich gewöhnliche Landstreicher ihrer bedienten, um ihrer Haut die dunkle Färbaurg zu geben, die es ihnen gestattete, als Zigeuner aufoutreten, also gewissermaßen im Vetttergewerbe eine höhere Rolle zu spielen. Andere Glieder der Bettter- zunst suchten das Mitleid durch künstlich erzeugte Schwären zu erregen. Zu diesem Zwecke bediente man sich des Saftes verschiedener Pflanzen aus der Familie der Hahnenfußgewächse, von denen besonders der in Gräben wachsende Difthahnen- fuß gebraucht wurde. Zn den südlichen Ländern wurden zwei Clematis-Arten für diese Praktiken benützt. ClematiS Ditalba und Clematis Flammula. welch letzterer ‘Harne auf den bren- nenben Saft Bezug hat Der Reisende Pallas erzählt von der in die gleiche Pslanzensamilie gehörigen Küchenschellen .Der Landmann fermt sie sehr wohl, weil das junge 'Vauernvolk bei Werbungen, um sich dem Soldatenstande zu ent- ziehen. oft durch Auflegen des zerquetschten Krautes, welches eine blasenziehende Kraft hat. sich flache Geschwüre an verschiedenen Teilen des Leibes macht, um bei der Besichtiguna zum Diens' untüchtig erklärt zu werden. Rkangelte die Küchenschelle, so versuchte man das gleiche Re fultat mit Knoblauch zu erzielen DallaS fügt seiner Mitteilung über bie Küchenschelle die fnt".’ ■ essante Bemerkung hinzu, daß in Gegenden Sibiriens. in denen die Heuschrecken alles, selbst Wolfsmilch, aufgesressen hatten, nur der harte San dHalm unb die Küchenschelle übciggelaffen waren, daß aber die Blume der letzteren von den Schafen ohne Schaden gefressen wurden.
Woran erkennt man die Singvögel?
Mancher Leser toirb über die Aktivität bietet Frage den Kops schütteln und toirb sagen. Ra° türlich am Singen! Daß diese Antwort aber durchaus irrig ist. geht schon daraus hervor daß ja auch die Rabenvögel zu den Singvögeln gehören und ihre Zugehörigkeit erkennen wir sicherlich nicht am „Gesang"! Einen Singvogel kann mau schon im ersten Zugendstadium, alte zu einer Zeit in der er gewiß noch nicht singt, an einer typischen Eigenschaft der Singvögel cr- kennen: an dem operren, d. h., bie Jungen reihen den noch durch besondere Wülste verbreiterten Schnabelrachen weiter auf und lass«' sich das Futter bis hinter die Zunge schieben, ehe sie schlucken. Die Singvögel schnappen also als Heinere Restjungen niemals nach Futter. Wohl um bie Eltern immer wieder neu zum Füttern anzuregen unb um ihnen, wenn das Rest in einer dunklen Höhle steht, den Ort, wohin die die Bissen gesteckt werden sotten, anzuzeigen, sind diese Sperr-Rachen stets mehr oder weniger bunt unb leuchtend gefärbt und die Randwülste heben sich häufig noch in der Farbe besonder« ab. Außer den Singvögeln sperren bei uns bloß noch der Wiedehopf unb der Kuckuck.
60X21 Meter große unb 20 Meier hohe Mittel- Halle für Schiffbau unb Luftschisfahrt. Dom Ein bäum unb den Originalbooten der Naturvölker bis zu den Modellen mobernster Luxus- und Linienschiffe. Die Luftschiftahrt in ihren ersten An sängen bis zum heutigen Tage, ein Merkmal deutschen Erfindergeistes. Im ersten Stock befin bet sich auch der Ehrensaal mit einem bemerkens werten Deckengemälde von Julius Diez. In den Wandnischen und an den Pfeilern sowie in dem anschließenden Bildersaal sind die Denkmäler der hervorragendsten deutschen Forscher und Techniker angebracht. Mathematik, Physik, Chemie sind um fastend und restlos vertreten. Bon besonderem Reiz auch für den Laien sind die verschiedenen La boratorien. Ein sogenanntes alchimistisches Labora torium der Chemiker des 16. unb 17. Jahrhunberts in einem von Prosestor Schuz-Nurnberg entroor fenen gotischen Raum. Em Laboratorium bes 18. Jahrhunderts zeigt bie Einrichtungen, Präparate und Apparate der Zeit, wie z. B. von Scheele, Pristlcy, Lavoisier usw. Ein Liebialaboratorium mit zahlreichen Originalen von Liebig unb anderen Cl^nnkern ber Zeit, wie Berzelius, Wöhler, Bun sen usro. Eine historische Apotheke des Mittelalters gibt ein anschauliches Bild der Entwicklung der Heilmittel. Damals versuchte man noch bie unmöglichsten Stoffe als Heilmittel; Behälter für Men schenfett und gemahlene Menschenschädel fehlen nicht. Eine Ausstellung für sich sozusagen bilden die Musikinstrumente.
Die Gruppen des zweiten Stockes: Wohn- unb Städtebau finden erst 1926 ihre Vollendung. Im dritten Stock ist aber noch bie gesamte Textilindustrie und Papierindustrie mit Drucktechnik, fer ner Landwirtschaft, Mühlenbau, Molkerei, Braue rei und Brennerei untergebracht. Alles stets in ber gleichen Vollständigkeit und wissenschaftlichen Gründlichkeit. Im Garten ist bie Entwicklung bei ffiinbräber dargestellt: hier hat auch das Original einer holländischen Windmühle aus dem 18. Jahr hundert Aufstellung gefunden. Historische Krane Signale und Scherheitseinrichtungen für Bahnhofs anlagen sind ebenfalls da. — Und zum Schluß ret ten wir uns in die Erfrischungsräume. —
Die Eröffnung des Deutschen Museums in München wird zu einer internationalen Sensation werden Schon jetzt behandeln auch große ausländische Blätter das hier Geschaffene in langen Ar titeln als ein beredtes Zeugnis deutscher Stultur, deutschen Geistes, deutscher Arbeit unb deutschen emsigen Schassens: im Gegensatz zu dem Deutschland der Polltik, der Parteipolitik, der Revolution und der Korruption als das Spiegelbilb des anbe ren, auch heute noch verbundenen ronbre« Deutsch land.


